Sure 5

Der Tisch

Al-Māʾida

Verse: 120 Offenbart in: Medina Zeit: spätmedinensisch (629–632 n. Chr., teils während der Abschiedswallfahrt)

Worum geht's?

Die letzte chronologisch offenbarte Sure des Korans mit umfassendem Recht – und damit theologisch besonders gewichtig. Sie enthält den berühmten Vollendungs-Vers („Heute habe ich euch eure Religion vollkommen gemacht", Vers 3), die Speisegebote, die Kain-und-Abel-Erzählung mit dem berühmten „Wer eine Seele tötet"-Vers (V32), das Hand-abschneiden für Diebstahl (V38), das Wein- und Glücksspiel-Verbot (V90), die Tabellen-Wunder-Erzählung (V112–115) und die letzte Befragung Jesu durch Gott am Tag der Auferstehung (V116). Der Name „Der Tisch" stammt aus dem Wunder der Jünger Jesu, denen ein gedeckter Tisch vom Himmel herabkam.

Der Text – Vers für Vers

In moderner Sprache paraphrasiert nach Max Henning (1901).

  1. 1O ihr, die ihr glaubt! Erfüllt die Bündnisse! Erlaubt wurde euch das Vieh, außer was euch verlesen wird – nicht das Wild für erlaubt haltend, während ihr im Weihezustand seid. Wahrlich, Gott entscheidet, was er will.
  2. 2O ihr, die ihr glaubt! Entweiht nicht die Wahrzeichen Gottes, nicht den heiligen Monat, nicht die Opfertiere, nicht die Halsbänder und nicht die zum heiligen Hause Strebenden, die Gunst von ihrem Herrn und Wohlgefallen suchen! Wenn ihr den Weihezustand verlassen habt, jagt! Lasst nicht den Hass eines Volkes – das euch vom heiligen Bethaus zurückgehalten hat – euch dazu bringen, dass ihr übergriffig werdet! Helft einander in Gutestun und Gottesfurcht! Helft einander nicht in Sünde und Übergriff! Fürchtet Gott! Wahrlich, Gott ist hart in der Strafe.
  3. 3Verboten wurden euch: das Aas, das Blut, das Schweinefleisch, das, worüber etwas anderes als Gott angerufen wurde, das Erstickte, das Erschlagene, das Abgestürzte, das mit Hörnern Gestoßene, das von wildem Tier Angefressene – außer was ihr schlachtet – das, was auf den Steinen geschlachtet wurde, und dass ihr mit Pfeilen das Los werft. Das ist Frevel. Heute haben die ungläubig sind an eurer Religion verzweifelt. So fürchtet sie nicht, sondern fürchtet mich! Heute habe ich euch eure Religion vollkommen gemacht, meine Gunst über euch vollendet und für euch den Islam als Religion erwählt. Wer aber in einer Hungersnot gezwungen ist – ohne in Sünde abzubiegen – wahrlich, Gott ist allverzeihend, barmherzig.
  4. 4Sie fragen dich, was ihnen erlaubt ist. Sprich: Erlaubt wurden euch die guten Dinge und das, was ihr von Greifvögeln und Hunden, die ihr abgerichtet habt, gefangen habt, indem ihr sie lehrt, von dem, was Gott euch gelehrt hat. So esst von dem, was sie für euch festhalten, und nennt darüber den Namen Gottes! Fürchtet Gott! Wahrlich, Gott ist schnell in der Abrechnung.
  5. 5Heute wurden euch die guten Dinge erlaubt. Die Speise derer, denen das Buch gegeben wurde, ist euch erlaubt, und eure Speise ist ihnen erlaubt. Die anständigen Frauen unter den Gläubigen und die anständigen Frauen unter denen, denen vor euch das Buch gegeben wurde, dürft ihr heiraten, wenn ihr ihnen ihre Brautgaben gegeben habt – als anständige Ehemänner, nicht als Unzüchtige und nicht solche, die heimliche Freunde nehmen. Wer aber den Glauben verleugnet – sein Werk ist vergeblich. Er gehört im Jenseits zu den Verlierern.
  6. 6O ihr, die ihr glaubt! Wenn ihr zum Gebet aufsteht, so wascht eure Gesichter und Hände bis zu den Ellbogen, streicht über eure Köpfe und wascht eure Füße bis zu den Knöcheln! Wenn ihr im Zustand der Unreinheit seid, so reinigt euch ganz! Wenn ihr krank seid oder auf einer Reise, oder einer von euch von der Notdurft gekommen ist, oder ihr die Frauen berührt habt und ihr kein Wasser findet, so sucht reine Erdoberfläche und wischt damit über eure Gesichter und Hände! Gott will euch keine Bedrückung auferlegen, sondern er will euch reinigen und seine Gunst über euch vollenden, vielleicht seid ihr dankbar.
  7. 7Gedenkt der Gunst Gottes über euch und seines Bundes, mit dem er euch gebunden hat, als ihr sagtet: Wir haben gehört und gehorchen! Fürchtet Gott! Wahrlich, Gott weiß, was in den Brüsten ist.
  8. 8O ihr, die ihr glaubt! Steht für Gott ein als Zeugen für Gerechtigkeit! Lasst nicht den Hass eines Volkes euch dazu bringen, ungerecht zu handeln! Seid gerecht! Das ist näher zur Gottesfurcht. Fürchtet Gott! Wahrlich, Gott ist kundig über das, was ihr tut.
  9. 9Gott hat denen, die geglaubt und gute Werke getan haben, versprochen: Sie haben Vergebung und einen gewaltigen Lohn.
  10. 10Die aber ungläubig sind und unsere Zeichen für Lüge erklären – diese sind die Gefährten der Hölle.
  11. 11O ihr, die ihr glaubt! Gedenkt der Gunst Gottes über euch, als ein Volk sich vorgenommen hatte, gegen euch seine Hände auszustrecken, und er ihre Hände von euch zurückhielt! Fürchtet Gott! Auf Gott sollen die Gläubigen vertrauen.
  12. 12Schon nahm Gott den Bund der Kinder Israels. Wir setzten unter ihnen zwölf Anführer ein. Gott sagte: Wahrlich, ich bin mit euch, wenn ihr das Gebet verrichtet, das Almosen gebt, an meine Gesandten glaubt, sie unterstützt und Gott ein schönes Darlehen gebt. Ich werde euch eure Übeltaten erlassen und euch in Gärten eintreten lassen, durch die Bäche fließen. Wer aber unter euch danach ungläubig wird, ist vom geraden Weg abgeirrt.
  13. 13Wegen des Brechens ihres Bundes haben wir sie verflucht und ihre Herzen verhärtet. Sie reißen die Worte aus ihrem Zusammenhang und haben einen Teil von dem vergessen, woran sie ermahnt worden waren. Du wirst nicht aufhören, von ihnen Verrat zu erfahren – außer wenige von ihnen. So verzeih ihnen und vergib! Wahrlich, Gott liebt die Gutestuenden.
  14. 14Auch von denen, die sagten: Wir sind Christen! – nahmen wir ihren Bund. Sie haben einen Teil von dem vergessen, woran sie ermahnt worden waren. Da haben wir Feindschaft und Hass unter ihnen bis zum Tag der Auferstehung erweckt. Gott wird ihnen mitteilen, was sie getan haben.
  15. 15O Leute der Schrift, zu euch ist unser Gesandter gekommen, der euch vieles klar macht von dem, was ihr vom Buch verborgen haben, und über vieles hinweggeht. Von Gott ist ein Licht und ein deutliches Buch zu euch gekommen.
