Alle 114 Suren des Korans

Sure 12: Joseph (Yūsuf)

Sure 12 von 114, 111 Verse

Sure 12 heißt Joseph, arabisch Yusuf, und hat in der Kairoer Zählung 111 Verse. Sie gilt als mekkanisch und erzählt fast durchgehend eine einzige Geschichte: Joseph wird von seinen Brüdern verkauft, steigt in Ägypten auf und versöhnt sich am Ende mit seiner Familie. Der Koran nennt sie in Vers 3 "die schönste der Geschichten".

1 A. L. R. Dies sind die Zeichen des deutlichen Buches.

2 Siehe, wir haben es hinabgesandt als einen arabischen Koran; vielleicht begreift ihr (es).

3 Erzählen wollen wir dir die schönste der Geschichten durch die Offenbarung dieses Korans; siehe zuvor warst du achtlos (auf sie).

4 Als Joseph zu seinem Vater sprach: "O mein Vater, siehe, ich sah elf Sterne, und die Sonne und den Mond, ich sah sie, wie sie sich vor mir niederwarfen",

5 Sprach Jakob: "Mein Söhnchen, erzähle dein Gesicht nicht deinen Brüdern, sonst möchten sie dir eine List planen; siehe, der Satan ist den Menschen ein offenkundiger Feind.

6 Und gemäß diesem wird dich dein Herr erlesen und wird dich lehren die Deutung der Geschichten und wird seine Gnade an dir vollenden und an dem Haus Jakobs, wie er sie vollendete an deinen Vätern zuvor, an Abraham und Isaak. Siehe, dein Herr ist wissend und weise."

7 Wahrlich, in Joseph und seinen Brüdern waren Zeichen für die Fragenden:

8 Da sie sprachen: "Wahrlich, Joseph und sein Bruder sind unserem Vater lieber als wir, obwohl wir eine Schar sind. Siehe, unser Vater ist wahrlich in offenkundigem Irrtum;

9 Tötet Joseph oder treibt ihn in die Ferne. Eures Vaters Angesicht wird euch dann wieder gehören, und nach seiner Entfernung werdet ihr rechtschaffene Leute sein."

10 Einer unter ihnen aber sprach: "Tötet Joseph nicht, sondern werft ihn in die Tiefe der Zisterne. Eine der Karawanen wird ihn dann herausziehen, wenn ihr es tut."

11 Sie sprachen: "O unser Vater, warum vertraust du uns nicht Joseph an? Siehe wahrlich, wir meinen es gut mit ihm.

12 Schicke ihn morgen mit uns, damit er sich erfreue und spiele; und siehe wahrlich, wir wollen ihn hüten!"

13 Er sprach: "Siehe wahrlich, mich betrübt es, dass ihr ihn wegnehmen wollt. Und ich fürchte, dass der Wolf möchte ihn fressen, wenn ihr nicht acht auf ihn gebt."

14 Sie sprachen: "Wahrlich, wenn ihn der Wolf fräße, wo wir eine Schar sind, siehe wahrlich, dann soll es uns übel ergehen!"

15 Und als sie mit ihm abgezogen waren und sich geeinigt hatten ihn in die Tiefe der Zisterne zu werfen, da offenbarten wir ihm: "Wahrlich, verkünden wirst du ihnen diese ihre Handlung, ohne dass sie dich erkennen."

16 Und des Abends kamen sie weinend zu ihrem Vater.

17 Sie sprachen: "O unser Vater, siehe, wir liefen um die Wette fort und ließen Joseph bei unseren Sachen zurück, und da fraß ihn der Wolf. Du aber glaubst uns doch nicht, auch wenn wir die Wahrheit sprächen."

18 Und sie brachten sein Hemd mit falschem Blut. Er sprach: "Nein; erdichtet habt ihr euch etwas; also (gilt) geziemende Geduld und die Anrufung Allahs um Hilfe gegen euren Bericht."

19 Und es kam eine Karawane, und sie schickten ihren Wasserschöpfer aus, und er ließ seinen Eimer hinab. Da rief er: "O Glück! Hier ist ein Jüngling!" Und sie verbargen ihn als Ware, Allah aber wusste ihr Tun.

