Alle 114 Suren des Korans

Sure 111: Verderben (Al-Masad)

Sure 111 von 114, 5 Verse

Sure 111 heißt bei Henning "Verderben! (Abu Lahab.)", arabisch Al-Masad, "die Palmfasern". Sie hat nach der Kairoer Zählung 5 Verse und verwünscht Abu Lahab, nach der Überlieferung ein Onkel Muhammads, und seine Frau. Sie gilt als eine der ältesten Suren.

1 Verderben über die Hände Abu Lahabs und Verderben über ihn!

2 Nicht soll ihm nützen sein Gut und sein Gewinn.

3 Brennen wird er im Feuer, dem lohenden,

4 Während seine Frau das Holz trägt,

5 Mit einem Strick von Palmenfasern um ihren Hals.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 111 trägt in der Übersetzung von Max Henning den Namen "Verderben! (Abu Lahab.)" [2]. Ihr arabischer Name Al-Masad bedeutet "die Palmfasern" und stammt aus dem letzten Vers [5]. Die Sure nennt einen Gegner beim Namen: Abu Lahab, nach der Überlieferung ein Onkel Muhammads [1, 2, 6]. Sie hat nach der Kairoer Zählung 5 Verse und gilt in der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) als mekkanisch [3, 4]. In der Offenbarungsfolge der ägyptischen Standardausgabe steht sie an 6. Stelle, in der Chronologie von Theodor Nöldeke an 3. Stelle [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Datierung und Anlass

Nöldeke zählte die Sure "ohne Zweifel" zu den ältesten Offenbarungen. Muhammad habe nach langem Zögern sein Geschlecht, die Banu Haschim, zusammengerufen und sie aufgefordert, sich zu Gott zu bekehren. Sein Onkel Abd al-Uzza ibn Abd al-Muttalib, genannt Abu Lahab, habe ihn darauf angefahren, ob er sie darum zusammengerufen habe [1]. Nöldeke hielt diese Worte für weniger schlimm gemeint, als sie klingen; die Überlieferung sei ausgeschmückt, habe aber einen geschichtlichen Kern [1]. Der Kommentar des Corpus Coranicum an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften setzt die Sure wegen ihrer Kürze und der kurzen Verse (durchschnittlich 10,4 Silben) an den Beginn der frühmekkanischen Zeit [5].

Inhalt

Der Kommentar des Corpus Coranicum gliedert die Sure in zwei Teile [5]:

  • Verse 1 und 2: eine Verwünschung, "Verderben über die Hände Abu Lahabs und Verderben über ihn!" (Sure 111,1); sein Gut und sein Gewinn sollen ihm nicht nützen [2].
  • Verse 3 bis 5: ein Bild des Jenseits. Er wird im Feuer brennen, während seine Frau das Holz trägt, "Mit einem Strick von Palmenfasern um ihren Hals." (Sure 111,5) [2]

Henning wies 1901 auf ein Wortspiel hin: Abu Lahab heißt "Vater der Lohe", und Vers 3 spricht vom lohenden Feuer. Nach seiner Anmerkung erkannte der Onkel Muhammad auf Betreiben seiner Frau Umm Dschamil nicht als Propheten an [2]. Wie der Koran Feuer und Gericht beschreibt, erklärt die Seite Tod, Gericht und Jenseits im Koran.

Wie die Sure verstanden wird

Ibn Kathir erzählt den Anlass nach al-Buchari: Der Prophet stieg auf eine Anhöhe, rief die Koreisch zusammen und warnte sie vor einer schweren Strafe; Abu Lahab verwünschte ihn darauf, und Vers 1 wurde offenbart [6]. Den Beinamen erklärt er mit dem leuchtenden Gesicht Abu Lahabs. Seine Frau war nach Ibn Kathir Arwa bint Harb, genannt Umm Dschamil, eine Schwester von Abu Sufjan. Das "Holz" deutet er so, dass sie im Feuer Brennstoff auf ihren Mann wirft; nach anderen Überlieferungen legte sie dem Propheten Dornen in den Weg. Den Strick erklärten Mudschahid und Urwa als Seil aus Palmfasern aus dem Feuer [6].

Muhammad Asad versteht in den Anmerkungen zu seiner englischen Übersetzung die "Hände" als altes Bild für Macht, also den großen Einfluss Abu Lahabs. Das Holztragen in Vers 4 sei eine Redewendung für jemanden, der heimlich Verleumdungen verbreitet, und der gedrehte Strick stehe für ihre verdrehte Art. Zusammen mit Vers 2 erhalte die Sure dadurch eine allgemeine, zeitlose Bedeutung [7].

In der Islamwissenschaft fragt man, ob "Vater der Flamme" schon vorher ein Beiname war. Josef Horovitz hielt ihn für eine von der Sure geprägte Bezeichnung; der Kommentar des Corpus Coranicum hält es für möglich, dass der Beiname erst durch die Sure entstand [5]. Nach Muhammad Asad wurde Abu Lahab schon vor dem Islam so genannt, wegen seines leuchtenden Gesichts, und der Beiname hatte keinen abwertenden Sinn [7]. Der Kommentar hält es zudem für möglich, dass sich die Sure ursprünglich gegen keine bestimmte Einzelperson richtet, sondern das Ergehen eines Verdammten allgemein beschreibt, eines "Mannes der Flammen" [5]. Den Palmfaserstrick liest der Kommentar als spöttisches Gegenstück zu einer Schmuckkette. Ein zusätzlicher Vers, den Ibn Masud zwischen Vers 1 und 2 überliefert haben soll, gilt ihm als spätere deutende Erweiterung [5].

Im Koran steht sie zwischen Sure 110, Die Hilfe und Sure 112, Die Reinigung. Mehr zu Muhammads Familie und seinen Gegnern in Mekka steht auf geschichte.domain-root.de unter Mohammed.

  1. Studie Geschichte des Qorâns. Theodor Nöldeke, Dieterichsche Buchhandlung Göttingen, S. 71 bis 72 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  2. Der Koran. Max Henning (Übersetzer), Reclam jun. Leipzig, S. 612 (Digitalisat Internet Archive). Stand 1901. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  4. List of chapters in the Quran. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Sure 111, al-Masad, Die Palmfasern (Chronologisch-literaturwissenschaftlicher Kommentar zum Koran, Teil 1). Corpus Coranicum, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Nicolai Sinai, Betaversion). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Masad Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Surah 111. Al-Masad. Alim.org (Übersetzung und Anmerkungen von Muhammad Asad). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.