Alle 114 Suren des Korans

Sure 105: Der Elefant (Al-Fil)

Sure 105 von 114, 5 Verse

Sure 105 heißt "Der Elefant" (Al-Fil) und hat nach der Kairoer Zählung 5 Verse. Sie erinnert an ein Heer mit Elefanten, das Mekka angriff und von Vögeln mit Steinen vernichtet wurde. Die Überlieferung verbindet das mit dem Feldzug des Abraha aus dem Jemen.

1 Sahst du nicht, wie dein Herr mit den Elefantengefährten verfuhr?

2 Führte er nicht ihre List irre

3 Und schickte über sie Vögel in Scharen.

4 Die sie bewarfen mit Steinen aus gebranntem Ton?

5 Und er machte sie wie abgefressene Saat.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 105 heißt in der Übersetzung von Max Henning "Der Elefant", arabisch Al-Fil [2]. Sie hat nach der Kairoer Zählung 5 Verse und gilt in der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) als mekkanisch [3, 4]. In der Offenbarungsfolge der ägyptischen Standardausgabe steht sie an 19. Stelle, in der Chronologie von Theodor Nöldeke an 9. Stelle [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Datierung

Nöldeke rechnet die Sure zur ersten mekkanischen Periode. Er hielt sie für wahrscheinlich die erste Sure, in der den Gegnern an einem Beispiel aus Mekkas eigener Geschichte gezeigt wird, wie Gott ihresgleichen bestraft [1]. Der Kommentar des Corpus Coranicum ordnet sie ebenfalls frühmekkanisch ein. Er nennt dafür die kurzen Verse mit durchschnittlich etwa 12 Silben und die Gottesbezeichnung "Herr" mit Suffix ("dein Herr") [5]. Mit Sure 106 teilt sie nach diesem Kommentar ein besonderes theologisches Profil. Der Kommentar zu Sure 106 betont die enge Zusammengehörigkeit beider Texte, rechnet aber die Verse 106,1 und 2 wegen des unterschiedlichen Reims zu Sure 106 und nicht zu Sure 105 [5]. Nach Nöldeke soll Ubai ibn Kab die beiden Suren in seinem Koranexemplar zu einer zusammengezogen haben, was er für sinnwidrig hielt [1].

Inhalt

Die Sure besteht aus einer Frage an den Angeredeten und einer mehrgliedrigen Antwort [5]:

  • Vers 1: "Sahst du nicht, wie dein Herr mit den Elefantengefährten verfuhr?" (Sure 105,1) [2]
  • Verse 2 bis 5: Gott führte ihre List irre, schickte Vögel in Scharen, die sie mit Steinen aus gebranntem Ton bewarfen, und machte sie "wie abgefressene Saat" (Sure 105,5) [2].

Die Sure nennt weder einen Ort noch einen Namen. Henning merkte 1901 an, im Geburtsjahr Muhammads sei Abraha, der christliche König des Jemen, mit 13 Elefanten gegen Mekka gezogen, sein Heer sei durch Pocken vernichtet worden, und daraus möge die Erzählung entstanden sein [2]. Mehr zum Land, aus dem Abraha kam, steht auf geschichte.domain-root.de unter Das alte Südarabien und das Reich von Saba.

Wie die Sure verstanden wird

Die klassische Auslegung erzählt die Vorgeschichte ausführlich. Ibn Kathir berichtet, Abraha habe in Sanaa eine große Kirche gebaut und die Araber dorthin statt zur Kaaba pilgern lassen wollen. Nachdem ein Mann aus dem Stamm Koreisch die Kirche geschändet hatte, sei Abraha mit einem Elefanten namens Mahmud gegen Mekka gezogen. Muhammads Großvater Abd al-Muttalib habe ihm gesagt, das Haus habe einen Herrn, der es schützen werde. Der Elefant sei vor Mekka niedergekniet, und Vögel hätten das Heer vernichtet [6]. Die Wörter für die Vögel und die Steine erklärt Ibn Kathir als "Scharen" und als etwas Hartes; nach einer Ansicht, die er anführt, setzt sich das Wort für die Steine aus zwei persischen Wörtern für Stein und Ton zusammen [6].

Der muslimische Gelehrte Muhammad Asad liest die Stelle in den Anmerkungen zu seiner englischen Koranübersetzung als Bild für eine plötzliche, sehr heftige Seuche. Er beruft sich auf al-Waqidi und Ibn Ishaq, nach denen Fleckfieber und Pocken damals zum ersten Mal unter den Arabern auftraten. Die fliegenden Wesen könnten Träger der Ansteckung gewesen sein, Vögel oder Insekten; Koran und verlässliche Überlieferung beschrieben sie nicht näher. Als Wunder im eigentlichen Sinn versteht er das Geschehen dennoch, weil die Rettung der bedrängten Mekkaner so plötzlich und unerwartet kam [7].

In der Islamwissenschaft nannte Josef Horovitz die Sure das früheste Beispiel einer Straflegende. Der Kommentar des Corpus Coranicum hält dagegen, dass der Vorwurf des Leugnens fehlt, der in späteren Straferzählungen üblich ist. Im Mittelpunkt stehe die Abwehr des Angriffs und damit der Schutz des Heiligtums; der Kommentar spricht daher eher von Rettung als von Strafe [5]. Das seltene Wort für die Vogelschwärme versteht er als arabisches Wort mit der Bedeutung "Schwärme". Eine Ableitung aus dem Syrischen, wie sie Muth vertritt, sei für die Deutung des Verses nur bedingt wichtig [5].

Die folgende Sure 106, Koreisch, spricht von der Sicherheit Mekkas, die vorige ist Sure 104. Wie die frühen Suren eingeordnet werden, erklärt die Seite Mekkanische und medinensische Suren.

  1. Studie Geschichte des Qorâns. Theodor Nöldeke, Dieterichsche Buchhandlung Göttingen, S. 74 und 227 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  2. Der Koran. Max Henning (Übersetzer), Reclam jun. Leipzig, S. 609 bis 610 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1901. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  4. List of chapters in the Quran. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Sure 105, al-Fil, Der Elefant (Chronologisch-literaturwissenschaftlicher Kommentar zum Koran, Teil 1). Corpus Coranicum, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Nicolai Sinai, Betaversion). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Fil Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Surah 105. Al-Fil. Alim.org (Übersetzung und Anmerkungen von Muhammad Asad). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.