Alle 114 Suren des Korans
Sure 41: Erklärt (Fuṣṣilat)
Sure 41 von 114, 54 Verse
Sure 41 heißt "Erklärt", arabisch Fussilat, und hat in der Kairoer Zählung 54 Verse. Sie gilt als mekkanisch und verteidigt den Koran gegen den Vorwurf, er sei erfunden. Bekannt ist Vers 34, nach dem man das Böse mit dem Besseren abwehren soll.
1 H. M.
2 Eine Hinabsendung von dem Erbarmer, dem Barmherzigen. (Flügel 1)
3 Ein Buch, dessen Verse erklärt sind für Leute von Wissen, (Flügel 2)
4 Ein Freudenbote und ein Warner; doch die meisten von ihnen kehren sich ab und hören nicht. (Flügel 3)
5 Und sie sprechen: "Unsere Herzen sind in Hüllen gegen das, wozu du uns einlädst, und in unseren Ohren ist Schwere, und zwischen uns und dir ist ein Vorhang. So handle; siehe auch wir handeln." (Flügel 4)
6 Sprich: "Ich bin nur ein Mensch wie ihr; offenbart wurde mir, dass euer Gott ein einziger Gott ist. So verhaltet euch wohl gegen ihn und bittet ihn um Verzeihung; und wehe den Götzendienern, (Flügel 5)
7 Welche nicht die Armenspende entrichten und ans Jenseits nicht glauben." (Flügel 6)
8 Siehe diejenigen, welche glauben und das Rechte tun, ihnen wird ein unverminderter Lohn. (Flügel 7)
9 Sprich: "Verleugnet ihr etwa den, der die Erde in zwei Tagen erschuf, und gebt ihm seinesgleichen? Das ist der Herr der Welten." (Flügel 8)
10 Und er setzte in sie die festgegründeten (Berge, ragend) über sie; und er segnete sie und verteilte in ihr ihre Nahrung in vier Tagen gleich für alle, die danach verlangen. (Flügel 9)
11 Dann machte er sich an den Himmel, welcher Rauch war, und sprach zu ihm und zur Erde: "Kommt in Gehorsam oder wider Willen." Sie sprachen: "Wir kommen gehorsam." (Flügel 10)
12 Und so vollendete er sie zu sieben Himmeln in zwei Tagen und offenbarte jedem Himmel sein Amt; und wir schmückten den unteren Himmel mit Lampen und einer Hut. Dies ist die Anordnung des Mächtigen, des Wissenden. (Flügel 11)
13 Und wenn sie sich abwenden, so sprich: "Ich warne euch vor einem Donnerschlag, gleich dem Donnerschlag Ads und Thamuds." (Flügel 12)
14 Da die Gesandten zu ihnen kamen von vorn und hinten (und sprachen:) "Dient allein Allah," sprachen sie: "Wenn unser Herr gewollt, wahrlich Engel hätte er hinabgesandt. Siehe, wir glauben nicht an das, womit ihr gesandt seid." (Flügel 13)
15 Und was Ad anlangt, so waren sie hochmütig im Land ohne Grund und sprachen: "Wer ist stärker an Kraft als wir?" Sehen sie denn nicht, dass Allah es ist, der sie erschaffen hat? Er ist stärker als sie an Kraft; doch sie verleugneten unsere Zeichen. (Flügel 14)
16 Und so entsandten wir gegen sie einen pfeifenden Wind an unseligen Tagen, um ihnen zu schmecken zu geben die Strafe der Schmach in dieser Welt. Aber wahrlich die Strafe des Jenseits ist schmählicher, und es soll ihnen nicht geholfen werden. (Flügel 15)
17 Und was Thamud anlangt, so leiteten wir sie, sie aber liebten die Blindheit über der Rechtleitung, und es erfasste sie der Donnerschlag der Strafe der Erniedrigung für ihr Schaffen. (Flügel 16)
18 Und wir erretteten diejenigen, die gläubig und gottesfürchtig waren. (Flügel 17)
19 Und eines Tages werden die Feinde Allahs zum Feuer versammelt werden, vorwärts getrieben: (Flügel 18)
