Alle 114 Suren des Korans

Sure 31: Lokman (Luqmān)

Sure 31 von 114, 34 Verse

Sure 31 heißt nach dem Weisen Lokman, arabisch Luqman, und hat in der Kairoer Zählung 34 Verse. Sie gilt als mekkanisch. Im Mittelpunkt stehen die Ratschläge Lokmans an seinen Sohn in den Versen 12 bis 19, umrahmt von Hinweisen auf die Schöpfung und das Gericht.

1 A. L. M.

2 Dies sind die Zeichen des weisen Buches, (Flügel 1)

3 Eine Rechtleitung und eine Barmherzigkeit für die Rechtschaffenen, (Flügel 2)

4 Die das Gebet verrichten und die Armensteuer zahlen und fest ans Jenseits glauben. (Flügel 3)

5 Diese sind in der Rechtleitung ihres Herrn und ihnen ergeht es wohl. (Flügel 4)

6 Und unter den Menschen gibt es einen, der belustigende Geschichten kauft, um in die Irre zu führen von Allahs Weg, ohne Wissen, und darüber zu spotten. Solchen wird schändende Strafe. (Flügel 5)

7 Und wenn ihm unsere Zeichen vorgelesen werden, wendet er sich hochmütig ab, als hätte er sie nicht gehört, als wenn seine Ohren schwerhörig wären; darum verkünde ihm schmerzliche Strafe. (Flügel 6)

8 Siehe diejenigen, welche glauben und das Rechte tun, für sie sind die Gärten der Wonne, (Flügel 7)

9 Ewig darin zu verweilen. (Das ist) Allahs wahre Verheißung. Und er ist der Mächtige, der Weise. (Flügel 8)

10 Erschaffen hat er die Himmel ohne sichtbare Säulen, und er warf in die Erde die festgegründeten (Berge,) damit sie nicht wanke mit euch; und er verstreute über sie allerlei Getier, und vom Himmel senden wir Regen herab und lassen auf ihr allerlei edle Art sprießen. (Flügel 9)

11 Dies ist Allahs Schöpfung, und nun zeigt mir, was jene (Götter) neben ihm erschufen? Nein, die Ungerechten sind in offenbarem Irrtum. (Flügel 10)

12 Und wahrlich wir gaben Lokman Weisheit (und sprachen:) "Sei dankbar gegen Allah; denn, wer dankbar ist, der ist nur zu seinem eigenen Besten dankbar. Und wer undankbar ist, siehe, so ist Allah reich und rühmenswert." (Flügel 11)

13 Und (gedenke,) da Lokman zu seinem Sohn sprach, ihn ermahnend: "O mein Söhnlein, gib Allah keine Gefährten; siehe Vielgötterei ist ein gewaltiger Frevel." (Flügel 12)

14 Wir legten dem Menschen Güte gegen seine Eltern ans Herz. Seine Mutter trug ihn in Schwäche über Schwäche, und seine Entwöhnung ist binnen zwei Jahren. "Darum sei mir und deinen Eltern dankbar. Zu mir ist der Heimgang." (Flügel 13)

15 Doch wenn sie mit dir eifern, dass du mir an die Seite setzt, wovon dir kein Wissen wurde, so gehorche ihnen nicht; verkehre mit ihnen im Diesseits in Billigkeit, doch folge dem Weg derer, die sich zu mir bekehren. Dann ist eure Rückkehr zu mir, und verkünden will ich euch euer Tun. (Flügel 14)

16 "O mein Söhnlein, siehe, wäre es auch nur das Gewicht eines Senfkorns, und wäre es in einem Felsen oder in den Himmeln oder in der Erde, Allah bringt es (ans Licht). Siehe, Allah ist scharfsinnig und kundig. (Flügel 15)

17 O mein Söhnlein, verrichte das Gebet und gebiete was Rechtens ist und verbiete das Unrechte und ertrage standhaft, was dich trifft. Siehe dies ist eins der beschlossenen Dinge. (Flügel 16)

18 Und verziehe nicht deine Wange gegen die Menschen und wandle nicht übermütig auf Erden. Siehe Allah liebt keinen eingebildeten Prahler. (Flügel 17)

19 Halte das rechte Maß in deinem Gang und dämpfe deine Stimme. Siehe, die unangenehmste Stimme ist die Stimme der Esel." (Flügel 18)

20 Saht ihr denn nicht, dass euch Allah alles in den Himmeln und auf Erden unterwarf und über euch seine Gnade ausgoss, äußerlich und innerlich? Und doch streiten einige über Allah ohne Wissen und ohne Rechtleitung und ohne erleuchtendes Buch. (Flügel 19)

