Sure 16

Die Biene

An-Naḥl

Verse: 128 Offenbart in: Mekka Zeit: spätmekkanisch

Worum geht's?

Eine lange spätmekkanische Sure, manchmal auch „Sure der Gunst" genannt, weil sie eine Fülle von Naturzeichen aufzählt, mit denen Gott die Menschen versorgt. Ihren Namen hat sie von der berühmten Bienen-Stelle (Verse 68–69). Sie endet mit der Aufforderung, mit Weisheit und schöner Ermahnung zum Weg Gottes einzuladen.

Der Text – Vers für Vers

In moderner Sprache paraphrasiert nach Max Henning (1901).

  1. 1Der Befehl Gottes kommt. So beschleunigt ihn nicht! Erhaben ist er über das, was sie ihm beigesellen.
  2. 2Er sendet die Engel mit dem Geist auf seinen Befehl herab, auf wen er will von seinen Dienern: Warnt, dass es keinen Gott gibt außer mir, so fürchtet mich!
  3. 3Er hat die Himmel und die Erde in Wahrheit erschaffen. Erhaben ist er über das, was sie ihm beigesellen.
  4. 4Er hat den Menschen aus einem Samentropfen erschaffen. Da ist er ein deutlicher Streitender.
  5. 5Das Vieh hat er für euch erschaffen. Ihr habt darin Wärme und Nutzen, und davon esst ihr.
  6. 6Ihr habt darin Anmut, wenn ihr sie abends nach Hause bringt und wenn ihr sie morgens hinaustreibt.
  7. 7Sie tragen eure Lasten zu einem Land, das ihr nur mit Mühe für eure Seelen erreichen könntet. Wahrlich, euer Herr ist freundlich, barmherzig.
  8. 8Und die Pferde, die Maultiere und die Esel, damit ihr sie reitet und zur Pracht. Er erschafft, was ihr nicht wisst.
  9. 9Auf Gott liegt die Wegweisung, und manche weichen ab. Hätte er gewollt, hätte er euch alle geleitet.
  10. 10Er ist es, der vom Himmel Wasser herabgesandt hat. Davon habt ihr zum Trinken, und davon sind Bäume, in denen ihr weiden lasst.
  11. 11Damit lässt er für euch Saaten, Oliven, Dattelpalmen, Reben und allerlei Früchte wachsen. Wahrlich, darin ist ein Zeichen für ein Volk, das nachdenkt.
  12. 12Er hat euch die Nacht, den Tag, die Sonne und den Mond dienstbar gemacht. Die Sterne sind seinem Befehl dienstbar. Wahrlich, darin sind Zeichen für ein Volk, das verständig ist.
  13. 13Was er euch auf der Erde an verschiedenen Farben erschaffen hat. Wahrlich, darin ist ein Zeichen für ein Volk, das sich ermahnen lässt.
  14. 14Er ist es, der das Meer dienstbar gemacht hat, damit ihr daraus frisches Fleisch esst und daraus Schmuck herausholt, den ihr tragt. Du siehst die Schiffe darin spaltend ihren Weg ziehen, damit ihr nach seiner Gunst sucht und vielleicht dankbar seid.
  15. 15Er hat auf der Erde feste Berge gesetzt, damit sie nicht mit euch wankt, und Flüsse und Wege, vielleicht lasst ihr euch rechtleiten,
  16. 16und Wegzeichen. Auch durch die Sterne lassen sie sich rechtleiten.
  17. 17Ist denn der, der erschafft, wie der, der nicht erschafft? Werdet ihr nicht ermahnt?
  18. 18Wenn ihr die Gunst Gottes zählen wolltet, könntet ihr sie nicht aufzählen. Wahrlich, Gott ist allverzeihend, barmherzig.
  19. 19Gott weiß, was ihr verbergt und was ihr offenbart.
  20. 20Die, die sie neben Gott anrufen, erschaffen nichts, sondern sind selbst erschaffen.
  21. 21Sie sind tot, nicht lebendig. Sie wissen nicht, wann sie auferweckt werden.
  22. 22Euer Gott ist ein einziger Gott. Die nicht an das Jenseits glauben, deren Herzen sind verleugnend, und sie sind hochmütig.
  23. 23Sicher, Gott weiß, was sie verbergen und was sie offenbaren. Wahrlich, er liebt die Hochmütigen nicht.
  24. 24Wenn ihnen gesagt wird: Was hat euer Herr herabgesandt? Sagen sie: Märchen der Früheren!
  25. 25Damit sie ihre Lasten vollständig tragen am Tag der Auferstehung, und auch von den Lasten derer, die sie ohne Wissen verirrt haben. Wahrlich, schlimm ist, was sie tragen.
  26. 26Die vor ihnen haben gelistet. Da kam Gott an ihre Gebäude von den Grundlagen. Das Dach fiel über ihnen ein. Die Strafe kam zu ihnen, woher sie nicht merkten.
  27. 27Am Tag der Auferstehung wird er sie beschämen und sagen: Wo sind meine Beigesellten, über die ihr stritten?
  28. 28Die, denen das Wissen gegeben wurde, sagen: Wahrlich, die Schande ist heute über den Ungläubigen,
