Alle 114 Suren des Korans

Sure 27: Die Ameise (An-Naml)

Sure 27 von 114, 93 Verse

Sure 27 heißt arabisch An-Naml, auf Deutsch Die Ameise, und hat in der Kairoer Zählung 93 Verse. Sie gilt als mekkanisch. Ihr Mittelstück erzählt von Salomo, der die Sprache der Vögel versteht, von einer Ameise, die ihr Volk warnt, und von der Königin von Saba, die sich am Ende mit Salomo Allah ergibt.

1 T. S. Dies sind die Zeichen des Korans und eines deutlichen Buches:

2 Einer Rechtleitung und einer Freudenbotschaft für die Gläubigen,

3 Die das Gebet verrichten und die Armensteuer zahlen und fest ans Jenseits glauben.

4 Siehe diejenigen, welche nicht ans Jenseits glauben, ausgeschmückt haben wir ihnen ihre Werke, und sie sind in Verblendung.

5 Das sind die, derer eine schlimme Strafe harrt, und im Jenseits sind sie am tiefsten verloren.

6 Und siehe wahrlich du empfingst den Koran von einem Weisen, einem Wissenden.

7 Da Moses zu seiner Familie sprach: "Siehe, ich gewahre ein Feuer. Bringen will ich euch von ihm Kunde, oder ich bringe euch einen Feuerbrand, dass ihr euch wärmt."

8 Und da er zu ihm kam, wurde zu ihm gerufen: "Gesegnet ist, der im Feuer ist und der darum ist; und Preis sei Allah, dem Herrn der Welten!

9 O Moses, siehe ich bin Allah, der Mächtige, der Weise.

10 Und wirf hin deinen Stab!" Und da er ihn sich rütteln sah, als wäre er eine Schlange, kehrte er den Rücken zur Flucht und wendete sich nicht. "O Moses, fürchte dich nicht, siehe bei mir fürchten sich nicht die Entsandten,

11 Es sei denn, wer unrecht tat und danach das Böse mit Gutem vertauscht. Denn siehe, ich bin verzeihend und barmherzig.

12 Und stecke deine Hand in deinen Busen; du wirst sie weiß herausziehen ohne ein Übel: eins von neun Zeichen für Pharao und sein Volk; siehe, sie sind ein frevelndes Volk."

13 Und da unsere Zeichen vor ihren Augen geschahen, sprachen sie: "Dies ist offenkundige Zauberei."

14 Und sie verleugneten sie, obwohl ihre Seelen von ihnen überzeugt waren, in Ungerechtigkeit und Hochmut. Und schau, wie der Ausgang der Missetäter war!

15 Und wahrlich wir gaben David und Salomo Wissen, und sie sprachen: "Das Lob sei Allah, der uns erwählt vor vielen seiner gläubigen Diener!"

16 Und Salomo beerbte David. Und er sprach: "O ihr Leute, gelehrt wurde uns die Sprache der Vögel und gegeben wurde uns von allen Dingen. Siehe, dies ist wahrlich offenkundige Huld."

17 Und es versammelten sich zu Salomo seine Heerscharen von den Dschinn und Menschen und Vögeln, und sie waren in geschlossener Ordnung,

18 Bis, als sie zum Ameisental gelangten, eine Ameise sprach: "O ihr Ameisen, geht hinein in eure Wohnungen, damit euch nicht Salomo und seine Heerscharen zermalmen, ohne dass sie es wissen."

19 Da lächelte er über ihre Worte und sprach: "Mein Herr, treibe mich an, deiner Gnade zu danken, mit der du mich und meine Eltern begnadet hast, und rechtschaffen zu handeln nach deinem Wohlgefallen. Und führe mich ein in deine Barmherzigkeit zu deinen rechtschaffenen Dienern."

20 Und er musterte die Vögel und sprach: "Was sehe ich nicht den Wiedehopf? Ist er etwa abwesend?

21 Wahrlich ich strafe ihn mit strenger Strafe oder schlachte ihn, es sei denn er bringe mir eine offenkundige Entschuldigung."

