Sure 18

Die Höhle

Al-Kahf

Verse: 110 Offenbart in: Mekka Zeit: mittel- bis spätmekkanisch

Worum geht's?

Eine der bekanntesten Suren – die „Freitags-Sure". Sie enthält vier große Erzählungen: die Siebenschläfer in der Höhle, das Gleichnis von den zwei Gartenbesitzern, die Reise Moses mit dem geheimnisvollen Khiḍr, und die Geschichte des „Zweihörnigen" (Dhū l-Qarnain), traditionell mit Alexander dem Großen identifiziert. Eine Sure über Geheimnis, Zeit, Wissen und die Grenzen menschlichen Verstehens.

Der Text – Vers für Vers

In moderner Sprache paraphrasiert nach Max Henning (1901).

  1. 1Gepriesen sei Gott, der seinem Diener das Buch herabgesandt hat und nichts Krummes darin gemacht hat,
  2. 2geradlinig, um vor harter Strafe von ihm zu warnen und den Gläubigen, die gute Werke tun, frohe Botschaft zu geben, dass sie schönen Lohn haben,
  3. 3darin verbleibend ewig,
  4. 4und um die zu warnen, die sagen: Gott hat sich ein Kind genommen.
  5. 5Sie haben darüber kein Wissen, und ihre Väter auch nicht. Großes Wort ist das, das aus ihren Mündern kommt. Sie sagen nur Lüge.
  6. 6Vielleicht wirst du dich vor Kummer um sie zugrunde richten, wenn sie an dieser Mitteilung nicht glauben.
  7. 7Wahrlich, wir haben das, was auf der Erde ist, zu einem Schmuck für sie gemacht, um zu prüfen, wer von ihnen am besten handelt.
  8. 8Und wir werden, was auf ihr ist, zu öder Erde machen.
  9. 9Oder meinst du, dass die Gefährten der Höhle und der Inschrift unter unseren Zeichen ein Wunder waren?
  10. 10Als die jungen Männer in die Höhle gingen, sagten sie: Unser Herr, gib uns Barmherzigkeit von dir und richte unsere Sache für uns recht!
  11. 11Da legten wir in der Höhle Schleier über ihre Ohren, viele Jahre.
  12. 12Dann erweckten wir sie, um zu erkennen, welche von den beiden Gruppen die Zeit, die sie verbracht hatten, am besten berechnet hatte.
  13. 13Wir berichten dir ihre Geschichte mit Wahrheit. Wahrlich, das waren junge Männer, die an ihren Herrn glaubten, und wir vermehrten ihre Rechtleitung.
  14. 14Wir stärkten ihre Herzen, als sie aufstanden und sagten: Unser Herr ist der Herr der Himmel und der Erde. Wir rufen neben ihm keine andere Gottheit an. Sonst hätten wir Maßloses gesagt.
  15. 15Diese unsere Leute haben sich neben ihm andere Götter genommen. Warum bringen sie keinen deutlichen Beweis für sie? Wer ist ungerechter, als wer Lüge über Gott erfindet?
  16. 16Wenn ihr euch von ihnen und dem, was sie neben Gott verehren, abgesondert habt, zieht euch in die Höhle zurück. Euer Herr wird euch von seiner Barmherzigkeit zukommen lassen und eure Sache für euch leicht machen.
  17. 17Du hättest die Sonne sehen können, wie sie, wenn sie aufgeht, von ihrer Höhle nach rechts abbiegt, und wenn sie untergeht, sie nach links streift, während sie in einem geräumigen Teil der Höhle sind. Das ist ein Zeichen Gottes. Wen Gott rechtleitet, ist rechtgeleitet. Wen er irreführt, für den wirst du keinen rechtleitenden Schutzherrn finden.
  18. 18Du hättest sie wachend gehalten, doch sie schliefen, und wir wendeten sie nach rechts und nach links. Ihr Hund streckte seine beiden Vorderpfoten am Eingang aus. Wenn du sie gesehen hättest, hättest du dich vor ihnen abgewandt und wärst voll Schrecken gewesen.
  19. 19So erweckten wir sie, damit sie einander fragten. Einer von ihnen sagte: Wie lange habt ihr verweilt? Sie sagten: Wir haben einen Tag oder einen Teil eines Tages verweilt. Sie sagten: Euer Herr weiß am besten, wie lange ihr verweilt habt. Schickt also einen von euch mit diesem Silberstück eurer in die Stadt. Er soll sehen, welches Essen am reinsten ist, und euch davon Versorgung bringen. Er soll vorsichtig sein und niemandem etwas von euch mitteilen.
