Alle 114 Suren des Korans
Sure 106: Koreisch (Quraisch)
Sure 106 von 114, 4 Verse
Sure 106 heißt "Koreisch" (Quraisch), nach dem Stamm, der Mekka beherrschte. Sie hat nach der Kairoer Zählung 4 Verse und fordert die Koreisch auf, dem Herrn der Kaaba zu dienen, der sie mit Nahrung und Sicherheit versorgt. Sie gilt als eine der ältesten Suren.
1 Für die Vereinigung von Koreisch,
2 Für ihre Vereinigung zur Winter- und Sommerkarawane.
3 So mögen sie dienen dem Herrn dieses Hauses,
4 Der sie mit Speise versieht gegen den Hunger und sicher macht vor Furcht. (Flügel 3 bis 4)
Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.
Sure 106 trägt den Namen des Stammes Koreisch (arabisch Quraisch), der zur Zeit Muhammads Mekka beherrschte. Max Henning nennt sie in seiner Übersetzung "Koreisch" [2]. Sie hat nach der Kairoer Zählung 4 Verse und gilt in der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) als mekkanisch [3, 4]. In der Offenbarungsfolge der ägyptischen Standardausgabe steht sie an 29. Stelle, in der Chronologie von Theodor Nöldeke an 4. Stelle [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).
Datierung
Nöldeke schrieb, die Sure trage "das Gepräge hohen Alters". Muhammad ermahne darin ruhig die Koreisch, dem Gott der Kaaba für ihre zwei jährlichen Karawanen zu danken, die Quelle des Wohlstands für das Handelsvolk [1]. Der Kommentar des Corpus Coranicum an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften rechnet die Sure wegen der kurzen Verse (durchschnittlich 11 Silben) und der Gottesbezeichnung "Herr" zu den frühmekkanischen Suren und zählt sie mit Sure 105 zu den frühesten Korantexten [5]. Gott erscheine hier als gütiger Schutzherr Mekkas, noch nicht als Schöpfer und Richter aller Menschen [5].
Inhalt
Die vier Verse bilden einen einzigen Satz mit durchgehendem Reim [5]:
- Verse 1 und 2: der Anlass des Dankes, die "Vereinigung" der Koreisch zur Winter- und Sommerkarawane [2].
- Vers 3: die Aufforderung, "dem Herrn dieses Hauses" zu dienen (Sure 106,3) [2].
- Vers 4: was dieser Herr für sie tut (Sure 106,4): "Der sie mit Speise versieht gegen den Hunger und sicher macht vor Furcht." [2]
Henning erklärte die Sicherheit 1901 damit, dass das Gebiet der Koreisch als unverletzlich galt [2]. Einige muslimische Ausleger lesen die Sure zusammen mit der vorigen Sure 105, Der Elefant. Nach Ibn Kathir schrieben die Prophetengefährten die Eingangsformel zwischen beide Suren, obwohl sie inhaltlich eng zusammengehören; at-Tabari stellte fest, dass sie nach übereinstimmender Ansicht zwei eigene Suren sind [6].
Wie die Sure verstanden wird
Ibn Kathir deutet die Sure so: Gott hielt den Elefanten von Mekka fern, um die Koreisch in ihrer Stadt zusammenzuhalten. Ihre Karawanen zogen im Winter in den Jemen und im Sommer nach Syrien und kehrten sicher zurück, weil man sie als Bewohner des heiligen Bezirks achtete. Aus dieser Gunst folge der Auftrag, den Herrn der Kaaba allein zu verehren [6]. Das "Haus" ist auch nach Muhammad Asad die Kaaba. Asad verbindet Vers 4 in den Anmerkungen zu seiner englischen Übersetzung mit dem Gebet Abrahams in Sure 2,126 um ein sicheres Land und Nahrung für seine Bewohner [7]. Mehr zur Kaaba als Ziel der Pilgerfahrt steht auf der Seite Die Pilgerfahrt (Hadsch) im Koran.
Die Islamwissenschaft streitet vor allem über das Wort, das Henning mit "Vereinigung" wiedergibt (ilaf). Nach dem Kommentar des Corpus Coranicum lässt es sich als "verbunden sein" oder als "sich gewöhnen an" verstehen. Uri Rubin deutete es 1984 als "gewöhnen an" im Sinn eines Schutzes, den Gott gewährt, mit einem Wortspiel auf die irdischen Schutzabkommen der Koreisch; 2011 las er die Verse 1 und 2 als Kritik an der Gewinnsucht der Mekkaner. Der Kommentar folgt dieser späteren Deutung nicht [5]. Ob die Reisen Handelszüge waren, wie die Überlieferung sagt, oder Pilgerreisen zum Heiligtum, wie F. E. Peters erwog, hält er für die Aussage der Sure für nachrangig [5]. Dass Haschim, ein Vorfahr Muhammads, die beiden Karawanen eingeführt habe, nannte schon Nöldeke sehr zweifelhaft [1].
Wie Muhammad mit den Koreisch in Konflikt geriet, beschreibt geschichte.domain-root.de auf der Seite Mohammed. Die nächste Sure ist Sure 107, Der Beistand.
- Studie Geschichte des Qorâns. Theodor Nöldeke, Dieterichsche Buchhandlung Göttingen, S. 72 bis 73 und 227 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
- Der Koran. Max Henning (Übersetzer), Reclam jun. Leipzig, S. 610 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1901. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
- List of chapters in the Quran. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Sure 106, Quraisch (Chronologisch-literaturwissenschaftlicher Kommentar zum Koran, Teil 1). Corpus Coranicum, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Nicolai Sinai, Betaversion). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Quraysh Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Surah 106. Quraish. Alim.org (Übersetzung und Anmerkungen von Muhammad Asad). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.