Sure 3

Die Familie ʿImrāns

Āl ʿImrān

Verse: 200 Offenbart in: Medina Zeit: medinensisch (zwischen 622 und 627 n. Chr., teils nach der Schlacht von Uḥud 625)

Worum geht's?

Die zweitlängste Sure des Korans (200 Verse), benannt nach der Familie ʿImrāns – also Marias Vater. Sie enthält die ausführlichste Marienerzählung des Korans und die zentrale Darstellung Jesu im Islam (Geburt, Wunder, Ende). Den zweiten großen Teil bildet die Auseinandersetzung mit der Schlacht von Uḥud (625), Mohammeds erster militärischer Niederlage – eine seelsorgerliche und politische Aufarbeitung. Vers 7 über klare (muḥkam) und mehrdeutige (mutaschābih) Verse ist die hermeneutische Grundlage der islamischen Auslegungstradition.

Der Text – Vers für Vers

In moderner Sprache paraphrasiert nach Max Henning (1901).

  1. 1Alif-Lām-Mīm.
  2. 2Gott – es gibt keinen Gott außer ihm, dem Lebendigen, dem Beständigen.
  3. 3Er hat das Buch mit der Wahrheit auf dich herabgesandt, bestätigend, was vor ihm war. Er hat die Tora und das Evangelium herabgesandt,
  4. 4vorher, als Rechtleitung für die Menschen, und er hat die Unterscheidung herabgesandt. Wahrlich, die an die Zeichen Gottes ungläubig sind – sie haben eine harte Strafe. Gott ist mächtig, Herr der Vergeltung.
  5. 5Wahrlich, vor Gott bleibt nichts auf der Erde oder im Himmel verborgen.
  6. 6Er ist es, der euch in den Mutterleibern formt, wie er will. Es gibt keinen Gott außer ihm, dem Mächtigen, dem Weisen.
  7. 7Er ist es, der das Buch auf dich herabgesandt hat. Darin sind eindeutige Verse – sie sind die Grundlage des Buches – und andere mehrdeutige. Die aber in deren Herzen eine Abweichung ist, folgen dem, was darin mehrdeutig ist – aus Streben nach Verführung und Streben nach Auslegung. Aber niemand kennt seine Auslegung außer Gott. Die im Wissen Gefestigten sagen: Wir glauben daran! Alles ist von unserem Herrn. Aber nur die Verständigen lassen sich ermahnen.
  8. 8Unser Herr, lass unsere Herzen nicht abweichen, nachdem du uns rechtgeleitet hast! Schenke uns Barmherzigkeit von dir! Wahrlich, du bist der Geber.
  9. 9Unser Herr, wahrlich, du wirst die Menschen an einem Tag versammeln, an dem es keinen Zweifel gibt. Wahrlich, Gott bricht sein Versprechen nicht.
  10. 10Wahrlich, denen, die ungläubig sind, nützen ihr Vermögen und ihre Kinder bei Gott nichts. Diese sind Brennstoff für das Feuer.
  11. 11Wie die Sache der Familie Pharaos und derer vor ihnen: Sie erklärten unsere Zeichen für Lüge. Da ergriff Gott sie für ihre Sünden. Gott ist hart in der Bestrafung.
  12. 12Sprich zu denen, die ungläubig sind: Ihr werdet besiegt und in die Hölle versammelt! Schlimm ist das Lager!
  13. 13Schon war für euch ein Zeichen in zwei Gruppen, die zusammenstießen: Die eine kämpfte auf dem Weg Gottes, die andere war ungläubig. Sie sahen sie zweimal so viele wie sie selbst mit den Augen. Gott unterstützt mit seiner Hilfe, wen er will. Darin liegt eine Lehre für die Einsichtigen.
  14. 14Den Menschen wurde die Liebe zu den Lüsten von den Frauen, den Söhnen, gehäuften Mengen Gold und Silber, gekennzeichneten Pferden, dem Vieh und den Saaten schön gemacht. Das ist der Genuss des diesseitigen Lebens. Bei Gott aber ist die schöne Heimkehr.
  15. 15Sprich: Soll ich euch von Besserem berichten als von all dem? Für die Gottesfürchtigen sind bei ihrem Herrn Gärten, durch die Bäche fließen, in denen sie ewig sind, und reine Gattinnen und Wohlgefallen von Gott. Gott ist sehend gegen die Diener,
  16. 16die sagen: Unser Herr, wahrlich, wir haben geglaubt. So vergib uns unsere Sünden und schütze uns vor der Strafe des Feuers!
  17. 17Die Geduldigen, die Wahrhaftigen, die Ergebenen, die Ausgebenden und die in den Morgendämmerungen um Vergebung Bittenden.
  18. 18Gott bezeugt, dass es keinen Gott außer ihm gibt, auch die Engel und die im Wissen Gefestigten – mit Aufrechterhaltung der Gerechtigkeit. Es gibt keinen Gott außer ihm, dem Mächtigen, dem Weisen.
  19. 19Wahrlich, die Religion bei Gott ist der Islam. Die, denen das Buch gegeben wurde, wurden erst uneinig, nachdem das Wissen zu ihnen gekommen war – aus Auflehnung untereinander. Wer aber an die Zeichen Gottes ungläubig ist – wahrlich, Gott ist schnell in der Abrechnung.
  20. 20Wenn sie aber mit dir streiten, so sprich: Ich habe mein Gesicht Gott unterworfen, ich und wer mir folgt! Sprich zu denen, denen das Buch gegeben wurde, und zu den Analphabeten: Habt ihr euch ergeben? Wenn sie sich ergeben, sind sie rechtgeleitet. Wenn sie sich aber abwenden, dann obliegt dir nur die Verkündigung. Gott ist sehend gegen die Diener.
  21. 21Verkünde denen, die an die Zeichen Gottes ungläubig sind, die Propheten ohne Recht töten und die Menschen töten, die Gerechtigkeit gebieten, eine schmerzhafte Strafe!
  22. 22Diese sind die, deren Werke im Diesseits und im Jenseits verloren sind. Sie haben keine Helfer.
  23. 23Hast du nicht die gesehen, denen ein Anteil am Buch gegeben wurde? Sie werden zum Buch Gottes gerufen, damit es zwischen ihnen entscheidet. Dann wendet sich eine Gruppe von ihnen ab. Sie sind die Sich-Abwendenden.
  24. 24Das, weil sie sagten: Das Feuer berührt uns nur gezählte Tage. Was sie sich erlogen haben, hat sie in ihrer Religion getrogen.
  25. 25Wie wird es sein, wenn wir sie an einem Tag versammeln, an dem es keinen Zweifel gibt, und jeder Seele voll vergolten wird, was sie verdient hat, und ihnen kein Unrecht getan wird?
  26. 26Sprich: O Gott, Inhaber der Königsherrschaft! Du gibst die Königsherrschaft, wem du willst, und entziehst die Königsherrschaft, wem du willst. Du ehrst, wen du willst, und erniedrigst, wen du willst. In deiner Hand ist das Gute. Wahrlich, du hast über alles Macht.
  27. 27Du lässt die Nacht in den Tag übergehen und den Tag in die Nacht übergehen. Du bringst das Lebendige aus dem Toten hervor und das Tote aus dem Lebendigen. Du versorgst, wen du willst, ohne Berechnung.
  28. 28Die Gläubigen sollen nicht die Ungläubigen anstatt der Gläubigen zu Schutzherren nehmen. Wer das tut, hat mit Gott nichts mehr. Außer ihr fürchtet euch vor ihnen als Vorsichtsmaßnahme. Gott warnt euch vor sich selbst. Zu Gott ist die Heimkehr.
  29. 29Sprich: Ob ihr verbergt, was in eurer Brust ist, oder es offenbart – Gott weiß es. Er weiß, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Gott hat über alles Macht.
  30. 30An dem Tag findet jede Seele das Gute, das sie getan hat, gegenwärtig, und das Schlechte, das sie getan hat. Sie wird sich wünschen, dass zwischen ihr und ihm eine weite Entfernung wäre. Gott warnt euch vor sich selbst. Gott ist gegen die Diener freundlich.
  31. 31Sprich: Wenn ihr Gott liebt, so folgt mir, dann liebt euch Gott und vergibt euch eure Sünden! Gott ist allverzeihend, barmherzig.
  32. 32Sprich: Gehorcht Gott und dem Gesandten! Wenn sie sich aber abwenden – wahrlich, Gott liebt die Ungläubigen nicht.
  33. 33Wahrlich, Gott hat Adam, Noah, die Familie Abrahams und die Familie ʿImrāns vor den Welten erwählt –
  34. 34eine Nachkommenschaft, eine von der anderen. Gott ist allhörend, allwissend.
  35. 35Als die Frau ʿImrāns sagte: Mein Herr, wahrlich, ich gelobe dir, was in meinem Bauch ist, als Geweihtes. So nimm es von mir an! Wahrlich, du bist der Allhörende, der Allwissende.
  36. 36Als sie es geboren hatte, sagte sie: Mein Herr, wahrlich, ich habe es als Mädchen geboren! Aber Gott weiß am besten, was sie geboren hat. Das Männliche ist nicht wie das Weibliche. Wahrlich, ich habe sie Maria genannt. Ich nehme bei dir Zuflucht für sie und ihre Nachkommen vor dem verfluchten Satan.
  37. 37Da nahm sie ihr Herr in schönster Annahme an, ließ sie schön wachsen und übergab sie der Obhut Zacharias'. Sooft Zacharias bei ihr im Heiligtum eintrat, fand er bei ihr Versorgung. Er sagte: Maria, woher kommt dir das? Sie sagte: Es ist von Gott. Wahrlich, Gott versorgt, wen er will, ohne Berechnung.
