Sure 4

Die Frauen

An-Nisāʾ

Verse: 176 Offenbart in: Medina Zeit: medinensisch (zwischen 625 und 627, teilweise nach der Schlacht von Uḥud)

Worum geht's?

Die wichtigste familienrechtliche Sure des Korans, benannt nach den Frauen, da viele Stellen das Verhältnis der Geschlechter, Eherecht, Erbrecht und Waisenschutz regeln. Zugleich enthält sie die wichtigsten anti-trinitarischen Stellen des Korans (Vers 171) und die berühmte Stelle zur Kreuzigung Jesu (Vers 157). Vers 59 ist die Grundlage der islamischen Staats-Theorie; Vers 34 die umstrittenste familienrechtliche Stelle des Korans.

Der Text – Vers für Vers

In moderner Sprache paraphrasiert nach Max Henning (1901).

  1. 1O ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, der euch aus einer einzigen Seele erschaffen hat. Er hat aus ihr ihre Gattin erschaffen und aus beiden viele Männer und Frauen entstehen lassen. Fürchtet Gott, in dessen Namen ihr einander bittet, und auch die Verwandtschaften! Wahrlich, Gott wacht über euch.
  2. 2Gebt den Waisen ihr Vermögen! Tauscht nicht das Schlechte gegen das Gute aus und verzehrt nicht ihr Vermögen mit eurem Vermögen! Wahrlich, das ist eine große Sünde.
  3. 3Wenn ihr fürchtet, gegen die Waisen nicht gerecht zu sein, so heiratet, was euch von den Frauen gut erscheint: zu zweit, zu dritt, zu viert. Wenn ihr aber fürchtet, nicht gerecht zu sein, so eine einzige oder was eure rechte Hand besitzt. Das ist näher dazu, dass ihr nicht ungerecht werdet.
  4. 4Gebt den Frauen ihre Brautgabe als Geschenk! Wenn sie euch aber freiwillig etwas davon überlassen, so esst es als wohlbekömmlich und gesund!
  5. 5Gebt nicht den Schwachsinnigen euer Vermögen, das Gott für euch zum Lebensunterhalt bestimmt hat! Versorgt sie aus ihm und kleidet sie und sprecht zu ihnen geziemende Rede!
  6. 6Prüft die Waisen, bis sie das heiratsfähige Alter erreicht haben! Wenn ihr von ihnen Verstand wahrnehmt, gebt ihnen ihr Vermögen aus! Verzehrt es nicht in Verschwendung und in Eile, bevor sie heranwachsen! Wer reich ist, soll sich enthalten. Wer aber arm ist, soll in geziemender Weise davon essen. Wenn ihr ihnen ihr Vermögen aushändigt, so ruft Zeugen darüber an! Gott genügt als Rechner.
  7. 7Den Männern gehört ein Anteil von dem, was die Eltern und die nächsten Verwandten hinterlassen. Auch den Frauen gehört ein Anteil von dem, was die Eltern und die nächsten Verwandten hinterlassen, sei es wenig oder viel – ein vorgeschriebener Anteil.
  8. 8Wenn bei der Aufteilung die Verwandten, die Waisen und die Armen anwesend sind, so versorgt sie davon und sprecht zu ihnen geziemende Rede!
  9. 9Die, die fürchten würden, wenn sie schwache Nachkommen hinter sich ließen, sollen sie ebenso fürchten! So sollen sie Gott fürchten und gerechte Rede sprechen!
  10. 10Wahrlich, die das Vermögen der Waisen ungerecht verzehren – sie verzehren in ihrem Bauch nur Feuer. Sie werden in einem lodernden Feuer brennen.
  11. 11Gott ermahnt euch hinsichtlich eurer Kinder: dem Männlichen kommt der Anteil von zwei weiblichen zu. Wenn es aber mehr als zwei weibliche sind, sollen sie zwei Drittel dessen erhalten, was er hinterlässt. Wenn es nur eine ist, soll sie die Hälfte erhalten. Jedem von seinen Eltern kommt ein Sechstel dessen zu, was er hinterlässt, wenn er Kinder hat. Wenn er aber keine Kinder hat und seine Eltern ihn beerben, so kommt seiner Mutter ein Drittel zu. Wenn er Geschwister hat, kommt seiner Mutter ein Sechstel zu – nach einem Vermächtnis, das er macht, und nach einer Schuld. Eure Eltern und eure Kinder – ihr wisst nicht, welche von ihnen euch im Nutzen näherstehen. Es ist eine Vorschrift von Gott. Wahrlich, Gott ist allwissend, weise.
  12. 12Euch kommt die Hälfte von dem zu, was eure Frauen hinterlassen, wenn sie keine Kinder haben. Wenn sie aber Kinder haben, kommt euch ein Viertel von dem zu, was sie hinterlassen – nach einem Vermächtnis, das sie machen, und nach einer Schuld. Ihnen kommt ein Viertel von dem zu, was ihr hinterlasst, wenn ihr keine Kinder habt. Wenn ihr aber Kinder habt, kommt ihnen ein Achtel von dem zu, was ihr hinterlasst – nach einem Vermächtnis, das ihr macht, und nach einer Schuld. Wenn aber ein Mann oder eine Frau ohne Eltern und Kinder beerbt wird und einen Bruder oder eine Schwester hat, so kommt jedem von beiden ein Sechstel zu. Wenn sie mehr als zwei sind, sind sie Teilhaber zu einem Drittel – nach einem Vermächtnis, das gemacht wird, und nach einer Schuld, ohne Schaden. Eine Vorschrift von Gott. Gott ist allwissend, nachsichtig.
  13. 13Das sind die Grenzen Gottes. Wer Gott und seinem Gesandten gehorcht, den lässt er in Gärten eintreten, durch die Bäche fließen. Sie sind darin ewig. Das ist der gewaltige Erfolg.
  14. 14Wer aber Gott und seinem Gesandten ungehorsam ist und seine Grenzen übertritt, den lässt er in ein Feuer eintreten, in dem er ewig ist. Er hat eine entehrende Strafe.
  15. 15Die unter euren Frauen, die das Schändliche begehen – ruft vier von euch als Zeugen gegen sie auf! Wenn sie es bezeugen, so haltet sie in den Häusern fest, bis der Tod sie abruft oder Gott ihnen einen Ausweg schafft!
  16. 16Wenn zwei unter euch es begehen, so fügt ihnen Schmerz zu! Wenn sie aber umkehren und sich bessern, so lasst von ihnen ab! Wahrlich, Gott ist der sich Zuwendende, der Barmherzige.
  17. 17Die Annahme der Umkehr durch Gott gilt nur für die, die das Üble aus Unwissenheit tun und dann bald umkehren. Diesen wendet sich Gott zu. Gott ist allwissend, weise.
  18. 18Die Annahme der Umkehr gilt nicht für die, die Übles tun, bis ihnen der Tod naht und dann sagen: Wahrlich, ich kehre jetzt um. Und auch nicht für die, die als Ungläubige sterben. Für diese haben wir eine schmerzhafte Strafe bereitet.
  19. 19O ihr, die ihr glaubt! Es ist euch nicht erlaubt, die Frauen wider Willen zu erben. Hindert sie nicht daran, in der Absicht, einen Teil von dem zu nehmen, was ihr ihnen gegeben habt – außer sie begehen ein klar Schändliches. Verkehrt mit ihnen in geziemender Weise! Wenn euch etwas an ihnen missfällt – vielleicht missfällt euch eine Sache, in die Gott viel Gutes gelegt hat.
  20. 20Wenn ihr eine Gattin gegen eine andere eintauschen wollt und ihr einer von ihnen einen Zentner gegeben habt, so nehmt nichts davon! Wollt ihr das in Verleumdung und deutlicher Sünde nehmen?
  21. 21Wie wollt ihr es nehmen, wo doch einer von euch zur anderen eingegangen ist und sie einen festen Bund mit euch geschlossen haben?
  22. 22Heiratet nicht, was eure Väter an Frauen geheiratet haben – außer dem, was schon vergangen ist! Wahrlich, das ist eine Schändlichkeit, eine Greueltat und ein schlimmer Weg.
  23. 23Verboten wurden euch: eure Mütter, eure Töchter, eure Schwestern, eure Tanten väterlicherseits, eure Tanten mütterlicherseits, die Töchter eures Bruders, die Töchter eurer Schwester, eure Mütter, die euch gestillt haben, eure Milchschwestern, eure Schwiegermütter und eure Stieftöchter, die unter eurer Obhut sind, von euren Frauen, zu denen ihr eingegangen seid. Seid ihr aber zu ihnen nicht eingegangen, ist es keine Sünde für euch. Und die Ehefrauen eurer leiblichen Söhne. Und dass ihr zwei Schwestern zusammen habt – außer dem, was schon vergangen ist! Wahrlich, Gott ist allverzeihend, barmherzig.
  24. 24Auch die verheirateten Frauen – außer was eure rechte Hand besitzt. Eine Vorschrift Gottes für euch. Erlaubt wurde euch, was darüber hinausgeht, dass ihr mit eurem Vermögen sucht – als anständige Ehemänner, nicht als Unzüchtige. Was ihr von ihnen genießt, dafür gebt ihnen ihren Lohn als Vorschrift! Es ist keine Sünde gegen euch in dem, worüber ihr euch nach der Vorschrift einigt. Wahrlich, Gott ist allwissend, weise.
  25. 25Wer unter euch nicht die Mittel hat, anständige gläubige Frauen zu heiraten, soll von dem heiraten, was eure rechte Hand an gläubigen Mädchen besitzt. Gott weiß über euren Glauben am besten Bescheid. Ihr seid voneinander. So heiratet sie mit Erlaubnis ihrer Familien und gebt ihnen ihren Lohn in geziemender Weise – als anständige, nicht als Unzüchtige und keine, die heimliche Freunde nehmen. Wenn sie als Ehefrauen sind und dann ein Schändliches begehen, dann ist auf ihnen die Hälfte der Strafe, die für anständige Frauen vorgeschrieben ist. Das ist für den unter euch, der die Bedrängnis fürchtet. Aber dass ihr euch enthaltet, ist besser für euch. Gott ist allverzeihend, barmherzig.