22 Und er säumte nicht lange und sprach: "Ich gewahrte, was du nicht gewahrtest, und ich bringe dir von Saba gewisse Kunde.

23 Siehe, ich fand eine Frau über sie herrschend, der von allen Dingen gegeben wurde, und sie hat einen herrlichen Thron.

24 Und ich fand sie und ihr Volk die Sonne anbeten an Stelle Allahs; und ausgeschmückt hat ihnen der Satan ihre Werke und hat sie abseits geführt vom Weg, und sie sind nicht rechtgeleitet.

25 Wollen sie nicht Allah anbeten, der zum Vorschein bringt das Verborgene in den Himmeln und auf Erden, und welcher weiß, was sie verbergen und offenkundig tun?

26 Allah, es gibt keinen Gott außer ihm, dem Herrn des herrlichen Thrones."

27 Er sprach: "Wir wollen schauen, ob du die Wahrheit sprachst oder logst.

28 Geh fort mit diesem meinem Brief und wirf ihn vor sie. Dann wende dich ab von ihnen und schau, was sie erwidern."

29 Sie sprach: "O ihr Häupter, siehe zu mir wurde ein edler Brief geworfen.

30 Siehe, er ist von Salomo, und siehe er ist im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen:

31 Erhebt euch nicht gegen mich, sondern kommt als Muslime zu mir."

32 Sie sprach: "O ihr Häupter, ratet mir in meiner Sache; ich entscheide keine Sache, ehe ihr mir nicht Zeugnis ablegt."

33 Sie sprachen: "Wir sind begabt mit Kraft und starker Macht; der Befehl ist jedoch der deine und schau zu, was du gebietest."

34 Sie sprach: "Siehe, wenn Könige eine Stadt betreten, zerstören sie sie und machen die mächtigsten ihrer Bewohner zu den niedrigsten; so tun sie.

35 Und siehe, ich will zu ihnen ein Geschenk senden und will warten was die Gesandten zurückbringen."

36 Und da er zu Salomo kam, sprach er: "Wollt ihr etwa mein Gut vermehren? Aber was mir Allah gegeben, ist besser als was er euch gab. Ihr jedoch freut euch eures Geschenks.

37 Kehre heim zu ihnen, und wahrlich wir werden mit Heerscharen zu ihnen kommen, denen sie nicht widerstehen können, und wir werden sie in Schanden und gedemütigt vertreiben."

38 Er sprach: "O ihr Häupter, wer von euch bringt mir ihren Thron, bevor sie zu mir als Muslime kommen?"

39 Ein Ifrit von den Dschinn sprach: "Ich bringe ihn dir, bevor du dich von deinem Platz erhebst, denn siehe wahrlich, ich bin stark dafür und getreu."

40 Da sprach der, bei dem Wissen von der Schrift war: "Ich bringe ihn dir, bevor dein Blick zu dir zurückkehrt." Und da er ihn vor sich stehen sah, sprach er: "Dies ist eine Huld meines Herrn, mich zu prüfen, ob ich dankbar oder undankbar sei. Und wer dankbar ist, ist nur dankbar zu seinem Besten und wenn einer undankbar ist, siehe, so ist mein Herr reich und großmütig."

41 Er sprach: "Macht ihr ihren Thron unkenntlich; wir wollen sehen, ob sie rechtgeleitet ist oder nicht."

42 Und da sie ankam, wurde gesprochen: "Ist so dein Thron?" Sie sprach: "Es ist so, als ob er es wäre." "Und uns wurde Wissen gegeben vor ihr und wir wurden Muslime.

