Sure 43

Der Schmuck

Az-Zuchruf

Verse: 89 Offenbart in: Mekka Zeit: mittel- bis spätmekkanisch

Worum geht's?

Eine Sure mit einem programmatischen Namen: zuchruf bedeutet „Gold-Schmuck, Verzierung, äußerer Glanz". Sie polemisiert gegen die Vorstellung, materieller Wohlstand sei ein Zeichen göttlicher Gunst. Mit der Moses-Pharao-Erzählung, einer interessanten Jesus-Stelle, und der bemerkenswerten Aussage über die Engel als „weibliche" Wesen – die der Koran zurückweist.

Der Text – Vers für Vers

In moderner Sprache paraphrasiert nach Max Henning (1901).

  1. 1Ḥā-Mīm.
  2. 2Beim deutlichen Buch!
  3. 3Wahrlich, wir haben es zu einem arabischen Koran gemacht, damit ihr versteht.
  4. 4Wahrlich, es ist in der Mutter des Buches bei uns hoch, weise.
  5. 5Sollen wir die Ermahnung von euch fortwenden, weil ihr ein maßloses Volk seid?
  6. 6Wie viele Propheten haben wir zu den Früheren geschickt!
  7. 7Es kam kein Prophet zu ihnen, ohne dass sie über ihn spotteten.
  8. 8Wir vernichteten die, die stärker an Wucht waren als sie. Das Beispiel der Früheren ist vergangen.
  9. 9Wenn du sie fragst: Wer hat die Himmel und die Erde erschaffen? Sie werden gewiss sagen: Erschaffen hat sie der Mächtige, der Allwissende.
  10. 10Der euch die Erde zum Lager gemacht hat und euch Wege auf ihr angelegt hat – vielleicht lasst ihr euch rechtleiten,
  11. 11und der vom Himmel Wasser in einem Maß herabsandte. Damit haben wir ein totes Land lebendig gemacht. So werdet ihr hervorgebracht.
  12. 12Der die Paare allesamt erschaffen hat und für euch von den Schiffen und dem Vieh gemacht hat, worauf ihr reitet,
  13. 13damit ihr euch auf seinen Rücken niederlasst, dann der Gunst eures Herrn gedenkt, wenn ihr euch darauf niedergelassen habt, und sagt: Preis sei dem, der uns dieses dienstbar gemacht hat! Wir hätten es nicht von uns aus tun können.
  14. 14Wahrlich, zu unserem Herrn werden wir zurückkehren.
  15. 15Doch sie haben ihm aus seinen Dienern einen Anteil zugewiesen. Wahrlich, der Mensch ist offenbar undankbar.
  16. 16Oder hat er sich aus dem, was er erschafft, Töchter genommen und euch die Söhne gegeben?
  17. 17Wenn einem von ihnen verkündet wird, was er als Beispiel für den Allerbarmer setzt – sein Gesicht wird düster, und er ist voll Kummer.
  18. 18Wird etwa der zugewiesen, der im Schmuck aufwächst und in der Auseinandersetzung nicht deutlich ist?
  19. 19Sie haben die Engel, die Diener des Allerbarmers sind, zu weiblichen Wesen gemacht. Haben sie ihre Schöpfung gesehen? Ihr Zeugnis wird aufgeschrieben, und sie werden befragt.
  20. 20Sie sagen: Wenn der Allerbarmer gewollt hätte, hätten wir ihnen nicht gedient. Sie haben darüber kein Wissen. Sie raten nur.
  21. 21Oder haben wir ihnen vorher ein Buch gegeben, woran sie sich festhalten?
  22. 22Nein! Sie sagen: Wir haben unsere Väter auf einer Gemeinschaft gefunden, und wir sind auf ihren Spuren rechtgeleitet.
  23. 23Genauso haben wir vor dir in keine Stadt einen Warner geschickt, ohne dass ihre in Wohlleben Lebenden sagten: Wir haben unsere Väter auf einer Gemeinschaft gefunden, und wir folgen ihren Spuren.
  24. 24Er sagte: Auch wenn ich euch eine bessere Rechtleitung bringe als die, auf der ihr eure Väter fandet? Sie sagten: Wir sind an dem, womit ihr gesandt seid, ungläubig.
  25. 25Da bestraften wir sie. Sieh, wie die Folge derer war, die für eine Lüge erklärten!
  26. 26Als Abraham zu seinem Vater und seinem Volk sagte: Ich sage mich los von dem, dem ihr dient,