  26. 26Gott will euch klar machen und euch zu den Wegen derer leiten, die vor euch waren, und sich euch zuwenden. Gott ist allwissend, weise.
  27. 27Gott will sich euch zuwenden. Die, die den Lüsten folgen, wollen, dass ihr in großer Abweichung abweicht.
  28. 28Gott will euch erleichtern. Der Mensch wurde schwach erschaffen.
  29. 29O ihr, die ihr glaubt! Verzehrt nicht euer Vermögen unter euch in Falschheit, außer es ist ein Handel mit eurem gegenseitigen Einverständnis. Tötet nicht euch selbst! Wahrlich, Gott ist gegen euch barmherzig.
  30. 30Wer dies in Übergriff und Frevel tut, den lassen wir in ein Feuer eintreten. Das ist für Gott leicht.
  31. 31Wenn ihr die großen Sünden, die euch verboten sind, meidet, lassen wir euch eure Übeltaten erlassen und führen euch durch einen edlen Eingang hinein.
  32. 32Wünscht euch nicht das, womit Gott die einen von euch über die anderen bevorzugt hat! Den Männern kommt ein Anteil von dem zu, was sie verdient haben, und den Frauen kommt ein Anteil von dem zu, was sie verdient haben. Bittet Gott um seine Gunst! Wahrlich, Gott weiß alles.
  33. 33Für jeden haben wir Erben bestimmt von dem, was die Eltern und die nächsten Verwandten hinterlassen. Denen, mit denen eure Eide Bindungen geschlossen haben, gebt ihren Anteil! Wahrlich, Gott ist über alles Zeuge.
  34. 34Die Männer stehen den Frauen mit Verantwortung bei, weil Gott die einen von ihnen über die anderen bevorzugt hat und weil sie von ihrem Vermögen ausgeben. Die rechtschaffenen Frauen sind ergeben, die das Verborgene durch Gottes Schutz bewahren. Die aber, von denen ihr Widerspenstigkeit fürchtet, ermahnt sie, meidet sie im Bett und schlagt sie! Wenn sie euch aber gehorchen, sucht keinen Weg gegen sie! Wahrlich, Gott ist hoch und groß.
  35. 35Wenn ihr einen Bruch zwischen beiden fürchtet, so schickt einen Schiedsrichter aus seiner Familie und einen Schiedsrichter aus ihrer Familie! Wenn beide eine Versöhnung wollen, lässt Gott Übereinstimmung zwischen ihnen entstehen. Wahrlich, Gott ist allwissend, kundig.
  36. 36Dient Gott und gesellt ihm nichts bei! Tut den Eltern Gutes, auch den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem benachbarten Nachbarn, dem fremden Nachbarn, dem Gefährten zur Seite, dem Wanderer und dem, was eure rechte Hand besitzt! Wahrlich, Gott liebt nicht, wer hochmütig und prahlerisch ist –
  37. 37die geizen, den Menschen den Geiz befehlen und das verbergen, was Gott ihnen von seiner Gunst gegeben hat. Wir haben den Ungläubigen eine entehrende Strafe bereitet.
  38. 38Auch die, die ihr Vermögen zur Schau für die Menschen ausgeben und nicht an Gott und den Letzten Tag glauben. Wer den Satan zum Gefährten hat – schlimm ist ein solcher Gefährte!
  39. 39Was hätte sie belastet, hätten sie an Gott und den Letzten Tag geglaubt und ausgegeben von dem, womit Gott sie versorgt hat? Gott weiß über sie Bescheid.
  40. 40Wahrlich, Gott tut kein Unrecht im Gewicht eines Atomstaubs. Wenn es eine gute Tat ist, vervielfacht er sie und gibt von sich aus einen gewaltigen Lohn.
  41. 41Wie wird es sein, wenn wir von jeder Gemeinschaft einen Zeugen bringen und dich gegen diese als Zeugen bringen?
  42. 42An jenem Tag werden die, die ungläubig waren und dem Gesandten ungehorsam waren, wünschen, dass mit ihnen die Erde gleichgemacht wäre. Sie können vor Gott keine Begebenheit verbergen.
  43. 43O ihr, die ihr glaubt! Tretet nicht zum Gebet, während ihr betrunken seid, bis ihr versteht, was ihr sagt, und auch nicht im Zustand der Unreinheit – außer im Vorbeigehen – bis ihr euch gewaschen habt! Wenn ihr krank seid oder auf einer Reise oder wenn einer von euch von der Notdurft gekommen ist oder ihr die Frauen berührt habt und ihr kein Wasser findet, so sucht reine Erdoberfläche und wischt damit über eure Gesichter und Hände! Wahrlich, Gott ist verzeihend, allverzeihend.
  44. 44Hast du nicht zu denen geschaut, denen ein Anteil am Buch gegeben wurde? Sie kaufen den Irrtum und wollen, dass auch ihr vom Weg abirrt.
  45. 45Gott weiß über eure Feinde am besten Bescheid. Gott genügt als Schutzherr. Gott genügt als Helfer.
  46. 46Unter denen, die Juden sind, gibt es welche, die die Worte aus ihrem Zusammenhang reißen und sagen: Wir hören und sind ungehorsam, höre, ohne dass dir Gehör verliehen wird, und sei uns ein Hirte! – indem sie mit ihrer Zunge verdrehen und die Religion verletzen. Hätten sie aber gesagt: Wir hören und gehorchen, höre und schaue auf uns! – wäre es besser für sie und richtiger. Aber Gott hat sie wegen ihres Unglaubens verflucht. Sie glauben nur wenig.
  47. 47O ihr, denen das Buch gegeben wurde! Glaubt an das, was wir herabgesandt haben, bestätigend, was bei euch ist, bevor wir Gesichter auslöschen und sie auf ihren Rücken wenden oder sie verfluchen, wie wir die Sabbat-Leute verflucht haben! Der Befehl Gottes wird ausgeführt.
  48. 48Wahrlich, Gott vergibt nicht, dass ihm beigesellt wird. Er vergibt aber, was geringer ist, wem er will. Wer Gott beigesellt, hat eine gewaltige Sünde erfunden.
  49. 49Hast du nicht zu denen geschaut, die sich selbst rein erklären? Vielmehr erklärt Gott rein, wen er will. Es wird ihnen kein Fadenkern Unrecht getan.
  50. 50Sieh, wie sie über Gott Lügen erfinden! Es genügt das als deutliche Sünde.
  51. 51Hast du nicht zu denen geschaut, denen ein Anteil am Buch gegeben wurde, die an Götzen und falsche Götter glauben und über die ungläubig sind sagen: Diese sind rechter geleitet als die, die geglaubt haben?
  52. 52Diese sind es, die Gott verflucht hat. Wen Gott verflucht, dem wirst du keinen Helfer finden.
  53. 53Oder haben sie einen Anteil an der Königsherrschaft? Dann würden sie den Menschen nicht einen Trockenkern geben.
  54. 54Oder beneiden sie die Menschen um das, was Gott ihnen von seiner Gunst gegeben hat? Wir haben der Familie Abrahams das Buch und die Weisheit gegeben und ihnen eine gewaltige Königsherrschaft verliehen.
  55. 55Unter ihnen sind welche, die daran glauben, und welche, die sich davon abwenden. Die Hölle genügt als Brand.
  56. 56Wahrlich, die an unsere Zeichen ungläubig sind – wir werden sie in einem Feuer brennen lassen. Sooft ihre Haut gar wird, vertauschen wir sie ihnen gegen eine andere Haut, damit sie die Strafe kosten. Wahrlich, Gott ist mächtig, weise.
  57. 57Die aber geglaubt und gute Werke getan haben – wir lassen sie in Gärten eintreten, durch die Bäche fließen. Sie sind darin ewig. Sie haben darin reine Gattinnen, und wir lassen sie in einen breiten Schatten eintreten.
  58. 58Wahrlich, Gott befiehlt euch, anvertraute Gegenstände ihren Eigentümern auszuhändigen und, wenn ihr zwischen den Menschen Urteil sprecht, mit Gerechtigkeit zu urteilen! Wahrlich, das ist es, womit Gott euch trefflich ermahnt. Wahrlich, Gott ist allhörend, allsehend.
  59. 59O ihr, die ihr glaubt! Gehorcht Gott, gehorcht dem Gesandten und denen unter euch, die das Sagen haben! Wenn ihr aber über eine Sache streitet, so bringt sie vor Gott und den Gesandten, wenn ihr an Gott und den Letzten Tag glaubt! Das ist besser und die schönste Auslegung.
  60. 60Hast du nicht zu denen geschaut, die behaupten, an das zu glauben, was zu dir und vor dir herabgesandt wurde? Sie wollen sich an den falschen Götter zum Richter wenden, obwohl ihnen befohlen wurde, ihn zu verleugnen. Der Satan will sie in tiefe Verirrung leiten.
  61. 61Wenn ihnen gesagt wird: Kommt zu dem, was Gott herabgesandt hat, und zum Gesandten! – siehst du die Heuchler sich von dir abwenden mit Abscheu.
  62. 62Wie wird es sein, wenn sie ein Unglück trifft für das, was ihre Hände vorausgeschickt haben, und dann zu dir kommen und bei Gott schwören: Wir wollten doch nur Gutes und Versöhnung!?
  63. 63Diese sind die, von denen Gott weiß, was in ihren Herzen ist. So wende dich von ihnen ab, ermahne sie und sprich zu ihnen über sich selbst eindringliche Rede!
  64. 64Wir haben keinen Gesandten geschickt, außer dass ihm mit Gottes Erlaubnis gehorcht würde. Wenn sie, als sie sich selbst Unrecht getan hatten, zu dir gekommen wären und Gott um Vergebung gebeten hätten und der Gesandte für sie um Vergebung gebeten hätte, hätten sie Gott als sich Zuwendenden, Barmherzigen gefunden.
