Alle 114 Suren des Korans
Sure 18: Die Höhle (Al-Kahf)
Sure 18 von 114, 110 Verse
Sure 18 heißt Die Höhle, arabisch Al-Kahf, und hat in der Kairoer Zählung 110 Verse. Sie gilt als mekkanisch und erzählt vier Geschichten: von den Jünglingen, die in einer Höhle schliefen, von zwei Männern und ihren Gärten, von Moses und einem Diener Allahs und von Zul-Karnein, der einen Wall gegen Gog und Magog baut.
1 Gelobt sei Allah, der das Buch auf seinen Knecht hinabsandte und es nicht gekrümmt machte,
2 (Sondern) gerade, um anzudrohen strenge Strafe von ihm, und um den Gläubigen, die das Gute tun, schönen Lohn zu verheißen,
3 Verweilend in ihm für immer, (Flügel 2)
4 Und um jene zu warnen, die sprechen, Allah habe einen Sohn gezeugt, (Flügel 3)
5 Wovon weder ihnen noch ihren Vätern Wissen wurde. Ein schlimmes Wort, das aus ihrem Mund kommt! Sie sprechen nichts als Lüge. (Flügel 4)
6 Vielleicht nimmst du dir auf ihren Spuren, wenn sie dieser neuen Offenbarung nicht glauben, das Leben aus Gram. (Flügel 5)
7 Siehe, wir erschufen was auf Erden ist als ihren Schmuck, damit wir prüfen, wer unter ihnen an Werken der beste ist. (Flügel 6)
8 Und siehe wahrlich, verwandeln werden wir was auf ihr ist in dürren Staub. (Flügel 7)
9 Glaubst du wohl, dass die Bewohner der Höhle und Er-Rakim zu unseren Wunderzeichen gehören? (Flügel 8)
10 Da die Jünglinge in die Höhle einkehrten, sprachen sie: "O unser Herr, gewähre uns Barmherzigkeit von dir und lenke unsere Sache zum Besten." (Flügel 9)
11 Und wir schlugen sie auf die Ohren in der Höhle für viele Jahre. (Flügel 10)
12 Dann erweckten wir sie, um zu wissen wer von den beiden Parteien am besten den Zeitraum ihres Verweilens berechnete. (Flügel 11)
13 Wir wollen dir ihre Geschichte der Wahrheit gemäß berichten. Siehe, es waren Jünglinge, die an ihren Herrn glaubten, und wir hatten sie gemehrt an Rechtleitung, (Flügel 12)
14 Und hatten ihre Herzen gestärkt, als sie sich erhoben und sprachen: "Unser Herr ist der Herr der Himmel und der Erde, nie rufen wir außer ihm einen Gott an; wahrlich, wir sprächen dann eine große Lüge aus. (Flügel 13)
15 Dieses unser Volk hat sich andere Götter außer ihm erwählt, ohne dass sie für sie einen deutlichen Beweis beibringen. Wer aber ist sündiger als wer gegen Allah eine Lüge erfindet? (Flügel 14)
16 Wenn ihr euch von ihnen und von dem, was sie außer Allah anbeten, getrennt habt, so kehrt in die Höhle ein; euer Herr wird seine Barmherzigkeit über euch ausbreiten und eure Sache zum Besten leiten." (Flügel 15)
17 Und du hättest die Sonne beim Aufgang sich von der Höhle zur Rechten wegneigen und sich beim Untergang zur Linken ausbiegen sehen können, während sie in ihrem Raum weilten. Dies ist eins der Zeichen Allahs. Wen Allah leitet, der ist rechtgeleitet, und wen er irreführt, für den findest du nie einen Beschützer noch Führer. (Flügel 16)
18 Und du hättest sie für wach gehalten, obwohl sie schliefen; und wir kehrten sie nach rechts und links. Und ihr Hund lag mit ausgestreckten Füßen auf der Schwelle. Wärst du auf sie gestoßen, du würdest dich vor ihnen zur Flucht gewendet haben und wärst mit Grausen vor ihnen erfüllt. (Flügel 17)