  29. 29die die Engel nehmen, während sie sich selbst Unrecht tun. Sie ergeben sich: Wir haben nichts Übles getan! Doch! Wahrlich, Gott weiß über das, was ihr tatet, Bescheid.
  30. 30So tretet durch die Tore der Hölle ein, ewig darin! Schlimm ist die Wohnstätte der Hochmütigen!
  31. 31Es wird zu denen gesagt, die gottesfürchtig waren: Was hat euer Herr herabgesandt? Sie sagen: Gutes! Die in diesem diesseitigen Leben Gutes getan haben, denen ist Gutes. Die Endwohnstätte ist besser. Welch ein vortreffliche Stätte der Gottesfürchtigen!
  32. 32Gärten der Beständigkeit treten sie ein. Bäche fließen unter ihnen. Sie haben darin, was sie wollen. So belohnt Gott die Gottesfürchtigen,
  33. 33die die Engel als Gute nehmen. Sie sagen: Friede sei auf euch! Tretet ins Paradies ein für das, was ihr getan habt!
  34. 34Was warten sie? Außer dass die Engel zu ihnen kommen oder der Befehl deines Herrn kommt? So taten die vor ihnen. Gott tat ihnen kein Unrecht, sondern sie taten sich selbst Unrecht.
  35. 35Sie traf das Üble dessen, was sie taten. Es umfasste sie, worüber sie spotteten.
  36. 36Die, die beigesellten, sagten: Hätte Gott gewollt, hätten wir ihm außer ihm nichts gedient – wir und unsere Väter – und hätten ohne ihn nichts verboten. So taten die vor ihnen. Aber den Gesandten obliegt nur die deutliche Übermittlung.
  37. 37Wir haben in jeder Gemeinschaft einen Gesandten geschickt: Dient Gott und meidet die Götzen! Manche von ihnen leitete Gott, an manchen erwies sich der Irrtum. So wandert auf der Erde und seht, wie die Folge derer war, die für Lüge erklärten!
  38. 38Wenn du auf ihre Rechtleitung erpicht bist – wahrlich, Gott leitet nicht den, den er in die Irre gehen lässt. Sie haben keine Helfer.
  39. 39Sie schwuren bei Gott die feierlichsten Eide: Gott auferweckt nicht den, der stirbt! Doch! Ein Versprechen, das ihm in Wahrheit obliegt. Aber die meisten Menschen wissen es nicht.
  40. 40Damit er ihnen das klar macht, worüber sie uneinig sind, und damit die ungläubig sind erkennen, dass sie Lügner waren.
  41. 41Unser Wort zu einer Sache, wenn wir sie wollen, ist nur, dass wir zu ihr sagen: Sei! Dann ist sie.
  42. 42Die, die für Gott ausgewandert sind, nachdem ihnen Unrecht geschehen war, denen werden wir im diesseitigen Leben Gutes geben. Der Lohn des Jenseits ist größer – wenn sie es nur wüssten!
  43. 43Die geduldig waren und auf ihren Herrn vertrauten.
  44. 44Wir haben vor dir nur Männer geschickt, denen wir offenbarten. So fragt die Leute der Ermahnung, wenn ihr es nicht wisst,
  45. 45mit klaren Beweisen und Schriften. Wir haben dir die Ermahnung herabgesandt, damit du den Menschen das erklärst, was zu ihnen herabgesandt wurde, und damit sie nachdenken.
  46. 46Sicher denen, die schlechte Listen ausplanen, dass Gott sie in der Erde versinken lässt, oder die Strafe kommt zu ihnen, woher sie nicht merken.
  47. 47Oder dass er sie in ihrem Wandern packt. Sie sind nicht entkommend.
  48. 48Oder dass er sie in Furcht ergreift. Wahrlich, euer Herr ist freundlich, barmherzig.
  49. 49Sehen sie nicht auf das, was Gott an Sachen erschaffen hat? Ihre Schatten wenden sich rechts und links, niederwerfend vor Gott, demütig.
  50. 50Vor Gott werfen sich nieder, was in den Himmeln und was auf der Erde ist von Lebewesen, und auch die Engel. Sie sind nicht hochmütig.
  51. 51Sie fürchten ihren Herrn von oben und tun, was ihnen befohlen wird.
  52. 52Gott hat gesagt: Nehmt nicht zwei Götter! Er ist nur ein einziger Gott. So fürchtet mich!
  53. 53Ihm gehört, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Ihm gehört die beständige Religion. Werdet ihr also einen anderen als Gott fürchten?
  54. 54Was ihr an Gunst habt, ist von Gott. Wenn euch dann Übel berührt, schreit ihr zu ihm.
  55. 55Wenn er aber das Übel von euch hinweggenommen hat, ist plötzlich eine Gruppe von euch ihrem Herrn beigesellend,
  56. 56um undankbar für das zu sein, was wir ihnen gegeben haben. So genießt! Ihr werdet erkennen.