20 Und sie verkauften ihn für einen winzigen Preis, für ein paar Dirhem, denn sie schätzten ihn nicht hoch.

21 Und es sprach sein Käufer, ein Ägypter, zu seiner Frau: "Mach seine Wohnung geehrt, vielleicht nützt er uns oder nehmen wir ihn als Sohn an." Und so gaben wir Joseph eine Stätte im Land und lehrten ihn die Deutung der Geschichten. Und Allah ist seiner Sache gewachsen, jedoch wissen es die meisten Menschen nicht.

22 Und als er seine Vollkraft erreicht hatte, gaben wir ihm Weisheit und Wissen; und so belohnen wir die Rechtschaffenen.

23 Und sie, in deren Haus er war, stellte ihm nach und verriegelte die Türen und sprach: "Komm her!" Er sprach: "Allah behüte es! Siehe, mein Herr hat mir eine gute Wohnung gegeben. Siehe, den Ungerechten ergeht es nicht wohl."

24 Und sie verlangte nach ihm; und auch er hätte nach ihr verlangt, wenn er nicht ein Zeichen von seinem Herrn gesehen hätte. So (taten wir,) um Schlechtigkeit und Schändlichkeit von ihm abzuwehren. Siehe, er war einer unserer lauteren Diener.

25 Und sie liefen beide zur Tür, und sie zerriss sein Hemd von hinten; und sie trafen auf ihren Herrn bei der Tür. Sie sprach: "Was ist der Lohn dessen, der gegen deine Familie Böses im Schilde führte, das Gefängnis oder schmerzliche Strafe?"

26 Er sprach: "Sie stellte mir nach." Und es bezeugte ein Zeuge aus ihrer Familie: "Wenn sein Hemd vorn zerrissen ist, so hat sie die Wahrheit gesprochen, und er ist ein Lügner.

27 Ist sein Hemd jedoch hinten zerrissen, so hat sie gelogen, und er hat die Wahrheit gesprochen."

28 Und da er sein Hemd hinten zerrissen sah, sprach er: "Siehe, das ist eine eurer Listen! Siehe, eure List ist groß!

29 Joseph, wende dich ab hiervon, und du, (o Frau,) bitte ihn für deine Schuld um Verzeihung; siehe, du hast gesündigt."

30 Und es sprachen die Frauen in der Stadt: "Die Frau des Hochgestellten hat ihrem Burschen nachgestellt. Er hat sie zur Liebe entflammt; siehe, wahrlich, wir sehen sie in offenkundigem Irrtum."

31 Und als sie von ihrer Bosheit vernahm, schickte sie zu ihnen und bereitete ihnen ein Gelage und gab einer jeden von ihnen ein Messer und sprach (zu Joseph:) "Komm heraus zu ihnen." Und da sie ihn sahen, rühmten sie ihn und schnitten sich in die Hände und sprachen: "Allah behüte! Das ist kein Mensch, das ist ein edler Engel!"

32 Sie sprach: "Und dieser ist es, um dessentwillen ihr mich tadeltet. Und wahrlich, ich stellte ihm nach, doch widerstand er. Und wahrlich, wenn er nicht nach meinem Geheiß tut, soll er ins Gefängnis geworfen und verächtlich behandelt werden."

33 Er sprach: "Mein Herr, das Gefängnis ist mir lieber als das, wozu sie mich einladen. Und wenn du nicht von mir ihre List abwendest, gebe ich ihnen in meiner Jugend nach und werde einer der Toren."

34 Und es erhörte ihn sein Herr und wendete ihre List von ihm ab. Siehe, er ist der Hörende, der Wissende.

35 Dann beliebte es ihnen, nachdem sie die Zeichen (seiner Unschuld) gesehen hatten, ihn für eine Zeit einzusperren.

36 Und mit ihm kamen zwei Jünglinge ins Gefängnis. Einer derselben sprach: "Siehe, ich sah mich Wein auspressen." Und der andere sprach: "Siehe, ich sah mich auf meinem Haupt Brot tragen, von dem die Vögel fraßen. Verkünde uns die Deutung hiervon. Siehe, wir sehen, dass du einer der Rechtschaffenen bist."

37 Er sprach: "Ehe euch noch das Essen gebracht wird, mit dem ihr versorgt werdet, will ich euch die Deutung hiervon ansagen. Dies ist etwas von dem, was mich mein Herr gelehrt hat. Siehe, ich verließ die Religion der Leute, die nicht an Allah glauben und das Jenseits leugnen,

38 Und ich folge der Religion meiner Väter Abraham, Isaak und Jakob. Uns ist es nicht erlaubt etwas Allah beizugesellen. Dies ist von Allahs Huld gegen uns und gegen die Menschen; jedoch sind die meisten Menschen nicht dankbar.