19 Und so erweckten wir sie, damit sie einander fragten. Und einer von ihnen sprach: "Wie lange habt ihr verweilt?" Sie sprachen: "Wir verweilten einen Tag oder den Teil eines Tages." Sie sprachen: "Euer Herr weiß am besten, wie lange ihr verweilt habt; so entsendet einen von euch mit diesem euren Geld zur Stadt, damit er schaut, wer die reinste Speise hat, und euch Kost von ihm bringt; und er muss freundliche Worte gebrauchen und euch keinem verraten. (Flügel 18)
20 Denn siehe, wenn sie euch finden, steinigen sie euch oder zwingen euch wieder, zu ihrem Glauben, und niemals wird es euch dann wohlergehen." (Flügel 19)
21 Und so verrieten wir sie (ihnen), damit sie erkennten, dass Allahs Verheißung wahr ist und dass an der "Stunde" kein Zweifel ist. Als sie nun untereinander über die Begebenheit mit ihnen stritten, sprachen sie: "Baut ein Gebäude über sie; ihr Herr weiß sehr wohl wie es mit ihnen steht." Diejenigen aber, welche in ihrer Sache den Sieg davontrugen, sprachen: "Wir wollen eine Moschee über ihnen errichten." (Flügel 20)
22 Wahrlich, sie werden sprechen: "Sie waren ihrer drei und der vierte von ihnen war ihr Hund." Und (andere) werden sprechen: "Fünf, und der sechste war ihr Hund," ein Hin- und Herraten über das Verborgene. Und sie werden sprechen: "Sieben und der achte war ihr Hund." Sprich: "Mein Herr kennt am besten ihre Zahl; nur wenige wissen sie." Und äußere über sie im Disput nur eine klare Äußerung und erkundige dich hierüber bei keinem. (Flügel 21 bis 22)
23 Und sprich von keiner Sache: "Siehe, ich will das morgen tun,"
24 Es sei denn (du setzt hinzu:) "Wenn Allah will." Und gedenke deines Herrn, wenn du es vergessen hast, und sprich: "Vielleicht leitet mich mein Herr, dass ich diesem (Ereignis) mit Richtigkeit nahekomme." (Flügel 23)
25 Und sie verweilten in ihrer Höhle dreihundert Jahre und noch neun dazu. (Flügel 24)
26 Sprich: "Allah weiß am besten, wie lange sie verweilten; er kennt das Geheimnis der Himmel und der Erde. Schau und höre auf ihn. Außer ihm haben sie keinen Beschützer, und in seinem Spruch gesellt er sich keinen bei." (Flügel 25)
27 Verlies, was dir von dem Buch deines Herrn offenbart wurde, dessen Wort niemand verändert, und nie findest du außer ihm ein Asyl. (Flügel 26)
28 Gedulde dich mit denen, welche deinen Herrn anrufen des Morgens und Abends, im Trachten nach seinem Angesicht. Und wende deine Augen nicht von ihnen ab im Trachten nach dem Schmuck des irdischen Lebens; und gehorche nicht dem, dessen Herz wir achtlos des Gedenkens an uns machten, und der seinem Gelüst folgt und dessen Treiben zügellos ist. (Flügel 27)
29 Und sprich: "Die Wahrheit ist von eurem Herrn; und wer will, der glaube, und wer will, der glaube nicht. Siehe, für die Sünder haben wir ein Feuer bereitet, dessen Rauchwolke sie rings umgeben soll. Und wenn sie um Hilfe rufen, dann soll ihnen geholfen werden mit Wasser gleich flüssigem Erz, das ihre Gesichter röstet. Ein schlimmer Trank und ein übles Ruhebett!" (Flügel 28)