  57. 57Sie machen das, was sie nicht wissen, einen Anteil aus dem, was wir ihnen versorgt haben. Bei Gott! Ihr werdet über das, was ihr erfunden habt, befragt.
  58. 58Sie schreiben Gott Töchter zu – preis sei ihm! – und sich selbst, was sie begehren.
  59. 59Wenn einem von ihnen mit einer weiblichen Person verkündet wird, wird sein Gesicht schwarz, und er ist voll von verschluckter Wut.
  60. 60Er verbirgt sich vor den Leuten wegen des Übels, das ihm verkündet wurde. Soll er sie in Erniedrigung behalten oder im Staub verstecken? Schlimm ist, wie sie urteilen!
  61. 61Die nicht ans Jenseits glauben, denen ist das Beispiel des Üblen. Gott aber ist das höchste Beispiel. Er ist der Mächtige, der Weise.
  62. 62Wenn Gott die Menschen für ihr Unrecht packte, ließe er auf ihr kein Lebewesen. Aber er schiebt sie auf bis zu einer benannten Frist. Wenn ihre Frist kommt, werden sie nicht eine Stunde aufgeschoben und nicht beschleunigt.
  63. 63Sie machen Gott, was sie hassen. Ihre Zungen behaupten lügend, dass für sie das Schönste ist. Sicher gehört ihnen das Feuer, und sie werden darin vorausgeführt.
  64. 64Bei Gott! Wir haben zu Gemeinschaften vor dir gesandt. Aber der Satan machte ihnen ihre Werke schön. Er ist ihnen heute ihr Schutzherr. Sie haben eine schmerzhafte Strafe.
  65. 65Wir haben dir das Buch nur herabgesandt, damit du ihnen das klar machst, worüber sie uneinig sind, und als Rechtleitung und Barmherzigkeit für ein Volk, das glaubt.
  66. 66Gott hat vom Himmel Wasser herabgesandt und damit die Erde nach ihrem Tod belebt. Wahrlich, darin ist ein Zeichen für ein Volk, das hört.
  67. 67Wahrlich, im Vieh ist für euch eine Lehre. Wir geben euch von dem zu trinken, was in ihren Bäuchen ist – zwischen Mist und Blut reine Milch, angenehm für die Trinkenden.
  68. 68Aus den Früchten der Dattelpalmen und der Reben holt ihr berauschende Getränke und schöne Versorgung. Wahrlich, darin ist ein Zeichen für ein Volk, das verständig ist.
  69. 69Dein Herr gab der Biene ein: Nimm dir aus den Bergen Häuser und aus den Bäumen und aus dem, was sie errichten.
  70. 70Dann iss von allen Früchten und folge den Wegen deines Herrn demütig. Aus ihren Bäuchen kommt ein Getränk verschiedener Farben, in dem Heilung für die Menschen ist. Wahrlich, darin ist ein Zeichen für ein Volk, das nachdenkt.
  71. 71Gott hat euch erschaffen, dann lässt er euch sterben. Manche von euch werden in das schlimme Alter zurückgebracht, sodass er nach Wissen nichts mehr weiß. Wahrlich, Gott ist allwissend, mächtig.
  72. 72Gott hat manche von euch über manche in der Versorgung bevorzugt. Aber die Bevorzugten geben ihre Versorgung nicht denen, die ihre Rechte besitzen, sodass sie darin gleich sind. Verleugnen sie also die Gunst Gottes?
  73. 73Gott hat euch aus euch selbst Ehefrauen gemacht und euch aus euren Ehefrauen Söhne und Enkel gemacht und euch von den guten Dingen versorgt. Glauben sie an das Falsche und sind sie an der Gunst Gottes ungläubig?
  74. 74Sie beten neben Gott das an, was ihnen aus den Himmeln und der Erde keine Versorgung besitzt und nicht besitzen kann.
  75. 75So führt Gott keine Gleichnisse an! Wahrlich, Gott weiß, ihr wisst nicht.
  76. 76Gott führt ein Gleichnis an: einen besessenen Sklaven, der über nichts verfügt, und einen, dem wir von uns schöne Versorgung gegeben haben, und er gibt davon im Verborgenen und offen aus. Sind sie gleich? Lob sei Gott! Aber die meisten von ihnen wissen nicht.
  77. 77Gott führt ein Gleichnis an: zwei Männer, einer von ihnen ist stumm, hat über nichts Macht und ist seinem Schutzherrn eine Last. Wohin er ihn schickt, bringt er nichts Gutes. Ist er gleich dem, der mit Gerechtigkeit befiehlt und auf einem geraden Weg ist?
  78. 78Gott gehört das Verborgene der Himmel und der Erde. Die Sache der Stunde ist wie das Augenzucken oder noch näher. Wahrlich, Gott hat über alles Macht.
  79. 79Gott hat euch aus den Bäuchen eurer Mütter hervorgebracht, ohne dass ihr etwas wusstet. Er hat euch Gehör, Augen und Herzen gemacht, vielleicht seid ihr dankbar.
