Alle 114 Suren des Korans

Sure 36: I. S. (Yā-Sīn)

Sure 36 von 114, 83 Verse

Sure 36 heißt nach ihren Anfangsbuchstaben Ya-Sin, bei Henning "I. S.", und hat in der Kairoer Zählung 83 Verse. Sie gilt als mekkanisch. Sie handelt von der Sendung des Propheten, dem Gleichnis von der Stadt mit den Gesandten, den Zeichen in der Natur und der Auferstehung; die Überlieferung nennt sie auch "Herz des Korans".

1 I. S.

2 Bei dem weisen Koran, (Flügel 1)

3 Siehe du bist wahrlich einer der Gesandten (Flügel 2)

4 Auf einem rechten Pfad! (Flügel 3)

5 Die Offenbarung des Mächtigen, des Barmherzigen, (Flügel 4)

6 Damit du ein Volk warnst, deren Väter nicht gewarnt worden, und die sorglos sind. (Flügel 5)

7 Wahrlich, nunmehr ist der Spruch gerecht gegen die meisten von ihnen, denn sie glauben nicht. (Flügel 6)

8 Siehe, gelegt haben wir Joche auf ihre Hälse, die bis zu ihrem Kinn reichen, und hochgezwängt ist ihr Haupt. (Flügel 7)

9 Und wir legten vor sie eine Schranke und hinter sie eine Schranke, und wir verhüllten sie, so dass sie nicht sehen. (Flügel 8)

10 Und es ist gleich für sie, ob du sie warnst oder nicht warnst, sie glauben nicht. (Flügel 9)

11 Siehe, du warnst nur den, welcher der Ermahnung folgt und den Erbarmer im Verborgenen fürchtet. Ihm verkünde Verzeihung und edlen Lohn. (Flügel 10)

12 Siehe, wir machen die Toten lebendig und wir schreiben auf, was sie zuvor taten, und ihre Spuren und alle Dinge haben wir aufgezählt in einem deutlichen Vorbild. (Flügel 11)

13 Und stelle ihnen auf das Gleichnis von den Bewohnern der Stadt, da zu ihr die Gesandten kamen. (Flügel 12)

14 Da wir zwei zu ihnen entsandten und sie beide der Lüge bezichtigten, so dass wir sie mit einem dritten stärkten. Und sie sprachen: "Siehe, wir sind zu euch entsendet." (Flügel 13)

15 Sie sprachen: "Ihr seid nur Menschen gleich uns, und der Erbarmer hat nichts herabgesandt. Ihr seid nichts als Lügner." (Flügel 14)

16 Sie sprachen: "Unser Herr weiß, dass wir gewisslich zu euch entsendet sind. (Flügel 15)

17 Und uns liegt allein die deutliche Predigt ob." (Flügel 16)

18 Sie sprachen: "Wir haben ein Omen gegen euch, und wenn ihr nicht ein Ende macht, wahrlich so steinigen wir euch und es trifft euch von uns schmerzliche Strafe." (Flügel 17)

19 Sie sprachen: "Euer Omen ist bei euch. Was? Wenn ihr gewarnt seid ...? Nein, ihr seid ein übertretendes Volk." (Flügel 18)

20 Und es kam vom Ende der Stadt ein Mann geeilt. Er sprach: "O mein Volk, folgt den Gesandten. (Flügel 19)

21 Folgt denen, die keinen Lohn von euch verlangen, und die rechtgeleitet sind. (Flügel 20)

22 Und warum sollte ich nicht dem dienen, der mich erschaffen hat, und zu dem ihr zurück müsst? (Flügel 21)

23 Soll ich etwa Götter neben ihm annehmen? Wenn der Erbarmer mir ein Leid zufügen will, so kann ihre Fürsprache mir nichts nützen, und sie können mich nicht befreien. (Flügel 22)

