Sure 21

Die Propheten

Al-Anbiyāʾ

Verse: 112 Offenbart in: Mekka Zeit: mittelmekkanisch

Worum geht's?

Eine Sure, die eine ganze Galerie von Propheten durchläuft – Abraham, Moses, Aaron, Lot, Noah, David, Salomo, Ijob, Ismael, Idrīs, Dhū l-Kifl, Jonas, Zacharias, Johannes, Jesus. Sie zeigt: Alle haben dieselbe Botschaft verkündet. Mit dem berühmten Vers: „Wir haben dich nur als Barmherzigkeit für die Welten gesandt."

Der Text – Vers für Vers

In moderner Sprache paraphrasiert nach Max Henning (1901).

  1. 1Die Abrechnung der Menschen ist ihnen nahegekommen, während sie sich in Achtlosigkeit abwenden.
  2. 2Es kommt zu ihnen keine neue Ermahnung von ihrem Herrn, ohne dass sie sie spielerisch hören.
  3. 3Ihre Herzen sind unaufmerksam. Heimlich besprechen sich die Frevler: Ist dieser nur ein Mensch wie ihr? Wollt ihr zur Magie kommen, während ihr seht?
  4. 4Er sagte: Mein Herr weiß, was im Himmel und auf der Erde gesagt wird. Er ist der Allhörende, der Allwissende.
  5. 5Vielmehr sagen sie: Wirre Träume! Vielmehr hat er ihn erfunden! Vielmehr ist er ein Dichter! So soll er uns ein Zeichen bringen, wie es den Früheren geschickt wurde!
  6. 6Vor ihnen hat keine Stadt geglaubt, die wir vernichtet haben. Sollten sie glauben?
  7. 7Wir haben vor dir nur Männer geschickt, denen wir offenbarten. Fragt also die Leute der Ermahnung, wenn ihr nicht wisst.
  8. 8Wir haben sie nicht zu Körpern gemacht, die kein Essen aßen, und sie waren nicht ewig.
  9. 9Dann erfüllten wir ihnen das Versprechen und retteten sie und wen wir wollten und vernichteten die Maßlosen.
  10. 10Wir haben euch ein Buch herabgesandt, in dem eure Ermahnung ist. Werdet ihr nicht verständig?
  11. 11Wie viele Städte, die frevelten, haben wir zerschlagen und ein anderes Volk nach ihnen entstehen lassen!
  12. 12Als sie unsere Wucht spürten, flohen sie aus ihr.
  13. 13Flieht nicht und kehrt zurück zu dem, worin ihr im Wohlleben lebtet, und zu euren Wohnstätten! Vielleicht werdet ihr befragt.
  14. 14Sie sagten: Wehe uns! Wahrlich, wir waren Frevler.
  15. 15So blieb ihr Ruf nicht stehen, bis wir sie zu abgeerntetem und ausgelöschtem Feld machten.
  16. 16Wir haben den Himmel und die Erde und was zwischen ihnen ist nicht zum Spiel erschaffen.
  17. 17Hätten wir Zerstreuung nehmen wollen, hätten wir sie aus dem genommen, was bei uns ist – wenn wir es täten.
  18. 18Vielmehr werfen wir mit der Wahrheit auf das Falsche, und sie zerschlägt es, sodass es verschwindet. Wehe euch wegen dessen, was ihr beschreibt!
  19. 19Ihm gehört, wer in den Himmeln und auf der Erde ist. Die bei ihm sind, sind nicht zu hochmütig, um ihm zu dienen, und werden nicht müde.
  20. 20Sie preisen Tag und Nacht – sie lassen nicht nach.
  21. 21Oder haben sie sich von der Erde Götter genommen, die auferwecken?
  22. 22Wären in beiden Götter außer Gott, wären beide verdorben. Erhaben ist Gott, der Herr des Thrones, über das, was sie beschreiben!
  23. 23Er wird über sein Tun nicht befragt, sie aber werden befragt.
  24. 24Oder haben sie sich neben ihm Götter genommen? Sprich: Bringt euren Beweis! Das ist die Erwähnung dessen, der mit mir ist, und die Erwähnung derer, die vor mir waren. Aber die meisten von ihnen wissen die Wahrheit nicht und wenden sich daher ab.
  25. 25Wir haben vor dir keinen Gesandten geschickt, ohne ihm zu offenbaren: Es gibt keinen Gott außer mir. So dient mir!
