Alle 114 Suren des Korans
Sure 42: Die Beratung (Asch-Schūrā)
Sure 42 von 114, 53 Verse
Sure 42 heißt "Die Beratung", arabisch Asch-Schura, und hat in der Kairoer Zählung 53 Verse. Sie gilt als mekkanisch. Ihren Namen hat sie von Vers 38, der die Gläubigen dafür lobt, ihre Angelegenheiten in Beratung untereinander zu regeln; dieser Vers wird bis heute in Debatten über Herrschaft und Mitsprache herangezogen.
1 H. M.
2 A. S. K. (Flügel 1)
3 So offenbart dir und denen vor dir Allah, der Mächtige, der Weise. (Flügel 1)
4 Sein ist, was in den Himmeln und was auf Erden, und er ist der Hohe, der Gewaltige. (Flügel 2)
5 Fast spalten sich die Himmel in der Höhe (in Ehrfurcht,) und die Engel lobpreisen ihren Herrn und bitten um Verzeihung für die, welche auf Erden sind. Ist nicht Allah der Vergebende, der Barmherzige? (Flügel 3)
6 Und diejenigen, welche außer ihm Schützer annehmen, Allah gibt auf sie acht, und nicht bist du ihr Hüter. (Flügel 4)
7 So haben wir dir einen arabischen Koran offenbart, damit du warnst die Mutter der Städte und alle ringsum, und sie warnst vor dem Tag der Versammlung, an dem kein Zweifel ist, ein Teil im Paradies und ein Teil in der Flamme! (Flügel 5)
8 Und wenn es Allah gewollt, hätte er sie zu einer Gemeinde gemacht; jedoch führt er in seine Barmherzigkeit ein wen er will, und die Ungerechten haben weder Schützer noch Helfer. (Flügel 6)
9 Nehmen sie etwa außer ihm Schützer an? Doch Allah, er ist der Schützer, und er macht die Toten lebendig, und er hat Macht über alle Dinge. (Flügel 7)
10 Und worüber ihr auch uneins seid, das Urteil darüber ist bei Allah. Solches ist Allah, mein Herr; auf ihn traue ich, und zu ihm bekehre ich mich reuig. (Flügel 8)
11 Der Schöpfer der Himmel und der Erde hat für euch Gattinnen gemacht von euch selber, und von den Tieren Weibchen; hierdurch vermehrt er euch. Nichts ist gleich ihm, und er ist der Hörende, der Schauende. (Flügel 9)
12 Sein sind die Schlüssel der Himmel und der Erde, er gibt Versorgung reich und bemessen, wem er will; siehe er weiß alle Dinge. (Flügel 10)
13 Er hat euch den Glauben verordnet, den er Noah vorschrieb, und was wir dir offenbarten und Abraham und Moses und Jesus vorschrieben: "Haltet den Glauben und trennt euch nicht in ihm." Groß ist für die Götzendiener das, wozu du sie einlädst. Allah erwählt dazu, wen er will, und leitet dazu, wer sich reuig bekehrt. (Flügel 11 bis 12)
14 Und nicht eher spalteten sie sich in gegenseitigem Neid, als bis das Wissen zu ihnen gekommen war; und wäre nicht zuvor ein Wort von deinem Herrn ergangen, (das ihnen Aufschub gab) zu einem bestimmten Termin, wahrlich, es wäre zwischen ihnen entschieden. Und siehe, diejenigen, denen nach ihnen das Buch zum Erbe gegeben wurde, sind wahrlich darüber in tiefem Zweifel. (Flügel 13)
15 Und darum lade du ein und verhalte dich wohl, wie dir geheißen wurde, und folge nicht ihren Gelüsten und sprich: "Ich glaube an das Buch, das Allah hinabgesandt hat, und geheißen wurde mir gerecht zwischen euch zu richten. Allah ist unser Herr und euer Herr; uns sind unsere Werke und euch eure Werke; kein Streit sei zwischen uns und euch. Allah wird uns versammeln, und zu ihm ist der Heimgang." (Flügel 14)
16 Und diejenigen, welche über Allah streiten, nachdem er erhört worden, deren Grund ist falsch bei ihrem Herrn, und auf sie kommt Zorn und ihnen wird strenge Strafe. (Flügel 15)
17 Allah ist es, der das Buch hinabgesandt hat in Wahrheit und die Waage. Und was lässt dich wissen, dass vielleicht die Stunde nahe ist? (Flügel 16)