39 O meine Kerkergenossen, sind Herren, geteilt untereinander, besser als Allah, der Einzige, der Allmächtige?

40 Ihr verehrt außer ihm nichts als Namen, die ihr selber erfunden habt und eure Väter, und wozu Allah euch keine Vollmacht gab. Das Gericht ist allein Allahs. Befohlen hat er, dass ihr ihm allein dient. Das ist der wahrhafte Glauben, jedoch wissen es die meisten Menschen nicht.

41 O meine Kerkergenossen, was den einen von euch anlangt, so wird er seinem Herrn Wein kredenzen, der andere aber wird gekreuzigt werden, und fressen werden die Vögel von seinem Haupt. Beschlossen ist die Sache, über die ihr mich um Aufschluss fragt."

42 Und er sprach zu dem von den beiden, dessen Befreiung er annahm: "Gedenke meiner bei deinem Herrn." Und so ließ Satan ihn das Gedenken seines Herrn vergessen, so dass er noch einige Jahre im Gefängnis blieb.

43 Und es sprach der König: "Siehe, ich sah sieben fette Kühe, es fraßen sie sieben magere, und sieben grüne Ähren und (sieben) andere dürre. O ihr Großen, gebt mir Aufschluss über mein Gesicht, wenn ihr das Gesicht auslegen könnt."

44 Sie sprachen: "Traumphantasien sind es, und wir wissen nichts von Traumdeutung."

45 Und es sprach der, welcher von den beiden freigelassen war, denn er gedachte (Josephs) nach (langer) Zeit: "Ich will euch seine Deutung ansagen; entsendet mich."

46 "Joseph, o du Wahrhafter, gib uns Aufschluss über sieben fette Kühe, die von sieben mageren gefressen werden, und von sieben grünen und anderen dürren Ähren, damit ich zu den Leuten zurückkehre, damit sie es wissen."

47 Er sprach: "Ihr werdet sieben Jahre säen wie üblich. Und was ihr schneidet, lasst es in seinen Ähren bis auf weniges, von dem ihr esst.

48 Dann kommen nach diesem sieben harte (Jahre), welche verzehren werden, was ihr zuvor für sie eingebracht habt, bis auf weniges von dem, was ihr bewahrt.

49 Dann kommt nach diesem ein Jahr, in welchem die Menschen Regen haben und in dem sie (Wein) pressen."

50 Und es sprach der König: "Bringt ihn mir." Und als der Bote zu ihm kam, sprach er: "Kehre zurück zu deinem Herrn und frag ihn, was die Frauen vorhatten, die sich in die Hände schnitten. Siehe, mein Herr kennt ihre List."

51 Er sprach: "Was war eure Absicht, als ihr dem Joseph nachstelltet?" Sie sprachen: "Allah behüte! Wir wissen nichts Böses von ihm." Da sprach die Frau des Hochgestellten: "Nunmehr ist die Wahrheit offenkundig. Ich stellte ihm nach, und siehe wahrlich, er gehört zu den Rechtschaffenen."

52 "Dies, (so sprach Joseph,) damit (mein Herr) wüsste, dass ich nicht während seiner Abwesenheit Verrat gegen ihn übte, und dass Allah nicht die List der Verräter leitet.

53 Und nicht rechtfertige ich mich selber; siehe, die Seele ist geneigt zum Bösen, es sei denn, dass sich mein Herr erbarmt; siehe, mein Herr ist verzeihend, barmherzig."

54 Und es sprach der König: "Bringt mir ihn, ich will ihn für mich haben." Und als er mit ihm geredet hatte, sprach er: "Siehe, von heute an bist du bei uns in Amt und Vertrauen."

55 Er sprach: "Setze mich über die Speicher des Landes; siehe, ich bin ein kluger Hüter."

56 Und so gaben wir Joseph eine Stätte im Land, um in ihm zu wohnen, wo er wollte. Wir treffen mit unserer Barmherzigkeit wen wir wollen und lassen nicht verloren gehen den Lohn der Rechtschaffenen.

57 Und wahrlich, der Lohn des Jenseits ist besser für die, welche glauben und gottesfürchtig sind.

58 Und es kamen Josephs Brüder und traten bei ihm ein, und er erkannte sie, sie aber erkannten ihn nicht.

59 Und als er sie mit ihrem Proviant verproviantiert hatte, sprach er: "Bringt mir euren Bruder von eurem Vater. Seht ihr nicht, dass ich volles Maß gebe, und dass ich der beste Gastgeber bin?

