Alle 114 Suren des Korans
Sure 45: Das Knien (Al-Dschāthiya)
Sure 45 von 114, 37 Verse
Sure 45 heißt in der Lesefassung "Das Knien", arabisch Al-Dschathiya, und hat in der Kairoer Zählung 37 Verse. Sie gilt als mekkanisch und stellt die Zeichen der Schöpfung den Leugnern der Auferstehung gegenüber. Ihren Namen hat sie von Vers 28, nach dem am Gerichtstag jedes Volk kniend vor seinem Buch steht.
1 H. M.
2 Die Hinabsendung des Buches von Allah, dem Mächtigen, dem Weisen! (Flügel 1)
3 Siehe in den Himmeln und der Erde sind wahrlich Zeichen für die Gläubigen. (Flügel 2)
4 Und in eurer Schöpfung und in den Tieren, die er verstreut hat, sind Zeichen für Leute, die festen Glauben haben. (Flügel 3)
5 Und in dem Wechsel von Nacht und Tag und in der Versorgung, die Allah vom Himmel hinabsendet, durch die er die Erde nach ihrem Tod erweckt, und in dem Wechsel der Winde sind Zeichen für ein verständiges Volk. (Flügel 4)
6 Dies sind die Zeichen Allahs, die wir dir in Wahrheit verlesen. Und an welche Offenbarung wollen sie, wenn nicht an Allah und seine Zeichen, glauben? (Flügel 5)
7 Wehe jedem sündigen Lügner, (Flügel 6)
8 Der Allahs Zeichen hört, wie sie ihm verlesen werden, und dann in Hochmut verharrt, als ob er sie nicht hörte, darum verkündige ihm schmerzliche Strafe, (Flügel 7)
9 Und wenn er etwas von unseren Zeichen kennenlernt, mit ihnen Spott treibt. Ihnen wird schimpfliche Strafe. (Flügel 8)
10 Hinter ihnen ist Dschehannam, und was sie geschafft haben, soll ihnen nichts nützen, und auch nicht, was sie außer Allah als Schützer annahmen; und ihnen wird gewaltige Strafe. (Flügel 9)
11 Dies ist eine Rechtleitung, und diejenigen, welche die Zeichen ihres Herrn verleugnen, ihnen wird einer Züchtigung schmerzliche Strafe. (Flügel 10)
12 Allah ist es, der euch das Meer dienstbar gemacht, damit die Schiffe auf ihm eilen nach seinem Geheiß, und dass ihr trachtet nach seiner Huld und vielleicht dankbar seid. (Flügel 11)
13 Und er machte euch dienstbar alles was in den Himmeln und auf Erden; alles ist von ihm. Siehe hierin sind wahrlich Zeichen für nachdenkliche Leute. (Flügel 12)
14 Sprich zu den Gläubigen, dass sie denen verzeihen, die nicht hoffen auf Allahs Tage, damit er ein Volk belohnt nach seinem Verdienst. (Flügel 13)
15 Wer das Rechte tut, der tut es für sich und wer Böses tut, der tut es gegen sich; dann kehrt ihr zu eurem Herrn zurück. (Flügel 14)
16 Und wahrlich wir gaben den Kindern Israel die Schrift und die Weisheit und das Prophetentum und versorgten sie mit Gutem und bevorzugten sie vor aller Welt. (Flügel 15)
17 Und wir gaben ihnen deutliche Erweise für die Sache (der Religion;) und nicht eher wurden sie uneins, als bis das Wissen zu ihnen gekommen war, aus Neid aufeinander. Siehe dein Herr wird entscheiden unter ihnen am Tag der Auferstehung über das, worüber sie uneins sind. (Flügel 16)
18 Dann setzten wir dich über ein Gesetz betreffs der Sache (der Religion). Darum folge ihm und folge nicht den Gelüsten der Unwissenden. (Flügel 17)
19 Siehe sie werden dir nie etwas gegen Allah nützen; und siehe die Ungerechten sind einer des anderen Schützer, Allah aber ist der Schützer der Gottesfürchtigen. (Flügel 18)
