Sure 34
Saba
Sabaʾ
Worum geht's?
Die Sure verdankt ihren Namen einem historischen Reich im Süden Arabiens (heutiger Jemen). Saba war eine bedeutende antike Macht – wohlhabend, gut bewässert, weltoffen. Die Sure beschreibt seinen Aufstieg und Fall als Lehrstück göttlicher Geschichte. Davor erzählt sie noch von David und Salomo, denen Gott besondere Gunst gegeben hatte.
Der Text – Vers für Vers
In moderner Sprache paraphrasiert nach Max Henning (1901).
- 1Lob sei Gott, dem gehört, was in den Himmeln und auf der Erde ist! Ihm gehört das Lob im Jenseits. Er ist der Weise, der Kundige.
- 2Er weiß, was in die Erde eingeht und was aus ihr herauskommt, was vom Himmel herabkommt und was zu ihm hinaufsteigt. Er ist der Barmherzige, der Allverzeihende.
- 3Die ungläubig sind, sagen: Die Stunde kommt nicht zu uns. Sprich: Doch! Bei meinem Herrn, sie wird zu euch kommen, dem Kenner des Verborgenen. Vor ihm gibt es nicht das Gewicht eines Stäubchens in den Himmeln und auf der Erde verborgen. Nichts ist kleiner oder größer, ohne dass es in einem klaren Buch wäre,
- 4damit er die belohne, die geglaubt und gute Werke getan haben. Diese haben Vergebung und edle Versorgung.
- 5Die aber in unseren Zeichen wettlaufen, um sie zunichtemachen – diese haben die Strafe einer schmerzhaften Pestilenz.
- 6Die, denen Wissen gegeben wurde, sehen, dass das, was dir von deinem Herrn herabgesandt wurde, die Wahrheit ist und zum Weg des Mächtigen, des Lobenswerten leitet.
- 7Die ungläubig sind, sagen: Sollen wir euch einen Mann zeigen, der euch verkündet, dass ihr, wenn ihr völlig zerstückelt seid, zu einer neuen Schöpfung kommt?
- 8Hat er Lüge über Gott erfunden oder ist Wahnsinn in ihm? Vielmehr sind die, die nicht an das Jenseits glauben, in Strafe und ferner Verirrung.
- 9Sehen sie nicht, was vor ihnen und was hinter ihnen ist vom Himmel und von der Erde? Wenn wir wollten, würden wir die Erde mit ihnen versinken lassen oder Stücke vom Himmel auf sie fallen lassen. Wahrlich, darin ist ein Zeichen für jeden umkehrenden Diener.
- 10Wir gaben David Gunst von uns: Berge, preist mit ihm! Auch die Vögel! Wir erweichten ihm das Eisen.
- 11Mache breite Panzer und bestimme das Geflecht! Tut Gutes! Wahrlich, ich bin über das, was ihr tut, sehend.
- 12Und Salomo den Wind, dessen Frühreise einen Monat und dessen Abendreise einen Monat war. Wir ließen für ihn die Kupferquelle fließen. Manche der Dschinn arbeiteten vor ihm mit der Erlaubnis seines Herrn. Wer von ihnen von unserem Befehl abweicht, dem lassen wir die Strafe der Lohe kosten.
- 13Sie machten für ihn, was er wollte – an Heiligtümern, Bildwerken, Schalen wie Wassertröge und festen Töpfen. Tut, Familie Davids, dankbar! Wenige meiner Diener sind dankbar.
- 14Als wir ihm den Tod bestimmten, zeigte ihnen nichts seinen Tod, außer dem Lebewesen der Erde, das seinen Stab zerfraß. Als er hinfiel, wurde den Dschinn klar: Hätten sie das Verborgene gewusst, wären sie nicht in der entwürdigenden Strafe geblieben.
- 15Für Saba war in seinen Wohnstätten ein Zeichen: Zwei Gärten – rechts und links. Esst von der Versorgung eures Herrn und seid ihm dankbar! Ein guter Ort und ein verzeihender Herr.
- 16Aber sie wandten sich ab. Da sandten wir gegen sie die Flut des Dammbruchs. Wir tauschten ihre zwei Gärten gegen zwei andere mit bitteren Früchten, Tamarisken und einigen Lotusbäumen.
