Alle 114 Suren des Korans
Sure 26: Die Dichter (Asch-Schuʿarāʾ)
Sure 26 von 114, 227 Verse
Sure 26 heißt arabisch Asch-Schu'ara, auf Deutsch Die Dichter, und hat in der Kairoer Zählung 227 Verse. Sie gilt als mekkanisch. Sie erzählt nacheinander von sieben Gesandten, deren Völker sie der Lüge bezichtigten, und endet mit Versen über die Offenbarung in arabischer Sprache und über die Dichter.
1 T. S. M.
2 Das sind die Zeichen des deutlichen Buches. (Flügel 1)
3 Vielleicht härmst du deine Seele zu Tode, dass sie nicht gläubig werden. (Flügel 2)
4 Wenn wir wollten, hinab sendeten wir auf sie vom Himmel ein Zeichen, und ihre Nacken beugten sich ihm unterwürfig. (Flügel 3)
5 Aber keine neue Mahnung kommt zu ihnen vom Erbarmer, von der sie sich nicht abwendeten, (Flügel 4)
6 Und die sie nicht für Lüge erklärten; aber wahrlich kommen wird zu ihnen eine Kunde von dem, was sie verspotteten. (Flügel 5)
7 Schauten sie denn nicht die Erde an, wie viel wir auf ihr sprießen ließen von jeglicher edlen Art? (Flügel 6)
8 Siehe hierin ist wahrlich ein Zeichen, und doch sind die meisten von ihnen nicht gläubig. (Flügel 7)
9 Und siehe dein Herr, wahrlich er ist der Mächtige, der Barmherzige. (Flügel 8)
10 Und da dein Herr Moses rief: "Gehe zu dem sündigen Volk, (Flügel 9)
11 Dem Volk Pharaos, ob sie mich nicht fürchten," (Flügel 10)
12 Sprach er: "Mein Herr, ich fürchte, dass sie mich der Lüge bezichtigen; (Flügel 11)
13 Und meine Brust ist beengt, und meine Zunge ist schwer. Darum schicke zu Aaron; (Flügel 12)
14 Und auf mir lastet eine Schuld gegen sie, und ich fürchte, sie bringen mich um." (Flügel 13)
15 Er sprach: "Keineswegs. Geht nur beide hin mit unseren Zeichen; siehe wir sind bei euch und hören auf euch. (Flügel 14)
16 Und geht zu Pharao und sprecht: 'Siehe, wir sind Gesandten des Herrn der Welten, (Flügel 15)
17 Dass du mit uns die Kinder Israel entsendest.'" (Flügel 16)
18 Er sprach: "Erzogen wir dich nicht unter uns als Kind? Und du verweiltest Jahre deines Lebens unter uns, (Flügel 17)
19 Und tatest die Tat, die du getan! Du bist ein Undankbarer!" (Flügel 18)
20 Er sprach: "Ich tat es wohl, doch war ich ein Irrender. (Flügel 19)
21 Und ich floh von euch, da ich euch fürchtete; und es schenkte mir mein Herr Weisheit und machte mich zu einem der Gesandten. (Flügel 20)
22 Und das ist die Huld, die du mir erwiesest, dass du die Kinder Israel knechtetest!" (Flügel 21)
23 Sprach Pharao: "Und was ist der Herr der Welten?" (Flügel 22)
24 Er sprach: "Der Herr der Himmel und der Erde und was zwischen beiden ist, wenn ihr dies glaubt." (Flügel 23)
25 Er sprach zu denen, die um ihn waren: "Hört ihr nicht?" (Flügel 24)
26 Er sprach: "Euer Herr und der Herr eurer Vorväter." (Flügel 25)
27 Er sprach: "Euer Gesandter, der zu euch entsandt wurde, ist wahrlich besessen." (Flügel 26)
28 Er sprach: "Der Herr des Ostens und des Westens und was zwischen beiden ist, wenn ihr begreift." (Flügel 27)
