Alle 114 Suren des Korans
Sure 19: Maria (Maryam)
Sure 19 von 114, 98 Verse
Sure 19 heißt arabisch Maryam, auf Deutsch Maria, und hat in der Kairoer Zählung 98 Verse. Sie gilt als mekkanisch. Sie beginnt mit der Geburt Johannes' und der Geburt Jesu und nennt danach Abraham, Moses, Ismael und Idris. Maria ist die einzige Frau, die der Koran mit Namen nennt.
1 K. H. I. A. Z.
2 Eine Erwähnung der Barmherzigkeit deines Herrn gegen seinen Diener Zacharias: (Flügel 1)
3 Da er seinen Herrn im Verborgenen anrief, (Flügel 2)
4 Sprach er: "Mein Herr siehe, mein Gebein ist schwach, und mein Haupt schimmert greis, und nie war mein Gebet zu dir erfolglos. (Flügel 3 bis 4)
5 Und siehe, ich fürchte für meine Sippe nach mir, denn meine Frau ist unfruchtbar. So gib mir von dir einen Nachfolger, (Flügel 5 bis 6)
6 Der mich und das Haus Jakob beerbe, und mache ihn (dir), mein Herr, wohlgefällig."
7 "O Zacharias, siehe, wir verkünden dir einen Knaben, namens Johannes, wie wir zuvor noch keinen benannten." (Flügel 7 bis 8)
8 Er sprach: "Mein Herr, woher soll mir ein Sohn werden, wo meine Frau unfruchtbar ist und ich alt und schwach geworden bin?" (Flügel 9)
9 Er sprach: "So sei es! Gesprochen hat dein Herr: Das ist mir leicht, und auch dich schuf ich zuvor, da du nichts warst." (Flügel 10)
10 Er sprach: "Mein Herr, gib mir ein Zeichen." Er sprach: "Dein Zeichen sei, dass du, obwohl gesund, drei Nächte lang nicht zu den Leuten redest." (Flügel 11)
11 Und er schritt hinaus zu seinem Volk aus der Nische und deutete ihnen an: "Preist (den Herrn) morgens und abends." (Flügel 12)
12 (Und wir sprachen:) "O Johannes, nimm hin die Schrift in Kräften;" und wir gaben ihm Weisheit, da er ein Kind war, (Flügel 13)
13 Und Mitleid von uns und Reinheit; und er war fromm (Flügel 14)
14 Und voll Liebe gegen seine Eltern und war nicht hochmütig und trotzig.
15 Und Frieden auf ihn am Tag seiner Geburt und am Tag, da er starb, und am Tag seiner Erweckung zum Leben!
16 Und gedenke auch im Buch der Maria. Da sie sich von ihren Angehörigen an einen Ort in Richtung Aufgang zurückzog
17 Und sich vor ihnen verschleierte, da sandten wir unseren Geist zu ihr, und er erschien ihr als vollkommener Mann.
18 Sie sprach: "Siehe, ich nehme meine Zuflucht vor dir zum Erbarmer, wenn du ihn fürchtest."
19 Er sprach: "Ich bin nur ein Gesandter von deinem Herrn, um dir einen reinen Knaben zu bescheren."
20 Sie sprach: "Woher soll mir ein Knabe werden, wo mich kein Mann berührt hat und ich keine Dirne bin?"
21 Er sprach: "So sei es! Gesprochen hat dein Herr: 'Das ist mir ein Leichtes;' und wir wollen ihn zu einem Zeichen für die Menschen machen und einer Barmherzigkeit von uns. Und es ist eine beschlossene Sache."
22 Und so empfing sie ihn und zog sich mit ihm an einen entlegenen Ort zurück.
23 Und es überkamen sie die Wehen an dem Stamm einer Palme. Sie sprach: "O dass ich doch zuvor gestorben und vergessen und verschollen wäre!"