  80. 80Sehen sie nicht auf die Vögel, die im Luftraum des Himmels dienstbar gemacht sind? Niemand hält sie außer Gott. Wahrlich, darin sind Zeichen für ein Volk, das glaubt.
  81. 81Gott hat euch aus euren Häusern Wohnung gemacht und euch aus den Häuten des Viehs Häuser gemacht, die ihr am Tag eurer Reise und am Tag eurer Niederlassung leicht findet, und aus ihrer Wolle, ihrem Pelz und ihrem Haar Geräte und Genuss für eine Zeit.
  82. 82Gott hat euch von dem, was er erschaffen hat, Schatten gemacht und euch in den Bergen Verstecke gemacht und euch Gewänder gemacht, die euch vor Hitze schützen, und Gewänder, die euch vor eurer Wucht schützen. So vollendet er seine Gunst über euch, vielleicht seid ihr Muslime.
  83. 83Wenn sie sich abkehren, so obliegt dir nur die deutliche Übermittlung.
  84. 84Sie erkennen die Gunst Gottes, dann verleugnen sie. Die meisten von ihnen sind Ungläubige.
  85. 85An dem Tag versammeln wir aus jeder Gemeinschaft einen Zeugen. Dann wird den ungläubig sind keine Erlaubnis gegeben, und sie werden nicht gefügt.
  86. 86Wenn die, die Unrecht getan haben, die Strafe sehen, wird ihnen nicht erleichtert, und sie werden nicht aufgeschoben.
  87. 87Wenn die Beigesellenden ihre Beigesellten sehen, sagen sie: Unser Herr, das sind unsere Beigesellten, die wir neben dir anriefen. Sie werfen ihnen die Rede entgegen: Wahrlich, ihr seid Lügner!
  88. 88Sie geben Gott an jenem Tag die Unterwerfung. Es ist von ihnen verloren gegangen, was sie erfunden hatten.
  89. 89Die ungläubig waren und vom Weg Gottes abhielten – ihnen vermehren wir die Strafe über die Strafe für ihr Verderben.
  90. 90An dem Tag versammeln wir in jeder Gemeinschaft einen Zeugen über sie aus ihnen selbst. Wir bringen dich als Zeugen über diese herbei. Wir haben dir das Buch herabgesandt als Erklärung aller Sache, als Rechtleitung, Barmherzigkeit und frohe Botschaft für die sich Unterwerfenden.
  91. 91Wahrlich, Gott gebietet die Gerechtigkeit, das Gutestun und das Geben den Verwandten. Er verbietet das Schändliche, das Verwerfliche und die Übergriffigkeit. Er ermahnt euch, vielleicht lasst ihr euch ermahnen.
  92. 92Erfüllt den Bund Gottes, wenn ihr einen Bund eingegangen seid, und brecht die Eide nicht nach ihrer Bestätigung, da ihr Gott zu eurem Bürgen über euch gemacht habt! Wahrlich, Gott weiß über das, was ihr tut, Bescheid.
  93. 93Seid nicht wie die, die ihren Faden nach festem Spinnen wieder auflöst, dass ihr eure Eide als Täuschung zwischen euch nehmt, weil eine Gemeinschaft zahlreicher als eine andere ist! Gott prüft euch dadurch. Er wird euch am Tag der Auferstehung mitteilen, worüber ihr uneinig wart.
  94. 94Hätte Gott gewollt, hätte er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Aber er lässt in die Irre gehen, wen er will, und leitet, wen er will. Wahrlich, ihr werdet über das, was ihr tatet, befragt.
  95. 95Nehmt nicht eure Eide als Täuschung unter euch, sonst rutscht ein Fuß nach seinem festen Stand! Ihr werdet das Üble dafür kosten, dass ihr vom Weg Gottes abgehalten habt. Für euch ist eine gewaltige Strafe.
  96. 96Tauscht den Bund Gottes nicht gegen einen geringen Preis ein! Wahrlich, was bei Gott ist, ist besser für euch, wenn ihr es wisst.
  97. 97Was bei euch ist, geht zu Ende. Was bei Gott ist, bleibt. Wir werden den Geduldigen ihren Lohn vergelten – das Beste, was sie taten.
  98. 98Wer Gutes tut, sei er Mann oder Frau, und gläubig ist, dem geben wir gewiss ein gutes Leben. Wir vergelten ihnen ihren Lohn – das Beste, was sie taten.
  99. 99Wenn du den Koran rezitierst, suche Zuflucht bei Gott vor dem verfluchten Satan!
  100. 100Wahrlich, er hat über die, die geglaubt haben und auf ihren Herrn vertrauen, keine Vollmacht.
  101. 101Seine Vollmacht ist nur über die, die ihn als Schutzherrn nehmen, und die ihm Beigesellte machen.
  102. 102Wenn wir einen Vers gegen einen anderen tauschen – und Gott weiß am besten, was er herabsendet – sagen sie: Du bist nur ein Erfinder! Aber die meisten von ihnen wissen nicht.