  38. 38Dort rief Zacharias seinen Herrn an. Er sagte: Mein Herr, schenke mir von dir eine gute Nachkommenschaft! Wahrlich, du bist der Erhörer des Bittgebets.
  39. 39Da riefen ihm die Engel zu, während er stehend im Heiligtum betete: Wahrlich, Gott verkündet dir die frohe Botschaft von Johannes, der ein Wort von Gott bestätigt, einen Herrn, einen Enthaltsamen und einen Propheten unter den Rechtschaffenen.
  40. 40Er sagte: Mein Herr, wie sollte ich einen Knaben haben, während mich das Alter erreicht hat und meine Frau unfruchtbar ist? Er sagte: So! Gott tut, was er will.
  41. 41Er sagte: Mein Herr, mache mir ein Zeichen! Er sagte: Dein Zeichen ist, dass du drei Tage nicht mit den Menschen reden wirst, außer mit Andeutungen. Gedenke deines Herrn viel und preise ihn am Abend und am Morgen!
  42. 42Als die Engel sagten: Maria, wahrlich, Gott hat dich erwählt und gereinigt und vor den Frauen der Welten erwählt.
  43. 43Maria, sei deinem Herrn demütig ergeben, wirf dich nieder und verbeuge dich mit den sich Verbeugenden!
  44. 44Das ist von den Nachrichten des Verborgenen, die wir dir offenbaren. Du warst nicht bei ihnen, als sie ihre Schreibrohre warfen, wer von ihnen Maria betreuen solle. Du warst auch nicht bei ihnen, als sie miteinander stritten.
  45. 45Als die Engel sagten: Maria, wahrlich, Gott verkündet dir die frohe Botschaft von einem Wort von ihm. Sein Name ist Jesus Christus, der Sohn Marias, angesehen im Diesseits und im Jenseits und einer der Nahegestellten.
  46. 46Er wird in der Wiege zu den Menschen reden und auch als Erwachsener und gehört zu den Rechtschaffenen.
  47. 47Sie sagte: Mein Herr, wie sollte ich einen Sohn haben, während mich kein Mensch berührt hat? Er sagte: So erschafft Gott, was er will. Wenn er eine Sache entschieden hat, sagt er zu ihr nur: Sei! Und sie ist.
  48. 48Er lehrt ihn das Buch, die Weisheit, die Tora und das Evangelium.
  49. 49Er ist ein Gesandter zu den Kindern Israels: Wahrlich, ich bin zu euch mit einem Zeichen von eurem Herrn gekommen. Wahrlich, ich erschaffe für euch aus Ton wie ein Vogelbild. Dann hauche ich ihm ein, und es wird mit Gottes Erlaubnis ein Vogel. Ich heile den Blindgeborenen und den Aussätzigen und mache mit Gottes Erlaubnis die Toten lebendig. Ich teile euch mit, was ihr esst und was ihr in euren Häusern aufbewahrt. Darin ist ein Zeichen für euch, wenn ihr Gläubige seid.
  50. 50Bestätigend, was vor mir von der Tora vorhanden ist, und um euch einiges zu erlauben, was euch verboten war. Ich bin zu euch mit einem Zeichen von eurem Herrn gekommen. So fürchtet Gott und gehorcht mir!
  51. 51Wahrlich, Gott ist mein Herr und euer Herr. So dient ihm! Das ist ein gerader Weg.
  52. 52Als Jesus den Unglauben unter ihnen wahrnahm, sagte er: Wer sind meine Helfer zu Gott? Die Jünger sagten: Wir sind die Helfer Gottes. Wir glauben an Gott. Bezeuge, dass wir ihm ergeben sind!
  53. 53Unser Herr, wir glauben an das, was du herabgesandt hast, und wir folgen dem Gesandten. So schreibe uns unter die Bezeugenden!
  54. 54Sie schmiedeten eine List, und Gott schmiedete eine List. Aber Gott ist der beste der List-Schmiedenden.
  55. 55Als Gott sagte: Jesus, wahrlich, ich werde dich abberufen und dich zu mir erheben. Ich werde dich von denen reinigen, die ungläubig sind, und werde die, die dir gefolgt sind, über die stellen, die ungläubig sind, bis zum Tag der Auferstehung. Dann ist eure Heimkehr zu mir. Da werde ich zwischen euch entscheiden über das, worüber ihr uneinig wart.
  56. 56Was die ungläubig sind betrifft – ich werde sie im Diesseits und im Jenseits mit harter Strafe strafen. Sie werden keine Helfer haben.
  57. 57Was die geglaubt und gute Werke getan haben betrifft – er gibt ihnen ihren Lohn voll. Gott liebt die Frevler nicht.
  58. 58Das verlesen wir dir von den Zeichen und der weisen Ermahnung.
  59. 59Wahrlich, das Gleichnis Jesu bei Gott ist wie das Gleichnis Adams. Er erschuf ihn aus Erde. Dann sagte er zu ihm: Sei! Und er war.
  60. 60Die Wahrheit ist von deinem Herrn. So gehöre nicht zu den Zweifelnden!
  61. 61Wer aber mit dir darüber streitet, nachdem das Wissen zu dir gekommen ist, so sprich: Kommt, wir wollen unsere Söhne und eure Söhne, unsere Frauen und eure Frauen, uns selbst und euch selbst rufen! Dann wollen wir flehen, sodass der Fluch Gottes über die Lügner kommt!
  62. 62Das ist wahrlich die wahre Geschichte. Es gibt keinen Gott außer Gott. Wahrlich, Gott ist der Mächtige, der Weise.
  63. 63Wenn sie sich aber abwenden – wahrlich, Gott ist über die Verderber wissend.
  64. 64Sprich: Ihr Leute der Schrift, kommt zu einer Aussage, die uns und euch gemeinsam ist: dass wir nur Gott dienen und ihm nichts beigesellen und dass keiner von uns andere zu Herren neben Gott nehmen soll! Wenn sie sich aber abwenden, so sprecht: Bezeugt, dass wir Ergebene sind!
  65. 65Ihr Leute der Schrift, was streitet ihr über Abraham? Die Tora und das Evangelium wurden erst nach ihm herabgesandt. Werdet ihr nicht verständig sein?
  66. 66Da, ihr habt darüber gestritten, worüber ihr Wissen hattet. Was streitet ihr aber über das, worüber ihr kein Wissen habt? Gott weiß, ihr aber wisst nicht.
  67. 67Abraham war weder Jude noch Christ, sondern er war ein Hanīf, ein Ergebener. Er gehörte nicht zu den Beigesellenden.
  68. 68Wahrlich, die Menschen, die Abraham am nächsten sind, sind die, die ihm gefolgt sind, und dieser Prophet und die, die geglaubt haben. Gott ist der Schutzherr der Gläubigen.
  69. 69Eine Gruppe der Leute der Schrift wünschte, euch in die Irre zu führen. Sie führen aber nur sich selbst in die Irre, und sie merken es nicht.
  70. 70Ihr Leute der Schrift, warum seid ihr an die Zeichen Gottes ungläubig, während ihr bezeugt?
  71. 71Ihr Leute der Schrift, warum verkleidet ihr die Wahrheit mit dem Falschen und verbergt die Wahrheit, während ihr wisst?
  72. 72Eine Gruppe der Leute der Schrift sagte: Glaubt an das, was zu denen, die geglaubt haben, am Anfang des Tages herabgesandt wurde, und seid an seinem Ende ungläubig! Vielleicht kehren sie um.
  73. 73Glaubt nur dem, der eurer Religion folgt! Sprich: Wahrlich, die Rechtleitung ist die Rechtleitung Gottes. Dass jemandem Ähnliches gegeben wurde, wie euch gegeben wurde, oder dass sie mit euch bei eurem Herrn streiten? Sprich: Wahrlich, die Gunst ist in Gottes Hand. Er gibt sie, wem er will. Gott ist weit, allwissend.
  74. 74Er zeichnet mit seiner Barmherzigkeit aus, wen er will. Gott ist Inhaber großer Gunst.
  75. 75Unter den Leuten der Schrift gibt es manchen, dem du, wenn du ihm einen Zentner anvertraust, ihn zurückgibt. Und unter ihnen gibt es manchen, dem du, wenn du ihm einen Dinar anvertraust, ihn dir nicht zurückgibt, außer du bleibst stehend über ihm. Das, weil sie sagten: Gegen uns gibt es bei den Analphabeten keinen Weg! Sie sagen über Gott Lüge, während sie wissen.
  76. 76Doch! Wer seinen Bund erfüllt und gottesfürchtig ist – wahrlich, Gott liebt die Gottesfürchtigen.
  77. 77Wahrlich, die, die den Bund Gottes und ihre Eide gegen einen geringen Preis verkaufen – diese haben keinen Anteil am Jenseits. Gott wird mit ihnen am Tag der Auferstehung nicht reden, sie nicht anschauen und sie nicht reinigen. Sie haben eine schmerzhafte Strafe.
  78. 78Unter ihnen gibt es eine Gruppe, die ihre Zungen mit dem Buch verdreht, damit ihr es für vom Buch haltet, obwohl es nicht vom Buch ist. Sie sagen: Es ist von Gott! Aber es ist nicht von Gott. Sie sagen über Gott Lüge, während sie wissen.
  79. 79Es ziemt sich nicht für einen Menschen, dem Gott das Buch, die Urteilsfähigkeit und das Prophetentum gegeben hat, dass er dann den Menschen sagt: Seid meine Diener neben Gott! Sondern: Seid Gottesgelehrte, weil ihr das Buch lehrt und weil ihr es studiert!