21 Und wenn zu ihnen gesprochen wird: "Folgt dem, was Allah hinabgesendet hat", dann sprechen sie: "Nein, wir folgen dem, in dem wir unsere Väter fanden." Was! Obwohl sie der Satan zur Strafe der Feuersglut einlädt? (Flügel 20)

22 Wer aber sein Angesicht Allah ergibt und rechtschaffen handelt, der hat die festeste Handhabe ergriffen. Und zu Allah ist der Ausgang der Dinge. (Flügel 21)

23 Wer aber ungläubig ist, dessen Unglauben bekümmere dich nicht; zu uns ist ihre Rückkehr, und verkünden wollen wir ihnen ihr Tun. Siehe Allah kennt das Innerste der Brüste. (Flügel 22)

24 Wir lassen sie ein Kleines des Lebens Freude genießen; dann treiben wir sie zu harter Strafe. (Flügel 23)

25 Und wahrlich, wenn du sie fragst, wer die Himmel und die Erde und was darin erschaffen, dann sprechen sie: "Allah." Sprich: "Das Lob sei Allah!" Jedoch wissen es die meisten nicht. (Flügel 24)

26 Allahs ist, was in den Himmeln und auf Erden. Siehe Allah, er ist der Reiche, der Rühmenswerte. (Flügel 25)

27 Und wenn alle Bäume auf Erden Federn würden, und wüchse das Meer danach zu sieben Meeren (von Tinte,) Allahs Worte würden nicht erschöpft. Siehe Allah ist mächtig und weise. (Flügel 26)

28 Eure Schöpfung und eure Erweckung ist (ihm) nur (wie die) einer Seele. Siehe Allah ist hörend und sehend. (Flügel 27)

29 Siehst du denn nicht, dass Allah die Nacht auf den Tag folgen lässt und den Tag auf die Nacht, und dass er die Sonne und den Mond dienstbar machte? Dass alles zu einem bestimmten Termin läuft, und dass Allah weiß, was ihr tut? (Flügel 28)

30 Solches, weil Allah die Wahrheit ist, und weil alles, was ihr neben ihm anruft, Eitles ist, und weil Allah, der Hohe, der Große ist. (Flügel 29)

31 Siehst du denn nicht, dass die Schiffe auf dem Meer durch Allahs Gnade eilen, um euch etwas von seinen Zeichen zu zeigen? Hierin sind wahrlich Zeichen für jeden Standhaften und Dankbaren. (Flügel 30)

32 Und wenn sie eine Woge gleich Schatten bedeckt, dann rufen sie zu Allah in lauterem Glauben. Hat er sie jedoch zum Strand errettet, dann schwanken einige hin und her. Unsere Zeichen aber bestreiten nur alle Treulosen und Undankbaren. (Flügel 31)

33 O ihr Menschen, fürchtet euren Herrn und zagt vor dem Tag, wo der Vater nichts für den Sohn und der Sohn nichts für den Vater leisten kann. Siehe Allahs Verheißung ist wahr. Und lass dich nicht betrügen von dem irdischen Leben und nicht betrüge euch der Betrüger in Bezug auf Allah. (Flügel 32 bis 33)

34 Siehe Allah, bei ihm ist das Wissen von der "Stunde." Und er sendet den Regen herab, und er weiß, was in den Mutterschößen ist; und keine Seele weiß, was sie morgen gewinnen wird, und keine Seele weiß, in welchem Land sie sterben wird. Siehe, Allah ist wissend und kundig.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 31 heißt in der Lesefassung nach Max Henning "Lokman", arabisch Luqman. Benannt ist sie nach einem Weisen, dessen Ratschläge an seinen Sohn sie wiedergibt; nach der Einleitung bei Quran.com, die dem Kommentar von Ibn Aschur folgt, kommt dieses Thema nur in dieser Sure vor [2]. Sie hat in der Kairoer Zählung 34 Verse und ist nach der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) mekkanisch [1]. Medina und Mekka zählen 33 Verse, Syrien, Basra und Kufa 34 [2]. Die Sure beginnt mit den Buchstaben A. L. M. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutschen Zitate auf dieser Seite stammen aus der Lesefassung nach Max Henning (1901).

In der überlieferten Reihenfolge der Offenbarung steht die Sure an 57. Stelle [1]. Nach derselben Einleitung wurde vorgeschlagen, dass die Verse 4 und 27 bis 29 medinensisch sind [2]. Theodor Nöldeke rechnet die Sure zur dritten mekkanischen Periode, vom siebten Jahr der Sendung bis zur Auswanderung [3].

