Alle 114 Suren des Korans

Sure 24: Das Licht (An-Nūr)

Sure 24 von 114, 64 Verse

Sure 24 heißt arabisch An-Nur, auf Deutsch Das Licht, und hat in der Kairoer Zählung 64 Verse. Sie gilt als medinisch. Sie enthält Strafbestimmungen zu Unzucht und Verleumdung, Verse zu einer Verleumdung im Umfeld des Propheten, Regeln für das Zusammenleben und die Kleidung und den Lichtvers 35, nach dem sie benannt ist.

1 Eine Sure, die wir herabsandten und zum Gesetz erhoben! Und wir sandten deutliche Zeichen in ihr herab, damit ihr euch ermahnen lasst.

2 Die Unzüchtige und den Unzüchtigen, geißelt jeden von beiden mit hundert Hieben; und nicht soll euch Mitleid erfassen zuwider dem Urteil Allahs, wenn ihr an Allah glaubt und an den jüngsten Tag. Und eine Anzahl der Gläubigen soll Zeuge ihrer Strafe sein.

3 Der Unzüchtige soll nur eine Unzüchtige heiraten oder eine Heidin; und die Unzüchtige soll nur einen Unzüchtigen heiraten oder einen Heiden. Und verwehrt ist solches den Gläubigen.

4 Diejenigen, welche züchtige Frauen verleumden und danach nicht vier Zeugen beibringen, die geißelt mit achtzig Hieben und nehmt nie mehr ihr Zeugnis an, denn es sind Frevler,

5 Außer jenen, welche danach bereuen und sich bessern; denn siehe Allah ist wahrlich verzeihend und barmherzig.

6 Und diejenigen, welche ihre Gattinnen verleumden und keine Zeugen haben außer sich selber, viermal soll ein jeder sein Zeugnis vor Allah beteuern, dass er wahrhaftig ist,

7 Und zum fünften Mal, dass Allahs Fluch auf ihn komme, wenn er ein Lügner sei.

8 Aber abwenden soll es die Strafe von ihr, wenn sie viermal vor Allah bezeugt, dass er ein Lügner ist,

9 Und das fünfte Mal, dass Allahs Zorn auf sie komme, wenn er die Wahrheit gesprochen.

10 Und ohne Allahs Huld und Barmherzigkeit gegen euch, und wäre Allah nicht vergebend und weise ... (so hätte er sofortige Strafe verhängt.)

11 Siehe, diejenigen, welche die Lüge aufbrachten, eine Anzahl von euch, erachtet es nicht für ein Übel für euch; nein es ist gut für euch. Jedem Mann von ihnen soll sein, was er verdient hat an Sünde, und derjenige, welcher es übernahm sie zu vergrößern, soll gewaltige Strafe empfangen.

12 Warum, als ihr es hörtet, dachten nicht die gläubigen Männer und Frauen bei sich Gutes und sprachen: "Dies ist eine offenkundige Lüge?"

13 Warum brachten sie nicht vier Zeugen hierfür? Doch da sie die Zeugen nicht brachten, sind sie vor Allah Lügner.

14 Und ohne Allahs Huld zu euch und seine Barmherzigkeit im Diesseits und im Jenseits hätte euch für eure Ausstreuung eine gewaltige Strafe getroffen, als ihr es mit euren Zungen äußertet und mit eurem Mund spracht, wovon ihr kein Wissen hattet und es für ein Leichtes hieltet, wo es vor Allah schwer ist.

15 Und warum, als ihr es hörtet, spracht ihr nicht: "Es kommt uns nicht zu hierüber zu reden?" Preis dir! Dies ist eine gewaltige Verleumdung.

16 Allah ermahnt euch nie wieder Ähnliches zu tun, wenn ihr gläubig seid.

17 Und Allah macht euch die Zeichen klar, und Allah ist wissend und weise.

18 Siehe diejenigen, welche Gefallen daran finden, dass Schändliches ruchbar wird von den Gläubigen, sollen schmerzliche Strafe empfangen,

19 Im Diesseits und im Jenseits; und Allah weiß, doch ihr wisst nicht.

20 Und ohne Allahs Huld gegen euch und seine Barmherzigkeit, und wäre Allah nicht gütig und barmherzig, ... (hätte er euch sofort gestraft.)

