Alle 114 Suren des Korans
Sure 47: Muhammad (Muḥammad)
Sure 47 von 114, 38 Verse
Sure 47 heißt "Muhammad" nach dem Namen des Propheten in Vers 2 und hat in der Kairoer Zählung 38 Verse. Sie gilt als medinisch und wird meist in die Zeit kurz nach der Schlacht von Badr gelegt. Vers 4 regelt Kampf und Kriegsgefangene; klassische Rechtsgelehrte, heutige muslimische Stimmen und die Islamwissenschaft ordnen ihn unterschiedlich ein.
1 Diejenigen, welche ungläubig sind und von Allahs Weg abbringen, ihre Werke wird er irreleiten.
2 Diejenigen aber, welche glauben und das Rechte tun und an das glauben, was auf Muhammad herabgesandt wurde, und es ist die Wahrheit von ihrem Herrn, zudecken wird er ihre Missetaten und ihr Herz in Frieden bringen.
3 Solches, weil die Ungläubigen dem Eitlen folgen und die Gläubigen der Wahrheit von ihrem Herrn folgen. So stellt Allah den Menschen ihre Gleichnisse auf.
4 Und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt; dann schnürt die Bande. Und dann entweder Gnade danach oder Loskauf, bis der Krieg seine Lasten niedergelegt hat. Solches! Und hätte Allah gewollt, wahrlich er hätte selber Rache an ihnen genommen; jedoch wollte er die einen von euch durch die anderen prüfen. Und diejenigen, die in Allahs Weg getötet werden, nie leitet er ihre Werke irre. (Flügel 4 bis 5)
5 Er wird sie leiten und ihr Herz in Frieden bringen. (Flügel 6)
6 Und einführen wird er sie ins Paradies, das er ihnen kundgetan. (Flügel 7)
7 O ihr, die ihr glaubt, wenn ihr Allah helft, wird er euch helfen und eure Füße festigen. (Flügel 8)
8 Die Ungläubigen aber, Verderben über sie! und irre leitet er ihre Werke. (Flügel 9)
9 Solches, weil sie Abscheu empfanden gegen das, was er hinabsandte; und zunichte wird er ihre Werke machen. (Flügel 10)
10 Reisten sie denn nicht im Land und schauten, wie der Ausgang derer war, die vor ihnen lebten? Allah vertilgte sie, und für die Ungläubigen ist das Gleiche wie ihnen bestimmt. (Flügel 11)
11 Solches weil Allah der Schützer der Gläubigen ist, und weil die Ungläubigen keinen Schützer haben. (Flügel 12)
12 Siehe Allah führt diejenigen, welche glauben und das Rechte tun, in Gärten, durcheilt von Bächen, und die Ungläubigen genießen und essen wie das Vieh isst, und das Feuer ist ihre Wohnung. (Flügel 13)
13 Und wie viele Städte, stärker an Kraft als deine Stadt, welche dich ausgestoßen hat, vertilgten wir und sie hatten keinen Helfer! (Flügel 14)
14 Soll denn der, welcher an einer deutlichen Lehre von seinem Herrn hängt, gleich sein dem, dessen Missetat ihm ausgeschmückt ist, und die ihren Gelüsten folgen? (Flügel 15)
15 Das Bild des Paradieses, das den Gottesfürchtigen verheißen wurde: In ihm sind Bäche von Wasser, das nicht verdirbt, und Bäche von Milch, deren Geschmack sich nicht ändert, und Bäche von Wein, köstlich den Trinkenden; und Bäche von geklärtem Honig; und sie haben in ihnen allerlei Früchte und Verzeihung von ihrem Herrn. Sind sie gleich dem, der ewig im Feuer weilen muss, und denen siedendes Wasser zu trinken gegeben wird, das ihnen die Eingeweide zerreißt? (Flügel 16 bis 17)
16 Und einige von ihnen hören auf dich, bis dass sie, wenn sie von dir hinausgehen, zu denen, welchen das Wissen gegeben wurde, sprechen: "Was sprach er da vorhin?" Sie sind es, deren Herzen Allah versiegelt hat, und die ihren Gelüsten folgen. (Flügel 18)
17 Und diejenigen, die geleitet sind, mehrt er an Rechtleitung und gibt ihnen (Lohn für) ihre Gottesfurcht. (Flügel 19)
18 Auf was anderes warten sie denn, als dass die "Stunde" plötzlich über sie kommt? Schon sind ihre Vorzeichen gekommen, und wie, wird ihnen, wenn sie über sie kam, (noch) ihre Ermahnung? (Flügel 20)
