Themen des KoransRatgeber

Glaube im Koran: der eine Gott und die Säulen des Islam

Im Mittelpunkt des Glaubens steht im Koran der eine Gott, dem nichts gleich ist (Sure 112). Sure 4,136 nennt dazu den Glauben an Engel, Schriften, Gesandte und den jüngsten Tag. Die fünf wichtigsten Pflichten, Glaubensbekenntnis, Gebet, Almosen, Fasten und Pilgerfahrt, heißen "fünf Säulen"; der Ausdruck selbst steht nicht im Koran.

Ein stiller Innenhof mit weißen Wänden, durch ein Gitterfenster mit geometrischem Muster fällt Morgenlicht auf den hellen Steinboden
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Eine geordnete Glaubenslehre enthält der Koran nicht. Eine theologische oder rechtliche Abhandlung ist er nach dem Kleinen Islam-Lexikon nicht [19]. Er sagt aber an vielen Stellen, woran die Gläubigen glauben und was sie tun sollen. Ein Vers, der die Glaubensinhalte aufzählt, steht in Sure 4: "Wer nicht glaubt an Allah und seine Engel und die Schriften und seine Gesandten und an den jüngsten Tag, der ist weit abgeirrt" (Sure 4,136) [1]. Aus solchen Versen und aus der Überlieferung haben Theologen und Rechtsgelehrte später eine Glaubenslehre und eine Pflichtenlehre gemacht. Die fünf wichtigsten Pflichten heißen "fünf Säulen" [2]. Die Koranzitate auf dieser Seite stammen aus der deutschen Lesefassung nach der Übersetzung von Max Henning (1901) [1]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut.

Der eine Gott

Im Mittelpunkt steht die Einheit Gottes. Die kurze Sure 112, bei Henning "Die Reinigung", fasst sie in vier Versen: "Sprich: Er ist der eine Gott, Der ewige Gott; Er zeugt nicht und wird nicht gezeugt, Und keiner ist ihm gleich." (Sure 112,1 bis 4) [1]. Der ganze Text und eine Einordnung stehen auf der Seite Sure 112.

Ein weiter Sternenhimmel über ruhigen Wüstendünen, am Horizont zeigt sich das erste schwache Morgenlicht
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Dass Gott nur einer ist und sich nicht in Teile zerlegen lässt, gehört nach dem Kleinen Islam-Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung zu den obersten Lehrsätzen der islamischen Theologie. Von diesem Gedanken hat sie ihren arabischen Namen ʿilm at-tauhid, im Lexikon übersetzt als "Wissenschaft vom Einsheit-Bekennen" [4]. Gott erscheint dort als allmächtiger Schöpfer, der alles sieht und weiß; was geschieht, folgt seinem Willen. Im Jüngsten Gericht urteilt er gerecht über das, was die Menschen getan haben. Seine Güte, arabisch rahma, erkennt man an der Schöpfung und daran, dass er sich offenbart, am deutlichsten im Koran [4].

Zu den Versen über Gott gehört der Thronvers. Er beginnt mit den Worten "Allah! Es gibt keinen Gott außer ihm, dem Lebendigen, dem Ewigen!" und sagt weiter: "Nicht ergreift ihn Schlummer und nicht Schlaf." (Sure 2,255) [1]. Was in diesem Vers steht und wie er gebraucht wird, beschreibt die Seite Der Thronvers.

Die Beigesellung

Das Gegenteil der Einheit heißt in Hennings Übersetzung "beigesellen" oder "Gefährten geben", arabisch Schirk [1, 4]. Zweimal sagt Sure 4 fast mit denselben Worten, dass Allah dies nicht vergibt: "Siehe, Allah vergibt nicht, dass man ihm Götter beigesellt; doch verzeiht er, was außer diesem ist, wem er will." (Sure 4,48; ähnlich 4,116) [1]. Die christliche Lehre von der Dreifaltigkeit versteht man im Islam nach dem Kleinen Islam-Lexikon meist als Teilung Gottes. Damit verstößt sie aus dieser Sicht gegen seine Einheit und gegen das Verbot der Beigesellung [4].

Im Islam gilt Abraham als "erster Monotheist". Aus diesem Grund bezeichnet der Koran den Islam auch als Glaubensgemeinschaft Abrahams [11]. Über ihn heißt es: "Abraham war weder Jude noch Christ; vielmehr war er lauteren Glaubens, ein Muslim, und keiner derer, die Gott Gefährten geben." (Sure 3,67) [1].

Woran die Gläubigen glauben

Zwei Verse zählen die Glaubensinhalte auf. Sure 2,285 nennt den Glauben "an Allah und seine Engel und seine Schriften und seine Gesandten", Sure 4,136 fügt den jüngsten Tag hinzu [1]. Sure 2,177 verbindet den Glauben mit dem Handeln. Der Vers beginnt mit dem Satz "Nicht besteht die Frömmigkeit darin, dass ihr eure Gesichter nach Westen oder Osten kehrt" [1]. Fromm ist danach, wer an Allah, den jüngsten Tag, die Engel, die Schrift und die Propheten glaubt, wer von seinem Geld Angehörigen, Waisen, Armen, Reisenden, Bettlern und Gefangenen gibt, wer betet, die Armensteuer zahlt, Zusagen hält und in Not standhaft bleibt [1].