  26. 26Sie sagen: Der Allerbarmer hat sich ein Kind genommen. Preis sei ihm! Vielmehr sind sie geehrte Diener.
  27. 27Sie kommen ihm nicht zuvor im Wort, und sie handeln nach seinem Befehl.
  28. 28Er weiß, was vor ihnen und was hinter ihnen ist. Sie legen Fürsprache nur für den ein, an dem er Wohlgefallen hat. Sie sind aus Furcht vor ihm besorgt.
  29. 29Wer von ihnen sagte: Wahrlich, ich bin ein Gott neben ihm! – den würden wir mit der Hölle vergelten. So vergelten wir den Frevlern.
  30. 30Sehen die ungläubig sind nicht, dass die Himmel und die Erde zusammenhängend waren und wir sie auseinandertrennten? Wir haben aus dem Wasser jede lebendige Sache gemacht. Werden sie nicht glauben?
  31. 31Wir haben auf der Erde feste Berge gemacht, damit sie nicht mit ihnen wankt, und wir haben in ihr breite Wege gemacht, vielleicht lassen sie sich rechtleiten.
  32. 32Wir haben den Himmel zu einem bewahrten Dach gemacht. Aber sie wenden sich von seinen Zeichen ab.
  33. 33Er ist es, der die Nacht und den Tag und die Sonne und den Mond erschaffen hat – alle laufen in einer Bahn.
  34. 34Wir haben vor dir keinem Menschen Ewigkeit gegeben. Wenn du also stirbst – sind sie dann ewig?
  35. 35Jede Seele kostet den Tod. Wir prüfen euch mit Üblem und Gutem zur Prüfung. Zu uns werdet ihr zurückgebracht.
  36. 36Wenn die ungläubig sind, dich sehen, nehmen sie dich nur zum Spott: Ist das der, der eure Götter erwähnt? Sie selbst sind ungläubig an die Erwähnung des Allerbarmers.
  37. 37Der Mensch ist aus Eile erschaffen. Ich werde euch meine Zeichen zeigen. So habt es nicht eilig.
  38. 38Sie sagen: Wann ist dieses Versprechen, wenn ihr wahrhaftig seid?
  39. 39Wüssten die ungläubig sind die Zeit, in der sie das Feuer von ihren Gesichtern und von ihren Rücken nicht abwehren können und in der sie nicht beigestanden werden!
  40. 40Vielmehr wird es plötzlich zu ihnen kommen und sie verwirren. Sie können es nicht abwehren, und ihnen wird kein Aufschub gegeben.
  41. 41Es wurden vor dir Gesandte verspottet. Aber die, die über sie spotteten, umgab das, worüber sie spotteten.
  42. 42Sprich: Wer behütet euch bei Nacht und Tag vor dem Allerbarmer? Doch sie wenden sich von der Erwähnung ihres Herrn ab.
  43. 43Oder haben sie Götter, die sie neben uns abwehren? Sie können sich selbst nicht helfen, und sie werden gegen uns nicht geschützt.
  44. 44Vielmehr haben wir diese und ihre Väter genießen lassen, bis die Lebenszeit zu lang über sie wurde. Sehen sie nicht, dass wir an die Erde kommen und sie von ihren Rändern verringern? Sind sie also die Siegenden?
  45. 45Sprich: Ich warne euch nur durch die Offenbarung. Aber die Tauben hören nicht den Ruf, wenn sie gewarnt werden.
  46. 46Wenn aber ein Hauch der Strafe deines Herrn sie berührt, sagen sie sicher: Wehe uns! Wahrlich, wir waren Frevler.
  47. 47Wir werden die gerechten Waagen am Tag der Auferstehung aufstellen. Keiner Seele wird in etwas Unrecht getan. Wenn es das Gewicht eines Senfkorns ist, bringen wir es her. Wir genügen als Abrechner.
  48. 48Wir haben Moses und Aaron die Unterscheidung gegeben, ein Licht und eine Ermahnung für die Gottesfürchtigen,
  49. 49die ihren Herrn im Verborgenen fürchten und vor der Stunde besorgt sind.
  50. 50Dies ist eine gesegnete Ermahnung, die wir herabgesandt haben. Wollt ihr sie leugnen?
  51. 51Wahrlich, wir gaben Abraham seinen rechten Verstand vorher. Wir kannten ihn.
