Alle 114 Suren des Korans
Sure 13: Der Donner (Ar-Raʿd)
Sure 13 von 114, 43 Verse
Sure 13 heißt "Der Donner", arabisch Ar-Rad, und hat in der Kairoer Zählung 43 Verse. Nach der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) ist sie medinisch, viele frühe Gelehrte und Theodor Nöldeke halten sie für mekkanisch. Sie handelt von den Zeichen Allahs in der Natur, von der Offenbarung und von den Folgen von Glauben und Unglauben.
1 A. L. M. R. Dies sind die Zeichen des Buches; und was herabgesandt wurde zu dir von deinem Herrn, ist die Wahrheit, jedoch glauben die meisten Menschen nicht.
2 Allah ist es, der die Himmel erhöht hat ohne Säulen, die ihr seht; dann setzte er sich auf den Thron und zwang zum Frondienst Sonne und Mond. Alles eilt zu einem bestimmten Termin. Er lenkt alle Dinge; er macht die Zeichen klar. Vielleicht glaubt ihr an die Begegnung mit eurem Herrn.
3 Und er ist es, der die Erde ausbreitete und festgegründete (Berge) und Flüsse in sie setzte; und von allen Früchten schuf er auf ihr zwei Arten. Er lässt die Nacht den Tag bedecken. Siehe, hierin sind wahrlich Zeichen für nachdenkende Leute.
4 Und auf der Erde sind dicht beieinander (verschiedene) Stücke und Rebengärten und Korn und Palmen, zu mehreren und einzeln, aus der Wurzel. Getränkt von einem Wasser, machten wir doch die einen als Speise vorzüglicher als die anderen. Siehe, hierin sind wahrlich Zeichen für ein verständiges Volk.
5 Und wenn du dich verwunderst, so ist wunderbar ihr Wort: "Wenn wir zu Staub geworden sind, sollen wir dann wirklich neu erschaffen werden?" Das sind die, welche ihren Herrn verleugnen und die, auf deren Nacken die Joche sein werden. Und sie werden des Feuers Gefährten sein und ewig darin verweilen. (Flügel 5 bis 6)
6 Und sie werden dich eher das Üble als das Gute beschleunigen heißen. Aber schon vor ihnen waren Exempel; und siehe, dein Herr ist wahrlich voll Verzeihung gegen die Menschen trotz ihrer Sünden; und siehe, dein Herr ist wahrlich streng im Strafen. (Flügel 7)
7 Und es sprechen die Ungläubigen: "Warum wurde nicht auf ihn ein Zeichen von seinem Herrn herabgesandt?" Du bist nur ein Warner, und jegliches Volk hat einen Führer. (Flügel 8)
8 Allah weiß, was jede Frau (im Schoß) trägt, und um was sich die Schöße verengen und ausdehnen. Und jedes Ding hat bei ihm sein Maß. (Flügel 9)
9 Der Wisser des Verborgenen und Offenbaren, der Große, der Erhabene! (Flügel 10)
10 Gleich ist ihm, wer von euch sein Wort verbirgt oder äußert, wer sich in der Nacht verbirgt und hervortritt am Tag. (Flügel 11)
11 Ein jeder hat vor sich und hinter sich (Engel), die einander ablösen und ihn behüten auf Allahs Geheiß. Siehe, Allah verändert nicht sein Verhalten zu einem Volk, ehe es nicht seiner Seelen Gedanken verändert; und wenn Allah Böses mit einem Volk vorhat, so kann es niemand abwehren, und außer ihm haben sie keinen Beschützer. (Flügel 12)
12 Er ist es, der euch sehen lässt den Blitz in Furcht und Verlangen, und der die schweren Wolken hervorbringt. (Flügel 13)
13 Und der Donner lobpreist ihn und die Engel, aus Furcht vor ihm. Und er entsendet seine Blitze und trifft mit ihnen wen er will, während sie über Allah streiten; und er ist der an Macht Gewaltige. (Flügel 14)
14 Ihm gebührt die Anrufung; und jene, die sie außer ihm anrufen, erhören sie nicht anders als dass sie jenem gleichen, der seine Hände zum Wasser reckt, damit es seinen Mund erreicht, wo es ihn doch nicht erreichen kann. Das Gebet der Ungläubigen geschieht nur im Irrtum. (Flügel 15)