21 O ihr, die ihr glaubt, folgt nicht den Fußstapfen des Satans, denn wer den Fußstapfen des Satans folgt, siehe er heißt euch Schandbares und Verbotenes. Und ohne Allahs Huld gegen euch und seine Barmherzigkeit, würde kein einziger von euch rein sein. Jedoch reinigt Allah wen er will, und Allah ist hörend und wissend.

22 Und nicht sollen die Vermögenden und Begüterten unter euch schwören, nichts mehr ihren Verwandten und den Armen und denen, die in Allahs Weg ausgewandert sind, zu geben, sondern sie sollen vergeben und verzeihen. Wünscht ihr nicht, dass Allah euch vergebe? Und Allah ist vergebend und barmherzig.

23 Siehe, diejenigen welche züchtige Frauen, die unbedacht aber doch gläubig sind, verleumden, sind verflucht im Diesseits und im Jenseits und empfangen gewaltige Strafe.

24 Eines Tages werden ihre Zungen und ihre Hände und Füße gegen sie zeugen für ihr Tun.

25 An jenem Tag wird Allah ihnen nach Gebühr zahlen, und sie sollen erfahren, dass Allah die offenkundige Wahrheit ist.

26 Schlechte Frauen für schlechte Männer und schlechte Männer für schlechte Frauen, und gute Frauen für gute Männer und gute Männer für gute Frauen. Diese werden rein sein von dem, was sie über sie sprechen, Vergebung und eine hehre Versorgung!

27 O ihr, die ihr glaubt, geht nicht ein in Häuser, die nicht eure Häuser sind, bevor ihr um Erlaubnis gebeten und ihre Bewohner begrüßt habt. Solches ist besser für euch; vielleicht lasst ihr euch ermahnen.

28 Und wenn ihr niemand darin findet, so tretet nicht eher ein, als bis euch Erlaubnis gegeben wurde; und wenn zu euch gesprochen wird: "Kehrt um!" so kehrt um; das ist reiner für euch. Und Allah weiß, was ihr tut.

29 Es ist keine Sünde, wenn ihr unbewohnte Häuser betretet, in denen ihr Bequemlichkeit findet. Und Allah weiß, was ihr offen tut und was ihr verbergt.

30 Sprich zu den Gläubigen, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Scham hüten. Das ist reiner für sie. Siehe Allah kennt ihr Tun.

31 Und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke niederschlagen und ihre Scham hüten und dass sie nicht ihre Reize zur Schau tragen, es sei denn, was außen ist, und dass sie ihren Schleier über ihren Busen schlagen und ihre Reize nur ihren Ehegatten zeigen oder ihren Vätern oder den Vätern ihrer Ehegatten oder ihren Söhnen oder den Söhnen ihrer Ehegatten oder ihren Brüdern oder den Söhnen ihrer Brüder oder den Söhnen ihrer Schwestern oder ihren Frauen oder denen, die ihre Rechte besitzt, oder ihren Dienern, die keinen Trieb haben, oder Kindern, welche die Blöße der Frauen nicht beachten. Und sie sollen nicht ihre Füße zusammenschlagen, damit nicht ihre verborgene Zierat bekannt wird. Und bekehrt euch zu Allah allesamt, o ihr Gläubigen; vielleicht ergeht es euch wohl.

32 Und verheiratet die Ledigen unter euch und eure braven Diener und Mägde. Wenn sie arm sind, wird Allah sie reich machen aus seinem Überfluss, denn Allah ist allumfassend und wissend.

33 Und diejenigen, welche niemand zur Ehe finden, mögen keusch leben, bis Allah sie aus seinem Überfluss reich macht. Und diejenigen von denen, die eure Rechte besitzt, und die ein Schriftstück begehren, schreibt es ihnen, wenn ihr Gutes in ihnen wisst, und gebt ihnen von Allahs Gut, das er euch gegeben. Und zwingt nicht eure Sklavinnen zur Unzucht, wenn sie keusch leben wollen, im Trachten nach dem Gewinn des irdischen Lebens. Und wenn sie einer zwingt, siehe, so ist Allah, nachdem sie gezwungen wurden, vergebend und barmherzig.

34 Und wahrlich wir sandten zu euch deutliche Zeichen und einen Fall, wie er sich ähnlich mit denen, die vor euch hingingen, zutrug und eine Ermahnung für die Gottesfürchtigen.