29 Er sprach: "Wahrlich, wenn du einen anderen Gott als mich annimmst, so sperre ich dich ein." (Flügel 28)
30 Er sprach: "Wie, wenn ich mit offenkundiger Sache zu dir komme?" (Flügel 29)
31 Er sprach: "So gib sie her, wenn du wahrhaftig bist." (Flügel 30)
32 Da warf er seinen Stab hin, und siehe da wurde er ein offenkundiger Drache. (Flügel 31)
33 Und er zog seine Hand heraus, und da war sie weiß für die Zuschauer. (Flügel 32)
34 Er sprach zu den Häuptern um ihn: "Siehe dies ist wahrlich ein kundiger Zauberer. (Flügel 33)
35 Er will euch aus eurem Land mit seiner Zauberei treiben. Was befehlt ihr da?" (Flügel 34)
36 Sie sprachen: "Halte ihn und seinen Bruder hin und schicke in die Städte Versammelnde, (Flügel 35)
37 Dir jeglichen kundigen Zauberer zu bringen." (Flügel 36)
38 Da wurden die Zauberer versammelt zu verabredeter Zeit an festgesetztem Tag, (Flügel 37)
39 Und gesprochen wurde zu den Leuten: "Seid ihr versammelt? (Flügel 38)
40 Vielleicht folgen wir den Zauberern, wenn sie die Siegenden sind." (Flügel 39)
41 Und als die Zauberer kamen, sprachen sie zu Pharao: "Siehe, werden wir einen Lohn haben, wenn wir die Siegenden sind?" (Flügel 40)
42 Er sprach: "Jawohl. Und siehe wahrlich, ihr sollt dann zu den Nahestehenden gehören." (Flügel 41)
43 Es sprach Moses zu ihnen: "Werft hin, was ihr zu werfen habt." (Flügel 42)
44 Da warfen sie hin ihre Stricke und ihre Stäbe und sprachen: "Bei Pharaos Macht, siehe wahrlich wir sind die Siegenden." (Flügel 43)
45 Da warf Moses seinen Stab hin, und da verschlang er ihren Trug. (Flügel 44)
46 Da fielen die Zauberer anbetend nieder. (Flügel 45)
47 Sie sprachen: "Wir glauben an den Herrn der Welten, (Flügel 46)
48 Den Herrn Moses' und Aarons." (Flügel 47)
49 Er sprach: "Glaubt ihr an ihn, bevor ich es euch erlaube? Siehe wahrlich er ist euer Meister, der euch die Zauberei gelehrt hat; und wahrlich ihr sollt (mich) kennenlernen! Wahrlich, ich haue euch eure Hände und Füße wechselseitig ab und kreuzige euch insgesamt." (Flügel 48 bis 49)
50 Sie sprachen: "Kein Leid! Siehe, zu unserem Herrn kehren wir zurück.
51 Siehe, wir hoffen, dass uns unser Herr unsere Sünden verzeihen wird, da wir die ersten Gläubigen sind."
52 Und wir offenbarten Moses: "Zieh fort des Nachts mit meinen Dienern; siehe ihr werdet verfolgt."
53 Und es schickte Pharao in die Städte Versammelnde:
54 "Siehe, diese sind wahrlich ein winziger Haufen,
55 Und wahrlich sie sind ergrimmt gegen uns,
56 Aber wahrlich wir sind eine Menge und auf der Hut."
57 So führten wir sie fort von Gärten und Quellen
58 Und Schätzen und edler Stätte.
59 So (geschah es,) und wir gaben sie zum Erbe den Kindern Israel.
60 Und sie folgten ihnen um Sonnenaufgang.
61 Und da die beiden Scharen einander sahen, sprachen Moses' Gefährten: "Siehe wahrlich, wir sind eingeholt."
62 Er sprach: "Keineswegs; siehe mit mir ist mein Herr; er wird mich leiten."
63 Und da offenbarten wir Moses: "Schlag mit deinem Stab das Meer." Und da spaltete es sich und jeder Teil wurde gleich einem gewaltigen Berg.