  52. 52Als er zu seinem Vater und seinem Volk sagte: Was sind diese Bildwerke, denen ihr aufmerksam ergeben seid?
  53. 53Sie sagten: Wir haben unsere Väter gefunden, die ihnen dienten.
  54. 54Er sagte: Wahrlich, ihr und eure Väter waren in deutlicher Verirrung.
  55. 55Sie sagten: Bist du uns mit der Wahrheit gekommen, oder bist du nur einer der Spielenden?
  56. 56Er sagte: Vielmehr ist euer Herr der Herr der Himmel und der Erde, der sie erschaffen hat. Ich gehöre zu den Bezeugenden dafür.
  57. 57Bei Gott! Ich werde gegen eure Götzen vorgehen, nachdem ihr den Rücken gekehrt habt.
  58. 58Da machte er sie zu Stücken, außer einem großen unter ihnen, vielleicht würden sie sich an ihn wenden.
  59. 59Sie sagten: Wer hat das mit unseren Göttern gemacht? Wahrlich, er ist ein Frevler!
  60. 60Sie sagten: Wir haben einen jungen Mann von ihnen reden hören, der heißt Abraham.
  61. 61Sie sagten: So bringt ihn vor die Augen der Menschen, vielleicht bezeugen sie.
  62. 62Sie sagten: Hast du das mit unseren Göttern gemacht, Abraham?
  63. 63Er sagte: Vielmehr hat es dieser, ihr Größter, getan! Fragt sie, wenn sie reden können.
  64. 64Da kehrten sie zu sich selbst zurück und sagten: Wahrlich, ihr seid die Frevler!
  65. 65Dann wurden sie auf ihre Köpfe gestellt: Du weißt doch, dass diese nicht reden!
  66. 66Er sagte: Dient ihr neben Gott dem, was euch in nichts nützt und in nichts schadet?
  67. 67Pfui euch und dem, was ihr neben Gott dient! Seid ihr nicht verständig?
  68. 68Sie sagten: Verbrennt ihn und steht euren Göttern bei, wenn ihr handeln wollt!
  69. 69Wir sagten: Feuer! Sei kühl und Frieden für Abraham!
  70. 70Sie wollten gegen ihn eine List, doch wir machten sie zu den größten Verlierern.
  71. 71Wir retteten ihn und Lot zu dem Land, das wir für die Welten gesegnet haben.
  72. 72Wir schenkten ihm Isaak und Jakob dazu. Wir machten sie alle zu Rechtschaffenen.
  73. 73Wir machten sie zu Anführern, die auf unseren Befehl rechtleiten. Wir gaben ihnen ein, gute Werke zu tun, das Gebet zu verrichten und das Almosen zu geben. Sie waren uns dienend.
  74. 74Und Lot gaben wir Urteil und Wissen und retteten ihn aus der Stadt, die das Üble tat. Wahrlich, sie waren ein böses, frevelhaftes Volk.
  75. 75Wir ließen ihn in unsere Barmherzigkeit eintreten. Wahrlich, er gehört zu den Rechtschaffenen.
  76. 76Und Noah – als er vorher rief, da antworteten wir ihm. Wir retteten ihn und seine Angehörigen vor der gewaltigen Bedrängnis.
  77. 77Wir halfen ihm gegen das Volk, das unsere Zeichen für eine Lüge erklärt hatte. Wahrlich, sie waren ein schlechtes Volk. Wir ertränkten sie alle zusammen.
  78. 78Und David und Salomo, als sie über das Feld richteten, in das die Schafe einer Gruppe nachts eingebrochen waren. Wir waren Zeugen ihres Urteils.
  79. 79Wir ließen Salomo das verstehen. Beiden gaben wir Urteil und Wissen. Wir machten mit David die Berge dienstbar – sie preisten. Auch die Vögel. Wir taten es.
  80. 80Wir lehrten ihn die Anfertigung von Panzern für euch, um euch vor euren Wüten zu schützen. Seid ihr also dankbar?
  81. 81Und Salomo den Wind, stark wehend, der nach seinem Befehl in das Land zog, das wir gesegnet haben. Wir waren über alles wissend.
  82. 82Und von den Satanen, die für ihn tauchten und andere Arbeit verrichteten. Wir bewachten sie.
  83. 83Und Ijob – als er seinen Herrn rief: Wahrlich, mich hat Plage getroffen, und du bist der Barmherzigste der Barmherzigen.