35 Allah ist das Licht der Himmel und der Erde. Sein Licht ist gleich einer Nische, in der sich eine Lampe befindet; die Lampe ist in einem Glas, und das Glas gleich einem flimmernden Stern. Es wird angezündet von einem gesegneten Baum, einem Ölbaum, weder vom Osten noch vom Westen, dessen Öl fast leuchtete, auch wenn es kein Feuer berührte, ein Licht über Licht! Allah leitet zu seinem Licht, wen er will, und Allah macht Gleichnisse für die Menschen, und Allah kennt alle Dinge.

36 In den Häusern, in denen Allah erlaubt hat, dass er erhöht und sein Name verkündet werde, preisen ihn des Morgens und Abends

37 Männer, die weder Ware noch Handel abhält von dem Gedanken an Allah und der Verrichtung des Gebets und dem Zahlen der Armensteuer, aus Furcht vor einem Tag, an dem sich die Herzen und die Blicke verdrehen,

38 Damit sie Allah belohne für ihre schönsten Werke und ihnen seine Huld mehre. Und Allah versorgt wen er will ohne Maß.

39 Die Werke der Ungläubigen aber gleichen der Luftspiegelung in einer Ebene, die der Dürstende für Wasser hält, bis dass, wenn er zu ihr kommt, er nichts findet; doch findet er, dass Allah bei ihm ist, und Allah zahlt ihm seine Rechnung voll aus, denn Allah ist schnell im Rechnen.

40 Oder gleich den Finsternissen auf hoher See, die eine Woge deckt, über der eine Woge ist, über der sich Wolken befinden, Finsternisse, die einen über die anderen, wenn einer seine Hand ausstreckt, sieht er sie kaum. Und wem Allah kein Licht gibt, der hat kein Licht.

41 Sahst du nicht, dass Allah, es preisen ihn alle in den Himmeln und auf Erden und die Vögel, ihre Schwingen breitend. Jedes kennt sein Gebet und seine Lobpreisung, und Allah weiß, was sie tun.

42 Und Allahs ist das Reich der Himmel und der Erde, und zu Allah ist der Heimgang.

43 Sahst du nicht, dass Allah die Wolken treibt und sie dann wieder versammelt und sie dann aufhäuft? Und du siehst den Regen mitten aus ihnen herauskommen. Und er sendet Berge vom Himmel hernieder, erfüllt mit Hagel, und er trifft damit wen er will und wendet sie ab von wem er will. Der Glanz seines Blitzes raubt fast die Blicke!

44 Allah lässt wechseln die Nacht und den Tag; siehe hierin ist wahrlich eine Lehre für die Verständigen.

45 Und Allah erschuf alle Tiere aus Wasser; und unter ihnen sind einige, die auf ihrem Bauch und andere, die auf zwei Füßen und andere die auf Vieren gehen. Allah schafft, was er will; siehe Allah hat Macht über alle Dinge. (Flügel 44)

46 Wahrlich wir sandten deutliche Zeichen herab, und Allah leitet, wen er will, auf den rechten Pfad. (Flügel 45)

47 Sie werden sprechen: "Wir glauben an Allah und an seinen Gesandten und gehorchen;" dann aber wendet sich ein Teil von ihnen ab, und dies sind keine Gläubigen. (Flügel 46)

48 Und wenn sie zu Allah und seinem Gesandten eingeladen werden, dass er zwischen ihnen entscheide, dann kehrt sich ein Teil von ihnen ab. (Flügel 47)

49 Wäre aber die Wahrheit auf ihrer Seite, sie kämen zu ihm in Unterwürfigkeit. (Flügel 48)

50 Ist etwa in ihren Herzen Krankheit, oder zweifeln sie oder fürchten sie, dass Allah und sein Gesandter ungerecht gegen sie sein würden? Nein, sie sind es, die ungerecht handeln. (Flügel 49)

51 Die Rede der Gläubigen, wenn sie zu Allah und seinem Gesandten eingeladen werden, dass er zwischen ihnen richte, ist nur, dass sie sprechen: "Wir hören und gehorchen." Und sie sind es, denen es wohl ergeht. (Flügel 50)

52 Und wer Allah und seinem Gesandten gehorcht und Allah scheut und fürchtet, sie sind es, die glückselig sind. (Flügel 51)

53 Und sie schworen bei Allah ihren heiligsten Eid, dass sie, wenn du ihnen Befehl gäbest, gewisslich ausziehen würden. Sprich: "Schwört nicht; Gehorsam ist geziemend; siehe Allah weiß was ihr tut." (Flügel 52)

