Alle 114 Suren des Korans

Sure 1: Die Öffnende (Al-Fatiha)

Sure 1 von 114, 7 Verse

Die Öffnende (Al-Fatiha) ist die erste Sure des Korans und hat nach der Kairoer Zählung 7 Verse. Sie ist ein kurzes Gebet aus Lob Gottes und der Bitte um den rechten Weg. Muslime sprechen sie in jedem Abschnitt des rituellen Gebets.

1 Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen.

2 Lob sei Allah, dem Herrn der Welten, (Flügel 1)

3 Dem Erbarmer, dem Barmherzigen, (Flügel 2)

4 Dem König am Tag des Gerichts! (Flügel 3)

5 Dir dienen wir und zu dir rufen um Hilfe wir; (Flügel 4)

6 Leite uns den rechten Pfad, (Flügel 5)

7 Den Pfad derer, denen du gnädig bist, nicht derer, denen du zürnst, und nicht der Irrenden. (Flügel 6)

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 1 heißt in der Übersetzung von Max Henning "Die Öffnende", auf Arabisch Al-Fatiha [2]. Weitere Namen sind Fatihat al-Kitab, "Eröffnung des Buches", und Umm al-Kitab, "Mutter des Buches" [4]. Die Sure hat nach der Kairoer Zählung 7 Verse; die Basmala "Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen" zählt dort als Vers 1. Nach der heute üblichen Einteilung ist sie mekkanisch [3].

Den Koran rezitieren Muslime auf Arabisch, und viele Stellen sind mehrdeutig; diese Mehrdeutigkeit geht in jeder Übersetzung verloren [6]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Datierung

Theodor Nöldeke rechnet die Sure in seiner "Geschichte des Qorâns" von 1860 zu den mekkanischen Suren. Offen ließ er, ob sie ans Ende der ersten oder an den Anfang der zweiten mekkanischen Periode gehört, weil mehrere ihrer Wörter in den ältesten Suren sonst fehlen. Für die allerälteste Offenbarung hielt er sie nicht [1]. In seiner chronologischen Liste steht sie an 48. Stelle, in der Offenbarungsfolge der ägyptischen Standardausgabe an 5. Stelle [3]. Einige frühe Ausleger hielten die Sure für medinisch oder für zweimal offenbart, in Mekka und in Medina. Nöldeke führt die Angabe der doppelten Offenbarung auf eine falsche Auslegung eines Wortes zurück und hält die Gründe für die medinische Zuordnung für ungewiss [1].

Inhalt

Nöldeke nennt die Sure ein Gebet [1]. Sie hat zwei Teile [2]:

  • Verse 1 bis 4: die Basmala und das Lob Allahs als Herr der Welten, Erbarmer und König am Tag des Gerichts.
  • Verse 5 bis 7: die Betenden sprechen Allah direkt an, bekennen, dass sie ihm allein dienen, und bitten um Rechtleitung.

Der Schluss lautet in der Lesefassung: "Leite uns den rechten Pfad, Den Pfad derer, denen du gnädig bist, nicht derer, denen du zürnst, und nicht der Irrenden." (Sure 1,6 bis 7) [2]

Wie man die Verse zählt, war früh umstritten. Nach Nöldeke zählen die Mekkaner und die Gelehrten von Kufa die Basmala als Vers; andere zählen 6, 8 oder 9 Verse [1]. Wie die Zählungen auseinanderlaufen, erklärt die Seite Koranverse zitieren: Zählung und Angaben.

Wie die Sure verstanden wird

Die türkische Religionsbehörde Diyanet beruft sich in einer deutschsprachigen Predigt vom 08.01.2021 auf ein Prophetenwort, nach dem ohne Fatiha kein Gebet gilt; deshalb wird die Sure in jeder Gebetseinheit (Rakat) rezitiert [5]. Nöldeke führt dasselbe Prophetenwort aus der Hadith-Sammlung von al-Buchari an [1]. Mehr dazu steht auf der Seite Das Gebet im Koran.

Zu Vers 7 liegt eine klassische Auslegung vor. Der Koranausleger Ibn Kathir deutet die Wendung "derer, denen du zürnst" auf die Juden und "der Irrenden" auf die Christen. Er stützt sich dabei auf eine Überlieferung von Adi ibn Hatim und fügt hinzu, dass beide Gruppen Zorn und Irrtum auf sich gezogen hätten [7]. Die Diyanet-Predigt nennt bei Vers 7 keine bestimmte Gruppe und spricht vom Weg derer, die Gottes Zorn erlitten haben [5].

Aus Sicht der Islamwissenschaft liest Nöldeke Vers 7 grammatisch anders. Die Verneinungen beschreiben nach ihm die Begnadeten selbst: den Weg derer, denen Gott wohlgetan hat, denen er nicht zürnt und die nicht irren. Die Lesart mit zwei weiteren Gruppen hielt er für sprachlich nicht haltbar [1]. Nöldeke schreibt, man könne die Sure "das muslimische Vaterunser" nennen, und vergleicht die Zahl ihrer 7 Verse mit den sieben Bitten des Vaterunsers [1]. Das Vaterunser steht in der Bibel im Evangelium nach Matthäus. Mit den "sieben von den zu wiederholenden (Versen)" in Sure 15,87 ist nach Nöldeke die Fatiha gemeint; die Muslime legten die Worte aber auch anders aus [1, 2].

Wie die Juden und Christen sonst im Koran vorkommen, beschreibt die Seite Juden und Christen im Koran. Die nächste Sure ist Sure 2, Al-Baqara.

  1. Studie Geschichte des Qorâns. Theodor Nöldeke, Dieterichsche Buchhandlung Göttingen, S. 86 bis 89 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  2. Der Koran. Max Henning (Übersetzer), Reclam jun. Leipzig (Digitalisat Internet Archive). Stand 1901. abgerufen am 29.10.2026
  3. List of chapters in the Quran. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Geschichte des Qorâns, Erster Teil: Über den Ursprung des Qorâns. Theodor Nöldeke, bearbeitet von Friedrich Schwally, Dieterichsche Verlagsbuchhandlung Leipzig, 2. Auflage, S. 110, Anm. 1 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1909. abgerufen am 29.10.2026
  5. Behörde Die Sure Fâtiha: Der Vorspruch des Korans. Diyanet İşleri Başkanlığı (Präsidium für Religionsangelegenheiten der Türkei). Stand 08.01.2021. abgerufen am 29.10.2026
  6. Behörde Koranübersetzung. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Marco Schöller). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  7. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Fatihah Ayah 7. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.