  20. 20Wenn sie euch entdecken, werden sie euch steinigen oder zu ihrer Religion zurückbringen. Dann werdet ihr nie mehr Erfolg haben.
  21. 21So ließen wir sie entdecken, damit sie wussten, dass Gottes Versprechen wahr ist und dass an der Stunde kein Zweifel besteht. Als sie über ihre Sache stritten, sagten sie: Baut über ihnen ein Gebäude. Ihr Herr weiß am besten über sie. Die, die in ihrer Sache siegten, sagten: Wir werden über ihnen eine Andachtsstätte errichten.
  22. 22Sie werden sagen: Drei waren es, ihr Hund der vierte. Andere sagen: Fünf waren es, ihr Hund der sechste – als Rateversuch über das Verborgene. Andere sagen: Sieben waren es, ihr Hund der achte. Sprich: Mein Herr weiß am besten ihre Zahl, niemand weiß sie außer wenigen. Streite über sie nur eine deutliche Streiterei und frage über sie keinen von ihnen.
  23. 23Sage nicht von einer Sache: Wahrlich, ich werde das morgen tun –
  24. 24außer: wenn Gott will. Und gedenke deines Herrn, wenn du es vergessen hast. Sage: Vielleicht leitet mein Herr mich zu Näherem als zu diesem ins Rechte.
  25. 25Sie verweilten in ihrer Höhle dreihundert Jahre und fügten neun hinzu.
  26. 26Sprich: Gott weiß am besten, wie lange sie verweilten. Ihm gehört das Verborgene der Himmel und der Erde. Er sieht und hört vortrefflich. Sie haben außer ihm keinen Schutzherrn, und er beteiligt niemanden an seiner Entscheidung.
  27. 27Verlies, was dir vom Buch deines Herrn offenbart worden ist. Niemand kann seine Worte ändern. Du wirst außer ihm keine Zuflucht finden.
  28. 28Halte dich geduldig zu denen, die ihren Herrn morgens und abends anrufen, in der Suche nach seinem Antlitz. Und lass deine Augen nicht von ihnen abschweifen aus Verlangen nach dem Schmuck des diesseitigen Lebens. Gehorche nicht dem, dessen Herz wir vom Gedenken an uns achtlos gemacht haben, der seinen Lüsten folgt und dessen Angelegenheit grenzenlos geworden ist.
  29. 29Sprich: Die Wahrheit ist von eurem Herrn. Wer will, glaube. Und wer will, sei ungläubig. Wahrlich, wir haben für die Ungerechten ein Feuer bereitet, das sie mit seinen Vorhängen umschließt. Wenn sie um Hilfe rufen, wird ihnen mit Wasser wie geschmolzenem Erz geholfen, das die Gesichter verbrüht. Schlimm ist das Getränk und schlecht der Aufenthaltsort.
  30. 30Wahrlich, die, die geglaubt haben und gute Werke getan haben – wir lassen den Lohn dessen, der gute Werke tut, nicht verloren gehen.
  31. 31Diese werden Gärten von Eden haben, durch die Bäche fließen, sie werden darin mit Armreifen aus Gold geschmückt, und sie tragen grüne Kleider aus feiner Seide und Brokat, auf Liegen zurückgelehnt. Vortrefflich ist die Belohnung, und gut die Lagerstätte.
  32. 32Gib ihnen das Gleichnis von zwei Männern: Einem von ihnen machten wir zwei Gärten von Reben und umgaben sie mit Dattelpalmen und setzten zwischen sie Saat.
  33. 33Beide Gärten brachten ihre Frucht hervor und versagten an nichts. Wir ließen zwischen ihnen einen Bach fließen.
  34. 34Er hatte Ertrag. Er sagte zu seinem Gefährten, mit dem er sprach: Ich habe mehr Vermögen als du und einen mächtigeren Stamm.
  35. 35Er trat in seinen Garten und tat unrecht gegen sich selbst. Er sagte: Ich glaube nicht, dass dieser je verschwindet.
  36. 36Und ich glaube nicht, dass die Stunde eintritt. Aber selbst wenn ich zu meinem Herrn zurückgebracht werde, finde ich Besseres als ihn als Heimkehr.
  37. 37Sein Gefährte sagte zu ihm, mit dem er sprach: Bist du undankbar gegen den, der dich aus Erde, dann aus einem Samentropfen erschaffen, dann zu einem Mann geformt hat?
  38. 38Doch er ist Gott, mein Herr. Und ich beigeselle meinem Herrn nicht einen anderen.