  65. 65Doch nein, bei deinem Herrn! Sie sind nicht eher Gläubige, bis sie dich zum Richter machen in dem, worüber sie unter sich streiten, und dann in sich selbst keine Beklemmung finden über das, was du entschieden hast, und sich vollständig ergeben.
  66. 66Hätten wir ihnen vorgeschrieben: Tötet euch selbst! oder: Verlasst eure Wohnstätten! – sie hätten es nicht getan, außer wenige von ihnen. Hätten sie aber getan, wozu sie ermahnt werden, wäre es besser für sie und stärker in der Festigung.
  67. 67Dann hätten wir ihnen von uns aus einen gewaltigen Lohn gegeben.
  68. 68Wir hätten sie auf einen geraden Weg geleitet.
  69. 69Wer aber Gott und dem Gesandten gehorcht, der gehört zu denen, denen Gott Gunst erwiesen hat – den Propheten, den Wahrhaftigen, den Märtyrern und den Rechtschaffenen. Welch schöne Gefährten sie sind!
  70. 70Das ist die Gunst von Gott. Gott genügt als Allwissender.
  71. 71O ihr, die ihr glaubt! Nehmt eure Vorsicht und rückt in Gruppen oder zusammen vor!
  72. 72Wahrlich, unter euch sind welche, die zurückbleiben. Wenn euch dann ein Unglück trifft, sagen sie: Schon hat mir Gott Gunst erwiesen, dass ich nicht mit ihnen Zeuge war.
  73. 73Wenn euch aber eine Gunst von Gott trifft, sagen sie ganz bestimmt – als wäre keine Freundschaft zwischen euch und ihm gewesen: O wäre ich doch mit ihnen gewesen, dann hätte ich einen gewaltigen Erfolg errungen!
  74. 74So sollen auf dem Weg Gottes die kämpfen, die das diesseitige Leben gegen das Jenseits verkaufen. Wer auf dem Weg Gottes kämpft und getötet wird oder siegt – dem werden wir einen gewaltigen Lohn geben.
  75. 75Was ist mit euch, dass ihr nicht auf dem Weg Gottes kämpft und für die Schwachen unter den Männern, Frauen und Kindern, die sagen: Unser Herr, bring uns aus dieser Stadt heraus, deren Bewohner ungerecht sind! Setze für uns von dir einen Schutzherrn ein! Setze für uns von dir einen Helfer ein!
  76. 76Die, die geglaubt haben, kämpfen auf dem Weg Gottes. Die aber ungläubig sind, kämpfen auf dem Weg des falschen Götters. So kämpft gegen die Gefährten des Satans! Wahrlich, die List des Satans ist schwach.
  77. 77Hast du nicht zu denen geschaut, denen gesagt wurde: Haltet eure Hände zurück, verrichtet das Gebet und gebt das Almosen! Als ihnen aber der Kampf vorgeschrieben wurde, da fürchtet eine Gruppe von ihnen die Menschen wie das Fürchten Gottes oder noch stärkere Furcht. Sie sagten: Unser Herr, warum hast du uns den Kampf vorgeschrieben? Hättest du uns doch nur bis zu einer nahen Frist Aufschub gegeben! Sprich: Der Genuss des diesseitigen Lebens ist gering, das Jenseits ist besser für den, der gottesfürchtig ist. Es wird euch kein Fadenkern Unrecht getan.
  78. 78Wo ihr auch seid, ereilt euch der Tod – auch wenn ihr in hohen Türmen wäret. Wenn ihnen etwas Gutes widerfährt, sagen sie: Das ist von Gott! Wenn ihnen aber etwas Schlechtes widerfährt, sagen sie: Das ist von dir! Sprich: Alles ist von Gott! Was ist mit diesen Leuten, dass sie eine Aussage kaum verstehen?
  79. 79Was dir an Gutem widerfährt, ist von Gott. Was dir an Bösem widerfährt, ist von dir selbst. Wir haben dich als Gesandten für die Menschen geschickt. Gott genügt als Zeuge.
  80. 80Wer dem Gesandten gehorcht, hat Gott gehorcht. Wer sich aber abwendet – wir haben dich nicht zum Wächter über sie geschickt.
  81. 81Sie sagen: Gehorsam! Wenn sie aber von dir weggehen, plant eine Gruppe von ihnen nachts anders, als du sagst. Aber Gott schreibt auf, was sie nachts planen. So wende dich von ihnen ab und vertraue auf Gott! Gott genügt als Sachwalter.
  82. 82Bedenken sie den Koran nicht? Wäre er von jemand anderem als von Gott, fänden sie darin viel Widerspruch.
  83. 83Wenn sie eine Sache an Sicherheit oder Furcht erreicht, verbreiten sie sie. Hätten sie sie aber zum Gesandten und denen unter ihnen gebracht, die das Sagen haben, hätten die unter ihnen, die ableiten können, sie verstanden. Wäre nicht die Gunst Gottes über euch und seine Barmherzigkeit, wäret ihr dem Satan gefolgt – außer wenige.
  84. 84Kämpfe auf dem Weg Gottes! Du wirst nur für dich selbst belastet. Sporne aber die Gläubigen an! Vielleicht hält Gott die Macht der Ungläubigen zurück. Gott ist stärker in der Macht und strenger in der Strafe.
  85. 85Wer für eine gute Sache Fürsprache einlegt, hat einen Anteil davon. Wer für eine schlechte Sache Fürsprache einlegt, hat eine Last davon. Gott wacht über alles.
  86. 86Wenn ihr mit einem Gruß begrüßt werdet, so grüßt mit einem schöneren als ihm zurück oder erwidert ihn! Wahrlich, Gott rechnet alles ab.
  87. 87Gott – es gibt keinen Gott außer ihm. Er wird euch versammeln zum Tag der Auferstehung, an dem es keinen Zweifel gibt. Wer ist wahrhaftiger als Gott in der Rede?
  88. 88Was ist mit euch, dass ihr in Bezug auf die Heuchler in zwei Gruppen seid? Gott hat sie wegen dessen, was sie verdient haben, abgerissen. Wollt ihr leiten, wen Gott in die Irre geführt hat? Wen Gott in die Irre führt, dem findest du keinen Weg.
  89. 89Sie wünschten, dass ihr ungläubig wäret, wie sie ungläubig sind, sodass ihr gleich seid. So nehmt euch keine Schutzherren von ihnen, bis sie auf dem Weg Gottes ausgewandert sind. Wenn sie sich aber abkehren, so ergreift sie und tötet sie, wo immer ihr sie findet! Nehmt euch keinen Schutzherrn von ihnen und keinen Helfer –
  90. 90außer denen, die zu einem Volk gelangen, mit dem ihr ein Bündnis habt, oder die zu euch kommen und ihre Brust beengt ist, mit euch zu kämpfen oder gegen ihr Volk zu kämpfen. Hätte Gott gewollt, hätte er ihnen Macht über euch gegeben, und sie hätten gegen euch gekämpft. Wenn sie sich aber von euch zurückziehen, nicht mit euch kämpfen und euch den Frieden anbieten, so hat Gott euch keinen Weg gegen sie gegeben.
  91. 91Ihr werdet andere finden, die wünschen, vor euch und vor ihrem Volk sicher zu sein. Sooft sie zur Verführung zurückgeworfen werden, kehren sie dazu zurück. Wenn sie sich nicht von euch zurückziehen, euch nicht den Frieden anbieten und ihre Hände nicht zurückhalten, so ergreift sie und tötet sie, wo immer ihr sie antrefft! Gegen diese haben wir euch eine deutliche Vollmacht gegeben.
  92. 92Es ziemt sich für einen Gläubigen nicht, einen Gläubigen zu töten – außer aus Versehen. Wer einen Gläubigen aus Versehen tötet, soll einen gläubigen Sklaven befreien und seiner Familie ein Blutgeld aushändigen, außer sie spenden es. Wenn er von einem Volk ist, das euch feind ist, und er ist ein Gläubiger, so ist die Befreiung eines gläubigen Sklaven. Wenn er aber von einem Volk ist, mit dem ihr ein Bündnis habt, so ein Blutgeld, das seiner Familie ausgehändigt wird, und die Befreiung eines gläubigen Sklaven. Wer aber nicht findet, dem ist ein Fasten von zwei aufeinanderfolgenden Monaten als Umkehr von Gott auferlegt. Gott ist allwissend, weise.
  93. 93Wer einen Gläubigen absichtlich tötet, dessen Lohn ist die Hölle. Er ist darin ewig. Gott ist über ihn erzürnt und hat ihn verflucht. Er hat eine gewaltige Strafe für ihn bereitet.
  94. 94O ihr, die ihr glaubt! Wenn ihr auf dem Weg Gottes ausschreitet, so unterscheidet klar! Sagt nicht zu dem, der euch den Frieden anbietet: Du bist kein Gläubiger! – im Streben nach dem flüchtigen Genuss des diesseitigen Lebens. Bei Gott gibt es viele Beuten. So wart ihr vorher auch. Aber Gott hat euch Gunst erwiesen. So unterscheidet klar! Wahrlich, Gott ist kundig über das, was ihr tut.
  95. 95Die Heimsitzer von den Gläubigen, denen es nicht wirklich schwer fällt, sind nicht denen gleich, die sich auf dem Weg Gottes mit ihrem Vermögen und ihrem Leben einsetzen. Gott hat die, die sich mit ihrem Vermögen und ihrem Leben einsetzen, um eine Stufe über die Heimsitzer bevorzugt. Allen aber hat Gott das Schöne versprochen. Gott hat aber die, die sich einsetzen, vor den Heimsitzern mit einem gewaltigen Lohn bevorzugt –
  96. 96Stufen von ihm und Vergebung und Barmherzigkeit. Gott ist allverzeihend, barmherzig.
  97. 97Zu denen, die die Engel abberufen, während sie sich selbst Unrecht zufügen, sagen sie: In welchem Zustand wart ihr? Sie sagen: Wir waren als Schwache auf der Erde. Sie sagen: War die Erde Gottes nicht weit, sodass ihr darauf hättet auswandern können? Diese – ihre Bleibe ist die Hölle. Schlimm ist die Heimkehr!