  27. 27außer dem, der mich erschaffen hat. Er wird mich rechtleiten.
  28. 28Er machte es zu einem bleibenden Wort unter seinen Nachkommen. Vielleicht kehren sie um.
  29. 29Doch ich gewährte diesen und ihren Vätern Genuss, bis ihnen die Wahrheit und ein deutlicher Gesandter kam.
  30. 30Als die Wahrheit zu ihnen kam, sagten sie: Das ist Magie. Wir sind daran ungläubig.
  31. 31Sie sagen: Warum wurde dieser Koran nicht auf einen großen Mann aus den beiden Städten herabgesandt?
  32. 32Verteilen sie die Barmherzigkeit deines Herrn? Wir haben unter ihnen ihre Versorgung im diesseitigen Leben verteilt und manche über andere in Rangstufen erhöht, damit die einen die anderen zu Dienst nehmen. Die Barmherzigkeit deines Herrn ist besser als das, was sie sammeln.
  33. 33Wäre nicht zu fürchten gewesen, dass die Menschen eine einzige Gemeinschaft werden, hätten wir denen, die an den Allerbarmer ungläubig sind, Häuser mit Dächern aus Silber gemacht und Stiegen, auf denen sie hinaufsteigen,
  34. 34und Türen an ihre Häuser und Liegen, auf denen sie sich zurücklehnen,
  35. 35und Zierschmuck. Das alles ist nur der Genuss des diesseitigen Lebens. Aber das Jenseits bei deinem Herrn gehört den Gottesfürchtigen.
  36. 36Wer sich vom Gedenken des Allerbarmers abwendet, dem bestimmen wir einen Satan – er ist ihm ein Gefährte.
  37. 37Wahrlich, sie halten sie vom Weg ab, doch jene meinen, sie wären rechtgeleitet.
  38. 38Wenn er zu uns kommt, sagt er: Wäre nur zwischen mir und dir die Entfernung der zwei Osten! Schlimmer Gefährte!
  39. 39Es nützt euch heute nichts, da ihr Unrecht getan habt, dass ihr in der Strafe Gefährten seid.
  40. 40Kannst du etwa den Tauben hören lassen, oder den Blinden leiten und den, der in offenkundiger Irrung ist?
  41. 41Wir werden dich entweder fortnehmen, dann sind wir an ihnen Vergelter,
  42. 42oder dir zeigen, was wir ihnen versprochen haben. Wahrlich, wir haben über sie Macht.
  43. 43So halte fest an dem, was dir offenbart wurde. Wahrlich, du bist auf einem geraden Weg.
  44. 44Wahrlich, es ist eine Ermahnung für dich und dein Volk. Ihr werdet befragt.
  45. 45Frage die, die wir vor dir an Gesandten geschickt haben: Haben wir neben dem Allerbarmer Götter zum Dienst gemacht?
  46. 46Wir haben Moses mit unseren Zeichen zu Pharao und seinen Vornehmen geschickt. Er sagte: Wahrlich, ich bin der Gesandte des Herrn der Welten.
  47. 47Als er ihnen mit unseren Zeichen kam, lachten sie darüber.
  48. 48Wir zeigten ihnen keine Zeichen, ohne dass es größer war als sein Geschwister. Wir packten sie mit der Strafe, vielleicht kehrten sie um.
  49. 49Sie sagten: Magier! Rufe für uns deinen Herrn an, gemäß seines Versprechens an dich. Wahrlich, wir lassen uns leiten.
  50. 50Als wir die Strafe von ihnen wegnahmen, brachen sie das Versprechen.
  51. 51Pharao rief unter seinem Volk aus: Mein Volk! Gehört nicht mir die Herrschaft Ägyptens und diese Flüsse, die unter mir fließen? Seht ihr nicht?
  52. 52Bin ich nicht besser als dieser Geringe, der kaum deutlich spricht?
  53. 53Wären ihm doch Armbänder aus Gold gegeben worden, oder wären die Engel mit ihm zusammen gekommen!
  54. 54Er machte sein Volk leicht, und sie gehorchten ihm. Wahrlich, sie waren ein frevelhaftes Volk.
  55. 55Als sie uns erzürnten, rächten wir uns an ihnen, da ertränkten wir sie alle.
  56. 56Wir machten sie zu Vorgängern und zum Beispiel für die Späteren.
