Alle 114 Suren des Korans

Sure 28: Die Geschichte (Al-Qaṣaṣ)

Sure 28 von 114, 88 Verse

Sure 28 heißt "Die Geschichte", arabisch Al-Qasas, und hat in der Kairoer Zählung 88 Verse. Sie gilt als mekkanisch und erzählt ausführlich von Moses, von seiner Kindheit am Hof Pharaos bis zum Untergang Pharaos. Danach folgen Streitgespräche mit den Mekkanern und die Geschichte von Korah.

1 T. S. M.

2 Dies sind die Zeichen des deutlichen Buches. (Flügel 1)

3 Wir verlesen dir etwas von der Geschichte Moses' und Pharaos der Wahrheit gemäß für ein gläubiges Volk. (Flügel 2)

4 Siehe, Pharao war hochmütig im Land und machte sein Volk zu Parteien; einen Teil von ihnen schwächte er, indem er ihre Söhne schlachtete und nur die Mädchen leben ließ. Siehe, er war einer der Verderbenstifter. (Flügel 3)

5 Und wir wollten unsere Huld den Schwachen im Land erweisen und sie zu Vorbildern und zu Erben machen; (Flügel 4)

6 Und wollten ihnen eine feste Wohnung im Land geben und Pharao und Haman und ihren Heerscharen das zeigen, wovor sie auf der Hut waren. (Flügel 5)

7 Und wir offenbarten Moses' Mutter: "Säuge ihn. Und wenn du für ihn fürchtest, so wirf ihn in den Strom und fürchte dich nicht und betrübe dich nicht. Siehe, wir werden ihn dir wiedergeben und werden ihn zu einem der Gesandten machen." (Flügel 6)

8 Und Pharaos Haus hob ihn auf, damit er ihnen ein Feind und ein Kummer würde. Siehe, Pharao und Haman und ihre Heerscharen waren Sünder. (Flügel 7)

9 Und es sprach Pharaos Frau: "Er ist mir und dir ein Augentrost. Tötet ihn nicht; vielleicht, dass er uns nützt oder dass wir ihn als Sohn annehmen." Und sie waren ahnungslos. (Flügel 8)

10 Und es wurde das Herz der Mutter Moses' am Morgen leer, dass sie ihn fast verraten hätte, wenn wir nicht ihr Herz gebunden hätten, damit sie eine der Gläubigen würde. (Flügel 9)

11 Und sie sprach zu ihrer Schwester: "Folge ihm." Und sie schaute nach ihm aus der Ferne, dass sie es nicht merkten. (Flügel 10)

12 Und wir machten, dass er die Ammen zurückwies, bis sie sprach: "Soll ich euch zu Hausleuten führen, die ihn für euch pflegen und ihn sorgsam hüten werden?" (Flügel 11)

13 Und so gaben wir ihn seiner Mutter zurück, damit ihr Auge getröstet würde und sie sich nicht grämte, und damit sie wüsste, dass Allahs Verheißung wahr ist, obwohl die meisten sie nicht kennen. (Flügel 12)

14 Und als er seine Mannbarkeit erreicht hatte und vollreif geworden war, gaben wir ihm Weisheit und Wissen; und so belohnen wir die Rechtschaffenen. (Flügel 13)

15 Und er betrat die Stadt zur Zeit, da ihre Bewohner es nicht beachteten, und er fand in ihr zwei Männer, die miteinander stritten, der eine von seiner Partei und der andere von seinen Feinden. Und da rief ihn der Mann seiner Partei zu Hilfe gegen den, der von seinen Feinden war, und Moses gab ihm einen Faustschlag und machte ein Ende mit ihm. Da sprach er: "Das ist ein Werk des Satans, siehe, er ist ein irreführender offenkundiger Feind." (Flügel 14)

16 Er sprach: "Mein Herr, siehe ich habe gegen mich selber gesündigt; so verzeihe mir." Und er verzieh ihm, denn er ist der Verzeihende, der Barmherzige. (Flügel 15)

17 Er sprach: "Mein Herr, weil du mir gnädig warst, will ich niemals ein Helfer der Missetäter sein." (Flügel 16)

18 Und am Morgen war er voll Furcht in der Stadt, ausspähend. Und siehe jener, dem er gestern geholfen hatte, schrie ihm zu (um Hilfe). Da sprach Moses zu ihm: "Siehe du bist wahrlich ein offenkundiger Händelsucher." (Flügel 17)

