Alle 114 Suren des Korans
Sure 112: Die Reinigung (Al-Ichlas)
Sure 112 von 114, 4 Verse
Sure 112 heißt bei Henning "Die Reinigung", arabisch Al-Ichlas, und hat nach der Kairoer Zählung 4 Verse. Sie bekennt Gott als den einen und ewigen, der nicht zeugt und nicht gezeugt wird und dem keiner gleich ist. Nach einem Hadith wiegt sie ein Drittel des Korans auf.
1 Sprich: Er ist der eine Gott,
2 Der ewige Gott;
3 Er zeugt nicht und wird nicht gezeugt,
4 Und keiner ist ihm gleich.
Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.
Sure 112 heißt in der Übersetzung von Max Henning "Die Reinigung", arabisch Al-Ichlas [2]. Nach der englischen Wikipedia heißt sie auch At-Tauhid, "Eingottglaube", weil sie nur von der Einheit Gottes handelt [7]. Sie hat nach der Kairoer Zählung 4 Verse und gilt in der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) als mekkanisch [3, 4]. In der Offenbarungsfolge der ägyptischen Standardausgabe steht sie an 22. Stelle, in der Chronologie von Theodor Nöldeke an 44. Stelle [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).
Datierung
Nöldeke rechnet die Sure zu einigen kleinen Suren, die als Glaubens- und Beschwörungsformeln dienen und die er an die erste mekkanische Periode anschließt. Ihr Alter lasse sich kaum genauer bestimmen, sie gehörten aber eher in Muhammads frühere als in seine späteren Jahre [1]. Viele hätten die Sure nach Medina versetzt, weil sie als Antwort auf eine Frage der Juden in Jathrib nach dem Wesen Gottes galt. William Muir setzte sie dagegen gleich nach Sure 96 an den Anfang; seinen Grund hielt Nöldeke für kaum stichhaltig [1]. Die englische Wikipedia hält die mekkanische Herkunft für wahrscheinlicher [7].
Inhalt
Die Sure ist ein Bekenntnis in vier kurzen Sätzen, eingeleitet mit "Sprich: Er ist der eine Gott," (Sure 112,1) [2]:
- Verse 1 und 2: Gott ist der eine und der ewige Gott [2].
- Vers 3: "Er zeugt nicht und wird nicht gezeugt," (Sure 112,3) [2]
- Vers 4: Keiner ist ihm gleich [2].
Henning erklärte den Namen 1901 als Reinigung vom falschen Glauben an mehrere Götter und nannte die Sure "das antichristliche Bekenntnis" [2]. Was der Koran sonst über den einen Gott sagt, erklärt die Seite Glaube im Koran.
Wie die Sure verstanden wird
Ibn Kathir berichtet nach Ubai ibn Kab, Götzendiener hätten den Propheten nach der Abstammung seines Herrn gefragt, worauf die Sure offenbart worden sei. Nach einem Hadith bei al-Buchari kommt sie einem Drittel des Korans gleich [5]. Für das Wort, das Henning mit "ewig" wiedergibt (as-samad), führt er mehrere Erklärungen an: nach Ibn Abbas der, auf den alle Geschöpfe in ihren Bedürfnissen angewiesen sind, nach Abu Wail der Herr, dessen Herrschaft vollkommen ist [5]. Vers 3 weist nach ihm jede Behauptung zurück, Gott habe Kinder oder Eltern; nach einem Bericht von Ikrima bezieht er sich unter anderem auf Juden, die Esra, und Christen, die den Messias Sohn Gottes nannten [5].
Muhammad Asad gibt as-samad in den Anmerkungen zu seiner englischen Übersetzung als "die unverursachte Ursache allen Seins" wieder und sagt selbst, das treffe den Sinn nur ungefähr; das Wort komme im Koran nur hier vor. Aus Vers 4 folgert er, dass Gottes Wesen menschliches Begreifen übersteigt und sich nicht in Bildern darstellen lässt [6]. Nach dem Kleinen Islam-Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung ist der strenge Eingottglaube ein Hauptdogma der islamischen Theologie, die sich deshalb auch "Wissenschaft vom Einsheit-Bekennen" nennt; die christliche Dreifaltigkeit gilt dort meist als Widerspruch dazu [8].
In der Islamwissenschaft liest Angelika Neuwirth Vers 3 nach der englischen Wikipedia als Gegenrede zum Glaubensbekenntnis von Nicäa, gestützt auf Entsprechungen im Aufbau [7]. Die ersten drei Verse stehen auch auf einer Münze des Kalifen Abd al-Malik von 697 und am Anfang der großen Inschrift im Felsendom in Jerusalem von 691 [7]. Wie der Koran über Jesus spricht, steht auf der Seite Jesus im Koran.
Sie folgt auf Sure 111, Verderben und steht vor Sure 113, Das Morgengrauen.
- Studie Geschichte des Qorâns. Theodor Nöldeke, Dieterichsche Buchhandlung Göttingen, S. 84 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
- Der Koran. Max Henning (Übersetzer), Reclam jun. Leipzig, S. 612 bis 613 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1901. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
- List of chapters in the Quran. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Ikhlas Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Surah 112. Al-Ikhlas. Alim.org (Übersetzung und Anmerkungen von Muhammad Asad). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Al-Ikhlas. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Behörde Gott. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Stephan Guth). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.