Alle 114 Suren des Korans

Sure 48: Der Sieg (Al-Fatḥ)

Sure 48 von 114, 29 Verse

Sure 48 heißt "Der Sieg", arabisch Al-Fath, und hat in der Kairoer Zählung 29 Verse. Sie gilt als medinisch und wurde nach der Überlieferung auf dem Rückweg von Hudaibiya offenbart, wo Muhammad im Jahr 6 nach der Auswanderung (628) einen Waffenstillstand mit den Mekkanern schloss. Ob mit dem "offenkundigen Sieg" aus Vers 1 dieser Vertrag oder die spätere Einnahme Mekkas gemeint ist, deuten die Ausleger verschieden.

1 Siehe wir haben dir einen offenkundigen Sieg gegeben,

2 (Zum Zeichen,) dass dir Allah deine früheren und späteren Sünden vergibt und seine Gnade an dir erfüllt und dich auf einem rechten Pfad leitet,

3 Und dass Allah dir mit mächtiger Hilfe hilft.

4 Er ist es, welcher hinabgesandt hat die "Ruhe" in die Herzen der Gläubigen, damit sie zunehmen an Glauben zu ihrem Glauben, und Allahs sind die Heere der Himmel und der Erde, und Allah ist wissend und weise,

5 Damit er die Gläubigen, Männer und Frauen, einführe in Gärten, durcheilt von Bächen, ewig darin zu weilen, und ihre Missetaten zuzudecken; und dies ist bei Allah eine große Glückseligkeit:

6 Und um die Heuchler und Heuchlerinnen und die Götzenanbeter und Götzenanbeterinnen zu strafen, die von Allah üble Gedanken denken. Über ihnen wird Übel kreisen, und Allah zürnt ihnen und verflucht sie und hat Dschehannam für sie bereitet, und übel ist die Fahrt (dorthin).

7 Und Allahs sind die Heere der Himmel und der Erde und Allah ist mächtig und weise.

8 Siehe, wir haben dich entsandt als einen Zeugen und Freudenboten und Warner,

9 Damit ihr glaubt an Allah und seinen Gesandten und dass ihr ihm beisteht und ihn ehrt und ihn preist morgens und abends.

10 Siehe diejenigen, welche dir den Treueid leisten, leisten nur Allah den Treueid; die Hand Allahs ist über ihren Händen. Wer daher eidbrüchig wird, wird nur eidbrüchig gegen sich selber; wer aber seinen Bund mit Allah hält, dem wird er gewaltigen Lohn geben.

11 Sprechen werden zu dir die Dahintengebliebenen von den Arabern: "Wir hatten mit unserem Gut und unseren Familien zu schaffen, darum bitte um Verzeihung für uns." Sie sprechen mit ihren Zungen was nicht in ihren Herzen ist. Sprich: "Wer vermag für euch etwas bei Allah, wenn er euch ein Leid antun oder euch nützen will?" Nein, Allah weiß, was sie tun.

12 Nein, ihr wähntet dass der Gesandte und die Gläubigen nie zurückkehren würden zu ihren Familien, und dieses war ausgeschmückt in euren Herzen. Und ihr dachtet böse Gedanken und wart ein verdorbenes Volk.

13 Und wer nicht an Allah und seinen Gesandten glaubt, siehe für die Ungläubigen haben wir eine Flamme bereitet.

14 Und Allahs ist das Reich der Himmel und der Erde; er verzeiht, wem er will, und straft, wen er will. Und Allah ist verzeihend und barmherzig.

15 Die Dahintengebliebenen werden sprechen, wenn ihr euch an die Beute macht, sie zu nehmen: "Lasst uns euch folgen." Sie wollen Allahs Wort ändern. Sprich: "Nie sollt ihr uns folgen. So sprach Allah zuvor." Dann werden sie sprechen: "Nein; ihr beneidet uns!" Nein, sie verstanden nur ein wenig.

16 Sprich zu den Dahintengebliebenen von den Arabern: "Ihr sollt gerufen werden zu einem Volk von großem Mut; ihr sollt mit ihnen kämpfen oder sie werden Muslime. Und wenn ihr gehorcht, wird euch Allah schönen Lohn geben; wenn ihr jedoch den Rücken kehrt, wie ihr ihn zuvor gekehrt habt, wird er euch mit schmerzlicher Strafe strafen.

