Alle 114 Suren des Korans
Sure 46: El-Ahkaf (Al-Aḥqāf)
Sure 46 von 114, 35 Verse
Sure 46 heißt in der Lesefassung "El-Ahkaf", arabisch Al-Ahqaf ("die Sanddünen"), und hat in der Kairoer Zählung 35 Verse. Sie gilt als mekkanisch und ist nach dem Ort benannt, an dem der Prophet Hud sein Volk Ad warnte. Bekannt sind Vers 15 über die Güte gegen die Eltern und die Verse 29 bis 32 über eine Schar Dschinn, die den Koran hört.
1 H. M.
2 Die Hinabsendung des Buches von Allah dem Mächtigen, dem Weisen! (Flügel 1)
3 Wir erschufen die Himmel und die Erde und was zwischen beiden allein in Wahrheit und zu einem bestimmten Termin; aber die Ungläubigen wenden sich von der Warnung, die ihnen wird, ab. (Flügel 2)
4 Sprich: "Was meint ihr? Was ihr außer Allah anruft, zeigt mir, was sie von der Erde erschufen, oder ob sie einen Anteil an den Himmeln haben? Bringt mir ein Buch vor diesem oder eine Spur von Wissen, wenn ihr wahrhaft seid." (Flügel 3)
5 Und wer ist in größerem Irrtum als wer außer Allah jemand anruft, der ihn nicht erhört am Tag der Auferstehung; denn sie achten nicht auf ihren Ruf. (Flügel 4)
6 Und die, wenn die Menschen versammelt werden, ihre Feinde sind und ihre Anbetung verleugnen? (Flügel 5)
7 Und wenn ihnen unsere deutlichen Zeichen verlesen werden, sprechen die Ungläubigen von der Wahrheit, wenn sie zu ihnen kommt: "Dies ist offenkundige Zauberei." (Flügel 6)
8 Oder sprechen sie: "Er hat ihn ersonnen?" Sprich: "Wenn ich ihn ersonnen habe, so vermögt ihr bei Allah nichts für mich. Er weiß jedoch sehr wohl, was ihr über ihn äußert. Er genügt als Zeuge zwischen mir und euch, und er ist der Verzeihende, Barmherzige." (Flügel 7)
9 Sprich: "Ich bin kein Neuerer unter den Gesandten, und ich weiß nicht, was mit mir und euch geschehen wird. Ich folge nur dem, was mir offenbart wurde, und ich bin nur ein offenkundiger Warner." (Flügel 8)
10 Sprich: "Was meint ihr? Wenn er von Allah ist und ihr nicht an ihn glaubt, und ein Zeuge von den Kindern Israel seine Gleichheit (mit dem Gesetz) bezeugt und glaubt, während ihr hochmütig seid ...? Siehe, Allah leitet nicht das ungerechte Volk." (Flügel 9)
11 Und es sprechen die Ungläubigen zu den Gläubigen: "Wenn er gut wäre, so wären sie uns darin nicht zuvorgekommen." Und wenn sie sich durch ihn nicht leiten lassen, so werden sie sprechen: "Dies ist eine alte Lüge." (Flügel 10)
12 Aber vor ihm war das Buch Moses', eine Richtschnur und eine Barmherzigkeit. Und dies ist ein Buch, das es in arabischer Sprache bestätigt, um die Ungerechten zu warnen, und eine frohe Botschaft für die Rechtschaffenen. (Flügel 11)
13 Siehe, diejenigen welche sprechen: "Unser Herr ist Allah" und dann sich wohl verhalten, auf die kommt keine Furcht und nicht sollen sie traurig sein. (Flügel 12)
14 Sie sind des Paradieses Bewohner für immer als Lohn für ihr Tun. (Flügel 13)
15 Und wir geboten dem Menschen Güte gegen seine Eltern; seine Mutter trug ihn mit Schmerzen und gebar ihn mit Schmerzen, und sein Tragen und Entwöhnen sind dreißig Monde, bis er, wenn er seine Vollkraft erlangt und vierzig Jahre erreicht hat, spricht: "Mein Herr, eifere mich an, dass ich deiner Gnade danke, mit der du mich und meine Eltern begnadet hast, und dass ich rechtschaffen handle dir zu gefallen; und beglücke mich in meinen Nachkommen; siehe ich kehre mich zu dir und siehe ich bin einer der Muslime." (Flügel 14)
16 Jene sind es, von denen wir das Beste von dem, was sie taten, annehmen, und deren Missetaten wir übersehen; unter den Bewohnern des Paradieses sind sie, eine wahre Verheißung, die ihnen verheißen wurde. (Flügel 15)
17 Und derjenige, der zu seinen Eltern spricht: "Pfui über euch! Versprecht ihr mir, dass ich erstehen soll, wo Geschlechter vor mir hingegangen sind?" Und sie dann Allah um Hilfe rufen: "Wehe dir, glaube! Siehe Allahs Verheißung ist wahr," und er dann spricht: "Dies sind nichts als die Fabeln der Früheren:" (Flügel 16)