64 Und dann brachten wir die anderen heran,
65 Und wir erretteten Moses und die mit ihm insgesamt.
66 Dann ertränkten wir die anderen.
67 Siehe hierin ist wahrlich ein Zeichen; doch die meisten von ihnen glaubten nicht.
68 Und siehe dein Herr, wahrlich er ist der Mächtige, der Barmherzige.
69 Und verlies ihnen die Geschichte Abrahams,
70 Da er zu seinem Vater und seinem Volk sprach: "Was betet ihr an?"
71 Sie sprachen: "Wir beten Götzen an und dienen ihnen den ganzen Tag."
72 Er sprach: "Hören sie euch, wenn ihr sie anruft?
73 Oder nützen oder schaden sie euch?"
74 Sie sprachen: "Nein, doch fanden wir unsere Väter desgleichen tun."
75 Er sprach: "Habt ihr auch wohl bedacht was ihr anbetet,
76 Ihr und eure Vorväter?
77 Denn siehe, sie sind mir Feinde, außer dem Herrn der Welten,
78 Der mich erschuf und mich leitet,
79 Und der mich speist und tränkt;
80 Und wenn ich krank bin, heilt er mich.
81 Und der mich sterben lässt, dann wieder lebendig macht;
82 Und der, wie ich hoffe, mir meine Sünde verzeihen wird am Tag des Gerichts.
83 Mein Herr, gib mir Weisheit und lass mich zu den Rechtschaffenen kommen,
84 Und gib mir einen guten Namen unter den Späteren
85 Und mache mich zu einem der Erben des Gartens der Wonne,
86 Und vergib meinem Vater; siehe, er ist einer der Irrenden.
87 Und tue mir nicht Schande an am Tag der Auferweckung,
88 Am Tag, da weder Gut noch Söhne helfen,
89 Es sei denn, wer zu Allah kommt mit heilem Herzen."
90 Und nahegebracht soll werden das Paradies den Gottesfürchtigen
91 Und sichtbar gemacht der Höllenpfuhl den Verirrten,
92 Und es soll zu ihnen gesprochen werden: "Wo ist das, was ihr anbetetet
93 Außer Allah? Werden sie euch helfen oder wird ihnen geholfen werden?"
94 Und sie sollen kopfüber in sie hinabgestürzt werden, sie und die Verirrten
95 Und Iblis' Scharen insgesamt.
96 Sprechen werden sie, darin miteinander hadernd:
97 "Bei Allah, siehe wir waren wahrlich in offenkundigem Irrtum,
98 Als wir euch mit dem Herrn der Welten gleichsetzten;
99 Und allein die Sünder haben uns verführt.
100 Und wir haben niemand zum Fürsprecher
101 Und keinen warmen Freund;
102 Doch wäre uns eine Rückkehr, dann würden wir gläubig sein."
103 Siehe, hierin ist wahrlich ein Zeichen, und doch glaubten die meisten nicht.
104 Und siehe dein Herr, wahrlich er ist der Mächtige, der Barmherzige.
105 Der Lüge bezichtigte das Volk Noahs die Gesandten,
106 Da ihr Bruder Noah zu ihnen sprach: "Wollt ihr nicht gottesfürchtig sein?
107 Siehe, ich bin euch ein getreuer Gesandter;
108 So fürchtet Allah und gehorcht mir.
109 Und ich verlange dafür keinen Lohn von euch; mein Lohn ist allein beim Herrn der Welten.
110 So fürchtet Allah und gehorcht mir."
111 Sie sprachen: "Sollen wir dir etwa glauben, wo dir das Gesindel (allein) folgt?"
112 Er sprach: "Ich habe kein Wissen von ihrem Tun;
113 Siehe ihre Abrechnung ist allein bei meinem Herrn; begriffet ihr es nur!
114 Und ich bin kein Verstoßer der Gläubigen;
115 Ich bin nichts als ein offenkundiger Warner."
116 Sie sprachen: "Wahrlich, wenn du nicht ein Ende machst, o Noah, so wirst du gesteinigt."
117 Er sprach: "Mein Herr, siehe mein Volk bezichtigt mich der Lüge.
118 Entscheide darum zwischen mir und ihnen und rette mich und die Gläubigen, welche bei mir sind."
119 Und so erretteten wir ihn und die, welche bei ihm waren, in der beladenen Arche;
120 Dann ertränkten wir den Rest der übrigen.
121 Siehe hierin ist wahrlich ein Zeichen, und dennoch glaubten die meisten nicht.
122 Und siehe, dein Herr, wahrlich er ist der Mächtige, der Barmherzige.
123 Der Lüge bezichtigte Ad die Gesandten,
124 Da zu ihnen ihr Bruder Hud sprach: "Wollt ihr nicht gottesfürchtig sein?
125 Siehe ich bin euch ein getreuer Gesandter;
126 So fürchtet Allah und gehorcht mir.
127 Und nicht verlange ich dafür einen Lohn von euch; mein Lohn ist allein bei dem Herrn der Welten.
128 Baut ihr auf jedem Hügel ein Wahrzeichen zur Spielerei,
129 Und errichtet Bauten, dass ihr vielleicht unsterblich seid?
130 Und wenn ihr angreift, greift ihr tyrannisch an?
131 So fürchtet Allah und gehorcht mir,
132 Und fürchtet den, der euch reichlich versorgte mit dem, was ihr wisst,
133 Euch reichlich versorgte mit Vieh und Söhnen
134 Und Gärten und Quellen.
135 Siehe ich fürchte für euch die Strafe eines gewaltigen Tages."
136 Sie sprachen: "Es ist uns gleich, ob du predigst oder nicht predigst,
137 Dies ist nichts anderes als eine Erdichtung der Früheren,
138 Und wir werden keine Strafe erleiden."
139 Und so bezichtigten sie ihn der Lüge, und da vertilgten wir sie. Siehe hierin war wahrlich ein Zeichen, und doch glaubten die meisten von ihnen nicht.
