Alle 114 Suren des Korans

Sure 14: Abraham (Ibrāhīm)

Sure 14 von 114, 52 Verse

Sure 14 heißt Abraham, arabisch Ibrahim, und hat in der Kairoer Zählung 52 Verse. Sie gilt als mekkanisch und handelt von den Gesandten und ihren Gegnern, vom Dank für Allahs Gaben und vom Gericht. Den Namen hat sie vom Gebet Abrahams für das Land um das heilige Haus in den Versen 35 bis 41.

1 A. L. R. (Dieses) Buch, wir haben es zu dir hinabgesandt, damit du die Menschen aus den Finsternissen zum Licht führst, mit deines Herrn Erlaubnis, auf den Pfad des Mächtigen, des Rühmenswerten,

2 Allahs, des ist, was in den Himmeln und was auf Erden, und weh wegen der strengen Strafe der Ungläubigen,

3 Welche das irdische Leben mehr lieben als das Jenseits und abbringen von Allahs Weg und ihn zu krümmen trachten; sie sind in tiefem Irrtum.

4 Und nicht entsandten wir einen Gesandten, es sei denn mit der Sprache seines Volkes, um ihnen (unsere Offenbarung) deutlich zu machen. Und Allah führt irre, wen er will, und leitet recht, wen er will; und er ist der Mächtige, der Weise.

5 Und wahrlich wir entsandten schon Moses mit unseren Zeichen (und sprachen zu ihm:) "Führe dein Volk aus den Finsternissen zum Licht und erinnere sie an die Tage Allahs." Siehe, hierin sind wahrlich Zeichen für alle Standhaften und Dankbaren.

6 Und (gedenke,) da Moses zu seinem Volk sprach: "Gedenkt der Gnade Allahs gegen euch, als er euch errettete vor dem Volk Pharaos, das euch mit schlimmer Strafe heimsuchte und eure Söhne schlachtete und (nur) eure Töchter leben ließ." Und hierin lag eine gewaltige Prüfung von eurem Herrn.

7 Und als euer Herr ankündigen ließ: "Wahrlich, wenn ihr dankbar seid, will ich euch mehren. Seid ihr jedoch undankbar, siehe, dann ist meine Strafe gewisslich streng."

8 Und es sprach Moses: "Wenn ihr auch undankbar seid, ihr und wer sonst auf Erden allesamt, siehe, so ist Allah doch reich und des Lobes wert."

9 Kam nicht zu euch die Kunde von jenen, die vor euch waren, von dem Volk Noahs und Ads und Thamuds und von denen, die nach ihnen lebten? Nur Allah allein kennt sie. Zu ihnen kamen ihre Gesandten mit den deutlichen Zeichen, doch sie steckten ihre Hände in den Mund und sprachen: "Siehe, wir glauben nicht an eure Sendung, und siehe, wir sind wahrlich in starkem Zweifel über das, wozu ihr uns einladet." (Flügel 9 bis 10)

10 Es sprachen ihre Gesandten: "Ist etwa ein Zweifel an Allah, dem Schöpfer der Himmel und der Erde? Er ruft euch, euch eure Sünden zu vergeben und mit euch bis zu einem bestimmten Termin zu säumen." Sie sprachen: "Ihr seid nur Menschen wie wir, ihr wollt uns abbringen von dem, was unsere Väter verehrten. Bringt uns eine offenkundige Vollmacht." (Flügel 11 bis 12)

11 Es sprachen ihre Gesandten zu ihnen: "Wir sind nur Menschen wie ihr, jedoch ist Allah gnädig gegen wen er will von seinen Dienern, und nicht steht es bei uns euch eine Vollmacht zu bringen, es sei denn mit Allahs Erlaubnis; und auf Allah sollen alle Gläubigen vertrauen. (Flügel 13 bis 14)

12 Und warum sollten wir nicht auf Allah vertrauen, wo er uns in unseren Wegen bereits geleitet hat? Und wahrlich, ertragen wollen wir, was ihr uns an Leid zufügt. Und auf Allah sollen die Vertrauenden vertrauen." (Flügel 15)

13 Und es sprachen die Ungläubigen zu ihren Gesandten: "Wahrlich, wir vertreiben euch aus unserem Land oder ihr kehrt zurück zu unserer Religion." Und es offenbarte ihnen ihr Herr: "Wahrlich, wir werden die Sünder vertilgen, (Flügel 16)

