Sure 42

Die Beratung

Asch-Schūrā

Verse: 53 Offenbart in: Mekka Zeit: mittelmekkanisch

Worum geht's?

Eine Sure, die nach einem zentralen politisch-ethischen Begriff benannt ist: schūrā – Beratung. Die Gläubigen entscheiden ihre Angelegenheiten durch gegenseitige Konsultation. Diese Setzung ist im modernen islamischen Staatsdenken einer der wichtigsten Anker für demokratie-kompatible Lesarten. Mit dem berühmten Trostvers: „Was euch an Unglück trifft, ist für das, was eure Hände erworben haben – und er vergibt vieles."

Der Text – Vers für Vers

In moderner Sprache paraphrasiert nach Max Henning (1901).

  1. 1Ḥā-Mīm.
  2. 2ʿAin-Sīn-Qāf.
  3. 3So offenbart dir Gott, der Mächtige, der Weise – und denen vor dir.
  4. 4Ihm gehört, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Er ist der Hohe, der Gewaltige.
  5. 5Fast brechen die Himmel von oben auseinander. Die Engel preisen mit dem Lob ihres Herrn und bitten um Vergebung für die, die auf der Erde sind. Wahrlich, Gott ist der Allverzeihende, der Barmherzige.
  6. 6Die, die sich neben ihm Schutzherren genommen haben – Gott bewacht sie. Du bist kein Sachwalter über sie.
  7. 7So haben wir dir einen arabischen Koran offenbart, damit du die Mutter der Städte und alle um sie herum warnst und damit du vor dem Tag der Versammlung warnst, an dem kein Zweifel ist. Eine Gruppe ist im Paradies, eine Gruppe in der Lohe.
  8. 8Wenn Gott gewollt hätte, hätte er sie zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Aber er lässt eintreten in seine Barmherzigkeit, wen er will. Die Frevler haben keinen Schutzherrn und keinen Beistand.
  9. 9Oder haben sie sich neben ihm Schutzherren genommen? Gott ist der Schutzherr. Er macht die Toten lebendig. Er ist mächtig über alles.
  10. 10Worüber ihr auch uneins seid – das Urteil darüber gehört Gott. Das ist Gott, mein Herr. Auf ihn vertraue ich, und zu ihm wende ich mich.
  11. 11Der Schöpfer der Himmel und der Erde. Er hat für euch aus euch selbst Paare gemacht und aus dem Vieh Paare. Er vermehrt euch dadurch. Nichts ist seinesgleichen. Er ist der Allhörende, der Allsehende.
  12. 12Ihm gehören die Schlüssel der Himmel und der Erde. Er weitert die Versorgung, wem er will, und engt sie ein. Wahrlich, er weiß über alles Bescheid.
  13. 13Er hat euch von der Religion das gleiche verordnet, was er Noah anempfahl, was wir dir offenbart haben und was wir Abraham, Moses und Jesus anempfahlen: dass ihr die Religion einhaltet und euch darin nicht spaltet. Schwer ist auf den Beigesellenden, wozu du sie rufst. Gott wählt für sich aus, wen er will, und leitet zu sich, wer umkehrt.
  14. 14Sie spalteten sich erst, nachdem das Wissen zu ihnen gekommen war – aus Neid untereinander. Wäre nicht ein Wort von deinem Herrn vorher zu einer benannten Frist ergangen, wäre zwischen ihnen entschieden worden. Wahrlich, die, denen das Buch nach ihnen vererbt wurde, sind im Zweifel daran.
  15. 15So rufe darin. Sei aufrecht, wie dir befohlen wurde, und folge nicht ihren Lüsten. Sprich: Ich glaube an das, was Gott vom Buch herabgesandt hat. Mir wurde befohlen, zwischen euch gerecht zu sein. Gott ist unser Herr und euer Herr. Uns gehören unsere Werke und euch gehören eure Werke. Kein Streit zwischen uns und euch. Gott wird uns alle versammeln, und zu ihm ist die Heimkehr.