  16. 16Gott leitet damit auf die Wege des Friedens, die seinem Wohlgefallen folgen. Er bringt sie aus den Finsternissen ins Licht mit seiner Erlaubnis und leitet sie auf einen geraden Weg.
  17. 17Wahrlich, die sagen: Gott ist der Messias, der Sohn Marias! – sind ungläubig geworden. Sprich: Wer hätte etwas gegen Gott vermocht, wenn er den Messias, den Sohn Marias, und seine Mutter und alle, die auf der Erde sind, hätte vernichten wollen? Gott gehört die Herrschaft der Himmel und der Erde und was dazwischen ist. Er erschafft, was er will. Gott hat über alles Macht.
  18. 18Die Juden und die Christen sagten: Wir sind die Söhne Gottes und seine Geliebten. Sprich: Warum bestraft er euch dann für eure Sünden? Vielmehr seid ihr Menschen unter denen, die er erschaffen hat. Er vergibt, wem er will, und straft, wen er will. Gott gehört die Herrschaft der Himmel und der Erde und was dazwischen ist. Zu ihm ist die Heimkehr.
  19. 19O Leute der Schrift, zu euch ist unser Gesandter gekommen, der euch klar macht – in einer Pause zwischen den Gesandten – damit ihr nicht sagt: Zu uns ist kein Verkünder froher Botschaft und kein Warner gekommen. So ist zu euch ein Verkünder froher Botschaft und ein Warner gekommen. Gott hat über alles Macht.
  20. 20Als Moses zu seinem Volk sagte: Mein Volk, gedenkt der Gunst Gottes über euch, als er unter euch Propheten machte, euch zu Königen machte und euch gab, was er keinem in den Welten gegeben hatte!
  21. 21Mein Volk, tretet in das heilige Land ein, das Gott euch vorgeschrieben hat, und wendet euch nicht auf euren Fersen ab, sonst kehrt ihr als Verlierer um!
  22. 22Sie sagten: Moses, wahrlich, in ihm sind Riesen-Menschen. Wir treten es nicht ein, bis sie es verlassen. Wenn sie es verlassen, treten wir ein.
  23. 23Zwei Männer von denen, die gottesfürchtig waren – Gott hatte ihnen Gunst erwiesen – sagten: Tretet vor sie ins Tor ein! Wenn ihr in es eintretet, seid ihr Sieger. Auf Gott sollt ihr vertrauen, wenn ihr Gläubige seid.
  24. 24Sie sagten: Moses, wir treten niemals ein, solange sie darin sind. So geh du und dein Herr und kämpft! Wir bleiben hier sitzen.
  25. 25Er sagte: Mein Herr, ich habe nur über mich selbst und meinen Bruder Verfügung. So trenne uns von dem frevelhaften Volk!
  26. 26Er sagte: So ist es ihnen vierzig Jahre verboten. Sie werden auf der Erde umherirren. So sei nicht traurig über das frevelhafte Volk!
  27. 27Verlese ihnen die Geschichte der beiden Söhne Adams in Wahrheit! Als beide ein Opfer darbrachten und es von einem der beiden angenommen wurde, aber nicht von dem anderen, sagte er: Ich werde dich gewiss töten! Er sagte: Wahrlich, Gott nimmt nur von den Gottesfürchtigen an.
  28. 28Wenn du deine Hand gegen mich ausstreckst, um mich zu töten, werde ich nicht meine Hand gegen dich ausstrecken, um dich zu töten. Wahrlich, ich fürchte Gott, den Herrn der Welten.
  29. 29Wahrlich, ich möchte, dass du sowohl meine Sünde als auch deine Sünde auf dich nimmst, sodass du zu den Gefährten des Feuers gehörst. Das ist der Lohn der Frevler.
  30. 30Seine Seele machte ihm die Tötung seines Bruders schön. Da tötete er ihn und wurde einer der Verlierer.
  31. 31Da schickte Gott einen Raben, der in der Erde scharrte, um ihm zu zeigen, wie er die Blöße seines Bruders bedecken sollte. Er sagte: O wehe mir! Bin ich unfähig gewesen, wie dieser Rabe zu sein und die Blöße meines Bruders zu bedecken? Da wurde er einer der Reuigen.
  32. 32Deswegen haben wir den Kindern Israels vorgeschrieben: Wer eine Seele tötet – nicht für eine andere Seele oder für Verderben auf der Erde – ist, als hätte er alle Menschen getötet. Wer eine am Leben erhält, ist, als hätte er alle Menschen am Leben erhalten. Schon kamen ihnen unsere Gesandten mit klaren Beweisen. Aber viele von ihnen sind danach auf der Erde maßlos.
  33. 33Der Lohn derer, die gegen Gott und seinen Gesandten Krieg führen und auf der Erde nach Verderben streben, ist nur, dass sie getötet oder gekreuzigt werden oder dass ihre Hände und Füße auf gegenüberliegenden Seiten abgeschlagen werden oder dass sie aus dem Land verbannt werden. Das ist eine Schande für sie im diesseitigen Leben. Im Jenseits haben sie eine gewaltige Strafe.
  34. 34Außer denen, die umkehren, bevor ihr Macht über sie habt. Wisst, dass Gott allverzeihend, barmherzig ist!
  35. 35O ihr, die ihr glaubt! Fürchtet Gott und sucht das Mittel zu ihm! Müht euch auf seinem Weg, vielleicht seid ihr erfolgreich!
  36. 36Wahrlich, die ungläubig sind – hätten sie alles, was auf der Erde ist, und das Gleiche noch dazu, um sich damit von der Strafe des Tages der Auferstehung freizukaufen, würde es ihnen nicht angenommen. Sie haben eine schmerzhafte Strafe.
  37. 37Sie wollen aus dem Feuer herauskommen. Sie können aber nicht aus ihm herauskommen. Sie haben eine beständige Strafe.
  38. 38Dem Dieb und der Diebin schlagt ihre Hand ab als Vergeltung für das, was sie verdient haben, als abschreckende Strafe von Gott! Gott ist mächtig, weise.
  39. 39Wer aber nach seinem Unrecht umkehrt und sich bessert – wahrlich, Gott wendet sich ihm zu. Wahrlich, Gott ist allverzeihend, barmherzig.
  40. 40Weißt du nicht, dass Gott die Herrschaft der Himmel und der Erde gehört? Er bestraft, wen er will, und vergibt, wem er will. Gott hat über alles Macht.
  41. 41O Gesandter, sei nicht traurig wegen derer, die im Unglauben hineileilen, aus denen, die mit ihren Mündern sagen: Wir glauben! – während ihre Herzen nicht glauben, und auch aus denen, die Juden sind. Sie hören gerne auf Lügen, sie hören gerne auf andere Leute, die nicht zu dir gekommen sind. Sie reißen die Worte aus ihrem Zusammenhang. Sie sagen: Wenn euch dies gegeben wurde, so nehmt es! Wenn es euch aber nicht gegeben wurde, so hütet euch! Wen Gott in Versuchung führen will, gegen den hast du nichts in Gottes Sache. Diese – Gott hat nicht gewollt, dass ihre Herzen gereinigt werden. Sie haben im diesseitigen Leben Schande und im Jenseits eine gewaltige Strafe.
  42. 42Hörer der Lüge, Verzehrer des Verbotenen! Wenn sie zu dir kommen, urteile zwischen ihnen oder wende dich von ihnen ab! Wenn du dich von ihnen abwendest, schaden sie dir nichts. Wenn du aber urteilst, urteile zwischen ihnen mit Gerechtigkeit! Wahrlich, Gott liebt die gerecht Handelnden.