  98. 98Außer den Schwachen unter den Männern, Frauen und Kindern, die nicht die Mittel haben und sich nicht zurechtfinden – diesen wird Gott vielleicht vergeben. Gott ist verzeihend, allverzeihend.
  99. 99Wer auf dem Weg Gottes auswandert, findet auf der Erde viele Zufluchten und Weite. Wer aus seinem Haus auswandert und zu Gott und seinem Gesandten auswandert und dann der Tod ihn erreicht – dessen Lohn ist bei Gott. Gott ist allverzeihend, barmherzig.
  100. 100Wenn ihr auf der Erde ausschreitet, ist es keine Sünde gegen euch, das Gebet zu kürzen, wenn ihr fürchtet, dass die ungläubig sind euch in Versuchung führen könnten. Wahrlich, die Ungläubigen sind euch ein deutlicher Feind.
  101. 101Wenn du unter ihnen bist und ihnen das Gebet vorstehst, so soll eine Gruppe von ihnen mit dir aufstehen und ihre Waffen tragen! Wenn sie sich niedergeworfen haben, sollen sie hinter euch zurücktreten, und eine andere Gruppe, die noch nicht gebetet hat, soll kommen und mit dir beten – sie sollen ihre Vorsicht und ihre Waffen nehmen! Die ungläubig sind möchten, dass ihr von euren Waffen und Sachen unachtsam wäret, sodass sie euch mit einem Angriff überfielen. Es ist keine Sünde gegen euch, wenn ihr durch Regen Belästigung habt oder ihr krank seid, dass ihr eure Waffen ablegt. Aber nehmt eure Vorsicht! Wahrlich, Gott hat für die Ungläubigen eine entehrende Strafe bereitet.
  102. 102Wenn ihr das Gebet vollendet habt, so gedenkt Gottes stehend, sitzend und auf eurer Seite! Wenn ihr euch dann sicher fühlt, verrichtet das Gebet! Wahrlich, das Gebet ist eine vorgeschriebene Pflicht zu festen Zeiten für die Gläubigen.
  103. 103Lasst nicht im Streben nach dem Volk nach! Wenn ihr unter Schmerzen leidet, leiden sie unter Schmerzen, wie ihr unter Schmerzen leidet. Aber ihr hofft von Gott, was sie nicht hoffen. Gott ist allwissend, weise.
  104. 104Wahrlich, wir haben das Buch mit der Wahrheit auf dich herabgesandt, damit du zwischen den Menschen mit dem urteilst, was Gott dich sehen lässt. So sei kein Verteidiger der Verräter!
  105. 105Bitte Gott um Vergebung! Wahrlich, Gott ist allverzeihend, barmherzig.
  106. 106Streite nicht für die, die sich selbst verraten! Wahrlich, Gott liebt den nicht, der ein verräterischer Sünder ist.
  107. 107Sie verbergen sich vor den Menschen, aber sie verbergen sich nicht vor Gott. Er ist bei ihnen, wenn sie nachts planen, was ihm an Rede nicht gefällt. Gott umfasst, was sie tun.
  108. 108Da seid ihr, die ihr im diesseitigen Leben für sie gestritten habt. Wer aber wird am Tag der Auferstehung für sie gegen Gott streiten, oder wer wird über sie ein Sachwalter sein?
  109. 109Wer Übles tut oder sich selbst Unrecht zufügt und dann Gott um Vergebung bittet, findet Gott als allverzeihend, barmherzig.
  110. 110Wer eine Sünde begeht, der begeht sie nur gegen sich selbst. Gott ist allwissend, weise.
  111. 111Wer einen Fehler oder eine Sünde begeht und ihn dann einem Unschuldigen vorwirft, der hat eine Verleumdung und deutliche Sünde auf sich genommen.
  112. 112Wäre nicht die Gunst Gottes über dir und seine Barmherzigkeit, hätte eine Gruppe von ihnen versucht, dich in die Irre zu führen. Sie führen aber nur sich selbst in die Irre und schaden dir nichts. Gott hat das Buch und die Weisheit auf dich herabgesandt und dich gelehrt, was du nicht wusstest. Die Gunst Gottes über dir ist gewaltig.
  113. 113Es ist nichts Gutes in vielen ihrer heimlichen Beratungen, außer wer ein Almosen, eine geziemende Tat oder eine Versöhnung zwischen den Menschen befiehlt. Wer dies im Streben nach dem Wohlgefallen Gottes tut, dem werden wir einen gewaltigen Lohn geben.
  114. 114Wer aber dem Gesandten den Bruch antut, nachdem ihm die Rechtleitung klar geworden ist, und einem anderen als dem Weg der Gläubigen folgt – wir lassen ihn dem zukommen, dem er sich zugewendet hat, und werden ihn in die Hölle stoßen. Schlimm ist die Heimkehr!
  115. 115Wahrlich, Gott vergibt nicht, dass ihm beigesellt wird. Er vergibt aber, was geringer ist, wem er will. Wer Gott beigesellt, ist in tiefe Irrung abgeirrt.
  116. 116Sie rufen anstatt seiner nur Weibliche an. Sie rufen nur einen widerspenstigen Satan an,
  117. 117den Gott verflucht hat. Er sagte: Ich werde von deinen Dienern einen bestimmten Anteil nehmen,
  118. 118und ich werde sie in die Irre führen, ich werde sie verlocken, ich werde ihnen befehlen, sodass sie die Ohren des Viehs spalten, und ich werde ihnen befehlen, sodass sie die Schöpfung Gottes verändern! Wer den Satan anstatt Gottes zum Schutzherrn nimmt, erleidet einen offenkundigen Verlust.
  119. 119Er verspricht ihnen und verlockt sie. Aber der Satan verspricht ihnen nur Trug.
  120. 120Diese – ihre Bleibe ist die Hölle. Sie werden vor ihr keinen Ausweg finden.
  121. 121Die aber geglaubt und gute Werke getan haben – wir werden sie in Gärten eintreten lassen, durch die Bäche fließen. Sie sind darin ewig. Das Versprechen Gottes ist wahr. Wer ist wahrhaftiger als Gott in der Rede?
  122. 122Es liegt nicht an euren Wünschen und nicht an den Wünschen der Leute der Schrift. Wer Übles tut, wird damit vergolten. Er findet keinen Schutzherrn und keinen Helfer außer Gott.
  123. 123Wer aber von Männern oder Frauen gute Werke tut, während er Gläubiger ist – diese treten in das Paradies ein. Ihnen wird kein Fadenkern Unrecht getan.
  124. 124Wer hat eine bessere Religion als der, der sein Gesicht Gott unterworfen hat, dabei gut handelt und der Glaubensgemeinschaft Abrahams als Hanīf folgt? Gott hat Abraham zum Freund genommen.
  125. 125Gott gehört, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Gott umfasst alles.
  126. 126Sie fragen dich um Auskunft über die Frauen. Sprich: Gott gibt euch Auskunft über sie und das, was im Buch über euch verlesen wird – über die Waisenfrauen, denen ihr nicht das zukommen lasst, was ihnen vorgeschrieben ist, und die ihr zu heiraten wünscht, sowie über die Schwachen unter den Kindern, und dass ihr die Waisen mit Gerechtigkeit aufrichten sollt! Was ihr an Gutem tut, weiß Gott darüber Bescheid.
  127. 127Wenn eine Frau bei ihrem Mann Widerspenstigkeit oder Abwendung fürchtet, ist es keine Sünde gegen sie, wenn sie sich versöhnen. Versöhnung ist besser. Die Seelen neigen zum Geiz. Wenn ihr aber Gutes tut und gottesfürchtig seid – wahrlich, Gott ist kundig, was ihr tut.
  128. 128Ihr werdet zwischen den Frauen nicht völlig gerecht sein können, auch wenn ihr darauf bedacht seid. Neigt aber nicht völlig zu einer hin und lasst die andere wie in der Schwebe! Wenn ihr aber Versöhnung sucht und gottesfürchtig seid – wahrlich, Gott ist allverzeihend, barmherzig.
  129. 129Wenn sich beide trennen, macht Gott jeden aus seiner Fülle reich. Gott ist umfassend, weise.
  130. 130Gott gehört, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Wir haben denen, denen das Buch vor euch gegeben wurde, und auch euch ermahnt, Gott zu fürchten! Wenn ihr aber ungläubig seid – Gott gehört, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Gott ist unbedürftig, lobenswert.
  131. 131Gott gehört, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Gott genügt als Sachwalter.
  132. 132Wenn er will, schafft er euch fort, ihr Menschen, und bringt andere. Gott hat die Macht dazu.
  133. 133Wer den Lohn der Welt will – bei Gott ist der Lohn der Welt und des Jenseits. Gott ist allhörend, allsehend.
  134. 134O ihr, die ihr glaubt! Steht für die Gerechtigkeit ein als Zeugen für Gott, auch wenn es gegen euch selbst, gegen die Eltern oder die Verwandten geht – sei es um einen Reichen oder einen Armen! Gott ist beiden näher. Folgt nicht der Neigung, dass ihr gerecht handelt! Wenn ihr aber verdreht oder euch abwendet – wahrlich, Gott ist kundig über das, was ihr tut.
  135. 135O ihr, die ihr glaubt! Glaubt an Gott, seinen Gesandten und das Buch, das er auf seinen Gesandten herabgesandt hat, und an das Buch, das er vorher herabgesandt hat! Wer aber an Gott, seine Engel, seine Bücher, seine Gesandten und den Letzten Tag ungläubig ist, der ist in tiefe Irrung abgeirrt.
