Alle 114 Suren des Korans

Sure 32: Die Anbetung (As-Sadschda)

Sure 32 von 114, 30 Verse

Sure 32 heißt bei Henning "Die Anbetung", arabisch As-Sadschda, also Niederwerfung. Sie hat in der Kairoer Zählung 30 Verse und gilt als mekkanisch. Sie handelt von der Herkunft des Korans, der Schöpfung des Menschen und der Auferstehung; Vers 15 ist eine Stelle, an der beim Vortrag eine Niederwerfung vorgesehen ist.

1 A. L. M.

2 Die Hinabsendung des Buches ist ohne Zweifel von dem Herrn der Welten. (Flügel 1)

3 Sprechen sie da: "Er hat es erdichtet?" Doch es ist die Wahrheit von deinem Herrn, damit du warnst ein Volk, zu dem vor dir kein Warner kam. Vielleicht lassen sie sich leiten. (Flügel 2)

4 Allah ist es, der die Himmel und die Erde und was zwischen beiden ist in sechs Tagen erschuf. Dann setzte er sich auf den Thron. Außer ihm habt ihr weder einen Beschützer noch Fürsprecher. Wollt ihr euch nicht ermahnen lassen? (Flügel 3)

5 Er lenkt alle Dinge vom Himmel bis zur Erde; dann steigen sie empor zu ihm an einem Tag, dessen Maß tausend Jahre sind von denen, die ihr zählt. (Flügel 4)

6 Er kennt das Verborgene und das Sichtbare, der Mächtige, der Barmherzige, (Flügel 5)

7 Der alle Dinge gut erschaffen, und der des Menschen Schöpfung aus Ton hervorgebracht. (Flügel 6)

8 Dann bildete er seine Nachkommen aus Samen aus verächtlichem Wasser. (Flügel 7)

9 Dann formte er ihn und blies in ihn von seinem Geist und gab euch Gehör, Gesicht und Herzen. Wenig Dank stattet ihr ihm ab. (Flügel 8)

10 Und sie sprechen: "Wenn wir in der Erde verloren waren, sollen wir dann wieder neu erschaffen werden?" Ja, sie glauben nicht an die Begegnung mit ihrem Herrn. (Flügel 9 bis 10)

11 Sprich: "Fortnehmen wird euch der Engel des Todes, der mit euch betraut ist. Dann werdet ihr zu eurem Herrn zurückgebracht."

12 Sähest du dann nur die Sünder ihre Häupter vor ihrem Herrn niedersenken (und sprechen:) "Unser Herr, wir schauen und hören. Lass uns zurückkehren, dass wir das Rechte tun. Siehe, wir haben festen Glauben."

13 Und hätten wir gewollt, wahrlich wir hätten jeder Seele ihre Rechtleitung gegeben; jedoch soll das Wort von mir wahr werden: "Wahrlich, erfüllen will ich Dschehannam mit Dschinn und Menschen allesamt.

14 So schmeckt denn (die Strafe) dafür, dass ihr die Begegnung mit diesem eurem Tag vergaßt. Siehe, wir haben euch vergessen; schmeckt denn die ewige Strafe für euer Tun."

15 Diejenigen nur glauben an unsere Zeichen, die bei ihrer Erwähnung in Anbetung niederfallen und das Lob ihres Herrn verkünden und nicht hochmütig sind.

16 Erheben sie ihre Seite vom Lager, so rufen sie ihren Herrn in Furcht und Verlangen an und spenden von unseren Gaben.

17 Keine Seele weiß, welcher Augentrost für sie verborgen ist als Belohnung für ihr Tun.

18 Soll etwa der Gläubige gleich dem Gottlosen sein? Sie sollen nicht gleich gehalten sein.

19 Was diejenigen anlangt, welche glauben und das Rechte tun, für die sollen die "Gärten der Wohnung" sein als Lohn für ihr Tun.

20 Was aber die Gottlosen anlangt, ihre Wohnung ist das Feuer. So oft sie aus ihm herauswollen, sollen sie in dasselbe zurückgetrieben werden und es soll zu ihnen gesprochen werden: "Schmeckt die Feuerspein, die ihr als eine Lüge erklärtet."

21 Und wahrlich wir wollen sie die nähere Strafe neben der größeren Strafe schmecken lassen, damit sie umkehren.

22 Und wer ist ungerechter, als der, dem die Zeichen seines Herrn vorgehalten sind, und der sich dann von ihnen abkehrt? Siehe, wir rächen uns an den Sündern.

23 Und wahrlich wir gaben Moses die Schrift, darum sei nicht in Zweifel über die Begegnung mit ihm, und wir machten sie zu einer Rechtleitung für die Kinder Israel.

24 Und wir gaben ihnen Führer aus ihrer Mitte nach unserem Befehl zu leiten, nachdem sie sich standhaft erwiesen und fest an unsere Zeichen geglaubt hatten.