- 17Das vergalten wir ihnen, weil sie ungläubig waren. Vergelten wir das nur dem völlig Undankbaren?
- 18Wir machten zwischen ihnen und den Städten, die wir gesegnet haben, deutliche Städte. Wir bestimmten zwischen ihnen die Reise: Reist in ihnen in Nächten und Tagen sicher!
- 19Sie sagten: Unser Herr, mache die Reisen zwischen uns weit! Sie taten sich selbst Unrecht. Da machten wir sie zu Erzählungen und zerteilten sie völlig. Wahrlich, darin sind Zeichen für jeden sehr Geduldigen, sehr Dankbaren.
- 20Wahrlich, Iblīs hat seine Vermutung über sie bestätigt. Sie folgten ihm, außer einer Gruppe der Gläubigen.
- 21Er hatte keine Vollmacht über sie. Aber wir wollten den, der an das Jenseits glaubt, kennen von dem, der darin im Zweifel ist. Dein Herr ist über alles ein Wächter.
- 22Sprich: Ruft die an, die ihr neben Gott behauptet habt! Sie besitzen nicht das Gewicht eines Stäubchens in den Himmeln und auf der Erde. Sie haben darin keinen Teil. Er hat unter ihnen keinen Helfer.
- 23Die Fürsprache nützt bei ihm nicht, außer für den, dem er es erlaubt. Wenn dann ihre Herzen erleichtert werden, sagen sie: Was hat euer Herr gesagt? Sie sagen: Die Wahrheit! Er ist der Hohe, der Große.
- 24Sprich: Wer versorgt euch aus den Himmeln und der Erde? Sprich: Gott. Wahrlich, wir oder ihr seid auf einer Rechtleitung oder in deutlicher Verirrung.
- 25Sprich: Ihr werdet über das, was wir verbrochen haben, nicht befragt. Wir werden über das, was ihr tut, nicht befragt.
- 26Sprich: Unser Herr sammelt uns zusammen, dann entscheidet er zwischen uns mit Wahrheit. Er ist der Entscheider, der Allwissende.
- 27Sprich: Zeigt mir die, die ihr ihm als Beigesellte angefügt habt! Nein! Vielmehr ist er Gott, der Mächtige, der Weise.
- 28Wir haben dich nur als Verkünder froher Botschaft und Warner für alle Menschen gesandt. Aber die meisten Menschen wissen es nicht.
- 29Sie sagen: Wann ist dieses Versprechen, wenn ihr wahrhaftig seid?
- 30Sprich: Euch wurde ein Versprechen eines Tages gegeben, von dem ihr nicht eine Stunde aufgeschoben werdet, und nicht beschleunigt.
- 31Die ungläubig sind, sagen: Wir werden an diesen Koran nicht glauben und nicht an das, was vor ihm war. Hätten ihr aber doch die Frevler sehen, wenn sie bei ihrem Herrn aufgestellt werden, einander Worte zurückwerfen! Die geschwächt waren, sagen zu denen, die hochmütig waren: Wäret ihr nicht gewesen, wären wir Gläubige gewesen!
- 32Die hochmütig waren, sagen zu denen, die geschwächt waren: Haben wir euch von der Rechtleitung abgehalten, nachdem sie zu euch kam? Vielmehr wart ihr Verbrecher.
- 33Die geschwächt waren, sagen zu denen, die hochmütig waren: Vielmehr Listigkeit bei Tag und Nacht, als ihr uns befahlt, an Gott ungläubig zu sein und ihm Ebenbürtige zu machen! Sie verbergen die Reue, wenn sie die Strafe sehen. Wir legen Ketten um die Hälse derer, die ungläubig waren. Werden sie für etwas anderes belohnt, als was sie taten?
- 34Wir haben in keiner Stadt einen Warner geschickt, ohne dass die in Wohlleben Lebenden gesagt hätten: Wahrlich, wir sind an dem, womit ihr geschickt wurdet, ungläubig.
- 35Sie sagen: Wir haben mehr an Vermögen und Kindern. Wir werden nicht bestraft.
- 36Sprich: Wahrlich, mein Herr weitet die Versorgung, wem er will, und engt sie ein. Aber die meisten Menschen wissen es nicht.
