Alle 114 Suren des Korans
Sure 15: El-Hidschr (Al-Ḥidschr)
Sure 15 von 114, 99 Verse
Sure 15 heißt El-Hidschr nach der Felsenstadt, deren Bewohner nach Vers 80 die Gesandten der Lüge bezichtigten. Sie hat in der Kairoer Zählung 99 Verse und gilt als mekkanisch. Sie handelt von der Erschaffung des Menschen, von Iblis, von Abraham und Lot und enthält mit Vers 9 die Zusage, die herabgesandte Warnung zu hüten.
1 A. L. R. Dies sind die Zeichen des Buches und eines klaren Korans.
2 Oftmals werden die Ungläubigen wünschen, Muslime gewesen zu sein.
3 Lass sie nur schmausen und genießen und sich in Hoffnung ergehen. Wahrlich, sie sollen schon sehen.
4 Und wir zerstörten keine Stadt ohne niedergeschriebenen Termin.
5 Kein Volk kann seinen Termin beschleunigen oder verschieben.
6 Und sie sprechen: "O du, auf den die Warnung herabgesandt ist, siehe, wahrlich, du bist besessen.
7 Warum bringst du uns nicht die Engel, wenn du wahrhaft bist?"
8 Wir senden die Engel nicht nieder, es sei denn, wenn es notwendig, und auch dann fänden sie keine Nachsicht.
9 Siehe, wir sandten die Warnung herab, und siehe, wir wollen sie hüten.
10 Und wahrlich, schon vor dir entsandten wir (Gesandte) zu den Sekten der Früheren.
11 Aber nie kamen Gesandte zu ihnen, die sie nicht verspottet hätten.
12 Gleiches lassen wir (jetzt) in die Herzen der Frevler einziehen.
13 Sie glauben nicht an ihn, obwohl die Strafe der Früheren stattfand.
14 Wenn wir ihnen auch ein Tor vom Himmel öffneten, beim Hinaufsteigen
15 Würden sie doch sprechen: "Unsere Blicke sind berauscht; ja, wir sind ein verzaubertes Volk."
16 Wahrlich wir setzten in den Himmel Türme und schmückten sie aus für die Beschauer,
17 Und wir schützten sie vor jedem gesteinigten Satan,
18 Außer dem verstohlenen Lauscher; dem folgt eine lichte Schnuppe.
19 Und die Erde, wir breiteten sie aus und warfen auf sie die festgegründeten (Berge) und ließen allerlei Dinge in ihr sprießen in abgewogenem Maß.
20 Und wir gaben euch in ihr Nahrungsmittel und denen, die ihr nicht versorgt.
21 Und es gibt kein Ding, dessen Speicher nicht bei uns sind, und wir senden es nur in bestimmtem Maß hinab.
22 Und wir entsenden die schwangeren Winde und entsenden Wasser vom Himmel und geben es euch zu trinken; und nicht ihr seid es, die es aufspeichern;
23 Und, siehe, wir sind es, die Leben und Tod geben, und wir sind die Erbenden.
24 Und wahrlich, wir kennen unter euch diejenigen, die vorangehen, und kennen auch die, welche zurückbleiben.
25 Und siehe, dein Herr wird sie versammeln; siehe, er ist weise und wissend.
26 Und wahrlich, erschaffen haben wir den Menschen aus trockenem Lehm, aus geformtem Schlamm;
27 Und die Dschinn erschufen wir zuvor aus dem Feuer des Samum.
28 Und (gedenke,) da dein Herr zu den Engeln sprach: "Siehe, ich erschaffe einen Menschen aus trockenem Lehm, aus geformtem Schlamm:
29 Und wenn ich ihn gebildet und ihm von meinem Geist eingehaucht habe, so fallt anbetend vor ihm nieder."
30 Und niederfielen alle die Engel insgesamt,
31 Außer Iblis; der wollte nicht niederfallen.
32 Er sprach: "O Iblis, was ist dir, dass du nicht niedergefallen bist?"
33 Er sprach: "Nie werde ich niederfallen vor einem Menschen, den du aus trockenem Lehm erschufst, aus geformtem Schlamm."
34 Er sprach: "Hinaus aus ihm! Siehe, du bist gesteinigt;
35 Und, siehe, auf dir soll der Fluch sein bis zum Tag des Gerichts."
36 Er sprach: "Mein Herr, warte mit mir bis zum Tag der Erweckung."
37 Er sprach: "Siehe, so soll dir Verzug sein,
38 Bis zum Tag der festgesetzten Zeit."
39 Er sprach: "Mein Herr, weil du mich irreführtest, wahrlich, so will ich ihnen auf Erden (die Dinge) ausschmücken und will sie verführen allesamt,
40 Außer deinen Dienern unter ihnen, den lauteren."
41 Er sprach: "Das ist ein Weg bei mir, ein rechter.
42 Siehe, meine Diener, nicht ist dir Macht über sie, es sei über die Verführten, die dir folgen."
43 Und siehe, Dschehannam ist wahrlich verheißen ihnen insgesamt.
44 Ihr sind sieben Tore, und für jedes Tor ist ein besonderer Teil.
45 Siehe, die Gottesfürchtigen kommen in Gärten und Quellen:
46 "Tretet ein in Frieden, sicher."