17 Nicht ist es ein Verbrechen auf dem Blinden oder dem Lahmen oder dem Kranken, (wenn er zu Hause bleibt.) Wer aber Allah gehorcht und seinem Gesandten, den führt er ein in Gärten, durcheilt von Bächen, und wer den Rücken kehrt, den straft er mit schmerzlicher Strafe.

18 Wahrlich Allah hatte Wohlgefallen an den Gläubigen, als sie unter dem Baum den Treueid schworen; und er wusste, was in ihren Herzen war, und er sandte die "Ruhe" auf sie hinab und belohnte sie mit nahem Sieg,

19 Und reicher Beute, die sie machten. Und Allah ist mächtig und weise.

20 Allah verhieß euch reiche Beute zu machen und beschleunigte sie euch und hielt der Leute Hände von euch ab, zum Zeichen für die Gläubigen, und um euch auf einen rechten Pfad zu leiten;

21 Und andere (Beute,) über die ihr keine Macht hattet. Nunmehr hat Allah sie in Beschlag genommen, denn Allah hat Macht über alle Dinge.

22 Und wenn die Ungläubigen gegen euch gekämpft hätten, wahrlich sie hätten den Rücken gekehrt; dann hätten sie weder Schützer noch Helfer gefunden.

23 (Das ist) Allahs Brauch, wie er bereits zuvor war, und nie findest du in Allahs Brauch einen Wechsel.

24 Und er war es, der ihre Hände von euch abhielt und eure Hände von ihnen in dem Tal von Mekka, nachdem er euch über sie siegen ließ; denn Allah schaut euer Tun:

25 Sie sind diejenigen, welche nicht glaubten und euch von der heiligen Moschee fernhielten, wie auch das Opfer zurückhielten, dass es nicht seine Opferstätte erreichte. Und ohne die gläubigen Männer und Frauen, die ihr nicht erkanntet, so dass ihr sie niedergetreten und ihr auf euch unwissentlich ein Verbrechen geladen hättet, ... (hätte er sie in eure Hand gegeben,) damit Allah in seine Barmherzigkeit einführe, wen er will. Wären sie getrennt voneinander gewesen, wahrlich wir hätten die Ungläubigen unter ihnen mit schmerzlicher Strafe gestraft.

26 Da die Ungläubigen in ihren Herzen den Eifer trugen, den Eifer der Unwissenheit, da sandte Allah seine "Ruhe" auf seinen Gesandten und die Gläubigen und machte ihnen das Wort der Gottesfurcht zur Pflicht, denn sie waren seiner am würdigsten und verdienten es am meisten. Und Allah weiß alle Dinge.

27 Wahrlich Allah bewahrheitete seinem Gesandten das Gesicht, dass er euch, wenn Allah will, in Sicherheit in den heiligen Tempel führen werde, mit geschorenem Haupt und gekürztem (Haar). Fürchtet euch nicht, denn er weiß, was ihr nicht wisst, und er hat außer diesem einen nahen Sieg verhängt.

28 Er ist es, der seinen Gesandten mit der Rechtleitung und der Religion der Wahrheit entsandt hat, um sie über jeden anderen Glauben siegreich zu machen. Und Allah genügt als Zeuge.

29 Muhammad ist der Gesandte Allahs, und seine Anhänger sind streng gegen die Ungläubigen, barmherzig untereinander. Du siehst sie sich verneigen und niederwerfen, Huld begehrend von Allah und Wohlgefallen. Ihre Merkzeichen auf ihren Gesichtern sind die Spur der Niederwerfung. Solches ist ihr Gleichnis in der Tora und im Evangelium: Sie sind gleich einem Samenkorn, welches seinen Schössling treibt und stark werden lässt; dann wird er dick und richtet sich auf auf seinem Halm, dem Sämann zur Freude: Damit sich die Ungläubigen über sie ärgern. Verheißen hat Allah denen von ihnen, die glauben und das Rechte tun, Verzeihung und gewaltigen Lohn.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 48 heißt in der Lesefassung nach Max Henning "Der Sieg", arabisch Al-Fath [1]. Der Name kommt aus dem ersten Vers: "Siehe wir haben dir einen offenkundigen Sieg gegeben" [1, 2]. Die Sure hat in der Kairoer Zählung 29 Verse und ist nach der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) medinisch [3]. Auch Theodor Nöldeke rechnet sie zu den medinischen Suren [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut; die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Geschichtlicher Zusammenhang