  39. 39Warum hast du, als du in deinen Garten tratst, nicht gesagt: Was Gott will – es gibt keine Kraft außer mit Gott? Wenn du siehst, dass ich weniger Vermögen und Kinder habe als du,
  40. 40vielleicht gibt mir mein Herr Besseres als deinen Garten und schickt über ihn eine Berechnung vom Himmel, so dass er kahler Boden wird,
  41. 41oder das Wasser versickert, sodass du es nicht mehr suchen kannst.
  42. 42Sein Ertrag wurde vernichtet. Da begann er, seine Hände wegen dessen zu drehen, was er dafür ausgegeben hatte. Er war auf seinen Spalieren zusammengestürzt. Er sagte: Wehe mir! Hätte ich doch meinem Herrn niemanden beigesellt!
  43. 43Er hatte keine Gruppe, die ihm gegen Gott geholfen hätte. Er konnte sich nicht selbst helfen.
  44. 44Dort gehört der Schutz nur Gott, dem Wahren. Er ist der Beste in der Belohnung und der Beste im Ausgang.
  45. 45Gib ihnen das Gleichnis des diesseitigen Lebens: Wie Wasser, das wir vom Himmel herabsandten. Daran mengt sich das Gewächs der Erde, dann wird es zu Halmen, die der Wind verstreut. Gott hat über alles Macht.
  46. 46Vermögen und Söhne sind der Schmuck des diesseitigen Lebens. Aber die bleibenden Werke des Guten sind besser bei deinem Herrn an Belohnung und besser an Hoffnung.
  47. 47An dem Tag, an dem wir die Berge versetzen und du die Erde frei daliegen siehst, versammeln wir sie. Wir haben keinen von ihnen zurückgelassen.
  48. 48Sie werden vor deinem Herrn in Reihen vorgestellt: Ihr seid zu uns gekommen, wie wir euch zum ersten Mal erschaffen haben. Aber ihr habt behauptet, wir würden für euch keinen Termin festsetzen.
  49. 49Das Buch wird vorgelegt. Du siehst die Sünder, wie sie sich wegen dem, was darin ist, fürchten. Sie sagen: Wehe uns! Was hat dieses Buch, dass es weder Kleines noch Großes auslässt, ohne dass es es zählt? Sie finden, was sie getan haben, vorhanden. Und dein Herr tut niemandem Unrecht.
  50. 50Als wir zu den Engeln sagten: Werft euch vor Adam nieder! Da warfen sie sich nieder, außer Iblīs – er war einer der Dschinn. Er übertrat den Befehl seines Herrn. Wollt ihr ihn und seine Nachkommen zu Schutzherren außer mir nehmen, wo sie euch doch Feind sind? Schlimm ist der Tausch für die Frevler!
  51. 51Ich habe sie nicht zu Zeugen der Schöpfung der Himmel und der Erde gemacht, und auch nicht ihrer eigenen Schöpfung. Ich nehme die Irreleitenden nicht zu Helfern.
  52. 52An dem Tag wird er sagen: Ruft meine Beigesellten, von denen ihr behauptet habt! Sie werden sie rufen, aber jene werden ihnen nicht antworten. Wir setzten zwischen sie einen Verderbensort.
  53. 53Die Sünder werden das Feuer sehen und erkennen, dass sie hineinfallen. Sie finden keinen Ausweg davon.
  54. 54Wahrlich, wir haben in diesem Koran den Menschen alle möglichen Gleichnisse vorgeführt. Aber der Mensch ist von allen Wesen am meisten streitsüchtig.
  55. 55Nichts hindert die Menschen daran, zu glauben, wenn die Rechtleitung zu ihnen kommt, und ihren Herrn um Vergebung zu bitten, außer dass das Beispiel der Früheren über sie kommen soll oder die Strafe vor ihrem Angesicht steht.
  56. 56Wir schicken die Gesandten nur als Verkünder froher Botschaft und als Warner. Aber die Ungläubigen streiten mit Falschem, um damit die Wahrheit zu verdrängen. Sie haben meine Zeichen und das, womit sie gewarnt wurden, zum Spott genommen.
  57. 57Wer ist ungerechter, als wer mit den Zeichen seines Herrn ermahnt wird, sich aber von ihnen abwendet und vergisst, was seine Hände vorausgeschickt haben? Wir haben über ihre Herzen Hüllen gelegt, sodass sie es nicht verstehen, und in ihre Ohren Schwerhörigkeit. Wenn du sie zur Rechtleitung rufst, finden sie auch dann niemals den rechten Weg.