18 Sie sind es, an denen sich das Wort, das gegen Völker von den Dschinn und Menschen, die vor ihnen hingingen, gesprochen wurde, erfüllt, dass sie verloren sind. (Flügel 17)
19 Und für alle sind Stufen nach ihrem Tun, dass Allah sie für ihre Taten belohnt, und es soll ihnen nicht Unrecht geschehen. (Flügel 18)
20 Und eines Tages sollen die Ungläubigen dem Feuer ausgesetzt werden: "Ihr trugt euer Gutes in eurem irdischen Leben davon und genosst es. Heute werdet ihr darum belohnt mit der Strafe der Schmach für euren Hochmut auf Erden ohne Grund, und dafür dass ihr Frevler wart." (Flügel 19)
21 Und gedenke des Bruders Ads, als er sein Volk zu El-Ahkaf warnte, und vor ihm und nach ihm waren Warner. (Er sprach:) "Dient allein Allah! Siehe ich fürchte für euch die Strafe eines gewaltigen Tages." (Flügel 20)
22 Sie sprachen: "Bist du zu uns gekommen, um uns von unseren Göttern abzubringen? So bring über uns, was du uns androhst, wenn du einer der Wahrhaften bist." (Flügel 21)
23 Er sprach: "Das Wissen ist allein bei Allah; und ich bestelle euch meine Sendung, jedoch sehe ich, dass ihr ein törichtes Volk seid." (Flügel 22)
24 Und da sie eine Wolke zu ihren Tälern heraufkommen sahen, sprachen sie: "Das ist eine Wolke, die uns Regen geben wird." "Nein, (sprach er) es ist das, was ihr herbeiwünschtet, ein Wind, in dem eine schmerzliche Strafe ist. (Flügel 23)
25 Vernichten wird sie alle Dinge auf deines Herrn Geheiß." Und am Morgen sah man nichts als ihre Wohnungen. So belohnen wir das sündige Volk. (Flügel 24)
26 Und wahrlich, wir hatten ihnen eine feste Stätte gegeben wie euch und hatten ihnen Gehör und Gesicht und Herzen gegeben. Aber nichts nützten ihnen ihr Gehör, ihr Gesicht und ihre Herzen, da sie die Zeichen Allahs leugneten, und es umgab sie, was sie verspottet hatten. (Flügel 25)
27 Und wahrlich wir zerstörten die Städte rings um euch, und machten die Zeichen klar, damit sie vielleicht umkehrten. (Flügel 26)
28 Und warum halfen ihnen nicht jene, die sie außer Allah als nahestehende Götter annahmen? Doch sie schweiften von ihnen; und solches war ihre Lüge und was sie ersonnen. (Flügel 27)
29 Und (gedenke,) da wir eine Schar Dschinn dir zuwandten, auf den Koran zu hören; und da sie zugegen waren, sprachen sie: "Schweigt." Und da (seine Verlesung) beendet war, kehrten sie zu ihrem Volk als Warnende heim. (Flügel 28)
30 Sie sprachen: "O unser Volk, siehe wir haben ein Buch gehört, das nach Moses hinabgesandt wurde, bestätigend das ihm Vorausgegangene. Es leitet zur Wahrheit und zu einem rechten Weg. (Flügel 29)
31 O unser Volk, hört Allahs Herold und glaubt an ihn, dass er euch eure Sünden vergibt und euch vor einer schmerzlichen Strafe beschützt. (Flügel 30)
32 Und wer nicht auf Allahs Herold hört, der kann ihn doch nicht auf Erden schwächen, und außer ihm hat er keine Schützer. Jene sind in offenkundigem Irrtum." (Flügel 31)
33 Sehen sie denn nicht, dass Allah, der die Himmel und die Erde erschaffen und in ihrer Schöpfung nicht ermüdete, mächtig ist die Toten lebendig zu machen? Ja, siehe er hat Macht über alle Dinge. (Flügel 32)
34 Und eines Tages werden die Ungläubigen dem Feuer ausgesetzt werden: "Ist dies nicht in Wahrheit?" Sie werden sprechen: "Jawohl, bei unserem Herrn!" Er wird sprechen: "So schmeckt die Strafe für euren Unglauben." (Flügel 33)
35 Und so gedulde dich, wie die Standhaften unter den Gesandten sich geduldeten, und wünsche nicht (ihre Strafe) herbei. Es wird ihnen an dem Tag sein, an dem sie das ihnen Angedrohte schauen, als hätten sie nur eine Stunde von einem Tag verweilt. Eine Predigt! Wer anders sollte denn vertilgt werden als das Volk der Frevler? (Flügel 34 bis 35)
Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.