Ein alter Olivenbaum an einem Hang bei Sonnenaufgang, lange Schatten auf trockenem Gras, Hügel im Dunst
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Nach einer weit verbreiteten Überlieferung hat Gott die Engel aus Licht geschaffen. Sie stehen zwischen ihm und den Menschen und übernehmen dort vermittelnde Aufgaben. Das Kleine Islam-Lexikon rechnet den Engelglauben zu den Grundlagen des islamischen Glaubens [5]. Der bedeutendste unter ihnen ist Gabriel, arabisch Dschibril. Durch ihn erhalten die Propheten nach islamischem Verständnis Gottes Wort, Muhammad also auch den Koran [5].

Nach islamischem Verständnis hat Gott jedem Volk Gesandte und Propheten geschickt [12]. Sure 35,24 sagt: "es gibt kein Volk, in dem nicht ein Warner gelebt hätte" [1]. Den Schluss dieser Reihe bildet Muhammad, den Sure 33,40 das "Siegel der Propheten" nennt [1, 12]. Wer zu ihr gehört, von Noah und Abraham bis Jesus, zeigt die Seite Die Propheten im Koran.

Der jüngste Tag und das Ende der Welt sind schon in den frühesten Suren ein zentrales Thema und werden in starken Bildern ausgemalt, zum Beispiel in den Suren 81, 82, 84, 99 und 101 [6]. Lohn und Strafe für das Tun der Menschen auf der Erde gehören nach dem Lexikon zu den wichtigsten Themen der islamischen Theologie [6]. Wie der Koran Tod, Gericht, Paradies und Hölle beschreibt, steht auf der Seite Tod, Gericht und Jenseits im Koran.

Eine Frage beschäftigte die Theologen besonders: Wenn Gottes Wille alles bestimmt, wie frei ist der Mensch? Für Schicksal steht arabisch qadar, im Türkischen kismet; wörtlich heißt das etwa "das Zugeteilte" [7]. Der Glaube, dass alles vorherbestimmt ist, bot und bietet nach dem Kleinen Islam-Lexikon vielfach Raum dafür, sich untätig in sein Los zu fügen. Zum Wesen des Islams gehört eine solche Haltung dort aber nicht [7].

Glaube und Islam

Islam ist das arabische Wort für "Unterwerfung", und zwar für die Unterwerfung unter Gott [8]. Nach muslimischer Auffassung ist der Islam so alt wie die Menschheit. Im Lauf der Geschichte hat Gott nach dieser Lehre mehrmals gesprochen, etwa in Tora und Bibel. Unverändert erhalten ist sein Wort aber allein im Koran [8]. Sure 3,19 sagt: "Siehe, die Religion bei Allah ist der Islam." [1].

Der Koran unterscheidet an einer Stelle zwischen dem äußeren Bekenntnis und dem Glauben im Herzen. In Sure 49,14 sollen Araber, die sagen, sie glaubten, stattdessen sagen, sie seien Muslime, "denn der Glauben ist noch nicht eingekehrt in eure Herzen" [1]. Zum Glauben selbst steht in Sure 2,256 der Satz: "Es sei kein Zwang im Glauben." [1].

Die fünf Säulen

Das Wort "Säulen" steht im Koran nicht für Pflichten; es kommt nur im wörtlichen Sinn vor, etwa in Sure 89,7 und 104,9 [1]. Mit den fünf Säulen meint die Lehre die fünf Gebote, die am meisten Gewicht haben: das Glaubensbekenntnis ablegen, das rituelle Gebet, die Pflichtabgabe an Bedürftige in festgelegter Form, das Fasten im Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka [2]. Für jede dieser Pflichten gibt es Verse im Koran. Wie sie im Einzelnen erfüllt werden, regelt aber vor allem die Überlieferung, die Sunna; als Quelle religiöser Normen steht sie an zweiter Stelle hinter dem Koran [13].

Eine Reihe schlanker heller Steinsäulen in einem leeren schattigen Bogengang, warmes Nachmittagslicht fällt auf den Fliesenboden
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SäuleWas dazu gehörtVerse im Koran (Auswahl)
Glaubensbekenntnis (schahada)Bekenntnis, dass es keinen Gott außer Gott gibt und Muhammad sein Prophet ist [3]Sure 47,19; 48,29 [1]
Gebet (salat)täglich fünfmal, mit Gebetsruf und ritueller Waschung vorab [14]Sure 2,43; 11,114; 17,78 [1]
Almosen (zakat)jedes Jahr ein festgelegter Anteil am Vermögen, bei Edelmetallen ein Vierzigstel [15]Sure 2,43; 2,177; 9,60 [1]
Fasten (saum)im Monat Ramadan zwischen Morgendämmerung und Sonnenuntergang [16]Sure 2,183 bis 187 [1]
Pilgerfahrt (hadsch)einmal im Leben, wenn jemand körperlich und finanziell dazu in der Lage ist [17]Sure 3,97; 22,27 [1]