14 Und werden euch gewisslich nach ihnen das Land bewohnen lassen. Solches für den, welcher meine Stätte und meine Drohungen fürchtet." (Flügel 17)

15 Und sie riefen um Hilfe, und zuschanden ging jeder trotzige Rebell. (Flügel 18)

16 Vor ihm liegt Dschehannam, und getränkt soll er werden mit Eiterfluss. (Flügel 19)

17 Er soll ihn hinunterschlucken und kaum unter die Gurgel bringen, und kommen soll der Tod zu ihm von allen Seiten, ohne dass er sterben könnte; und vor ihm ist harte Strafe. (Flügel 20)

18 Das Gleichnis derer, die nicht an ihren Herrn glauben, ist: Ihre Werke sind gleich Asche, welche der Wind an einem Tag des Sturms zerstreut. Ihre Werke sollen ihnen nichts nützen. Das ist der tiefe Irrtum. (Flügel 21)

19 Siehst du denn nicht, dass Allah in Wahrheit die Himmel und die Erde erschaffen? Wollte er es, er raffte euch hinweg und brächte eine neue Schöpfung, (Flügel 22)

20 Und dies fiele Allah nicht schwer. (Flügel 23)

21 Und vor Allah werden sie treten allesamt. Und sprechen werden die Schwachen zu den Hochmütigen: "Siehe, wir folgten euch nach; wollt ihr nun nicht einen Teil der Strafe Allahs an unserer Stelle übernehmen?" Sie werden sprechen: "Hätte uns Allah rechtgeleitet, so hätten wir euch auch geleitet. Nun ist es gleich für uns, ob wir missmutig oder standhaft ertragen; uns ist kein Entrinnen." (Flügel 24 bis 25)

22 Und sprechen wird der Satan, wenn der Spruch gefällt ist: "Siehe, Allah verhieß euch eine wahrhafte Verheißung. Ich verhieß euch auch, aber ich hinterging euch. Doch hatte ich keine Gewalt über euch, sondern ich rief euch nur und ihr antwortetet mir; tadelt mich deshalb nicht, sondern tadelt euch selber. Ich kann euch nicht Hilfe bringen, und ihr könnt mir nicht helfen. Siehe, ich leugne es Allah gleich zu sein, dem ihr mich zuvor beigesellt." Siehe, die Sünder trifft schmerzliche Strafe. (Flügel 26 bis 27)

23 Aber jene, die glaubten und das Rechte taten, werden geführt in Gärten, durcheilt von Bächen, ewig darin zu verweilen mit der Erlaubnis ihres Herrn. Ihr Gruß in ihnen ist: "Frieden!" (Flügel 28)

24 Siehst du nicht, womit Allah ein gutes Wort vergleicht? Es ist gleich einem guten Baum, dessen Wurzel fest ist und dessen Zweige in den Himmel reichen, (Flügel 29)

25 Und der seine Speise zu jeder Zeit gibt mit seines Herrn Erlaubnis. Und Allah macht die Gleichnisse für die Menschen, dass sie sich ermahnen lassen. (Flügel 30)

26 Und das Gleichnis eines schlechten Worts ist ein schlechter Baum, der aus der Erde entwurzelt ist und keine Festigkeit hat. (Flügel 31)

27 Festigen wird Allah die Gläubigen durch das festigende Wort im irdischen Leben und im Jenseits; und Allah führt die Ungerechten irre; und Allah tut, was er will. (Flügel 32)

28 Sahst du nicht jene, welche Allahs Gnade mit dem Unglauben vertauschten und ihr Volk hinab ins Haus des Verderbens brachten, (Flügel 33)

29 In Dschehannam? Brennen sollen sie in ihr, und schlimm ist die Stätte! (Flügel 34)

30 Und sie gaben Allah seinesgleichen, um von seinem Weg in die Irre zu führen. Sprich: "Vergnügt euch nur, eure Fahrt geht doch ins Feuer." (Flügel 35)

31 Sprich zu meinen Dienern, welche gläubig sind, sie sollen das Gebet verrichten und spenden von dem, was wir ihnen bescherten, insgeheim und öffentlich, bevor ein Tag kommt, an dem weder Handel noch Freundschaft ist. (Flügel 36)