20 Bis dass, wenn sie zu ihm gekommen sind, ihre Ohren und Augen und ihre Haut Zeugnis gegen sie ablegen für ihr Tun. (Flügel 19)
21 Und sprechen werden sie zu ihrer Haut: "Warum zeugst du gegen uns?" Sie wird sprechen: "Rede gab uns Allah, welcher jedem Ding Rede gab. Er hat euch zum ersten Mal erschaffen, und zu ihm müsst ihr zurück. (Flügel 20)
22 Und ihr konntet euch nicht verbergen, dass euer Gehör und euer Gesicht und eure Haut nicht Zeugnis gegen euch ablegte; jedoch wähntet ihr, dass Allah nicht viel von eurem Tun wüsste. (Flügel 21)
23 Und dieses euer Wähnen, das ihr von eurem Herrn wähntet, verdarb euch, und ihr wurdet Verlorene." (Flügel 22)
24 Und halten sie auch aus, so ist doch das Feuer ihre Wohnung, und wenn sie um Gnade bitten, so sollen sie doch nicht begnadet werden. (Flügel 23)
25 Und wir haben ihnen Genossen bestimmt, denn sie schmückten ihnen aus, was vor ihnen und was hinter ihnen war. Und so war gerecht gegen sie der Spruch, der Völker von den Dschinn und Menschen, die vor ihnen hingingen, traf: Siehe sie sind Verlorene. (Flügel 24)
26 Und es sprechen die Ungläubigen: "Hört nicht auf diesen Koran, sondern schwatzt in ihn, vielleicht siegt ihr." (Flügel 25)
27 Aber wahrlich, schmecken lassen wollen wir die Ungläubigen strenge Strafe, und belohnen wollen wir sie mit dem Übelsten von ihrem Tun. (Flügel 26 bis 27)
28 Solches ist der Lohn der Feinde Allahs, das Feuer. Ihnen ist eine ewige Wohnung darin, darum dass sie unsere Zeichen verleugneten.
29 Und sprechen werden die Ungläubigen: "Unser Herr, zeige uns diejenigen von den Dschinn und Menschen, die uns irreführten; wir wollen sie unter unsere Füße legen, damit sie zu den am tiefsten Erniedrigten gehören."
30 Siehe diejenigen, welche sprechen: "Unser Herr ist Allah" und dann sich wohl verhalten, auf die steigen die Engel hernieder: "Fürchtet euch nicht und seid nicht traurig, sondern vernehmt die Freudenbotschaft vom Paradies, das euch verheißen wurde.
31 Wir sind eure Schützer im irdischen Leben und im Jenseits, und euch wird sein in ihm, was eure Seelen begehren, und ihr sollt haben in ihm, wonach ihr ruft,
32 Eine Aufnahme von einem Vergebenden, Barmherzigen!"
33 Und wer führt schönere Rede als wer zu Allah einlädt und das Rechte tut und spricht: "Ich bin einer der Muslime?"
34 Und nicht ist gleich das Gute und das Böse. Wehre (das Böse) ab mit dem Besseren, und siehe her, zwischen dem und dir Feindschaft war, wird sein gleich einem warmen Freund.
35 Aber dies sollen nur diejenigen erreichen, die standhaft sind, und nur die Hochbeglückten erreichen es.
36 Und wenn dich ein Anreiz vom Satan reizt, so nimm deine Zuflucht zu Allah; siehe, er ist der Hörende, der Wissende.
37 Und zu seinen Zeichen gehört die Nacht und der Tag und die Sonne und der Mond. Werft euch weder vor der Sonne nieder noch vor dem Mond, sondern werft euch nieder vor Allah, der sie erschaffen, wenn ihr ihm dient.
38 Und wenn sie (zu) hochmütig sind, so preisen diejenigen, die bei deinem Herrn sind, ihn Nacht und Tag und werden nicht müde.
39 Und zu seinen Zeichen gehört es, dass du die Erde öde siehst. Und wenn wir Wasser auf sie hinabsenden, rührt sie sich und schwillt an; siehe, er, der sie belebt, ist der Lebendigmacher der Toten. Siehe er hat Macht über alle Dinge.