  84. 84Wir antworteten ihm und nahmen die Plage von ihm. Wir gaben ihm seine Familie und ihresgleichen mit ihnen – als Barmherzigkeit von uns und Erinnerung für die Dienenden.
  85. 85Und Ismael, Idrīs und Dhū l-Kifl – alle gehörten zu den Geduldigen.
  86. 86Wir ließen sie in unsere Barmherzigkeit eintreten. Wahrlich, sie gehörten zu den Rechtschaffenen.
  87. 87Und Dhū n-Nūn – als er zornig hinausging und meinte, wir würden ihn nicht in Bedrängnis bringen. Da rief er in den Finsternissen: Es gibt keinen Gott außer dir. Preis sei dir! Wahrlich, ich gehörte zu den Frevlern.
  88. 88Wir antworteten ihm und retteten ihn aus dem Kummer. So retten wir die Gläubigen.
  89. 89Und Zacharias – als er seinen Herrn rief: Mein Herr, lass mich nicht allein, du bist der beste der Erben.
  90. 90Wir antworteten ihm und schenkten ihm Johannes. Wir machten ihm seine Frau wieder fähig. Wahrlich, sie eilten in den guten Werken und riefen uns aus Verlangen und Furcht an. Sie waren uns demütig.
  91. 91Und die, die ihre Scham bewahrte – wir hauchten in sie von unserem Geist und machten sie und ihren Sohn zu einem Zeichen für die Welten.
  92. 92Wahrlich, dies eure Gemeinschaft ist eine einzige Gemeinschaft. Ich bin euer Herr. So dient mir!
  93. 93Sie haben ihre Sache untereinander zerstückelt. Alle werden zu uns zurückkehren.
  94. 94Wer gute Werke tut und gläubig ist, dessen Bemühen wird nicht geleugnet. Wir schreiben es ihm auf.
  95. 95Verboten ist auf einer Stadt, die wir vernichtet haben, dass sie zurückkehren –
  96. 96bis wenn die Yādschūdsch und Mādschūdsch geöffnet werden, und sie von jeder Anhöhe niedereilen.
  97. 97Das wahre Versprechen ist nahe gekommen. Da werden die Blicke der Ungläubigen starr: Wehe uns! Wir waren in Unachtsamkeit darüber. Vielmehr waren wir Frevler.
  98. 98Wahrlich, ihr und das, was ihr neben Gott anbetet, seid Brennstoff der Hölle. Ihr werdet zu ihr hinkommen.
  99. 99Wären diese Götter, wären sie nicht zu ihr gekommen. Aber alle sind darin ewig.
  100. 100Sie haben darin Stöhnen, und sie hören darin nicht.
  101. 101Wahrlich, die, denen vorher von uns das Schönste vorgeschrieben wurde – sie werden von ihr ferngehalten.
  102. 102Sie hören ihr Rauschen nicht und sind in dem, was ihre Seelen begehren, ewig.
  103. 103Der größte Schrecken betrübt sie nicht. Die Engel empfangen sie: Das ist euer Tag, der euch versprochen wurde.
  104. 104An dem Tag, an dem wir den Himmel rollen, wie eine Schrift für Bücher gerollt wird. Wie wir mit der ersten Schöpfung begonnen haben, so kehren wir sie wieder. Ein Versprechen auf uns. Wir tun es.
  105. 105Wir haben in den Psalmen nach der Ermahnung geschrieben, dass die Erde meinen rechtschaffenen Dienern erben wird.
  106. 106Wahrlich, darin ist eine Übermittlung für ein Volk, das dient.
  107. 107Wir haben dich nur als Barmherzigkeit für die Welten gesandt.
  108. 108Sprich: Mir wird offenbart, dass euer Gott ein einziger Gott ist. Werdet ihr also Muslime sein?
  109. 109Wenn sie sich abwenden, so sprich: Ich habe euch gleichermaßen verkündet. Ich weiß nicht, ob nahe oder fern ist, was euch versprochen wurde.
  110. 110Wahrlich, er kennt das Laute der Rede und kennt, was ihr verbergt.
  111. 111Ich weiß nicht – vielleicht ist es eine Versuchung für euch und Genuss bis zu einer Zeit.
  112. 112Er sagte: Mein Herr, richte mit Wahrheit! Unser Herr ist der Allerbarmer, dessen Hilfe gegen das, was ihr beschreibt, gesucht wird.