25 Siehe, dein Herr, entscheiden wird er zwischen ihnen am Tag der Auferstehung, worüber sie uneins sind.

26 Ist es ihnen denn nicht bekannt, wie viele Geschlechter wir vor ihnen vertilgten, in deren Wohnungen sie wandeln? Siehe, hierin sind wahrlich Zeichen! Hört ihr denn nicht?

27 Sehen sie denn nicht, dass wir das Wasser zum dürren Land treiben und durch dasselbe Korn hervorbringen, von dem ihr Vieh und sie selber essen? Sehen sie denn nicht?

28 Und sie sprechen: "Wann trifft diese Entscheidung ein, wenn ihr wahrhaftig seid?"

29 Sprich: "An dem Tag der Entscheidung soll den Ungläubigen ihr Glauben nicht nützen, und nicht sollen sie errettet werden.

30 Darum kehre dich ab von ihnen und warte; siehe, sie warten auch."

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 32 heißt in der Lesefassung nach Max Henning "Die Anbetung", arabisch As-Sadschda, das bedeutet Niederwerfung. Sie hat in der Kairoer Zählung 30 Verse; die Zählung von Basra kommt auf 27 [1, 2]. Sie ist nach der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) mekkanisch [1]. Nach der Einleitung bei Quran.com, die dem Kommentar von Ibn Aschur folgt, sehen die meisten Gelehrten sie als mekkanisch, nach anderen Berichten ist sie oder sind einige Verse medinensisch [2]. Die Sure beginnt mit den Buchstaben A. L. M. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutschen Zitate auf dieser Seite stammen aus der Lesefassung nach Max Henning (1901).

Neben As-Sadschda kennt die Überlieferung Namen wie "Alif Lam Mim Tanzil" und "Madadschi'", die Betten, nach Vers 16 [2]. In der überlieferten Reihenfolge der Offenbarung steht die Sure bei Tanzil an 75. Stelle, in der Einleitung bei Quran.com an 73. Stelle [1, 2]. Theodor Nöldeke stellt sie an den Anfang seiner dritten mekkanischen Periode, die vom siebten Jahr der Sendung bis zur Auswanderung reicht [3].

Inhalt im Überblick

  • Verse 1 bis 3: Das Buch kommt vom Herrn der Welten; dem Vorwurf, der Prophet habe es erdichtet, antwortet die Sure, er solle ein Volk warnen, zu dem vorher kein Warner kam.
  • Verse 4 bis 9: Allah schuf Himmel und Erde in sechs Tagen und lenkt alle Dinge. Den Menschen bildete er aus Ton, blies ihm von seinem Geist ein und gab ihm Gehör, Gesicht und Herz.
  • Verse 10 bis 14: Die Leugner fragen, ob sie nach dem Tod neu erschaffen werden. Der Engel des Todes holt sie (32,11), und am Gericht senken die Sünder die Häupter.
  • Verse 15 bis 22: Die Gläubigen fallen bei der Erwähnung der Zeichen "in Anbetung nieder" (32,15) und verlassen ihr Lager, um ihren Herrn anzurufen. "Keine Seele weiß, welcher Augentrost für sie verborgen ist" (32,17). Gläubige und Gottlose sind nicht gleich.
  • Verse 23 bis 25: Moses erhielt die Schrift, die Kinder Israel Führer aus ihrer Mitte; über ihre Streitfragen entscheidet Allah am Tag der Auferstehung.
  • Verse 26 bis 30: vernichtete frühere Geschlechter, Wasser, das dürres Land belebt, die Frage der Spötter nach dem Tag der Entscheidung und der Auftrag, sich abzuwenden und zu warten.

Wie die Sure verstanden wird

Rituelle Bedeutung

Vers 15 ist eine der Stellen, an denen beim Vortrag eine Niederwerfung vorgesehen ist; Tanzil führt in seinen Daten fünfzehn solcher Stellen auf, darunter 32,15 [1]. Nach der Einleitung bei Quran.com trug der Prophet die Sure gewöhnlich zusammen mit Sure 67 vor dem Schlafen vor [2].

Muslimische Kommentare des 20. Jahrhunderts

Ibn Aschur, ein tunesischer Gelehrter (1879 bis 1973), ist der Verfasser von at-Tahrir wa-t-Tanwir [4]. Nach der Einleitung, die diesem Kommentar folgt, antwortet die Sure Götzendienern, die den Koran als Erfindung verspotteten und die Auferstehung leugneten [2]. Die Erschaffung des Menschen und der Regen, der die tote Erde belebt, gelten dort als Belege für die Auferstehung. Die Erinnerung an Moses soll den Propheten trösten, weil Allah am Ende über die Streitfragen entscheidet [2].

Islamwissenschaft

Bei Nöldeke steht Sure 32 als erste Sure der dritten mekkanischen Periode, vor Sure 41 [3]. Mehr zur Einteilung in Perioden steht auf der Seite Mekkanische und medinensische Suren, zum Gebet auf Das Gebet im Koran.

  1. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  2. Surah As-Sajdah. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Koran. Gabriel Oussani, The Catholic Encyclopedia, Bd. 8, New Advent. Stand 1910. abgerufen am 29.10.2026
  4. Ibn Ashur. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.