43 Aber was sie außer Allah verehrte, führte sie abseits; siehe, sie gehörte zum ungläubigen Volk."

44 Gesprochen wurde zu ihr: "Tritt ein in die Burg." Und da sie sie sah, hielt sie sie für einen See und entblößte ihre Schenkel. Er sprach: "Siehe, es ist eine Burg, getäfelt mit Glas." Sie sprach: "Mein Herr, siehe, ich sündigte gegen mich selber, und ich ergebe mich mit Salomo Allah, dem Herrn der Welten." (Flügel 44 bis 45)

45 Und wahrlich wir entsandten zu Thamud ihren Bruder Salih: "Dient Allah." Und siehe sie wurden zwei streitende Parteien. (Flügel 46)

46 Er sprach: "O mein Volk, warum sucht ihr das Böse vor dem Guten herbeizuführen? Warum bittet ihr nicht Allah um Verzeihung? Vielleicht findet ihr Barmherzigkeit." (Flügel 47)

47 Sie sprachen: "Wir ahnen Böses von dir und denen, die mit dir sind." Er sprach: "Euer Omen ist bei Allah; ja, ihr seid ein Volk, das auf die Probe gestellt wird." (Flügel 48)

48 Und es befanden sich in der Stadt neun Glieder einer Familie, welche im Land Verderben anrichteten und nicht das Rechte taten. (Flügel 49)

49 Sie sprachen: "Schwört einander bei Allah, dass wir ihn und seine Familie des Nachts überfallen. Dann wollen wir zu seinem nächsten Verwandten sagen: 'Wir waren nicht Zeugen des Untergangs seiner Familie; und siehe wir sind wahrlich wahrhaft.'" (Flügel 50)

50 Und sie planten eine List und wir planten eine List, ohne dass sie dessen gewahr wurden. (Flügel 51)

51 Und schau, wie das Ende ihrer List war. Wir vernichteten sie und ihr Volk insgesamt, (Flügel 52)

52 Und jene ihre Häuser wurden wüst für ihre Sünden; siehe hierin ist ein Zeichen für Leute von Wissen. (Flügel 53)

53 Und wir erretteten diejenigen, welche glaubten und gottesfürchtig waren. (Flügel 54)

54 Und (gedenke) Lots, da er zu seinem Volk sprach: "Tretet ihr an die Schandbarkeit mit sehenden Augen heran? (Flügel 55)

55 Ist es, dass ihr euch in Lüsten den Männern naht anstatt der Frauen? Ja, ihr seid ein törichtes Volk!" (Flügel 56)

56 Und die Antwort seines Volkes war nur die, dass sie sprachen: "Vertreibt Lots Familie aus eurer Stadt; siehe, es sind Leute, die sich für rein halten." (Flügel 57)

57 Und wir retteten ihn und sein Volk mit Ausnahme seiner Frau, die nach unserer Bestimmung zu den Säumenden gehörte. (Flügel 58)

58 Und wir ließen einen Regen auf sie regnen, und schlimm war der Regen der Gewarnten. (Flügel 59)

59 Sprich: "Das Lob ist Allahs, und Frieden auf seine Diener, die er erwählt hat! Ist Allah oder das, was ihr ihm beigesellt, besser?" (Flügel 60)

60 Wer hat denn erschaffen die Himmel und die Erde und sendet euch Wasser vom Himmel hernieder, durch das wir Gärten, prangend in Schönheit, sprießen lassen? Nicht euch ist es gegeben ihre Bäume sprießen zu lassen. Was? Ein Gott neben Allah? Nein; doch sie sind ein Volk, das (ihm Götter) gleichsetzt. (Flügel 61)

61 Wer hat denn die Erde fest hingestellt und mitten in sie Bäche gesetzt und hat ihr festgegründete (Berge) gegeben und hat zwischen die beiden Wasser eine Schranke gesetzt? Was? Ein Gott neben Allah? Doch die meisten von ihnen haben kein Wissen. (Flügel 62)

62 Wer antwortet denn den Bedrängten, wenn er ihn anruft, und nimmt das Übel fort, und macht euch zu Nachfolgern auf Erden? Was? Ein Gott neben Allah? Wenige sind es, die es zu Herzen nehmen. (Flügel 63)

