Alle 114 Suren des Korans

Sure 109: Die Ungläubigen (Al-Kafirun)

Sure 109 von 114, 6 Verse

Sure 109 heißt "Die Ungläubigen" (Al-Kafirun) und hat nach der Kairoer Zählung 6 Verse. Der Prophet erklärt darin, dass er nicht dient, wem die Ungläubigen dienen, und schließt mit "Euch euer Glaube und mir mein Glaube". Die Überlieferung sieht darin die Antwort auf ein Angebot der Mekkaner.

1 Sprich: O ihr Ungläubigen,

2 Ich diene nicht dem, dem ihr dient,

3 Und ihr seid nicht Diener dessen, dem ich diene.

4 Und ich bin nicht Diener dessen, dem ihr dientet,

5 Und ihr seid nicht Diener dessen, dem ich diene.

6 Euch euer Glaube und mir mein Glaube.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 109 heißt in der Übersetzung von Max Henning "Die Ungläubigen", arabisch Al-Kafirun [2]. Sie hat nach der Kairoer Zählung 6 Verse und gilt in der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) als mekkanisch [3, 4]. In der Offenbarungsfolge der ägyptischen Standardausgabe steht sie an 18. Stelle, in der Chronologie von Theodor Nöldeke an 45. Stelle [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Datierung

Nöldeke stellt die Sure an das Ende der ersten mekkanischen Periode, zu einigen kleinen Suren, die als Glaubens- und Beschwörungsformeln dienen [1]. Er versteht sie als Antwort auf den Vorschlag der Mekkaner, dem Propheten zu folgen, wenn er ihren Göttern die gebührende Ehre erweise. Deshalb könne sie erst entstanden sein, als Muhammad schon länger mit ihnen gestritten hatte [1]. Dass einige Ausleger sie für medinensisch hielten, wies er zurück: Nach der Auswanderung hätte Muhammad auf ein solches Angebot ganz anders geantwortet [1]. Die deutsche Wikipedia nennt die mekkanische Herkunft die überwiegende Meinung der Ausleger; Ibn Abbas habe sie nach einer von zwei Aussagen medinensisch genannt [5].

Inhalt

Die Sure ist an die Ungläubigen gerichtet und beginnt mit dem Auftrag "Sprich: O ihr Ungläubigen," (Sure 109,1) [2]. Ihr Aufbau:

  • Verse 1 bis 5: Der Sprecher erklärt in mehreren fast gleichlautenden Sätzen, dass er nicht dem dient, dem die Angeredeten dienen, und sie nicht dem, dem er dient [2].
  • Vers 6: der Schluss "Euch euer Glaube und mir mein Glaube." (Sure 109,6) [2]

Die deutsche Wikipedia deutet die Wiederholung in Vers 5 als Bekräftigung und verweist dafür auf ähnliche Doppelungen in den Suren 78 und 94 [5]. Wie der Koran den Glauben an den einen Gott beschreibt, erklärt die Seite Glaube im Koran.

Wie die Sure verstanden wird

Die klassische Auslegung liest die Sure als Lossagung vom Götzendienst. Ibn Kathir gibt eine Überlieferung wieder, nach der die Koreisch Muhammad vorgeschlagen hätten, ein Jahr lang ihre Götter und sie ein Jahr lang seinen Gott anzubeten; darauf sei die Sure offenbart worden [6]. Sie sei an die Ungläubigen allgemein gerichtet, besonders aber an die Koreisch. Zu Vers 6 führt er al-Buchari an, nach dem "euer Glaube" den Unglauben und "mein Glaube" den Islam meine [6]. Nach Hadithen, die er anführt, rezitierte der Prophet die Sure in den zwei Gebetseinheiten nach dem Umlauf um die Kaaba und in den freiwilligen Gebetseinheiten vor dem Morgengebet [6].

Muhammad Asad gibt das Schlüsselwort in Vers 6 in den Anmerkungen zu seiner englischen Übersetzung nicht mit "Religion" wieder. Es bedeute zuerst Gehorsam gegenüber einem Gesetz und könne Religion, Glaube, religiöses Gesetz oder einfach sittliches Gesetz heißen; die letzte Bedeutung zieht er hier vor [7]. Der Kommentar des Corpus Coranicum zu Sure 107 stellt dagegen fest, das Wort bedeute in späteren Korantexten durchaus "Religion", und verweist dafür auf Sure 109,6 [8]. Vers 5 versteht er mit einer Bedingung: Die Angeredeten dienen nicht dem, dem der Prophet dient, solange sie nicht bereit sind, die falschen Werte aufzugeben, die sie die Wahrheit leugnen lassen [7].

In der Islamwissenschaft stützt sich die Datierung vor allem auf Nöldeke. Er nahm an, Muhammad sei auf solche Angebote nicht immer so streng eingegangen, und verwies dafür auf Sure 53; die Heiden hätten sich nur eine angemessene Stelle für ihre alten Götter gewünscht [1]. Den Wortlaut der Angebote, wie ihn die muslimische Überlieferung erzählt, hielt er im Einzelnen nicht für verbindlich [1].

Ihr geht Sure 108, Der Überfluss voraus, auf sie folgt Sure 110, Die Hilfe. Wie sich Muhammads Lage in Mekka entwickelte, beschreibt geschichte.domain-root.de auf der Seite Mohammed.

  1. Studie Geschichte des Qorâns. Theodor Nöldeke, Dieterichsche Buchhandlung Göttingen, S. 84 bis 85 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  2. Der Koran. Max Henning (Übersetzer), Reclam jun. Leipzig, S. 611 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1901. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  4. List of chapters in the Quran. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. al-Kāfirūn. Wikipedia. Stand 14.12.2024. abgerufen am 29.10.2026
  6. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Kafirun Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Surah 109. Al-Kafirun. Alim.org (Übersetzung und Anmerkungen von Muhammad Asad). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Studie Sure 107, al-Maun, Die Hilfeleistung (Chronologisch-literaturwissenschaftlicher Kommentar zum Koran, Teil 1). Corpus Coranicum, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Nicolai Sinai, Betaversion). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.