20 Dies sind klare Lehren für die Menschen und eine Rechtleitung und Barmherzigkeit für Leute, die festen Glauben haben. (Flügel 19)
21 Oder glauben diejenigen, die Böses ausüben, dass wir sie gleich denjenigen halten, welche glauben und das Rechte tun, so dass ihr Leben und ihr Tod gleich ist? Übel ist ihr Urteil. (Flügel 20)
22 Und erschaffen hat Allah die Himmel und die Erde in Wahrheit und um jede Seele zu belohnen nach Verdienst, und es soll ihnen nicht Unrecht geschehen. (Flügel 21)
23 Was meinst du wohl? Wer zum Gott sein Gelüst annimmt und wen Allah wissentlich irreführt und ihm Ohr und Herz versiegelte und auf seinen Blick eine Hülle legte, wer wird ihn leiten außer Allah? Lassen sie sich denn nicht ermahnen? (Flügel 22)
24 Und sie sprechen: "Es gibt nur unser irdisches Leben. Wir sterben und wir leben, und nur die Zeit vernichtet uns." Sie haben aber davon kein Wissen, sie vermuten nur. (Flügel 23)
25 Und wenn ihnen unsere deutlichen Zeichen verlesen werden, so ist ihr Einwand nur der, dass sie sprechen: "Bringt unsere Väter her, wenn ihr wahrhaftig seid." (Flügel 24)
26 Sprich: "Allah macht euch lebendig, dann tötet er euch, dann versammelt er euch zum Tag der Auferstehung. Kein Zweifel ist daran, jedoch wissen es die meisten Menschen nicht. (Flügel 25)
27 Und Allahs ist das Reich der Himmel und der Erde, und an dem Tag, da sich die "Stunde" erhebt, an jenem Tag werden die, welche ihn für eitel hielten, verloren sein. (Flügel 26)
28 Und du wirst jedes Volk knien sehen; gerufen wird jedes Volk zu seinem Buch (und gesprochen wird:) "Heute werdet ihr belohnt für euer Tun. (Flügel 27)
29 Dieses unser Buch spricht gegen euch in Wahrheit; siehe wir schrieben auf, was ihr tatet." (Flügel 28)
30 Was aber diejenigen anlangt, welche glaubten und das Rechte taten, die wird ihr Herr einführen in seine Barmherzigkeit; das ist die offenkundige Glückseligkeit. (Flügel 29)
31 Und was die Ungläubigen anlangt, "Wurden euch denn nicht meine Zeichen verlesen? Ihr aber wart hochmütig und wart ein sündiges Volk." (Flügel 30)
32 Und wenn gesprochen wurde: "Siehe Allahs Verheißung ist wahr und an der 'Stunde' ist kein Zweifel," dann spracht ihr: "Wir wissen nicht was die 'Stunde' ist, wir wähnen nur, dass sie ein Wahn ist, und sind nicht in Gewissheit." (Flügel 31)
33 Und es soll sich ihnen das Böse zeigen, das sie getan, und umgeben soll sie, was sie verspotteten. (Flügel 32)
34 Und es wird gesprochen: "Heute vergessen wir euch, wie ihr die Begegnung mit diesem eurem Tag verpasst, und eure Wohnung soll sein das Feuer, und ihr sollt keinen Helfer haben. (Flügel 33)
35 Solches, weil ihr Allahs Zeichen zum Gespött hieltet und euch das irdische Leben betrog." So sollen sie an jenem Tag nicht aus ihm herauskommen und sollen nicht wieder zu Gnaden angenommen werden. (Flügel 34)
36 Und das Lob sei Allah, dem Herrn der Himmel und dem Herrn der Erde, dem Herrn der Welten! (Flügel 35)
37 Und sein ist die Majestät in den Himmeln und auf Erden, und er ist der Mächtige, der Weise. (Flügel 36)
Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.