  80. 80Er befiehlt euch nicht, die Engel und die Propheten zu Herren zu nehmen. Würde er euch den Unglauben befehlen, nachdem ihr Ergebene seid?
  81. 81Als Gott den Bund der Propheten nahm: Was ich euch an Buch und Weisheit gegeben habe – dann kommt zu euch ein Gesandter, bestätigend, was bei euch ist – ihr werdet an ihn glauben und ihm helfen! Er sagte: Bestätigt ihr und nehmt ihr dafür meine Bürde an? Sie sagten: Wir bestätigen. Er sagte: So bezeugt, und ich bin mit euch unter den Bezeugenden!
  82. 82Wer sich aber danach abwendet – diese sind die Frevler.
  83. 83Begehren sie etwa eine andere Religion als Gottes, während sich ihm ergeben hat, was in den Himmeln und auf der Erde ist, willig und unwillig, und sie zu ihm zurückgebracht werden?
  84. 84Sprich: Wir glauben an Gott und an das, was zu uns herabgesandt wurde und was Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und den Stämmen herabgesandt wurde, und an das, was Moses, Jesus und den Propheten von ihrem Herrn gegeben wurde. Wir unterscheiden zwischen keinem von ihnen. Wir sind ihm Ergebene.
  85. 85Wer aber eine andere Religion als den Islam begehrt – sie wird von ihm nicht angenommen, und er gehört im Jenseits zu den Verlierern.
  86. 86Wie sollte Gott ein Volk leiten, das nach seinem Glauben ungläubig geworden ist, nachdem es bezeugt hatte, dass der Gesandte wahr ist, und nachdem die klaren Beweise zu ihnen gekommen waren? Gott leitet das ungerechte Volk nicht.
  87. 87Diese – ihr Lohn ist, dass über ihnen der Fluch Gottes, der Engel und aller Menschen liegt.
  88. 88Darin sind sie ewig. Ihnen wird die Strafe nicht erleichtert, und sie werden nicht aufgeschoben –
  89. 89außer denen, die danach umgekehrt sind und sich gebessert haben. Wahrlich, Gott ist allverzeihend, barmherzig.
  90. 90Wahrlich, die ungläubig geworden sind, nachdem sie geglaubt hatten, und dann an Unglauben zugenommen haben – ihre Umkehr wird nicht angenommen. Diese sind die Verirrten.
  91. 91Wahrlich, die ungläubig sind und als Ungläubige sterben – von keinem von ihnen wird Gold zur Erde voll angenommen, auch wenn er sich damit loskaufen wollte. Diese – sie haben eine schmerzhafte Strafe. Sie haben keine Helfer.
  92. 92Ihr werdet das Gutestun nicht erlangen, bis ihr von dem ausgebt, was ihr liebt. Was ihr auch an Gutem ausgebt – wahrlich, Gott weiß es.
  93. 93Alle Speise war den Kindern Israels erlaubt, außer was Israel sich selbst verbot, bevor die Tora herabgesandt wurde. Sprich: Bringt die Tora her und lest sie, wenn ihr wahrhaftig seid!
  94. 94Wer aber danach Lüge über Gott erfindet – diese sind die Frevler.
  95. 95Sprich: Gott hat die Wahrheit gesprochen. So folgt der Glaubensgemeinschaft Abrahams als Hanīf! Er gehörte nicht zu den Beigesellenden.
  96. 96Wahrlich, das erste Haus, das für die Menschen errichtet wurde, ist das in Bakka – ein gesegnetes Haus und eine Rechtleitung für die Welten.
  97. 97Darin sind klare Zeichen: der Stand Abrahams. Wer es betritt, ist sicher. Den Menschen obliegt die Pilgerfahrt zum Haus für die, die einen Weg dazu finden können. Wer aber ungläubig ist – wahrlich, Gott ist der Welten nicht bedürftig.
  98. 98Sprich: Ihr Leute der Schrift, warum seid ihr an die Zeichen Gottes ungläubig, während Gott Zeuge ist über das, was ihr tut?
  99. 99Sprich: Ihr Leute der Schrift, warum haltet ihr von dem Weg Gottes ab, wer geglaubt hat, indem ihr ihn als krumm wünscht, während ihr Zeugen seid? Gott ist nicht achtlos über das, was ihr tut.
  100. 100O ihr, die ihr glaubt! Wenn ihr einer Gruppe derer gehorcht, denen das Buch gegeben wurde, werden sie euch nach eurem Glauben wieder zu Ungläubigen machen.
  101. 101Wie könnt ihr ungläubig sein, während euch die Zeichen Gottes verlesen werden und sein Gesandter unter euch ist? Wer sich an Gott festhält, ist auf einen geraden Weg gelenkt.
  102. 102O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Gott, wie er gefürchtet werden soll! Und sterbt nicht, außer ihr seid Ergebene!
  103. 103Haltet euch alle am Seil Gottes fest und zersplittert nicht! Gedenkt der Gunst Gottes über euch, als ihr Feinde wart und er eure Herzen zusammenführte, sodass ihr durch seine Gunst zu Brüdern wurdet! Ihr wart am Rand einer Grube von Feuer, und er rettete euch davor. So macht Gott euch seine Zeichen klar, vielleicht lasst ihr euch rechtleiten.
  104. 104Aus euch soll eine Gemeinschaft hervorgehen, die zum Guten ruft, das Gute befiehlt und das Verwerfliche verbietet! Diese sind die Erfolgreichen.
  105. 105Seid nicht wie die, die sich gespalten und uneinig wurden, nachdem die klaren Beweise zu ihnen gekommen waren! Diese – sie haben eine gewaltige Strafe.
  106. 106An dem Tag werden Gesichter weiß sein und Gesichter werden schwarz sein. Denen aber, deren Gesichter schwarz sein werden: Wart ihr ungläubig, nachdem ihr geglaubt hattet? So kostet die Strafe für das, was ihr ungläubig wart!
  107. 107Die aber, deren Gesichter weiß sein werden, sind in der Barmherzigkeit Gottes. Sie sind darin ewig.
  108. 108Das sind die Zeichen Gottes. Wir verlesen sie dir in Wahrheit. Gott will nicht Unrecht für die Welten.
  109. 109Gott gehört, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Zu Gott werden die Angelegenheiten zurückgebracht.
  110. 110Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen hervorgebracht wurde: Ihr befehlt das Gute und verbietet das Verwerfliche und glaubt an Gott. Wenn die Leute der Schrift glauben würden, wäre es besser für sie. Unter ihnen sind Gläubige. Die meisten von ihnen sind aber Frevler.
  111. 111Sie werden euch nur eine Belästigung zufügen. Wenn sie euch bekämpfen, werden sie euch den Rücken kehren. Dann wird ihnen nicht geholfen.
  112. 112Schande wurde ihnen aufgeschlagen, wo immer sie angetroffen werden, außer mit einem Seil von Gott und einem Seil von den Menschen. Sie zogen sich Zorn von Gott zu, und Armut wurde ihnen aufgeschlagen. Das, weil sie an die Zeichen Gottes ungläubig waren und die Propheten ohne Recht töteten. Das, weil sie ungehorsam waren und übertraten.
  113. 113Sie sind nicht gleich. Unter den Leuten der Schrift gibt es eine aufrechte Gemeinschaft. Sie verlesen die Zeichen Gottes in den Stunden der Nacht und werfen sich nieder.
  114. 114Sie glauben an Gott und den Letzten Tag, befehlen das Gute, verbieten das Verwerfliche und wetteifern im Guten. Diese sind unter den Rechtschaffenen.
  115. 115Was sie an Gutem tun, wird ihnen nicht abgesprochen. Gott ist über die Gottesfürchtigen wissend.
  116. 116Wahrlich, denen, die ungläubig sind, nützen ihr Vermögen und ihre Kinder nichts bei Gott. Diese sind die Gefährten des Feuers. Sie sind darin ewig.
  117. 117Das Gleichnis dessen, was sie in diesem diesseitigen Leben ausgeben, ist wie das Gleichnis eines Windes mit eisiger Kälte, der die Saat eines Volkes traf, das sich selbst Unrecht getan hatte, und sie vernichtete. Gott hat ihnen kein Unrecht getan. Aber sie tun sich selbst Unrecht.
  118. 118O ihr, die ihr glaubt! Nehmt keine Vertrauten außerhalb eurer Reihen! Sie werden nicht aufhören, euch zu verderben. Sie wünschen, was euch Schmerzen bereitet. Schon ist der Hass aus ihren Mündern hervorgekommen. Was ihre Brust verbirgt, ist noch größer. Wir haben euch die Zeichen klar gemacht, wenn ihr verständig seid.
  119. 119Da seid ihr! Ihr liebt sie, aber sie lieben euch nicht. Ihr glaubt an das ganze Buch. Wenn sie euch begegnen, sagen sie: Wir glauben! Aber wenn sie allein sind, beißen sie sich vor Wut die Fingerspitzen. Sprich: Sterbt in eurem Zorn! Wahrlich, Gott weiß, was in den Brüsten ist.
  120. 120Wenn euch etwas Gutes berührt, missfällt es ihnen. Wenn euch etwas Schlechtes trifft, freuen sie sich darüber. Wenn ihr aber geduldig und gottesfürchtig seid, schadet ihre List euch nicht. Wahrlich, Gott umfasst, was sie tun.
  121. 121Als du am Morgen von deiner Familie aufbrachst, um den Gläubigen Stellungen zum Kampf einzuweisen – Gott ist allhörend, allwissend.