63 Wer denn leitet euch in den Finsternissen zu Land und Meer? Und wer entsendet die Winde als Freudenboten seiner Barmherzigkeit voraus? Was? Ein Gott neben Allah? Erhaben ist Allah über das, was ihr ihm beigesellt! (Flügel 64)

64 Wer schafft denn die Kreatur und wer lässt sie wieder erstehen? Und wer versorgt euch vom Himmel und von der Erde? Was? Ein Gott neben Allah? Sprich: "Her mit eurem Beweis, wenn ihr wahrhaftig seid." (Flügel 65)

65 Sprich: "Keiner in den Himmeln und auf Erden kennt das Verborgene außer Allah, und sie wissen nicht die Zeit, da sie erweckt werden. (Flügel 66 bis 67)

66 Doch hat ihr Wissen etwas vom Jenseits erfasst, aber im Zweifel sind sie darüber; nein, blind sind sie in Bezug darauf." (Flügel 68)

67 Und es sprechen die Ungläubigen: "Wenn wir und unsere Väter Staub geworden sind, sollen wir dann etwa erstehen? (Flügel 69)

68 Wahrlich verheißen wurde dies uns und unseren Vätern zuvor. Dies sind nur die Fabeln der Früheren." (Flügel 70)

69 Sprich: "Wandert durch das Land und schaut, wie der Ausgang der Sünder war." (Flügel 71)

70 Und betrübe dich nicht um sie, und sei nicht bedrängt wegen ihrer Listen. (Flügel 72)

71 Und sie sprechen: "Wann tritt diese Verheißung ein, wenn ihr wahrhaftig seid?" (Flügel 73)

72 Sprich: "Vielleicht ist etwas von dem, was ihr beschleunigen möchtet, dicht hinter euch." (Flügel 74)

73 Und siehe dein Herr, wahrlich, er ist voll Huld gegen die Menschen, jedoch danken ihm die meisten nicht. (Flügel 75)

74 Und siehe dein Herr weiß gewisslich, was eure Brüste verbergen und was sie offenkundig tun. (Flügel 76)

75 Und nichts Verborgenes ist im Himmel und auf Erden, das nicht in einem deutlichen Buch stünde. (Flügel 77)

76 Siehe, dieser Koran erzählt den Kindern Israel das Meiste von dem, worüber sie uneins sind. (Flügel 78)

77 Und siehe er ist wahrlich eine Rechtleitung und eine Barmherzigkeit für die Gläubigen. (Flügel 79)

78 Siehe dein Herr wird unter ihnen in seiner Weisheit entscheiden, denn er ist der Mächtige, der Wissende. (Flügel 80)

79 Und vertrau auf Allah; siehe, du stehst in der offenkundigen Wahrheit. (Flügel 81)

80 Siehe, nicht wirst du die Toten hörend machen und nicht wirst du machen, dass die Tauben den Ruf hören, wenn sie den Rücken kehren. (Flügel 82)

81 Und nicht bist du ein Führer der Blinden aus ihrem Irrtum. Du sollst nur hörend machen den, der an unsere Zeichen glaubt; und das sind Muslime. (Flügel 83)

82 Und wenn der Spruch auf sie fällt, dann wollen wir ein Tier aus der Erde erstehen lassen, das zu ihnen sprechen soll: "Die Menschen trauten nicht unseren Zeichen." (Flügel 84)

83 Und eines Tages wollen wir aus jedem Volk einen Trupp von denen versammeln, welche unsere Zeichen für Lüge erklären, und sie sollen in Reih und Glied geordnet marschieren, (Flügel 85)

84 Bis er spricht, wenn sie vor ihn gekommen sind: "Habt ihr meine Zeichen für Lüge erklärt, ohne dass ihr sie mit Erkenntnis umfasstet? Was ist es, das ihr getan habt?" (Flügel 86)