30 Siehe diejenigen, welche glauben und das Gute tun, siehe, nicht lassen wir verloren gehen den Lohn jener, deren Werke gut sind. (Flügel 29)
31 Für jene sind Edens Gärten, durcheilt von Bächen. Geschmückt werden sie darin mit Armspangen von Gold und gekleidet in grüne Kleider von Seide und Brokat, sich lehnend darin auf Diwanen. Ein herrlicher Lohn und eine schöne Ruhestätte! (Flügel 30)
32 Und stelle ihnen als Gleichnis zwei Männer auf, deren einem wir zwei Rebengärten gaben und sie mit Palmen umzäunten und zwischen denen wir ein Saatfeld anlegten. (Flügel 31)
33 Beide Gärten trugen ihre Speise und versagten in nichts. Und wir ließen mitten in ihnen einen Bach fließen. (Flügel 31 bis 32)
34 Und es wurde ihm Frucht und er sprach zu seinem Gefährten in der Unterhaltung: "Ich bin reicher an Gut als du und mächtiger an Leuten." (Flügel 32)
35 Und er betrat seinen Garten, sich gegen sich selber versündigend, und sprach: "Nicht glaube ich, dass dieser je zugrunde geht. (Flügel 33)
36 Und ich glaube nicht, dass sich die 'Stunde' erhebt; und wenn ich auch zu meinem Herrn zurückgeholt werde, wahrlich dann finde ich einen besseren als Tausch." (Flügel 34)
37 Sprach sein Gefährte zu ihm in der Wechselrede: "Glaubst du etwa nicht an den, der dich erschaffen aus Staub, dann aus einem Samentropfen, dann dich gebildet zum Mann? (Flügel 35)
38 Jedoch ist Allah mein Herr, und ich stelle meinem Herrn niemand zur Seite. (Flügel 36)
39 Und warum, als du deinen Garten betratest, sprachst du nicht: 'Was Allah will!' Es gibt keine Kraft außer bei Allah! Obwohl du siehst, dass ich geringer bin als du an Gut und Kindern, (Flügel 37)
40 So wird doch vielleicht mein Herr mir Besseres geben als deinen Garten und wird seine Pfeile entsenden auf ihn vom Himmel, dass er zu dürrem Staub wird; (Flügel 38)
41 Oder sein Wasser versiegt, dass du nie imstande bist es zu finden." (Flügel 39)
42 Und rings umgeben (von Allahs Strafgericht) wurde seine Frucht, und am anderen Morgen begann er seine Hände zu verdrehen über die Ausgaben, die er gemacht. Denn (die Reben) waren zusammengebrochen mit ihren Stützen, und er sprach: "Ach hätte ich doch meinem Herrn niemand beigesellt!" (Flügel 40)
43 Und er hatte keine Schar zu seiner Hilfe außer Allah und konnte auch sich selber nicht helfen. (Flügel 41)
44 In solchem Fall ist der Schutz von Allah, der Wahrheit. Bei ihm ist der beste Lohn und der beste Ausgang. (Flügel 42)
45 Und stelle ihnen ein Gleichnis auf vom irdischen Leben. Gleich ist es dem Wasser, das wir vom Himmel hinabsenden, und die Pflanzen der Erde nehmen es auf, und dann werden sie dürres Heu, das der Wind verstreut. Und Allah hat Macht über alle Dinge. (Flügel 43)
46 Und Gut und Kinder sind des irdischen Lebens Schmuck; das Bleibende aber, die guten Werke, sind besser bei deinem Herrn hinsichtlich des Lohnes und besser hinsichtlich der Hoffnung. (Flügel 44)
47 Und eines Tages werden wir die Berge vergehen lassen, und schauen wirst du eben die Erde, und versammeln werden wir sie und keinen von ihnen übersehen. (Flügel 45)