- 37Es sind nicht eure Vermögen noch eure Kinder, die euch zu uns nahebringen, außer wer geglaubt und Gutes getan hat. Für diese ist die doppelte Belohnung für das, was sie getan haben, und sie sind in den Obergemächern sicher.
- 38Die aber in unseren Zeichen wettlaufen, um sie zunichtemachen – diese werden in der Strafe vorgeführt.
- 39Sprich: Wahrlich, mein Herr weitet die Versorgung, wem er will von seinen Dienern, und engt sie ein. Was ihr aber an etwas ausgebt, das ersetzt er. Er ist der beste Versorger.
- 40An dem Tag versammelt er sie alle zusammen, dann sagt er zu den Engeln: Diese haben euch gedient?
- 41Sie sagen: Preis sei dir! Du bist unser Schutzherr neben ihnen. Vielmehr haben sie den Dschinn gedient. Die meisten von ihnen glaubten an sie.
- 42Heute habt ihr keine Macht über einander, weder Nutzen noch Schaden. Wir sagen zu denen, die Unrecht getan haben: Kostet die Strafe des Feuers, die ihr für eine Lüge erklärt habt!
- 43Wenn ihnen unsere klaren Zeichen verlesen werden, sagen sie: Dieser ist nur ein Mann, der euch von dem abhalten will, was eure Väter angebetet haben. Sie sagen: Das ist nur eine erfundene Lüge. Die ungläubig sind, sagen über die Wahrheit, als sie zu ihnen kam: Dies ist nur deutliche Magie.
- 44Wir gaben ihnen keine Bücher zum Studieren, und wir schickten zu ihnen vor dir keinen Warner.
- 45Die vor ihnen erklärten für Lüge. Diese haben das nicht erlangt, was wir jenen gegeben hatten. Aber sie erklärten meine Gesandten für Lügner. Wie war meine Missbilligung!
- 46Sprich: Ich ermahne euch zu einem einzigen Punkt: dass ihr für Gott zu zweit und einzeln aufsteht, dann nachdenkt. In eurem Gefährten ist kein Wahnsinn. Er ist nur ein Warner für euch vor einer harten Strafe.
- 47Sprich: Was ich von euch an Lohn verlangt habe, gehört euch. Mein Lohn ist nur bei Gott. Er ist über alles Zeuge.
- 48Sprich: Wahrlich, mein Herr wirft mit der Wahrheit. Er ist der Kenner des Verborgenen.
- 49Sprich: Die Wahrheit ist gekommen. Das Falsche beginnt nicht und kehrt nicht zurück.
- 50Sprich: Wenn ich in die Irre gehe, gehe ich nur gegen mich selbst in die Irre. Wenn ich aber rechtgeleitet bin, ist das, was mein Herr mir offenbart. Wahrlich, er ist allhörend, nahe.
- 51Sähest du, wenn sie erschrecken: Da ist kein Entweichen! Sie werden von einem nahen Ort gepackt!
- 52Sie sagen: Wir glauben daran! Wie ist das Greifen von einem fernen Ort?
- 53Sie waren vorher ungläubig daran. Sie warfen mit Vermutung von einem fernen Ort.
- 54Eine Sperre wird zwischen sie und dem gemacht, was sie begehren, wie früher mit ihresgleichen gemacht wurde. Wahrlich, sie waren in tiefem Zweifel.
Einordnung & Bedeutung
Das historische Saba
Sure 34 trägt den Namen eines historischen Reichs: Saba – englisch „Sheba" – das antike Reich im südlichen Arabien (heutiger Jemen). Es ist auch der Schauplatz der berühmten Begegnung Salomos mit der Königin (siehe Sure 27). Die historische Existenz Sabas ist gut belegt – durch Inschriften, archäologische Funde, römische und griechische Quellen.
Saba war eine Macht in der Antike (etwa 1200 v. Chr. bis 275 n. Chr.). Sein Reichtum basierte auf dem Handel mit Weihrauch und Myrrhe und auf fortgeschrittener Bewässerungstechnik. Der berühmte Damm von Maʾrib war ein ingenieurtechnisches Meisterwerk – einer der größten Dämme der antiken Welt. Er bewässerte einen Bezirk, der so fruchtbar war, dass die Region als „Paradiesgegend" galt.