32 Allah ist es, der die Himmel und die Erde erschuf, und er sendet vom Himmel Wasser hernieder und lockt durch dasselbe Früchte hervor zu eurer Versorgung. Und er hat euch dienstbar gemacht die Schiffe, dass sie auf seinen Befehl das Meer durchteilen. Und er machte euch die Flüsse; (Flügel 37)

33 Und er machte euch dienstbar die Sonne und den Mond in rastlosem Wandel. Und dienstbar machte er euch die Nacht und den Tag. (Flügel 37)

34 Und er gibt euch von allem, um was ihr ihn bittet, und wenn ihr aufzählen wolltet die Gnadenerweisungen Allahs, ihr könntet sie nicht berechnen. Siehe, der Mensch ist wahrlich ungerecht und undankbar. (Flügel 37)

35 Und (gedenke,) da Abraham sprach: "Mein Herr, mache dieses Land sicher und wende mich und meine Kinder von der Anbetung der Götzen ab. (Flügel 38)

36 Mein Herr, siehe, irre führten sie viele Menschen, aber wer mir folgt, siehe, der gehört zu mir, und wer sich gegen mich empört, siehe, so bist du der Verzeihende, Barmherzige. (Flügel 39)

37 Unser Herr, siehe, ich habe einen Teil meiner Nachkommenschaft in einem unfruchtbaren Tal bei deinem heiligen Haus angesiedelt. Unser Herr, mögen sie das Gebet verrichten! Und erfülle die Herzen der Menschen mit Liebe zu ihnen und versorge sie mit Früchten; vielleicht sind sie dir dankbar. (Flügel 40)

38 Unser Herr, siehe, du weißt, was wir verbergen und was wir offen kundtun, und nichts ist verborgen vor Allah auf Erden und im Himmel. (Flügel 41)

39 Gelobt sei Allah, der mir in meinem Alter Ismael und Isaak schenkte! Siehe, mein Herr ist wahrlich des Gebetes Erhörer! (Flügel 41)

40 Mein Herr, mache, dass ich und mein Same das Gebet verrichten. Unser Herr, und nimm mein Gebet an. (Flügel 42)

41 Unser Herr, vergib mir und meinen Eltern und den Gläubigen am Tag der Rechenschaft." (Flügel 42)

42 Und wähne nicht, dass Allah achtlos ist des Tuns der Ungerechten. Siehe, er säumt nur mit ihnen bis zum Tag, an dem die Blicke stier werden. (Flügel 43)

43 Herbeigeeilt kommen sie gereckten Hauptes mit stierem Auge und öden Herzen. (Flügel 44)

44 Darum warne die Menschen vor dem Tag, an dem sie die Strafe ereilt. Und sprechen werden die Sünder: "Unser Herr, warte mit uns noch um eine kurze Frist; antworten wollen wir dann deinem Ruf und folgen den Gesandten." Aber schwort ihr nicht zuvor, dass euch kein Untergang treffen würde? (Flügel 44 bis 46)

45 Ihr wohntet in den Wohnungen derer, die gegen sich selber sündigten, und es wurde euch kundgetan, wie wir mit ihnen verfuhren und wir gaben euch (an ihnen) Exempel. (Flügel 47)

46 Sie planten ihre Listen, aber ihre List ist bei Allah, und wäre sie auch imstande Berge zu versetzen. (Flügel 47)

47 Und wähne nicht, dass Allah die Verheißung, die er seinen Gesandten gegeben, nicht hält. Siehe, Allah ist mächtig und ein Rächer. (Flügel 48)

48 An jenem Tag, an welchem die Erde und die Himmel verwandelt werden, und sie vor Allah treten, den Einzigen, den Allmächtigen, (Flügel 49)