47 Und nehmen wollen wir aus ihren Brüsten, was dort ist an Groll, als Brüder sitzend auf Polstern einander gegenüber.
48 Nicht soll sie rühren in ihnen Müdigkeit, und nie sollen sie aus ihnen getrieben werden.
49 Verkünde meinen Dienern, dass ich bin der Verzeihende, der Barmherzige,
50 Und dass meine Strafe eine schmerzliche Strafe ist.
51 Und verkünde ihnen von Abrahams Gästen.
52 Als sie eintraten bei ihm und sprachen: "Frieden!" sprach er: "Siehe, wir fürchten uns vor euch."
53 Sie sprachen: "Fürchte dich nicht; siehe, wir verheißen dir einen klugen Sohn."
54 Er sprach: "Verheißt ihr mir dies, wo mich schon das Alter berührt hat? Was verheißt ihr mir da?"
55 Sie sprachen: "Wir verheißen dir in Wahrheit; darum gib nicht die Hoffnung auf."
56 Er sprach: "Wer gibt die Hoffnung auf seines Herrn Barmherzigkeit auf, wenn nicht die Irrenden?"
57 Er sprach: "Und was ist euer Geschäft, ihr Entsandten?"
58 Sie sprachen: "Siehe, wir sind entsandt zu einem frevelnden Volk.
59 Nur das Haus Lots, retten wollen wir es insgesamt,
60 Außer seiner Frau; wir beschlossen ihr Zaudern."
61 Und als die Boten zum Haus Lots kamen,
62 Sprach er: "Siehe, ihr seid fremde Leute."
63 Sie sprachen: "Nein; wir kommen zu dir in dem, was sie bezweifeln.
64 Und wir bringen dir die Wahrheit und wahrlich, wir sind wahrhaft.
65 So mache dich fort mit deiner Familie im Stockdunkel der Nacht und geh hinterdrein. Und niemand von euch wende sich um, sondern geht, wohin ihr geheißen seid."
66 Und wir gaben ihm diesen Befehl, weil jene mit Stumpf und Stiel abgeschnitten werden sollten am Morgen.
67 Und es kam das Volk der Stadt frohlockend an.
68 Er sprach: "Siehe, dies sind meine Gäste; darum entehrt mich nicht;
69 Und fürchtet Allah und tut mir nicht Schande an."
70 Sie sprachen: "Haben wir dir nicht alle Welt verboten?"
71 Er sprach: "Wahrlich, hier sind meine Töchter, wenn ihr es tun wollt."
72 Bei deinem Leben, siehe wahrlich, in ihrer Trunkenheit gingen sie irre!
73 Und da kam über sie der Schrei am Sonnenaufgang,
74 Und wir kehrten sie das Oberste zuunterst und ließen auf sie gebrannte Steine niederregnen.
75 Siehe, hierin sind wahrlich Zeichen für Einsichtige.
76 Und siehe wahrlich, sie sind auf einem Weg, der noch vorhanden ist.
77 Siehe, hierin ist wahrlich ein Zeichen für die Gläubigen.
78 Und siehe, die Waldbewohner waren auch Sünder.
79 Und wir nahmen Rache an ihnen und wahrlich, beide wurden ein offenkundiges Exempel.
80 Und wahrlich, auch das Volk von El-Hidschr bezichtigte die Gesandten der Lüge.
81 Und wir brachten ihnen unsere Zeichen, doch wendeten sie sich ab von ihnen.
82 Und sie höhlten sich sichere Wohnungen in den Bergen aus,
83 Und da überkam sie der Schrei am Morgen,
84 Und all ihr Tun nützte ihnen nichts.
85 Und wir erschufen die Himmel und die Erde und was zwischen beiden nur zur Wahrheit, und wahrlich die "Stunde" kommt. Darum vergib (o Muhammad) in schöner Vergebung.
86 Siehe, dein Herr, er ist der Schöpfer, der Wissende.
87 Und wahrlich schon gaben wir dir sieben von den zu wiederholenden (Versen) und den erhabenen Koran.
88 Richte deine Augen nicht auf das, was wir einigen von ihnen gaben. Betrübe dich auch nicht über sie. Senke deine Fittiche über die Gläubigen,
89 Und sprich: "Siehe, ich bin nur der deutliche Warner."
90 (Wir wollen eine Strafe auf sie hinabsenden,) wie wir sie hinabsandten auf die, welche Teile machten,
91 Die den Koran zerstückten.
92 Und bei deinem Herrn! Wahrlich zur Rechenschaft ziehen wollen wir sie insgesamt,
93 Für ihr Tun.
94 So tue kund, was dir geheißen wurde, und kehre dich ab von den Götzendienern.
95 Siehe, wir schützen dich gegen die Spötter,
96 Welche neben Allah noch einen anderen Gott setzen. Aber sie werden schon sehen!
97 Wahrlich, wir wissen, dass deine Brust beklommen ist über ihre Worte.
98 Aber lobpreise deinen Herrn und falle nieder vor ihm.
99 Und diene deinem Herrn, bis die Gewissheit zu dir kommt.
Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.