  136. 136Wahrlich, die geglaubt, dann ungläubig geworden, dann geglaubt, dann ungläubig geworden sind und dann noch im Unglauben zugenommen haben – Gott wird ihnen nicht vergeben und sie nicht auf einen Weg leiten.
  137. 137Verkünde den Heuchlern, dass sie eine schmerzhafte Strafe haben!
  138. 138Die, die anstatt der Gläubigen die Ungläubigen zu Schutzherren nehmen – suchen sie bei ihnen Ehre? Wahrlich, alle Ehre gehört Gott.
  139. 139Schon hat er euch im Buch herabgesandt: Wenn ihr hört, dass an die Zeichen Gottes ungläubig wird und über sie gespottet wird, so setzt euch nicht zu ihnen, bis sie auf andere Rede eingehen! Sonst wäret ihr gleich wie sie. Wahrlich, Gott versammelt die Heuchler und die Ungläubigen alle in der Hölle.
  140. 140Die, die auf euch lauern. Wenn euch ein Sieg von Gott zukommt, sagen sie: Waren wir nicht mit euch? Wenn aber den Ungläubigen ein Anteil widerfährt, sagen sie: Haben wir nicht gegen euch die Oberhand gewonnen und euch vor den Gläubigen geschützt? Gott urteilt zwischen euch am Tag der Auferstehung. Gott wird den Ungläubigen niemals einen Weg gegen die Gläubigen geben.
  141. 141Wahrlich, die Heuchler versuchen Gott zu betrügen, aber er ist es, der sie betrügt. Wenn sie zum Gebet aufstehen, stehen sie träge auf. Sie zeigen sich nur vor den Menschen und gedenken Gottes nur wenig –
  142. 142wankend zwischen diesen und jenen, weder zu diesen noch zu jenen gehörig. Wen Gott in die Irre führt, dem findest du keinen Weg.
  143. 143O ihr, die ihr glaubt! Nehmt euch keine Schutzherren von den Ungläubigen anstatt der Gläubigen! Wollt ihr Gott eine deutliche Vollmacht gegen euch geben?
  144. 144Wahrlich, die Heuchler sind im untersten Boden des Feuers. Du findest für sie keinen Helfer –
  145. 145außer denen, die umkehren, sich bessern, sich an Gott festhalten und ihre Religion für Gott rein machen. Diese sind mit den Gläubigen. Gott wird den Gläubigen einen gewaltigen Lohn geben.
  146. 146Was wollte Gott euch strafen, wenn ihr dankbar und gläubig wäret? Gott ist dankbar, allwissend.
  147. 147Gott liebt nicht die offene Rede mit Üblem – außer für den, dem Unrecht getan wurde. Gott ist allhörend, allwissend.
  148. 148Ob ihr Gutes offen tut oder es verbergt oder Übles verzeiht – Gott ist verzeihend, mächtig.
  149. 149Wahrlich, die, die an Gott und seinen Gesandten ungläubig sind und einen Unterschied zwischen Gott und seinen Gesandten machen wollen und sagen: Wir glauben an einige und sind an andere ungläubig! – und einen Weg dazwischen nehmen wollen,
  150. 150Diese sind wahrhaft die Ungläubigen. Wir haben für die Ungläubigen eine entehrende Strafe bereitet.
  151. 151Die aber, die an Gott und seine Gesandten glauben und zwischen keinem von ihnen einen Unterschied machen – diesen wird er ihren Lohn geben. Gott ist allverzeihend, barmherzig.
  152. 152Die Leute der Schrift verlangen von dir, dass du ein Buch vom Himmel auf sie herabsenden lassen sollst. Sie haben schon von Moses noch Größeres verlangt. Sie sagten: Zeige uns Gott klar! Da packte sie der Blitzschlag wegen ihres Frevels. Dann nahmen sie das Kalb, nachdem die klaren Beweise zu ihnen gekommen waren. Wir verziehen ihnen das. Wir gaben Moses eine deutliche Vollmacht.
  153. 153Wir erhoben über sie den Berg mit ihrem Bund. Wir sagten zu ihnen: Tretet zum Tor mit Niederwerfung ein! Wir sagten zu ihnen: Übertretet nicht am Sabbat! Und wir nahmen von ihnen einen festen Bund.
  154. 154Wegen des Brechens ihres Bundes, ihres Unglaubens an die Zeichen Gottes, der Tötung der Propheten ohne Recht und ihres Sagens: Unsere Herzen sind verschlossen! – Vielmehr hat Gott sie wegen ihres Unglaubens versiegelt. Sie glauben nur wenig.
  155. 155Wegen ihres Unglaubens und ihres Sagens gegen Maria einer gewaltigen Verleumdung,
  156. 156und wegen ihres Sagens: Wir haben den Messias Jesus, den Sohn Marias, den Gesandten Gottes, getötet! Aber sie haben ihn nicht getötet und nicht gekreuzigt, sondern es erschien ihnen so. Wahrlich, die darüber uneinig sind, sind im Zweifel darüber. Sie haben kein Wissen darüber, außer dem Folgen der Vermutung. Sie haben ihn gewiss nicht getötet.
  157. 157Vielmehr hat Gott ihn zu sich erhoben. Gott ist mächtig, weise.
  158. 158Wahrlich, jeder Leute der Schrift wird vor seinem Tod an ihn glauben. Am Tag der Auferstehung wird er gegen sie ein Zeuge sein.
  159. 159Wegen des Frevels derer, die Juden sind, haben wir ihnen gute Dinge verboten, die ihnen erlaubt waren, und weil sie viele von dem Weg Gottes abgehalten haben,
  160. 160und wegen ihres Nehmens des Zinses, obwohl es ihnen verboten worden war, und ihres Verzehrens des Vermögens der Menschen in Falschheit. Wir haben für die Ungläubigen unter ihnen eine schmerzhafte Strafe bereitet.
  161. 161Aber die im Wissen Gefestigten unter ihnen und die Gläubigen glauben an das, was zu dir herabgesandt wurde, und an das, was vor dir herabgesandt wurde. Auch die das Gebet Verrichtenden, die das Almosen Gebenden, die an Gott und den Letzten Tag Glaubenden – diesen werden wir einen gewaltigen Lohn geben.
  162. 162Wahrlich, wir haben dir offenbart, wie wir Noah und den Propheten nach ihm offenbart haben. Wir haben Abraham, Ismael, Isaak, Jakob, den Stämmen, Jesus, Hiob, Jonas, Aaron und Salomo offenbart. Und David haben wir die Psalmen gegeben.
  163. 163Gesandten, von denen wir dir vorher berichtet haben, und Gesandten, von denen wir dir nicht berichtet haben. Mit Moses hat Gott unmittelbar geredet.
  164. 164Gesandte als Verkünder froher Botschaft und Warner, damit die Menschen nach den Gesandten keine Begründung gegen Gott haben. Gott ist mächtig, weise.
  165. 165Aber Gott bezeugt, was er auf dich herabgesandt hat. Er hat es mit seinem Wissen herabgesandt. Auch die Engel bezeugen es. Gott genügt als Zeuge.
  166. 166Wahrlich, die ungläubig sind und vom Weg Gottes abhalten, sind in tiefe Irrung abgeirrt.
  167. 167Wahrlich, die ungläubig sind und Unrecht tun – Gott wird ihnen nicht vergeben und sie nicht auf einen Weg leiten –
  168. 168außer dem Weg der Hölle. Sie sind darin ewig. Das ist für Gott leicht.
  169. 169O ihr Menschen, wahrlich, zu euch ist der Gesandte mit der Wahrheit von eurem Herrn gekommen. So glaubt – es ist besser für euch! Wenn ihr aber ungläubig seid – Gott gehört, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Gott ist allwissend, weise.
  170. 170O ihr Leute der Schrift! Übertreibt es nicht in eurer Religion und sagt über Gott nur die Wahrheit! Wahrlich, der Messias Jesus, der Sohn Marias, ist nur der Gesandte Gottes, sein Wort, das er Maria zukommen ließ, und ein Geist von ihm. So glaubt an Gott und seine Gesandten und sagt nicht: Drei! Hört auf damit – es ist besser für euch! Wahrlich, Gott ist nur ein einziger Gott. Preis sei ihm! Dass er einen Sohn habe! Ihm gehört, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Gott genügt als Sachwalter.
  171. 171Der Messias würde es nicht verschmähen, ein Diener Gottes zu sein, auch nicht die nahen Engel. Wer aber seinen Dienst verschmäht und sich hochmütig zeigt – er wird sie alle zu sich versammeln.
  172. 172Was die geglaubt und gute Werke getan haben angeht – er wird ihnen ihren Lohn voll geben und ihnen aus seiner Gunst mehr geben.
  173. 173Was die aber verschmäht haben und hochmütig waren angeht – er wird sie mit einer schmerzhaften Strafe strafen. Sie werden für sich keinen Schutzherrn und keinen Helfer außer Gott finden.
  174. 174O ihr Menschen, wahrlich, zu euch ist ein Beweis von eurem Herrn gekommen. Wir haben zu euch ein deutliches Licht herabgesandt.
  175. 175Die aber an Gott geglaubt und sich an ihm festgehalten haben – diese wird er in Barmherzigkeit von sich und Gunst eintreten lassen und sie zu sich auf einem geraden Weg leiten.
  176. 176Sie fragen dich um Auskunft. Sprich: Gott gibt euch Auskunft über den Vater- und Mutterlosen: Wenn ein Mann stirbt und keine Kinder hat und nur eine Schwester hat, gehört ihr die Hälfte dessen, was er hinterlässt. Er beerbt sie, wenn sie keine Kinder hat. Wenn es zwei Schwestern sind, gehören ihnen zwei Drittel dessen, was er hinterlässt. Wenn es Geschwister sind – Männer und Frauen – kommt dem Männlichen der Anteil von zwei weiblichen zu. Gott macht euch klar, damit ihr nicht in die Irre geht. Gott ist über alles allwissend.