60 Und wenn ihr mir ihn nicht bringt, sollt ihr kein Maß bei mir haben, und sollt mir nicht nahen."

61 Sie sprachen: "Wir wollen ihn von unserem Vater begehren, und siehe, wir tun es gewisslich."

62 Und er sprach zu seinen Dienern: "Steckt ihr Geld in ihre Lasten; vielleicht bemerken sie es, wenn sie zu ihren Familien heimgekehrt sind, und kommen vielleicht zurück."

63 Und als sie zu ihrem Vater zurückgekehrt waren, sprachen sie: "O unser Vater, das Maß ist uns verwehrt; so schicke unseren Bruder mit uns, dass wir Maß erhalten. Und siehe, wir hüten ihn gewisslich."

64 Er sprach: "Kann ich ihn euch etwa anders anvertrauen als wie ich euch zuvor seinen Bruder anvertraute? Allah aber ist der beste Hüter, und er ist der barmherzigste Erbarmer."

65 Und als sie ihre Habe öffneten, fanden sie ihr Geld wieder. Sie sprachen: "O unser Vater, was wünschen wir mehr? Unser Geld ist uns wiedergegeben, und so wollen wir für unsere Familien Getreide einkaufen und unseren Bruder hüten und werden eine Kamelslast mehr nehmen. Das ist ein leichtes Maß."

66 Er sprach: "Niemals sende ich ihn mit euch, es sei denn, ihr gelobt mir vor Allah, ihn mir gewisslich wiederzubringen, falls ihr nicht rings umschlossen seid." Und als sie es ihm gelobt hatten, sprach er: "Allah ist Bürge für unsere Worte."

67 Und er sprach: "O meine Söhne, tretet nicht ein durch ein Tor; tretet ein durch verschiedene Tore. Und ich kann euch nichts gegen Allah helfen. Der Spruch ist allein Allahs, auf ihn traue ich, und vertrauen sollen auf ihn alle Vertrauenden."

68 Und als sie eingetreten waren, wie ihr Vater es ihnen befohlen hatte, nützte ihnen dieses nichts gegen Allah, außer dass es ein Verlangen in Jakobs Seele erfüllte. Und siehe, wahrlich, er besaß Wissen, das wir ihn gelehrt hatten; jedoch wissen es die meisten Menschen nicht.

69 Und als sie bei Joseph eingetreten waren, nahm er seinen Bruder bei sich auf. Er sprach: "Siehe, ich bin dein Bruder, betrübe dich nicht über das, was sie getan."

70 Und als er sie mit ihrem Proviant verproviantiert hatte, steckte er seinen Becher in den Kamelssattel seines Bruders. Dann rief ein Ausrufer: "O ihr Reisenden, wahrlich, ihr seid Diebe."

71 Sie sprachen, indem sie sich zu ihnen wandten: "Was vermisst ihr denn?"

72 Sie sprachen: "Wir vermissen den Becher des Königs, und wer ihn wiederbringt, soll eine Kamelslast (Getreide) erhalten; und ich verbürge mich dafür."

73 Sie sprachen: "Bei Gott, wahrlich ihr wisst, dass wir nicht gekommen sind, um Verderben im Land zu stiften; und wir sind keine Diebe."

74 Sie sprachen: "Und was soll sein Lohn sein, wenn ihr Lügner seid?"

75 Sie sprachen: "Der, in dessen Kamelssattel er gefunden wird, soll zum Lohn dafür sein Entgelt sein; so lohnen wir den Ungerechten."

76 Und er begann mit ihren Säcken vor dem Sack seines Bruders; dann zog er ihn aus dem Sack seines Bruders. So gaben wir dem Joseph die List ein. Nicht wäre es ihm nach des Königs Gesetz erlaubt gewesen seinen Bruder festzunehmen, wenn es nicht Allah beliebt hätte. Wir erhöhen um Stufen, wen wir wollen, und über jedem Wissenden ist er der Wissende.

77 Sie sprachen: "Wenn er stahl, so hat sein Bruder zuvor gestohlen." Joseph aber hielt es bei sich verborgen und offenbarte es ihnen nicht. Er sprach (jedoch bei sich:) "Ihr seid in übler Lage: und Allah weiß sehr wohl, was ihr redet."