  103. 103Sprich: Der heilige Geist hat ihn von deinem Herrn mit Wahrheit herabgebracht, damit er die festige, die geglaubt haben, und als Rechtleitung und frohe Botschaft für die sich Unterwerfenden.
  104. 104Wir wissen, dass sie sagen: Wahrlich, ihn lehrt nur ein Mensch. Die Sprache dessen, dem sie es anhängen, ist nicht-arabisch. Aber das ist eine deutliche arabische Sprache.
  105. 105Wahrlich, die, die an die Zeichen Gottes nicht glauben, leitet Gott nicht. Sie haben eine schmerzhafte Strafe.
  106. 106Lüge erfinden nur die, die an die Zeichen Gottes nicht glauben. Diese sind die Lügner.
  107. 107Wer an Gott ungläubig ist nach seinem Glauben – außer dem, der gezwungen wurde, während sein Herz im Glauben Ruhe hat – sondern wer seine Brust für den Unglauben weit öffnet – auf diese kommt Zorn von Gott. Sie haben eine gewaltige Strafe.
  108. 108Das ist, weil sie das diesseitige Leben dem Jenseits vorzogen. Wahrlich, Gott leitet die ungläubig sind nicht.
  109. 109Diese sind die, deren Herzen, Gehör und Augen Gott versiegelt hat. Diese sind die Unaufmerksamen.
  110. 110Sicher, im Jenseits sind sie die Verlierer.
  111. 111Dann ist dein Herr denen, die nach Bedrängnis ausgewandert sind und dann sich abgemüht und geduldig waren, danach – wahrlich, dein Herr ist allverzeihend, barmherzig.
  112. 112An dem Tag kommt jede Seele und streitet für sich selbst. Jede Seele wird vergolten, was sie getan hat. Sie werden nicht unrecht behandelt.
  113. 113Gott führt das Gleichnis einer Stadt an, die in Sicherheit und Ruhe war, deren Versorgung reichlich von überall zu ihr kam. Dann wurde sie für die Gunst Gottes undankbar. Da ließ Gott sie das Gewand des Hungers und der Furcht kosten für das, was sie taten.
  114. 114Es kam zu ihnen ein Gesandter aus ihren Leuten. Sie erklärten ihn für einen Lügner. Da packte sie die Strafe, während sie Frevler waren.
  115. 115Esst von dem, womit Gott euch versorgt hat, was erlaubt und gut ist, und seid dankbar für die Gunst Gottes, wenn ihr ihm dient!
  116. 116Er hat euch nur das Aas, das Blut, das Schweinefleisch und das verboten, worüber ein anderer als Gott angerufen wurde. Wer aber gezwungen ist, ohne sich zu wünschen und ohne zu übertreten – wahrlich, Gott ist allverzeihend, barmherzig.
  117. 117Sagt nicht von dem, was eure Zungen mit Lüge beschreiben: Das ist erlaubt, und das ist verboten! – um eine Lüge über Gott zu erfinden. Wahrlich, die, die eine Lüge über Gott erfinden, sind nicht erfolgreich.
  118. 118Genuss in kürze. Sie haben eine schmerzhafte Strafe.
  119. 119Den Juden haben wir verboten, was wir dir vorher erzählt haben. Wir taten ihnen kein Unrecht, sondern sie taten sich selbst Unrecht.
  120. 120Dann ist dein Herr denen, die in Unwissenheit Übles getan und danach umgekehrt sind und sich gebessert haben – wahrlich, dein Herr danach ist allverzeihend, barmherzig.
  121. 121Wahrlich, Abraham war eine Gemeinschaft, gehorsam vor Gott, ein Hanīf. Er gehörte nicht zu den Beigesellenden.
  122. 122Dankbar für seine Gunst. Er erwählte ihn und leitete ihn zu einem geraden Weg.
  123. 123Wir gaben ihm im diesseitigen Leben Gutes. Im Jenseits gehört er zu den Rechtschaffenen.
  124. 124Dann haben wir dir offenbart: Folge der Glaubensgemeinschaft Abrahams als Hanīf! Er gehörte nicht zu den Beigesellenden.
  125. 125Der Sabbat wurde nur denen vorgeschrieben, die uneinig waren. Wahrlich, dein Herr entscheidet zwischen ihnen am Tag der Auferstehung darüber, worüber sie uneinig waren.
  126. 126Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung! Streite mit ihnen in der besten Weise! Wahrlich, dein Herr weiß am besten, wer von seinem Weg in die Irre gegangen ist. Er weiß am besten die Rechtgeleiteten.
  127. 127Wenn ihr bestraft, so bestraft entsprechend dem, womit ihr bestraft wurdet! Wenn ihr aber Geduld habt, ist das besser für die Geduldigen.
  128. 128Sei geduldig! Deine Geduld ist nur durch Gott. Sei nicht traurig über sie und sei nicht in Bedrängnis über das, was sie ausplanen!
  129. 129Wahrlich, Gott ist mit denen, die gottesfürchtig sind und die Gutestuenden sind.