Sure 46 heißt in der Lesefassung nach Max Henning "El-Ahkaf", arabisch Al-Ahqaf, übersetzt "die Sanddünen" [1, 2]. Der Name stammt aus Vers 21, nach dem der Bruder Ads sein Volk "zu El-Ahkaf" warnte [1]. Nach dem Kommentar Ibn Aschurs ist sie die einzige Sure, die diesen Ort nennt, das Gebiet, in dem das Volk Ad lebte, zu dem der Prophet Hud gesandt wurde [2]. Die Sure hat in der Kairoer Zählung 35 Verse und ist nach der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) mekkanisch [3]. Theodor Nöldeke ordnet sie der dritten mekkanischen Periode zu, vom siebten Jahr der Sendung bis zur Auswanderung nach Medina [4]. Sie ist die letzte der Suren, die mit den Buchstaben H. M. beginnen. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).
Inhalt im Überblick
- Verse 1 bis 14: Himmel und Erde sind in Wahrheit erschaffen; die angerufenen Götter können nichts erschaffen. Der Prophet sagt, er sei "kein Neuerer unter den Gesandten" (46,9). Ein Zeuge von den Kindern Israel bezeugt die Gleichheit mit der früheren Schrift, und vor dem Koran war das Buch Moses'.
- Verse 15 bis 20: Güte gegen die Eltern; Tragen und Entwöhnen dauern dreißig Monate, mit vierzig Jahren bittet der Mensch um Dankbarkeit. Ihm gegenüber steht der Sohn, der zu seinen Eltern "Pfui über euch!" sagt.
- Verse 21 bis 28: Der Bruder Ads warnt sein Volk; sie halten die heranziehende Wolke für Regen, doch ein Wind vernichtet sie.
- Verse 29 bis 32: Eine Schar Dschinn hört den Koran, schweigt und kehrt als Warner zu ihrem Volk zurück.
- Verse 33 bis 35: Allah kann die Toten lebendig machen; der Prophet soll sich gedulden, wie die Standhaften unter den Gesandten.
Schon die älteste Überlieferung bezieht auch Sure 72 auf diese Begebenheit mit den Dschinn [7]; mehr dazu bietet Engel und Dschinn im Koran. Was der Koran über Eltern und Kinder sagt, sammelt Ehe und Familie im Koran.
Wie die Sure verstanden wird
Klassische Auslegung
Ibn Kathir verlegt das Hören der Dschinn nach Nachla, einen Ort am Weg zum Markt von Ukaz. Nach Ibn Mas'ud waren es neun Dschinn; nach Ibn Abbas trug der Prophet ihnen den Koran nicht vor und sah sie nicht. Ibn Kathir folgert aus den Berichten, dass der Prophet damals nichts von ihrer Anwesenheit wusste [5]. Zu Vers 15 berichtet er, Ali habe aus den dreißig Monaten zusammen mit anderen Versen abgeleitet, dass eine Schwangerschaft mindestens sechs Monate dauern kann, und Uthman sowie weitere Gefährten hätten diese Folgerung angenommen. Das Alter von vierzig Jahren erklärt er als Zeit, in der Verstand und Geduld reif werden [6].
Muslimische Kommentare des 20. Jahrhunderts
Der Kommentar Ibn Aschurs nennt die Sure nach übereinstimmender Ansicht der Ausleger mekkanisch und sieht sie in einer Zeit starker Verfolgung. Er nennt als Zeugen für die Wahrhaftigkeit des Propheten den jüdischen Gelehrten Abdallah ibn Salam (Vers 10) und die Dschinn, die den Koran hörten und glaubten [2].
Islamwissenschaft
Nöldeke und Schwally berichten, Vers 10 sei wegen der Erwähnung der Juden für medinisch gehalten worden. Vers 15 bezogen Sunniten auf Abu Bakr, die Kommentare oft auf Sa'd ibn Abi Waqqas; nach ihrer Lesart haben die Verse 15 bis 17 keine bestimmte Person im Blick und heben allgemein die Ehrfurcht vor den Eltern hervor. Die Verse 21 bis 32 standen nach ihrer Ansicht ursprünglich an anderer Stelle, stammen aber aus derselben Zeit; Vers 29 bezieht schon die älteste Überlieferung auf dieselbe Lage wie Sure 72 [7].
- Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
- Surah Info: Al-Ahqaf. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
- Koran. Gabriel Oussani, The Catholic Encyclopedia, Bd. 8, New Advent. Stand 1910. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Ahqaf Ayah 29. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir of Al-Ahqaf Ayah 15. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Geschichte des Qorans, Erster Teil: Über den Ursprung des Qorans, S. 155 und 160. Theodor Nöldeke, bearbeitet von Friedrich Schwally, Dieterich, Leipzig. Stand 1909. abgerufen am 29.10.2026
Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.