78 Sie sprachen: "O Hochgestellter, siehe, er hat einen Vater, einen alten Scheich; so nimm einen von uns an seiner Statt; siehe, wir sehen, dass du rechtschaffen bist."

79 Er sprach: "Das verhüte Allah, dass wir einen anderen festnehmen als bei dem wir unser Eigentum fanden; siehe, sonst wären wir gewisslich Sünder."

80 Und da sie an ihm verzweifelten, gingen sie abseits sich zu beraten. Es sprach ihr Ältester: "Wisst ihr nicht, dass euer Vater von euch ein Gelöbnis vor Allah abnahm, und wie ihr euch zuvor gegen Joseph vergingt? Niemals darum verlasse ich das Land, ehe mein Vater es mir nicht erlaubt oder Allah für mich richtet; denn er ist der beste Richter.

81 Kehrt zurück zu eurem Vater und sprecht: O unser Vater, siehe, dein Sohn hat gestohlen; und wir bezeugen nur, was wir wissen, und nicht können wir das Verborgene abwehren.

82 Frag nur in der Stadt, in der wir gewesen, und die Karawane, mit der wir angekommen sind; und siehe, wahrlich wir sprachen die Wahrheit."

83 Er sprach: "Nein, erdichtet habt ihr euch etwas; und so (gilt) geziemende Geduld. Vielleicht bringt mir sie Allah alle (beide) wieder. Siehe, er ist der Wissende, der Weise."

84 Und er kehrte ihnen den Rücken und sprach: "O mein Kummer um Joseph!" Und es wurden seine Augen weiß vor Kümmernis, denn er war gramerfüllt.

85 Sie sprachen: "Bei Allah, du hörst nicht auf an Joseph zu denken, bis du hinfällig geworden bist und umkommst."

86 Er sprach: "Siehe, ich klage nur meinen Kummer und Gram zu Allah, und ich weiß von Allah, was ihr nicht wisst.

87 O meine Söhne, zieht aus und sucht Kunde von Joseph und seinem Bruder und verzweifelt nicht an Allahs Erbarmen; siehe, an Allahs Erbarmen verzweifeln nur die Ungläubigen."

88 Und als sie bei ihm eintraten, sprachen sie: "O Hochgestellter, wir und unsere Familie sind von Not heimgesucht und wir bringen (nur) wenig Geld. So gib uns volles Maß und schenke uns Almosen; siehe, Allah belohnt die Almosenspendenden."

89 Er sprach: "Wisst ihr, was ihr Joseph und seinem Bruder in eurer Torheit antatet?"

90 Sie sprachen: "Siehe, bist du wahrlich etwa Joseph?" Er sprach: "Ich bin Joseph, und dies ist mein Bruder. Allah ist gnädig gegen uns gewesen. Siehe, wenn einer gottesfürchtig und standhaft ist, siehe, so lässt Allah den Lohn der Rechtschaffenen nicht verloren gehen."

91 Sie sprachen: "Bei Allah, wahrlich, erwählt hat dich Allah vor uns und siehe, wir waren wahrlich Sünder."

92 Er sprach: "Kein Tadel treffe euch heute! Allah verzeiht euch, und er ist der Barmherzigste der Erbarmer.

93 Nehmt dieses mein Hemd mit euch und legt es auf das Antlitz meines Vaters, dann wird er sehend werden. Und bringt alle eure Familien zu mir."

94 Und als die Karawane aufgebrochen war, sprach ihr Vater: "Siehe, wahrlich, ich spüre Josephs Geruch, auch wenn ihr sagt, dass ich fasele."

95 Sie sprachen: "Bei Allah siehe, wahrlich, du bist in deinem alten Irrtum."

96 Und als nun der Freudenbote kam, warf er es über sein Gesicht, und da wurde er wieder sehend. Er sprach: "Sprach ich nicht zu euch: Siehe, ich weiß von Allah, was ihr nicht wisst?" (Flügel 96 bis 97)

97 Sie sprachen: "O unser Vater, verzeihe uns unsere Sünden, siehe, wir waren Sünder." (Flügel 98)

98 Er sprach: "Wahrlich, ich will eurem Herrn um Verzeihung für euch bitten; siehe, er ist der Verzeihende, Barmherzige." (Flügel 99)