85 Und es fällt der Spruch auf sie wegen ihrer Sünden, und sie werden nicht reden können. (Flügel 87)

86 Sahen sie denn nicht, dass wir die Nacht machten, damit sie in ihr ruhten, und den Tag zum Sehen? Siehe, hierin sind wahrlich Zeichen für gläubige Leute. (Flügel 88)

87 Und eines Tages wird in die Posaune gestoßen, und erschrecken werden alle in den Himmeln und auf Erden, außer denen, die Allah lieben. Und alle werden demütig zu ihm kommen. (Flügel 89)

88 Und die Berge, die du für fest hältst, wirst du wie Wolken dahingehen sehen: Das Werk Allahs, der alle Dinge ordnet! Siehe, er weiß, was ihr tut. (Flügel 90)

89 Wer kommt mit Gutem, der soll Gutes dafür erhalten, und sicher sollen sie sein vor dem Grausen jenes Tages. (Flügel 91)

90 Wer aber mit Bösem kommt, die sollen mit ihren Gesichtern ins Feuer gestürzt werden. Sollt ihr anders belohnt werden als nach eurem Tun? (Flügel 92)

91 Mir ist nur geheißen, dem Herrn dieses Landes zu dienen, der es geheiligt hat. Und sein sind alle Dinge. Und geheißen wurde mir einer der Muslime zu sein, (Flügel 93)

92 Und den Koran zu verlesen. Und wer geleitet ist, der ist nur zu seinem Besten geleitet; und wenn einer irrt, so sprich: "Ich bin nur einer der Warnenden." (Flügel 94)

93 Und sprich: "Das Lob sei Allah; er wird euch seine Zeichen zeigen, und ihr werdet sie kennenlernen. Und nicht ist dein Herr achtlos eures Tuns." (Flügel 95)

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 27 heißt arabisch An-Naml, "Die Ameise", nach der Ameise in Vers 18. Henning überschreibt sie mit "Die Ameise" [1]. Sie ist die 27. Sure und hat nach der Kairoer Zählung 93 Verse [2]. Die Überlieferung, wie Tanzil sie wiedergibt, führt sie ohne Ausnahmeverse als mekkanisch und setzt sie an die 48. Stelle der Offenbarung [3]. Theodor Nöldeke rechnet sie zur zweiten mekkanischen Periode [4]. Der Kommentar des Corpus Coranicum spricht von einer spätmittelmekkanischen Sure und betrachtet sie als Einheit [5]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Die Sure beginnt mit den Buchstaben T. S. und dem Satz: "Dies sind die Zeichen des Korans und eines deutlichen Buches:" (aus 27,1) [1]

Inhalt im Überblick

Nach einer kurzen Szene mit Moses folgt die lange Erzählung von Salomo, danach kurze Geschichten über Salih und Lot und eine Reihe von Fragen nach dem Schöpfer.

VerseInhalt
1 bis 6T. S., Rechtleitung für die Gläubigen, die nicht ans Jenseits glauben
7 bis 14Moses sieht ein Feuer, der Ruf Allahs, Stab und Hand als zwei von neun Zeichen für Pharao
15 bis 19David und Salomo, die Sprache der Vögel, die Ameise im Ameisental warnt ihr Volk, Salomo lächelt und dankt
20 bis 28der Wiedehopf bringt Nachricht von einer Frau, die über Saba herrscht und mit ihrem Volk die Sonne anbetet; Salomos Brief
29 bis 44die Königin berät sich mit den Häuptern, sendet ein Geschenk, ihr Thron wird herbeigebracht, sie betritt die Burg aus Glas und ergibt sich mit Salomo Allah
45 bis 53Salih und Thamud, neun Männer planen einen Anschlag
54 bis 58Lot und sein Volk
59 bis 66Fragen nach dem Schöpfer: Wer erschuf Himmel und Erde, wer antwortet dem Bedrängten, wer leitet in den Finsternissen
67 bis 93Zweifel an der Auferstehung, das Tier aus der Erde, die Posaune, die Berge ziehen wie Wolken, der Auftrag des Propheten