  58. 58Dein Herr ist der Vergebende, Inhaber der Barmherzigkeit. Wenn er sie für das, was sie erworben haben, packen wollte, würde er die Strafe für sie beschleunigen. Aber sie haben einen versprochenen Termin, vor dem sie keine Zuflucht finden.
  59. 59Diese Städte – wir haben sie vernichtet, als sie Unrecht taten. Wir haben für ihre Vernichtung einen Termin festgesetzt.
  60. 60Als Moses zu seinem Jüngling sagte: Ich werde nicht aufhören, bis ich den Zusammenfluss der beiden Meere erreiche, und müsste ich auch lange gehen.
  61. 61Als sie den Zusammenfluss erreicht hatten, vergaßen sie ihren Fisch. Er nahm seinen Weg ins Meer, geradewegs hinein.
  62. 62Als sie weitergegangen waren, sagte er zu seinem Jüngling: Bring uns unser Mittagsmahl. Wir haben durch diese unsere Reise wahrlich Mühsal erfahren.
  63. 63Er sagte: Hast du gesehen? Als wir am Felsen Schutz suchten, da vergaß ich den Fisch. Nur der Satan hat mich vergessen lassen, ihn zu erwähnen. Er nahm seinen Weg ins Meer, auf wunderbare Weise.
  64. 64Er sagte: Das ist es, was wir gesucht haben! Da kehrten sie auf ihren Spuren zurück.
  65. 65Sie fanden einen unserer Diener, dem wir Barmherzigkeit von uns gegeben hatten und den wir Wissen aus unserer Nähe gelehrt hatten.
  66. 66Moses sagte zu ihm: Darf ich dir folgen, sodass du mich von dem belehrst, was dir an Rechtleitung gelehrt wurde?
  67. 67Er sagte: Du wirst es nicht aushalten, mit mir Geduld zu haben.
  68. 68Wie könntest du Geduld haben mit dem, von dem du keine Kenntnis hast?
  69. 69Er sagte: Du wirst mich, wenn Gott will, als Geduldigen finden. Ich werde dir in keiner Sache widersprechen.
  70. 70Er sagte: Wenn du mir folgst, frage mich nach nichts, bis ich dir selbst davon eine Erwähnung mache.
  71. 71Sie zogen los. Als sie ins Schiff stiegen, schlug er ein Loch hinein. Er sagte: Hast du es geschlagen, um seine Leute zu ertränken? Du hast eine ungeheure Sache getan!
  72. 72Er sagte: Habe ich nicht gesagt, dass du es nicht aushalten wirst, mit mir Geduld zu haben?
  73. 73Er sagte: Halte mich nicht zur Rechenschaft für das, was ich vergessen habe, und mache es mir in meiner Sache nicht schwer.
  74. 74Sie zogen weiter. Als sie einen Jungen trafen, tötete er ihn. Er sagte: Hast du eine reine Seele getötet, ohne dass sie eine Seele getötet hätte? Du hast eine unerhörte Sache getan!
  75. 75Er sagte: Habe ich dir nicht gesagt, dass du es nicht aushalten wirst, mit mir Geduld zu haben?
  76. 76Er sagte: Wenn ich dich nach diesem etwas frage, dann lass mich nicht mehr begleiten. Du hast von mir eine Entschuldigung erreicht.
  77. 77Sie zogen weiter. Als sie zu den Leuten einer Stadt kamen, baten sie deren Bewohner um Bewirtung, doch diese weigerten sich, sie zu bewirten. Sie fanden darin eine Mauer, die einstürzen wollte. Er richtete sie auf. Moses sagte: Wenn du gewollt hättest, hättest du dafür einen Lohn nehmen können.
  78. 78Er sagte: Das ist die Trennung zwischen mir und dir. Ich werde dir die Deutung von dem mitteilen, was du nicht aushalten konntest.
  79. 79Was das Schiff betrifft: Es gehörte armen Leuten, die auf dem Meer arbeiteten. Ich wollte es beschädigen, denn hinter ihnen war ein König, der jedes Schiff mit Gewalt nahm.
  80. 80Was den Jungen betrifft: Seine Eltern waren Gläubige. Wir fürchteten, dass er sie durch Aufruhr und Unglauben übermannte.
  81. 81Wir wollten, dass ihr Herr ihnen für ihn einen Besseren an Reinheit gibt und an Mitgefühl näher.
  82. 82Was die Mauer betrifft: Sie gehörte zwei Waisenjungen in der Stadt, und unter ihr war ein Schatz für sie. Ihr Vater war ein Rechtschaffener. Dein Herr wollte, dass sie ihre Reife erlangen und ihren Schatz hervorholen – als Barmherzigkeit von deinem Herrn. Ich habe es nicht aus meinem eigenen Befehl getan. Das ist die Deutung dessen, was du nicht aushalten konntest.