54 Sprich: "Gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten." Und wenn ihr den Rücken kehrt, so ruht auf ihm nur seine Bürde und auf euch eure Bürde; und wenn ihr ihm gehorcht, seid ihr rechtgeleitet, und dem Gesandten liegt nur die deutliche Predigt ob. (Flügel 53)

55 Verheißen hat Allah denen von euch, die glauben und das Rechte tun, dass er sie zu Nachfolgern auf Erden einsetzen wird, wie er denen, die vor ihnen lebten, die Nachfolge gewährte, und dass er für sie ihre Religion, die er für sie gutgeheißen hat, befestigen will, und dass er ihnen nach ihrer Furcht Sicherheit zum Tausch geben will. "Sie sollen mir dienen; sie sollen mir nichts an die Seite stellen. Und wer nach diesem ungläubig ist, das sind die Missetäter." (Flügel 54)

56 Und verrichtet das Gebet und zahlt die Armensteuer und gehorcht dem Gesandten; vielleicht findet ihr Barmherzigkeit. (Flügel 55)

57 Wähne nicht, dass die Ungläubigen (Allah) auf Erden machtlos machen können. Ihre Herberge ist das Feuer, und schlimm ist die Fahrt (dorthin). (Flügel 56)

58 O ihr, die ihr glaubt, lasst euch dreimal um Erlaubnis bitten (um Eintritt) von denen, die eure Rechte besitzt, und denen von euch, die noch nicht die Reife erlangt haben: vor dem Gebet der Morgenfrühe und zur Zeit, da ihr eure Kleider am Mittag ablegt und nach dem Abendgebet, eure drei Blößen. Euch und sie trifft jedoch keine Sünde nach diesen (Zeiten), wo sich der eine von euch um den anderen zu schaffen macht. So macht euch Allah seine Zeichen klar, und Allah ist wissend und weise. (Flügel 57)

59 Und wenn eure Kinder die Reife erlangt haben, so sollen sie euch um Erlaubnis bitten, wie die, welche vor ihnen waren, um Erlaubnis baten. So macht euch Allah seine Zeichen klar, und Allah ist wissend und weise. (Flügel 58)

60 Und eure Matronen, die nicht mehr auf Heirat hoffen, begehen keine Sünde, wenn sie ihre Kleider ablegen, ohne ihre Zierde zu enthüllen. Doch ist es besser für sie, sich dessen zu enthalten; und Allah ist hörend und wissend. (Flügel 59)

61 Es ist kein Vergehen für den Blinden und kein Vergehen für den Lahmen und kein Vergehen für den Kranken und für euch selber, in euren Häusern oder den Häusern eurer Väter oder den Häusern eurer Mütter oder den Häusern eurer Brüder oder den Häusern eurer Schwestern oder den Häusern eurer Vatersbrüder oder den Häusern eurer Vaterschwestern oder den Häusern eurer Mutterbrüder oder in denen, deren Schlüssel ihr besitzt, oder eures Freundes, zu essen. Ihr begeht keine Sünde, ob ihr zusammen oder gesondert esst. Und wenn ihr in ein Haus tretet, so begrüßt einander mit einem Gruß von Allah, einem gesegneten, guten. So macht euch Allah seine Zeichen klar, damit ihr begreift. (Flügel 60 bis 61)

62 Gläubige sind nur, die an Allah und seinen Gesandten glauben und, wenn sie bei ihm wegen einer Angelegenheit versammelt sind, nicht eher fortgehen, als bis sie ihn um Erlaubnis gefragt haben. Siehe diejenigen, die dich um Erlaubnis fragen, das sind die, welche an Allah und an seinen Gesandten glauben. Und wenn sie dich um Erlaubnis zu einem ihrer Geschäfte bitten, so gib sie wem du willst von ihnen und bitte Allah für sie um Verzeihung. Siehe Allah ist verzeihend und barmherzig.

63 Macht nicht die Anrede an den Gesandten unter euch gleich eurer Anrede untereinander. Allah kennt diejenigen unter euch, die sich unvermerkt davonmachen, (hinter anderen) Schutz suchend. Und hüten sollen sich jene, die sich seinem Befehl widersetzen, dass sie nicht von Prüfung heimgesucht oder von schmerzlicher Strafe betroffen werden.