  57. 57Als der Sohn Marias als Beispiel angeführt wurde, da lachten dein Volk darüber.
  58. 58Sie sagten: Sind unsere Götter besser als er? Sie führten ihn für dich nur zum Streit an. Vielmehr sind sie ein streitsüchtiges Volk.
  59. 59Er ist nur ein Diener, dem wir Gunst erwiesen haben und den wir zu einem Beispiel für die Kinder Israels gemacht haben.
  60. 60Wenn wir wollten, hätten wir aus euch Engel auf der Erde gemacht, als Nachfolger.
  61. 61Wahrlich, er ist eine Erkenntnis der Stunde. So zweifelt nicht daran und folgt mir. Das ist ein gerader Weg.
  62. 62Lasst den Satan euch nicht abwenden. Wahrlich, er ist euch ein deutlicher Feind.
  63. 63Als Jesus mit den deutlichen Zeichen kam, sagte er: Wahrlich, ich bin zu euch mit der Weisheit gekommen, um euch einiges von dem klar zu machen, worüber ihr uneinig seid. So fürchtet Gott und gehorcht mir.
  64. 64Wahrlich, Gott ist mein Herr und euer Herr. So dient ihm. Das ist ein gerader Weg.
  65. 65Aber die Gruppen stritten untereinander. Wehe den Frevlern vor der Strafe eines schmerzhaften Tages!
  66. 66Erwarten sie nur, dass die Stunde plötzlich zu ihnen kommt, ohne dass sie es wahrnehmen?
  67. 67Die Freunde sind an jenem Tag einander Feind, außer den Gottesfürchtigen.
  68. 68Meine Diener! Heute kommt keine Furcht über euch, und ihr werdet nicht traurig sein,
  69. 69die ihr an unsere Zeichen geglaubt habt und Sich-Unterwerfende wart.
  70. 70Tretet in das Paradies ein, ihr und eure Frauen, erfreut!
  71. 71Es werden für sie Schüsseln aus Gold umhergereicht und Becher. Darin ist, was die Seelen begehren und woran die Augen Freude haben. Darin seid ihr ewig.
  72. 72Das ist das Paradies, das euch zum Erbe gemacht wurde für das, was ihr getan habt.
  73. 73Darin habt ihr viele Früchte, von denen ihr esst.
  74. 74Wahrlich, die Frevler sind in der Strafe der Hölle ewig.
  75. 75Sie wird ihnen nicht erleichtert, und sie sind darin verzweifelt.
  76. 76Wir haben sie nicht zu Unrecht gestraft, sondern sie selbst waren Frevler.
  77. 77Sie rufen: Mālik! Lass deinen Herrn uns das Ende bringen. Er sagt: Wahrlich, ihr werdet darin bleiben.
  78. 78Wahrlich, wir haben euch die Wahrheit gebracht. Aber die meisten von euch hassten die Wahrheit.
  79. 79Oder haben sie eine Sache verabredet? Wir aber sind die Verabreder.
  80. 80Oder meinen sie, dass wir nicht hören, was sie verbergen und was sie heimlich miteinander besprechen? Doch! Unsere Gesandten sind bei ihnen und schreiben auf.
  81. 81Sprich: Wenn der Allerbarmer ein Kind hätte, ich wäre der Erste der Dienenden.
  82. 82Preis sei dem Herrn der Himmel und der Erde, dem Herrn des Thrones, über das, was sie beilegen.
  83. 83Lasst sie schwatzen und spielen, bis sie ihrem Tag begegnen, der ihnen versprochen wurde.
  84. 84Er ist es, der im Himmel Gott ist und der auf der Erde Gott ist. Er ist der Weise, der Allwissende.
  85. 85Gesegnet sei der, dem die Herrschaft der Himmel und der Erde gehört und was zwischen beiden ist. Bei ihm ist das Wissen der Stunde. Zu ihm werdet ihr zurückgebracht.
  86. 86Die, die sie neben ihm anrufen, haben keine Macht zur Fürsprache, außer denen, die mit Wissen die Wahrheit bezeugen, und sie wissen.
  87. 87Wenn du sie fragst: Wer hat sie erschaffen? Sie werden gewiss sagen: Gott. Wie können sie sich abwenden?
  88. 88Und sein Wort: Mein Herr! Wahrlich, das sind Leute, die nicht glauben.
  89. 89So wende dich von ihnen ab und sage: Friede! Sie werden erkennen.