24 Siehe, ich wäre dann wahrlich in offenkundigem Irrtum. (Flügel 23)

25 Siehe, ich glaube an euren Herrn; darum hört mich." (Flügel 24)

26 Gesprochen wurde zu ihm: "Geh ein ins Paradies." Er sprach: "O dass mein Volk es wüsste, (Flügel 25)

27 Dass mein Herr mir vergab, und mich unter die Geehrten aufnahm!" (Flügel 26)

28 Und wir sandten auf sein Volk nach seinem Tod kein Heer vom Himmel herab noch was wir sonst herabzusenden pflegten; (Flügel 27)

29 Siehe, es war nur ein einziger Schrei, und da waren sie ausgelöscht. (Flügel 28)

30 Weh über meine Diener! Kein Gesandter kommt zu ihnen, den sie nicht verspotteten. (Flügel 29)

31 Sahen sie denn nicht, wie viele Geschlechter wir vor ihnen vertilgten? Dass sie zu ihnen nicht zurückkehren werden, (Flügel 30 bis 31)

32 Und dass alle vor uns versammelt werden sollen?

33 Und ein Zeichen ist ihnen die tote Erde; wir beleben sie und bringen aus ihr Korn hervor, von dem sie essen.

34 Und wir machen Gärten in ihr von Palmen und Reben, und lassen Quellen in ihr entspringen:

35 Damit sie von ihren Früchten und der Arbeit ihrer Hände speisen. Wollen sie denn nicht dankbar sein?

36 Preis ihm, der erschaffen alle Arten von dem, was die Erde sprießen lässt, und von ihnen selber, und von dem, was sie nicht kennen.

37 Und ein Zeichen ist ihnen die Nacht; wir ziehen den Tag von ihr fort, und siehe da, sie sind in Finsternis.

38 Und die Sonne eilt zu ihrem Ruheplatz. Das ist die Anordnung des Mächtigen, des Wissenden.

39 Und den Mond, wir bestimmten Stationen für ihn, bis er dem alten dürren Palmstiel gleicht.

40 Nicht geziemt es der Sonne den Mond einzuholen, und nicht der Nacht, dem Tag zuvorzukommen, sondern alle schweben in (ihrer) Sphäre.

41 Und ein Zeichen ist es ihnen, dass wir ihre Nachkommenschaft in der vollbeladenen Arche trugen

42 Und ihnen gleiche (Schiffe) machten, die sie besteigen.

43 Und wenn wir wollen, ertränken wir sie, und sie haben keinen Helfer, und werden nicht errettet,

44 Es sei denn in unserer Barmherzigkeit und zu einem Genuss auf Zeit.

45 Und wenn zu ihnen gesprochen wird: "Fürchtet, was vor euch und was hinter euch ist; vielleicht findet ihr Barmherzigkeit,"

46 So bringst du ihnen doch keins der Zeichen deines Herrn, von dem sie sich nicht abwendeten.

47 Und wenn zu ihnen gesprochen wird: "Spendet von dem, womit Allah euch versorgte," so sprechen die Ungläubigen zu den Gläubigen: "Sollen wir die speisen, die Allah, wenn er es wollte, speisen würde? Ihr seid sicherlich in offenkundigem Irrtum."

48 Und sie sprechen: "Wann trifft diese Drohung ein, wenn ihr wahrhaftig seid?"

49 Sie mögen nur einen (Posaunen-)Stoß erwarten, der sie erfassen wird, wenn sie noch streiten;

50 Und sie sollen nicht imstande sein ein Vermächtnis zu treffen, und sie werden nicht zu ihren Angehörigen zurückkehren.

51 Und in die Posaune wird gestoßen werden, und siehe, aus ihren Gräbern sollen sie zu ihrem Herrn eilen.

52 Sie werden sprechen: "O wehe uns! Wer hat uns aus unserer Ruhestätte erweckt?" Das ist es, was der Erbarmer verhieß, und die Gesandten sprachen die Wahrheit.

53 Nur ein einziger Stoß wird sein, und siehe da, alle sind vor uns gebracht.

54 Und an jenem Tag soll keiner Seele in etwas Unrecht geschehen, und ihr sollt nur nach eurem Tun belohnt werden.

55 Siehe, des Paradieses Bewohner werden sich in Geschäften ergötzen,

56 Sie und ihre Gattinnen, in Schatten auf Hochzeitsthronen sich lehnend.

57 Früchte werden ihnen darin sein, und was sie verlangen,

58 "Frieden!" ein Wort von einem erbarmenden Herrn.