19 Wisse darum, dass es keinen Gott gibt außer Allah, und bitte um Verzeihung für deine Sünde und für die gläubigen Männer und Frauen; und Allah weiß euren Aus- und Eingang und eure Wohnung. (Flügel 21)
20 Und es sprechen die Gläubigen: "Warum wird keine Sure herabgesendet?" Aber wenn eine unverbrüchliche Sure herabgesendet und in ihr der Kampf verkündet wird, siehst du die, in deren Herzen Krankheit ist, dich anschauen mit dem Blick eines vom Tod Überschatteten. Besser für sie aber wäre Gehorsam und geziemende Worte. (Flügel 22)
21 Und wenn die Sache beschlossen ist, so wäre es besser für sie, wenn sie dann auf Allah vertrauten. (Flügel 23)
22 Und hättet ihr euch abgewendet, hättet ihr nicht vielleicht Verderben im Land gestiftet und eure Blutsbande zerrissen? (Flügel 24)
23 Sie sind es, die Allah verflucht hat, und er hat sie taub gemacht und ihre Blicke geblendet. (Flügel 25)
24 Wollen sie denn nicht den Koran studieren oder sind vor ihren Herzen Schlösser? (Flügel 26)
25 Siehe diejenigen, welche den Rücken kehren, nachdem ihnen die Rechtleitung deutlich gemacht, der Satan hat sie betört, und er wartet mit ihnen. (Flügel 27)
26 Solches darum, dass sie zu denen sprechen, die Abscheu haben gegen das, was Allah hinabsandte: "Wir wollen euch in einem Teil der Sache gehorchen." Allah aber kennt ihre Geheimnisse. (Flügel 28)
27 Wie aber wird es sein, wenn die Engel sie zu sich nehmen, und sie aufs Gesicht und den Rücken schlagen! (Flügel 29)
28 Solches, weil sie dem folgen, was Allah erzürnt, und Abscheu haben gegen das, was sein Wohlgefallen ist; darum wird er ihre Werke vereiteln. (Flügel 30)
29 Oder glauben jene, in deren Herzen Krankheit ist, dass Allah nicht ihre Bosheiten zum Vorschein bringt? (Flügel 31)
30 Und wenn wir es wollten, wir zeigten sie dir und wahrlich du erkenntest sie an ihren Kennzeichen. Und wahrlich du wirst sie an der undeutlichen Sprache erkennen. Und Allah kennt euer Tun. (Flügel 32)
31 Und wahrlich wir wollen euch heimsuchen, bis wir die Eifernden (im Kampf) unter euch erkennen und die Standhaften; und wir wollen das Gerücht von euch prüfen. (Flügel 33)
32 Siehe diejenigen, welche ungläubig sind und von Allahs Weg abbringen und sich vom Gesandten trennen, nachdem ihnen die Rechtleitung deutlich gemacht, nie fügen sie Allah ein Leid zu und vereiteln wird er ihre Werke. (Flügel 34)
33 O ihr, die ihr glaubt, gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten und vereitelt nicht eure Werke. (Flügel 35)
34 Siehe diejenigen, welche nicht glauben und von Allahs Weg abbringen und dann als Ungläubige sterben, nie verzeiht ihnen Allah. (Flügel 36)
35 Werdet daher nicht matt und ladet (sie) nicht ein zum Frieden, während ihr die Oberhand habt; denn Allah ist mit euch, und nie betrügt er euch um eure Werke. (Flügel 37)
36 Das irdische Leben ist nur ein Spiel und ein Scherz, und wenn ihr glaubt und gottesfürchtig seid, wird er euch euren Lohn geben. Er fordert nicht euer (ganzes) Gut von euch. (Flügel 38)
37 Wenn er es von euch forderte und euch darum bedrängte, so würdet ihr geizig sein, und er würde eure Bosheiten zum Vorschein bringen. (Flügel 39)
38 Siehe, ihr seid diejenigen, die eingeladen werden zu spenden in Allahs Weg, und die einen von euch sind geizig; wer aber geizig ist, ist nur geizig gegen sich selber. Und Allah ist der Reiche, und ihr seid die Armen. Und wenn ihr euch abwendet, so wird er euch mit einem anderen Volk vertauschen. Dann werden sie nicht gleich euch sein. (Flügel 40)
Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.