  43. 43Wie machen sie dich zum Richter, während sie die Tora bei sich haben, in der die Vorschrift Gottes ist? Dann wenden sie sich danach ab. Diese sind keine Gläubigen.
  44. 44Wahrlich, wir haben die Tora herabgesandt, in der Rechtleitung und Licht sind. Die Propheten, die sich Gott ergeben hatten, urteilten danach für die Juden, und die Hohenpriester und Rechtsgelehrten – nach dem, was sie vom Buch Gottes zu bewahren hatten und was sie bezeugen konnten. So fürchtet nicht die Menschen, sondern fürchtet mich! Tauscht meine Zeichen nicht gegen einen geringen Preis ein! Wer aber nicht nach dem urteilt, was Gott herabgesandt hat – diese sind die Ungläubigen.
  45. 45Wir haben ihnen darin vorgeschrieben: Seele für Seele, Auge für Auge, Nase für Nase, Ohr für Ohr, Zahn für Zahn, und für Wunden Vergeltung. Wer aber als Almosen darauf verzichtet, dem ist es eine Sühne. Wer aber nicht nach dem urteilt, was Gott herabgesandt hat – diese sind die Frevler.
  46. 46Wir ließen auf ihren Spuren Jesus, den Sohn Marias, folgen, bestätigend, was vor ihm in der Tora war. Wir gaben ihm das Evangelium, in dem Rechtleitung und Licht sind, bestätigend, was vor ihm in der Tora war, und als Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen.
  47. 47So sollen die Leute des Evangeliums danach urteilen, was Gott darin herabgesandt hat. Wer aber nicht nach dem urteilt, was Gott herabgesandt hat – diese sind die Frevler.
  48. 48Wir haben das Buch mit der Wahrheit auf dich herabgesandt, bestätigend, was vor ihm vom Buch war, und es bewahrend. So urteile zwischen ihnen nach dem, was Gott herabgesandt hat, und folge nicht ihren Lüsten, abweichend von der Wahrheit, die zu dir gekommen ist! Für jeden unter euch haben wir eine Gesetzeslehre und einen Weg gemacht. Hätte Gott gewollt, hätte er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Aber er will euch in dem prüfen, was er euch gegeben hat. So wettlauft im Guten! Zu Gott ist eure Rückkehr alle. Er teilt euch mit, worüber ihr uneinig wart.
  49. 49Urteile zwischen ihnen nach dem, was Gott herabgesandt hat! Folge nicht ihren Lüsten und hüte dich vor ihnen, sodass sie dich von etwas weg verführen, was Gott auf dich herabgesandt hat! Wenn sie sich aber abwenden, so wisse, dass Gott sie für einige ihrer Sünden treffen will. Wahrlich, viele Menschen sind Frevler.
  50. 50Suchen sie etwa das Urteil der Unwissenheit? Wer ist besser im Urteilen als Gott für ein Volk, das fest glaubt?
  51. 51O ihr, die ihr glaubt! Nehmt nicht die Juden und die Christen zu Vertrauten! Sie sind einer dem anderen Vertraute. Wer unter euch sie zu Vertrauten nimmt, der gehört zu ihnen. Wahrlich, Gott leitet das frevelhafte Volk nicht.
  52. 52So siehst du die, in deren Herzen eine Krankheit ist, in ihrer Mitte hineileilen, indem sie sagen: Wir fürchten, dass uns eine Drehung trifft. Vielleicht bringt Gott den Sieg oder einen Befehl von ihm. Dann werden sie über das, was sie in ihren Seelen verborgen hatten, traurig.
  53. 53Die geglaubt haben, sagen: Sind das die, die mit ihren stärksten Eiden bei Gott geschworen haben, dass sie mit euch sind? Ihre Werke sind verloren gegangen, und sie sind als Verlierer geworden.
  54. 54O ihr, die ihr glaubt! Wer von euch von seiner Religion abkehrt – Gott wird ein Volk bringen, das er liebt und das ihn liebt, demütig gegen die Gläubigen, mächtig gegen die Ungläubigen, das sich auf dem Weg Gottes einsetzt und keinen Tadel eines Tadelnden fürchtet. Das ist die Gunst Gottes. Er gibt sie, wem er will. Gott ist weit, allwissend.
  55. 55Eure Vertrauten sind nur Gott, sein Gesandter und die, die geglaubt haben, das Gebet verrichten und das Almosen geben, während sie sich verbeugen.
  56. 56Wer sich Gott, seinen Gesandten und die, die geglaubt haben, zu Vertrauten nimmt – wahrlich, die Partei Gottes – diese sind die Sieger.
  57. 57O ihr, die ihr glaubt! Nehmt nicht die zu Vertrauten, die eure Religion zum Spott und Spiel machen – von denen, denen das Buch vor euch gegeben wurde, und von den Ungläubigen! Fürchtet Gott, wenn ihr Gläubige seid!
  58. 58Wenn ihr zum Gebet ruft, nehmen sie es zum Spott und Spiel. Das, weil sie Leute sind, die nicht verständig sind.
  59. 59Sprich: Ihr Leute der Schrift, nehmt ihr es uns übel, dass wir an Gott glauben und an das, was zu uns herabgesandt und vorher herabgesandt wurde, und dass die meisten von euch Frevler sind?
  60. 60Sprich: Soll ich euch über etwas Schlimmeres als das informieren, was bei Gott Vergeltung verdient? Den Gott verflucht und über den er erzürnt ist, von denen er Affen und Schweine gemacht hat, und die dem falschen Götter gedient haben – diese sind in schlimmerer Lage und am weitesten vom geraden Weg abgeirrt.
  61. 61Wenn sie zu euch kommen, sagen sie: Wir glauben! Aber sie sind mit Unglauben eingetreten und mit ihm hinausgegangen. Gott weiß am besten, was sie verbergen.
  62. 62Du siehst viele von ihnen in Sünde, Übergriff und im Verzehren des Verbotenen hineilen. Schlimm ist, was sie tun!
  63. 63Warum verbieten ihnen die Gottesgelehrten und die Hohenpriester nicht das Sagen sündhafter Rede und das Verzehren des Verbotenen? Schlimm ist, was sie zu fertigen pflegten!
  64. 64Die Juden sagten: Die Hand Gottes ist gefesselt. Mögen ihre Hände gefesselt sein, und mögen sie wegen dem verflucht werden, was sie gesagt haben! Vielmehr sind seine beiden Hände ausgestreckt. Er gibt aus, wie er will. Was zu dir von deinem Herrn herabgesandt wurde, vermehrt bei vielen von ihnen Übergriff und Unglauben. Wir haben unter ihnen Feindschaft und Hass bis zum Tag der Auferstehung geworfen. Sooft sie ein Feuer zum Krieg entzünden, löscht Gott es. Sie streben auf der Erde nach Verderben. Gott liebt nicht die Verderber.
  65. 65Wenn die Leute der Schrift geglaubt und gottesfürchtig wären, hätten wir ihnen ihre Übeltaten erlassen und sie in Gärten der Wonne eintreten lassen.
  66. 66Hätten sie die Tora, das Evangelium und das, was von ihrem Herrn zu ihnen herabgesandt wurde, eingehalten, wäre ihnen versorgt worden von oben und unter ihren Füßen. Unter ihnen ist eine ausgewogene Gemeinschaft. Was viele von ihnen tun, ist aber schlimm.