  83. 83Sie fragen dich nach dem Zweihörnigen. Sprich: Ich werde euch von ihm eine Erwähnung verlesen.
  84. 84Wir festigten ihn auf der Erde und gaben ihm zu allem einen Zugang.
  85. 85Er folgte einem Zugang,
  86. 86bis er, als er den Untergang der Sonne erreichte, fand, dass sie in einer schlammigen Quelle unterging. Bei ihr fand er ein Volk. Wir sagten: Du Zweihörniger, entweder du strafst sie oder du verfährst gütig mit ihnen.
  87. 87Er sagte: Wer Unrecht tut, den werden wir strafen. Dann wird er zu seinem Herrn zurückgebracht und dieser straft ihn mit einer fürchterlichen Strafe.
  88. 88Wer aber glaubt und gute Werke tut, dem gehört die beste Belohnung. Wir werden zu ihm in unserem Befehl Leichtes sagen.
  89. 89Dann folgte er einem Zugang,
  90. 90bis er, als er den Sonnenaufgang erreichte, fand, dass sie über einem Volk aufging, dem wir keinen Schirm gegen sie gegeben hatten.
  91. 91So. Wir umfassten mit Wissen, was bei ihm war.
  92. 92Dann folgte er einem Zugang,
  93. 93bis er, als er zwischen die zwei Wälle gelangte, fand, dass davor ein Volk lebte, das fast keine Rede verstand.
  94. 94Sie sagten: Zweihörniger! Yādschūdsch und Mādschūdsch stiften Verderben auf der Erde. Sollen wir dir einen Lohn zahlen, dass du zwischen uns und ihnen einen Wall errichtest?
  95. 95Er sagte: Was mein Herr mir gegeben hat, ist besser. Helft mir nur mit Kraft, dass ich zwischen euch und ihnen einen Damm errichte.
  96. 96Bringt mir Eisenblöcke! Bis er, als er die Lücke zwischen den beiden Bergflanken ausgefüllt hatte, sagte: Blast! Bis er, als er es zu Feuer gemacht hatte, sagte: Bringt mir geschmolzenes Erz, dass ich es darauf gieße.
  97. 97So konnten sie ihn nicht überklettern, und konnten ihn nicht durchbrechen.
  98. 98Er sagte: Das ist eine Barmherzigkeit von meinem Herrn. Wenn das Versprechen meines Herrn kommt, wird er ihn zu Boden machen. Das Versprechen meines Herrn ist Wahrheit.
  99. 99An dem Tag werden wir manche von ihnen wie Wellen gegeneinander branden lassen. In die Posaune wird geblasen, und wir versammeln sie alle.
  100. 100Wir werden die Hölle an jenem Tag den Ungläubigen offen vorlegen –
  101. 101denen, deren Augen vor meiner Ermahnung in einer Hülle waren, und die nicht hören konnten.
  102. 102Glaubten die Ungläubigen denn, sie könnten sich meine Diener neben mir zu Schutzherren nehmen? Wir haben die Hölle für die Ungläubigen als Aufenthaltsort bereitet.
  103. 103Sprich: Sollen wir euch die Verlierer im Tun mitteilen?
  104. 104Sie sind die, deren Streben im diesseitigen Leben in die Irre geht, während sie meinen, sie machten gute Werke.
  105. 105Sie sind die, die die Zeichen ihres Herrn und die Begegnung mit ihm geleugnet haben. Da werden ihre Werke nichtig, und wir messen ihnen am Tag der Auferstehung kein Gewicht bei.
  106. 106Das ist ihre Belohnung: die Hölle – dafür, dass sie ungläubig waren und meine Zeichen und meine Gesandten zum Spott nahmen.
  107. 107Wahrlich, die, die geglaubt haben und gute Werke getan haben, haben Gärten des Paradieses als Aufenthalt –
  108. 108in denen sie ewig sind und keinen Wechsel daraus suchen.
  109. 109Sprich: Wäre das Meer Tinte für die Worte meines Herrn, das Meer wäre erschöpft, bevor die Worte meines Herrn erschöpft wären, auch wenn wir noch eins seinesgleichen brächten.
  110. 110Sprich: Ich bin nur ein Mensch wie ihr. Mir wird offenbart, dass euer Gott ein einziger Gott ist. Wer also die Begegnung mit seinem Herrn erhofft, soll gute Werke tun und im Dienst seinem Herrn niemanden beigesellen.