Einordnung & Bedeutung

Die Sure der Naturzeichen

Sure 16 ist eine spätmekkanische Sure, die manchmal auch Sūrat an-Niʿam – „Sure der Gnaden" – genannt wird. Sie zählt eine Fülle von Naturzeichen auf, mit denen Gott die Menschen versorgt – vom Vieh über den Regen, die Pflanzen, das Meer, die Bienen, die Vögel bis zur Wohnung im Haus oder Zelt. Wer eine Liste dessen wünscht, wofür man dankbar sein kann, findet sie hier.

Die Naturzeichen-Sektion (Verse 5–18, 65–69, 79–81) ist ungewöhnlich detailreich. Sie umfasst:

  • Vieh: Wärme, Nutzen, Nahrung, Anmut, Transport (Verse 5–8)
  • Wasser: Trinken, Vegetation, Tierfutter (Verse 10–11)
  • Himmel: Tag, Nacht, Sonne, Mond, Sterne (Vers 12)
  • Vielfalt der Farben auf der Erde (Vers 13)
  • Meer: Fisch, Schmuck, Schiffe (Vers 14)
  • Berge, Flüsse, Wege, Sterne als Wegzeichen (Verse 15–16)
  • Milch zwischen Mist und Blut (Vers 66)
  • Berauschende Getränke und schöne Versorgung aus Dattelpalmen und Reben (Vers 67)
  • Bienen und ihr Honig (Verse 68–69)
  • Häute des Viehs für Zelte (Vers 80)
  • Wolle, Pelz, Haar (Vers 80)
  • Gewänder gegen Hitze und im Kampf (Vers 81)

Die Pointe (Vers 18): „Wenn ihr die Gunst Gottes zählen wolltet, könntet ihr sie nicht aufzählen." Es ist eine unzählbare Fülle. Die Sure listet nur Beispiele.