  122. 122Als zwei Gruppen von euch beinahe versagten – Gott aber war ihr Schutzherr. Auf Gott sollen die Gläubigen vertrauen!
  123. 123Schon hat euch Gott bei Badr unterstützt, während ihr zu wenige wart. So fürchtet Gott, vielleicht seid ihr dankbar!
  124. 124Als du zu den Gläubigen sagtest: Genügt es euch nicht, dass euch euer Herr mit dreitausend herabgesandten Engeln unterstützt?
  125. 125Doch! Wenn ihr geduldig und gottesfürchtig seid und sie kommen euch wie im Sturm, unterstützt euch euer Herr mit fünftausend gezeichneten Engeln.
  126. 126Gott hat es nur als frohe Botschaft für euch und damit eure Herzen darüber Ruhe finden gemacht. Der Sieg ist nur von Gott, dem Mächtigen, dem Weisen.
  127. 127Damit er eine Gruppe derer, die ungläubig sind, abschneidet oder sie niederwirft, sodass sie unterlegen umkehren.
  128. 128Es liegt nicht in deiner Hand: Entweder er wendet sich ihnen zu, oder er straft sie. Sie sind doch Frevler.
  129. 129Gott gehört, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Er vergibt, wem er will, und straft, wen er will. Gott ist allverzeihend, barmherzig.
  130. 130O ihr, die ihr glaubt! Esst nicht den Zins, doppelt verdoppelt! Fürchtet Gott, vielleicht seid ihr erfolgreich!
  131. 131Hütet euch vor dem Feuer, das für die Ungläubigen bereitet ist!
  132. 132Gehorcht Gott und dem Gesandten, vielleicht wird euch Barmherzigkeit erwiesen!
  133. 133Eilt zu einer Vergebung von eurem Herrn und einem Paradies, dessen Breite die Himmel und die Erde sind, bereitet für die Gottesfürchtigen –
  134. 134die in Freude und Not ausgeben, ihren Zorn unterdrücken und den Menschen verzeihen. Gott liebt die Gutestuenden.
  135. 135Und die, wenn sie eine Schändlichkeit begehen oder sich selbst Unrecht zufügen, Gottes gedenken und für ihre Sünden um Vergebung bitten – wer vergibt die Sünden außer Gott? Und die nicht beharren in dem, was sie getan haben, während sie wissen.
  136. 136Diesen – ihr Lohn ist Vergebung von ihrem Herrn und Gärten, durch die Bäche fließen. Sie sind darin ewig. Schön ist der Lohn der Tätigen!
  137. 137Vor euch sind schon Beispiele vergangen. So wandelt auf der Erde umher und seht, wie das Ende derer war, die für Lüge erklärten!
  138. 138Das ist eine Klarstellung für die Menschen, eine Rechtleitung und eine Ermahnung für die Gottesfürchtigen.
  139. 139Lasst nicht den Mut sinken und seid nicht traurig! Ihr seid die Höheren, wenn ihr Gläubige seid.
  140. 140Wenn euch eine Wunde trifft, so hat das Volk eine gleiche Wunde getroffen. Diese Tage wechseln wir unter den Menschen ab, damit Gott die, die geglaubt haben, kenne und unter euch Märtyrer nehme. Gott liebt die Frevler nicht.
  141. 141Und damit Gott die, die geglaubt haben, läutere und die Ungläubigen vernichte.
  142. 142Oder meintet ihr, in das Paradies einzutreten, ohne dass Gott die, die unter euch sich mühen, kenne und die Geduldigen kenne?
  143. 143Schon habt ihr den Tod gewünscht, bevor ihr ihm begegnet seid. Da habt ihr ihn gesehen, während ihr zugeschaut habt.
  144. 144Mohammed ist nur ein Gesandter, dem schon Gesandte vorausgegangen sind. Wenn er stürbe oder getötet würde, würdet ihr auf den Fersen kehrtmachen? Wer auf den Fersen kehrtmacht, schadet Gott nichts. Gott wird die Dankbaren belohnen.
  145. 145Keine Seele stirbt, außer mit Erlaubnis Gottes – als vorgeschriebene Frist. Wer den Lohn der Welt will, geben wir ihm davon. Wer den Lohn des Jenseits will, geben wir ihm davon. Wir werden die Dankbaren belohnen.
  146. 146Wie viele Propheten haben gekämpft, mit denen viele Gottesergeben kämpften! Sie sind nicht erlahmt wegen dessen, was sie auf dem Weg Gottes traf, noch sind sie schwach geworden, noch haben sie sich unterworfen. Gott liebt die Geduldigen.
  147. 147Ihre Rede war nur: Unser Herr, vergib uns unsere Sünden und unsere Übertretung in unserer Sache! Festige unsere Schritte und hilf uns gegen das ungläubige Volk!
  148. 148Da gab ihnen Gott den Lohn der Welt und den schönen Lohn des Jenseits. Gott liebt die Gutestuenden.
  149. 149O ihr, die ihr glaubt! Wenn ihr denen gehorcht, die ungläubig sind, werden sie euch auf den Fersen zurückwenden, und ihr werdet als Verlierer umkehren.
  150. 150Aber Gott ist euer Schutzherr. Er ist der beste der Helfer.
  151. 151Wir werden in die Herzen derer, die ungläubig sind, Schrecken werfen, weil sie Gott beigesellt haben, wofür er keine Vollmacht herabgesandt hat. Ihre Bleibe ist das Feuer. Schlimm ist die Stätte der Frevler!
  152. 152Schon hat Gott euch sein Versprechen erfüllt, als ihr sie mit seiner Erlaubnis aufgerieben habt – bis ihr versagt habt, in der Sache uneinig wurdet und ungehorsam geworden seid, nachdem er euch gezeigt hatte, was ihr liebt. Unter euch sind welche, die diese Welt wollen, und unter euch sind welche, die das Jenseits wollen. Dann hat er euch von ihnen abgewendet, um euch zu prüfen. Schon hat er euch verziehen. Gott ist Inhaber von Gunst gegen die Gläubigen.
  153. 153Als ihr emporstieget, ohne euch zu jemandem umzudrehen, während der Gesandte euch von hinten rief! Da vergalt er euch Kummer um Kummer, damit ihr nicht traurig seid über das, was euch entgangen ist, und nicht über das, was euch getroffen hat. Gott ist kundig über das, was ihr tut.
  154. 154Dann sandte er euch nach dem Kummer Sicherheit herab – Schlaf, der eine Gruppe von euch bedeckte. Eine andere Gruppe machte sich aber Sorgen um sich selbst und dachte über Gott das Unrechte wie das Denken der Unwissenheit. Sie sagten: Haben wir etwas in der Sache zu sagen? Sprich: Wahrlich, die ganze Sache liegt bei Gott! Sie verbergen in ihren Seelen, was sie dir nicht offen sagen. Sie sagen: Hätten wir etwas in der Sache zu sagen, wären wir hier nicht getötet worden. Sprich: Wenn ihr in euren Häusern wärt, wären die, denen das Töten vorgeschrieben war, hinaus zu ihren Liegestätten gegangen. Damit Gott prüft, was in eurer Brust ist, und damit er läutert, was in euren Herzen ist. Gott weiß, was in den Brüsten ist.
  155. 155Wahrlich, die unter euch, die am Tag, als die beiden Gruppen aufeinandertrafen, sich abgewendet haben – nur der Satan hat sie zum Abrutschen gebracht wegen einigem, was sie verdient hatten. Schon hat Gott ihnen verziehen. Wahrlich, Gott ist allverzeihend, nachsichtig.
  156. 156O ihr, die ihr glaubt! Seid nicht wie die ungläubig sind und zu ihren Brüdern sagten, als sie im Land umherzogen oder Krieger waren: Wenn sie bei uns gewesen wären, wären sie nicht gestorben und nicht getötet worden! Damit macht Gott dies zur Reue in ihren Herzen. Gott macht lebendig und lässt sterben. Gott ist sehend gegen das, was ihr tut.
  157. 157Wenn ihr auf dem Weg Gottes getötet werdet oder sterbt – wahrlich, Vergebung von Gott und Barmherzigkeit sind besser als das, was sie zusammentragen.
  158. 158Wenn ihr sterbt oder getötet werdet – zu Gott werdet ihr versammelt.
  159. 159Durch Barmherzigkeit von Gott bist du gegen sie milde geworden. Wärst du grob und hart im Herzen, wären sie um dich herum auseinandergegangen. So vergib ihnen, bitte für sie um Vergebung und berate dich mit ihnen in der Sache! Wenn du dich aber entschlossen hast, vertraue auf Gott! Wahrlich, Gott liebt die Vertrauenden.
  160. 160Wenn Gott euch hilft, gibt es keinen, der euch besiegen kann. Wenn er euch aber im Stich lässt, wer ist es, der euch danach helfen würde? Auf Gott sollen die Gläubigen vertrauen!
  161. 161Es ziemt sich für keinen Propheten, dass er etwas unterschlägt. Wer etwas unterschlägt, soll das, was er unterschlagen hat, am Tag der Auferstehung bringen. Dann wird jeder Seele voll vergolten, was sie verdient hat, und es wird ihnen kein Unrecht getan.
  162. 162Ist denn der, der dem Wohlgefallen Gottes folgt, wie der, der Zorn von Gott auf sich gezogen hat und dessen Bleibe die Hölle ist? Schlimm ist die Heimkehr!