48 Und aufgestellt werden sie vor deinem Herrn in Reihen, (und er wird sprechen:) "Wahrlich, ihr seid zu uns gekommen wie wir euch erschaffen zum ersten Mal; ihr aber glaubtet, wir würden nie unser Versprechen halten." (Flügel 46)
49 Und hingelegt wird das Buch, und schauen wirst du die Sünder in Ängsten über seinen Inhalt, und sie werden sprechen: "Wehe uns! Was bedeutet dieses Buch! Es ließ nicht die kleinste und nicht die größte (Sünde), unaufgeschrieben." Und finden werden sie ihre Taten zur Stelle, und keinem wird dein Herr Unrecht tun. (Flügel 47)
50 Und da wir zu den Engeln sprachen: "Werft euch nieder vor Adam," da warfen sie sich nieder außer Iblis, welcher von den Dschinn war und gegen seines Herrn Befehl frevelte. Und wollt ihr denn ihn und seine Nachkommenschaft eher als mich zu Beschützern nehmen, die euch feind sind? Ein schlimmer Tausch für die Sünder! (Flügel 48)
51 Ich nahm sie nicht zu Zeugen bei der Schöpfung des Himmels und der Erde noch auch bei ihrer eigenen Schöpfung, und nicht nahm ich die Verführer zum Beistand. (Flügel 49)
52 Und eines Tages wird er sprechen: "Ruft meine 'Gefährten' herbei, die ihr ersannt." Und sie werden sie rufen, doch werden sie ihnen nicht antworten; und wir werden zwischen sie ein Tal des Verderbens setzen. (Flügel 50)
53 Und schauen werden die Sünder das Feuer und sollen ahnen, dass sie hineingeworfen werden und sollen kein Entrinnen daraus finden. (Flügel 51)
54 Und wahrlich wir stellten in diesem Koran den Menschen allerlei Gleichnisse auf; doch bestreitet der Mensch die meisten Dinge. (Flügel 52)
55 Und nichts hindert die Menschen, nachdem die Rechtleitung zu ihnen kam, zu glauben und ihren Herrn um Verzeihung zu bitten, es sei denn (sie warten,) dass die Strafe der Früheren sie heimsucht oder die Marter öffentlich über sie kommt. (Flügel 53)
56 Und wir entsenden die Gesandten nur um Freude zu verkünden und zu warnen; und die Ungläubigen bestreiten sie mit Nichtigem, um damit die Wahrheit zu widerlegen, und treiben mit meinen Zeichen und den Warnungen, die ihnen gegeben werden, Spott. (Flügel 54)
57 Wer ist aber sündiger als der, dem die Zeichen seines Herrn verkündet werden, und der sich dann von ihnen abwendet und vergisst, was seine Hand zuvor begangen hat? Siehe, wir haben auf ihre Herzen Hüllen gelegt, damit sie ihn nicht verstehen und ihre Ohren schwerhörig gemacht. Und wenn du sie einlädst zur Rechtleitung, so werden sie doch niemals geleitet. (Flügel 55 bis 56)
58 Und dein Herr ist der Verzeihende, der Barmherzige. Hätte er sie nach Verdienst züchtigen wollen, so hätte er ihre Strafe beschleunigt. Jedoch wurde ihnen eine Verheißung; nie finden sie außer ihm ein Asyl. (Flügel 57)
59 Und jene Städte zerstörten wir, da sie sündig geworden, und wir gaben ihnen eine Ankündigung von ihrem Untergang. (Flügel 58)
60 Und da Moses zu seinem Diener sprach: "Ich will nicht eher rasten, als bis ich den Zusammenfluss der beiden Meere erreicht habe, und sollte ich hundert Jahre wandern." (Flügel 59)
61 Und als sie den Zusammenfluss erreicht hatten, vergaßen sie ihren Fisch, und er nahm seinen Weg ins Meer durch einen Kanal. (Flügel 60)
