Alle 114 Suren des Korans
Sure 114: Die Menschen (An-Nas)
Sure 114 von 114, 6 Verse
Sure 114 heißt "Die Menschen" (An-Nas) und ist die letzte Sure des Korans. Sie hat nach der Kairoer Zählung 6 Verse und bittet den Herrn, König und Gott der Menschen um Zuflucht vor dem Einflüsterer. Mit Sure 113 bildet sie die beiden Schutzsuren.
1 Sprich: Ich nehme meine Zuflucht zum Herrn der Menschen,
2 Dem König der Menschen,
3 Dem Gott der Menschen,
4 Vor dem Übel des Einflüsterers, des Entweichers,
5 Der einflüstert in die Brüste der Menschen,
6 Vor den Dschinn und den Menschen.
Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.
Sure 114 heißt in der Übersetzung von Max Henning "Die Menschen", arabisch An-Nas. Sie steht als letzte der 114 Suren am Ende des Korans [2, 3]. Sie hat nach der Kairoer Zählung 6 Verse und gilt in der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) als mekkanisch; Henning schrieb 1901 "Mekka (nach andern zu Medina)" [2, 3, 4]. In der Offenbarungsfolge der ägyptischen Standardausgabe steht sie an 21. Stelle, in der Chronologie von Theodor Nöldeke an 47. Stelle [4]. Mit der vorigen Sure 113, Das Morgengrauen, bildet sie das Paar der beiden Schutzsuren [1, 2]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).
Datierung
Für Nöldeke war die Zeitbestimmung der Suren 113 und 114 die schwierigste von allen. Er schloss sie an die erste mekkanische Periode an, hielt aber nicht einmal für sicher, dass sie vor der Auswanderung nach Medina entstanden; sicher sei nur, dass beide zur selben Zeit entstanden [1]. Der Kommentar des Corpus Coranicum behandelt die Sure im Teil über die spätmittelmekkanischen Suren. Er nennt die Suren 38 und 23 als Texte, die ihr vorausgingen, und berichtet, dass Ibn Abbas und Qatada sie für medinensisch hielten [5].
Inhalt
Nach dem Kommentar des Corpus Coranicum hat die Sure drei Teile im Verhältnis 3 zu 1 zu 2 [5]:
- Verse 1 bis 3: die Anrufung, "Sprich: Ich nehme meine Zuflucht zum Herrn der Menschen," (Sure 114,1), dann zum König und zum Gott der Menschen [2].
- Vers 4: "Vor dem Übel des Einflüsterers, des Entweichers," (Sure 114,4) [2]
- Verse 5 und 6: die nähere Bestimmung; er flüstert in die Brüste der Menschen ein und kommt von den Dschinn und den Menschen [2].
Fünf der sechs Verse enden im Arabischen auf dasselbe Wort, "die Menschen" [5]. Henning erklärte den "Entweicher" 1901 als den Teufel, der entweicht, wenn man Gottes Namen anruft [2].
Wie die Sure verstanden wird
Ibn Kathir sieht in den Versen 1 bis 3 drei Eigenschaften Gottes: Herrschaft als Herr, Königtum und Gottheit. Deshalb solle man bei ihm Zuflucht suchen [6]. Den Einflüsterer deutet er mit Ibn Abbas als den Satan, der auf dem Herzen des Menschen sitzt, einflüstert, wenn der Mensch unachtsam ist, und weicht, wenn er Gottes gedenkt [6]. Vers 6 lässt er auf zwei Weisen gelten: Entweder zählen auch die Dschinn zu den "Menschen" in Vers 5, oder es gibt Einflüsterer unter Dschinn und Menschen, wie in Sure 6,112 [6].
Muhammad Asad versteht den Einflüsterer in den Anmerkungen zu seiner englischen Übersetzung, im Anschluss an ar-Razi, als Satan im weitesten Sinn. Die Dschinn in Vers 6 sind für ihn hier wahrscheinlich unsichtbare Kräfte, die es schwer machen, Recht und Unrecht zu unterscheiden. Er erwägt auch eine innere Deutung: Versuchungen aus der Blindheit des eigenen Herzens, aus Begierden und übernommenen falschen Werten [7]. Mehr zu den Dschinn steht auf der Seite Engel und Dschinn im Koran.
In der Islamwissenschaft sehen Dirk Hartwig und Angelika Neuwirth im Kommentar des Corpus Coranicum die Steigerung von Herr über König zu Gott der Menschen als Höhepunkt der Anrufung. Die Feindseligkeit, vor der die Sure schützt, sei nicht auf Dämonen beschränkt und könne auch von Menschen ausgehen [5]. Nach Nöldeke fehlten die Suren 113 und 114 wie Sure 1 im Koranexemplar des Ibn Masud; er nahm an, dass Ibn Masud sie bewusst ausließ, weil sie sich von allen übrigen Suren unterscheiden [1]. Der Kommentar nennt die Suren 1, 113 und 114 zusammen die "Rahmenteile des Corpus" [5].
Wie der Koran aufgebaut ist, erklärt die Seite Aufbau des Korans: Suren, Verse und Abschnitte. Zurück zum Anfang führt Sure 1, Die Eröffnung.
- Studie Geschichte des Qorâns. Theodor Nöldeke, Dieterichsche Buchhandlung Göttingen, S. 84 bis 86 und 232 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
- Der Koran. Max Henning (Übersetzer), Reclam jun. Leipzig, S. 613 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1901. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
- List of chapters in the Quran. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Sure 114, an-Nas, Die Menschen (Chronologisch-literaturwissenschaftlicher Kommentar zum Koran, Teil 3). Corpus Coranicum, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Dirk Hartwig und Angelika Neuwirth, Betaversion). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: An-Nas Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Surah 114. An-Nas. Alim.org (Übersetzung und Anmerkungen von Muhammad Asad). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.