Alle 114 Suren des Korans

Sure 108: Der Überfluss (Al-Kauthar)

Sure 108 von 114, 3 Verse

Sure 108 heißt bei Henning "Der Überfluss", arabisch Al-Kauthar. Sie hat nach der Kairoer Zählung 3 Verse, sagt dem Propheten eine reiche Gabe zu, fordert ihn zu Gebet und Opfer auf und kündigt an, dass sein Hasser selbst ohne Nachkommen bleibt.

1 Wahrlich wir haben dir Überfluss gegeben,

2 Darum bete zu deinem Herrn und schlachte (Opfer).

3 Siehe dein Hasser soll kinderlos sein.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 108 heißt in der Übersetzung von Max Henning "Der Überfluss", arabisch Al-Kauthar [2]. Sie hat nach der Kairoer Zählung 3 Verse; so wenige Verse haben sonst nur die Suren 103 und 110 [3]. In der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) gilt sie als mekkanisch [3, 4]. In der Offenbarungsfolge der ägyptischen Standardausgabe steht sie an 15. Stelle, in der Chronologie von Theodor Nöldeke an 5. Stelle [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Datierung

Nöldeke hielt die Sure für eine der ältesten unter denen, die sich gegen einen Gegner richten. Die Ansicht einiger weniger, sie sei medinensisch und beziehe sich auf den Tod von Muhammads Sohn Ibrahim, verdiene keine ernsthafte Widerlegung [1]. Der Kommentar des Corpus Coranicum ordnet sie ebenfalls der frühesten Gruppe zu, wegen der sehr kurzen Verse und der Nähe zu den Suren 93 und 94. Innerhalb dieser Gruppe setzt er sie am ehesten gegen Ende an. Vers 2 setze noch einen mekkanischen Opferkult voraus, die Sure sei also älter als Muhammads Bruch mit den Kultbräuchen Mekkas [5]. Ibn Kathir dagegen nennt sie medinensisch und erwähnt die Ansicht, sie sei in Mekka offenbart worden [6].

Inhalt

Jeder der drei Verse hat ein eigenes Thema [5]:

  • Vers 1: die Erinnerung an eine Gabe, "Wahrlich wir haben dir Überfluss gegeben," (Sure 108,1) [2].
  • Vers 2: die Aufforderung, zum Herrn zu beten und zu opfern [2].
  • Vers 3: die Ankündigung über den Gegner, "Siehe dein Hasser soll kinderlos sein." (Sure 108,3) [2]

Was die Gabe ist, sagt die Sure nicht. Henning übersetzt das Wort mit "Überfluss", der Kommentar des Corpus Coranicum behält die herkömmliche Übersetzung "Fülle" [2, 5].

Wie die Sure verstanden wird

Die klassische Auslegung kennt zwei Linien. Ibn Kathir führt Hadithe an, nach denen Al-Kauthar ein Fluss im Paradies ist, dessen Wasser weißer als Milch und süßer als Honig sei. Nach Ibn Abbas bedeutet das Wort reiches Gutes, zu dem dieser Fluss gehört [6]. Vers 2 versteht Ibn Kathir als Gebot, Gebet und Opfer allein Allah zu widmen, anders als die Götzendiener. Wer der "Hasser" ist, war schon früh umstritten: Ibn Kathir nennt unter anderem al-As ibn Wail, Uqba ibn Abi Muait und Abu Lahab [6]. Nach der Überlieferung, die Nöldeke wiedergibt, hatte al-As ibn Wail Muhammad einen Mann ohne Söhne genannt [1].

Muhammad Asad liest das Wort in den Anmerkungen zu seiner englischen Übersetzung als Steigerungsform von "Menge" und deutet die Gabe geistig: Offenbarung, Wissen, Weisheit und gute Taten. Für Gläubige allgemein stehe es für die Fähigkeit, Wissen zu gewinnen, Gutes zu tun und inneren Frieden zu finden. Das Wort für "kinderlos" gibt er mit einem Wörterbuch als "abgeschnitten von allem Guten" wieder [7].

In der Islamwissenschaft erklärte Nöldeke das Wort als Eigenschaftswort für "viel, reichlich"; die Deutung als Paradiesfluss nannte er eine "gewiß sehr alte, aber dennoch falsche" Erklärung [1]. Der Kommentar des Corpus Coranicum sieht in dem Paradiesfluss eine spätere legendarische Ausschmückung. Die Deutung des Opfers als Opfer am Opferfest hält er für eine frühmekkanische Sure für unpassend. Christoph Luxenbergs Vorschlag, das Wort aus dem Syrischen als "Beharrlichkeit" zu lesen, lehnt er ab, weil das syrische Wort nur in zeitlicher Bedeutung belegt sei und die Änderung den Reim zerstöre [5].

Vor ihr steht Sure 107, Der Beistand, nach ihr Sure 109, Die Ungläubigen. Wie die Suren nach Länge geordnet sind, erklärt die Seite Aufbau des Korans: Suren, Verse und Abschnitte.

  1. Studie Geschichte des Qorâns. Theodor Nöldeke, Dieterichsche Buchhandlung Göttingen, S. 73 bis 74 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  2. Der Koran. Max Henning (Übersetzer), Reclam jun. Leipzig, S. 611 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1901. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  4. List of chapters in the Quran. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Sure 108, al-Kauthar, Die Fülle (Chronologisch-literaturwissenschaftlicher Kommentar zum Koran, Teil 1). Corpus Coranicum, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Nicolai Sinai, Betaversion). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Kawthar Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Surah 108. Al-Kauthar. Alim.org (Übersetzung und Anmerkungen von Muhammad Asad). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.