Themen des KoransRatgeber

Tod, Gericht und Jenseits im Koran

Nach dem Koran schmeckt jede Seele den Tod (Sure 3,185), am Ende der Zeit werden alle Menschen auferweckt und vor Gott gerichtet. Jeder sieht dann seine Taten, auch das Gute und Böse im Gewicht eines Stäubchens (Sure 99,7 bis 8), und kommt ins Paradies oder ins Feuer. Ob diese Bilder wörtlich oder geistig zu verstehen sind und ob die Höllenstrafe endet, haben muslimische Theologen unterschiedlich beantwortet.

Eine weite Wüstenebene im ersten Morgenlicht mit golden leuchtendem Horizont unter einem stillen, weiten Himmel
Bild: KI-generiert

Im Koran steht der Glaube an das Jenseits neben dem Glauben an Gott: "Wer nicht glaubt an Allah und seine Engel und die Schriften und seine Gesandten und an den jüngsten Tag, der ist weit abgeirrt" (Sure 4,136) [1]. Das nahe Weltende mit dem Gericht ist nach dem Kleinen Islam-Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung schon ein zentrales Motiv der ältesten Suren [2]. Die Zitate stammen aus der Lesefassung dieser Website nach der Übersetzung von Max Henning (1901). Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut.

Der Tod und die Zeit bis zur Auferstehung

"Jede Seele soll den Tod schmecken, und ihr sollt nur euren Lohn empfangen am Tag der Auferstehung" (Sure 3,185) [1]. Sure 23,99 bis 100 schildert einen Sterbenden, der zurückgeschickt werden will, "damit ich Gutes tue, was ich unterließ", und die Antwort lautet: "Keineswegs! (...) Und hinter ihnen ist eine Schranke bis zum Tag, da sie erweckt werden" [1].

Ein stiller alter Friedhof mit schlichten Steinen ohne Inschrift unter einer Akazie in der Abenddämmerung
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Diese Schranke heißt arabisch barzach. Nach dem Islam-Lexikon nimmt der Verstorbene in dieser Zwischenwelt weiter wahr; zwei Engel prüfen ihn im Grab zu den Grundlagen des Glaubens, und er erlebt schon einen Vorgeschmack von Paradies oder Hölle [3]. Die Einzelheiten dieser Zwischenwelt gibt das Lexikon ohne Koranstelle an; Sure 23,100 nennt die Schranke [1, 3]. In der Mystik gelten Tod und Grabzeit als "kleinere Auferstehung" [3].

Die Auferstehung

Viele Verse antworten auf den Einwand, Tote könnten nicht wieder leben. "Er spricht: 'Wer belebt die Gebeine, wenn sie verfault sind?' Sprich: 'Leben wird ihnen der geben, welcher sie zum ersten Mal erschuf'" (Sure 36,78 bis 79) [1]. Sure 75,3 bis 4 fragt: "Glaubt der Mensch, dass wir nicht versammeln können seine Gebeine? Wahrlich, imstande sind wir seine Fingerspitzen zusammenzufügen" [1]. Sure 22,5 verweist auf das Wachsen des Kindes im Mutterleib und auf die dürre Erde, die nach dem Regen sprießt [1].

Den Anfang des Endes beschreibt Sure 39,68 mit zwei Stößen in die Posaune: Beim ersten werden "alle in den Himmeln und auf Erden" ohnmächtig, beim zweiten heißt es: "sie stehen auf und schauen aus" [1]. Das Islam-Lexikon versteht die Auferstehung als Rückkehr des Menschen zu Gott und als Gegenstück zur Schöpfung. Die meisten Theologen verstanden sie körperlich, andere deuteten sie bildlich [3].