Die berühmte Bienen-Stelle (Verse 68–69)

Verse 68–69 geben der Sure ihren Namen:

„Dein Herr gab der Biene ein: Nimm dir aus den Bergen Häuser und aus den Bäumen und aus dem, was sie errichten. Dann iss von allen Früchten und folge den Wegen deines Herrn demütig. Aus ihren Bäuchen kommt ein Getränk verschiedener Farben, in dem Heilung für die Menschen ist."

Mehrere Punkte sind bemerkenswert:

  1. „Gab der Biene ein": Der arabische Begriff awḥā wird normalerweise für die Offenbarung an Propheten verwendet. Hier wird er für die Inspiration der Biene verwendet. Klassische Auslegungen lesen das als Instinkt: Was wir „Instinkt" nennen, ist göttlich gegebene Programmierung. Die Bienen sind nicht zufällig so klug – sie folgen einer göttlichen Anweisung.
  2. „Häuser": Die Bienen bauen Häuser, nicht „Nester". Der Begriff erhebt die Bienenwabe in den Rang eines architektonischen Werks. Tatsächlich ist die hexagonale Wabenstruktur ein mathematisches Wunder – die effizienteste Raumaufteilung in der Ebene.
  3. „Folge den Wegen deines Herrn demütig": Die Biene folgt einem Pfad. Sie hat eine Lebensordnung. Sie tut, was ihr vorgegeben ist – ohne abzuweichen.
  4. „Heilung für die Menschen": Der Honig wird hier als Heilmittel beschrieben. Klassische Auslegungen sehen das als heilende Wirkung des Honigs – tatsächlich hat Honig auch in moderner Medizin nachgewiesene antibakterielle und wundheilende Eigenschaften.

Mohammed soll laut Hadith Honig sehr geschätzt haben. Eine bekannte Überlieferung: Ein Mann kam zu Mohammed und klagte über Bauchschmerzen seines Bruders. Mohammed empfahl Honig. Beim ersten Versuch klagte der Mann, der Honig habe nichts gebracht. Mohammed antwortete: „Gott hat die Wahrheit gesagt, und der Bauch deines Bruders hat gelogen. Geh und gib ihm noch einmal Honig." Beim dritten Versuch war der Bruder geheilt.

Die Milch zwischen Mist und Blut (Vers 66)

Vers 66 ist eine bemerkenswerte biologisch-spirituelle Stelle: „Wir geben euch von dem zu trinken, was in ihren Bäuchen ist – zwischen Mist und Blut reine Milch, angenehm für die Trinkenden."

Die Aussage hat zwei Aspekte:

  • Eine biologische Beobachtung: Im Verdauungssystem der Kuh werden Nahrung, Blut und Milch durch komplexe Prozesse getrennt. Reine Milch entsteht „zwischen" Mist (im Verdauungstrakt) und Blut (in den Adern).
  • Eine theologische Pointe: Gott bringt aus einer komplexen, unrein erscheinenden Umgebung ein reines Produkt hervor. Das ist im sufischen Verständnis ein Bild dafür, wie aus der unreinen Welt durch göttliche Wirkung Reines entsteht.

Die berüchtigten „Hinweis-Verse" zum weiblichen Kind (Verse 58–59)

Verse 58–59 enthalten eine schockierende Beschreibung der vorislamischen Praxis der Mädchen-Tötung: „Wenn einem von ihnen mit einer weiblichen Person verkündet wird, wird sein Gesicht schwarz, und er ist voll von verschluckter Wut. Er verbirgt sich vor den Leuten wegen des Übels, das ihm verkündet wurde. Soll er sie in Erniedrigung behalten oder im Staub verstecken?"

Das Bild ist ungeschönt: Bei der Geburt einer Tochter wurde der Vater wütend, voller Scham. Manche Stämme im vorislamischen Arabien praktizierten die Tötung weiblicher Säuglinge – sie wurden lebendig begraben (siehe auch Sure 81,8). Der Koran wendet sich vehement gegen diese Praxis.

Diese Stelle ist in der islamischen Sozialgeschichte zentral. Die Reform der vorislamischen Frauen-Diskriminierung war eine der entscheidenden Leistungen des frühen Islam. Töchter erhielten Erbrecht (die Hälfte des Anteils der Söhne), Schutz vor Mädchen-Tötung, das Recht auf ein eigenes Leben.

