Methode
Quellen & Methode
Worauf diese Lesefassung beruht – und warum die Quellenwahl Konsequenzen hat.
Die Textgrundlage: Henning (1901)
Die Paraphrase auf dieser Seite basiert auf der Übersetzung von Max Henning, erstmals erschienen 1901 bei Reclam in Leipzig. Hennings Übersetzung war die erste vollständige deutsche Koran-Übertragung, die nicht aus lateinischen oder französischen Zwischenfassungen abgeleitet war, sondern direkt aus dem Arabischen. Sie ist heute gemeinfrei, weil Henning 1911 starb – die 70-Jahres-Frist nach europäischem Urheberrecht ist also lange abgelaufen.
Hennings Sprache ist elegant und stilistisch hoch, aber auch deutlich gealtert: viele archaische Wendungen („sprich!", „wahrlich, wahrlich"), gelegentlich biblisierende Bezüge zur Luther-Tradition, und stellenweise ungenaue Übertragungen, wo neuere philologische Erkenntnisse fehlten.
Genau deshalb basiert diese Seite auf Henning, gibt ihn aber nicht direkt wieder, sondern erzählt seine Verse in heutiger Sprache nach.
Warum keine andere Übersetzung?
Die meisten anerkannten zeitgenössischen Koran-Übersetzungen sind urheberrechtlich geschützt – wir dürften sie weder abschreiben noch eng paraphrasieren. Dazu gehören:
- Hartmut Bobzin (2010, C.H. Beck) – philologisch streng, sprachlich modern, mit knappem Kommentar. Gilt als Standardwerk.
- Adel Theodor Khoury (1987–2001, Gütersloher Verlagshaus) – mit ausführlichem Kommentar; aus christlich-theologischer Perspektive geprägt.
- Rudi Paret (1962, Kohlhammer) – wissenschaftlich präzise, sprachlich spröde; bis zu Bobzin Standardwerk an deutschen Universitäten.
- Friedrich Rückert (1888) – gemeinfrei, aber als Übersetzung unvollständig (etwa 50 % des Korans).
- Ahmadiyya-Übersetzung (mehrere Auflagen) – aus Sicht der Ahmadiyya-Gemeinschaft, theologisch eigenständig.
Wer den Koran ernsthaft studieren möchte, sollte mindestens zwei dieser Übersetzungen vergleichend lesen.
Worauf die Einordnungen beruhen
Die historischen, theologischen und exegetischen Einordnungen jeder Sure stützen sich auf etablierte Sekundärliteratur. Auch diese Werke werden nicht zitiert, sondern in eigener Formulierung zusammengefasst:
- Angelika Neuwirth: Der Koran als Text der Spätantike (2010). Wegweisende Untersuchung zur Verbindung des Korans mit jüdisch-christlich-antiken Traditionen.
- Hartmut Bobzin: Mohammed (3. Aufl. 2011); Der Koran (Übersetzung 2010, mit umfangreichem Apparat).
- Tilman Nagel: Mohammed. Leben und Legende (2008). Historisch-kritisch.
- Fazlur Rahman: Major Themes of the Quran (1980). Bedeutender muslimischer Modernist.
- Mouhanad Khorchide: Islam ist Barmherzigkeit (2012); Scharia – der missverstandene Gott (2013). Innerislamische Reformpositionen.
- Karen Armstrong: Mohammed (2006). Verständliche Biografie.
- Klassische arabische Tafsīr-Werke (at-Tabari, Ibn Kathīr, az-Zamachscharī) – in Auswahl, vermittelt über die genannten Sekundärquellen.
Wo Auslegungen umstritten sind
An vielen Stellen gibt es mehrere mögliche Lesarten – innerhalb des Islam (sunnitisch/schiitisch, traditionell/reformorientiert) ebenso wie zwischen islamischer und religionswissenschaftlich-säkularer Forschung. In den Einordnungen werden wichtige Alternativen genannt, ohne zu suggerieren, eine sei richtiger als die andere.
Eine Ausnahme: Wenn eine historisch fragwürdige Lesart (etwa antisemitische Engführungen des letzten Verses der Sure 1) traditionell verbreitet ist, wird das benannt – aber im Kontext, mit dem Hinweis auf moderne korrigierende Lesarten.
Was diese Seite nicht leisten kann
- Keine arabischen Originaltexte. Wer den Koran auf Arabisch lesen will, findet ihn in jeder islamischen Buchhandlung, online auf quran.com oder bei corpus.quran.com.
- Keine Audio-Rezitation. Hören gehört zur Koran-Erfahrung dazu – wir bieten den schriftlichen Zugang. Audio findest du z. B. bei quran.com.
- Keine ausführliche Vers-für-Vers-Exegese. Die Einordnung pro Sure ist Übersicht, kein Tafsīr.
Aktualität & Fehler
Diese Seite wird laufend ergänzt – die Suren entstehen in mehreren Wellen, weil die längeren Texte (Sure 2 hat 286 Verse) sorgfältige Arbeit brauchen. Wer einen Fehler findet, eine wichtige Auslegung vermisst oder eine Quelle ergänzen möchte: gern eine kurze Mail an 301@seo-manager.info.