  163. 163Sie haben Stufen bei Gott. Gott ist sehend gegen das, was sie tun.
  164. 164Schon hat Gott den Gläubigen Gunst erwiesen, als er unter ihnen einen Gesandten aus ihnen erweckte, der ihnen seine Zeichen verliest, sie reinigt und sie das Buch und die Weisheit lehrt. Vorher waren sie wahrlich in deutlicher Verirrung.
  165. 165Als euch ein Unglück traf, das ihr schon zweifach zugefügt hattet, sagtet ihr: Woher kommt das? Sprich: Es ist von euch selbst! Wahrlich, Gott hat über alles Macht.
  166. 166Was euch am Tag, als die beiden Gruppen aufeinandertrafen, getroffen hat, geschah mit Erlaubnis Gottes – damit er die Gläubigen kenne,
  167. 167und damit er die, die heucheln, kenne. Es wurde zu ihnen gesagt: Kommt, kämpft auf dem Weg Gottes oder verteidigt! Sie sagten: Wenn wir wüssten zu kämpfen, würden wir euch folgen. Sie waren an dem Tag dem Unglauben näher als dem Glauben. Sie sagen mit ihren Mündern, was nicht in ihren Herzen ist. Gott weiß am besten, was sie verbergen.
  168. 168Die, die zu ihren Brüdern sagten, während sie selbst untätig blieben: Hätten sie auf uns gehört, wären sie nicht getötet worden! Sprich: Wehrt den Tod von euch ab, wenn ihr wahrhaftig seid!
  169. 169Haltet die nicht für tot, die auf dem Weg Gottes getötet wurden! Vielmehr sind sie bei ihrem Herrn lebendig und werden versorgt –
  170. 170froh über das, was Gott ihnen von seiner Gunst gegeben hat, und in freudiger Erwartung für die, die ihnen nicht angeschlossen waren, die nach ihnen kommen – dass keine Furcht über sie sein wird und sie nicht traurig sein werden.
  171. 171Sie freuen sich über eine Gunst von Gott und eine Gabe und darüber, dass Gott den Lohn der Gläubigen nicht verloren gehen lässt.
  172. 172Die dem Ruf Gottes und des Gesandten folgten, nachdem die Wunde sie getroffen hatte – für die, die unter ihnen Gutes taten und gottesfürchtig waren, ist ein großer Lohn.
  173. 173Die, denen die Menschen sagten: Wahrlich, die Menschen haben sich gegen euch zusammengetan. So fürchtet sie! Aber es vermehrte sie im Glauben, und sie sagten: Gott genügt uns. Welch ein vortrefflicher Sachwalter!
  174. 174Da kehrten sie mit einer Gunst von Gott und einer Gabe zurück, ohne dass sie etwas Schlechtes berührt hätte. Sie folgten dem Wohlgefallen Gottes. Gott ist Inhaber großer Gunst.
  175. 175Das ist nur der Satan, der seine Schutzherren in Furcht versetzt. So fürchtet sie nicht, sondern fürchtet mich, wenn ihr Gläubige seid!
  176. 176Sollen dich nicht die traurig machen, die im Unglauben hineileilen! Wahrlich, sie schaden Gott nichts. Gott will ihnen keinen Anteil am Jenseits geben. Sie haben eine gewaltige Strafe.
  177. 177Wahrlich, die den Unglauben gegen den Glauben eingetauscht haben – sie schaden Gott nichts. Sie haben eine schmerzhafte Strafe.
  178. 178Die, die ungläubig sind, sollen nicht meinen, dass das, was wir ihnen an Aufschub gewähren, gut für sie ist. Wir gewähren ihnen nur Aufschub, damit sie an Sünde zunehmen. Sie haben eine entehrende Strafe.
  179. 179Gott würde die Gläubigen nicht in dem Zustand lassen, in dem ihr seid, bis er das Schlechte vom Guten unterscheidet. Gott würde euch nicht das Verborgene erkennen lassen. Aber Gott erwählt, wen er will, von seinen Gesandten. So glaubt an Gott und seine Gesandten! Wenn ihr glaubt und gottesfürchtig seid, habt ihr einen großen Lohn.
  180. 180Die, die geizen mit dem, was Gott ihnen von seiner Gunst gegeben hat, sollen nicht meinen, dass es gut für sie ist! Vielmehr ist es schlecht für sie. Womit sie geizen, wird ihnen am Tag der Auferstehung wie ein Halskragen umgehängt. Gott gehört das Erbe der Himmel und der Erde. Gott ist kundig über das, was ihr tut.
  181. 181Wahrlich, Gott hat die Rede derer gehört, die sagten: Gott ist arm, und wir sind reich. Wir werden niederschreiben, was sie sagten, und ihre Tötung der Propheten ohne Recht. Wir sagen: Kostet die Strafe des Brandes!
  182. 182Das ist für das, was eure Hände vorausgeschickt haben, und Gott tut den Dienern kein Unrecht.
  183. 183Die, die sagten: Wahrlich, Gott hat uns einen Bund auferlegt, dass wir keinem Gesandten glauben, bis er uns ein Opfer bringt, das Feuer verzehrt. Sprich: Schon kamen euch Gesandte vor mir mit klaren Beweisen und mit dem, was ihr gesagt habt. Warum habt ihr sie also getötet, wenn ihr wahrhaftig seid?
  184. 184Wenn sie dich für einen Lügner halten, so wurden auch Gesandte vor dir für Lügner gehalten, die mit klaren Beweisen, den Schriften und dem Buch der Erleuchtung kamen.
  185. 185Jede Seele wird den Tod kosten. Ihr werdet am Tag der Auferstehung euren Lohn voll erhalten. Wer vom Feuer ferngehalten und in das Paradies eingelassen wird, hat erfolgreich gehandelt. Das diesseitige Leben ist nur ein Genuss der Täuschung.
  186. 186Ihr werdet wahrlich an eurem Vermögen und an euch selbst geprüft. Ihr werdet wahrlich viel Verletzendes von denen hören, denen das Buch vor euch gegeben wurde, und von den Beigesellenden. Wenn ihr aber geduldig und gottesfürchtig seid – das gehört zur Entschlossenheit in den Angelegenheiten.
  187. 187Als Gott den Bund derer nahm, denen das Buch gegeben wurde: Ihr müsst es den Menschen klar machen und nicht verbergen! Sie warfen es aber hinter ihre Rücken und tauschten es gegen einen geringen Preis. Schlimm ist, was sie dafür eingetauscht haben!
  188. 188Du sollst nicht meinen, dass die, die sich über das freuen, was sie getan haben, und gelobt werden möchten für das, was sie nicht getan haben – nicht meinen, dass sie sicher vor der Strafe sind! Sie haben eine schmerzhafte Strafe.
  189. 189Gott gehört die Königsherrschaft der Himmel und der Erde. Gott hat über alles Macht.
  190. 190Wahrlich, in der Erschaffung der Himmel und der Erde und im Wechsel der Nacht und des Tages sind Zeichen für die Verständigen,
  191. 191die Gottes gedenken stehend, sitzend und auf ihren Seiten und über die Erschaffung der Himmel und der Erde nachdenken: Unser Herr, du hast das nicht umsonst erschaffen! Preis sei dir! Schütze uns vor der Strafe des Feuers!
  192. 192Unser Herr, wen du ins Feuer einlässt, den hast du wahrlich beschämt. Die Frevler haben keine Helfer.
  193. 193Unser Herr, wir haben einen Rufer rufen hören, der zum Glauben rief: Glaubt an euren Herrn! Da glaubten wir. Unser Herr, vergib uns also unsere Sünden, bedecke unsere Übeltaten und nimm uns mit den Frommen zu dir!
  194. 194Unser Herr, gib uns, was du uns durch deine Gesandten versprochen hast, und beschäme uns nicht am Tag der Auferstehung! Wahrlich, du brichst das Versprechen nicht.
  195. 195Da antwortete ihnen ihr Herr: Wahrlich, ich lasse das Werk eines von euch Tätigen nicht verloren gehen, ob Mann oder Frau – einer ist vom anderen. Den, die ausgewandert, aus ihren Wohnstätten vertrieben, auf meinem Weg gepeinigt sind, kämpften und getötet wurden – ich werde ihre Übeltaten bedecken und werde sie in Gärten einlassen, durch die Bäche fließen. Eine Belohnung von Gott. Bei Gott ist der schönste Lohn.
  196. 196Lass dich nicht täuschen vom Hin-und-Her-Wandern derer, die ungläubig sind, im Land!
  197. 197Es ist nur ein kurzer Genuss. Dann ist ihre Bleibe die Hölle. Schlimm ist das Lager!
  198. 198Aber die, die ihren Herrn fürchten, haben Gärten, durch die Bäche fließen. Sie sind darin ewig – als Gastgabe von Gott. Was bei Gott ist, ist besser für die Frommen.
  199. 199Wahrlich, unter den Leuten der Schrift gibt es welche, die an Gott und das, was zu euch und zu ihnen herabgesandt wurde, glauben – demütig vor Gott. Sie tauschen die Zeichen Gottes nicht gegen einen geringen Preis. Diese haben ihren Lohn bei ihrem Herrn. Wahrlich, Gott ist schnell in der Abrechnung.
  200. 200O ihr, die ihr glaubt! Habt Geduld, seid einander an Geduld überlegen und seid bereit! Fürchtet Gott, vielleicht seid ihr erfolgreich!