Sure 47 heißt in der Lesefassung nach Max Henning "Muhammad" [1]. Der Name kommt aus Vers 2, der vom Glauben an das spricht, "was auf Muhammad herabgesandt wurde". Weitere alte Namen sind Sure des Kampfes (al-Qital) und Sure "Diejenigen, welche ungläubig sind" nach ihren ersten Worten [2]. Die Sure hat in der Kairoer Zählung 38 Verse und ist nach der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) medinisch [3]; Hennings Übersetzung nach der Zählung von Flügel hat 40 Verse [1]. Auch Theodor Nöldeke rechnet sie zu den medinischen Suren [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).
Geschichtlicher Zusammenhang
Nach der Auswanderung nach Medina kam es zum Krieg zwischen den Muslimen und den Mekkanern [5]. Rüdiger Seesemann unterscheidet in den Aussagen des Korans zum Kampf vier Phasen: In Mekka gebe es keinen Dschihad, nach der Auswanderung die Erlaubnis, sich gegen Angreifer zu wehren (22,39 bis 40), mit der Schlacht von Badr (624) den Befehl zum Kampf gegen die Götzendiener. Für diese dritte Phase nennt er neben Sure 2,190 bis 193 auch Sure 47,4 bis 6 [5].
Die Datierung im Einzelnen ist unterschiedlich. Ibn Kathir nimmt an, Vers 4 sei nach Badr offenbart worden [6]. Der Kommentar Ibn Aschurs nennt die Sure nach einhelliger Ansicht medinisch und verweist darauf, dass manche Gelehrte sie mit Badr, andere mit Uhud verbinden [2]. Muhammad Asad hält sie für eine der frühesten medinischen Offenbarungen, vielleicht die früheste; Vers 13 sei womöglich während der Auswanderung selbst offenbart worden [7]. Nöldeke und Schwally setzen die Sure nicht lange nach Badr an: Der zweite Teil greife Mitkämpfer an, die trotz des Sieges mit den Mekkanern Frieden schließen wollten. Sie berichten auch, dass einige die Sure für mekkanisch hielten und eine dritte Gruppe Vers 13 in den Moment legte, als der Prophet bei der Auswanderung weinend auf seine Vaterstadt zurückblickte [8].
Inhalt im Überblick
- Verse 1 bis 3: Die Werke derer, die ungläubig sind und von Allahs Weg abbringen, gehen in die Irre; den Gläubigen werden die Missetaten vergeben.
- Verse 4 bis 9: Anweisungen für den Kampf und die Gefangenen, Zusage an die, die auf Allahs Weg getötet werden.
- Verse 10 bis 15: Das Schicksal früherer Städte, auch stärkerer als der Stadt, die den Propheten ausgestoßen hat (47,13); das Bild des Paradieses mit Bächen von Wasser, Milch, Wein und Honig.
- Verse 16 bis 31: Die Heuchler, die zuhören und nichts verstehen, und jene, "in deren Herzen Krankheit ist" und die erschrecken, wenn eine Sure den Kampf verkündet (47,20).
- Verse 32 bis 38: Mahnung zu Gehorsam, zum Durchhalten im Krieg und zum Spenden auf Allahs Weg.
Vers 4 lautet in der Lesefassung zum Teil: "Und wenn ihr die Ungläubigen trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt; dann schnürt die Bande. Und dann entweder Gnade danach oder Loskauf, bis der Krieg seine Lasten niedergelegt hat." [1] Einen Überblick über alle Kampf- und Friedensverse gibt Krieg und Frieden im Koran; zur Schlacht von Badr siehe Sure 8.
Wie die Sure verstanden wird
Klassische Auslegung
Ibn Kathir versteht Vers 4 als Anweisung für die Schlacht selbst: Im Kampf sollen die Gegner niedergeschlagen werden. Mit dem Schnüren der Bande seien Kriegsgefangene gemeint, die nach dem Ende der Kämpfe entweder ohne Gegenleistung oder gegen Lösegeld freikommen. Er verbindet den Vers mit Sure 8,67 bis 68, in der Allah die Gläubigen nach Badr tadelt, weil sie viele Gefangene genommen hatten. "Bis der Krieg seine Lasten niedergelegt hat" deutete Mudschahid als "bis Jesus herabkommt" [6].