  16. 16Die, die über Gott streiten, nachdem ihm geantwortet wurde – ihr Streit ist bei ihrem Herrn nichtig. Auf ihnen ist Zorn und für sie eine harte Strafe.
  17. 17Gott ist es, der das Buch mit Wahrheit und die Waage herabgesandt hat. Wie weißt du, vielleicht ist die Stunde nahe?
  18. 18Es haben es eilig die, die nicht daran glauben. Aber die, die daran glauben, fürchten sich vor ihr, und sie wissen, dass sie die Wahrheit ist. Wahrlich, die, die über die Stunde streiten, sind in fernem Irrtum.
  19. 19Gott ist gütig zu seinen Dienern. Er versorgt, wen er will. Er ist der Starke, der Mächtige.
  20. 20Wer die Ernte des Jenseits wünscht, dem mehren wir die Ernte. Wer die Ernte des diesseitigen Lebens wünscht, dem geben wir davon. Aber er hat im Jenseits keinen Anteil.
  21. 21Oder haben sie Beigesellte, die ihnen von der Religion das verordnet haben, was Gott nicht erlaubt hat? Wäre nicht das Wort der Entscheidung ergangen, wäre zwischen ihnen entschieden worden. Wahrlich, die Frevler haben eine schmerzhafte Strafe.
  22. 22Du siehst die Frevler in Furcht vor dem, was sie erworben haben. Es wird auf sie kommen. Die, die geglaubt haben und gute Werke getan haben, sind in den Wiesen der Gärten. Sie haben bei ihrem Herrn, was sie wollen. Das ist die große Gunst.
  23. 23Das ist es, was Gott seinen Dienern, die geglaubt haben und gute Werke getan haben, frohe Botschaft gibt. Sprich: Ich verlange von euch dafür keinen Lohn, außer der Zuneigung zu den Verwandten. Wer eine gute Tat erwirbt, dem mehren wir darin Gutes. Wahrlich, Gott ist allverzeihend, dankbar.
  24. 24Oder sagen sie: Er hat über Gott eine Lüge erfunden? Wenn Gott will, versiegelt er dein Herz. Aber Gott löscht das Falsche und verwirklicht das Wahre mit seinen Worten. Wahrlich, er weiß, was in den Brüsten ist.
  25. 25Er ist es, der die Umkehr seiner Diener annimmt und die schlechten Taten verzeiht und weiß, was ihr tut.
  26. 26Er erhört die, die geglaubt und gute Werke getan haben, und mehrt ihnen von seiner Gunst. Aber die Ungläubigen haben eine harte Strafe.
  27. 27Würde Gott die Versorgung für seine Diener weit machen, würden sie auf der Erde Übermut treiben. Aber er sendet sie in einem Maß herab, wie er will. Wahrlich, er ist über seine Diener kundig, sehend.
  28. 28Er ist es, der den Regen herabsendet, nachdem sie verzweifelt waren, und seine Barmherzigkeit ausbreitet. Er ist der Schutzherr, der Lobenswerte.
  29. 29Zu seinen Zeichen gehört die Erschaffung der Himmel und der Erde und der Lebewesen, die er in beiden verbreitet hat. Er hat die Macht, sie zu versammeln, wenn er will.
  30. 30Was euch an Unglück trifft, ist für das, was eure Hände erworben haben. Aber er vergibt vieles.
  31. 31Ihr könnt euch auf der Erde nicht entziehen. Außer Gott habt ihr keinen Schutzherrn und keinen Beistand.
  32. 32Zu seinen Zeichen gehören die Schiffe, die im Meer wie Berge laufen.
  33. 33Wenn er will, lässt er den Wind still werden, und sie bleiben regungslos auf seinem Rücken. Wahrlich, darin sind Zeichen für jeden geduldigen Dankbaren.