140 Und siehe dein Herr, wahrlich er ist der Mächtige, der Barmherzige.
141 Der Lüge bezichtigte Thamud die Gesandten,
142 Da zu ihnen ihr Bruder Salih sprach: "Wollt ihr nicht gottesfürchtig sein?
143 Siehe ich bin euch ein getreuer Gesandter;
144 So fürchtet Allah und gehorcht mir.
145 Und ich verlange dafür keinen Lohn von euch; mein Lohn ist allein beim Herrn der Welten.
146 Werdet ihr etwa in dem, was hier ist, sicher zurückbleiben?
147 In Gärten und Quellen?
148 Und in Saaten und Palmen mit zarter Blütenscheide?
149 Und aus den Bergen haut ihr euch Wohnungen geschickt aus!
150 So fürchtet Allah und gehorcht mir,
151 Und gehorcht nicht dem Befehl der Übertreter,
152 Die auf Erden Verderben stiften und nicht Heil."
153 Sie sprachen: "Du bist nichts als ein Verzauberter.
154 Du bist nur ein Mensch gleich uns; so gib ein Zeichen her, wenn du wahrhaftig bist."
155 Er sprach: "Diese Kamelin, sie soll einen Trunk haben und ihr sollt einen Trunk haben an einem bestimmten Tag.
156 Doch tut ihr kein Böses an, oder euch erfasst die Strafe eines gewaltigen Tages."
157 Sie aber zerschnitten ihr die Flechsen und bereuten es am Morgen;
158 Und es erfasste sie die Strafe. Siehe, hierin lag wahrlich ein Zeichen, doch glaubten die meisten von ihnen nicht.
159 Und siehe dein Herr, wahrlich, er ist der Mächtige, der Barmherzige.
160 Der Lüge bezichtigte das Volk Lots die Gesandten,
161 Da zu ihnen ihr Bruder Lot sprach: "Wollt ihr nicht (Gott) fürchten?
162 Siehe, ich bin euch ein treuer Gesandter.
163 So fürchtet Allah und gehorcht mir.
164 Und nicht verlange ich dafür einen Lohn von euch, siehe mein Lohn ist allein bei dem Herrn der Welten.
165 Geht ihr zu den Männern aller Welt,
166 Und lasst dahinten was euch euer Herr an Frauen erschaffen? Ja, ihr seid ein übertretendes Volk."
167 Sie sprachen: "Wahrlich, wenn du nicht ein Ende machst, o Lot, wahrlich dann wirst du vertrieben."
168 Er sprach: "Siehe ich bin einer derer, die eure Werke verabscheuen.
169 Mein Herr, errette mich und mein Volk von ihrem Tun."
170 Und wir erretteten ihn und sein Volk insgesamt,
171 Mit Ausnahme einer Alten unter den Zögernden.
172 Dann vertilgten wir die anderen
173 Und ließen auf sie einen Regen regnen, und übel war der Regen der Gewarnten.
174 Siehe, hierin war wahrlich ein Zeichen, doch glaubten die meisten von ihnen nicht.
175 Und siehe dein Herr, wahrlich er ist der Mächtige, der Barmherzige.
176 Der Lüge bezichtigten die Waldbewohner die Gesandten,
177 Da zu ihnen Schoeib sprach: "Wollt ihr nicht (Gott) fürchten?
178 Siehe, ich bin euch ein getreuer Gesandter;
179 So fürchtet Allah und gehorcht mir.
180 Und nicht verlange ich dafür einen Lohn von euch, siehe mein Lohn ist allein bei dem Herrn der Welten.
181 Gebt rechtes Maß und vermindert es nicht.
182 Und wägt mit richtiger Waage
183 Und betrügt nicht die Leute um ihr Gut und tut nicht übel auf der Erde durch Verderbenstiften.
184 Und fürchtet den, der euch erschuf und die früheren Geschlechter."
185 Sie sprachen: "Du bist nichts als einer der Verzauberten.
186 Und du bist nichts als ein Mensch gleich uns, und siehe wir halten dich wahrlich für einen Lügner.
187 Und lass auf uns ein Stück vom Himmel herabfallen, wenn du wahrhaftig bist."
188 Er sprach: "Mein Herr kennt am besten euer Tun."
189 Und so bezichtigten sie ihn der Lüge, und da erfasste sie die Strafe des Tages der Wolke; siehe es war die Strafe eines gewaltigen Tages.