19 Und da er an ihren beiderseitigen Feind Hand anlegen wollte, sprach er: "O Moses, willst du mich etwa totschlagen, wie du gestern jemand totschlugst? Du willst nichts als ein Tyrann im Land sein und willst nicht Frieden stiften." (Flügel 18)

20 Und es kam ein Mann von dem Ende der Stadt herbeigeeilt und sprach: "O Moses, siehe die Häupter bereden sich dich zu töten. Darum gehe hinaus, siehe ich bin dir ein guter Rater." (Flügel 19)

21 Da ging er in Furcht hinaus, umherspähend, und sprach: "Mein Herr, errette mich vor dem ungerechten Volk." (Flügel 20)

22 Und da er seinen Weg nach Midian nahm, sprach er: "Vielleicht leitet mich mein Herr auf den rechten Pfad." (Flügel 21)

23 Und da er zum Wasser Midians hinabstieg, fand er bei ihm eine Schar Volks (ihr Vieh) tränken. Und neben ihnen fand er zwei Mädchen abseits mit ihrer Herde. Da sprach er: "Was ist eure Absicht?" Sie sprachen: "Wir können die Herde nicht eher tränken, als bis die Hirten fortgezogen sind; denn unser Vater ist ein alter Scheich." (Flügel 22 bis 23)

24 Da tränkte er ihnen (ihre Herde), worauf er sich zum Schatten zurückzog und sprach: "Mein Herr, siehe, ich bedarf des Guten, das du auf mich herabsendest."

25 Und es kam eine der beiden zu ihm züchtigen Schrittes. Sie sprach: "Siehe, mein Vater lädt dich ein, damit er dir den Lohn dafür zahlt, dass du für uns (die Herde) getränkt hast." Und als er zu ihm gekommen war und ihm seine Geschichte erzählt hatte, sprach er: "Fürchte dich nicht, du bist von dem sündigen Volk errettet."

26 Da sprach eine der beiden: "O mein Vater, stelle ihn ein; siehe, der Beste, den du einstellen kannst, ist der Starke, der Getreue."

27 Er sprach: "Siehe, ich will dich mit einer von diesen meinen beiden Töchtern verheiraten unter der Bedingung, dass du mir acht Pilgerfahrten lang dienst. Und wenn du zehn erfüllst, so steht es bei dir; denn ich wünsche nicht dich zu plagen. Sicherlich wirst du mich, wenn Allah will, als einen der Rechtschaffenen finden."

28 Er sprach: "So sei es zwischen mir und dir. Welchen der beiden Termine ich auch erfülle, keine Ungerechtigkeit wird auf mir lasten. Und Allah ist Bürge unserer Worte."

29 Und da Moses den Termin erfüllt hatte und mit seiner Familie reiste, gewahrte er an der Seite des Berges ein Feuer. Da sprach er zu seiner Familie: "Bleibt hier; siehe, ich gewahre ein Feuer; vielleicht bringe ich euch Kunde von ihm oder doch einen Feuerbrand, damit ihr euch wärmt."

30 Und da er zu ihm kam, erscholl eine Stimme zu ihm von der rechten Seite des Wadis im gesegneten Tal aus dem Baum: "O Moses, siehe ich bin Allah, der Herr der Welten.

31 Wirf hin deinen Stab." Und da er ihn sich rütteln sah, als wäre es eine Schlange, wendete er den Rücken zur Flucht und kehrte nicht um. "O Moses, tritt herzu und fürchte dich nicht, siehe du bist sicher.

32 Stecke deine Hand in deinen Busen; sie wird weiß herauskommen ohne Übel. Und dann ziehe deinen Fittich ein zu dir ohne Furcht. Dies sind zwei Erweise von deinem Herrn an Pharao und seine Häupter. Siehe, sie sind ein frevelndes Volk."

33 Er sprach: "Mein Herr, siehe, ich erschlug eine Seele von ihnen und fürchte, sie töten mich.

34 Und mein Bruder Aaron ist beredter als ich an Zunge. So entsende ihn mit mir als Beistand, mich zu bekräftigen. Siehe, ich fürchte, dass sie mich der Lüge bezichtigen."