59 "Doch seid getrennt heute, ihr Sünder!

60 Machte ich nicht einen Bund mit euch, ihr Kinder Adams: Dient nicht dem Satan, siehe er ist euch ein offenkundiger Feind;

61 Sondern dient mir, das ist ein rechter Pfad?

62 Aber wahrlich nun führte er eine große Schar von euch irre. Hattet ihr denn keine Einsicht?"

63 "Dies ist Dschehannam, die euch angedroht wurde.

64 Brennt heute in ihr, darum dass ihr ungläubig wart."

65 Heute versiegeln wir ihren Mund, doch es sprechen ihre Hände zu uns, und ihre Füße bezeugen, was sie geschafft.

66 Und wenn wir es gewollt, wir hätten ihre Augen auslöschen können. Aber auch dann würden sie um die Wette auf dem Pfad rennen; und wie könnten sie sehen?

67 Und wenn wir es gewollt, wir hätten sie auf ihrem Platz verwandeln können, so dass sie weder nach vorn oder hinten hätten gehen können.

68 Und wem wir langes Leben geben, den beugen wir nieder in seiner Gestalt. Haben sie denn keine Einsicht?

69 Und nicht lehrten wir ihn Poesie, noch geziemte sie ihm. Dies ist nichts als eine Ermahnung und ein deutlicher Koran,

70 Die Lebendigen zu warnen und gerechten Spruch gegen die Ungläubigen zu fällen.

71 Sahen sie denn nicht, dass wir unter dem, was unsere Hände erschufen, das Vieh machten, über das sie Herren sind?

72 Und wir machten es ihnen unterwürfig, und auf den einen reiten sie, von den anderen essen sie.

73 Und sie haben Nutzen und Trank von ihnen. Sind sie denn nicht dankbar?

74 Und doch nahmen sie sich Götter außer Allah, dass sie ihnen hülfen.

75 Sie vermögen ihnen nicht zu helfen; und doch sind sie ihnen ein (dienst-)bereites Heer.

76 Lass dich nicht durch ihre Worte betrüben; siehe, wir wissen, was sie verbergen und offenkundig tun.

77 Will denn der Mensch nicht einsehen, dass wir ihn aus einem Samentropfen erschufen? Und siehe da, er ist ein offenkundiger Bestreiter.

78 Und er macht uns ein Gleichnis und vergisst seine Schöpfung. Er spricht: "Wer belebt die Gebeine, wenn sie verfault sind?"

79 Sprich: "Leben wird ihnen der geben, welcher sie zum ersten Mal erschuf, denn er kennt jegliche Schöpfung:

80 Der für euch aus dem grünen Baum Feuer machte, und siehe, ihr macht Feuer mit ihm an.

81 Ist nicht der, welcher die Himmel und die Erde erschuf, mächtig genug euresgleichen zu erschaffen? Ja, er ist der wissende Schöpfer.

82 Sein Befehl ist nur, wenn er ein Ding will, dass er zu ihm spricht 'Sei!' und es ist.

83 Und Preis dem, in dessen Hand die Herrschaft aller Dinge ist! Und zu ihm kehrt ihr zurück."

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 36 heißt in der Lesefassung nach Max Henning "I. S."; so gibt Henning die beiden arabischen Buchstaben Ya und Sin wieder, mit denen sie beginnt und nach denen sie arabisch Ya-Sin heißt [2]. Was diese Buchstaben bedeuten, erklärt der Korantext nicht. Die Sure hat in der Kairoer Zählung 83 Verse und ist nach der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) mekkanisch [1]. Die Zahl 83 folgt der Zählung von Kufa, die Mehrheit der alten Zählschulen kommt auf 82 [2]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutschen Zitate auf dieser Seite stammen aus der Lesefassung nach Max Henning (1901).