190 Siehe hierin war wahrlich ein Zeichen, doch glaubten die meisten von ihnen nicht.
191 Und siehe dein Herr, wahrlich er ist der Mächtige, der Barmherzige.
192 Und siehe, er ist eine Offenbarung des Herrn der Welten.
193 Hinab kam mit ihm der getreue Geist
194 Auf dein Herz, damit du einer der Warner seist
195 In offenkundiger arabischer Zunge.
196 Und wahrlich, (verkündet) ist er in den Schriften der Früheren.
197 Wird ihnen denn dies kein Zeichen sein, dass ihn die Weisen der Kinder Israel erkennen?
198 Hätten wir ihn hinabgesandt zu einem der Barbaren,
199 Und hätte er ihn ihnen verlesen, sie hätten nicht an ihn geglaubt.
200 So haben wir es in die Herzen der Sünder gefügt:
201 Sie glauben nicht an ihn, bis sie die schmerzliche Strafe erschauen.
202 Und kommen wird sie unversehens über sie, ohne dass sie ihrer gewahr werden.
203 Und so werden sie sprechen: "Wird uns eine Frist gegeben?"
204 Wollen sie denn etwa unsere Strafe herbeiwünschen?
205 Was meinst du wohl? Wenn wir sie noch für Jahre in Freuden leben ließen
206 Und dann zu ihnen käme, was ihnen angedroht wurde,
207 Nicht nützten ihnen dann ihre Freuden, die sie genossen.
208 Und nicht zerstören wir eine Stadt, die nicht Warner gehabt hätte
209 Zur Ermahnung; denn wir sind nicht ungerecht.
210 Und nicht stiegen die Satane mit ihm herab;
211 Nicht schickt es sich für sie, und nicht vermögen sie es.
212 Denn wahrlich sie sind vom Hören fern.
213 Und rufe nicht neben Allah einen anderen Gott an, damit du nicht gestraft wirst.
214 Und warne deine nächste Sippe,
215 Und neige deinen Fittich zu denen, die dir folgen von den Gläubigen.
216 Und wenn sie sich dir widersetzen, so sprich: "Siehe, ich habe nichts mit eurem Tun zu schaffen."
217 Und vertraue auf den Mächtigen, den Barmherzigen,
218 Der dich schaut zur Zeit deines Aufstehens
219 Und deines Hin- und Hergehens unter den Anbetenden.
220 Siehe, er ist der Hörende, der Wissende.
221 Soll ich euch künden von denen, auf welche die Satane herniedersteigen?
222 Herniedersteigen sie auf jeden sündigen Lügner.
223 Sie teilen das Gehörte mit; doch die meisten von ihnen lügen.
224 Und die Dichter, es folgen ihnen die Irrenden.
225 Schaust du nicht, wie sie in jedem Wadi verstört umherlaufen?
226 Und wie sie sprechen was sie nicht tun?
227 Außer denen, welche glauben und das Rechte tun und oft an Allah denken, und sich verteidigen, wenn ihnen Unrecht angetan wurde. Und wissen werden diejenigen, die Unrecht tun, in welcher Weise sie (zu Allah) zurückkehren sollen. (Flügel 227 bis 228)
Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.
Sure 26 heißt arabisch Asch-Schu'ara, "Die Dichter", nach den Versen 224 bis 227. Henning überschreibt sie mit "Die Dichter" [1]. Sie ist die 26. Sure und hat nach der Kairoer Zählung 227 Verse, meist sehr kurze [2][1]. Die Überlieferung, wie Tanzil sie wiedergibt, führt sie als mekkanisch und setzt sie an die 47. Stelle der Offenbarung. Vers 197 und die Verse 224 bis 227 stammen danach aus Medina [3]. Theodor Nöldeke rechnet die Sure zur zweiten mekkanischen Periode und bemerkt, dass sie als erste eine förmliche Überschrift trägt, die ihr Wesen bezeichnet [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).
Die Sure beginnt mit den Buchstaben T. S. M. und dem Satz: "Das sind die Zeichen des deutlichen Buches." (26,2) [1]
Inhalt im Überblick
Den Hauptteil bilden sieben Erzählungen über Gesandte. Jede endet mit einem Kehrvers, dessen Wortlaut leicht schwankt, zum Beispiel: "Siehe, hierin ist wahrlich ein Zeichen" und "Und siehe dein Herr, wahrlich er ist der Mächtige, der Barmherzige." Ab Noah beginnen die Geschichten mit "Der Lüge bezichtigte ..." und lassen den Gesandten sagen: "So fürchtet Allah und gehorcht mir."
| Verse | Inhalt |
|---|---|
| 1 bis 9 | T. S. M., das deutliche Buch, der Kummer des Propheten über die Ungläubigen, Zeichen in den Pflanzen der Erde |
| 10 bis 68 | Moses und Aaron vor Pharao, Stab und Hand, die Zauberer glauben, Auszug bei Nacht, das Meer wird gespalten |
| 69 bis 104 | Abraham fragt Vater und Volk nach ihren Götzen, sein Gebet um Weisheit und Vergebung, Bild des Gerichts |
| 105 bis 122 | Noah und die beladene Arche |
| 123 bis 140 | Hud und das Volk Ad, ihre Bauten auf den Hügeln |
| 141 bis 159 | Salih und Thamud, die Kamelin |
| 160 bis 175 | Lot und sein Volk |
| 176 bis 191 | Schoeib und die Waldbewohner, rechtes Maß und richtige Waage |
| 192 bis 227 | die Offenbarung durch den getreuen Geist "in offenkundiger arabischer Zunge", keine Satane als Überbringer, Warnung an die nächste Sippe, die Dichter |
Die Verse über die Dichter beginnen: "Und die Dichter, es folgen ihnen die Irrenden." (26,224) [1] Vers 227 nimmt die aus, "welche glauben und das Rechte tun und oft an Allah denken" [1].
Wie die Sure verstanden wird
Ausgelegt werden der Schlussteil mit der Frage, ob der Koran die Dichtung verwirft, und der Auftrag "Und warne deine nächste Sippe," (26,214) [1].