Die beiden Teile des Bekenntnisses stehen im Koran an verschiedenen Stellen. Sure 47,19 sagt, "dass es keinen Gott gibt außer Allah", Sure 48,29 beginnt mit "Muhammad ist der Gesandte Allahs" [1]. Gebet und Armensteuer stehen in der Lesefassung in 26 Versen zusammen, zum Beispiel in Sure 2,43 [1]. Die Wendung "das Gebet verrichten und die Armensteuer zahlen" steht wörtlich unter anderem in Sure 4,162 und 5,55 [1]. Vielfach zahlen Muslime die zakat aus eigenem Antrieb; manche islamische Staaten erheben sie aber auch als Steuer [15].

Die übrigen Säulen haben eigene Seiten: Das Gebet im Koran beschreibt Gebetszeiten, Waschung und Gebetsrichtung. Fasten und Pilgerfahrt behandeln die Seiten zum Ramadan und zum Hadsch in diesem Bereich.

Wie der Glaube verstanden wird

In der klassischen Theologie brachte al-Aschari (gest. 935/36) Gottes Vorherbestimmung und die Verantwortung des Menschen mit dem Begriff kasb zusammen, auf Deutsch "Aneignung". Nach seiner Lehre schafft Gott jede Handlung. Der Mensch kann aber Ja oder Nein zu ihr sagen, weil Gott ihm diese Möglichkeit mitgegeben hat, und macht sich die Tat auf diese Weise zu eigen [7]. Die Koranauslegung (tafsir) richtete sich nach dem Kleinen Islam-Lexikon stärker auf den wörtlichen Sinn als die christliche Bibelauslegung [18].

Ende des 19. Jahrhunderts entstand der Reformislam. Zu seinen Gründern zählt das Kleine Islam-Lexikon Dschamal ad-Din al-Afghani, Muhammad Abduh, Raschid Rida und Abd ar-Rahman al-Kawakibi [9]. Sie wollten die Grundtexte mit dem Verstand und passend zur eigenen Zeit neu auslegen, durch eigenständiges Urteilen (idschtihad) [9]. Für Abduh stand außer Frage, dass der Mensch frei handelt und für sein Tun einsteht. Das fatalistische Hinnehmen von Unrecht und Missständen kritisierte er [7].

Eine reformorientierte Stimme unter den heutigen muslimischen Theologen in Deutschland ist Mouhanad Khorchide von der Universität Münster; er stellt die Barmherzigkeit in den Mittelpunkt. In seinem Buch "Islam ist Barmherzigkeit" (2012) stellt er sie, so die Pressemitteilung der Universität Münster, als Selbstanspruch des Korans dar und setzt sie einer Theologie des Gehorsams und der Angst entgegen [10]. Er beruft sich dabei auf Sure 5,54, wo von einem Volk die Rede ist, "das er liebt und das ihn liebt" [1, 10]. Den Koran will er im Zusammenhang des siebten Jahrhunderts auf der Arabischen Halbinsel lesen, die Bilder von Paradies und Hölle versteht er als pädagogische Mittel für die damaligen Zuhörer [10].

Im modernen Islam zählt nach dem Kleinen Islam-Lexikon weniger, wie das Gericht im Einzelnen abläuft, als die Lehre, die man daraus für das Leben hier und jetzt zieht [6]. Wie sich der Glaube in der Geschichte ausbreitete und welche Richtungen entstanden, erzählt die Seite Die Geschichte des Islam auf geschichte.domain-root.de.

  1. Der Koran. Max Henning (Übersetzer), Philipp Reclam jun., Leipzig; Scan im Internet Archive. Stand ohne Jahr (Vorwort 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Fünf Säulen. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Ralf Elger). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Glaubensbekenntnis. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Ralf Elger). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  4. Behörde Gott. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Stephan Guth). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  5. Behörde Engel. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Stephan Guth). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  6. Behörde Jüngstes Gericht. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Gottfried Hagen). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  7. Behörde Schicksal. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Stephan Guth). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  8. Behörde Islam. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Ralf Elger). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  9. Behörde Reformislam. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Stephan Conermann). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  10. Organisation Khorchide: Islam ist Barmherzigkeit. Universität Münster, Exzellenzcluster Religion und Politik. Stand 01.12.2012. abgerufen am 29.10.2026
  11. Behörde Abraham. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Marco Schöller). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  12. Behörde Propheten. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Marco Schöller). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  13. Behörde Sunna. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Stefan Reichmuth). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  14. Behörde Gebet. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Ralf Elger). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  15. Behörde Almosen. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Ralf Elger). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  16. Behörde Fasten. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Ralf Elger). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  17. Behörde Pilgerfahrt. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Ralf Elger). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  18. Behörde Koranexegese. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Marco Schöller). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026
  19. Behörde Koran. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Marco Schöller). Stand 6. Auflage 2018. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.