Einordnung & Bedeutung

Die Freitags-Sure

Sure 18 wird traditionell jeden Freitag rezitiert. Ein berühmter Hadith sagt: „Wer die Sure al-Kahf am Freitag rezitiert, dem wird ein Licht zwischen zwei Freitagen leuchten." In der gelebten muslimischen Frömmigkeit ist die wöchentliche Lektüre dieser Sure eine der häufigsten Praktiken überhaupt.

Warum gerade diese Sure? Klassische Auslegungen verweisen auf die vier großen Erzählungen, die jeweils eine besondere Versuchung des Lebens behandeln:

  1. Die Höhlen-Episode: Versuchung des Glaubens (jungen Männern droht Verfolgung wegen ihres Glaubens)
  2. Die Gärten-Parabel: Versuchung des Reichtums (Mann verliert seinen Garten durch Hochmut)
  3. Moses und Khiḍr: Versuchung des Wissens (Moses, der größte Prophet seiner Zeit, muss lernen, dass es Wissen gibt, das er nicht hat)
  4. Der Zweihörnige: Versuchung der Macht (ein Weltherrscher, der sich nicht über andere erhebt)

Diese vier Versuchungen – Glaube, Reichtum, Wissen, Macht – sind die vier zentralen Lebensprüfungen. Die Sure bietet zu jeder ein Modell.

Die Höhlen-Geschichte (Verse 9–26)

Die erste Erzählung handelt von jungen Männern, die wegen ihres Glaubens an den einen Gott verfolgt werden und in eine Höhle fliehen. Gott lässt sie schlafen – sehr lange. Die Sure gibt eine Zahl an: „dreihundert Jahre und neun" (Vers 25). Als sie erwachen, ist die Welt eine andere.

Die Erzählung hat einen christlichen Hintergrund. Sie geht auf die spätantike Legende der Siebenschläfer von Ephesos zurück – sieben junge Christen, die unter Kaiser Decius (3. Jh.) verfolgt wurden, in eine Höhle flohen und dort wundersam überlebten, bis das Christentum im Römischen Reich anerkannt war. Die Legende war in Syrien und Arabien im 6.–7. Jahrhundert weit verbreitet.

Der Koran übernimmt die Erzählung, kehrt aber bestimmte Details:

  • Die Zahl der Schläfer wird offen gelassen (Vers 22): drei, fünf, sieben – Gott weiß es am besten. Diese Zurückhaltung ist bemerkenswert.
  • Die Sure interessiert sich nicht für die Identität der Männer, sondern für die Botschaft: Wer sich Gott überlässt, dem ist Zeit gleichgültig.

Vers 14 ist das theologische Zentrum der Geschichte: „Wir stärkten ihre Herzen, als sie aufstanden und sagten: Unser Herr ist der Herr der Himmel und der Erde." Die Höhle ist Symbol für jeden Rückzug, der nötig ist, um das Eigene zu bewahren. Wer aus der Welt nicht mehr atmen kann, muss in seine Höhle gehen – und Gott wird ihn bewahren.

„Inschāʾ Allāh"

Verse 23–24 enthalten eine der wichtigsten praktischen Anweisungen des Korans: „Sage nicht von einer Sache: Wahrlich, ich werde das morgen tun – außer: wenn Gott will."