Klassische Auslegung
Mit den Dichtern sind nach Ibn Abbas, dem Ibn Kathir folgt, die Ungläubigen gemeint, denen die Irrenden unter Menschen und Dschinn folgen. Der Prophet sei weder Dichter noch Wahrsager gewesen; dazu verweist Ibn Kathir auf Sure 36,69 und 69,40 bis 43 [6]. Nach einem Bericht kamen die Dichter Hassan ibn Thabit, Abdallah ibn Rawaha und Ka'b ibn Malik weinend zum Propheten, und er bezog die Ausnahme in Vers 227 auf sie. Ibn Kathir hält dagegen fest, dass die Sure in Mekka offenbart wurde, und nennt diese Berichte nicht verlässlich. Die Ausnahme könne auch andere Dichter einschließen, etwa solche aus vorislamischer Zeit, die Muslime wurden [6].
Heutige muslimische Theologie
Der Kommentar Ma'arif al-Qur'an stammt von Muhammad Shafi, einem pakistanischen Gelehrten der Deobandi-Schule (1897 bis 1976), und ging aus Vorträgen im Radio Pakistan hervor [8, 9]. Er folgert aus der Ausnahme in Vers 227, dass die Dichtung nicht völlig verurteilt wird. Getadelt sei Dichtung, die zum Ungehorsam gegen Allah anstiftet, vom Gedenken an ihn abhält, Menschen fälschlich herabsetzt oder obszön ist. Dichtung mit weisen Inhalten, Lehren und Mahnungen sei lobenswert, solange sie Koran und Gottesgedenken nicht verdrängt [7].
Islamwissenschaft
Nach dem Kommentar des Corpus Coranicum steht Sure 26 der Sure 20 so nahe, dass beide bald nacheinander verkündet worden sein dürften; Sure 26 führe Sure 20 weiter. Die Geschichte des Moses werde hier zusammenfassend und in raschem Tempo erzählt, im Vordergrund stehe Gottes Macht. Mit dem "deutlichen" Buch sei die sprachliche Verständlichkeit gemeint, die am Schluss mit der arabischen Sprache der Offenbarung (26,195) wieder aufgenommen wird [5]. Die Verse 221 bis 226 sehen nach dem Kommentar wie ein späterer Zusatz aus. Die Ausnahme in Vers 227 sei sicher ein Zusatz; die Aussage über Dichter, die positiv bewertet werden, passe am ehesten nach Medina [5].
Nöldeke widerspricht der Überlieferung, Vers 214 oder die Verse um ihn gehörten zu den allerältesten Versen und enthielten die erste Aufforderung, den Verwandten zu predigen. Stil und Sprache passten nicht zur ältesten Zeit, und Vers 215 setze schon eine kleine Gemeinde der Gläubigen voraus. Die Verse 224 ff. hielten einige für medinisch, weil sie sie auf Dichter bezogen, die in Medina auf der Seite des Propheten standen. Nöldeke sieht sie dagegen im Zusammenhang mit den vorangehenden Versen über die Satane und hält Auseinandersetzungen mit Dichtern schon in Mekka für wahrscheinlich [4].
Zum Weiterlesen: Die Propheten im Koran und Die arabische Sprache des Korans und die Rezitation. Die Moses-Erzählung ausführlicher bietet Sure 20, T. H. Davor steht Sure 25, Die Unterscheidung, danach folgt Sure 27, Die Ameise.
- Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Geschichte des Qorâns, S. 89 und 96 bis 98. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Kommentar zu Sure 26 (asch-Schuʿarāʾ, Die Dichter). Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Corpus Coranicum (Dirk Hartwig, Angelika Neuwirth). Stand Betaversion, ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Ash-Shu'ara Ayah 224. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ma'arif al-Qur'an Tafsir: Ash-Shu'ara Ayah 224. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Muhammad Shafi. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Maariful Quran English (Eintrag zum Verfasser Mufti Shafi Usmani, 1897 bis 1976). Internet Archive. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
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