15 Und vor Allah wirft sich nieder, was in den Himmeln und auf Erden ist, willig und widerwillig; selbst der Schatten am Morgen und am Abend. (Flügel 16)
16 Sprich: "Wer ist der Herr der Himmel und der Erde?" Sprich: "Allah." Sprich: "Habt ihr euch denn außer ihm Beschützer angenommen, die selbst sich selber weder nützen noch schaden können?" Sprich: "Ist etwa der Blinde und der Sehende gleich? Oder sind etwa die Finsternisse und das Licht gleich? Oder haben sie Allah Gefährten gegeben, die erschaffen haben wie er erschuf, so dass ihre Schöpfung ihnen gleich (der seinigen) vorkommt?" Sprich: "Allah ist der Schöpfer aller Dinge; und er ist der Einzige, der Allmächtige." (Flügel 17)
17 Hinabsendet er vom Himmel Wasser, und es strömen die Bäche nach ihrem Vermögen, und der Wildstrom trägt aufschwellenden Schaum; und ein gleicher Schaum entsteht aus dem, was man im Feuer schmilzt im Verlangen nach Schmuck und Gerät. In dieser Weise zeigt Allah Wahrheit und Irrtum. Was den Schaum anlangt, so vergeht er wie Blasen, das aber, was den Menschen nützt, bleibt auf der Erde: So macht Allah Gleichnisse. (Flügel 18)
18 Diejenigen, welche auf ihren Herrn hören, sollen das Beste erhalten; die aber nicht auf ihn hören, auch wenn sie alles auf Erden besäßen und noch einmal so viel dazu, würden sich damit nicht loskaufen können. Übel ist ihre Abrechnung und ihre Herberge ist Dschehannam, und schlimm ist das Lager!
19 Und soll etwa der, welcher weiß, dass das, was zu dir von deinem Herrn hinabgesandt wurde, die Wahrheit ist, gleich dem Blinden sein? Nur die Verständigen lassen sich ermahnen.
20 Sie, die den Bund Allahs halten und den Pakt nicht brechen,
21 Und die, welche verbinden, was Allah zu verbinden befohlen hat, und die ihren Herrn fürchten und Furcht haben vor dem Übel der Abrechnung,
22 Und die standhaft bleiben, im Verlangen nach dem Angesicht ihres Herrn, und das Gebet verrichten und von dem, was er ihnen beschert, im Verborgenen und öffentlich spenden und das Böse durch das Gute abweisen, für diese ist der Lohn der Wohnung,
23 Edens Gärten, in die sie eintreten sollen nebst den Rechtschaffenen von ihren Vätern, ihren Frauen und ihrer Nachkommenschaft; und die Engel sollen eintreten zu ihnen von allen Toren (und sprechen:)
24 "Frieden sei auf euch, darum dass ihr standhaft bliebt!" Und schön ist der Lohn der Wohnung.
25 Diejenigen aber, welche den Bund Allahs brechen nach Eingehung des Paktes und zerreißen, was Allah zu verbinden geheißen hat, und Verderben auf der Erde anstiften, sie erwartet der Fluch und eine üble Wohnung.
26 Allah versorgt reichlich wen er will, und bemisst. Und sie freuen sich des irdischen Lebens, doch ist das irdische Leben im Vergleich zum Jenseits nur ein Genuss.
27 Und es sprechen die Ungläubigen: "Warum ist kein Zeichen von seinem Herrn auf ihn hinabgesandt?" Sprich: "Siehe, Allah führt irre, wen er will, und leitet zu sich, wer sich bekehrt,
28 Die, welche glauben, und deren Herzen in Frieden sind im Gedanken an Allah. Sollten auch nicht im Gedanken an Allah die Herzen in Frieden sein? Diejenigen, welche glauben und das Rechte tun, Heil erwartet sie und eine schöne Heimstätte."
29 So entsandten wir dich in ein Volk, dem Völker vorausgingen, damit du ihnen verläsest, was wir dir offenbarten. Doch sie glauben nicht an den Erbarmer. Sprich: "Er ist mein Herr; es gibt keinen Gott außer ihm; auf ihn vertraue ich, und zu ihm bekehre ich mich."