Einordnung & Bedeutung

Worum es geht

Sure 4 ist die viertlängste Sure des Korans und in der modernen Debatte vielleicht die meistdiskutierte überhaupt. Sie wurde nach der Schlacht von Uḥud (625) offenbart, in der 70 muslimische Männer fielen und zahlreiche Witwen und Waisen hinterließen. Das ist nicht nur ein historisches Detail – es ist der eigentliche Grund, warum die Sure entstand. Die junge Gemeinschaft musste eine soziale Krise bewältigen.

Die Sure regelt deshalb:

  • Erbrecht – wie das Vermögen der Gefallenen aufgeteilt wird
  • Eherecht – wer wen heiraten darf und wie viele
  • Waisen-Schutz – wie das Vermögen der Waisen bewahrt wird
  • Geschlechterverhältnis – die Stellung von Mann und Frau in Ehe und Familie

Daneben enthält sie wichtige theologische Stellen – besonders zum Verhältnis zu Christentum (Verse 156–158, 171–172) und Judentum (Verse 153–161).

Vers 3 – die berühmte Polygamie-Stelle

Vers 3 ist eine der am meistzitierten Stellen des Korans: „Wenn ihr fürchtet, gegen die Waisen nicht gerecht zu sein, so heiratet, was euch von den Frauen gut erscheint: zu zweit, zu dritt, zu viert. Wenn ihr aber fürchtet, nicht gerecht zu sein, so eine einzige."