18 Herbei wünschen diejenigen, die nicht an sie glauben; die aber, welche an sie glauben, beben vor ihr und wissen, dass es die Wahrheit ist. Ist es nicht, dass die, welche über die Stunde streiten, in tiefem Irrtum sind? (Flügel 17)
19 Allah ist gütig gegen seine Diener; er versorgt, wen er will, denn er ist der Starke, der Mächtige. (Flügel 18)
20 Wer für das Jenseits säen will, dem wollen wir seine Saat mehren, und wer für die Welt säen will, dem geben wir von ihr, doch soll er am Jenseits keinen Anteil haben. (Flügel 19)
21 Haben sie etwa "Gefährten," die ihnen vom Glauben etwas verordneten, was Allah nicht erlaubt? Und ohne den Spruch der Entscheidung wäre wahrlich zwischen ihnen gerichtet. Und siehe die Ungerechten, für sie ist eine schmerzliche Strafe. (Flügel 20)
22 Du siehst (dann) die Ungerechten beben vor dem, was sie geschafft, wenn es auf sie fällt; diejenigen aber, welche glauben und das Rechte tun, werden in Paradiesesauen sein und bei ihrem Herrn finden, was sie begehren. Das ist die große Huld! (Flügel 21)
23 Das ist es, was Allah seinen Dienern verheißt, die glauben und das Rechte tun. Sprich: "Ich verlange dafür keinen Lohn von euch, nur die Liebe der Verwandtschaft." Und wer eine gute Tat begeht, den wollen wir dadurch mehren an Gutem. Siehe Allah ist verzeihend und dankbar. (Flügel 22)
24 Oder sprechen sie: "Er hat gegen Allah eine Lüge ersonnen?" Aber wenn Allah wollte, versiegelte er dein Herz; und Allah löscht das Eitle aus und bewahrheitet die Wahrheit durch seine Worte. Siehe er kennt das Innerste der Brüste. (Flügel 23)
25 Er ist es, welcher die Reue von seinen Dienern annimmt und die Missetaten vergibt und weiß, was ihr tut. (Flügel 24)
26 Und er erhört diejenigen, welche glauben und das Rechte tun und mehrt ihnen seine Huld; den Ungläubigen aber wird strenge Strafe. (Flügel 25)
27 Und wenn Allah seine Diener im Überfluss versorgte, so würden sie übermütig werden auf Erden. Jedoch sendet er mit Maßen hinab, was er will. Siehe, er kennt und schaut seine Diener. (Flügel 26)
28 Und er ist es, der den Regen hinabsendet, nachdem sie verzweifelten. Und er breitet aus seine Barmherzigkeit, denn er ist der Beschützer, der Rühmenswerte. (Flügel 27)
29 Und zu seinen Zeichen gehört die Schöpfung der Himmel und der Erde und was er in beiden an Getier verstreut hat. Und er ist mächtig sie zu versammeln, wenn er will. (Flügel 28)
30 Und was euch an Unglück trifft, es ist für eurer Hände Schaffen; und er vergibt viel. (Flügel 29)
31 Und nicht vermögt ihr ihn auf Erden zu schwächen, und außer Allah habt ihr weder Schützer noch Helfer. (Flügel 30)
32 Und zu seinen Zeichen gehören die Schiffe im Meer gleich Bergen. (Flügel 31)
33 Wenn er will, beruhigt er den Wind, und sie liegen bewegungslos auf seinem Rücken. Siehe hierin sind wahrlich Zeichen für alle Standhaften und Dankbaren. (Flügel 31)
34 Oder er lässt sie untergehen nach Verdienst, und er vergibt viel. (Flügel 32)
35 Und wissen mögen diejenigen, welche über unsere Zeichen streiten, dass ihnen kein Entrinnen ist. (Flügel 33)
36 Und was euch auch gegeben wird, es ist nur eine Versorgung für das irdische Leben; was aber bei Allah ist, ist besser und bleibender für diejenigen, welche glauben und auf ihren Herrn vertrauen, (Flügel 34)
37 Und welche die großen Sünden und Schandtaten meiden und, wenn sie zornig sind, vergeben, (Flügel 35)
38 Und die auf ihren Herrn hören und das Gebet verrichten und ihre Angelegenheiten in Beratung untereinander (erledigen) und von dem, womit wir sie versorgten, spenden, (Flügel 36)