62 Und da sie weitergewandert waren, sprach er zu seinem Diener: "Gib uns unser Mahl, denn wir sind von dieser unserer Reise ermattet." (Flügel 61)
63 Er sprach: "Sieh nur! Als wir beim Felsen einkehrten, da vergaß ich den Fisch, und nur der Satan ließ mich ihn vergessen, dass ich seiner nicht gedachte; und er nahm seinen Weg ins Meer auf wunderbare Weise." (Flügel 62)
64 Er sprach: "Das ist es, was wir suchten." Da kehrten sie auf ihren Spuren wieder zurück. (Flügel 63)
65 Und sie fanden einen unserer Diener, dem wir unsere Barmherzigkeit gegeben und unser Wissen gelehrt hatten. (Flügel 64)
66 Sprach Moses zu ihm: "Soll ich dir folgen, damit du mich lehrst zur Rechtleitung was dir gelehrt wurde?" (Flügel 65)
67 Er sprach: "Siehe, du vermagst nie bei mir auszuharren. (Flügel 66)
68 Wie könntest du auch ausharren bei dem, was du nicht begreifst?" (Flügel 67)
69 Er sprach: "Finden wirst du mich, wenn Allah will, standhaft, und nicht will ich mich deinem Befehl widersetzen." (Flügel 68)
70 Er sprach: "Wenn du mir denn folgen willst, so frage mich nach nichts, bis ich es dir ansagen werde." (Flügel 69)
71 Und so schritten sie weiter, bis sie auf ein Schiff stiegen, in das er ein Loch machte. Sprach er: "Hast du ein Loch hineingemacht, damit du seine Mannschaft ertränkst? Ein sonderbares Ding hast du getan." (Flügel 70)
72 Er sprach: "Sprach ich nicht, dass du nicht bei mir auszuharren vermöchtest?" (Flügel 71)
73 Er sprach: "Schilt mich nicht, dass ich es vergaß, und belaste mich nicht mit deinem Befehl zu schwer." (Flügel 72)
74 Und so schritten sie weiter, bis sie einen Jüngling trafen, den er erschlug. Sprach er: "Erschlugst du eine schuldlose Seele, frei von Mord? Wahrlich du hast ein verwerfliches Ding getan!" (Flügel 73)
75 Er sprach: "Sprach ich nicht zu dir, du vermöchtest nicht bei mir auszuharren?" (Flügel 74)
76 Er sprach: "Wenn ich dich danach noch nach etwas frage, so sei nicht länger mein Gefährte. Nun hast du meine Entschuldigung." (Flügel 75)
77 Und so schritten sie weiter, bis sie zum Volk einer Stadt gelangten. Sie verlangten Speise von ihrem Volk, doch weigerten sie sich sie zu bewirten. Und sie fanden in ihr eine Mauer, die einstürzen wollte; und da richtete er sie auf. Sprach er: "Wenn du es gewollt, hättest du dafür Lohn empfangen." (Flügel 76)
78 Er sprach: "Hier scheide ich mich von dir; ich will dir jedoch die Deutung von dem geben, was du nicht ertragen konntest. (Flügel 77)
79 Was das Schiff anlangt, so gehörte es armen Leuten, die auf dem Meer arbeiteten, und ich wollte es beschädigen, da hinter ihnen ein König war, der jedes Schiff mit Gewalt nahm. (Flügel 78)
80 Und was den Jüngling anlangt, so waren seine Eltern gläubig, und wir befürchteten, er könnte ihnen Gottlosigkeit und Unglauben aufbürden. (Flügel 79)
81 Und so wünschten wir, dass ihr Herr ihnen zum Tausch einen reineren gäbe und einen liebevolleren. (Flügel 80)
82 Was dann die Mauer anlangt, so gehörte sie zwei verwaisten Jünglingen in der Stadt. Unter ihr liegt ein Schatz für sie, und da ihr Vater rechtschaffen ist, wollte dein Herr, dass sie ihre Vollkraft erreichten und ihren Schatz höben, als Barmherzigkeit von deinem Herrn. Und nicht nach eigenem Ermessen tat ich dies. Dies ist die Deutung dessen, was du nicht zu ertragen vermochtest." (Flügel 81)