35 Er sprach: "Stärken wollen wir deinen Arm mit deinem Bruder, und wir wollen euch beiden Macht geben, dass sie nicht an euch reichen in unseren Zeichen; und die, welche euch folgen, sollen siegen."

36 Und als Moses mit unseren deutlichen Zeichen zu ihnen kam, sprachen sie: "Dies ist nichts als ein Zaubertrug, und wir hörten dies nicht unter unseren Vorvätern."

37 Und es sprach Moses: "Mein Herr weiß am besten, wer mit der Rechtleitung von ihm kommt, und wem der Ausgang der Wohnung sein wird. Siehe, nicht ergeht es den Ungerechten wohl."

38 Und es sprach Pharao: "O ihr Häupter, ich weiß keinen anderen Gott für euch als mich. Und brenne mir, o Haman, Ton und mache mir einen Turm. Vielleicht steige ich empor zum Gott Moses'; denn siehe, ich halte ihn für einen Lügner."

39 Und er und seine Heerscharen zeigten sich hochmütig auf Erden ohne Grund und glaubten, sie müssten nicht zu uns zurückkehren.

40 Und so erfassten wir ihn und seine Heerscharen und warfen sie ins Meer. Schau darum, wie der Ausgang der Ungerechten war.

41 Und wir machten sie zu Führern zum Feuer (der Hölle); und am Tag der Auferstehung werden sie nicht errettet.

42 Wir ließen ihnen in dieser Welt einen Fluch folgen, und am Tag der Auferstehung sollen sie verabscheut sein.

43 Und wahrlich wir gaben Moses die Schrift, nachdem wir die früheren Geschlechter vernichtet hatten, als Einsicht für die Menschen und Rechtleitung und Barmherzigkeit. Vielleicht lassen sie sich ermahnen.

44 Und nicht warst du auf der westlichen Seite, als wir Moses den Befehl erteilten, und warst auch keiner der Zeugen.

45 Jedoch ließen wir Geschlechter erstehen, und langes Leben wurde ihnen gegeben. Auch wohntest du nicht unter dem Volk Midians, ihnen unsere Zeichen verlesend. Jedoch entsandten wir (dich.)

46 Und nicht warst du an der Seite des Berges, da wir riefen. Jedoch ist es eine Barmherzigkeit von deinem Herrn, damit du ein Volk warnst, zu denen vor dir kein Warner kam; vielleicht lassen sie sich ermahnen.

47 Und dass sie nicht, wenn sie ein Unfall für das, was ihre Hände vorausschickten, befiele, sprächen: "Unser Herr, warum sandtest du nicht einen Gesandten zu uns? Dann würden wir deinen Zeichen gefolgt sein und wären gläubig gewesen."

48 Da aber die Wahrheit von uns zu ihnen kam, sprachen sie: "Warum wurde (ihm) nicht das Gleiche wie Moses gegeben? Aber verleugneten sie nicht das, was Moses zuvor gegeben wurde?" Sie sprechen: "Zwei Zaubereien, die einander helfen." Und sie sprechen: "Siehe wir glauben an nichts von allem."

49 Sprich: "So bringt ein Buch von Allah her, das eine bessere Rechtleitung als die beiden ist. Ich will ihm folgen, wenn ihr wahrhaftig seid."

50 Und wenn sie dir nicht Antwort geben, so wisse, dass sie nur ihren Gelüsten folgen. Wer aber ist in größerem Irrtum als wer seinem Gelüst ohne Rechtleitung von Allah folgt? Siehe Allah leitet nicht das ungerechte Volk.

51 Und wahrlich wir ließen das Wort zu ihnen gelangen, damit sie es zu Herzen nähmen.

52 Diejenigen, denen wir die Schrift zuvor gaben, die glauben daran.

53 Und wenn es ihnen verlesen wird, sprechen sie: "Wir glauben daran; es ist die Wahrheit von unserem Herrn. Siehe, wir waren Muslime, bevor es kam."

54 Jene werden ihren Lohn zweifach empfangen, darum dass sie ausharrten und das Böse mit Gutem zurückweisen und von dem, womit wir sie versorgten, spenden.

55 Und wenn sie eitles Gerede hören, kehren sie sich von ihm ab und sprechen: "Für uns unsere Werke und für euch eure Werke. Frieden auf euch! Wir trachten nicht nach den Toren."