24 Und es rief jemand unter ihr: "Bekümmere dich nicht; dein Herr hat unter dir ein Bächlein fließen lassen;
25 Und schüttele nur den Stamm des Palmbaums zu dir, so werden frische reife Datteln auf dich fallen.
26 So iss und trink und sei kühlen Auges, und wenn du einen Menschen siehst, so sprich: 'Siehe, ich habe dem Erbarmer ein Fasten gelobt; nicht spreche ich deshalb heute zu irgendjemand.'" (Flügel 26 bis 27)
27 Und sie brachte ihn zu ihrem Volk, ihn tragend. Sie sprachen: "O Maria, wahrlich, du hast ein sonderbares Ding getan! (Flügel 28)
28 O Schwester Aarons, dein Vater war kein Bösewicht und deine Mutter keine Dirne." (Flügel 29)
29 Und sie deutete auf ihn. Sie sprachen: "Wie sollen wir mit ihm, einem Kind in der Wiege, reden?" (Flügel 30)
30 Er sprach: "Siehe, ich bin Allahs Diener. Gegeben hat er mir das Buch, und er machte mich zum Propheten. (Flügel 31)
31 Und er machte mich gesegnet, wo immer ich bin, und befahl mir Gebet und Armensteuer, solange ich lebe, (Flügel 32)
32 Und Liebe zu meiner Mutter; und nicht machte er mich hochmütig und unselig. (Flügel 33)
33 Und Frieden auf den Tag meiner Geburt und den Tag, da ich sterbe, und den Tag, da ich erweckt werde zum Leben!" (Flügel 34)
34 Dies ist Jesus, der Sohn der Maria, das Wort der Wahrheit, das sie bezweifeln. (Flügel 35)
35 Nicht steht es Allah an, einen Sohn zu zeugen. Preis ihm! Wenn er ein Ding beschließt, so spricht er nur zu ihm: "Sei!" und es ist. (Flügel 36)
36 Und siehe, Allah ist mein Herr und euer Herr; so dient ihm; dies ist ein rechter Weg. (Flügel 37)
37 Doch die Sekten sind untereinander uneinig; und wehe den Ungläubigen vor der Zeugnisstätte eines gewaltigen Tages! (Flügel 38)
38 Mache sie hören und schauen einen Tag, da sie zu uns kommen. Doch die Ungerechten sind heute in offenbarem Irrtum. (Flügel 39)
39 Und warne sie vor dem Tag des Seufzens, wenn der Befehl vollzogen wird, während sie achtlos sind und nicht glauben. (Flügel 40)
40 Siehe, wir erben die Erde und alle, die auf ihr sind, und zu uns kehren sie zurück. (Flügel 41)
41 Und gedenke im Buch des Abraham. Siehe, er war aufrichtig, ein Prophet. (Flügel 42)
42 Da er zu seinem Vater sprach: "O mein Vater, warum verehrst du, was nicht hört und sieht und dir nichts nützt? (Flügel 43)
43 O mein Vater, siehe, nun ist zu mir ein Wissen gekommen, das nicht zu dir kam. So folge mir, dass ich dich auf den rechten Pfad leite. (Flügel 44)
44 O mein Vater, diene nicht dem Satan; siehe der Satan war ein Rebell gegen den Erbarmer. (Flügel 45)
45 O mein Vater, siehe, ich fürchte, dass dich Strafe vom Erbarmer trifft, und du ein Kumpan des Satans wirst." (Flügel 46)
46 Er sprach: "Verwirfst du meine Götter, o Abraham? Gibst du dies nicht auf, wahrlich, so steinige ich dich. Verlass mich für eine Weile." (Flügel 47)
47 Er sprach: "Frieden sei auf dir! Ich werde meinen Herrn um Verzeihung für dich anflehen; siehe, er ist gütig gegen mich. (Flügel 48)
48 Und trennen will ich mich von euch und von dem, was ihr außer Allah anruft, und will meinen Herrn anrufen. Vielleicht rufe ich meinen Herrn nicht umsonst an." (Flügel 49)
49 Und da er sich von ihnen und von dem, was sie außer Allah anbeteten, getrennt hatte, da schenkten wir ihm Isaak und Jakob und machten beide zu Propheten. (Flügel 50)
50 Und wir bescherten ihnen von unserer Barmherzigkeit und gaben ihnen die hohe Sprache der Wahrheit. (Flügel 51)
51 Und gedenke im Buch des Moses. Siehe, er war lauter und war ein Gesandter, ein Prophet. (Flügel 52)
52 Und wir riefen ihn und zogen ihn in unsere Nähe zu geheimer Besprechung. (Flügel 53)
53 Und wir bescherten ihm aus unserer Barmherzigkeit seinen Bruder Aaron, einen Propheten. (Flügel 54)
54 Und gedenke im Buch des Ismael; siehe, er war treu seinem Versprechen und war ein Gesandter, ein Prophet. (Flügel 55)