83 Und sie werden dich nach Zul-Karnein befragen. Sprich: "Ich will euch eine Kunde von ihm verlesen." (Flügel 82)
84 Siehe, wir festigten ihn auf Erden und gaben ihm von allen Dingen Mittel (zur Erfüllung seiner Wünsche), und er folgte seinem Weg, (Flügel 83)
85 Bis er die Stätte des Sonnenuntergangs erreichte; und er fand, dass sie in einer schlammigen Quelle unterging. Und er fand bei ihm ein Volk. (Flügel 84)
86 Wir sprachen: "O Zul-Karnein, sei es du strafst dies Volk oder du erweist ihnen Gutes." (Flügel 85)
87 Er sprach: "Wer da gesündigt hat, den werden wir strafen; dann soll er zu seinem Herrn zurückkehren, dass er ihn hart straft. (Flügel 86)
88 Wer aber glaubt und das Gute tut, der soll schönen Lohn empfangen, und ihm werden wir leichte Befehle erteilen." (Flügel 87)
89 Dann zog er des Weges, (Flügel 88)
90 Bis er zum Aufgang der Sonne gelangte und fand, dass sie über einem Volk aufging, dem wir keinen Schutz vor ihr gegeben hatten. (Flügel 89)
91 So war es, doch umfassten wir mit Wissen, was bei ihm war (an Leuten.) (Flügel 90)
92 Dann zog er des Weges, (Flügel 91)
93 Bis er zwischen die beiden Berge gelangte, an deren Fuß er ein Volk fand, das kaum ein Wort verstehen konnte. (Flügel 92)
94 Sie sprachen: "O Zul-Karnein, siehe Gog und Magog stiften Verderben im Land. Sollen wir dir Tribut entrichten daraufhin, dass du zwischen uns und ihnen einen Wall baust?" (Flügel 93)
95 Er sprach: "Das, worin mich mein Herr gefestigt hat, ist besser (als euer Tribut). Und so helft mir mit Kräften, und ich will zwischen euch und zwischen sie einen Grenzwall ziehen. (Flügel 94)
96 Bringt mir Eisenstücke." Und als er (die Kluft) zwischen ihnen ausgefüllt, sprach er: "Blast." Und da er es in Feuer gesetzt, sprach er: "Bringt mir flüssiges Erz, damit ich es darauf gieße." (Flügel 95)
97 Und so waren sie nicht imstande ihn zu übersteigen und waren auch nicht imstande ihn zu durchlöchern. (Flügel 96)
98 Er sprach: "Dies ist eine Barmherzigkeit von meinem Herrn; wenn aber meines Herrn Verheißung naht, wird er ihn zu einem Staubhaufen machen; und meines Herrn Verheißung ist Wahrheit." (Flügel 97 bis 98)
99 Und an jenem Tag werden wir sie übereinander wogen lassen; und gestoßen wird in die Posaune, und versammeln werden wir sie allesamt.
100 Und stellen wollen wir Dschehannam an jenem Tag vor die Ungläubigen,
101 Deren Augen verhüllt waren vor meiner Warnung, und die nicht zu hören vermochten.
102 Wähnen etwa die Ungläubigen, sie könnten meine Diener zu Beschützern nehmen neben mir? Siehe, wir haben Dschehannam für die Ungläubigen bereitet als Herberge.
103 Sprich: "Sollen wir euch ansagen, wer seine Werke verloren hat:
104 Die, deren Eifer im irdischen Leben irreging, und die glaubten, rechtschaffen zu handeln?
105 Das sind jene, die nicht glaubten an die Zeichen ihres Herrn und an die Begegnung mit ihm. Nichtig sind ihre Werke, und nicht werden wir ihnen Gewicht geben am Tag der Auferstehung.