Der Vers wird oft missverstanden. Drei Punkte sind wichtig:

Erstens: Der historische Kontext. Der Vers steht im Anschluss an Vers 2 über die Waisen. Es geht ursprünglich darum, dass nach Uḥud viele Mädchen ohne Eltern dastanden. Ihre Vermögen waren in der Obhut von Männern. Der Vers regelt: Wer das Erbe einer Waise verwaltet und sie heiraten will, soll lieber andere Frauen heiraten – um nicht der Versuchung zu erliegen, das Erbe der Waise einzustreichen.

Zweitens: Die Bedingung ist Gerechtigkeit. Wer nicht gerecht sein kann, soll nur eine heiraten. Das ist im Vers eingebaut.

Drittens: Vers 129 verschärft die Bedingung. Dort heißt es: „Ihr werdet zwischen den Frauen nicht völlig gerecht sein können, auch wenn ihr darauf bedacht seid." Manche moderne Reformer (etwa Muhammad ʿAbduh, Tunesisches Familienrecht 1956) folgern: Wenn völlige Gerechtigkeit unmöglich ist – wie Vers 129 sagt – und Polygamie an völlige Gerechtigkeit gebunden ist – wie Vers 3 sagt – dann ist Polygamie de facto verboten.

In Tunesien ist Polygamie seit 1956 verboten – auf Basis dieser Argumentation. In der Türkei ist sie seit 1926 verboten. In Marokko ist sie seit 2004 stark eingeschränkt. Andere muslimische Länder erlauben sie weiterhin. Der koranische Text bietet beide Lesarten an.

Verse 11–12 und 176 – das Erbrecht

Die Erbrecht-Verse sind die detailliertesten Rechtsbestimmungen des Korans. Die Grundregel: Männliche Erben bekommen den doppelten Anteil weiblicher Erben gleichen Grades.

Das ist heute eine der heißest umstrittenen Stellen. Klassisch wird sie verteidigt: Männer haben die Unterhaltspflicht – sie müssen Frau, Kinder, oft Eltern und unverheiratete Schwestern versorgen. Frauen haben keine Unterhaltspflicht – ihr Erbteil ist frei verfügbar. Praktisch gerechnet ist die Frau oft besser dran.

Modern-reformistische Auslegungen weisen darauf hin, dass diese Logik in heutigen Verhältnissen nicht mehr greift, in denen Frauen oft selbst arbeiten und Unterhaltspflichten tragen. Tunesien und manche andere Länder erlauben Testamentslösungen, die faktisch zu Gleichstellung führen.

Bemerkenswert ist die Detailgenauigkeit. Im 7. Jahrhundert in Arabien hatten Frauen oft überhaupt kein Erbrecht – sie waren selbst Erbsache. Der Koran schuf erstmals einen Anspruch. Das war im historischen Kontext eine massive Aufwertung.

Verse 22–24 – Eheverbote

Die Verse 22–24 listen die verbotenen Heiratspartner auf: Mütter, Töchter, Schwestern, Tanten, Nichten, Schwiegermütter, Stieftöchter, Schwiegertöchter, gleichzeitig zwei Schwestern. Auch Frauen, mit denen man durch Stillen verbunden ist (raḍāʿa – „Milchverwandtschaft") – ein im westlichen Recht unbekanntes Konzept.

Auffällig ist Vers 22: „Heiratet nicht, was eure Väter an Frauen geheiratet haben!" In der vorislamischen Zeit war es Brauch, dass ein Sohn die Frauen seines Vaters – außer der eigenen Mutter – nach dessen Tod erbte oder weiterheiratete. Der Koran verbietet das ausdrücklich. Das ist eine markante Reform des arabischen Familienrechts.

Vers 34 – der berüchtigte Schlag-Vers

Vers 34 ist die umstrittenste familienrechtliche Stelle des Korans. Wörtlich: „Die Männer stehen den Frauen mit Verantwortung bei... Die aber, von denen ihr Widerspenstigkeit fürchtet, ermahnt sie, meidet sie im Bett und schlagt sie!"

Drei Worte sind hermeneutisch zentral:

qawwāmūn („stehen bei mit Verantwortung"): klassisch oft als „Vorgesetzte" oder „Versorger" verstanden. Wörtlich heißt es eher „die mit Verantwortung Aufstehenden", „die Unterhalt-Tragenden". Reformistische Lesarten betonen die Verantwortungsdimension gegenüber einer Herrschaftsdimension.

nuschūz („Widerspenstigkeit"): in klassischer Auslegung sexuelle oder allgemeine Auflehnung. Modern reformistisch oft eingegrenzt auf ernsthaftes Ehe-Fehlverhalten, etwa Untreue.

wa-ḍribūhunna („und schlagt sie!"): die Schlüsselstelle. Das arabische Verb ḍaraba hat im Koran mindestens 12 verschiedene Bedeutungen – schlagen, reisen, ein Beispiel anführen, sich abwenden, einprägen, trennen.

Drei Lesarten:

  1. Klassisch-traditionell: „schlagt sie!" – aber mit Einschränkungen. Klassische Auslegungen verlangen einen siwāk (Zahnstocher) oder die Wirkungslosigkeit – kein Verletzen, kein Bluten, kein Spuren-Hinterlassen. Mohammed selbst soll seine Frauen nie geschlagen haben, und Hadithe verurteilen Frauenschlagen scharf. „Die besten von euch sind die, die zu ihren Frauen am besten sind."
  2. Historisch-kontextuell: Im 7. Jahrhundert in Arabien war Frauenschlagen alltäglich und unkontrolliert. Der Koran begrenzt es als letzte Stufe einer Eskalation (zuerst ermahnen, dann Bett meiden, dann das) – mit Einschränkungen, die in der Praxis fast Verbot bedeuten. Das ist im historischen Kontext eine massive Eindämmung der Gewalt.
  3. Reformistisch: wa-ḍribūhunna bedeutet hier nicht „schlagen", sondern „sich entfernen" oder „trennen". Diese Lesart wird von einigen modernen Reformern vertreten (etwa Laleh Bakhtiar in ihrer Koran-Übersetzung 2007). Die Eskalation wäre dann: ermahnen → Bett meiden → räumlich trennen. Linguistisch ist das möglich, aber nicht die Mehrheits-Lesart.

Mohammed selbst hat laut Hadith gesagt: „Wie kann einer von euch seine Frau schlagen, wie er einen Sklaven schlagen würde, und sie am Abend wieder in seinem Bett haben?" Das gibt zumindest einen Hinweis, wie der Vers nicht verstanden werden sollte.

Vers 59 – die Grundlage der islamischen Staats-Theorie

Vers 59 ist die meistzitierte koranische Stelle zur politischen Theorie: „O ihr, die ihr glaubt! Gehorcht Gott, gehorcht dem Gesandten und denen unter euch, die das Sagen haben! Wenn ihr aber über eine Sache streitet, so bringt sie vor Gott und den Gesandten."

Die dreistufige Hierarchie: Gott – Gesandter – Autoritäten. Wer „die Autoritäten" (ulū al-amr) sind, ist klassisch unterschiedlich verstanden:

  • Sunnitisch-mehrheitlich: die rechtgläubigen Herrscher (Kalifen, Sultane) oder die Rechtsgelehrten (ʿulamāʾ).
  • Schiitisch: die zwölf Imame der Linie ʿAlīs – sie sind die einzigen legitimen Autoritäten.
  • Modern-republikanisch: die gewählten Vertreter des Volkes, also Parlamente.

Wichtig ist die Bedingung am Ende des Verses: Wenn es Streit gibt, kehrt zurück zu Koran und Sunna. Das bedeutet: keine menschliche Autorität ist absolut. Wenn ein Herrscher gegen Gott gebietet, gilt der Gehorsam nicht mehr. Das ist im klassischen Islam Konsens – auch wenn der praktische Anwendungsbereich umstritten ist.

Verse 156–158 – die Kreuzigung Jesu

Die Verse 156–158 sind die wichtigste koranische Stelle zur Kreuzigung Jesu. Vers 157: „...und wegen ihres Sagens: Wir haben den Messias Jesus, den Sohn Marias, den Gesandten Gottes, getötet! Aber sie haben ihn nicht getötet und nicht gekreuzigt, sondern es erschien ihnen so."

Der Koran verneint die Kreuzigung Jesu explizit. Vers 158 setzt fort: „Vielmehr hat Gott ihn zu sich erhoben."