Die Ameise sagt: "O ihr Ameisen, geht hinein in eure Wohnungen, damit euch nicht Salomo und seine Heerscharen zermalmen, ohne dass sie es wissen." (aus 27,18) [1] Am Ende der Erzählung spricht die Königin: "Mein Herr, siehe, ich sündigte gegen mich selber, und ich ergebe mich mit Salomo Allah, dem Herrn der Welten." (aus 27,44) [1]

Wie die Sure verstanden wird

Ausgelegt werden die Königin von Saba, wer sie war, wie die Sure ihre Herrschaft darstellt und woher die Geschichte stammt. Im Surentext selbst trägt sie keinen Namen [1].

Klassische Auslegung

Ibn Kathir gibt nach al-Hasan al-Basri ihren Namen als Bilqis bint Scharahil an. Saba bezeichnet nach ihm die Dynastie der Himyar im Jemen. Ihren Thron beschreibt er als prächtigen, mit Gold, Edelsteinen und Perlen geschmückten Sitz in einem hohen Palast. Die Leute hätten morgens und abends die Sonne angebetet; der Wiedehopf berichte, sie und ihr Volk beteten die Sonne statt Allah an [6].

Heutige Stimmen

Amina Inloes von der University of Exeter schreibt im Journal of Shi'a Islamic Studies (2012), der Koran verurteile Bilqis weder ausdrücklich noch unausgesprochen dafür, dass sie als Frau politisch herrscht. Kritisiert werde ihr Sonnenkult; der Erzählung gehe es vor allem um den Glauben. Ihren Stil beschreibt Inloes als eher weibliches Modell der Führung: Sie ziehe Diplomatie dem Krieg und Beratung der Alleinherrschaft vor. Als Beleg nennt sie die Szene, in der die Königin ihre Häupter um Rat fragt, bevor sie entscheidet [7]. In der Lesefassung sagt sie: "O ihr Häupter, ratet mir in meiner Sache; ich entscheide keine Sache, ehe ihr mir nicht Zeugnis ablegt." (27,32) [1]

Islamwissenschaft

Der Kommentar des Corpus Coranicum sieht den Kern der Erzählung im biblischen Bericht von 1. Könige 10,1 bis 13. Eine ausführliche Langform der Begegnung von Salomo und der Königin bietet der aramäische Targum Scheni zu Esther, dessen Datierung umstritten ist. Nach dem Kommentar kann sich dieser Targum nicht aus dem Koran entwickelt haben [5]. Neu in dieser Zeit sei eine politische Dimension: Biblische Gestalten stünden für Mächte der Gegenwart, Salomo für den byzantinischen Kaiser Herakleios und die sonnenanbetende Königin für die Sassaniden. Diese Lesart biblischer Figuren war nach dem Kommentar in der byzantinischen Reichsideologie geläufig [5]. Die Gläubigen (mu'minun), die die Sure in Vers 3 voraussetzt, sind nach dem Kommentar eine Gruppe, von der erst ab mittelmekkanischer Zeit die Rede ist, vor allem in den Suren 23, 25 und 27 [5].

Nöldeke vermutet, dass in Vers 42 einige Wörter ausgefallen sind, weil ein Übergang zu den Worten fehlt, die nur Salomo oder seinem Gefolge gehören können [4].

Zum Weiterlesen: der biblische Bericht in 1. Könige 10, Die Propheten im Koran und Frauen im Koran. Ihre Nachbarn sind Sure 26, Die Dichter und Sure 28, Die Geschichte.

  1. Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Geschichte des Qorâns, S. 89 und 106. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Kommentar zu Sure 27 (an-Naml, Die Ameise). Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Corpus Coranicum (Dirk Hartwig, Angelika Neuwirth). Stand Betaversion, ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: An-Naml Ayah 23. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Studie The Queen of Sheba in Shi'a Hadith. Amina Inloes, Journal of Shi'a Islamic Studies, Vol. V, No. 4 (Abdruck auf al-islam.org). Stand 2012. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.