106 Dies soll sein ihr Lohn, Dschehannam, darum dass sie ungläubig waren und mit meinen Zeichen und Gesandten ihren Spott trieben."
107 Siehe, jene, die glauben und Gutes tun, denen werden des Paradieses Gärten zur Herberge.
108 Ewig werden sie darin verweilen und werden keinen Wechsel begehren.
109 Sprich: "Würde das Meer Tinte für meines Herrn Worte, wahrlich, versiegen würde das Meer vor den Worten meines Herrn, auch wenn wir noch ein Gleiches zur Hilfe brächten."
110 Sprich: "Ich bin nur ein Mensch wie ihr; offenbart wurde mir, dass euer Gott ein einziger Gott ist. Und wer hofft seinem Herrn zu begegnen, der wirke ein rechtschaffenes Werk, und bete niemand neben seinem Herrn an."
Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.
Sure 18 heißt "Die Höhle", arabisch Al-Kahf, nach der Höhle, in der nach den Versen 9 bis 26 eine Gruppe von Jünglingen schlief [1]. Sie ist die 18. Sure und hat nach der Kairoer Zählung 110 Verse [2]. Die Überlieferung, wie Tanzil sie wiedergibt, führt sie als mekkanisch und setzt sie an die 69. Stelle der Offenbarung. Vers 28 und die Verse 83 bis 101 stammen danach aus Medina [3]. Die arabische Wikipedia nennt die Sure dagegen ganz mekkanisch [4]. Theodor Nöldeke rechnet sie zur zweiten, mittleren mekkanischen Periode [5]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).
Nach der Überlieferung lesen viele Muslime die Sure am Freitag. Ein Prophetenwort verspricht dafür "Licht zwischen den beiden Freitagen", ein anderes nennt die ersten zehn Verse einen Schutz vor dem Antichristen [4].
Inhalt im Überblick
Die Sure besteht aus vier großen Erzählungen, die durch Mahnungen verbunden sind [1].
| Verse | Inhalt |
|---|---|
| 1 bis 8 | Lob für das Buch, Warnung an die, die sagen, Allah habe einen Sohn gezeugt |
| 9 bis 26 | die Jünglinge in der Höhle, ihr Hund, ihre Zahl und die Dauer ihres Schlafs, "Wenn Allah will" (18,24) |
| 27 bis 31 | Geduld mit den Gläubigen, Lohn und Strafe |
| 32 bis 46 | Gleichnis von zwei Männern, der eine stolz auf seine zwei Gärten, die vernichtet werden |
| 47 bis 59 | Gericht, Iblis weigert sich, vor Adam niederzufallen, zerstörte Städte |
| 60 bis 82 | Moses und ein Diener Allahs: das beschädigte Schiff, der getötete Jüngling, die Mauer |
| 83 bis 101 | Zul-Karnein zieht zum Untergang und Aufgang der Sonne und baut einen Wall gegen Gog und Magog |
| 102 bis 110 | verlorene Werke, das Meer als Tinte für die Worte Allahs, "Ich bin nur ein Mensch wie ihr" (18,110) |
Über die Zahl der Schläfer heißt es in Vers 22: "Mein Herr kennt am besten ihre Zahl; nur wenige wissen sie" (aus Sure 18,22) [1].
Wie die Sure verstanden wird
Die Auslegung fragt vor allem, worauf die Erzählungen antworten und wer die Gestalten sind, die der Koran nicht beim Namen nennt.