Drei klassische Lesarten:

  1. Substitutions-Theorie (Mainstream): Gott ließ einen anderen wie Jesus aussehen – traditionell wird Judas oder Simon von Kyrene genannt. Dieser wurde gekreuzigt. Jesus selbst wurde lebend in den Himmel erhoben.
  2. Sufische / mystische Lesart: Die Kreuzigung war eine Erscheinung, eine Täuschung der Sinne. Jesus war nicht wirklich am Kreuz.
  3. Aḥmadiyya / einige Reformer: Jesus überlebte das Kreuz (Scheintod), wurde gerettet, kam nach Indien und starb dort einen natürlichen Tod (Grab in Srinagar/Kaschmir wird verehrt).

Die Mehrheits-Lesart ist die erste. Sie steht im Spannungsverhältnis zur christlichen Heilsökonomie (Kreuz als zentrales Heilsereignis). In der christlich-islamischen Debatte ist diese Stelle einer der wichtigsten Differenzpunkte.

Vers 171 – die anti-trinitarische Hauptstelle

Vers 171 ist die wichtigste anti-trinitarische Stelle des Korans: „O ihr Leute der Schrift! Übertreibt es nicht in eurer Religion und sagt über Gott nur die Wahrheit! Wahrlich, der Messias Jesus, der Sohn Marias, ist nur der Gesandte Gottes, sein Wort, das er Maria zukommen ließ, und ein Geist von ihm. So glaubt an Gott und seine Gesandten und sagt nicht: Drei! Hört auf damit – es ist besser für euch! Wahrlich, Gott ist nur ein einziger Gott. Preis sei ihm! Dass er einen Sohn habe!"

Der Vers enthält mehrere wichtige Aussagen:

  1. „Übertreibt nicht" (lā taghlū): Eine Mahnung an die Christen. Sie hätten Jesus zu hoch erhoben.
  2. Jesus ist „Gesandter, Wort und Geist": Die Begriffe sind interessant. „Wort" (kalima) und „Geist von ihm" (rūḥun minhu) sind Begriffe, die Anknüpfungspunkte für christliche Theologie bieten könnten. Der Koran benutzt sie – ohne sie christlich zu deuten.
  3. „Sagt nicht: Drei!": Das ist die einzige Stelle im Koran, die explizit gegen das Trinitäts-Dogma argumentiert. Allerdings ist nicht klar, ob hier die orthodoxe Trinität gemeint ist (Vater-Sohn-Hl. Geist) oder eine populär-arabische Vorstellung (Gott-Maria-Jesus, was sich in Sure 5,116 andeutet).
  4. „Gott hat keinen Sohn": Die monotheistische Grundaussage. Im islamischen Verständnis ist „Sohn Gottes" als biologische Beziehung gedacht und deshalb absurd. Christliche Theologen würden differenzieren (ewige Zeugung, nicht biologisch), aber im 7. Jahrhundert in Arabien war diese Unterscheidung wahrscheinlich nicht präsent.

Vers 172 setzt fort: „Der Messias würde es nicht verschmähen, ein Diener Gottes zu sein, auch nicht die nahen Engel." Jesus selbst – so die Argumentation – hätte keine Probleme damit, ein Diener Gottes zu sein. Erst seine Anhänger machten ihn zu mehr.

Vers 135 – Gerechtigkeit, auch gegen sich selbst

Vers 135 ist ethisch zentral: „O ihr, die ihr glaubt! Steht für die Gerechtigkeit ein als Zeugen für Gott, auch wenn es gegen euch selbst, gegen die Eltern oder die Verwandten geht – sei es um einen Reichen oder einen Armen!"

Das ist eine bemerkenswerte Stelle. Die Gerechtigkeit hat absolute Priorität – über Familienbande, eigene Interessen, gesellschaftliche Stellung. „Folgt nicht der Neigung, dass ihr gerecht handelt!" Auch nicht der Neigung, dem Armen zu helfen, wenn das gegen die Wahrheit geht (das wird in Vers 134 ausdrücklich gesagt).

Vers 36 – ein ethisches Kerngebot

Vers 36 enthält eines der dichtesten ethischen Programme des Korans: „Dient Gott und gesellt ihm nichts bei! Tut den Eltern Gutes, auch den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem benachbarten Nachbarn, dem fremden Nachbarn, dem Gefährten zur Seite, dem Wanderer."

Acht Gruppen werden namentlich aufgezählt – und besonders bemerkenswert: „dem fremden Nachbarn". Das ist eine konkrete Norm. Der Nachbar, der nicht zur eigenen Gemeinschaft gehört – auch nicht zur eigenen Religion – soll gleichberechtigt mit dem Verwandten behandelt werden. Mohammed soll laut Hadith gesagt haben: „Gabriel hat mich so sehr zum Wohltun an den Nachbarn ermahnt, dass ich dachte, der Nachbar werde mein Erbe."

Wie wird die Sure verstanden?

Sure 4 ist die Sozialgesetzbuch-Sure des Korans. Sie behandelt das, was sonst nur in Nebenstellen vorkommt: Familienrecht, Erbrecht, Eherecht, Geschlechterverhältnis. Sie ist in der gegenwärtigen Reformdiskussion zentral. Wer im modernen Kontext über islamisches Familienrecht spricht, redet im Wesentlichen über Sure 4.

Eine wichtige Beobachtung: Die Sure ist – historisch gelesen – an vielen Stellen eine Reform des vorislamischen arabischen Rechts in Richtung mehr Schutz für Frauen, Waisen, Schwache:

  • Frauen bekommen erstmals Erbrecht (vorher waren sie Erbsache)
  • Waisenvermögen wird unter Schutz gestellt
  • Polygamie wird auf vier begrenzt (vorher unbegrenzt) und an Gerechtigkeit gebunden
  • Heirat mit Stiefmüttern wird verboten
  • Gewalt gegen Frauen wird in einen Eskalations-Rahmen mit faktischer Einschränkung gestellt

Modern-reformistische Auslegungen lesen die Sure als Trajektorie: Der Koran zeigt eine Richtung – mehr Gerechtigkeit, mehr Schutz, mehr Gleichheit. Diese Richtung sei weiterzuführen, auch über die konkreten Bestimmungen des 7. Jahrhunderts hinaus. Klassisch-traditionalistische Auslegungen lesen die Bestimmungen dagegen als universal: Sie gelten heute wie damals.

Die Sure ist auch theologisch zentral. Ihre Stellen zur Kreuzigung Jesu (Vers 157) und zur Trinität (Vers 171) bilden das Fundament des islamischen Christus-Verständnisses. Ohne diese Verse wäre die islamisch-christliche Differenz eine andere.

In der Praxis wird die Sure in Familien-Konfliktsituationen oft konsultiert. Das Kollegium der Schiedsrichter (Vers 35: einer aus jeder Familie) ist eine Praxis, die im klassischen Islam bei Ehekrisen empfohlen wird – ein Schlichtungsmodell, das vor staatlicher Gerichtsbarkeit greift.

Schlüsselbegriffe kurz erklärt

  • An-Nisāʾ – „die Frauen" – Namen der Sure, weil viele Stellen das Geschlechterverhältnis regeln
  • Vers 3 – Polygamie – klassische Mehrehe-Erlaubnis („zu zweit, zu dritt, zu viert"); in Verbindung mit Vers 129 reformistisch teilweise als de-facto-Verbot gelesen
  • Verse 11–12, 176 – Erbrecht – detailliertestes Rechtssystem des Korans; im 7. Jahrhundert eine massive Aufwertung der Frau (vorher kein Erbrecht)
  • Vers 34 – qawwāmūn und wa-ḍribūhunna – die umstrittenste familienrechtliche Stelle; drei Lesarten von „schlagen" zu „sich entfernen"
  • Vers 35 – Schiedsgericht – Schlichtungsmodell für Ehekrisen: ein Schiedsrichter aus jeder Familie
  • Vers 36 – das „ethische Kerngebot" mit acht Gruppen; besonders bemerkenswert: der „fremde Nachbar"
  • Vers 59 – ulū al-amr – Grundlage der islamischen Staats-Theorie: dreistufige Hierarchie Gott – Gesandter – Autoritäten
  • Vers 135 – Gerechtigkeit – „auch wenn es gegen euch selbst, gegen die Eltern oder die Verwandten geht" – absolute Priorität der Gerechtigkeit
  • Verse 156–158 – Kreuzigungs-Stellen – die Kreuzigung Jesu wird verneint; Erhebung zu Gott bejaht; drei klassische Auslegungen
  • Vers 171 – anti-trinitarische Hauptstelle – „Sagt nicht: Drei!" – die einzige explizite koranische Argumentation gegen die Trinität