39 Und die, wenn sie ein Unrecht trifft, sich rächen. (Flügel 37)
40 Der Lohn für Böses sei aber (nur) Böses in gleichem Maße, und wer vergibt und Frieden macht, dessen Lohn ist bei Allah; siehe er liebt nicht die Ungerechten. (Flügel 38)
41 Und wahrlich wer sich für eine Ungerechtigkeit rächt, gegen die ist kein Weg; (Flügel 39)
42 Der Weg ist nur gegen die, welche den Menschen Unrecht zufügen und auf Erden ohne Grund übermütig sind. Ihnen wird schmerzliche Strafe. (Flügel 40)
43 Und wahrlich, wer standhaft ist und verzeiht, siehe das ist eine beschlossene Sache. (Flügel 41)
44 Und wen Allah irreführt, der hat nach ihm keinen Schützer. Und du wirst die Ungerechten sehen, wie sie, wenn sie die Strafe sahen, sprechen: "Gibt es zur Abwehr keinen Weg?" (Flügel 42 bis 43)
45 Und du wirst sie sehen, wie sie ihr überantwortet werden, erniedrigt in Schmach und verstohlen blickend. Und dann sprechen die Gläubigen: "Siehe, die Verlorenen sind diejenigen, welche sich selbst verloren und ihre Familien am Tag der Auferstehung." Ist es nicht, dass die Ungerechten in beständiger Pein sein werden? (Flügel 44)
46 Und sie werden keine Schützer haben ihnen zu helfen außer Allah; und wen Allah irreführt, für den ist kein Weg. (Flügel 45)
47 Hört auf euren Herrn, bevor ein Tag kommt, für den keine Abwehr ist seitens Allahs. Kein Asyl ist für euch an jenem Tag und keine Ableugnung für euch. (Flügel 46)
48 Und wenn sie sich abwenden, so haben wir dich nicht zu einem Hüter über sie entsandt; dir liegt nur die Predigt ob. Und siehe, wenn wir dem Menschen Barmherzigkeit von uns zu schmecken geben, freut er sich über sie; wenn ihn jedoch ein Übel für das, was seine Hände zuvor taten, trifft, siehe so ist der Mensch undankbar. (Flügel 47)
49 Allahs ist das Reich der Himmel und der Erde; er schafft, was er will, er gibt, wem er will, Mädchen und gibt, wem er will, Knaben. (Flügel 48)
50 Oder er paart ihnen Knaben und Mädchen und macht, wen er will, unfruchtbar. Siehe er ist wissend und mächtig. (Flügel 49)
51 Und nicht kommt es einem Menschen zu, dass Allah mit ihm sprechen sollte, es sei denn in Offenbarung oder hinter einem Vorhang. Oder er entsendet einen Gesandten zu offenbaren mit seiner Erlaubnis, was er will. Siehe, er ist hoch und weise. (Flügel 50 bis 51)
52 Und so entsendeten wir zu dir einen Geist mit einer Offenbarung auf unser Geheiß. Nicht wusstest du, was das Buch und der Glaube war. Jedoch machten wir es zu einem Licht, mit dem wir leiten wen wir wollen von unseren Dienern. Und siehe du sollst wahrlich auf einen rechten Weg leiten,
53 Den Weg Allahs, dessen ist, was in den Himmeln und was auf Erden ist. Ist es nicht, dass zu Allah die Dinge heimkehren?
Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.
Sure 42 heißt in der Lesefassung nach Max Henning "Die Beratung", arabisch Asch-Schura [1]. Der Name stammt aus Vers 38. Nach ihren Anfangsbuchstaben heißt sie auch Ha Mim Ain Sin Qaf [2]; bei Henning stehen sie als "H. M." und "A. S. K." in den Versen 1 und 2 [1]. Die Sure hat in der Kairoer Zählung 53 Verse und ist nach der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) mekkanisch [3]. Theodor Nöldeke ordnet sie der dritten mekkanischen Periode zu, vom siebten Jahr der Sendung bis zur Auswanderung nach Medina [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).
Inhalt im Überblick
- Verse 1 bis 12: Die Offenbarung an Muhammad und an die Gesandten vor ihm, der arabische Koran als Warnung für die "Mutter der Städte" (Mekka), Allah als Schöpfer, dem nichts gleich ist (42,11).
