Alle 114 Suren des Korans

Sure 113: Das Morgengrauen (Al-Falaq)

Sure 113 von 114, 5 Verse

Sure 113 heißt bei Henning "Das Morgengrauen", arabisch Al-Falaq, und hat nach der Kairoer Zählung 5 Verse. Sie ist eine Bitte um Zuflucht beim Herrn des Morgengrauens vor dem Übel der Schöpfung, der Nacht, der Zauberei und des Neides. Zusammen mit Sure 114 bildet sie die beiden Schutzsuren.

1 Sprich: Ich nehme meine Zuflucht zum Herrn des Morgengrauens,

2 Vor dem Übel dessen, was er erschaffen,

3 Und vor dem Übel der Nacht, wenn sie naht,

4 Und vor dem Übel der Knotenanbläserinnen,

5 Und vor dem Übel des Neiders, wenn er neidet.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 113 heißt in der Übersetzung von Max Henning "Das Morgengrauen", arabisch Al-Falaq [2]. Sie hat nach der Kairoer Zählung 5 Verse und gilt in der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) als mekkanisch; Henning schrieb 1901 "Mekka (nach andern zu Medina)" [2, 3, 4]. In der Offenbarungsfolge der ägyptischen Standardausgabe steht sie an 20. Stelle, in der Chronologie von Theodor Nöldeke an 46. Stelle [4]. Mit der folgenden Sure 114, Die Menschen, bildet sie ein Paar, das die Muslime unter einem gemeinsamen Namen zusammenfassen, die beiden Schutzsuren [1, 2]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Datierung

Nöldeke nannte die Zeitbestimmung der beiden Beschwörungsformeln 113 und 114 die allerschwierigste. Nicht einmal, dass sie vor der Auswanderung nach Medina entstanden, lasse sich sicher sagen [1]. Vielleicht liege in der Überlieferung, Muhammad sei durch diese Suren von einem Zauber geheilt worden, etwas Wahres; vielleicht habe er damals aber nur ältere Beschwörungen angewandt, wie Gustav Weil meinte. Sicher sei nach Nöldeke nur, dass beide Suren zur selben Zeit entstanden [1].

Inhalt

Die Sure ist eine Bitte um Zuflucht und beginnt mit "Sprich: Ich nehme meine Zuflucht zum Herrn des Morgengrauens," (Sure 113,1) [2]. Darauf folgen vier Übel, vor denen der Sprecher Schutz sucht [2]:

  • Vers 2: das Übel dessen, was Gott erschaffen hat.
  • Vers 3: das Übel der Nacht, wenn sie naht.
  • Vers 4: "Und vor dem Übel der Knotenanbläserinnen," (Sure 113,4).
  • Vers 5: das Übel des Neiders, wenn er neidet.

Henning erklärte die Knotenanbläserinnen 1901 als Zauberinnen, die Zauberknoten schürzen und anblasen. Er merkte an, die beiden letzten Suren würden als Amulette getragen [2].

Wie die Sure verstanden wird

Ibn Kathir führt mehrere Hadithe an, nach denen der Prophet die beiden Suren zum Schutz lehrte und selbst sprach. Uqba ibn Amir habe er geraten, sie vor dem Schlafen und nach dem Aufwachen zu sprechen, und nach Aischa sprach er sie über sich, wenn er krank war [5]. Das "Morgengrauen" deuten nach Ibn Kathir die meisten, darunter Ibn Abbas und Mudschahid, als Tagesanbruch; für die Nacht in Vers 3 nennt er auch andere Deutungen, etwa den Mond [5]. Die Knotenanbläserinnen sind nach Mudschahid, Ikrima und anderen Zauberinnen [5]. Ibn Kathir erzählt nach al-Buchari außerdem, ein Mann namens Labid ibn al-Asam habe den Propheten verzaubert, und Gott habe ihn geheilt [5].

Muhammad Asad versteht das Anblasen von Knoten in den Anmerkungen zu seiner englischen Übersetzung als vorislamische Redewendung für alle angeblich okkulten Bemühungen. Die weibliche Form müsse nicht Frauen meinen. Er berichtet, der klassische Ausleger az-Zamachschari habe die Wirklichkeit und Wirksamkeit solcher Praktiken entschieden abgelehnt, ähnlich die Reformer Muhammad Abduh und Raschid Rida [6]. Zuflucht suche der Gläubige trotzdem, weil solche Praktiken sündhaft und für den, der sie betreibt, seelisch gefährlich seien [6]. Mehr zu den Dschinn und anderen unsichtbaren Wesen im Koran steht auf der Seite Engel und Dschinn im Koran.

Die Islamwissenschaft beschäftigt vor allem die Überlieferung, dass die Suren 113 und 114 im Koranexemplar des Ibn Masud fehlten, ebenso wie Sure 1. Nöldeke schloss daraus, dass Ibn Masud sie bewusst ausließ, weil sie sich von allen übrigen Suren unterscheiden [1]. Ibn Kathir stellt dem den Bericht von Ubai ibn Kab gegenüber, nach dem Gabriel beide Suren dem Propheten lehrte [5]. Der Kommentar des Corpus Coranicum zu Sure 114 nennt die Suren 1, 113 und 114 zusammen die "Rahmenteile des Corpus" [7]. Einen eigenen Kommentar des Corpus Coranicum zu Sure 113 gibt es bisher nicht [8].

Die vorige Sure ist Sure 112, Die Reinigung. Wie der Koran gesammelt wurde, erklärt die Seite Wie der Koran entstand und überliefert wurde.

  1. Studie Geschichte des Qorâns. Theodor Nöldeke, Dieterichsche Buchhandlung Göttingen, S. 85 bis 86 und 232 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  2. Der Koran. Max Henning (Übersetzer), Reclam jun. Leipzig, S. 613 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1901. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  4. List of chapters in the Quran. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Falaq Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Surah 113. Al-Falaq. Alim.org (Übersetzung und Anmerkungen von Muhammad Asad). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Studie Sure 114, an-Nas, Die Menschen (Chronologisch-literaturwissenschaftlicher Kommentar zum Koran, Teil 3). Corpus Coranicum, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Dirk Hartwig und Angelika Neuwirth, Betaversion). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Studie Kommentare, verfügbare Suren (Schnittstelle). Corpus Coranicum, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.