Die Rechtsschulen lasen den Vers verschieden. Der Kommentar Ma'arif al-Qur'an fasst zusammen: Nach al-Qurtubi hat der Herrscher vier Möglichkeiten, Töten, Versklaven, Lösegeld oder Austausch und Freilassung, und keiner der beiden Verse 8,67 und 47,4 sei aufgehoben; beide gälten für verschiedene Lagen. Andere, darunter Ibn Umar, al-Hasan und Ata', hielten 47,4 für die spätere Regel, die 8,67 aufgehoben habe. Von Abu Hanifa gibt es eine verbreitete Überlieferung, nach der Freilassung mit oder ohne Lösegeld nicht erlaubt ist. Ibn al-Humam und at-Tahawi geben eine andere Überlieferung wieder, die sie erlaubt, wenn sie den Muslimen nützt; der Kommentar nennt diese die bevorzugte Ansicht Abu Hanifas [9].
Zu Vers 35, der verbietet, in Stärke um Frieden zu bitten, sagt Ibn Kathir: Sind die Gegner zahlreicher und stärker, darf der Befehlshaber einen Vertrag schließen, wenn er den Muslimen nützt, so wie der Prophet es bei Hudaibiya tat [14].
Heutige muslimische Stimmen
Muhammad Asad liest Vers 4 im Zusammenhang mit Vers 1: Kampf sei erlaubt, wenn Muslimen die Freiheit genommen wird, ihren Glauben zu leben, und der Vers beziehe sich auf einen Krieg, der bereits im Gang ist. Unter Loskauf versteht er nach az-Zamachschari und einer Ansicht asch-Schafi'is auch den Austausch von Gefangenen [10]. Vers 35 liest er als Zuspruch zum Durchhalten in einem Kampf für eine gerechte Sache, auch wenn das Kriegsglück sich wendet [15]. Mouhanad Khorchide, Professor für Islamische Religionspädagogik und Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Islamische Theologie der Universität Münster [12, 13], trennt allgemein zeitlos gültige Aussagen des Korans von Bestimmungen, die an die Lage in Medina gebunden sind, wo Muhammad auch Oberhaupt des Gemeinwesens war; solche Verse seien in ihrem geschichtlichen Zusammenhang zu lesen und ihre Absicht in Regeln für heute zu übersetzen [11]. Zu Vers 4 selbst enthalten die beiden Qantara-Artikel keine Aussage von ihm.
Islamwissenschaft
Seesemann beschreibt, dass die Gelehrtentradition die Kampfverse weitgehend durch Einordnung in den Zusammenhang und Auslegung verstanden hat und das Kriegsrecht klar bestimmte Gegner verlangt und Angriffe auf Zivilisten verbietet. Dschihadistische Gruppen stützten sich dagegen auf eine andere Auslegungstradition als die Rechtsschulen [5]. Nöldeke und Schwally lesen Vers 35, der verbietet, zum Frieden einzuladen, "während ihr die Oberhand habt", als Antwort auf Muslime, die nach dem Sieg bei Badr Frieden mit Mekka wollten [8].
- Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
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- Studie Geschichte des Qorans, Erster Teil: Über den Ursprung des Qorans, S. 189. Theodor Nöldeke, bearbeitet von Friedrich Schwally, Dieterich, Leipzig. Stand 1909. abgerufen am 29.10.2026
- Ma'arif al-Qur'an Tafsir: Muhammad Ayah 4. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Al-Quran, Online Quran Project: Sure 47,4 mit Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- De-politicizing the Koran. Claudia Mende, Qantara.de. Stand 11.03.2013. abgerufen am 29.10.2026
- "God's Revelation in the Word of Men": A Koran for the 21st century. Musa Bagrac, Qantara.de. Stand 23.04.2019. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Prof. Dr. Mouhanad Khorchide. Zentrum für Islamische Theologie, Universität Münster. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Muhammad Ayah 35. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Al-Quran, Online Quran Project: Sure 47,35 mit Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
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