In der überlieferten Reihenfolge der Offenbarung steht die Sure an 41. Stelle, nach Sure 72 und vor Sure 25 [1, 2]. Theodor Nöldeke rechnet sie zur zweiten mekkanischen Periode, die er auf das fünfte und sechste Jahr der Sendung legt [3]. Angelika Neuwirth und Dirk Hartwig behandeln sie in ihrem Handkommentar im Band über die spätmittelmekkanischen Suren [4].

Inhalt im Überblick

  • Verse 1 bis 12: Schwur "bei dem weisen Koran" (36,2), die Bestätigung, dass der Angesprochene einer der Gesandten ist, und der Auftrag, ein Volk zu warnen, dessen Väter nicht gewarnt wurden. Allah macht die Toten lebendig und schreibt ihre Taten auf.
  • Verse 13 bis 32: das Gleichnis von den Bewohnern einer Stadt. Zwei Gesandte kommen, die Leute halten sie für Lügner, ein dritter kommt hinzu. Ein Mann eilt "vom Ende der Stadt" herbei und ruft zum Folgen auf (36,20). Ihm wird gesagt: "Geh ein ins Paradies" (36,26). Das Volk vernichtet ein einziger Schrei.
  • Verse 33 bis 47: Zeichen in der Schöpfung: die tote Erde, die Gärten trägt, Nacht und Tag, die Sonne, die "zu ihrem Ruheplatz" eilt (36,38), die Stationen des Mondes und die Schiffe.
  • Verse 48 bis 68: der Stoß in die Posaune, die Auferstehung aus den Gräbern, das Paradies und die Trennung der Sünder. Am Tag des Gerichts sprechen Hände und Füße der Menschen (36,65).
  • Verse 69 bis 83: Der Prophet ist kein Dichter (36,69). Wer fragt, wer die verfaulten Gebeine belebe, erhält die Antwort, der sie zuerst schuf, werde sie beleben. "Sein Befehl ist nur, wenn er ein Ding will, dass er zu ihm spricht 'Sei!' und es ist." (36,82)

Wie die Sure verstanden wird

Überlieferung und Brauch

Nach der Einleitung bei Quran.com, die dem Kommentar von Ibn Aschur folgt, heißt die Sure nach einem Hadith auch "Herz des Korans"; einen weiteren Namen hat sie nach Habib an-Naddschar, mit dem die Überlieferung den Mann aus Vers 20 benennt [2]. Dieselbe Einleitung berichtet, der Prophet habe dazu aufgerufen, die Sure bei Sterbenden vorzutragen [2]. Sammlung und Bewertung dieser Hadithe nennt die Einleitung nicht.

Muslimische Kommentare des 20. Jahrhunderts

Der Tunesier Ibn Aschur (1879 bis 1973) schrieb at-Tahrir wa-t-Tanwir [5]. Nach der Einleitung, die diesem Kommentar folgt, kam die Sure in der schweren Verfolgung der frühen Jahre herab. Sie tröstet den Propheten und warnt die Götzendiener, ihnen könne es wie den früheren Geschlechtern ergehen [2]. Die Verse 77 bis 80 verstehen sie als Beweis: Wer den Menschen leicht erschaffen hat, kann ihn auch leicht auferwecken [2].

Islamwissenschaft

Nöldeke rechnet die Sure zur zweiten mekkanischen Periode, Neuwirth und Hartwig behandeln sie im Band über die spätmittelmekkanischen Suren [3, 4]. Zu den Einzelbuchstaben am Anfang von 29 Suren hält die Wikipedia-Liste der Koransuren fest, dass ihre Bedeutung unbekannt ist [6]. Mehr zu Tod und Gericht steht auf der Seite Tod, Gericht und Jenseits im Koran.

  1. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  2. Surah Ya-Sin. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Koran. Gabriel Oussani, The Catholic Encyclopedia, Bd. 8, New Advent. Stand 1910. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Der Koran, Band 2/2: Spätmittelmekkanische Suren. Handkommentar mit Übersetzung (Leseprobe, Inhaltsverzeichnis). Angelika Neuwirth und Dirk Hartwig, Verlag der Weltreligionen. Stand 2021. abgerufen am 29.10.2026
  5. Ibn Ashur. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Liste der Koransuren. Wikipedia. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.