Einordnung & Bedeutung

Eine Galerie der Propheten

Sure 21 hat ihren Namen von ihrem Inhalt: Sie zeigt eine ganze Reihe von Propheten. In nicht weniger als 16 Propheten-Namen oder -Anspielungen wird durch die Sure gelaufen – Abraham, Moses, Aaron, Lot, Noah, David, Salomo, Ijob, Ismael, Idrīs, Dhū l-Kifl, Jonas, Zacharias, Johannes, Maria, Jesus.

Die Pointe (Vers 92): „Wahrlich, dies eure Gemeinschaft ist eine einzige Gemeinschaft. Ich bin euer Herr. So dient mir!" Alle Propheten gehören zu einer einzigen Linie. Sie alle haben dieselbe Botschaft verkündet: Es gibt nur einen Gott.

Diese Sicht ist im Islam zentral. Die verschiedenen Religionen sind nicht verschiedene Wahrheiten, sondern verschiedene Stadien einer einzigen Wahrheit. Was uns als Differenz erscheint, ist nach koranischer Sicht das Werk späterer Spaltungen.

Die Erschaffung der Welt nicht zum Spiel (Vers 16)

Vers 16 ist eine philosophisch wichtige Aussage: „Wir haben den Himmel und die Erde und was zwischen ihnen ist nicht zum Spiel erschaffen."

Diese Stelle hat einen tieferen Sinn. Sie wendet sich gegen die Vorstellung, das Universum sei zufällig, sinnlos, nur Material für menschliche Lust. Vielmehr hat die Schöpfung einen Zweck. Wer das Leben als reine Zerstreuung lebt, hat den Sinn der Schöpfung verfehlt.

Vers 17 verschärft: „Hätten wir Zerstreuung nehmen wollen, hätten wir sie aus dem genommen, was bei uns ist – wenn wir es täten." Gott braucht keine Welt zur Unterhaltung. Wenn er eine Welt erschafft, hat sie einen ernsten Zweck.

Der berühmte Universums-Vers (Vers 30)

Vers 30 ist einer der in der modernen muslimischen Wissenschafts-Apologetik meistzitierten Verse: „Sehen die ungläubig sind nicht, dass die Himmel und die Erde zusammenhängend waren und wir sie auseinandertrennten? Wir haben aus dem Wasser jede lebendige Sache gemacht."

Zwei Aussagen werden hier gemacht:

  1. Himmel und Erde waren ursprünglich zusammenhängend (kānatā ratqan – „verbundene Masse") und wurden auseinandergetrennt.
  2. Alles Lebendige wurde aus Wasser gemacht.

Beide Aussagen werden manchmal mit modernen wissenschaftlichen Theorien korreliert – mit dem Urknall (die Trennung von zusammenhängender Ur-Materie) und mit der Wasser-These zur Entstehung des Lebens.

Religionswissenschaftlich vorsichtig gelesen: Der Vers macht eine theologische Aussage. Die Welt ist nicht ewig, sie hatte einen Anfang. Sie war erst zusammen, dann auseinandergetrennt. Die genaue Übereinstimmung mit moderner Naturwissenschaft ist nicht der Hauptpunkt.

Abrahams Bildersturm (Verse 51–73)

Verse 51–73 erzählen ausführlich die Geschichte Abrahams gegen die Götzen seines Volkes. Klassisch verstanden: Abraham wuchs in einer polytheistischen Familie auf (sein Vater Āzar war Götzenmacher). Er erkannte schon als junger Mann, dass die Götzen nichts sind.

Die zentrale Szene: Abraham zerschlägt heimlich alle Götzen, außer einem großen. Als das Volk zurückkehrt und sieht, was passiert ist, verdächtigt es Abraham. Er gibt zu, weist aber auf den großen Götzen: „Vielmehr hat es dieser, ihr Größter, getan! Fragt sie, wenn sie reden können." (Vers 63)

Das Volk muss eingestehen: Die Götzen reden nicht. Abraham hat sie damit der Lächerlichkeit preisgegeben. Sie können sich nicht einmal selbst verteidigen.

Die Reaktion des Volks ist erwartbar (Vers 68): „Verbrennt ihn und steht euren Göttern bei!"