  67. 67O Gesandter, verkünde, was zu dir von deinem Herrn herabgesandt wurde! Wenn du es aber nicht tust, hast du seine Botschaft nicht verkündet. Gott schützt dich vor den Menschen. Wahrlich, Gott leitet das ungläubige Volk nicht.
  68. 68Sprich: Ihr Leute der Schrift, ihr steht auf nichts, bis ihr die Tora, das Evangelium und das, was zu euch von eurem Herrn herabgesandt wurde, einhaltet. Was zu dir von deinem Herrn herabgesandt wurde, vermehrt bei vielen von ihnen Übergriff und Unglauben. So sei nicht traurig über das ungläubige Volk!
  69. 69Wahrlich, die geglaubt haben, die Juden, die Sabäer und die Christen – wer von ihnen an Gott und den Letzten Tag glaubt und Gutes tut, über sie wird keine Furcht sein, und sie werden nicht traurig sein.
  70. 70Schon haben wir den Bund der Kinder Israels genommen und ihnen Gesandte geschickt. Sooft ihnen ein Gesandter mit dem kam, was ihre Seelen nicht wünschten, erklärten sie einen Teil von ihnen für Lügner und töteten einen Teil.
  71. 71Sie rechneten, es werde keine Versuchung sein. Da wurden sie blind und taub. Dann wandte sich Gott ihnen zu. Dann wurden viele von ihnen blind und taub. Gott ist sehend gegen das, was sie tun.
  72. 72Wahrlich, die sagen: Gott ist der Messias, der Sohn Marias! – sind ungläubig geworden. Der Messias sagte: Kinder Israels, dient Gott, meinem Herrn und eurem Herrn! Wer Gott beigesellt – Gott hat ihm das Paradies verboten. Seine Bleibe ist das Feuer. Die Frevler haben keine Helfer.
  73. 73Wahrlich, die sagen: Gott ist der dritte von dreien! – sind ungläubig geworden. Es gibt nur einen einzigen Gott. Wenn sie aber nicht aufhören mit dem, was sie sagen, wird die ungläubig sind unter ihnen eine schmerzhafte Strafe treffen.
  74. 74Kehren sie sich nicht zu Gott und bitten sie ihn nicht um Vergebung? Gott ist allverzeihend, barmherzig.
  75. 75Der Messias, der Sohn Marias, ist nur ein Gesandter, dem schon Gesandte vorausgegangen sind. Seine Mutter ist eine Wahrhaftige. Beide aßen Speise. Sieh, wie wir ihnen die Zeichen klar machen, dann sieh, wie sie sich abkehren!
  76. 76Sprich: Dient ihr anstatt Gottes etwas, was euch weder schaden noch nützen kann? Gott ist der Allhörende, der Allwissende.
  77. 77Sprich: Ihr Leute der Schrift, übertreibt es nicht in eurer Religion in falscher Weise! Folgt nicht den Neigungen eines Volkes, das vorher in die Irre ging und viele in die Irre führte und vom geraden Weg abgeirrt ist!
  78. 78Verflucht wurden die, die unter den Kindern Israels ungläubig waren, durch die Zunge Davids und Jesu, des Sohnes Marias. Das, weil sie ungehorsam waren und übertraten.
  79. 79Sie verboten einander nicht das Verwerfliche, das sie taten. Schlimm war, was sie taten!
  80. 80Du siehst viele von ihnen sich mit denen verbünden, die ungläubig sind. Schlimm ist, was ihre Seelen für sie vorausgeschickt haben: dass Gott über sie zornig ist, und sie sind in der Strafe ewig.
  81. 81Hätten sie an Gott und den Propheten und das, was zu ihm herabgesandt wurde, geglaubt, hätten sie sie nicht zu Vertrauten genommen. Viele von ihnen sind aber Frevler.
  82. 82Du wirst gewiss finden, dass die Juden und die Beigesellenden die heftigsten Menschen in der Feindschaft gegen die Gläubigen sind. Du wirst aber gewiss finden, dass die den Gläubigen in der Zuneigung am nächsten Menschen die sind, die sagen: Wir sind Christen! Das, weil unter ihnen Priester und Mönche sind und weil sie nicht hochmütig sind.
  83. 83Wenn sie hören, was zum Gesandten herabgesandt wurde, siehst du ihre Augen vor Tränen überfließen wegen dem, was sie an Wahrheit erkannt haben. Sie sagen: Unser Herr, wir glauben! So schreibe uns unter die Bezeugenden!
  84. 84Was sollte uns hindern, an Gott zu glauben und an das, was zu uns von der Wahrheit kommt, während wir wünschen, dass uns unser Herr unter das rechtschaffene Volk eintreten lässt?
  85. 85Da hat Gott ihnen für das, was sie gesagt haben, Gärten geben, durch die Bäche fließen. Sie sind darin ewig. Das ist der Lohn der Gutestuenden.
  86. 86Die aber ungläubig sind und unsere Zeichen für Lüge erklärten – diese sind die Gefährten des Höllenfeuers.
  87. 87O ihr, die ihr glaubt! Verbietet euch nicht die guten Dinge, die Gott euch erlaubt hat, und übertretet nicht! Wahrlich, Gott liebt die Übertreter nicht.
  88. 88Esst von dem, womit Gott euch versorgt hat, was erlaubt und gut ist, und fürchtet Gott, an den ihr Gläubige seid!
  89. 89Gott rechnet euch nicht das Unbedachte in euren Eiden an, sondern er rechnet euch das an, was ihr fest geschworen habt. Sühne dafür ist die Speisung von zehn Bedürftigen mit dem mittleren von dem, was ihr eurer Familie zu essen gebt, oder ihre Kleidung oder die Befreiung eines Sklaven. Wer aber nicht findet – Fasten von drei Tagen. Das ist die Sühne eurer Eide, wenn ihr geschworen habt. Bewahrt eure Eide! So macht Gott euch seine Zeichen klar, vielleicht seid ihr dankbar.
  90. 90O ihr, die ihr glaubt! Wahrlich, der Wein, das Glücksspiel, die Opfersteine und die Lospfeile sind nur ein Greuel von der Tat des Satans. So meidet ihn, vielleicht seid ihr erfolgreich!
  91. 91Wahrlich, der Satan will nur Feindschaft und Hass unter euch durch den Wein und das Glücksspiel werfen und euch vom Gedenken Gottes und vom Gebet abhalten. Wollt ihr also nicht aufhören?
  92. 92Gehorcht Gott und gehorcht dem Gesandten und seid auf der Hut! Wenn ihr euch aber abwendet, so wisst, dass unserem Gesandten nur die deutliche Verkündigung obliegt!
  93. 93Über die, die geglaubt und gute Werke getan haben, ist keine Schuld in dem, was sie gegessen haben, wenn sie gottesfürchtig sind, glauben und gute Werke tun, dann gottesfürchtig sind und glauben, dann gottesfürchtig sind und Gutes tun. Gott liebt die Gutestuenden.
  94. 94O ihr, die ihr glaubt! Gott prüft euch durch etwas vom Wild, das eure Hände und eure Speere erreichen können, damit Gott den kennt, der ihn im Verborgenen fürchtet. Wer aber danach übertritt, hat eine schmerzhafte Strafe.