  34. 34Oder er lässt sie für das untergehen, was sie erworben haben. Aber er vergibt vieles.
  35. 35Damit die, die über unsere Zeichen streiten, wissen: Sie haben keinen Ausweg.
  36. 36Was euch immer an Sachen gegeben wurde, ist Genuss des diesseitigen Lebens. Aber was bei Gott ist, ist besser und bleibender – für die, die geglaubt haben und auf ihren Herrn vertrauen,
  37. 37die die großen Sünden und die Schändlichkeiten meiden, und wenn sie zornig sind, vergeben,
  38. 38und die ihrem Herrn antworten, das Gebet verrichten und ihre Angelegenheit Beratung unter ihnen ist und von dem, womit wir sie versorgt haben, ausgeben,
  39. 39und die, wenn ihnen Übermut zugefügt wird, sich helfen.
  40. 40Die Vergeltung eines Übels ist ein gleiches Übel. Wer aber vergibt und sich versöhnt – sein Lohn ist bei Gott. Wahrlich, er liebt die Ungerechten nicht.
  41. 41Wer sich selbst hilft, nachdem ihm Unrecht getan wurde – gegen die gibt es keinen Weg.
  42. 42Den Weg gibt es nur gegen die, die den Menschen Unrecht tun und sich auf der Erde übermütig ohne Recht erheben. Für sie ist schmerzhafte Strafe.
  43. 43Wer aber geduldig ist und vergibt – wahrlich, das gehört zur Festigkeit der Sachen.
  44. 44Wen Gott irreführt, für den gibt es keinen Schutzherrn nach ihm. Du wirst die Frevler sehen, wenn sie die Strafe erblicken, wie sie sagen: Gibt es einen Weg zur Rückkehr?
  45. 45Du wirst sie sehen, wie sie ihr vorgeführt werden, demütig vor Erniedrigung, mit verstohlenem Blick. Die Gläubigen sagen: Wahrlich, die Verlierer sind die, die sich selbst und ihre Angehörigen am Tag der Auferstehung verloren haben. Wahrlich, die Frevler sind in einer dauernden Strafe.
  46. 46Sie haben keinen Schutzherrn, der ihnen außer Gott beistehen würde. Für wen Gott in die Irre führt, dem gibt es keinen Weg.
  47. 47Antwortet eurem Herrn, ehe ein Tag kommt, gegen den es keine Abwehr von Gott gibt. An jenem Tag gibt es für euch keine Zuflucht und keine Verleugnung.
  48. 48Wenn sie sich abwenden – wir haben dich nicht als Wächter über sie geschickt. Auf dir ist nur die Übermittlung. Wenn wir den Menschen Barmherzigkeit von uns kosten lassen, freut er sich darüber. Wenn ihn aber Übel trifft für das, was seine Hände vorausgeschickt haben – wahrlich, der Mensch ist undankbar.
  49. 49Gott gehört die Herrschaft der Himmel und der Erde. Er erschafft, was er will. Er schenkt, wem er will, weibliche Wesen, und schenkt, wem er will, männliche.
  50. 50Oder er paart sie als männliche und weibliche. Wen er will, macht er unfruchtbar. Wahrlich, er ist allwissend, mächtig.
  51. 51Es war keinem Menschen gegeben, dass Gott mit ihm spräche, außer durch Offenbarung oder hinter einem Vorhang oder durch das Senden eines Gesandten, der dann mit seiner Erlaubnis offenbart, was er will. Wahrlich, er ist hoch, weise.
  52. 52So haben wir dir einen Geist von unserem Befehl offenbart. Du wusstest nicht, was das Buch ist und nicht der Glaube. Wir haben es zu einem Licht gemacht, mit dem wir leiten, wen wir wollen von unseren Dienern. Wahrlich, du leitest zu einem geraden Weg,
  53. 53dem Weg Gottes, dem gehört, was in den Himmeln und auf der Erde ist. Wahrlich, zu Gott werden die Sachen heimkehren.