99 Und da sie bei Joseph eingetreten waren, nahm er seine Eltern bei sich auf und sprach: "Tretet ein in Ägypten, wenn Allah will, in Sicherheit!" (Flügel 100)

100 Und er setzte seine Eltern auf den Thron, und sie warfen sich ehrfürchtig vor ihm nieder. Und er sprach: "O mein Vater, dies ist die Deutung meines früheren Gesichts. Nunmehr hat mein Herr es Wahrheit werden lassen und hat mir wohlgetan, da er mich aus dem Gefängnis nahm und euch aus der Wüste herbrachte, nachdem der Satan zwischen mir und meinen Brüdern Zwietracht gestiftet. Siehe, mein Herr ist gütig zu wem er will; siehe, er ist der Wissende, der Weise. (Flügel 101)

101 Mein Herr, du gabst mir Herrschaft und lehrtest mich der Geschichten Deutung. Schöpfer der Himmel und der Erde, du bist mein Hort in dieser Welt und in der nächsten; lass mich zu dir hinscheiden als Muslim und vereine mich mit den Gerechten." (Flügel 102)

102 Dies ist eine der verborgenen Geschichten, die wir dir offenbaren. Du warst nicht zugegen, als sie sich verbanden und Listen schmiedeten. (Flügel 103)

103 Und die meisten Menschen, wie sehr du es auch begehrst, glauben nicht.

104 Und du solltest auch keinen Lohn hierfür von ihnen verlangen; dies ist nur eine Ermahnung für die Geschöpfe.

105 Und wie viele Zeichen sind nicht in den Himmeln und auf Erden, an denen sie vorübergehen, indem sie sich von ihnen abwenden.

106 Und die meisten von ihnen glauben nicht an Allah, indem sie ihm nicht auch Gefährten geben.

107 Glauben sie denn nicht, dass der Tag des Gerichts mit der Strafe Allahs über sie kommt, und dass die Stunde plötzlich über sie kommen wird, ohne dass sie sich es versehen?

108 Sprich: "Dies ist mein Weg; ich rufe zu Allah auf Grund eines Beweises, ich und wer mir folgt. Und Preis sei Allah, und ich bin keiner derer, die ihm Gefährten geben."

109 Und auch vor dir entsandten wir nur Männer von den Bewohnern der Städte, denen wir Offenbarungen gaben. Wollen sie denn nicht das Land durchwandern und schauen, wie der Ausgang derer war, die vor ihnen lebten? Und wahrlich die Wohnung des Jenseits ist besser für die Gottesfürchtigen. Begreift ihr denn nicht?

110 Erst wenn die Gesandten verzweifelten und glaubten, dass sie belogen würden, kam unsere Hilfe zu ihnen; und wir erretteten, wen wir wollten; und unsere Strafe wurde nicht abgewendet von dem Volk der Sünder.

111 Wahrlich, in ihren Geschichten ist eine Lehre für die Verständigen. Nicht ist er eine ersonnene Geschichte, sondern eine Bestätigung dessen, was ihm vorausging, und eine Erklärung aller Dinge und eine Rechtleitung und Barmherzigkeit für ein gläubiges Volk.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 12 heißt "Joseph", arabisch Yusuf, nach Joseph, dem Sohn Jakobs [1]. Sie ist die zwölfte Sure und hat nach der Kairoer Zählung 111 Verse [2]. Die Überlieferung, wie Tanzil sie wiedergibt, führt sie als mekkanisch und setzt sie an die 53. Stelle der Offenbarung. Die Verse 1 bis 3 und 7 stammen danach aus Medina [3]. Theodor Nöldeke rechnet die Sure zur dritten und letzten mekkanischen Periode [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Anders als die meisten langen Suren erzählt Sure 12 fast durchgehend eine einzige Geschichte. Sie kündigt sie gleich zu Beginn an: "Erzählen wollen wir dir die schönste der Geschichten durch die Offenbarung dieses Korans" (aus Sure 12,3) [1].

Inhalt im Überblick

Die Erzählung läuft in zeitlicher Folge vom Traum des jungen Joseph bis zum Wiedersehen der Familie in Ägypten. Die Übersicht folgt der Kairoer Zählung [1].