Daraus kommt die arabische Floskel inschāʾ Allāh – „so Gott will". Sie ist im muslimischen Alltag allgegenwärtig: Jede zukünftige Aussage wird damit relativiert. Nicht aus Pessimismus, sondern aus theologischer Genauigkeit: Wir wissen nicht, was morgen ist. Wer das nicht sagt, behauptet implizit eine Kontrolle, die er nicht hat.

Die Gärten-Parabel (Verse 32–44)

Die zweite Erzählung ist ein Gleichnis von zwei Männern. Der eine hat zwei wunderbare Gärten – Reben, Dattelpalmen, Bach, Ertrag. Der andere hat weniger. Der Reiche prahlt: „Ich glaube nicht, dass dieser je verschwindet." Er glaubt nicht einmal mehr an die Stunde. Selbst wenn es eine geben sollte, sei er sicher belohnt.

Der Arme antwortet weise. Er erinnert an die Vergänglichkeit, an Gottes Macht, an die Selbstverständlichkeit, die nicht selbstverständlich ist. Er sagt: „Was Gott will – es gibt keine Kraft außer mit Gott" (mā schāʾa Allāh – ein zweiter Schlüsselausdruck).

Das Ergebnis kommt prompt: Der Garten wird vernichtet. Der Reiche steht vor seinen zerstörten Spalieren und sagt: „Wehe mir! Hätte ich doch meinem Herrn niemanden beigesellt!" Erkenntnis durch Verlust.

Diese Parabel ist sozialethisch zentral. Sie macht klar: Reichtum schützt vor nichts. Wer sich auf ihn verlässt, verlässt sich auf Sand. Vers 46 zieht die Quintessenz: „Vermögen und Söhne sind der Schmuck des diesseitigen Lebens. Aber die bleibenden Werke des Guten sind besser bei deinem Herrn."

Moses und Khiḍr (Verse 60–82)

Die dritte und mystisch reichste Erzählung. Moses – der große Prophet, der mit Gott gesprochen hat, der das Volk Israel aus Ägypten geführt hat – wird zu jemandem geschickt, der mehr weiß als er. Eine bemerkenswerte Demütigung des Stärksten.

Der Mann, dem Moses begegnet, wird im Koran nicht namentlich genannt. In der islamischen Tradition heißt er al-Khiḍr („der Grüne") – eine geheimnisvolle Gestalt, die im Sufismus zum Symbol der unmittelbaren mystischen Erkenntnis wurde. Er weiß durch direkte göttliche Eingebung, was kommt.

Die drei Episoden der Reise sind klassische Lehrstücke:

  1. Das Loch im Schiff: Khiḍr beschädigt das Schiff armer Leute. Moses ist entsetzt. Erklärung später: Hinter ihnen war ein König, der jedes intakte Schiff beschlagnahmte. Das beschädigte Schiff blieb unbeachtet.
  2. Die Tötung des Jungen: Khiḍr tötet einen Jungen. Moses ist außer sich. Erklärung später: Der Junge wäre ein Frevler geworden und hätte seine gläubigen Eltern in Aufruhr gebracht. Gott werde ihnen einen besseren Sohn geben.
  3. Die Reparatur der Mauer: Khiḍr richtet eine einsturzbedrohte Mauer auf, obwohl die Stadt sie nicht bewirtet hatte. Moses ist verwundert, dass er kein Geld dafür nahm. Erklärung: Unter der Mauer war der Schatz zweier Waisen. Wäre die Mauer eingestürzt, hätten andere den Schatz genommen, bevor die Waisen mündig wurden.

Das ist die theologisch tiefste Episode der Sure. Sie macht eine erschütternde Aussage: Was uns falsch oder grausam erscheint, kann Teil einer größeren Weisheit sein, die wir nicht sehen. Selbst Moses sieht nicht, was Khiḍr sieht. Das stellt jede menschliche moralische Urteilsfähigkeit unter Vorbehalt.

Vorsicht bei dieser Lesart. Sie wird manchmal missbraucht: Wer behauptet, im Auftrag Gottes zu handeln, kann sich auf Khiḍr berufen. Klassische Auslegungen halten dagegen: Khiḍr handelte auf direkten göttlichen Befehl (Vers 82: „Ich habe es nicht aus meinem eigenen Befehl getan"). Menschliche Akteure haben diesen direkten Befehl nicht – sie müssen sich an die offenbarten Normen halten.