Sure 15 heißt "El-Hidschr", arabisch Al-Hidschr. Der Name kommt aus Vers 80, der das "Volk von El-Hidschr" nennt [1]. Nach der arabischen Wikipedia sind damit die Felsenwohnungen der Thamud gemeint, des Volkes Salihs. Die Stätte heißt heute Mada'in Salih [2]. Die UNESCO führt sie als archäologische Stätte Hegra (al-Hijr, Mada'in Salih) mit Grabfassaden der Nabatäer aus dem 1. Jahrhundert vor bis zum 1. Jahrhundert nach Christus [9]. Die Sure ist die 15. Sure und hat nach der Kairoer Zählung 99 Verse [3]. Die Überlieferung, wie Tanzil sie wiedergibt, führt sie als mekkanisch und setzt sie an die 54. Stelle der Offenbarung. Nur Vers 87 stammt danach aus Medina [4]. Theodor Nöldeke rechnet die Sure zur zweiten, mittleren mekkanischen Periode [5]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).
Inhalt im Überblick
Die Sure beginnt mit den Buchstaben A. L. R. und wendet sich an Gegner, die den Gesandten verspotten und Engel als Beweis fordern [1].
| Verse | Inhalt |
|---|---|
| 1 bis 15 | das Buch, der Spott der Ungläubigen, die Forderung nach Engeln, die Zusage, die Warnung zu hüten (15,9) |
| 16 bis 25 | Zeichen am Himmel und auf der Erde, Winde und Regen, Leben und Tod |
| 26 bis 48 | der Mensch aus Lehm, die Dschinn aus Feuer, Iblis weigert sich, vor Adam niederzufallen, Hölle und Paradies |
| 49 bis 77 | Abrahams Gäste, die Verheißung eines Sohnes, Lot und der Untergang seiner Stadt |
| 78 bis 84 | die Waldbewohner und das Volk von El-Hidschr |
| 85 bis 99 | Schöpfung in Wahrheit, die "sieben" (15,87), Auftrag zur offenen Verkündigung, Dienst bis zur Gewissheit |
Am meisten beachtet wird Vers 9: "Siehe, wir sandten die Warnung herab, und siehe, wir wollen sie hüten" (Sure 15,9) [1].
Wie die Sure verstanden wird
Die Auslegung von Vers 9 reicht von der Wortbedeutung bis zur Frage, ob der Text des Korans unverändert überliefert ist.
Klassische Auslegung
Ibn Kathir versteht die "Warnung" in Vers 9 als den Koran, den Allah davor schütze, verändert oder entstellt zu werden. Den Vers liest er als Antwort an die Gegner, die den Gesandten für besessen erklärten und Engel forderten [6]. Nach der arabischen Wikipedia hielt Ibn Abbas den Auftrag in Vers 94, sich von den Götzendienern abzukehren, für aufgehoben. As-Suyuti deutet die "Gewissheit" im letzten Vers als den Tod. Al-Biqa'i hält neben dem Tod auch das Eintreffen der angedrohten Strafe für möglich [2].
Heutige muslimische Theologie
Sunnitische und schiitische Ausleger führen Vers 9 nach WikiShia als einen der wichtigsten Belege dafür an, dass der Koran nicht verändert wurde [7]. Der schiitische Gelehrte Muhammad Husain Tabataba'i versteht den Schutz als dauernd bis zum Tag des Gerichts [7]. Er und Makarim Schirazi lehnen die Deutung ab, das arabische Fürwort am Ende von Vers 9 beziehe sich auf den Propheten selbst, weil die Verse davor nicht dazu passen [7].
Islamwissenschaft
Nöldeke berichtet, dass manche in Sure 15 sehr alte Verse finden wollten. Nach dem Biographen Ibn Hischam enthielten die Verse 89 und 94 die erste Aufforderung zur öffentlichen Predigt [5]. Nöldeke hält das für unbegründet: Die Verse sprächen von Gegnern, deren Spott der Prophet schon erlebt hatte, und Stil und Wendungen passten nicht zur ältesten Zeit [5].
Nach der englischen Wikipedia sind Teile der Verse 4 bis 74 in der unteren, älteren Schrift der Handschrift San'a 1 erhalten, die Behnam Sadeghi und Mohsen Goudarzi 2012 untersucht haben [8].
Verwandte Seiten: Engel und Dschinn im Koran, Wie der Koran entstand und überliefert wurde und Die Propheten im Koran. Sie folgt auf Sure 14, Abraham und steht vor Sure 16, Die Bienen.
- Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
- سورة الحجر (Sure al-Hidschr). Wikipedia (arabisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Geschichte des Qorâns, S. 89 und 98. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Hijr Ayah 9. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Qur'an 15:9. WikiShia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Al-Hijr (surah). Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Hegra Archaeological Site (al-Hijr / Madāʾin Ṣāliḥ). UNESCO-Welterbezentrum. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.