Einordnung & Bedeutung

Die Polemik gegen materielle Götter

Der Name der Sure – „Schmuck, Verzierung" – ist programmatisch. Die ganze Sure dreht sich um die Frage: Was zählt wirklich? Materieller Glanz, gesellschaftliche Stellung, äußere Pracht – oder etwas anderes?

Die mekkanische Elite hatte ein klares Argument gegen Mohammed (Vers 31): „Warum wurde dieser Koran nicht auf einen großen Mann aus den beiden Städten herabgesandt?" Die „beiden Städte" sind Mekka und at-Tāʾif. Wäre die Offenbarung echt, müsste sie an einen Reichen, einen Mächtigen, einen Stammeshäuptling gehen – nicht an Mohammed, der zwar aus gutem Stamm, aber persönlich nicht zur Elite gehörte.

Die Antwort (Vers 32) ist klassisch: „Verteilen sie die Barmherzigkeit deines Herrn?" Gott bestimmt, wem er was gibt. Wer das einer menschlichen Hierarchie unterordnet, hat noch nicht verstanden, wer Gott ist.

Wenn Gott den Ungläubigen Reichtum geben wollte... (Vers 33–35)

Verse 33–35 sind eine bemerkenswerte rhetorische Wendung. Gott sagt: Wenn ich befürchten müsste, dass die Menschen alle ungläubig werden, würde ich den Ungläubigen Häuser mit Dächern aus Silber, Stiegen aus Gold, kostbare Liegen geben.

Die Pointe: Wohlstand ist kein Zeichen göttlicher Gunst. Im Gegenteil – Gott könnte den Ungläubigen alles Materielle geben, was sie wollen. Er tut es nicht, weil sonst alle ihm folgen würden – aus Gier, nicht aus Glauben. Genauso könnte er die Gläubigen reich machen – aber das wäre eine Versuchung.

Das alles ist Genuss des diesseitigen Lebens. „Aber das Jenseits bei deinem Herrn gehört den Gottesfürchtigen."

Der „Satan-Gefährte" (Verse 36–39)

Verse 36–39 enthalten ein psychologisch interessantes Bild. Wer sich von Gott abwendet, bekommt einen Satan als Gefährten. Dieser Satan hält ihn ab vom rechten Weg – und der Mensch meint, er sei rechtgeleitet.

Am Jüngsten Tag erkennt der Mensch erst seinen Gefährten und sagt: „Wäre nur zwischen mir und dir die Entfernung der zwei Osten!" – also: möglichst weit weg von dir!

Diese Stelle ist psychologisch tiefsinnig. Was uns als unsere eigene Stimme erscheint – unsere Vorlieben, unsere Rationalisierungen, unsere Selbstverständlichkeiten – kann eine Stimme sein, die uns von woanders eingegeben wurde. Wir merken es nicht; wir halten es für uns selbst. Erst rückblickend erkennen wir die Fremdheit.

Pharaos Großmannssucht (Verse 51–53)

Verse 51–53 sind eine erstaunliche Selbstdarstellung Pharaos: „Mein Volk! Gehört nicht mir die Herrschaft Ägyptens und diese Flüsse, die unter mir fließen? Seht ihr nicht? Bin ich nicht besser als dieser Geringe, der kaum deutlich spricht?"

Pharao zählt seine Trümpfe: territoriale Herrschaft, Reichtum, Sprachgewandtheit. Moses dagegen: politisch unbedeutend, ein Außenseiter mit Sprachfehler. Pharaos Logik: Wer „besser" ist, hat recht.

Diese Stelle ist die Karikatur einer materialistischen Theologie. Wer sich aufgrund seines Status für gottgefällig hält, hat Gottes Wirken nicht verstanden. Gott wirkt oft durch die Geringen, nicht durch die Mächtigen.

Die Jesus-Stelle (Verse 57–65)

Verse 57–65 sind eine bemerkenswerte Jesus-Polemik. Klassische Auslegungen erklären den Anlass: Mekkanische Gegner hatten gegen Mohammed argumentiert – Jesus wird im Christentum als Sohn Gottes verehrt; warum sollten ihre Götter weniger sein?