Der Zweihörnige (Verse 83–98)

Die vierte Erzählung handelt von Dhū l-Qarnain – „der Zweihörnige". Die klassische Tradition identifiziert ihn überwiegend mit Alexander dem Großen. Im hellenistischen Alexander-Roman wurde Alexander manchmal mit Hörnern dargestellt (als Sohn von Zeus-Ammon).

Die Geschichte ist eigenartig. Dhū l-Qarnain reist:

  • Bis zum Untergang der Sonne – dort findet er ein Volk und behandelt es gerecht.
  • Bis zum Aufgang der Sonne – dort findet er ein Volk ohne Schutz vor der Sonne.
  • Bis zu zwei Wällen – dort treffen ihn Menschen, die ihn um einen Schutzwall gegen Yādschūdsch und Mādschūdsch bitten. Er baut den Wall.

Yādschūdsch und Mādschūdsch sind die koranische Entsprechung der biblischen Gog und Magog. In der jüdisch-christlichen Endzeit-Tradition sind sie wilde Völker, die am Ende der Welt losbrechen.

Die theologische Pointe der Erzählung: Auch der mächtigste Herrscher der Welt bleibt unter Gott. Vers 98 ist der Schlüssel: „Wenn das Versprechen meines Herrn kommt, wird er ihn zu Boden machen." Selbst der Wall, den ein Weltherrscher gebaut hat, ist nicht ewig.

Das Tinten-Meer

Vers 109 ist eine der eindrucksvollsten Aussagen über die Unermesslichkeit Gottes: „Sprich: Wäre das Meer Tinte für die Worte meines Herrn, das Meer wäre erschöpft, bevor die Worte meines Herrn erschöpft wären."

Das Bild ist gewaltig. Wer Gottes Wahrheit aufschreiben wollte und das gesamte Weltmeer als Tinte hätte, würde mit der Tinte nicht reichen. Diese Stelle hat in der islamischen Mystik enormen Resonanzboden: Die offenbarten Worte des Koran sind nicht das Letzte, was Gott zu sagen hat – sie sind ein Tropfen aus einem unendlichen Ozean.

Wie wird die Sure verstanden?

Sure 18 ist eine der wichtigsten Suren der praktischen Frömmigkeit. Ihre wöchentliche Rezitation strukturiert das Leben vieler Muslime. Inhaltlich macht sie eine zentrale Aussage: Was die Welt dir an Versuchungen anbietet – Glaubenstest, Reichtum, Wissen, Macht – ist nicht das Ende der Geschichte. Über allem steht eine Wirklichkeit, die größer ist und die wir nur teilweise verstehen.

Die Khiḍr-Episode ist im Sufismus eine der wichtigsten Stellen überhaupt. Sie definiert die Idee, dass es verborgenes Wissen (ʿilm laduniyy – „Wissen aus der Nähe Gottes") gibt, das jenseits der äußeren Erscheinungen wirkt. Wer das verstehen will, muss bereit sein, das eigene Urteil zurückzustellen.

Schlüsselbegriffe kurz erklärt

  • Die Höhle (al-kahf) – gibt der Sure ihren Namen – Symbol für Rückzug, Schutz, gottgeschenkten Schlaf
  • Inschāʾ Allāh – die berühmte Floskel „so Gott will" – aus Vers 24, im muslimischen Alltag allgegenwärtig
  • Mā schāʾa Allāh – „Was Gott will" – aus Vers 39, zweite Schlüssel-Floskel; oft als Lobpreis bei schönen Dingen verwendet
  • Khiḍr – „der Grüne" – die namenlose Gestalt von Versen 60–82; im Sufismus Symbol der mystischen Erkenntnis
  • Verborgenes Wissen (ʿilm laduniyy) – göttliche Eingebung, die jenseits der äußeren Vernunft wirkt – Khiḍr-Tradition
  • Dhū l-Qarnain – „der Zweihörnige" – klassisch mit Alexander dem Großen identifiziert
  • Yādschūdsch und Mādschūdsch – Gog und Magog – wilde Endzeit-Völker, im Koran wie in der biblischen Tradition
  • Tinten-Meer – Vers 109 – Bild für die Unerschöpflichkeit der göttlichen Worte