55 Und er gebot seinem Volk Gebet und Armensteuer und war seinem Herrn wohlgefällig. (Flügel 56)
56 Und gedenke im Buch des Idris; siehe, er war aufrichtig, ein Prophet; (Flügel 57)
57 Und wir erhoben ihn zu einem hohen Ort. (Flügel 58)
58 Dies sind jene unter den Propheten von der Nachkommenschaft Adams und von jenen, die wir mit Noah trugen, und von der Nachkommenschaft Abrahams und Israels und von denen, welche wir leiteten und erwählten, denen wir Gnade erwiesen. Wenn ihnen die Zeichen des Erbarmers verlesen wurden, sanken sie anbetend und weinend nieder. (Flügel 59)
59 Aber es folgte ihnen ein Geschlecht, welches das Gebet unterließ und den Lüsten folgte. Doch wahrlich, dem Verderben gehen sie entgegen, (Flügel 60)
60 Außer denen, welche umkehren und glauben und rechtschaffen handeln. Jene werden ins Paradies eingehen und sollen in nichts unrecht erleiden: (Flügel 61)
61 In Edens Gärten, welche der Erbarmer seinen Dienern im Verborgenen verhieß. Siehe, seine Verheißung geht in Erfüllung. (Flügel 62)
62 Nicht hören sie dort Geschwätz, sondern allein "Frieden"; und sie finden dort ihre Speise des Morgens und Abends. (Flügel 63)
63 Dies sind die Gärten, welche wir den Gottesfürchtigen unter unseren Dienern zum Erbe geben. (Flügel 64)
64 Und wir kommen nur auf den Befehl deines Herrn hernieder. Ihm gehört was vor uns und hinter uns ist und was zwischen beiden liegt; und dein Herr ist nicht vergesslich: (Flügel 65)
65 Der Herr der Himmel und der Erde und was zwischen ihnen liegt. Darum diene ihm und beharre in seiner Anbetung. Weißt du etwa einen gleichen Namens? (Flügel 66)
66 Und es spricht der Mensch: "Wenn ich einst gestorben bin, soll ich dann wieder zum Leben erstehen?" (Flügel 67)
67 Gedenkt denn nicht der Mensch, dass wir ihn zuvor erschufen, da er nichts war? (Flügel 68)
68 Und bei deinem Herrn, wahrlich, versammeln werden wir sie und die Satane; dann werden wir sie auf den Knien um Dschehannam setzen. (Flügel 69)
69 Dann werden wir aus jeder Partei diejenigen, welche am hochmütigsten gegen den Erbarmer waren, herausnehmen. (Flügel 70)
70 Dann werden wir wissen, wer des Verbrennens am würdigsten ist. (Flügel 71)
71 Und niemand unter euch ist, der nicht hinunter zu ihr stiege; so ist es bei deinem Herrn endgültig beschlossen. (Flügel 72)
72 Dann wollen wir die Gottesfürchtigen erretten und wollen die Sünder in ihr auf den Knien lassen. (Flügel 73)
73 Und wenn ihnen unsere deutlichen Zeichen verlesen werden, sprechen die Ungläubigen zu den Gläubigen: "Welcher der beiden Teile befindet sich an besserem Ort und in besserer Gesellschaft?" (Flügel 74)
74 Aber wie viele Geschlechter vertilgten wir vor ihnen, die besser waren an Reichtum und Schau? (Flügel 75)
75 Sprich: "Wer sich im Irrtum befindet, dem verlängert der Erbarmer die Tage, bis sie das, was ihnen angedroht, sehen, sei es die Strafe oder die 'Stunde', und dann erkennen, wer sich in schlechterer Lage befindet und schwächer an Streitern ist." (Flügel 76 bis 77)
76 Und mehren wird Allah die Geleiteten an Rechtleitung. Und das Bleibende, die guten Werke, sind besser bei deinem Herrn hinsichtlich des Lohnes und besser hinsichtlich der Vergeltung (als irdische Güter). (Flügel 78 bis 79)
77 Sahst du den, der unsere Zeichen verleugnete und sprach: "Wahrlich, ich werde Gut und Kinder erhalten?" (Flügel 80)
78 Ist er etwa eingedrungen ins Verborgene oder hat er einen Bund mit dem Erbarmer geschlossen? (Flügel 81)
79 Mitnichten. Wahrlich niederschreiben wollen wir seine Worte und wollen ihm seine Strafe mehren. (Flügel 82)
80 Und erben lassen wollen wir ihn, was er sprach, und kommen soll er dann einsam zu uns. (Flügel 83)
81 Und andere Götter haben sie sich außer Allah angenommen zum Ruhm. (Flügel 84)
82 Mitnichten. Sie werden ihre Verehrung ableugnen und werden ihre Widersacher sein. (Flügel 85)