64 Ist nicht Allahs was in den Himmeln und auf Erden ist? Er kennt euren Zustand, und eines Tages werden sie zu ihm zurückgebracht, und er wird ihnen ankündigen, was sie getan. Und Allah weiß alle Dinge.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 24 heißt arabisch An-Nur, "Das Licht", nach dem Lichtvers 35. Henning überschreibt sie mit "Das Licht" [1]. Sie ist die 24. Sure und hat nach der Kairoer Zählung 64 Verse [2]. Die Überlieferung, wie Tanzil sie wiedergibt, führt sie ohne Ausnahmeverse als medinisch und setzt sie an die 102. Stelle der Offenbarung [3]. Theodor Nöldeke zählt sie zu den medinischen Suren. Ihren wichtigsten Teil verbindet er mit einem Ereignis um Aischa, die Frau des Propheten, auf dem Feldzug gegen die Banu l-Mustaliq, den er in das Jahr 6 nach der Auswanderung setzt [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Die Sure beginnt mit dem Satz: "Eine Sure, die wir herabsandten und zum Gesetz erhoben!" (aus 24,1) [1] Ein großer Teil besteht aus Bestimmungen für das Zusammenleben in der Gemeinde.

Inhalt im Überblick

Rechtliche Bestimmungen, die Verse über die Verleumdung, Regeln für Haus und Kleidung und das Gleichnis vom Licht folgen aufeinander.

VerseInhalt
1 bis 3Einleitung, hundert Hiebe für die Unzüchtige und den Unzüchtigen, Bestimmung zur Heirat
4 bis 10wer züchtige Frauen verleumdet und keine vier Zeugen bringt, erhält achtzig Hiebe; Eide, wenn ein Ehemann seine Frau beschuldigt und keine Zeugen hat
11 bis 26"diejenigen, welche die Lüge aufbrachten": Mahnung, Gutes zu denken und Gerüchte nicht weiterzutragen, Strafe für die Verleumder
27 bis 29fremde Häuser nur mit Erlaubnis und Gruß betreten
30 bis 34gläubige Männer und Frauen sollen die Blicke senken und ihre Scham hüten, Regeln für Schmuck und Schleier, Heirat der Ledigen, Schriftstück für Unfreie, Verbot, Sklavinnen zur Unzucht zu zwingen
35 bis 46der Lichtvers, Häuser des Gebets, die Werke der Ungläubigen als Luftspiegelung und Finsternis, Zeichen in Wolken, Regen und Tieren
47 bis 56Gehorsam gegenüber Allah und dem Gesandten, Verheißung der Nachfolge auf Erden
57 bis 61um Erlaubnis bitten zu drei Tageszeiten, ältere Frauen, gemeinsames Essen in Häusern von Verwandten, der Gruß
62 bis 64Versammlungen beim Gesandten, die Anrede an ihn

Der Lichtvers beginnt: "Allah ist das Licht der Himmel und der Erde. Sein Licht ist gleich einer Nische, in der sich eine Lampe befindet; die Lampe ist in einem Glas, und das Glas gleich einem flimmernden Stern." (aus 24,35) [1]

Wie die Sure verstanden wird

Mehrere Verse dieser Sure werden unterschiedlich ausgelegt: die Strafe in Vers 2, die Verse 11 bis 26 und die Kleiderregel in Vers 31.

Klassische Auslegung

Ibn Kathir bezieht die hundert Hiebe in Vers 2 auf Unverheiratete und nennt nach einem Hadith zusätzlich ein Jahr Verbannung. Für Verheiratete nennt er die Steinigung und stützt sich dafür auf die Sunna und eine Rede Umars, überliefert bei Malik. Das Verbot des Mitleids versteht er so, dass natürliches Mitgefühl erlaubt ist; untersagt sei ein Mitleid, das die Strafe ganz unterbleiben lässt [5].

Die Verse 11 bis 26 bezieht Ibn Kathir auf eine Verleumdung Aischas. Sie war auf einem Feldzug zurückgeblieben, weil sie ihre Halskette suchte, und wurde von Safwan ibn al-Mu'attal zum Heer zurückgebracht. Als Urheber des Gerüchts nennt Ibn Kathir Abdallah ibn Ubayy. Durch die Offenbarung sei Aischa für unschuldig erklärt worden [6].