Einordnung & Bedeutung

Die Konsultation als Grundprinzip (Vers 38)

Sure 42 verdankt ihren Namen Vers 38, der die Beratung (schūrā) als ein konstitutives Merkmal der Gläubigen-Gemeinschaft nennt: „Und die ihrem Herrn antworten, das Gebet verrichten und ihre Angelegenheit Beratung unter ihnen ist und von dem, womit wir sie versorgt haben, ausgeben."

Diese Stelle ist im modernen islamischen Staats- und Verfassungsdenken einer der wichtigsten Bezugspunkte. Drei Elemente werden als zentrale Eigenschaften der Gläubigen genannt:

  1. Antwort an Gott: die religiöse Grundbeziehung
  2. Gebet: die rituelle Praxis
  3. Beratung in den Angelegenheiten: das politisch-soziale Prinzip

Bemerkenswert ist die Position: schūrā steht auf gleicher Ebene wie Gebet und Almosengeben. Sie ist nicht eine politische Nebensache, sondern eine religiöse Pflicht.

Diese Stelle wird in der zeitgenössischen muslimischen Demokratie-Debatte oft zitiert. Manche Strömungen argumentieren: Wenn die Gläubigen ihre Angelegenheiten durch Beratung entscheiden sollen, ist eine Form von Konsensbildung – Demokratie, Parlament, Konsultations-Räte – nicht nur erlaubt, sondern geboten. Andere Strömungen warnen vor der Gleichsetzung von schūrā und westlicher Demokratie und betonen, dass das Beratungsprinzip im Islam an die Bindung an Gottes Offenbarung gebunden bleibt.

Aber die Grundsetzung ist klar: Religiöse Autorität allein, ohne Konsultation, ist nicht das koranische Modell. Wo Gemeinschaft entscheidet, muss sie miteinander beraten.

Die Einheit der Religion (Verse 13–14)

Vers 13 ist eine der grundlegenden Aussagen des Korans über die Einheit der prophetischen Religion: „Er hat euch von der Religion das gleiche verordnet, was er Noah anempfahl, was wir dir offenbart haben und was wir Abraham, Moses und Jesus anempfahlen: dass ihr die Religion einhaltet und euch darin nicht spaltet."

Fünf Namen werden in einem Atem genannt: Noah, Mohammed („dir"), Abraham, Moses, Jesus. Sie alle haben dieselbe Religion verkündet. Die Differenzen, die zwischen den Religionen bestehen, sind nach koranischer Sicht spätere Spaltungen – nicht ursprüngliche Unterschiede.

Vers 14 erklärt diese Spaltungen psychologisch: „Sie spalteten sich erst, nachdem das Wissen zu ihnen gekommen war – aus Neid untereinander." Die religiösen Differenzen sind nach dieser Sicht nicht durch unterschiedliche Wahrheiten verursacht, sondern durch menschliche Rivalitäten. Religionsführer wollten sich von anderen abgrenzen.

„Nichts ist seinesgleichen" (Vers 11)

Vers 11 enthält einen der theologisch dichtesten Sätze des Korans: „Nichts ist seinesgleichen." – arabisch laisa ka-mithlihi schaiʾ.

Diese Formel ist das koranische Grundwort über die Andersartigkeit Gottes. Gott ist nicht ein Wesen unter anderen, nur größer. Er ist ganz anders. Keine Analogie reicht. Was wir uns vorstellen können, ist er nicht.

Diese Stelle wurde in der islamischen Theologie zur Grundlage des tanzīh – der „Reinhaltung" Gottes von allen anthropomorphen Vorstellungen. Wenn der Koran von Gottes „Hand" oder „Antlitz" spricht, ist das im Licht von Vers 11 zu lesen: nicht als physische Merkmale, sondern als Bilder für etwas, dem nichts Bekanntes gleicht.

Der berühmte Trostvers (Vers 30)

Vers 30 ist einer der oft zitierten Verse: „Was euch an Unglück trifft, ist für das, was eure Hände erworben haben. Aber er vergibt vieles."

Diese Stelle stellt zwei Aussagen nebeneinander:

  • Unglück ist nicht zufällig. Es hat einen Bezug zu dem, was wir getan haben.
  • Aber Gott vergibt vieles. Würde er alles bestrafen, wäre niemand übrig.

Wichtig zur Auslegung: Vers 30 ist kein automatischer Zusammenhang zwischen Sünde und konkretem Unglück. Wer eine schwere Krankheit hat, ist nicht automatisch Sünder. Die Beziehung zwischen Tat und Konsequenz ist im koranischen Verständnis komplex – manche Konsequenzen kommen sofort, manche erst im Jenseits, manche werden vergeben.