83 Siehst du nicht, dass wir die Satane gegen die Ungläubigen entsenden, um sie anzureizen? (Flügel 86)
84 Darum beeile dich nicht gegen sie; wir haben ihnen nur eine Zahl (von Tagen) zugezählt. (Flügel 87)
85 Eines Tages versammeln wir die Gottesfürchtigen zum Erbarmer in hohem Empfang (Flügel 88)
86 Und treiben die Missetäter nach Dschehannam wie eine Herde zur Tränke. (Flügel 89)
87 Fürbitte soll dann nur der finden, der mit dem Erbarmer einen Bund schloss. (Flügel 90)
88 Und sie sprechen: "Gezeugt hat der Erbarmer einen Sohn." (Flügel 91)
89 Wahrlich, ihr behauptet ein ungeheuerliches Ding. (Flügel 91)
90 Fast möchten die Himmel darüber zerreißen, und die Erde möchte sich spalten, und es möchten die Berge stürzen in Trümmer, (Flügel 92)
91 Dass sie dem Erbarmer einen Sohn beilegen, (Flügel 93)
92 Dem es nicht geziemt einen Sohn zu zeugen. (Flügel 93)
93 Keiner in den Himmeln und auf Erden darf sich dem Erbarmer anders nahen wie als Sklave. (Flügel 94)
94 Wahrlich, er hat sie berechnet und ihre Zahl gezählt.
95 Und jeder soll am Tag der Auferstehung einsam zu ihm kommen.
96 Siehe, diejenigen, die glauben und Gutes tun, denen wird der Erbarmer Liebe erweisen.
97 Und wir haben ihn leicht gemacht in deiner Sprache, damit du durch ihn den Gottesfürchtigen Freude verkündest und die Streitsüchtigen warnst.
98 Und wie viele Geschlechter vertilgten wir vor ihnen! Spürst du noch einen von ihnen auf? Oder hörst du ein Flüstern von ihnen?
Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.
Sure 19 trägt den Namen Maryam, die arabische Form von Maria, der Mutter Jesu. Henning überschreibt sie mit "Maria" [1]. Sie ist die 19. Sure und hat nach der Kairoer Zählung 98 Verse [2]. Die Überlieferung, wie Tanzil sie wiedergibt, führt sie als mekkanisch und setzt sie an die 44. Stelle der Offenbarung. Die Verse 58 und 71 stammen danach aus Medina [3]. Theodor Nöldeke rechnet die Sure zur zweiten mekkanischen Periode [4]. Lejla Demiri, Professorin für Islamische Glaubenslehre und Direktorin des Zentrums für Islamische Theologie in Tübingen, weist darauf hin, dass Maria die einzige Frau ist, die im Koran mit Namen erwähnt wird, und dass die Sure 19 nach ihr benannt ist [7]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).
Die Sure beginnt mit den Buchstaben K. H. I. A. Z. und setzt dann ohne Vorrede mit einer Erzählung ein: "Eine Erwähnung der Barmherzigkeit deines Herrn gegen seinen Diener Zacharias" (19,2) [1].
Inhalt im Überblick
Der erste Teil reiht Erzählungen über Propheten und ihre Familien aneinander, der zweite ist eine Auseinandersetzung mit den Gegnern der Verkündigung.
| Verse | Inhalt |
|---|---|
| 1 bis 15 | Zacharias bittet im Alter um einen Nachfolger, ihm wird Johannes verheißen, als Zeichen spricht er drei Nächte nicht zu den Leuten |
| 16 bis 33 | Maria zieht sich zurück, der Geist erscheint ihr als Mann, die Geburt am Stamm einer Palme, das Kind in der Wiege spricht zu ihrem Volk |
| 34 bis 40 | Jesus als Sohn der Maria, Allah steht es nicht an, einen Sohn zu zeugen, die Uneinigkeit der Sekten |
| 41 bis 50 | Abraham bittet seinen Vater, keine Götzen zu verehren, und trennt sich von ihm; Isaak und Jakob |
| 51 bis 57 | Moses und Aaron, Ismael, Idris |
| 58 bis 65 | die Propheten und das Geschlecht nach ihnen, Edens Gärten, Aufruf, Allah zu dienen |
| 66 bis 74 | Zweifel an der Auferstehung, das Gericht, die vertilgten Geschlechter |
| 75 bis 98 | Auseinandersetzung mit den Ungläubigen, Zurückweisung der Rede "Gezeugt hat der Erbarmer einen Sohn" (19,88), der Koran in "deiner Sprache" (19,97) |
Das Kind stellt sich in der Wiege mit den Worten vor: "Siehe, ich bin Allahs Diener. Gegeben hat er mir das Buch, und er machte mich zum Propheten." (19,30) [1] Der Name Jesus fällt in der Sure erst in 19,34, nach der Erzählung von seiner Geburt [1].