49 An jenem Tag wirst du die Sünder in Fesseln zusammengekoppelt sehen, (Flügel 50)

50 In Kleidern von Pech, und das Feuer wird über ihre Gesichter schlagen, (Flügel 51)

51 Damit Allah jeder Seele nach Verdienst lohnt. Siehe, Allah ist schnell im Rechnen.

52 Dies ist eine Ankündigung für die Menschen und diene als Warnung für sie, und sie sollen hieraus erkennen, dass es nur einen einzigen Gott gibt, und die Verständigen sollen es bedenken.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 14 heißt "Abraham", arabisch Ibrahim, nach dem Gebet Abrahams in den Versen 35 bis 41 [1]. Sie ist die 14. Sure und hat nach der Kairoer Zählung 52 Verse [2]. Die Überlieferung, wie Tanzil sie wiedergibt, führt sie als mekkanisch und setzt sie an die 72. Stelle der Offenbarung. Nur die Verse 28 und 29 stammen danach aus Medina [3]. Theodor Nöldeke rechnet die Sure zur dritten und letzten mekkanischen Periode [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Inhalt im Überblick

Die Sure beginnt mit den Buchstaben A. L. R. und dem Auftrag, die Menschen "aus den Finsternissen zum Licht" zu führen (14,1) [1].

VerseInhalt
1 bis 4das Buch, jeder Gesandte spricht die Sprache seines Volkes
5 bis 8Moses erinnert sein Volk an Allahs Gnade, Lohn für Dankbarkeit
9 bis 17die Gesandten früherer Völker und die Drohung ihrer Gegner, sie zu vertreiben
18 bis 23Werke der Ungläubigen wie Asche im Sturm, Streit der Verführten mit ihren Führern, die Rede des Satans im Gericht
24 bis 27Gleichnis vom guten und vom schlechten Baum
28 bis 34die, die Allahs Gnade mit Unglauben vertauschten, Aufzählung von Allahs Gaben
35 bis 41Abrahams Gebet für das Land, für seine Nachkommen im unfruchtbaren Tal beim heiligen Haus und für seine Eltern
42 bis 52der Tag, an dem Erde und Himmel verwandelt werden, Schlussmahnung

In seinem Gebet sagt Abraham: "Unser Herr, siehe, ich habe einen Teil meiner Nachkommenschaft in einem unfruchtbaren Tal bei deinem heiligen Haus angesiedelt" (aus Sure 14,37) [1].

Wie die Sure verstanden wird

Die Auslegung beschäftigt sich vor allem mit dem Gleichnis vom guten Wort in den Versen 24 bis 26 und mit der Frage, auf wen sich die Verse 28 und 29 beziehen.

Klassische Auslegung

Ibn Kathir überliefert nach Ibn Abbas, das gute Wort in Vers 24 sei das Bekenntnis, dass es keinen Gott gibt außer Allah. Die feste Wurzel steht dann für das Bekenntnis im Herzen des Gläubigen, die Zweige für seine Werke, die zum Himmel steigen [5]. Den guten Baum deutet er mit einem Prophetenwort nach Ibn Umar als Dattelpalme. Den schlechten Baum bestimmt Anas ibn Malik als Koloquinte, eine bittere Wüstenpflanze [5].

Die Verse 28 und 29 bezogen nach der arabischen Wikipedia schon Ibn Abbas und Qatada auf die Mekkaner, die in der Schlacht von Badr fielen. Deshalb gelten sie als medinisch [6]. Al-Biqa'i sah einen Zusammenhang zwischen dem Anfang der Sure und dem Schluss der vorigen Sure 13 [6].

Heutige muslimische Theologie

Im offenen Brief "A Common Word between Us and You", den muslimische Gelehrte 2007 an christliche Kirchenführer richteten, stehen die Verse 14,32 bis 34 als Beleg dafür, dass der Mensch Gott für seine Gaben dankbar sein soll. Die Verse 14,24 bis 27 führen die Verfasser unter den Stellen an, die das Gedenken an Gott betonen [7].

Islamwissenschaft

Nöldeke hält die Deutung von Vers 28 auf die Mekkaner, die bei Badr kämpften, für falsch [4]. Er ordnet die ganze Sure in die späte mekkanische Zeit ein, zwischen Sure 11 und Sure 12 [4].

Zum Weiterlesen: Die Propheten im Koran, Die Pilgerfahrt im Koran und Mekkanische und medinensische Suren. Davor steht Sure 13, Der Donner, danach folgt Sure 15, El-Hidschr.

  1. Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Geschichte des Qorâns, S. IX (Inhaltsverzeichnis), 107 und 113. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  5. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Ibrahim Ayah 24. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. سورة إبراهيم (Sure Ibrahim). Wikipedia (arabisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation A Common Word between Us and You. A Common Word. Stand 2007. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.