Einordnung & Bedeutung

Was diese Sure besonders macht

Sure 3 ist die zweitlängste Sure des Korans nach Al-Baqara. Sie schließt thematisch direkt an Sure 2 an: Wo Sure 2 die Grundlagen der jungen Gemeinschaft in Medina legt, ist Sure 3 die Sure der Bewährung. Sie reagiert auf zwei zentrale Herausforderungen der frühen Medina-Zeit:

  • den theologischen Disput mit den Christen – insbesondere der Delegation aus Nadschrān, die nach Medina kam, um über Jesus zu verhandeln
  • die militärische Niederlage von Uḥud (625 n. Chr.) – Mohammeds erste verlorene Schlacht, eine schwere Krise des frühen Islam

Beides verschränkt sich in der Sure. Theologie und Geschichte greifen ineinander – das ist ihr besonderer Charakter.

Der Name

Die Sure heißt „Die Familie ʿImrāns" nach Vers 33: „Wahrlich, Gott hat Adam, Noah, die Familie Abrahams und die Familie ʿImrāns vor den Welten erwählt." ʿImrān ist im Koran Marias Vater. Die Sure stellt damit eine ungewöhnliche Reihe auf: Adam – Noah – Abraham – ʿImrān. Vier Eckpunkte der monotheistischen Heilsgeschichte. Dass ʿImrān (Marias Vater) als gleichwertig mit Abraham genannt wird, zeigt die hohe Stellung Marias im islamischen Denken.

Eine wichtige Anmerkung zur Identifikation: In der Bibel ist ʿAmrām (hebräisch עַמְרָם) der Vater von Moses, Aaron und Mirjam. Im Koran ist ʿImrān der Vater Marias (Mutter Jesu) – also etwa 1300 Jahre später. Manche westlichen Kritiker sehen darin eine Verwechslung; die klassische islamische Tradition argumentiert, dass es zwei verschiedene Männer namens ʿImrān gab, oder dass die Familie Marias die Linie der Familie Amrams fortsetzte. Eine andere Auslegung sieht in „Familie ʿImrāns" einen Sippen-Namen, nicht eine direkte Vaterschaft.

Die Struktur

Die Sure lässt sich grob in folgende Blöcke gliedern:

  1. Verse 1–32: Theologische Eröffnung. Vers 7 über klare und mehrdeutige Verse ist hermeneutisch grundlegend.
  2. Verse 33–63: Die Marien- und Jesus-Erzählung – das theologische Herzstück.
  3. Verse 64–99: Disput mit den Leuten der Schrift; Abraham als Hanīf.
  4. Verse 100–120: Aufrufe zur Einheit der Gemeinschaft.
  5. Verse 121–179: Die Schlacht von Uḥud – ihre Aufarbeitung, theologisch wie seelsorgerlich.
  6. Verse 180–200: Schluss-Aufrufe, das berühmte „Gebet der Verständigen" (Verse 190–195).

Vers 7 – klare und mehrdeutige Verse

Vers 7 ist eine der wichtigsten hermeneutischen Stellen des Korans: „Darin sind eindeutige Verse – sie sind die Grundlage des Buches – und andere mehrdeutige." Die zwei arabischen Begriffe sind muḥkam (klar, eindeutig) und mutaschābih (mehrdeutig, allegorisch).

Der Koran sagt also selbst, dass nicht alle seine Verse gleich klar sind. Manche sind eindeutig – etwa die ethischen Hauptgebote, das Verbot von Mord und Diebstahl, die Pflicht zum Gebet. Andere sind mehrdeutig – etwa die rätselhaften Anfangsbuchstaben mancher Suren (Alif-Lām-Mīm hier), die Beschreibungen Gottes mit Händen und Augen, oder einzelne Stellen, deren historischer Kontext unklar ist.