30 Und gäbe es auch einen Koran, mit dem die Berge versetzt oder die Erde zerrissen oder mit den Toten geredet werden könnte ... (sie glaubten doch nicht.) Aber Allahs ist der Befehl insgesamt. Und wissen denn etwa die Gläubigen nicht, dass, wenn Allah wollte, er die Menschen allesamt rechtleitete?
31 Und das Unheil soll nicht ablassen die Ungläubigen zu treffen oder sich nahe bei ihren Wohnungen niederzulassen, bis Allahs Drohung sich erfüllt. Siehe, Allah bricht nicht sein Versprechen.
32 Und schon vor dir wurden Propheten verspottet, und ich wartete lange mit den Ungläubigen. Dann erfasste ich sie, und wie war meine Strafe!
33 Und wer ist es denn, der über jeder Seele steht um ihr Tun (aufzuschreiben?) Und dennoch geben sie Allah Gefährten. Sprich: "Nennt sie!" Oder wollt ihr ihm etwas verkünden, was er auf der Erde nicht kennt? Oder sind es nicht nur hohle Namen? Aber den Ungläubigen wurde ihr Anschlag ausgeschmückt, und sie wichen ab vom Weg. Wen aber Allah irreführt, der findet keinen Leiter.
34 Sie erhalten schon im irdischen Leben Strafe; aber wahrlich, die Strafe des Jenseits ist härter, und sie finden keinen Beschützer vor Allah.
35 Das Bild des Paradieses, das den Gottesfürchtigen verheißen wurde: durcheilt ist es von Bächen, und dauernd ist seine Speise und sein Schatten. Das ist der Lohn der Gottesfürchtigen; und der Lohn der Ungläubigen ist das Feuer.
36 Und sie, denen wir die Schrift gaben, freuen sich über das, was zu dir hinabgesandt wurde, doch gibt es eine Rotte, die einen Teil davon ableugnet. Sprich: "Geheißen wurde mir allein Allah zu dienen und ihm keine Gefährten zu geben. Zu ihm bete ich, und zu ihm ist meine Rückkehr."
37 Und demgemäß sandten wir ihn als eine Vorschrift in arabischer Sprache nieder. Und wahrlich, wenn du ihrem Gelüste folgtest, nachdem das Wissen zu dir gekommen, so fändest du vor Allah weder einen Beschützer noch Behüter.
38 Und wahrlich, schon vor dir entsandten wir Gesandte und gaben ihnen Gattinnen und Nachkommenschaft. Kein Gesandter aber konnte ohne Allahs Erlaubnis ein Zeichen bringen. Jedes Zeitalter hat sein Buch.
39 Allah löscht aus und bestätigt was er will, und bei ihm ist die Mutter der Schrift.
40 Und ob wir dich einen Teil sehen lassen von dem, was wir ihnen androhten, oder ob wir dich zu uns hinscheiden lassen, dir liegt nur die Predigt ob und uns die Abrechnung.
41 Sehen sie denn nicht, dass wir in ihr Land kommen und ihre Grenzen enger machen? Und Allah richtet, und niemand kann sein Urteil hemmen; und er ist schnell im Rechnen.
42 Und Listen schmiedeten schon die früheren; Allahs aber ist die List insgesamt. Er weiß, was jede Seele tut, und wahrlich, die Ungläubigen werden schon sehen, wem der Lohn der Wohnung sein wird.
43 Und es sprechen die Ungläubigen: "Du bist kein Entsandter." Sprich: "Allah genügt mir als Zeuge zwischen mir und euch, und jeder, bei dem das Wissen der Schrift ist."
Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.
Sure 13 heißt "Der Donner", arabisch Ar-Ra'd, nach Vers 13, in dem der Donner Allah lobpreist [1]. Sie ist die 13. Sure und hat nach der Kairoer Zählung 43 Verse [2]. Die Überlieferung, wie Tanzil sie wiedergibt, führt sie als medinisch und setzt sie an die 96. Stelle der Offenbarung [3]. Diese Einordnung ist umstritten. Nach der arabischen Wikipedia halten die meisten frühen Gelehrten die Sure für mekkanisch. As-Suyuti verband die Überlieferungen so, dass nur die Verse 12 und 13 aus Medina stammen [4]. Theodor Nöldeke rechnet die Sure zur dritten und letzten mekkanischen Periode [5]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).