Inhalt im Überblick

  • Verse 1 bis 11: die Zeichen des "weisen Buches" als Rechtleitung für die Rechtschaffenen, dagegen ein Mann, der "belustigende Geschichten kauft", um von Allahs Weg abzubringen (31,6). Die Himmel stehen ohne sichtbare Säulen; die Götzen haben nichts erschaffen.
  • Verse 12 bis 19: Allah gab Lokman Weisheit. Er mahnt seinen Sohn, Allah keine Gefährten zu geben (31,13). Eingeschoben sind die Verse 14 und 15 über die Eltern: Güte gegenüber Vater und Mutter, aber kein Gehorsam, wenn sie zum Götzendienst drängen. Dann folgen Lokmans weitere Ratschläge: Selbst das Gewicht eines Senfkorns bringt Allah ans Licht, das Gebet verrichten, das Rechte gebieten, Geduld, keine Überheblichkeit, das rechte Maß im Gang und eine gedämpfte Stimme.
  • Verse 20 bis 26: Zeichen und Gaben Allahs, Kritik an denen, die nur dem folgen, worin sie ihre Väter fanden, und der Satz, wer sein Angesicht Allah ergebe und rechtschaffen handle, habe "die festeste Handhabe" ergriffen (31,22).
  • Verse 27 bis 32: Wären alle Bäume Federn und das Meer sieben Meere Tinte, Allahs Worte würden nicht erschöpft (31,27). Es folgen Tag und Nacht, Sonne und Mond, Schiffe auf dem Meer.
  • Verse 33 bis 34: die Warnung vor dem Tag, an dem kein Vater für seinen Sohn einstehen kann, und der Schlussvers über das Wissen von der Stunde, das bei Allah liegt (31,34).

Wie die Sure verstanden wird

Klassische Auslegung

Die meisten klassischen Gelehrten zählten Lokman nicht zu den Propheten; als Ausnahme nennt der Wikipedia-Artikel Ikrima. Nach den meisten Fassungen der Überlieferung ließ Allah ihn zwischen Prophetentum und Weisheit wählen, und er wählte die Weisheit [4]. Koranausleger überliefern, er sei ein schwarzer Sklave aus Äthiopien oder Nubien gewesen; andere Berichte machen ihn zu einem Ägypter, Zimmermann oder Hirten [4].

Muslimische Kommentare des 20. Jahrhunderts

Hinter der Einleitung bei Quran.com steht der Kommentar at-Tahrir wa-t-Tanwir des Tunesiers Ibn Aschur (1879 bis 1973) [2, 5]. Sie nennt als Anlass, dass die Kuraisch den Propheten nach Lokman fragten, offenbar um ihn zu prüfen. Für die Verse 1 bis 9 nennt sie an-Nadr ibn al-Harith, der fremde Bücher wie persische Epen kaufte und den Kuraisch vortrug, um sie vom Koran abzulenken [2]. Zu Vers 6 überliefert die Kurzfassung des Kommentars von Ibn Kathir bei Quran.com mehrere Deutungen der "belustigenden Geschichten": Ibn Masud bezog sie auf Gesang, andere auf den Kauf singender Sklavinnen, Ibn Dscharir (at-Tabari) auf jede Rede, die von Allahs Zeichen und Weg abhält [6]. Den Schlussvers liest sie als Absage an Wahrsagerei und an jeden Anspruch auf sicheres Wissen über das Verborgene [2].

Islamwissenschaft

Schon vor dem Islam erzählten arabische Sagen von einem langlebigen Weisen namens Luqman ibn Ad [4]. Eine Handschrift von 1299 enthält 41 "Fabeln Lokmans", die fast alle in einer syrischen Fassung des Äsop stehen [4]. Heller und Stillman sehen in Lokman eine aus vielen Zügen zusammengesetzte Gestalt; eine Gleichsetzung mit dem weisen Ahikar lehnen sie ab und sehen höchstens eine mittelbare Verbindung über Äsop [4].

Weitere Seiten: Ehe und Familie im Koran und Mekkanische und medinensische Suren.

  1. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  2. Surah Luqman. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Koran. Gabriel Oussani, The Catholic Encyclopedia, Bd. 8, New Advent. Stand 1910. abgerufen am 29.10.2026
  4. Luqman. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Ibn Ashur. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir of Luqman Ayah 6. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.