Vers 7 macht drei wichtige Aussagen:

  1. Die klaren Verse sind die Grundlage. Man baut auf ihnen – nicht auf den mehrdeutigen.
  2. Wer mit krummem Herzen liest, sucht das Mehrdeutige. Die Suche nach „verborgenen Bedeutungen" kann eine Falle sein. Wer die klaren Stellen umgeht und seine eigenen Theorien an den unklaren entlangzieht, manipuliert.
  3. Die wahre Auslegung kennt nur Gott. Die im Wissen Gefestigten sagen: „Wir glauben daran! Alles ist von unserem Herrn."

Bemerkenswert ist die syntaktische Mehrdeutigkeit des Verses selbst. Je nachdem, wo man eine Pause setzt, lautet er entweder:

  • „Niemand kennt seine Auslegung außer Gott. Die im Wissen Gefestigten sagen: Wir glauben daran." (Sunnitische Mehrheit)
  • „Niemand kennt seine Auslegung außer Gott und den im Wissen Gefestigten. Sie sagen: Wir glauben daran." (Schiitische Lesart und viele Sufis)

Die erste Lesart begrenzt die Auslegung – nur Gott weiß die wahre Bedeutung der mehrdeutigen Verse. Die zweite Lesart öffnet den Raum für menschliche Auslegung durch besonders Gelehrte (in der schiitischen Tradition: die Imame; im Sufismus: die geistlichen Meister).

Die Marienerzählung (Verse 33–47)

Die ausführlichste Marienerzählung des Korans steht in dieser Sure. Maria erscheint nur in zwei Suren ausführlich – Sure 3 und Sure 19. Hier ist sie eingebettet in die Familiengeschichte: Großmutter Marias gelobt das ungeborene Kind Gott (Vers 35), bringt aber eine Tochter zur Welt und nennt sie Maria (Vers 36).

Drei Stellen sind theologisch hervorzuheben:

Vers 37 – Versorgung im Heiligtum: „Sooft Zacharias bei ihr im Heiligtum eintrat, fand er bei ihr Versorgung." Klassische Auslegungen verstehen das wörtlich: Bei Maria erschien immer wundersam Nahrung – im Winter Sommerfrüchte, im Sommer Winterfrüchte. Es ist eine kompakte Aussage über ihren besonderen Status: Gott versorgt sie direkt, ohne menschliches Zutun.

Vers 42 – „Vor den Frauen der Welten": „Maria, wahrlich, Gott hat dich erwählt und gereinigt und vor den Frauen der Welten erwählt." Die Engel sagen ihr ihre Auszeichnung an. Im sunnitischen Mainstream wird Maria mit Khadidscha, Fatima und Aasiya (der gläubigen Frau Pharaos) als eine der vier größten Frauen der Geschichte gezählt. Manche Hadithe nennen sie als die größte.

Vers 45 – „Ein Wort von ihm": Über Jesus heißt es: „Gott verkündet dir die frohe Botschaft von einem Wort von ihm. Sein Name ist Jesus Christus." Das ist eine theologisch dichte Stelle. Jesus wird als kalimatuhū – „sein Wort" – bezeichnet. Christliche Theologen sehen darin eine Nähe zum Logos-Begriff aus Johannes 1. Islamische Auslegungen unterscheiden aber scharf: Jesus ist ein Wort von Gott, nicht das ewige Wort als Gott. Vers 59 erklärt dann ausdrücklich: „Wahrlich, das Gleichnis Jesu bei Gott ist wie das Gleichnis Adams. Er erschuf ihn aus Erde. Dann sagte er zu ihm: Sei! Und er war."

Jesus im Islam (Verse 45–59)

Die Jesus-Stellen in Sure 3 sind die wichtigsten neben Sure 19 und 4. Mehrere Punkte sind grundlegend:

Vers 46 – Sprechen in der Wiege: Jesus spricht schon als Säugling – ein islamisches Spezifikum. Sure 19,30 erzählt diese Szene ausführlich.

Vers 49 – Wunder: Jesus formt Vögel aus Ton, heilt den Blindgeborenen und den Aussätzigen, erweckt Tote. Aber jedes Mal mit der Formel bi-idhni Allāh – „mit Gottes Erlaubnis". Diese Formel ist im Islam zentral: Jesus tut Wunder durch Gott, nicht als Gott.

Vers 51 – Monotheistisches Bekenntnis: Jesus selbst sagt: „Wahrlich, Gott ist mein Herr und euer Herr. So dient ihm!" Das ist das zentrale islamische Jesus-Bekenntnis: Jesus selbst war Monotheist, der allein Gott anbetete. Erst nach seiner Erhebung haben seine Anhänger ihn vergöttlicht – gegen seine eigene Lehre.

Vers 55 – Die Erhebung: „Als Gott sagte: Jesus, wahrlich, ich werde dich abberufen und dich zu mir erheben." Das arabische mutawaffīka wird unterschiedlich verstanden:

  • Klassisch-mehrheitlich: Jesus wurde nicht gekreuzigt (siehe Sure 4,157), sondern lebend in den Himmel erhoben. Am Ende der Zeiten wird er zurückkehren. mutawaffīka heißt hier „dich zu mir nehmen" (ohne Tod).
  • Aḥmadiyya und manche Reformer: Jesus starb einen natürlichen Tod (in Kaschmir oder anderswo). mutawaffīka heißt wörtlich „dich sterben lassen".
  • Drittes Verständnis: Jesus wurde gekreuzigt, aber Gott rettete seinen Geist. Die Stelle wird metaphorisch gelesen.

Die Mehrheits-Lesart ist die der lebenden Entrückung. Sie wird durch eine Reihe Hadithe gestützt, die Jesu Wiederkunft am Ende der Zeit beschreiben – er wird den Dadschdschāl (Antichrist) besiegen und auf Erden eine Zeit der Gerechtigkeit etablieren.

Die Mubāhala (Vers 61) – ein historisches Ereignis

Vers 61 enthält die berühmte Szene der Mubāhala – eines „gegenseitigen Verfluchungs-Schwurs". Eine christliche Delegation aus Nadschrān (Süd-Arabien) war im 9. Jahr nach der Hidschra (630/631) nach Medina gekommen, um mit Mohammed über Jesus zu disputieren. Sie konnten sich nicht einigen. Mohammed schlug einen rituellen Schwur vor:

„Kommt, wir wollen unsere Söhne und eure Söhne, unsere Frauen und eure Frauen, uns selbst und euch selbst rufen! Dann wollen wir flehen, sodass der Fluch Gottes über die Lügner kommt!"

Mohammed kam am verabredeten Tag mit seinen engsten Verwandten – seiner Tochter Fatima, ihrem Mann ʿAlī, und ihren Söhnen al-Ḥasan und al-Ḥusain. Klassische Berichte erzählen, dass die Christen vor diesem Anblick zurückwichen und einen Friedensvertrag mit Steuerverpflichtung wählten statt des Fluchschwurs.

Im schiitischen Islam ist diese Szene besonders bedeutend: Sie zeigt für Schiiten, dass Mohammeds ahl al-bait (Familie) eine besondere theologische Stellung hat – Fatima, ʿAlī, Ḥasan und Ḥusain bilden das Fundament der schiitischen Imamen-Linie.

„Kommt zu einer gemeinsamen Aussage" (Vers 64)

Vers 64 ist eine der wichtigsten Stellen des Korans für den interreligiösen Dialog: „Sprich: Ihr Leute der Schrift, kommt zu einer Aussage, die uns und euch gemeinsam ist: dass wir nur Gott dienen und ihm nichts beigesellen und dass keiner von uns andere zu Herren neben Gott nehmen soll!"

Diese Stelle wurde 2007 zum Titel des Dokuments „A Common Word Between Us and You" – einem offenen Brief von 138 muslimischen Gelehrten an die Christenheit, der den interreligiösen Dialog auf eine neue Grundlage stellen wollte. Das Dokument ist heute ein Schlüsseltext der christlich-islamischen Verständigung.

Die Pointe: Trotz aller theologischen Differenzen – die Sure 3 deutlich benennt – gibt es eine gemeinsame Grundlage: den Monotheismus. Auf dieser Grundlage soll der Dialog stehen.

Abraham als Hanīf (Vers 67)

Vers 67 ist programmatisch: „Abraham war weder Jude noch Christ, sondern er war ein Hanīf, ein Ergebener. Er gehörte nicht zu den Beigesellenden."