56 Siehe, du kannst nicht leiten, wen du gerne möchtest; Allah aber leitet, wen er will, denn er kennt am besten die, welche sich leiten lassen.

57 Und sie sprechen: "Wenn wir der Rechtleitung, die du bringst, folgten, so würde uns unser Land entrissen werden." Aber haben wir ihnen nicht ein sicheres Heiligtum zur Wohnung gegeben, zu dem die Früchte aller Dinge zusammengebracht werden, eine Versorgung von uns her? Jedoch die meisten wissen es nicht.

58 Und wie viele Städte zerstörten wir, die auf ihren Überfluss pochten! Und jene ihre Wohnungen wurden nach ihnen nur von wenigen bewohnt, und wir wurden ihre Erben.

59 Aber dein Herr zerstörte die Städte nicht eher, als bis er zu ihrer Mutter(-stadt) einen Gesandten geschickt hatte, ihnen unsere Zeichen vorzutragen. Auch zerstörten wir nur die Städte, wenn ihre Bewohner ungerecht waren.

60 Und was euch an Dingen gegeben wurde, ist nur die Versorgung des irdischen Lebens und sein Schmuck. Was aber bei Allah ist, ist besser und bleibender. Wollt ihr denn nicht begreifen?

61 Soll etwa der, dem wir eine schöne Verheißung gaben, die ihm zuteil werden soll, gleich sein demjenigen, den wir mit den Gütern des irdischen Lebens ausstatteten, und der am Tag der Auferstehung zu den (zur Verdammnis) Vorgeführten gehört?

62 An jenem Tag, wird er sie rufen und sprechen: "Wo sind meine Gefährten, die ihr (als vorhanden) behauptetet?"

63 Dann werden diejenigen, über die nach Gebühr der Spruch ergeht, sprechen: "Unser Herr, dies sind diejenigen, die wir irreführten. Wir leiteten sie irre, wie wir selber irregingen. Wir machen uns los (von ihnen und kehren uns) zu dir. Nicht uns dienten sie."

64 Und dann wird gesprochen werden: "Ruft eure Gefährten." Und sie rufen sie, doch antworten sie ihnen nicht; und dann sehen sie die Strafe. O dass sie doch rechtgeleitet wären!

65 An jenem Tag wird er sie rufen und sprechen: "Was antwortetet ihr den Gesandten?"

66 Und die Sache soll sie an jenem Tag blind (vor Verwirrung) machen, und sie sollen einander nicht befragen.

67 Wer sich aber bekehrt und glaubt und das Rechte tut, dem ergeht es leicht wohl.

68 Und dein Herr schafft, was er will, und erwählt; sie aber haben keine Wahl. Preis sei Allah, und erhaben ist er über das, was sie ihm beigesellen.

69 Dein Herr weiß, was ihre Brüste verbergen und was sie offenkundig tun.

70 Und er ist Allah, es gibt keinen Gott außer ihm; ihm ist das Lob im Anfang und Ende, und sein ist das Gericht, und zu ihm kehrt ihr zurück.

71 Sprich: "Was meint ihr? Wenn Allah euch die Nacht ewig machte bis zum Tag der Auferstehung, welcher Gott außer Allah brächte euch Licht? Hört ihr denn nicht?"

72 Sprich: "Was meint ihr? Wenn euch Allah den Tag ewig machte bis zum Tag der Auferstehung, welcher Gott außer Allah brächte euch Nacht, in ihr zu ruhen? Seht ihr denn nicht?"

73 Und in seiner Barmherzigkeit hat er euch die Nacht und den Tag gemacht, in ihr zu ruhen, und damit ihr nach seiner Huld trachtet und vielleicht dankbar wäret.

74 Und eines Tages wird er sie rufen und sprechen: "Wo sind meine Gefährten, die ihr (vorhanden zu sein) behauptetet?"

75 Und aus jedem Volk werden wir einen Zeugen hervorholen und werden sprechen: "Bringt euren Beweis her und wisst, dass die Wahrheit Allahs ist." Und ihre Erdichtungen werden dann von ihnen fortschweifen.