  95. 95O ihr, die ihr glaubt! Tötet kein Wild, während ihr im Weihezustand seid! Wer von euch absichtlich etwas tötet, soll eine Vergeltung in Höhe dessen geben, was er getötet hat, an Vieh – darüber sollen zwei Gerechte von euch urteilen –, als zur Kaaba zu bringendes Opfer, oder eine Sühne durch Speisung von Bedürftigen oder ein entsprechendes Fasten, damit er die Folge seiner Sache koste. Gott hat verziehen, was vergangen ist. Wer aber wieder tut, dem nimmt Gott Rache. Gott ist mächtig, Herr der Vergeltung.
  96. 96Erlaubt wurde euch der Fang des Meeres und seine Speise als Genuss für euch und die Reisenden. Verboten wurde euch der Fang des Wildes, solange ihr im Weihezustand seid. Fürchtet Gott, zu dem ihr versammelt werdet!
  97. 97Gott hat die Kaaba, das heilige Haus, als Stand für die Menschen gemacht, auch den heiligen Monat, das Opfertier und die Halsbänder. Das, damit ihr wisst, dass Gott weiß, was in den Himmeln und auf der Erde ist, und dass Gott über alles wissend ist.
  98. 98Wisst, dass Gott hart in der Strafe und dass Gott allverzeihend, barmherzig ist!
  99. 99Dem Gesandten obliegt nur die Verkündigung. Gott weiß, was ihr offenbart und was ihr verbergt.
  100. 100Sprich: Das Schlechte und das Gute sind nicht gleich, auch wenn die Menge des Schlechten dich erstaunt. So fürchtet Gott, ihr Verständigen, vielleicht seid ihr erfolgreich!
  101. 101O ihr, die ihr glaubt! Fragt nicht nach Dingen! Wenn sie euch offenbart würden, würde es euch schaden. Wenn ihr aber danach fragt, während der Koran herabgesandt wird, werden sie euch offenbart. Gott hat darüber verziehen. Gott ist allverzeihend, nachsichtig.
  102. 102Schon haben Leute vor euch danach gefragt. Dann wurden sie an sie ungläubig.
  103. 103Gott hat keine baḥīra, keine sāʾiba, keine waṣīla und keinen ḥām bestimmt. Aber die ungläubig sind, erfinden Lüge über Gott. Die meisten von ihnen sind nicht verständig.
  104. 104Wenn ihnen gesagt wird: Kommt zu dem, was Gott herabgesandt hat, und zum Gesandten! sagen sie: Uns genügt, wobei wir unsere Väter gefunden haben! Auch wenn ihre Väter nichts wussten und nicht rechtgeleitet waren?
  105. 105O ihr, die ihr glaubt! Achtet auf euch selbst! Wer in die Irre geht, schadet euch nicht, wenn ihr rechtgeleitet seid. Zu Gott ist eure Rückkehr alle. Er wird euch mitteilen, was ihr getan habt.
  106. 106O ihr, die ihr glaubt! Es soll euch zur Bezeugung untereinander, wenn einem von euch der Tod naht, beim Vermächtnis – zwei Gerechte von euch oder zwei andere – wenn ihr auf der Erde unterwegs seid und euch der Schlag des Todes trifft. Haltet sie nach dem Gebet auf, und sie sollen, wenn ihr Zweifel habt, schwören: Wir wollen damit keinen Preis kaufen, auch wenn es ein Verwandter wäre, und wir verbergen das Zeugnis Gottes nicht. Sonst wären wir Sünder.
  107. 107Wenn sich aber herausstellt, dass beide etwas Sündhaftes verdient haben, dann sollen zwei andere an ihrer Stelle stehen aus denen, gegen die die ersten geschworen haben, von den Näherstehenden. Sie sollen bei Gott schwören: Unser Zeugnis ist wahrhaftiger als ihr Zeugnis. Wir sind nicht übergriffig gewesen. Sonst wären wir wahrlich von den Frevlern.
  108. 108Das ist näher dazu, dass sie das Zeugnis in seiner echten Form bringen, oder sie fürchten, dass nach ihren Eiden wieder Eide kommen. Fürchtet Gott und hört zu! Gott leitet das frevelhafte Volk nicht.
  109. 109Am Tag, an dem Gott die Gesandten versammelt, sagt er: Was wurde euch geantwortet? Sie sagen: Wir haben kein Wissen. Wahrlich, du bist es, der das Verborgene kennt.
  110. 110Als Gott sagte: Jesus, Sohn Marias, gedenke meiner Gunst über dich und über deine Mutter, als ich dich mit dem Heiligen Geist gestärkt habe, sodass du in der Wiege und als Erwachsener zu den Menschen geredet hast, als ich dich das Buch, die Weisheit, die Tora und das Evangelium gelehrt habe, als du aus Ton wie ein Vogelbild mit meiner Erlaubnis erschufst, dann hauchtest du ihm ein, und es wurde mit meiner Erlaubnis ein Vogel, du heiltest den Blindgeborenen und den Aussätzigen mit meiner Erlaubnis, und du brachtest die Toten mit meiner Erlaubnis heraus, und als ich die Kinder Israels von dir abhielt, als du zu ihnen mit den klaren Beweisen kamst und die ungläubig waren unter ihnen sagten: Das ist nur deutliche Magie!
  111. 111Als ich den Jüngern eingab: Glaubt an mich und an meinen Gesandten! Sie sagten: Wir glauben. Bezeuge, dass wir ihm Ergebene sind!
  112. 112Als die Jünger sagten: Jesus, Sohn Marias, kann dein Herr uns einen Tisch vom Himmel herabsenden? Er sagte: Fürchtet Gott, wenn ihr Gläubige seid!
  113. 113Sie sagten: Wir wollen davon essen, unsere Herzen sollen Ruhe finden, wir sollen wissen, dass du uns die Wahrheit gesagt hast, und darüber zu den Bezeugenden gehören.
  114. 114Jesus, der Sohn Marias, sagte: O Gott, unser Herr, sende auf uns einen Tisch vom Himmel herab, der für uns ein Fest sein wird – für den ersten und den letzten von uns – und ein Zeichen von dir! Versorge uns! Du bist der beste der Versorgenden.
  115. 115Gott sagte: Wahrlich, ich werde ihn auf euch herabsenden. Wer aber danach unter euch ungläubig wird, den werde ich mit einer Strafe strafen, mit der ich keinen in den Welten strafe.
  116. 116Als Gott sagte: Jesus, Sohn Marias, hast du den Menschen gesagt: Nehmt mich und meine Mutter zu zwei Göttern neben Gott? Er sagte: Preis sei dir! Es ziemt sich nicht für mich, das zu sagen, wozu ich kein Recht habe. Wenn ich es gesagt hätte, hättest du es gewusst. Du weißt, was in meiner Seele ist, aber ich weiß nicht, was in deiner Seele ist. Wahrlich, du bist der, der das Verborgene kennt.
  117. 117Ich habe ihnen nur gesagt, was du mir befohlen hast: Dient Gott, meinem Herrn und eurem Herrn! Ich war über sie Zeuge, solange ich unter ihnen war. Als du mich aber abberufen hast, warst du es, der über sie Wächter war. Du bist über alles Zeuge.
  118. 118Wenn du sie bestrafst – sie sind deine Diener. Wenn du ihnen aber vergibst – du bist der Mächtige, der Weise.
  119. 119Gott sagte: Das ist ein Tag, an dem den Wahrhaftigen ihre Wahrhaftigkeit nützt. Sie haben Gärten, durch die Bäche fließen. Sie sind darin ewig. Gott hat Wohlgefallen an ihnen, und sie haben Wohlgefallen an ihm. Das ist der gewaltige Erfolg.
  120. 120Gott gehört die Herrschaft der Himmel und der Erde und was darin ist. Er hat über alles Macht.