Der Damm brach mehrmals (zuletzt um 575 n. Chr.). Mit dem letzten Bruch endete die Hochkultur Sabas. Die Bevölkerung wanderte ab. Die Region versteppte. Sure 34,15–17 hat genau diese Geschichte vor Augen.
Die zwei Gärten und der Damm-Bruch (Verse 15–17)
Vers 15 beschreibt das alte Saba in seiner Blüte: „Für Saba war in seinen Wohnstätten ein Zeichen: Zwei Gärten – rechts und links. Esst von der Versorgung eures Herrn und seid ihm dankbar! Ein guter Ort und ein verzeihender Herr."
„Zwei Gärten" – das war eine berühmte poetische Beschreibung: Beide Seiten des Tals waren Gärten. Die Bewohner mussten nur die Hand ausstrecken. Vers 18 berichtet, man konnte „in Nächten und Tagen sicher" zwischen den Städten reisen – ein blühendes, vernetztes Land.
Verse 16–17 schildern den Untergang: „Sie wandten sich ab. Da sandten wir gegen sie die Flut des Dammbruchs. Wir tauschten ihre zwei Gärten gegen zwei andere mit bitteren Früchten, Tamarisken und einigen Lotusbäumen."
Klassische Auslegungen lesen das so: Das materielle Wohlleben hatte die Sabäer korrupt gemacht. Sie wurden hochmütig, undankbar. Sie wollten noch mehr (Vers 19: „mache die Reisen zwischen uns weit!") – ein bemerkenswerter Vers, der die Habgier nach Expansion beschreibt. Gott antwortete mit dem Dammbruch.
Diese Stelle ist im islamischen Geschichtsverständnis ein klassisches Beispiel für die Zyklische Lehre der Zivilisationen: Wer reich wird und vergisst, woher der Reichtum kam, verliert ihn wieder. Das ist ein universales Gesetz, kein spezifisch arabisches.
David und Salomo (Verse 10–14)
Vor der Saba-Erzählung kommen Verse über David und Salomo. Vers 10 ist eine berühmte Stelle: „Wir gaben David Gunst von uns: Berge, preist mit ihm! Auch die Vögel! Wir erweichten ihm das Eisen."
David, der biblische König (10. Jh. v. Chr.), wird hier mit drei Gaben gezeigt:
- Berge und Vögel preisen mit ihm – das poetische Bild seiner Psalmen, die so kraftvoll waren, dass die Natur mitsang.
- Das Eisen wurde ihm weich – klassisch verstanden als die Fähigkeit, Metall zu bearbeiten ohne moderne Werkzeuge.
Vers 11 gibt einen konkreten Auftrag: „Mache breite Panzer und bestimme das Geflecht!" David soll Kettenpanzer herstellen – Schutzkleidung. Klassische Auslegungen sehen darin das Vorbild für die islamische Lehre des „Erlernens eines Handwerks": Auch der Prophet-König arbeitete handwerklich. Niemand ist zu fein für ehrliche Arbeit.
Verse 12–13 schildern Salomos noch größere Macht: Wind zu seinen Diensten, Dschinn als Arbeiter, der Bau von Heiligtümern und Geräten. Vers 13 schließt mit der ironischen Aufforderung: „Tut, Familie Davids, dankbar! Wenige meiner Diener sind dankbar."
Der mysteriöse Tod Salomos (Vers 14)
Vers 14 enthält eine der seltsamsten Stellen des Korans: „Als wir ihm den Tod bestimmten, zeigte ihnen nichts seinen Tod, außer dem Lebewesen der Erde, das seinen Stab zerfraß. Als er hinfiel, wurde den Dschinn klar: Hätten sie das Verborgene gewusst, wären sie nicht in der entwürdigenden Strafe geblieben."
Was bedeutet das? Klassische Auslegungen erzählen: Salomo betete stehend, auf einen Stab gelehnt. Während des Gebets starb er. Die Dschinn arbeiteten weiter, weil sie meinten, er beobachte sie. Erst als ein Holzwurm den Stab durchnagte und der Leichnam zu Boden fiel, merkten sie, dass er tot war.