76 Siehe Korah war vom Volk Moses', doch er vermaß sich gegen sie, und wir gaben ihm an Schätzen, dass selbst ihre Schlüssel eine Schar kräftiger Leute beschwert hätten. Da sein Volk zu ihm sprach: "Frohlocke nicht; siehe Allah liebt nicht die Frohlockenden;

77 Und suche mit dem, was dir Allah gegeben, die künftige Wohnung; und vergiss nicht deinen Anteil in dieser Welt und tue Gutes, sowie Allah dir Gutes tat, und trachte nicht nach Verderben auf Erden; siehe, Allah liebt nicht die Verderbenstifter."

78 Da sprach er: "Es wurde mir nur gegeben um meines Wissens willen." Aber wusste er nicht, dass Allah bereits vor ihm Geschlechter vernichtet hatte, die stärker als er waren an Kraft und mehr aufgehäuft hatten? Aber die Missetäter werden nicht nach ihren Sünden befragt.

79 Und er ging hinaus zu seinem Volk in seinem Schmuck. Jene nun, die sich das irdische Leben wünschten, sprachen: "O dass wir doch besäßen, was Korah gegeben wurde! Siehe, er ist wahrlich gewaltigen Glückes Herr!"

80 Und es sprachen diejenigen, denen das Wissen gegeben war: "Wehe euch! Die Belohnung Allahs ist besser für den, der glaubt und das Rechte tut; und niemand gewinnt sie, außer den Standhaften."

81 Und wir spalteten die Erde unter ihm und seinem Haus, und er fand keine Schar ihm zu helfen außer Allah, und er gehörte nicht zu den Erretteten.

82 Und am anderen Morgen sprachen jene, die sich tags zuvor an seine Stelle gewünscht hatten: "Ah sieh! Allah versorgt wen er will von seinen Dienern reichlich oder bemessen. Wäre Allah uns nicht gnädig gewesen, er hätte die Erde unter uns gespalten. Ah sieh! den Ungläubigen ergeht es nicht wohl."

83 Jene zukünftige Wohnung, wir haben sie für diejenigen bestimmt, welche nicht hochmütig auf Erden sein oder Verderben anrichten wollen. Und der Ausgang ist für die Gottesfürchtigen.

84 Wer mit Gutem kommt, soll Gutes dafür erhalten, und wer mit Bösem kommt, jene die Böses tun, belohnen wir nur nach ihren Taten.

85 Siehe der, welcher dir den Koran verordnet hat, bringt dich wahrlich zurück zur Stätte der Wiederkehr. Sprich: "Mein Herr weiß am besten, wer mit der Rechtleitung kommt und wer in offenkundigem Irrtum ist."

86 Und nicht konntest du hoffen, dass dir das Buch gegeben würde, es sei denn aus Barmherzigkeit deines Herrn. Darum sei kein Helfer der Ungläubigen.

87 Und lass dich nicht abbringen von den Zeichen Allahs, nachdem sie zu dir herabgesendet worden; sondern lade ein zu deinem Herrn und sei keiner derer, die (Allah) Gefährten geben.

88 Und rufe nicht neben Allah einen anderen Gott an. Es gibt keinen Gott außer ihm. Alle Dinge vergehen außer seinem Angesicht. Ihm ist das Gericht, und zu ihm kehrt ihr zurück.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 28 heißt in der Lesefassung nach Max Henning "Die Geschichte", arabisch Al-Qasas. Sie hat in der Kairoer Zählung 88 Verse und ist nach der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) mekkanisch [1]. Den Namen erklärt die Einleitung bei Quran.com, die dem Korankommentar von Ibn Aschur folgt, mit Vers 25: Dort erzählt Moses dem Vater der beiden Frauen in Midian seine Geschichte [2]. Die Sure beginnt mit den Buchstaben T. S. M. und ist nach derselben Einleitung die letzte von drei aufeinanderfolgenden Suren, die mit Ta und Sin beginnen und zuerst von Moses erzählen [2]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutschen Zitate auf dieser Seite stammen aus der Lesefassung nach Max Henning (1901).

In der überlieferten Reihenfolge der Offenbarung steht die Sure an 49. Stelle, nach Sure 27 und vor Sure 17 [1, 2]. Manche Überlieferungen sagen, Vers 85 sei herabgekommen, als der Prophet auf dem Weg nach Medina war [2]. Theodor Nöldeke rechnet die Sure zur dritten mekkanischen Periode, die er vom siebten Jahr der Sendung bis zur Auswanderung ansetzt [3]. Mehr zu dieser Einteilung steht auf der Seite Mekkanische und medinensische Suren.