Einordnung & Bedeutung

Eine besondere Sure

Sure 5 ist die letzte umfassende Rechts-Sure des Korans – wahrscheinlich die letzte chronologisch offenbarte Sure mit ausgedehntem juristischen Material. Sie stammt aus dem letzten Lebensabschnitt Mohammeds, manche Verse aus der Abschiedswallfahrt im März 632, nur wenige Wochen vor seinem Tod im Juni 632.

Diese Spät-Datierung gibt der Sure ein besonderes Gewicht in der islamischen Auslegung. Was hier steht, ist die letzte Wort. Wo frühere Verse mit späteren in Spannung treten, gilt im klassischen Verständnis das spätere – und das spätere ist oft in Sure 5.

Der berühmte Vollendungs-Vers (Vers 3)

Vers 3 enthält einen der berühmtesten Sätze des Korans. Eingebettet in die Speisegebote – fast versteckt – steht plötzlich: „Heute habe ich euch eure Religion vollkommen gemacht, meine Gunst über euch vollendet und für euch den Islam als Religion erwählt."

Diese Worte wurden Mohammed laut Tradition am 9. Dhū l-Ḥidschdscha 10 (März 632) auf dem Berg ʿArafāt während der Abschiedswallfahrt offenbart – einige Wochen vor seinem Tod. Es war der letzte Teil der Botschaft.

Drei Aussagen sind enthalten:

  1. „Heute habe ich euch eure Religion vollkommen gemacht": Die Religion ist komplett. Nichts Wichtiges fehlt mehr. Was zu offenbaren war, ist offenbart. Klassisch heißt das: Wer nach Mohammed kommt und behauptet, eine neue Offenbarung zu haben (etwa die Aḥmadiyya-Bewegung), kann das nicht – die Religion ist abgeschlossen.
  2. „meine Gunst über euch vollendet": Gottes Gunst – seine Wegweisung – ist nicht mehr in Bruchstücken da, sondern ganz.
  3. „für euch den Islam als Religion erwählt": Der Name der Religion ist Islam – wörtlich „Ergebung" (gegenüber Gott). Das ist im Vers selbst die Selbstbezeichnung.

Eine berühmte Hadith-Stelle (in Buchārī und Muslim) erzählt: Ein Jude kam zum Kalifen ʿUmar und sagte, wenn dieser Vers an die Juden ergangen wäre, sie hätten den Tag zum Festtag erklärt. ʿUmar antwortete: Der Tag der Offenbarung ist für uns ein Festtag – ʿArafāt-Tag, Tag der Wallfahrt, Freitag.

Vers 5 – die Heirat mit Christinnen und Jüdinnen

Vers 5 erlaubt Muslimen die Heirat mit „den anständigen Frauen unter denen, denen vor euch das Buch gegeben wurde". Das heißt: Jüdinnen und Christinnen dürfen geheiratet werden – ohne dass sie konvertieren müssen.

Klassisch wird das so verstanden: Ein muslimischer Mann darf eine Christin oder Jüdin heiraten. Eine muslimische Frau darf nur einen Muslim heiraten. Die Asymmetrie wird damit begründet, dass im traditionellen Familienverständnis die Religion des Vaters die Religion der Kinder bestimmt – und ein muslimischer Vater wird die islamische Religion an seine Kinder weitergeben (sowie die nicht-muslimische Mutter respektieren), während eine muslimische Frau mit nicht-muslimischem Mann ihre Kinder potenziell nicht-muslimisch erziehen würde.

Reformistische Auslegungen weisen darauf hin, dass diese Asymmetrie eine zeitgebundene patriarchale Annahme war. In modernen Verhältnissen, in denen Mütter eine Hauptrolle in der Erziehung haben und der Familienreligion-Übertrag nicht eindeutig vom Vater bestimmt ist, sei die Asymmetrie aufzulösen.

Im gleichen Vers wird auch die Speise der Buch-Leute erlaubt: Was Juden und Christen schlachten, dürfen Muslime essen. Das ist wichtig – ein muslimischer Reisender in einem christlichen Land muss nicht hungern.

Die Waschungs-Vorschrift (Vers 6)

Vers 6 ist die wichtigste Stelle für die rituelle Reinigung (wuḍūʾ) vor dem Gebet. Sie ist in jeder muslimischen Praxis täglich präsent – fünfmal am Tag.

Die Vorschrift: Gesicht, Hände bis zum Ellbogen, Streichen über den Kopf, Füße bis zum Knöchel. Wer Zugang zu Wasser hat, wäscht mit Wasser. Wer keinen Zugang hat (Wüste, Krankheit), darf tayammum – Trockenreinigung – machen: mit Erde über Gesicht und Hände streichen.

Im Schluss-Satz des Verses steht eine bemerkenswerte Begründung: „Gott will euch keine Bedrückung auferlegen, sondern er will euch reinigen und seine Gunst über euch vollenden." Die rituellen Vorschriften sind nicht Schikane – sie sind Reinigung und Gunst-Erweis.

Kain und Abel (Verse 27–32)

Verse 27–32 erzählen die Geschichte der beiden Söhne Adams. Der Koran nennt sie nicht namentlich – die Tradition kennt sie als Qābīl (Kain) und Hābīl (Abel). Beide opfern; nur Abels Opfer wird angenommen. Kain wird wütend, droht: „Ich werde dich gewiss töten!"

Abels Antwort ist erstaunlich (Vers 28): „Wenn du deine Hand gegen mich ausstreckst, um mich zu töten, werde ich nicht meine Hand gegen dich ausstrecken, um dich zu töten. Wahrlich, ich fürchte Gott, den Herrn der Welten." Das ist Gewaltlosigkeit in einer ihrer reinsten Formen. Abel weigert sich, zurückzuschlagen – aus Gottesfurcht. Diese Stelle wird im sufischen Verständnis als Modell gelesen: Der Gerechte verzichtet auf Selbstverteidigung, wenn das Eingehen darauf ihn selbst zum Mörder machen würde.

Vers 31 ist die Stelle mit dem Raben – das eigenartig konkrete Detail: Kain weiß nicht, was er mit der Leiche tun soll. Gott schickt einen Raben, der in der Erde scharrt. Kain begreift: Er soll seinen Bruder begraben. Er versucht es nachzumachen. Dann bricht ihm das Gewissen: „O wehe mir! Bin ich unfähig gewesen, wie dieser Rabe zu sein?"

Vers 32 – die berühmteste Stelle

Vers 32 ist eine der berühmtesten Stellen des gesamten Korans: „Wer eine Seele tötet – nicht für eine andere Seele oder für Verderben auf der Erde – ist, als hätte er alle Menschen getötet. Wer eine am Leben erhält, ist, als hätte er alle Menschen am Leben erhalten."