Diese Stelle wird oft missbraucht, um Opfer für ihr Leid verantwortlich zu machen. Sorgfältige Auslegungen weisen dagegen darauf hin: Der Vers spricht über die menschliche Gesamtsituation, nicht über individuelle Schicksale. Und die zweite Hälfte – „Aber er vergibt vieles" – ist mindestens so wichtig wie die erste.

Versöhnung als Festigkeit (Verse 40–43)

Verse 40–43 enthalten eine bemerkenswerte ethische Reflexion über Vergeltung und Vergebung:

  • Vers 40: „Die Vergeltung eines Übels ist ein gleiches Übel. Wer aber vergibt und sich versöhnt – sein Lohn ist bei Gott."
  • Vers 43: „Wer aber geduldig ist und vergibt – wahrlich, das gehört zur Festigkeit der Sachen."

Diese Stelle ist nicht naiv-pazifistisch. Sie erlaubt ausdrücklich Vergeltung in gleichem Maß – das ist die Grundlage des islamischen Vergeltungsrechts (qiṣāṣ). Aber sie macht klar: Wer statt Vergeltung Vergebung wählt, hat eine höhere Tugend bewiesen.

Vers 43 nennt das die „Festigkeit der Sachen" – arabisch min ʿazm al-umūr. Diese Formel bedeutet etwa: „das ist eine der stärksten ethischen Entscheidungen". Vergebung ist nicht Schwäche, sondern Stärke. Wer vergeben kann, ist freier als wer vergelten muss.

Wie Gott zu Menschen spricht (Vers 51)

Vers 51 ist eine der theologisch wichtigsten Stellen über die Offenbarung: „Es war keinem Menschen gegeben, dass Gott mit ihm spräche, außer durch Offenbarung oder hinter einem Vorhang oder durch das Senden eines Gesandten."

Drei Modi der Gott-Mensch-Kommunikation werden unterschieden:

  1. Offenbarung (waḥy): direkte Eingebung ins Herz.
  2. Hinter einem Vorhang: wie Moses am Sinai, der die Stimme Gottes hörte, ohne ihn zu sehen.
  3. Durch einen Gesandten: wie ein Engel (klassisch: Gabriel), der das göttliche Wort vermittelt.

Diese Aufzählung definiert die Grenzen prophetischer Erfahrung. Niemand sieht Gott direkt. Mohammed empfing den Koran nach klassischer Lehre durch alle drei Modi – meist durch Gabriel, manchmal durch direkte Eingebung, einmal (nach der nächtlichen Himmelfahrt) hinter dem Vorhang.

Wie wird die Sure verstanden?

Sure 42 ist eine politisch und theologisch reiche Sure. Sie verbindet:

  • Theologische Grundsetzungen, besonders die Andersartigkeit Gottes (Vers 11)
  • Die Einheit der prophetischen Religion (Verse 13–14)
  • Den Trostvers über Unglück und Vergebung (Vers 30)
  • Das Konsultations-Prinzip (Vers 38)
  • Die Vergebungs-Ethik (Verse 40–43)
  • Die Modi der Offenbarung (Vers 51)

Vers 38 (über schūrā) ist in der modernen muslimischen politischen Theologie der zentrale Anker für Konsultations- und Demokratie-kompatible Lesarten des Islam. Wer Demokratie als „unislamisch" bezeichnet, muss erklären, wie er mit dieser Stelle umgeht.

Schlüsselbegriffe kurz erklärt

  • Beratung (schūrā) – das Konsultations-Prinzip – in Vers 38 als konstitutives Merkmal der Gläubigen genannt
  • „Nichts ist seinesgleichen" – Vers 11 – die koranische Grundformel über die Andersartigkeit Gottes
  • Tanzīh – die theologische Reinhaltung Gottes von anthropomorphen Vorstellungen – aus Vers 11 entwickelt
  • „Aber er vergibt vieles" – die zweite Hälfte des oft zitierten Vers 30 – relativiert die Strafe-Sünde-Beziehung
  • Festigkeit der Sachen (ʿazm al-umūr) – die höchste ethische Stärke – Vergebung statt Vergeltung
  • Drei Modi der Offenbarung – Vers 51 – Offenbarung, Vorhang, Gesandter