Vers 69 ist eines der eindrucksvollsten Wunder des Korans: „Wir sagten: Feuer! Sei kühl und Frieden für Abraham!" Gott befiehlt dem Feuer direkt. Es brennt nicht. Klassische Auslegungen erzählen, Abraham habe Tage im Feuer verbracht, ohne Schaden zu nehmen.

Diese Stelle ist im islamischen Verständnis ein Modell. Wer für die Wahrheit eintritt, kann auf Gottes Schutz hoffen – auch im Feuer. Das ist die Botschaft.

Der „Mann im Fisch" (Verse 87–88)

Verse 87–88 erzählen knapp die Geschichte Jonas. Der Name Jonas wird hier nicht direkt genannt – er heißt „Dhū n-Nūn" – „der mit dem Fisch".

Jonas ging zornig fort von seinem Auftrag – er hatte sein Volk angekündigt zu strafen, aber Gott verzögerte. Er rief in den „Finsternissen" (im Bauch des Fisches): „Es gibt keinen Gott außer dir. Preis sei dir! Wahrlich, ich gehörte zu den Frevlern."

Dieses Gebet – „Lā ilāha illā anta, subḥānaka, innī kuntu mina ẓ-ẓālimīn" – ist eines der wichtigsten Bittgebete im Islam. Es wird in Krisensituationen rezitiert. Mohammed soll gesagt haben: „Kein gläubiger Mensch ruft mit diesem Gebet in einer Bedrängnis, ohne dass Gott ihn rettet."

Der berühmte „Barmherzigkeit"-Vers (Vers 107)

Vers 107 ist einer der wichtigsten Verse des Korans über Mohammeds Sendung: „Wir haben dich nur als Barmherzigkeit für die Welten gesandt."

Wörtlich: rahmatan lil-ʿālamīn – „eine Barmherzigkeit für die Welten". Mohammed wird hier als Barmherzigkeit bezeichnet – nicht als Strafe, nicht als Drohung, nicht als Eroberer.

Diese Stelle ist in der zeitgenössischen muslimischen Theologie zentral. Wer behauptet, Mohammed sei mit Gewalt gekommen, widerspricht diesem Vers. Mohammeds Sendung ist nach koranischer Selbstdefinition Barmherzigkeit.

Das Wort „al-ʿālamīn" – „die Welten" – ist universal. Es umfasst alle Geschöpfe: Menschen, Dschinn, Engel, vielleicht sogar Tiere und Pflanzen. Mohammed ist nicht nur für die Muslime Barmherzigkeit, nicht nur für Araber – für alle.

Wie wird die Sure verstanden?

Sure 21 ist eine theologisch und literarisch reiche Sure. Sie verbindet:

  • Schöpfungstheologie (Verse 16–33)
  • Anthropologie der Vergänglichkeit (Verse 34–35)
  • Eine ganze Propheten-Galerie (Verse 48–91)
  • Das Einheits-Konzept der Religion (Vers 92)
  • Den Barmherzigkeits-Vers (Vers 107)

Vers 107 ist im modernen muslimischen Diskurs einer der wichtigsten Anker für eine friedliche Lesart des Islam. Wer das Bild Mohammeds nur durch militärische Stellen liest, übersieht diese Selbstdefinition: Er ist Barmherzigkeit.

Schlüsselbegriffe kurz erklärt

  • Die Propheten (al-anbiyāʾ) – der koranische Begriff für die Linie aller Gesandten – gibt der Sure ihren Namen
  • „Zusammenhängend" – Vers 30 – die ursprüngliche Verbundenheit von Himmel und Erde; modern manchmal mit Urknall korreliert
  • Abrahams Bildersturm – Verse 51–73 – Bild für mutige Auseinandersetzung mit dem Götzendienst
  • „Feuer, sei kühl" – Vers 69 – das Feuer-Wunder bei Abrahams Errettung
  • Dhū n-Nūn – „der mit dem Fisch" – der Prophet Jonas; sein Gebet im Fischbauch ist im Islam zentral
  • „Barmherzigkeit für die Welten" – Vers 107 – die zentrale koranische Selbstdefinition Mohammeds als Barmherzigkeit
  • „Dies eure Gemeinschaft ist eine einzige" – Vers 92 – alle Propheten und ihre Anhänger als eine Linie