Diese Aussage hat eine fast unbestimmte Reichweite. Mehrere Lesarten:

  • Sie ist universal: Jedes menschliche Leben ist heilig. Wer einen tötet, hat im moralischen Sinne die ganze Menschheit getötet.
  • Sie ist eingeschränkt: „Nicht für eine andere Seele oder für Verderben" – also Mord ohne Rechtsgrund. Vergeltungstötung und Hinrichtung wegen schwerer Verbrechen sind nicht erfasst.
  • Sie ist kontextual: Der Vers ist an die Kinder Israels gerichtet – als Vorschrift, die ihnen gegeben wurde. Die Reichweite für andere Gemeinschaften ist Auslegungsfrage. Klassische Mehrheits-Auslegung versteht ihn aber universal.

Bemerkenswert ist die Asymmetrie: Wer einen tötet, hat alle getötet – aber wer einen rettet, hat alle gerettet. Die schöpferische Tat hat die gleiche kosmische Bedeutung wie die zerstörerische. Das ist eine bemerkenswerte ethische Konstruktion. Ein Leben retten – ein einziges – ist im moralischen Wert vergleichbar mit der Rettung der ganzen Menschheit.

Diese Stelle ist im interreligiösen Kontext oft zitiert. Sie hat eine fast wörtliche Parallele im Talmud (Mischna Sanhedrin 4,5), und der Koran bezieht sich offenbar auf diese rabbinische Tradition.

Die Vergeltungsstrafen (Verse 33, 38)

Vers 33 listet die Strafen für Krieg gegen Gott und Verderben-Anrichten auf: Tötung, Kreuzigung, gegenüberliegende Hand-Fuß-Amputation, Verbannung. Vers 38 fügt für Diebstahl die Hand-Abschneiden-Strafe hinzu.

Diese Strafen (ḥudūd – „Grenzen") sind heute in der Reform-Debatte zentral. Drei Lesarten:

  1. Klassisch-traditionell: Die Strafen sind göttliche Gebote und müssen, wo möglich, vollzogen werden. Allerdings nur unter strengen Beweisanforderungen, die in der Praxis fast nie erfüllt werden (für Diebstahl: vier männliche Zeugen für den Akt des Wegnehmens, der Wert muss eine bestimmte Schwelle überschreiten, der Stehlende darf nicht aus Not gestohlen haben usw.).
  2. Reformistisch-Mainstream: Die Strafen waren kontextuell für eine bestimmte Zeit. Heute werden sie durch moderne Strafrechtssysteme ersetzt, die mehr Differenzierung und Rehabilitation ermöglichen. Die meisten muslimischen Länder vollziehen sie nicht.
  3. Modernistisch: Die Strafen sind Maximalstrafen – die Obergrenze dessen, was zulässig ist. Sie sind nicht obligatorisch. Wer eine niedrigere Strafe wählt (Gefängnis, Geldbuße), bewegt sich innerhalb des Korans.

Wichtig ist Vers 34: „Außer denen, die umkehren, bevor ihr Macht über sie habt." Reue vor der Verurteilung hebt die Strafe auf. Das ist im klassischen Verständnis ein wichtiges Korrektiv.

Die Pluralität der Gesetze (Vers 48)

Vers 48 ist theologisch außerordentlich wichtig: „Für jeden unter euch haben wir eine Gesetzeslehre und einen Weg gemacht. Hätte Gott gewollt, hätte er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Aber er will euch in dem prüfen, was er euch gegeben hat. So wettlauft im Guten!"

Die Pointe: Religiöse Pluralität ist von Gott gewollt. Hätte Gott alle Menschen zur selben Gemeinschaft machen wollen, hätte er es getan. Er hat es nicht. Die verschiedenen Religionen sind kein Versagen Gottes, sondern Teil seines Plans – eine Prüfung. Der Wettstreit soll im Guten stattfinden, nicht in Bekehrungs-Druck oder Gewalt.

Diese Stelle ist im modernen pluralismus-theologischen Diskurs zentral. Reformer wie Khaled Abou El Fadl, Tariq Ramadan und andere argumentieren mit Vers 48 für eine grundsätzlich pluralistische Haltung des Islam gegenüber anderen Religionen.

Vers 51 – die berüchtigte Bündnis-Stelle

Vers 51 ist eine der am meistzitierten Stellen in heutigen anti-muslimischen Polemiken: „O ihr, die ihr glaubt! Nehmt nicht die Juden und die Christen zu Vertrauten! Sie sind einer dem anderen Vertraute."

Das Wort awliyāʾ – „Vertraute" – wird kontrovers verstanden:

  • „Schutzherren" / „Verbündete im Krieg": Im historischen Kontext der Schlacht von Uḥud und der Spannungen mit jüdischen Stämmen Medinas ging es um militärische Bündnisse gegen die muslimische Gemeinschaft. Die Stelle verbietet, sich politisch-militärisch gegen die eigene Gemeinschaft zu wenden.
  • „Engste Freunde, Vertraute": Eine engere Lesart. Aber selbst dann sind normale freundschaftliche und nachbarschaftliche Beziehungen nicht ausgeschlossen.
  • „Religiöse Schutzherren": Manche Auslegungen verstehen es so, dass Muslime nicht jüdische oder christliche Gelehrte als religiöse Autoritäten anerkennen sollten.

Wichtig: Vers 5 derselben Sure erlaubt die Heirat mit Christinnen und Jüdinnen. Das wäre kein Verbot der Beziehung schlechthin. Auch Vers 82 derselben Sure lobt die Christen ausdrücklich („Du wirst gewiss finden, dass die den Gläubigen in der Zuneigung am nächsten Menschen die sind, die sagen: Wir sind Christen!"). Die Sure widerspricht sich also nicht, sie differenziert: politisch-militärische Bündnisse gegen die Gemeinschaft sind verboten, freundschaftliche Beziehungen sind ausdrücklich gut.

Vers 82 – Lob der Christen

Vers 82 ist eine bemerkenswerte Stelle: „Du wirst aber gewiss finden, dass die den Gläubigen in der Zuneigung am nächsten Menschen die sind, die sagen: Wir sind Christen! Das, weil unter ihnen Priester und Mönche sind und weil sie nicht hochmütig sind."

Hier werden Christen positiv hervorgehoben. Die Stelle wird gewöhnlich auf die Begegnung Mohammeds mit dem äthiopischen Negus zurückgeführt: Im Jahr 615 waren muslimische Flüchtlinge aus Mekka nach Äthiopien geflohen, wo sie vom christlichen König Najaschi Schutz fanden. Vers 83 fügt hinzu, wie diese Christen weinen, wenn sie den Koran hören.

Bemerkenswert ist die positive Würdigung der christlichen Mönche. Im Islam gibt es kein institutionalisiertes Mönchtum, aber die spirituelle Praxis wird hier respektiert.

Wein- und Glücksspiel-Verbot (Verse 90–91)

Vers 90 ist die letzte und schärfste der mehrstufigen Wein-Verbote des Korans: „O ihr, die ihr glaubt! Wahrlich, der Wein, das Glücksspiel, die Opfersteine und die Lospfeile sind nur ein Greuel von der Tat des Satans. So meidet ihn!"