Die Aufforderung zur Auswanderung (Verse 41–42)

Verse 41–42 ermutigen zur hidschra – zur Auswanderung um des Glaubens willen: „Die, die für Gott ausgewandert sind, nachdem ihnen Unrecht geschehen war, denen werden wir im diesseitigen Leben Gutes geben. Der Lohn des Jenseits ist größer – wenn sie es nur wüssten!"

Im historischen Kontext bezieht sich das auf die Auswanderung der ersten Muslime aus Mekka nach Abessinien (615 n. Chr.) und später nach Medina (622 n. Chr.). Wer wegen seines Glaubens verfolgt wird und seine Heimat verlässt, hat einen doppelten Lohn: schon im Diesseits und im Jenseits.

Diese Stelle wird heute auch auf moderne Glaubensflüchtlinge angewendet. Wer wegen religiöser Verfolgung sein Land verlässt, steht in der Linie der ersten Muslime.

Die berühmte Daʿwa-Stelle (Vers 125)

Vers 125 ist die zentrale koranische Anweisung zur islamischen Mission (daʿwa): „Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung! Streite mit ihnen in der besten Weise!"

Drei Methoden werden hier nebeneinander genannt:

  1. Weisheit (ḥikma): Argumente, die zur Sache passen. Klugheit im Umgang mit dem Adressaten.
  2. Schöne Ermahnung (mawʿiẓa ḥasana): Predigt, die menschlich anrührt. Nicht hart, nicht abstoßend.
  3. Streit in der besten Weise (mudschādala bi-llatī hiya aḥsan): Wenn es zur Debatte kommt, dann mit Respekt, mit Sachlichkeit, ohne Schmähung.

Wichtig: Der Vers erwähnt keine Gewalt, keine Zwang, kein Druck. Mission ist Einladung, nicht Erpressung. Die besten Argumente, die besten Methoden, die besten Worte – nicht die härtesten.

Diese Stelle ist heute im interreligiösen Dialog zentral. Sie wird oft zitiert als koranische Grundlage für eine respektvolle, friedliche Begegnung mit Andersgläubigen.

Wie wird die Sure verstanden?

Sure 16 ist eine reiche, weitläufige Sure. Sie verbindet:

  • Lange Naturzeichen-Sequenzen (Verse 3–18, 65–81)
  • Anti-Götzendienst-Polemik (Verse 19–22, 51–57)
  • Kritik der vorislamischen Frauen-Diskriminierung (Verse 58–60)
  • Die Bienen-Stelle (Verse 68–69)
  • Die Aufwertung der Auswanderung (Verse 41–42, 110)
  • Wirtschaftsethik (Verse 71, 90–91)
  • Die berühmte Daʿwa-Stelle (Vers 125)

Vers 90 ist im islamischen Ethos-Verständnis besonders wichtig: „Wahrlich, Gott gebietet die Gerechtigkeit, das Gutestun und das Geben den Verwandten. Er verbietet das Schändliche, das Verwerfliche und die Übergriffigkeit." Drei Gebote, drei Verbote. Dies wurde traditionell am Ende jeder Freitagspredigt rezitiert – als kompakte ethische Zusammenfassung.

Vers 97 ist eine bemerkenswerte Gleichheits-Aussage: „Wer Gutes tut, sei er Mann oder Frau, und gläubig ist, dem geben wir gewiss ein gutes Leben." Mann und Frau sind in der Belohnung gleichgestellt. Diese Stelle wird heute als koranische Grundlage für die Geschlechtergleichheit zitiert.

Schlüsselbegriffe kurz erklärt

  • Die Biene (an-naḥl) – Verse 68–69 – das berühmte Bild für instinktive Folgsamkeit und nützliche Arbeit
  • „Eingebung an die Biene" – der Begriff awḥā: Instinkt als göttliche Programmierung
  • „Heilung für die Menschen" – Vers 69 – Honig als medizinisches Mittel
  • Milch zwischen Mist und Blut – Vers 66 – die biologisch-spirituelle Reinheits-Stelle
  • Anti-Mädchen-Tötung – Verse 58–59 – die Verurteilung der vorislamischen Praxis
  • Hidschra-Lohn – Verse 41–42 – die doppelte Belohnung für Glaubens-Flüchtlinge
  • Daʿwa-Methode – Vers 125 – Weisheit, schöne Ermahnung, bester Streit
  • Drei Gebote, drei Verbote – Vers 90 – das kompakte Ethik-Resumé am Ende jeder Freitagspredigt
  • Geschlechter-Gleichheit im Lohn – Vers 97 – „sei er Mann oder Frau"