40 Siehe diejenigen, welche sich von unseren Zeichen abneigen, sind uns nicht verborgen. Ist etwa der besser, der ins Feuer geworfen wird, oder wer sicher naht am Tag der Auferstehung? Tut, was ihr wollt, siehe er schaut euer Tun.
41 Siehe diejenigen, welche nicht an die Ermahnung glauben, nachdem sie zu ihnen gekommen ist, ... und siehe, es ist wahrlich ein herrliches Buch!
42 Nicht soll zu ihm kommen das Eitle, weder von vorn noch von hinten, eine Hinabsendung von einem Weisen, einem Rühmenswerten.
43 Nicht wurde etwas anderes zu dir gesprochen als was zu den Gesandten vor dir gesprochen wurde. Siehe dein Herr ist wahrlich Herr der Verzeihung und Herr schmerzlicher Züchtigung.
44 Und hätten wir ihn gemacht zu einem fremdsprachigen Koran, so hätten sie gesprochen: "Wenn seine Zeichen nicht erklärt sind" ... Etwa in fremder Sprache, und (er) ein Araber? Sprich: "Er ist für die Gläubigen eine Rechtleitung und eine Arznei; doch in den Ohren der Ungläubigen ist eine Schwere, und er ist Blindheit für sie. Diese werden gerufen (wie) von fernem Ort."
45 Und wahrlich gaben wir Moses die Schrift und man war uneins darüber; und wäre nicht ein Wort von deinem Herrn zuvor ergangen, wahrlich entschieden wäre zwischen ihnen. Denn siehe sie waren in tiefem Zweifel über ihn.
46 Wer das Rechte tut, der tut es zu seinem Besten, und wer Böses tut, ihm zuwider; und dein Herr ist nicht ungerecht gegen seine Diener.
47 Ihm allein ist vorbehalten das Wissen von der "Stunde," und keine Früchte kommen heraus aus ihren Hüllen, und keine Frau trägt und kommt nieder außer mit seinem Wissen. Und des Tages, da er zu ihnen ruft: "Wo sind meine Gefährten?" werden sie sprechen: "Wir versichern dich, wir haben keinen Zeugen unter uns."
48 Und abgeschweift ist von ihnen, was sie zuvor anriefen, und sie sehen ein, dass ihnen kein Entrinnen ist.
49 Nicht ermüdet der Mensch um Gutes zu bitten, und wenn ihn das Böse trifft, so ist er verzweifelt und verzagt.
50 Aber wahrlich wenn wir ihm Barmherzigkeit von uns zu schmecken geben nach dem Leid, das ihn betroffen, wahrlich dann spricht er: "Das (gebührt) mir, und nicht glaube ich, dass die 'Stunde' bevorsteht. Und wenn ich zurückgebracht werde zu meinem Herrn, siehe, dann habe ich wahrlich bei ihm das Beste." Aber wahrlich ankündigen wollen wir den Ungläubigen, was sie getan, und wahrlich schmecken werden wir sie lassen harte Strafe.
51 Und wenn wir dem Menschen gnädig gewesen sind, so kehrt er sich ab und wendet sich zur Seite. Wenn ihn aber Böses trifft, dann betet er des Breiten.
52 Sprich: "Was meint ihr?" Wenn es von Allah ist und ihr es dann verleugnet, wer ist dann in größerem Irrtum als der, welcher in tiefer Abtrünnigkeit ist?
53 Zeigen werden wir ihnen unsere Zeichen in den Landen und an ihnen selber, bis es ihnen deutlich wurde, dass er die Wahrheit ist. Genügt es denn nicht, dass dein Herr Zeuge aller Dinge ist?
54 Ist es nicht, dass sie in Zweifel sind über die Begegnung mit ihrem Herrn? Ist es nicht, dass er alle Dinge umgibt?
Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.