Der Tag des Gerichts

Der Koran hat viele Namen für diesen Tag. Henning übersetzt sie unter anderem mit "Tag der Auferstehung" und "Tag des Gerichts" und spricht vom Glauben "an den jüngsten Tag", Sure 1,4 nennt Gott "König am Tag des Gerichts" [1]. Andere Suren nennen das Ereignis "die Stunde", "die Pochende" (Sure 101) oder "die Eintreffende" (Sure 56) [1]. Die frühen Suren malen das Weltende in schnellen Bildern: "Wenn die Sonne zusammengefaltet wird, und wenn die Sterne herabfallen, und wenn die Berge sich rühren" (Sure 81,1 bis 3) [1]. Als zentrale Stellen nennt das Islam-Lexikon Sure 69,18 bis 37 und die Suren 81, 82, 84, 99 und 101 [2].

Eine alte Balkenwaage aus Messing mit zwei leeren Schalen auf einem Steinsims im weichen Morgenlicht
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Gerichtet wird nach den Taten jedes Einzelnen. "Und wer auch nur Gutes im Gewicht eines Stäubchens getan, wird es sehen. Und wer Böses im Gewicht eines Stäubchens getan, wird es sehen" (Sure 99,7 bis 8) [1]. Dazu gehört das Bild der Waage: "Dann wird der, dessen Waage schwer ist, in angenehmem Leben sein; doch der, dessen Waage leicht ist, seine Mutter wird der Höllenschlund sein" (Sure 101,6 bis 9) [1]. Ein zweites Bild ist das Buch der Taten. "Lies dein Buch; du selber sollst heute Rechenschaft gegen dich ablegen" (17,14). Wer es in die rechte Hand bekommt, zeigt es froh herum, wer es in die linke bekommt, wünscht, er hätte es nie erhalten (69,19 bis 26) [1].

Niemand trägt dabei die Schuld eines anderen. "Eine belastete (Seele) soll nicht einer anderen Last tragen" (Sure 6,164), und "an jenem Tag wird eine Seele für die andere nichts vermögen" (82,19) [1]. Zur Fürbitte stehen zwei Aussagen nebeneinander: Sure 2,48 spricht von einem Tag, an dem "keine Fürbitte angenommen" wird, Sure 20,109 von einem Tag, an dem "keine Fürbitte außer dessen" nützt, "dem es der Erbarmer erlaubt" [1]. Nach dem Islam-Lexikon kann nach islamischer Lehre der Prophet Fürsprache einlegen, die Fürsprache anderer herausragender Menschen erkennt die strenge Orthodoxie dagegen nicht an [2].

Das Paradies

Henning nennt das Paradies meist "die Gärten", oft mit der Formel "Gärten, durcheilt von Bächen" [1]. Sure 47,15 beschreibt es so: "In ihm sind Bäche von Wasser, das nicht verdirbt, und Bäche von Milch, deren Geschmack sich nicht ändert, und Bäche von Wein, köstlich den Trinkenden; und Bäche von geklärtem Honig" [1]. Andere Verse nennen Schatten, Trauben, Hochzeitsthrone und Seide (76,12 bis 14) und einen Trank, von dem sie nach 56,19 nicht "Kopfweh" haben sollen [1]. Sure 9,72 verspricht Gärten den "Gläubigen, Männern und Frauen", und fügt hinzu: "Aber Wohlgefallen bei Allah ist besser als dies. Das ist die große Glückseligkeit" [1].

Ein üppiger ummauerter Garten mit schmalen Wasserläufen, Dattelpalmen, Granatapfelbäumen und tiefem Schatten
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Sure 56,22 und andere Verse nennen "großäugige Huris" [1]. Wer damit gemeint ist, wird verschieden gelesen. Nach der deutschen Wikipedia überliefert der Exeget at-Tabari ein Prophetenwort, nach dem die Huris verstorbene gläubige Frauen sind, die im Paradies wieder jung werden. Der Autor mit dem Decknamen Christoph Luxenberg las das Wort als "weiße, kristallklare Trauben"; seine Thesen stießen teils auf heftige Kritik [4]. Die verbreitete Zahl von 72 Huris für jeden Mann steht nach demselben Artikel nicht im Koran [4].