Klassische Auslegung
Nach Ibn Ishaq schickten die Quraisch Boten zu jüdischen Gelehrten in Medina. Diese rieten, dem Propheten drei Fragen zu stellen: nach jungen Männern der Vorzeit, nach einem Mann, der weit umherzog, und nach dem Geist. Der Prophet habe eine Antwort für den nächsten Tag versprochen, ohne "Wenn Allah will" zu sagen, und die Offenbarung sei etwa fünfzehn Tage ausgeblieben [6]. Auch Ibn Kathir erzählt, die Ungläubigen Mekkas hätten sich bei den Leuten der Schrift Fragen für den Propheten holen lassen, nach jungen Männern der Vorzeit, nach einem weit gereisten Mann und nach dem Geist [10]. Maududi führt die Sure ebenfalls auf drei Fragen zurück, die die Götzendiener Mekkas in Absprache mit den Leuten der Schrift stellten [11]. Die Verse 23 und 24 enthalten die Mahnung, bei jedem Vorhaben "Wenn Allah will" hinzuzufügen [1].
Zur Zahl der Schläfer überliefert Ibn Kathir, Ibn Abbas habe sich zu den wenigen gezählt, die ihre Zahl kennen, und gesagt, es seien sieben gewesen. Ibn Kathir hält die dritte Angabe, sieben mit dem Hund als achtem, für die zutreffende [9]. Den Begleiter des Moses in den Versen 60 bis 82 nennt Ibn Kathir al-Chidr [6]. Zul-Karnein, "der mit den zwei Hörnern", setzten die meisten klassischen Gelehrten mit Alexander dem Großen gleich. At-Tabari kennt zwei Träger des Namens, einen älteren zur Zeit Abrahams und Alexander. Ibn Kathir und Ibn Taimiyya lehnten Alexander ab, unter anderem weil dieser Götzen verehrt habe [8].
Heutige muslimische Theologie
Einige neuere muslimische Ausleger setzen Zul-Karnein mit dem Perserkönig Kyros gleich. Unter ihnen vertrat das zuerst Sayyid Ahmad Khan, später Abul Kalam Azad. Auch Abul Ala Maududi schreibt in seinem Kommentar, Zul-Karnein sei wahrscheinlich Kyros gewesen, die bekannten Tatsachen reichten aber für eine sichere Aussage nicht aus [11].
Islamwissenschaft
Für Nöldeke war Zul-Karnein "ohne Zweifel" Alexander der Große. Ob die Erzählungen von Moses und von Zul-Karnein zugleich mit dem Rest der Sure entstanden, wollte er nicht sicher sagen [5]. Die Geschichte von den drei Fragen hält er für sehr legendenhaft [5]. Die meisten heutigen Forscher führen die Erzählung von Zul-Karnein auf die syrische Alexanderlegende zurück. Kevin van Bladel vertrat 2008, ein syrischer Text aus den letzten Lebensjahren Muhammads sei in rund zwanzig Koranversen verarbeitet. Brannon Wheeler und Marianna Klar haben diese Herleitung bestritten [8].
Die Erzählung von den Schläfern hat eine christliche Parallele in der Legende von den Siebenschläfern von Ephesus. Ihre früheste bekannte Fassung steht bei Jakob von Sarug, der um 450 bis 521 lebte. Die Verfolgung setzt die Legende unter Kaiser Decius um 250 an, das Erwachen meist unter Theodosius II. [7]. Sidney Griffith hat 2008 die syrisch-christliche Überlieferung und die "Gefährten der Höhle" im Koran untersucht [7].
Zum Weiterlesen: Mose im Koran, Juden und Christen im Koran und Koran und Bibel im Vergleich. Im Koran steht sie zwischen Sure 17, Die Nachtfahrt und Sure 19, Maria.
- Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- سورة الكهف (Sure al-Kahf). Wikipedia (arabisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Geschichte des Qorâns, S. 89 und 105 f.. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
- Al-Kahf. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Seven Sleepers. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Dhu al-Qarnayn. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Kahf Ayah 22. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Kahf Ayah 83. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Tafhim al-Qur'an, Sure 18 (Al-Kahf). Sayyid Abul Ala Maududi. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.