Sure 41 heißt in der Lesefassung nach Max Henning "Erklärt", arabisch Fussilat [1]. Der Name kommt aus Vers 3, der vom Buch spricht, "dessen Verse erklärt sind für Leute von Wissen". Ein zweiter Name ist Ha Mim as-Sadschda, nach den Anfangsbuchstaben und der Niederwerfung, die in der Sure vorkommt [2]. Die Sure hat in der Kairoer Zählung 54 Verse und ist nach der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) mekkanisch [3]. Theodor Nöldeke ordnet sie der dritten mekkanischen Periode zu, vom siebten Jahr der Sendung bis zur Auswanderung nach Medina [4]. Sie ist die zweite der sieben Suren, die mit den Buchstaben H. M. beginnen, nach Sure 40. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).
Inhalt im Überblick
- Verse 1 bis 8: Das Buch als Freudenbote und Warner. Die Gegner sagen, ihre Herzen seien gegen die Botschaft verhüllt; der Prophet antwortet: "Ich bin nur ein Mensch wie ihr" (41,6).
- Verse 9 bis 12: Die Erschaffung von Erde und Himmel in Tagen; der Himmel war zuvor Rauch.
- Verse 13 bis 18: Warnung mit dem Schicksal von Ad und Thamud.
- Verse 19 bis 29: Am Gerichtstag zeugen Ohren, Augen und Haut gegen die Feinde Allahs. Die Ungläubigen raten, nicht auf den Koran zu hören.
- Verse 30 bis 36: Die Engel stehen denen bei, die sagen: "Unser Herr ist Allah". Dazu die Mahnung, das Böse mit dem Besseren abzuwehren.
- Verse 37 bis 54: Nacht, Tag, Sonne und Mond als Zeichen, die belebte Erde nach dem Regen, der Koran in arabischer Sprache als Rechtleitung und die Zusage, die Zeichen in den Landen und an den Menschen selbst zu zeigen.
Vers 34 lautet in der Lesefassung: "Und nicht ist gleich das Gute und das Böse. Wehre (das Böse) ab mit dem Besseren, und siehe her, zwischen dem und dir Feindschaft war, wird sein gleich einem warmen Freund." [1] Wie der Koran die Schöpfung beschreibt, zeigt die Seite Schöpfung und Natur im Koran.
Wie die Sure verstanden wird
Klassische Auslegung
Ibn Kathir erklärt Vers 34 so, dass der Gläubige auf Unrecht mit besserem Verhalten antwortet. Er zitiert Umar ibn al-Chattab: Die beste Antwort an jemanden, der dir gegenüber Allah ungehorsam war, sei, ihm gegenüber Allah zu gehorchen. Zu Vers 35 gibt er Ibn Abbas wieder, nach dem Allah den Gläubigen gebietet, im Zorn geduldig zu sein, Unwissenheit mit Nachsicht zu begegnen und bei schlechter Behandlung zu vergeben [5].
Muslimische Kommentare des 20. Jahrhunderts
Der Kommentar Ibn Aschurs nennt die Sure nach einhelliger Ansicht mekkanisch. Er sieht ihren Anlass darin, dass die Götzendiener in Mekka den Koran als Erfindung abtun wollten. Die Sure begründet nach dieser Deutung, dass der Koran Offenbarung ist, bekräftigt die Auferstehung und warnt vor der Strafe im Diesseits und am Gerichtstag, an dem die eigenen Sinne der Leugner gegen sie zeugen [2].
Islamwissenschaft
Nach einer Überlieferung, die Nöldeke und Schwally bei Ibn Hischam finden, soll Muhammad mit dem Anfang der Sure versucht haben, den angesehenen Mekkaner Utba ibn Rabi'a für den Islam zu gewinnen. Selbst wenn das stimme, folge daraus nur, dass die Sure älter sei als dieser Versuch. Sie beobachten, dass der Reim ab Vers 39 wechselt, halten die Sure aber trotzdem für eine Einheit, weil Vers 39 inhaltlich zu den Versen 34 und 38 gehört und Vers 44 auf den Anfang zurückweist [6].
- Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
- Surah Info: Fussilat. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
- Koran. Gabriel Oussani, The Catholic Encyclopedia, Bd. 8, New Advent. Stand 1910. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir of Fussilat Ayah 34. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Geschichte des Qorans, Erster Teil: Über den Ursprung des Qorans, S. 144 f.. Theodor Nöldeke, bearbeitet von Friedrich Schwally, Dieterich, Leipzig. Stand 1909. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.