Der Koran verbietet Alkohol in drei Stufen:

  1. Sure 2,219: „In beiden ist eine große Sünde und Nutzen für die Menschen. Aber ihre Sünde ist größer als ihr Nutzen." – noch keine Verbots-Aussage, aber eine moralische Warnung.
  2. Sure 4,43: „Tretet nicht zum Gebet, während ihr betrunken seid." – ein zeitliches Verbot.
  3. Sure 5,90–91: Endgültiges Verbot.

Diese gestufte Pädagogik wird im klassischen Islam als beispielhaft gelesen: Gewohnheiten werden nicht abrupt, sondern in Etappen abgewöhnt. Mohammed soll laut Hadith gesagt haben, dass viele Muslime nicht zur einmal sofortigen Verbots-Offenbarung in der Lage gewesen wären, ihren Alkohol-Konsum zu beenden.

Begründet wird das Verbot in Vers 91: Wein und Glücksspiel stiften Feindschaft und Hass und halten vom Gebet ab. Es ist eine soziale, nicht primär eine gesundheitliche Begründung.

Das Tabellen-Wunder (Verse 112–115)

Verse 112–115 enthalten die Erzählung, die der Sure ihren Namen gibt. Die Jünger Jesu bitten ihn um ein letztes Zeichen: einen Tisch (māʾida) mit Speise vom Himmel. Jesus zögert, dann betet er. Gott antwortet: Der Tisch wird herabgesandt – aber wer danach ungläubig wird, wird mit besonders schwerer Strafe gestraft.

Diese Episode steht in keinem kanonischen Evangelium. Sie hat aber Parallelen:

  • Mit der Speisung der 5000 (Markus 6,30–44 und Parallelen)
  • Mit dem Letzten Abendmahl
  • Mit dem Brot vom Himmel im Johannes-Evangelium (Kap. 6)
  • Mit dem apokryphen Bartholomäus-Evangelium

Die Pointe ist nicht das Wunder selbst, sondern Gottes Warnung: Wer ein Zeichen sieht und dann doch nicht glaubt, hat es schlimmer als die ohne Zeichen. Das passt zum koranischen Verständnis von Verantwortlichkeit – mehr Sehen bedeutet mehr Pflicht.

Die letzte Befragung Jesu (Vers 116)

Vers 116 ist eine der bewegendsten Stellen des Korans. Am Tag der Auferstehung – am Ende aller Zeiten – ruft Gott Jesus zu sich und fragt ihn: „Jesus, Sohn Marias, hast du den Menschen gesagt: Nehmt mich und meine Mutter zu zwei Göttern neben Gott?"

Jesus antwortet mit größter Demut: „Preis sei dir! Es ziemt sich nicht für mich, das zu sagen, wozu ich kein Recht habe. Wenn ich es gesagt hätte, hättest du es gewusst. Du weißt, was in meiner Seele ist, aber ich weiß nicht, was in deiner Seele ist. Wahrlich, du bist der, der das Verborgene kennt."

Diese Stelle ist die wichtigste Anti-Trinitäts-Aussage des Korans im narrativen Modus. Jesus selbst wird gefragt – und Jesus selbst verneint, jemals die Vergöttlichung seiner und seiner Mutter gepredigt zu haben. Im islamischen Verständnis ist das die wahre Christologie: Jesus war Diener Gottes, nichts mehr.

Interessant ist, dass die Frage Maria mit einbezieht: „nehmt mich und meine Mutter zu zwei Göttern". Manche Auslegungen sehen darin einen Bezug auf eine vorislamische christliche Sekte (Kollyridianer), die Maria göttlich verehrte. Andere lesen es als pauschale Kritik an der christlichen Marien-Verehrung im 7. Jahrhundert – die im damaligen ostchristlichen Raum sehr intensiv war.

Vers 117 setzt fort, was Jesus tatsächlich gepredigt hat: „Dient Gott, meinem Herrn und eurem Herrn!" – die zentrale islamische Jesus-Aussage. Vers 118 enthält eine bemerkenswerte Note: „Wenn du sie bestrafst – sie sind deine Diener. Wenn du ihnen aber vergibst – du bist der Mächtige, der Weise." Jesus überlässt Gott die Entscheidung – ohne Vorwurf, ohne Anklage.

Wie wird die Sure verstanden?

Sure 5 ist die Spätsure schlechthin. Sie hat den autoritativen Charakter des Letzten Wortes. In juristischer Auslegung wird sie deshalb stark gewichtet.

Thematisch ist sie eine Synthese:

  • Speisegesetze: Was darf gegessen werden, was nicht? Die Halāl-Bestimmungen sind hier in ihrer Schluss-Fassung.
  • Strafrecht: Die ḥudūd-Strafen sind hier konzentriert (Diebstahl, Verderben auf der Erde).
  • Familienrecht: Die Heirat über Religionsgrenzen wird geregelt.
  • Interreligiöser Bezug: Die Sure differenziert klar zwischen problematischen und exemplarischen Christen, zwischen jüdischen Bündnisbrüchen und der Existenz einer „ausgewogenen Gemeinschaft" unter den Juden (Vers 66). Sie kennt Anerkennung der Pluralität (Vers 48).
  • Christologie: Die letzte Befragung Jesu (Vers 116) ist die narrativ stärkste Anti-Trinitäts-Stelle.

Politisch ist die Sure heikel. Sowohl die ḥudūd-Strafen als auch Vers 51 (Bündnis-Verbot) sind in der modernen Debatte umkämpft. Eine ehrliche Auslegung wird beides kontextualisieren: Die ḥudūd-Strafen haben extrem hohe Beweisanforderungen, die in der Praxis fast nie erfüllt werden; Vers 51 muss zusammen mit Vers 82 (Lob der Christen) und Vers 48 (Pluralität als göttlicher Wille) gelesen werden.

Spirituell ist die Sure die Sure der Vollendung (Vers 3) und der Demut Jesu (Vers 116). Beide Pole zusammen geben ihr ihre besondere Tiefe.

Schlüsselbegriffe kurz erklärt

  • Al-Māʾida – „der Tisch" – Name vom Wunder der Jünger Jesu (Verse 112–115)
  • Vers 3 – Vollendungs-Vers – „Heute habe ich euch eure Religion vollkommen gemacht" – ʿArafāt 632 in der Abschiedswallfahrt
  • Vers 5 – Heirat mit Buchleuten – Erlaubnis der Heirat mit Christinnen und Jüdinnen ohne Konversion
  • Vers 6 – Wuḍūʾ – die ritualrechtliche Hauptstelle für die Waschung vor dem Gebet
  • Verse 27–32 – Kain und Abel – die koranische Erzählung von Brudermord und Gewaltlosigkeit
  • Vers 32 – „Wer eine Seele tötet, ist als hätte er alle Menschen getötet" – Parallele zur Mischna Sanhedrin
  • Verse 33, 38 – ḥudūd – Vergeltungsstrafen mit extrem hohen Beweisanforderungen; in moderner Debatte zentral
  • Vers 48 – Pluralität – religiöse Pluralität als göttlicher Wille – „hätte Gott gewollt, hätte er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht"
  • Verse 51 / 82 – Bündnis und Lob – Spannung zwischen Bündnis-Verbot (V51) und Lob der Christen (V82) – gemeinsam zu lesen
  • Vers 116 – letzte Befragung Jesu – narrativ stärkste Anti-Trinitäts-Stelle: Jesus verneint selbst seine Vergöttlichung