Die Pointe: Selbst die Dschinn, die nach mancher Volksglaube über übernatürliches Wissen verfügen sollten, wussten nicht einmal, dass ihr Herr tot war. Sie haben kein Wissen über das Verborgene. Wer in der Volksreligion Dschinn um Hilfe bittet, suche um Hilfe bei Wesen, die nicht einmal das einfachste wissen.
Das ist eine wichtige theologische Stelle. Der Volksglaube an Dschinn-Wissen, an Magie, an übernatürliche Helfer wird hier mit einem einzigen Bild zerschlagen: Selbst Salomos Dschinn merkten nicht den Tod ihres eigenen Herrn.
Der Streit zwischen Hochmütigen und Geschwächten (Verse 31–33)
Verse 31–33 zeigen eine dramatische Szene des Jüngsten Tags: Die Verführten klagen die Verführer an. Sie hatten Vermögen und Macht und haben damit die anderen vom Weg abgebracht. Jetzt, am Tag der Abrechnung, wenden sich beide Parteien gegen einander.
Vers 33 zeigt den Bruch: Die Geschwächten sagen den Hochmütigen: „Vielmehr Listigkeit bei Tag und Nacht, als ihr uns befahlt, an Gott ungläubig zu sein und ihm Ebenbürtige zu machen!"
Diese Stelle ist sozialethisch wichtig. Die Mächtigen tragen eine besondere Verantwortung. Wer durch sein Vermögen, seine Stellung, seine Einflussmacht andere vom Glauben abhält, ist nicht nur für seine eigene Verirrung verantwortlich – auch für die der anderen. Gleichzeitig: Die Geschwächten haben keine völlige Entschuldigung. Vers 32 hält ihnen vor: „Haben wir euch von der Rechtleitung abgehalten? Vielmehr wart ihr Verbrecher." Niemand ist gänzlich ausgeliefert.
Mohammed als universaler Prophet (Vers 28)
Vers 28 ist eine wichtige Stelle der koranischen Selbstdefinition Mohammeds: „Wir haben dich nur als Verkünder froher Botschaft und Warner für alle Menschen gesandt."
Wichtig: „für alle Menschen" – arabisch kāffatan lin-nās. Mohammed wird hier als universaler Prophet bezeichnet, nicht als arabisch-spezifischer. Diese Stelle ist in der theologischen Debatte zentral. Sie macht klar: Der Islam hat eine universale Sendung, nicht nur eine regionale.
Wie wird die Sure verstanden?
Sure 34 ist eine spätmekkanische Sure mit historischem Tiefgang. Sie verbindet:
- Theologisches Vorspiel (Verse 1–9)
- David und Salomo (Verse 10–14)
- Die Saba-Erzählung (Verse 15–21)
- Auseinandersetzung mit den Götzendienern (Verse 22–30)
- Eschatologische Szene (Verse 31–33)
- Mahnungen an Mohammeds Gegner (Verse 34–54)
Die Sure ist im islamischen Verständnis ein wichtiges Geschichts-Lehrstück. Sie zeigt, dass Reichtum allein keinen Wert hat (Vers 37: „Nicht eure Vermögen, noch eure Kinder, die euch zu uns nahebringen"). Was zählt, ist Glaube und gute Werke. Wer das vergisst, dessen Reiche brechen – wie Saba.
Die Saba-Stelle ist auch historisch interessant. Die antike Existenz des Reichs ist heute durch Archäologie sehr gut belegt. Der Maʾrib-Damm-Bruch ist ein historisches Ereignis. Die koranische Erzählung greift diese Geschichte auf und gibt ihr eine theologische Deutung.
Schlüsselbegriffe kurz erklärt
- Saba – das antike südarabische Reich (heutiger Jemen), bekannt für Weihrauchhandel und Bewässerung
- Damm von Maʾrib – historischer Damm Sabas; sein Bruch markiert das Ende der Hochkultur
- „Zwei Gärten" – Vers 15 – das poetische Bild des fruchtbaren Saba zur Hochzeit
- David und das Eisen – Vers 10 – Tradition der Handwerker-Propheten
- Salomos Tod und der Holzwurm – Vers 14 – die theologische Demontage des Volks-Glaubens an Dschinn-Wissen
- „Für alle Menschen" – Vers 28 – die universale Selbstdefinition Mohammeds
- Streit der Verführten mit den Verführern – Verse 31–33 – die Verantwortung der Mächtigen