Inhalt im Überblick

Knapp die Hälfte der Sure erzählt von Moses (Verse 3 bis 43) [2].

  • Verse 1 bis 6: Pharao macht sein Volk zu Parteien und lässt die Söhne eines Teils schlachten (28,4). Allah will den Schwachen im Land seine Huld erweisen und sie zu Erben machen (28,5).
  • Verse 7 bis 13: Moses' Mutter legt den Säugling auf Allahs Weisung in den Strom. Pharaos Haus nimmt ihn auf, er weist alle Ammen zurück und kommt so zu seiner Mutter zurück.
  • Verse 14 bis 28: Der erwachsene Moses erschlägt in der Stadt einen Mann, bittet um Vergebung und flieht nach Midian. Dort tränkt er die Herde zweier Frauen, und ihr Vater nimmt ihn in Dienst und gibt ihm eine seiner Töchter zur Frau.
  • Verse 29 bis 42: Moses sieht am Berg ein Feuer, und eine Stimme ruft ihn aus dem Baum im gesegneten Tal (28,29 bis 30). Er erhält den Stab und die weiße Hand als Zeichen, Aaron wird ihm zur Seite gestellt. Pharao erklärt sich zum einzigen Gott seiner Häupter und lässt Haman einen Turm bauen (28,38). Er und seine Heerscharen gehen im Meer unter.
  • Verse 43 bis 75: Moses erhält die Schrift. Dann wendet sich die Sure an den Propheten, der bei diesen Ereignissen nicht dabei war (Verse 44 bis 46), und an die Mekkaner, die Wunder wie die des Moses verlangen. Leute der Schrift, die dem Koran glauben, werden gelobt (Verse 52 bis 55). Es folgen Bilder vom Gericht und der Wechsel von Tag und Nacht als Zeichen.
  • Verse 76 bis 84: Korah aus dem Volk Moses' prahlt mit seinen Schätzen; die Erde verschlingt ihn und sein Haus.
  • Verse 85 bis 88: die Zusage an den Propheten, ihn zur "Stätte der Wiederkehr" zurückzubringen (28,85), und der Schlussvers mit dem Satz: "Alle Dinge vergehen außer seinem Angesicht." (28,88)

Wie die Bibel die Kindheit und Berufung des Moses erzählt, zeigt das 2. Buch Mose. Einen Überblick über alle Stellen bietet Mose im Koran.

Wie die Sure verstanden wird

Klassische Auslegung

Ibn Kathir bezieht Vers 56 ("du kannst nicht leiten, wen du gerne möchtest") auf Abu Talib, den Onkel des Propheten. Abu Talib habe Muhammad geschützt und geliebt, sei aber im Glauben seiner Vorfahren gestorben. Für den Anlass beruft sich Ibn Kathir auf die Hadith-Sammlungen von Buchari und Muslim [4].

Muslimische Kommentare des 20. Jahrhunderts

Die Einleitung bei Quran.com stützt sich auf at-Tahrir wa-t-Tanwir, den Kommentar des Tunesiers Ibn Aschur (1879 bis 1973) [2, 5]. Nach ihr zeigt Vers 5 ein Gesetz Allahs: Er hebt die Unterdrückten empor und vernichtet die Hochmütigen [2]. Die Verse 57 bis 59 antworten auf die Sorge der Kuraisch, sie würden ihre Sicherheit verlieren, wenn sie dem Propheten folgen. Vers 85 versteht diese Einleitung als Trost vor der Auswanderung mit der Zusage, nach Mekka zurückzukehren, und Korah (arabisch Qarun) als Warnung vor Hochmut wegen weltlichen Reichtums [2].

Islamwissenschaft

Nöldeke stellt die Sure in seiner Reihenfolge der dritten mekkanischen Periode zwischen die Suren 40 und 39 [3].

  1. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  2. Surah Al-Qasas. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Koran. Gabriel Oussani, The Catholic Encyclopedia, Bd. 8, New Advent. Stand 1910. abgerufen am 29.10.2026
  4. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir of Al-Qasas Ayah 56. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Ibn Ashur. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.