Sure 45 heißt in der Lesefassung nach Max Henning "Das Knien", arabisch Al-Dschathiya [1]. Der Name stammt aus Vers 28: "Und du wirst jedes Volk knien sehen; gerufen wird jedes Volk zu seinem Buch" [1, 2]. Weitere Namen sind Ha Mim al-Dschathiya, asch-Scharia ("das Gesetz") und ad-Dahr ("die Zeit"), nach Wörtern aus der Sure [2]. In der Kairoer Zählung hat sie 37 Verse und ist nach der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) mekkanisch [3]; andere Zählweisen kommen auf 36 [2], und auch Hennings Übersetzung nach der Zählung von Flügel hat 36 Verse [1]. Theodor Nöldeke ordnet sie der dritten mekkanischen Periode zu, vom siebten Jahr der Sendung bis zur Auswanderung nach Medina [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).
Inhalt im Überblick
- Verse 1 bis 13: Zeichen in den Himmeln und auf der Erde, in der Erschaffung des Menschen und der Tiere, im Wechsel von Nacht und Tag, im Regen und im Wind. Wehe dem, der Allahs Zeichen hört und sich hochmütig abwendet. Meer und Schiffe sind dem Menschen dienstbar gemacht.
- Verse 14 und 15: Die Gläubigen sollen denen verzeihen, die nicht auf "Allahs Tage" hoffen; jeder tut Gutes und Böses für sich selbst.
- Verse 16 bis 20: Die Kinder Israel erhielten Schrift, Weisheit und Prophetentum und wurden uneins. Der Prophet wird auf "ein Gesetz" gesetzt und soll nicht den Gelüsten der Unwissenden folgen (45,18).
- Verse 21 bis 26: Die Leugner sagen, es gebe nur das irdische Leben, "und nur die Zeit vernichtet uns" (45,24).
- Verse 27 bis 37: Der Gerichtstag, an dem jedes Volk kniet und das Buch der Taten gegen es spricht; Lohn und Strafe, Lob Allahs als Herr der Himmel und der Erde.
Das Gericht nach dem Koran beschreibt Tod, Gericht und Jenseits, Rechtsbegriffe wie Scharia Recht und Gerechtigkeit im Koran.
Wie die Sure verstanden wird
Klassische Auslegung
Ibn Kathir sieht in Vers 24 die Lehre der Dahriyya und der arabischen Götzendiener, die ihr folgten: Beide leugneten die Auferstehung und kannten nur das irdische Leben. Er verbindet den Vers mit einem Hadith, nach dem der Prophet sagte, man solle die Zeit nicht verfluchen, denn Allah sei die Zeit. Asch-Schafi'i, Abu Ubaida und andere erklärten das so: In vorislamischer Zeit gaben die Araber der Zeit die Schuld an ihrem Unglück; da Allah alles geschehen lässt, traf ein Fluch gegen die Zeit in Wahrheit ihn. Ibn Hazm und die Zahiriten, die daraus "ad-Dahr" als Gottesnamen ableiteten, kritisiert Ibn Kathir [5].
Muslimische Kommentare des 20. Jahrhunderts
Der Kommentar Ibn Aschurs ordnet die Sure in eine Zeit harter Auseinandersetzung ein. Sie bekräftige die Einheit Gottes und die Auferstehung mit Belegen aus der Schöpfung, kritisiere jene, die ihren Wünschen statt der Rechtleitung folgen, und rufe die Gläubigen auf, zu vergeben und auszuharren [2].
Islamwissenschaft
Nöldeke und Schwally berichten, nach al-Wahidi sei Vers 14 auf dem Zug gegen die Banu Mustaliq oder bei einer anderen Gelegenheit in Medina entstanden. Umar spiele in diesen Berichten eine Rolle, erscheine aber auch in Überlieferungen, die am mekkanischen Ursprung des Verses festhalten [6].
- Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
- Surah Info: Al-Jathiyah. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
- Koran. Gabriel Oussani, The Catholic Encyclopedia, Bd. 8, New Advent. Stand 1910. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir of Al-Jathiyah Ayah 24. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Geschichte des Qorans, Erster Teil: Über den Ursprung des Qorans, S. 145. Theodor Nöldeke, bearbeitet von Friedrich Schwally, Dieterich, Leipzig. Stand 1909. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.