Zu Vers 31 erklärt Ibn Kathir, das arabische Wort khimar bezeichne ein Tuch, das den Kopf bedeckt; die Frauen sollten es über Hals und Brust ziehen. Das Sichtbare, das nach dem Vers gezeigt werden darf, deutet Ibn Mas'ud als Kleidung und Obergewand [7]. Im Lichtvers sieht Ibn Abbas Allah als den, der die Bewohner der Himmel und der Erde leitet. Nach Ubayy ibn Ka'b stehen die Lampe für den Koran und den Glauben im Herzen und das Glas für das Herz des Gläubigen [8].

Heutige muslimische Stimmen

Tariq Ramadan trat nach einem Interview der Irish Times vom 10.09.2005 für ein Moratorium für die Todesstrafe, die Steinigung von Ehebrecherinnen und Körperstrafen wie Amputationen in muslimischen Ländern ein. Nach eigener Darstellung wollte er damit unter Muslimen eine Tür öffnen und sprach im Namen der Treue zum Ziel der Gerechtigkeit. Nach dem Bericht wurde er in Frankreich kritisiert, weil er nicht die vollständige Abschaffung forderte, und viele Muslime betrachteten den Vorstoß als Versuch, die Scharia zu ändern, und begegneten ihm mit Misstrauen [10]. Der Artikel nennt keinen Koranvers. Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide, im Bericht als Leiter des Zentrums für Islamische Theologie in Münster genannt, sagte 2015 auf dem Evangelischen Kirchentag in Stuttgart, bei Koranversen, die zu Körperstrafen oder kriegerischer Gewalt aufrufen, sei der historische Kontext zu berücksichtigen, sonst bestehe die Gefahr, diese Stellen zu instrumentalisieren. Auch dieser Bericht nennt keine bestimmte Sure [11].

Islamwissenschaft

Zur Kleiderregel sagt die Islamwissenschaftlerin Catharina Rachik, die zur Zeit des Berichts (2016) am Zentrum für Islamische Theologie in Münster ihre Doktorarbeit schrieb und an einem historisch-kritischen Korankommentar arbeitete: "Der Koran sagt nicht explizit, Kopftuch oder Burka sind Pflicht." Was mit den "Reizen" gemeint ist, führe der Vers nicht aus; je nach Auslegung seien es Haare, Augen, Hände oder sogar die gesamte Aura der Frau [9]. Nach demselben Bericht stellte das Bundesverfassungsgericht 2015 fest, dass der genaue Inhalt der Kleidungsvorschriften unter islamischen Gelehrten umstritten ist [9].

Nach Nöldeke stammt Vers 2 wahrscheinlich aus dem Jahr 6 [4]. Die Verse 4 und 5, wahrscheinlich auch 1 bis 3, und die Verse 10 bis 26 seien etwa einen Monat nach der Rückkehr von jenem Feldzug entstanden. Für die Geschichte um Aischa gebe es im Grunde nur eine einzige Überlieferung, die auf Aischa selbst zurückgeht, in mehreren Fassungen. Die Verse 6 bis 9 hält er für später hinzugefügt; die Überlieferung verbindet sie mit zwei Männern, die ihre Frauen beschuldigten. Die Regeln über Anstand und Sitte in den Versen 27 bis 33 und 57 bis 61 seien wohl durch das Ereignis um Aischa mit veranlasst. Die Verse 46 bis 56 gehören nach ihm in die Zeit zwischen der Schlacht am Uhud und dem Ende des Grabenkriegs; auch für die Verse 62 bis 64 hält er das Jahr des Grabenkampfs für nicht unwahrscheinlich [4].

Verwandte Seiten: Frauen im Koran, Ehe und Familie im Koran und Recht und Gerechtigkeit im Koran. Sie folgt auf Sure 23, Die Gläubigen und steht vor Sure 25, Die Unterscheidung.

  1. Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Geschichte des Qorâns, S. 121, 147 und 156 f.. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  5. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: An-Nur Ayah 2. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: An-Nur Ayah 11. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: An-Nur Ayah 31. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: An-Nur Ayah 35. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Keine eindeutigen Vorschriften zu Kopftuch und Burka im Koran. evangelisch.de (epd, Wiebke Rannenberg). Stand 17.03.2016. abgerufen am 29.10.2026
  10. Falling between two schools. The Irish Times. Stand 10.09.2005. abgerufen am 29.10.2026
  11. Islamprofessor Khorchide: Koran sollte entschärft werden. evangelisch.de (epd). Stand 06.06.2015. abgerufen am 29.10.2026

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