Inhalt im Überblick
Die Sure beginnt mit den Buchstaben A. L. M. R. und wechselt zwischen Bildern aus der Natur und der Auseinandersetzung mit den Ungläubigen, die ein Zeichen fordern [1].
| Verse | Inhalt |
|---|---|
| 1 bis 4 | das Buch, der Himmel ohne sichtbare Säulen, Sonne und Mond, Erde, Flüsse und Gärten als Zeichen |
| 5 bis 11 | Zweifel an der Auferstehung, Forderung nach einem Zeichen, Allahs Wissen um alles Verborgene, die Engel, die jeden Menschen behüten |
| 12 bis 18 | Blitz, Wolken und Donner, die Niederwerfung aller Geschöpfe, das Gleichnis vom Schaum |
| 19 bis 26 | die Einsichtigen, die den Bund halten, und die, die ihn brechen |
| 27 bis 37 | Herzen, die im Gedenken an Allah Frieden finden, Spott über die Propheten, die Offenbarung in arabischer Sprache |
| 38 bis 43 | Gesandte vor Muhammad, "die Mutter der Schrift" (13,39), Allah als Zeuge |
Ein Gleichnis in Vers 17 stellt Wahrheit und Irrtum gegenüber: Was den Schaum anlangt, "so vergeht er wie Blasen, das aber, was den Menschen nützt, bleibt auf der Erde" (aus Sure 13,17) [1].
Wie die Sure verstanden wird
Am häufigsten zitiert wird ein Satz aus Vers 11: "Siehe, Allah verändert nicht sein Verhalten zu einem Volk, ehe es nicht seiner Seelen Gedanken verändert" (aus Sure 13,11) [1].
Klassische Auslegung
Ibn Kathir erklärt zuerst den Anfang von Vers 11: Jeder Mensch hat Engel, die sich bei Tag und bei Nacht ablösen und ihn behüten, und andere, die seine Taten aufschreiben. Den Satz über die Veränderung belegt er mit einer Überlieferung bei Ibn Abi Hatim: Wenn ein Volk, das Allah gehorchte, sich dem Ungehorsam zuwendet, nimmt Allah ihm, was es liebt, und gibt ihm, was es verabscheut [6].
Für die Verse über Blitz und Donner überliefern an-Nasa'i und al-Bazzar nach Anas ibn Malik einen Anlass: Ein Mann habe spöttisch nach dem Wesen Gottes gefragt und sei vom Blitz getroffen worden [4]. Den Namen der Sure deutet Muhammad Ali as-Sabuni so, dass der Donner Gegensätze vereint, den Regen als Segen und die Gefahr [4].
Heutige muslimische Theologie
Muhammad Asad liest Vers 11 als Ausdruck eines göttlichen Gesetzes von Ursache und Wirkung, das für Einzelne wie für Gemeinschaften gilt. Aufstieg und Niedergang von Kulturen hängen danach von der sittlichen Haltung und der inneren Wandlung der Menschen ab [7]. Der Beitrag, der Asads Deutung vorstellt, ordnet sie in die Tradition des ägyptischen Reformers Muhammad Abduh ein [7].
Islamwissenschaft
Nöldeke hält die Verbindung der Blitzverse mit einer Begebenheit in Medina für eine Erklärung, die aus dem Wortlaut der Verse selbst gewonnen und nicht einmal historisch genau sei [5]. Weil einzelne Verse als medinisch galten, haben nach seiner Beobachtung manche gleich die ganze Sure für nicht mekkanisch erklärt [5]. Er berichtet auch, dass schon der Ausleger al-Baghawi eine Überlieferung zu Vers 43 zurückwies, die den Vers auf Abdallah ibn Salam bezog, weil die Sure mekkanisch sei [8].
Weitere Seiten zum Thema: Schöpfung und Natur im Koran, Engel und Dschinn im Koran und Mekkanische und medinensische Suren. Ihre Nachbarn sind Sure 12, Joseph und Sure 14, Abraham.
- Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- سورة الرعد (Sure ar-Raʿd). Wikipedia (arabisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Geschichte des Qorâns, S. 107 und 120 f.. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Ar-Ra'd Ayah 11. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Muhammad Asad's tafsir: Reverberating Abduh's principles. Islamic Renaissance Front. Stand 01.08.2011. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Geschichte des Qorâns, S. 50. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
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