Die Sure antwortet:

  • Jesus ist „nur ein Diener" (Vers 59) – nicht Gott, nicht Sohn Gottes.
  • Jesus selbst hat (Vers 64) ausdrücklich gesagt: „Wahrlich, Gott ist mein Herr und euer Herr. So dient ihm."
  • Jesus ist „eine Erkenntnis der Stunde" (Vers 61) – klassisch verstanden: ein Zeichen für den Jüngsten Tag, weil seine Wiederkehr nach islamischer Eschatologie ein Endzeit-Zeichen ist.

Diese Stelle ist ein klassischer christlich-islamischer Streitpunkt. Der Koran würdigt Jesus, weist aber die Inkarnations- und Trinitätstheologie zurück.

„Engel als weibliche Wesen" (Verse 16–19)

Verse 16–19 enthalten eine besondere Polemik. Die vorislamischen Araber stellten sich die Engel als weibliche Wesen vor – als „Töchter Gottes" (z.B. al-Lāt, al-ʿUzzā, Manāt aus Sure 53).

Die Sure entlarvt diese Vorstellung mit einer rhetorischen Frage: Ihr selbst, sagt der Koran, hasst es, eine Tochter geboren zu bekommen. „Wenn einem von ihnen verkündet wird, was er als Beispiel für den Allerbarmer setzt – sein Gesicht wird düster, und er ist voll Kummer." (Vers 17)

Was meint das? Die vorislamische arabische Gesellschaft sah die Geburt einer Tochter oft als Unglück – Söhne waren bevorzugt, Töchter wurden manchmal sogar getötet (siehe Sure 81,8-9). Die Sure macht eine harte Pointe: Wie könnt ihr Gott Töchter zuschreiben, wenn ihr selbst Töchter für minderwertig haltet?

Dies ist im Effekt eine doppelte Botschaft: (1) Gott hat keine Kinder, weder Töchter noch Söhne. (2) Die Verachtung weiblicher Geburt ist eine Selbstwiderlegung der eigenen Mythologie.

Die Höllen-Bitte an Mālik (Vers 77)

Vers 77 nennt einen Engel namens Mālik – „der Herrschende", der Hauptwächter der Hölle. Die Verlorenen bitten ihn: „Mālik! Lass deinen Herrn uns das Ende bringen." Sie wollen vernichtet werden, um der Strafe zu entgehen.

Mālik antwortet (Vers 77 Schluss): „Wahrlich, ihr werdet darin bleiben." Keine Vernichtung, kein Ende.

Diese Stelle ist eine der wenigen, in denen ein konkreter Engelname im Koran genannt wird (sonst nur Gabriel und Michael). Sie macht eine erschütternde Aussage: Selbst Vernichtung wäre Gnade. Die Hölle ist nicht Tod, sondern bewusstes Leiden.

Wie wird die Sure verstanden?

Sure 43 ist eine theologisch reiche Sure. Sie verbindet:

  • Polemik gegen materielle Theologie (Verse 31–35)
  • Psychologische Reflexion über den „Satan-Gefährten" (Verse 36–39)
  • Pharaos Großmannssucht als Modell (Verse 51–56)
  • Christologische Klärung (Verse 57–65)
  • Eschatologische Bilder (Verse 66–80)

Der theologische Hauptpunkt: Wer Wahrheit mit Status verwechselt, irrt grundlegend. Das ist auch heute relevant – wer behauptet, dass der Erfolg einer Bewegung ihre Wahrheit beweise, oder dass der Reichtum eines Predigers seine göttliche Beauftragung zeige, hat den Punkt nicht verstanden.

Schlüsselbegriffe kurz erklärt

  • Schmuck (zuchruf) – Goldverzierung, äußerer Glanz – gibt der Sure ihren Namen
  • „Die zwei Städte" – in Vers 31 – Mekka und at-Tāʾif als Sitz der Vornehmen
  • Satan-Gefährte (qarīn) – die innere Stimme des Abwegigen – wird erst am Jüngsten Tag als fremd erkannt
  • „Erkenntnis der Stunde" (ʿilm li-s-sāʿa) – Vers 61 – Jesus als Endzeitzeichen; Grundlage der islamischen Lehre von Jesu Wiederkehr
  • Mālik – einer der wenigen namentlich genannten Engel im Koran – Hauptwächter der Hölle
  • Engel als weibliche Wesen – Verse 16–19: koranische Polemik gegen die altarabische Vorstellung; zugleich Kritik an Töchter-Verachtung