Diese Stelle ist im islamischen Selbstverständnis grundlegend. Sie reagiert auf den jüdischen und christlichen Anspruch, Abrahams Erbe zu sein. Der Koran argumentiert: Abraham lebte vor Judentum und Christentum. Beide Religionen entstanden erst lange nach ihm. Abraham war einfach Hanīf – ein reiner Monotheist, ein dem Einen ergebener Mensch. Der Islam beansprucht damit, älter als Judentum und Christentum zu sein – nicht in der Zeit, sondern im Ursprung.

Die Schlacht von Uḥud (Verse 121–179)

Etwa 60 Verse der Sure beschäftigen sich mit einem einzigen historischen Ereignis: der Schlacht von Uḥud am 23. März 625. Sie war Mohammeds erste militärische Niederlage – ein Schock für die junge Gemeinschaft.

Der Hintergrund: Ein Jahr zuvor hatten 313 Muslime in der Schlacht von Badr eine wunderbare Sieg gegen 1000 Mekkaner errungen (siehe Vers 123). Die Mekkaner sannen auf Rache. Sie kamen mit 3000 Mann zum Berg Uḥud nahe Medina. Mohammed führte 700 Muslime gegen sie. Anfangs lief es gut – die Mekkaner wurden zurückgedrängt. Aber dann verließen 50 Bogenschützen ihre Stellung am Hügel, um Beute zu sammeln. Khālid ibn al-Walīd – der spätere Schwert Gottes, der damals noch auf mekkanischer Seite kämpfte – nutzte die Lücke. Die Muslime wurden eingekreist. 70 Muslime fielen, darunter Mohammeds Onkel Ḥamza. Mohammed selbst wurde verwundet, ein Zahn ging zu Bruch, Gerüchte vom Tod des Propheten verbreiteten sich.

Die theologische Aufarbeitung dieser Niederlage ist eine der bemerkenswertesten Stellen des Korans. Mehrere Punkte:

Vers 144 – Wenn der Prophet stirbt: „Mohammed ist nur ein Gesandter, dem schon Gesandte vorausgegangen sind. Wenn er stürbe oder getötet würde, würdet ihr auf den Fersen kehrtmachen?" Ein zentraler Vers. Der Glaube hängt nicht an der Person Mohammeds. Gott bleibt – auch wenn der Prophet stirbt. Dieser Vers wurde berühmt, als Abu Bakr ihn zwei Jahre später bei Mohammeds Tod rezitierte. Er beendete die Verwirrung der Gemeinschaft: Wer Mohammed anbete, solle wissen, Mohammed sei tot. Wer Gott anbete – Gott lebe und sterbe nicht.

Vers 152 – Ehrliche Diagnose der Niederlage: Die Sure verschweigt nicht, was schiefgegangen ist. Sie nennt klar: die Bogenschützen verließen ihre Stellung; die Gemeinschaft wurde uneinig; manche wollten die Welt, manche wollten das Jenseits. Das ist bemerkenswert: ein religiöser Text, der die eigene Niederlage offen analysiert.

Vers 159 – Mohammeds Milde: „Durch Barmherzigkeit von Gott bist du gegen sie milde geworden. Wärst du grob und hart im Herzen, wären sie um dich herum auseinandergegangen. So vergib ihnen, bitte für sie um Vergebung und berate dich mit ihnen in der Sache!" Mohammed verzeiht den Bogenschützen, die seinen Sieg verspielt haben. Er beratet sich mit ihnen weiter. Das ist Führungs-Theologie: Härte gewinnt nicht.

Vers 169 – Die Märtyrer leben: „Haltet die nicht für tot, die auf dem Weg Gottes getötet wurden! Vielmehr sind sie bei ihrem Herrn lebendig und werden versorgt." Diese Stelle wurde zur Grundlage der islamischen Märtyrer-Theologie. Wer für die Sache Gottes fällt, ist nicht tot – er ist im Paradies. Die Stelle hat in der Geschichte viele Wirkungen entfaltet, gute wie problematische.

Das Gebet der Verständigen (Verse 190–195)

Die letzten sechs Verse der Sure (vor dem Schluss-Aufruf) sind eines der schönsten Gebete des Korans. Es heißt das „Gebet der Verständigen" (duʿāʾ ulī al-albāb):

Vers 191 beschreibt zunächst, wer betet: „die Gottes gedenken stehend, sitzend und auf ihren Seiten und über die Erschaffung der Himmel und der Erde nachdenken." Dann folgt das Gebet selbst – über drei Verse hinweg. Es enthält:

  • Lob („Preis sei dir!")
  • Bitte um Schutz („Schütze uns vor der Strafe des Feuers!")
  • Demut („Wen du ins Feuer einlässt, den hast du wahrlich beschämt")
  • Bekenntnis („Wir haben einen Rufer rufen hören")
  • Bitte um Vergebung („Vergib uns unsere Sünden, bedecke unsere Übeltaten")
  • Bitte um die Versprechen („Gib uns, was du uns durch deine Gesandten versprochen hast")

Diese sechs Verse werden in der täglichen Frömmigkeit häufig rezitiert – besonders nach dem Nachtgebet oder beim Tahadschdschud (freiwilliges Nachtgebet).

Vers 195 – Gleichheit von Mann und Frau im Lohn

Vers 195 enthält eine im 7. Jahrhundert revolutionäre Aussage: „Wahrlich, ich lasse das Werk eines von euch Tätigen nicht verloren gehen, ob Mann oder Frau – einer ist vom anderen."

Vor Gott werden Mann und Frau gleich belohnt. „Einer ist vom anderen" – die geschlechtliche Komplementarität ohne Hierarchie im göttlichen Gericht. Diese Stelle ist im modernen islamischen Reform-Diskurs zentral. Sie zeigt, dass die koranische Anthropologie geschlechter-egalitär ist, auch wenn einzelne rechtliche Bestimmungen (Erbschaft, Zeugenschaft) historisch anders waren.

Wie wird die Sure verstanden?

Sure 3 ist mehrfach bemerkenswert. Sie ist:

  • die wichtigste christologische Sure des Korans – mit der ausführlichsten Maria- und Jesus-Erzählung
  • die hermeneutische Grundsure – mit Vers 7 über klare und mehrdeutige Stellen
  • die seelsorgerliche Krisensure – mit der theologischen Aufarbeitung der Niederlage von Uḥud
  • die Dialog-Sure – mit Vers 64 als Grundlage interreligiöser Verständigung

Die Verbindung dieser Themen ist nicht zufällig. Sure 3 zeigt: Theologische Klarheit und seelsorgerliche Ehrlichkeit gehören zusammen. Wer in der Krise (Uḥud) standhalten will, braucht klare theologische Grundlagen (Vers 7, Vers 64). Wer mit anderen Religionen ehrlich umgehen will (Maria-Erzählung, „kommt zu einer gemeinsamen Aussage"), muss auch die eigene Position vertreten können (Abraham als Hanīf).

Mohammed soll laut Hadith gesagt haben, dass die Sure am Tag der Auferstehung als fürsprechender Schatten kommt – wie eine Wolke, die ihre Leser beschirmt. In der Praxis wird die Sure besonders in Zeiten der Prüfung gelesen.

Schlüsselbegriffe kurz erklärt

  • Āl ʿImrān – „die Familie ʿImrāns" – Marias Familie; im Vers 33 mit Adam, Noah und Abraham als auserwählt genannt
  • Muḥkam / Mutaschābih – klare vs. mehrdeutige Verse (Vers 7) – Grundlage der gesamten koranischen Hermeneutik
  • Maria im Koran – die einzige namentlich genannte Frau des Korans; sie hat eine eigene Sure (19) und ist hier mit Familienhintergrund dargestellt
  • „Wort von Gott" – Vers 45 – Jesus als kalima Allāh; aber von Gott geschaffen, nicht göttlich
  • Mubāhala – „gegenseitiger Verfluchungs-Schwur" – Vers 61, historisch mit der Nadschrān-Delegation 630
  • „Kommt zu einer gemeinsamen Aussage" – Vers 64 – Schlüsseltext des modernen interreligiösen Dialogs (A Common Word, 2007)
  • Hanīf – Abraham als „ursprünglicher Monotheist" vor Judentum und Christentum (Vers 67)
  • Schlacht von Uḥud – 23. März 625 – Verse 121–179; Mohammeds erste Niederlage, theologisch aufgearbeitet
  • „Mohammed ist nur ein Gesandter" – Vers 144 – berühmt durch Abu Bakrs Rezitation beim Tod Mohammeds
  • Märtyrer-Stelle (Vers 169) – „Haltet die nicht für tot, die auf dem Weg Gottes getötet wurden!" – Grundlage der islamischen Schahīd-Theologie