Ob diese Bilder wörtlich gemeint sind, ist eine alte Frage. Das Islam-Lexikon berichtet, dass Kritiker sich an der sinnlichen Ausmalung stießen, dass Mystiker die Schau Gottes für den höchsten Lohn hielten und dass schon seit dem Mittelalter, verstärkt in der Neuzeit, manche Paradies und Hölle geistig verstanden, als Zustände der Seele oder als Bilder für etwas, das menschliches Verstehen übersteigt [5]. Sure 32,17 sagt selbst: "Keine Seele weiß, welcher Augentrost für sie verborgen ist als Belohnung für ihr Tun" [1].

Die Hölle

Henning verwendet für den Ort der Strafe mehrere Wörter: das Feuer, die Hölle, den Höllenpfuhl und den Namen Dschehannam [1]. Nach dem Islam-Lexikon beschreibt der Koran die Hölle als Ort des Feuers, der Schmerzen, der Hitze und des Durstes. Paradies und Hölle werden in der Tradition oft mit sieben Stufen beschrieben, mit einem Baum in der Mitte: der Sidra im Paradies, dem Zakkum in der Hölle [5]. Im Koran heißt es über diesen Baum: "Siehe, er ist ein Baum, der aus dem Grund der Hölle herauskommt" (37,64), und seine Frucht koche in den Bäuchen "wie geschmolzenes Erz" (44,45) [1].

Ob die Höllenstrafe ewig dauert, haben muslimische Theologen unterschiedlich beantwortet. Einig waren sich die Gelehrten nach dem Islam-Lexikon darin, dass die Freuden des Paradieses ewig sind. Viele Theologen lehrten aber, dass einige oder alle Sünder durch Gottes Barmherzigkeit die Hölle wieder verlassen könnten oder dass die Hölle selbst zeitlich begrenzt sei [5]. Im Koran steht dazu Sure 11,107: "Ewig sollen sie darin verbleiben, solange die Himmel und die Erde dauern, es sei denn, dass dein Herr es anders wolle; siehe, dein Herr tut was er will" [1]. Der folgende Vers sagt dasselbe über das Paradies und nennt es "eine ununterbrochene Gabe" (11,108) [1].

Wer ins Paradies kommt

Die meisten Verse verbinden das Heil mit Glauben und guten Taten. Sure 2,25 verheißt die Gärten "denen, die glauben und das Rechte tun" [1]. Zwei Verse betreffen das Heil Andersgläubiger. Sure 2,62 sagt: "Siehe sie, die glauben, und die Juden und die Christen und die Sabäer: wer immer an Allah glaubt und an den jüngsten Tag und das Rechte tut, die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn" [1]. Sure 3,85 sagt: "Und wer eine andere Religion als den Islam begehrt, nie soll sie von ihm angenommen werden, und im Jenseits wird er verloren sein" [1].

Mehr zum Verhältnis zu Juden und Christen steht auf der Seite Juden und Christen im Koran, mehr zu den Engeln unter Engel und Dschinn im Koran. Die kurzen Gerichtssuren kannst du hier vollständig lesen: Sure 99 (Das Erdbeben), Sure 101 (Die Pochende) und Sure 56 (Die Eintreffende). Wie die Bibel das Weltende schildert, zeigt die Seite Die Offenbarung des Johannes auf bibel.domain-root.de.

  1. Der Koran (Übersetzung Max Henning, Reclam Leipzig 1901), Scan. Internet Archive. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Behörde Jüngstes Gericht. Bundeszentrale für politische Bildung (Kleines Islam-Lexikon, 6. Auflage, München 2018). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  3. Behörde Auferstehung. Bundeszentrale für politische Bildung (Kleines Islam-Lexikon, 6. Auflage, München 2018). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
  4. Huri. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Behörde Hölle und Paradies. Bundeszentrale für politische Bildung (Kleines Islam-Lexikon, 6. Auflage, München 2018). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.