- Verse 13 bis 24: Allah hat denselben Glauben verordnet, den er Noah, Abraham, Moses und Jesus vorschrieb, mit der Mahnung, sich darin nicht zu spalten. Dazu das Buch und die Waage, die Saat für das Diesseits und für das Jenseits.
- Verse 25 bis 35: Allah nimmt die Reue an, sendet Regen und hält die Schiffe auf dem Meer.
- Verse 36 bis 43: Eigenschaften der Gläubigen: Sie vertrauen auf ihren Herrn, meiden große Sünden, vergeben im Zorn, verrichten das Gebet, regeln ihre Angelegenheiten "in Beratung untereinander" und spenden. Erlaubt ist, sich für erlittenes Unrecht in gleichem Maß zu wehren; wer vergibt und Frieden macht, dessen Lohn ist bei Allah (42,40).
- Verse 44 bis 53: Gericht, die Freiheit Allahs, Söhne, Töchter oder keine Kinder zu geben, und die Arten, in denen Allah zu Menschen spricht: durch Offenbarung, hinter einem Vorhang oder durch einen Gesandten (42,51).
Die Propheten, die Vers 13 nennt, stellt die Seite Die Propheten im Koran vor. Um Recht und Gerechtigkeit geht es in Recht und Gerechtigkeit im Koran.
Wie die Sure verstanden wird
Klassische Auslegung
Ibn Kathir liest Vers 38 als Lob gemeinschaftlicher Entscheidung: Die Gläubigen treffen wichtige Entscheidungen nicht, ohne sich zu beraten. Er verbindet den Vers mit Sure 3,159, wo der Prophet angewiesen wird, die Gläubigen zu Rate zu ziehen. Als Beispiele nennt er, dass Muhammad seine Gefährten in Kriegsfragen und anderen Dingen befragte, und dass Umar vor seinem Tod die Wahl seines Nachfolgers sechs Gefährten übertrug, die sich auf Uthman einigten [5].
Muslimische Kommentare des 20. Jahrhunderts
Der Kommentar Ibn Aschurs spricht von der Beratung als einem grundlegenden islamischen Prinzip. Er erwähnt auch die Ansicht einiger, Vers 38 beziehe sich auf die ersten Muslime unter den Helfern (Ansar) in Medina, bevor die Auswanderer dorthin kamen [2]. Muhammad Asad leitet aus dem Vers ab, dass alle gemeinsamen Angelegenheiten der Gemeinschaft in gegenseitiger Beratung zu regeln sind; das Spenden, das im selben Vers folgt, versteht er im Sinn sozialer Gerechtigkeit [6].
Geschichte und Islamwissenschaft
Der Historiker Michael Mitterauer weist darauf hin, dass der Koran an zwei Stellen von Schura spricht, ohne festzulegen, wer wen in welcher Form zu beraten hat. Bei der Bestellung der Kalifen zeige sich am deutlichsten, was die Frühzeit darunter verstand; später setzte sich die Erbfolge durch. Eine Kontinuität zwischen heutigen Parlamenten in der islamischen Welt und den alten Formen der Schura sieht er nirgends, die These "Der Islam hat die Demokratie erfunden" hält er verfassungsgeschichtlich für nicht haltbar. Zugleich schreibt er, parlamentarische Einrichtungen ließen sich durch das koranische Prinzip der Schura religiös begründen [7]. Nöldeke und Schwally berichten, dass einzelne Verse der Sure, etwa 23 und 27, ohne stichhaltigen Grund für medinisch erklärt wurden [8].
- Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
- Surah Info: Ash-Shuraa. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
- Koran. Gabriel Oussani, The Catholic Encyclopedia, Bd. 8, New Advent. Stand 1910. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Ash-Shuraa Ayah 38. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Al-Quran, Online Quran Project: Sure 42,38 mit Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Parlament und Schura. Ratsversammlungen und Demokratieentwicklung in Europa und der islamischen Welt. Michael Mitterauer, Austria-Forum. Stand 10.02.2015. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Geschichte des Qorans, Erster Teil: Über den Ursprung des Qorans, S. 157 f.. Theodor Nöldeke, bearbeitet von Friedrich Schwally, Dieterich, Leipzig. Stand 1909. abgerufen am 29.10.2026
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