VerseInhalt
1 bis 3Einleitung: das Buch in arabischer Sprache, die schönste der Geschichten
4 bis 6Josephs Traum von elf Sternen, Sonne und Mond, Jakobs Warnung
7 bis 20die Brüder werfen Joseph in eine Zisterne, das Hemd mit falschem Blut, Verkauf an eine Karawane
21 bis 35Joseph im Haus eines Ägypters, die Frau des Hausherrn will ihn verführen, das von hinten zerrissene Hemd, Gefängnis
36 bis 42Joseph deutet zwei Mitgefangenen ihre Träume und spricht über den einen Gott
43 bis 57der Traum des Königs von sieben fetten und sieben mageren Kühen, Joseph wird Verwalter der Speicher
58 bis 82die Brüder holen Getreide, der Becher im Gepäck des jüngsten Bruders
83 bis 101Jakobs Trauer, Joseph gibt sich zu erkennen, das Hemd macht Jakob wieder sehend, die Familie kommt nach Ägypten
102 bis 111Schluss: verborgene Geschichten, die Gesandten vor Muhammad, eine Lehre für die Verständigen

Die Geschichte steht in ähnlicher Form in der Bibel, im 1. Buch Mose ab Kapitel 37. Der Koran nennt die Frau des Hausherrn nicht beim Namen [1].

Wie die Sure verstanden wird

Die Auslegung beschäftigt sich vor allem mit drei Fragen: warum die Sure überhaupt erzählt wird, was die Einzelheiten der Geschichte lehren und wie sie sich zur biblischen Fassung verhält.

Klassische Auslegung

Als Anlass der Offenbarung überliefert at-Tabari nach Ibn Abbas, die Menschen hätten den Propheten gefragt, warum er ihnen keine Geschichten erzähle. Darauf sei Vers 3 herabgekommen [5]. Eine ähnliche Überlieferung geht auf Sa'd ibn Abi Waqqas zurück. Ibn Hadschar bewertete sie als gut [6].

Juristen lasen aus der Erzählung Regeln heraus. Ilkiya al-Harrasi und Ibn al-Arabi leiten aus dem Hemd mit dem falschen Blut (12,18) ab, dass man einander widersprechende Anzeichen gegeneinander abwägen muss. Aus Vers 72 lesen Ausleger die Regel heraus, dass man für eine Leistung eine Belohnung ausloben darf [6]. Az-Zarkaschi und as-Suyuti erörtern, warum die Josephsgeschichte anders als die Geschichten anderer Propheten im Koran nicht wiederholt wird [6].

Heutige muslimische Theologie

Nach der englischen Wikipedia heben viele Forschende hervor, dass der biblische Bericht erzählerisch vielschichtiger und Teil der Geschichte Israels ist, während die koranische Fassung vor allem eine Lehre vermitteln und die Herzen der Gläubigen stärken soll. Als Beleg nennt sie unter anderem einen Aufsatz von M. A. S. Abdel Haleem von 1990 [7]. Der Gelehrte Mustafa Muslim verweist auf die Verbindung zwischen dem Anfang der Sure (12,1 und 12,2) und ihrem Schluss (12,111) [6].

Islamwissenschaft

Nöldeke hebt hervor, dass Sure 12 als einzige der größeren Suren nur einen einzigen Gegenstand behandelt. Die Angabe, die Verse 1 bis 3 und 7 seien in Medina entstanden, verwirft er mit einem Urteil von as-Suyuti als haltlos [4]. Zwei spätere Autoren berichten nach Nöldeke, die Sure sei den ersten Bekehrten aus Yathrib, dem späteren Medina, mitgegeben worden. Selbst wenn das stimme, folge daraus nur, dass sie vorher entstanden sei [4].

Nöldeke berichtet auch, dass eine Gruppe der Charidschiten zur Zeit des Statthalters al-Haddschadsch die Sure aus dem Koran ausschied. Sie hielt sie für eine bloße "Liebesgeschichte", die Gottes nicht würdig sei. Nöldeke teilt diesen Zweifel nicht: Die Gründe der Gruppe seien dogmatisch und nicht historisch, und Ton und Sprache der Sure glichen den übrigen Offenbarungen [8].

Zum Weiterlesen: Koran und Bibel im Vergleich, Die Propheten im Koran und die biblische Fassung in 1. Mose 37. Davor steht Sure 11, Hud, danach folgt Sure 13, Der Donner.

  1. Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Geschichte des Qorâns, S. 107 und 113 f.. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  5. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Yusuf Ayah 3. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. سورة يوسف (Sure Yusuf). Wikipedia (arabisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Yusuf (surah). Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Studie Geschichte des Qorâns, S. 277 f.. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026

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