Wie die Sure verstanden wird
Ibn Kathir erklärt die Anrede an Maria, heutige Theologen deuten ihre Rolle, und die Islamwissenschaft fragt nach Aufbau und Bibelbezug der Sure.
Klassische Auslegung
Die Anrede "O Schwester Aarons" (19,28) erklärt Ibn Kathir auf mehrere Weisen. Nach einer Deutung ist eine Frau gemeint, die Aaron in ihrer Frömmigkeit ähnelt. Nach Ali ibn Abi Talha und as-Suddi stammte Maria von Aaron, dem Bruder des Moses, ab, so wie man jemanden "Bruder von Tamim" nennt. Eine dritte Ansicht nennt einen frommen Verwandten namens Harun [6]. Die Rede des Kindes liest Ibn Kathir als Erklärung Jesu, ein Diener Allahs zu sein, dem das Buch gegeben wurde [6]. Nach einer Überlieferung, die Nöldeke unter anderem bei Ibn Hischam findet, sollen Muslime den ersten Teil der Sure dem christlichen Herrscher von Äthiopien vorgetragen haben, in Gegenwart von Gesandten der Kuraisch [4].
Heutige Stimmen aus der Theologie
Lejla Demiri, Professorin für Islamische Glaubenslehre und Direktorin des Zentrums für Islamische Theologie in Tübingen, sieht in Maria ein Vorbild für Gläubige, weil sie Gott bedingungslos gehorcht. Im Bächlein und in den Datteln (19,24 bis 26) liest sie Gottes Fürsorge für Maria, die ihr zeigt, dass sie nicht allein ist. Nach ihren Angaben essen muslimische Schwangere nach Marias Vorbild Datteln, und bei Wehen oder Kinderwunsch wird die Sure rezitiert [7]. Karl-Josef Kuschel, im selben Beitrag als emeritierter Professor für Theologie der Kultur und des interreligiösen Dialogs in Tübingen genannt, erklärt, dass die Geburt ohne Vater im Islam ein Zeichen für die Einzigartigkeit und Macht Gottes sei, nicht für die Einzigartigkeit und Erwähltheit Jesu [7].
Islamwissenschaft
Der Kommentar des Corpus Coranicum an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sieht im Anfang der Sure eine Parallele zum Lukasevangelium: Beide stellen zwei wunderbare Geburten nebeneinander. Im Koran ist Johannes allerdings kein Vorläufer Jesu. Den Kern bilden nach dem Kommentar die Verse 1 bis 33 und 41 bis 74. Die Verse 34 bis 40 und mit ihnen 75 bis 98 seien wenig später in Mekka hinzugekommen, Vers 58 erst in Medina [5]. Der Zusatz 34 bis 40 nennt Jesus beim Namen und ordnet ihn als Sohn der Maria ein. Die Rede vom Sohn des Erbarmers in 19,88 versteht der Kommentar vor allem als Antwort an die altarabische Götterwelt, in der der höchste Gott Nachkommen hat [5]. Nöldeke hielt sieben Verse, die auf die Verse über Jesus folgen, für eine spätere dogmatische oder polemische Ergänzung zu diesen Versen, die sich in Sprache und Reim vom Rest der Sure unterscheiden [4].
Der Orientalist Marco Schöller nennt im Kleinen Islam-Lexikon christliche Apokryphen wie das Protoevangelium des Jakobus als Hintergrund der Marienerzählungen im Koran [8]. Die biblische Parallele steht in Lukas 1. Mehr dazu auf den Seiten Maria im Koran und Jesus im Koran. Davor steht Sure 18, Die Höhle, danach folgt Sure 20, T. H.
- Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Geschichte des Qorâns, S. 89 und 99. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Kommentar zu Sure 19 (Maryam, Maria). Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Corpus Coranicum (Dirk Hartwig, Angelika Neuwirth). Stand Betaversion, ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Maryam Ayah 28. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Einzige Frau, die der Koran mit Namen erwähnt. evangelisch.de (epd, Judith Kubitscheck). Stand 12.12.2024. abgerufen am 29.10.2026
- Maria und Josef. Bundeszentrale für politische Bildung, Kleines Islam-Lexikon (Marco Schöller). Stand 2018. abgerufen am 29.10.2026
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