Im Monat Dhu l-Qa'da des Jahres 6 nach der Auswanderung (628) brach Muhammad von Medina zur kleinen Pilgerfahrt (Umra) nach Mekka auf [5, 6, 9]. Die Überlieferung nennt 700 bis 1.400 Teilnehmer, darunter vier Frauen [5]; Muhammad Asad spricht von etwa 1.400 bis 1.500 Männern, die bis auf ihre Schwerter in der Scheide unbewaffnet gewesen seien [6]. Die Quraisch stellten sich dem Zug mit Waffengewalt entgegen; Muhammad lagerte bei Hudaibiya [6].

Uthman sollte in Mekka verhandeln. Als das falsche Gerücht aufkam, er sei getötet worden, leisteten die Muslime den Treueid unter einem Baum, auf den Vers 18 Bezug nimmt [5, 6]. Schließlich kam Suhail ibn Amr für die Quraisch, um einen Vertrag zu schließen [5, 8]. Nach der Standardversion der Überlieferung, die Andreas Görke zusammenfasst, sah er einen Waffenstillstand von zehn Jahren vor; die Muslime kehrten in diesem Jahr ohne Pilgerfahrt um und durften im folgenden Jahr für drei Tage nach Mekka kommen. Überläufer aus Mekka, die ohne Erlaubnis ihres Vormunds nach Medina kamen, waren auszuliefern, auch wenn sie Muslime waren; eine entsprechende Pflicht für die Mekkaner gab es nicht. Jedem Stamm stand frei, sich mit Muhammad oder mit den Quraisch zu verbünden [5]. Die Fassungen weichen in den Klauseln ab; in einer Version bei al-Baihaqi fehlt etwa die Bündnisfreiheit [5]. Ibn Kathir berichtet, dass einige Gefährten, darunter Umar ibn al-Chattab, diese Bedingungen ablehnten [7].

Die Sure wurde nach der Überlieferung auf dem Rückweg nach Medina offenbart, nach Ibn Aschur in der Nacht und vor dem Feldzug gegen Chaibar [2, 7]. Nach Muhammad Asad brachen die Quraisch den Vertrag; zwei Jahre später nahmen die Muslime Mekka fast ohne Widerstand ein [6, 9]. Die Pilgerfahrt im Koran insgesamt behandelt Die Pilgerfahrt im Koran.

Inhalt im Überblick

  • Verse 1 bis 7: Der offenkundige Sieg, die Vergebung für den Propheten und die "Ruhe" (arabisch Sakina), die Allah in die Herzen der Gläubigen sendet.
  • Verse 8 bis 10: Der Prophet als Zeuge, Freudenbote und Warner; wer ihm den Treueid leistet, leistet ihn Allah: "die Hand Allahs ist über ihren Händen" (48,10).
  • Verse 11 bis 17: Die Araber, die zurückgeblieben sind, entschuldigen sich mit Besitz und Familie. Sie dürfen nicht mitziehen, wenn es Beute gibt; später sollen sie gegen ein "Volk von großem Mut" gerufen werden. Blinde, Lahme und Kranke sind entschuldigt.
  • Verse 18 bis 26: Allahs Wohlgefallen an denen, die unter dem Baum den Treueid schworen; Zusage von Beute; Allah hielt im Tal von Mekka die Hände beider Seiten zurück, auch wegen gläubiger Männer und Frauen in der Stadt, die die Muslime sonst unwissentlich getroffen hätten.
  • Verse 27 bis 29: Das Traumgesicht des Propheten, in Sicherheit mit geschorenem Haupt in die heilige Moschee einzuziehen, und das Bild der Anhänger Muhammads, die "streng gegen die Ungläubigen, barmherzig untereinander" sind und in Tora und Evangelium einem Samenkorn gleichen, das zur starken Pflanze wird.

Wie die Sure verstanden wird

Welcher Sieg ist gemeint?

Schon die Gefährten waren sich darin nicht einig. Ibn Kathir gibt Ibn Mas'ud wieder, der den Zeitgenossen entgegenhielt, sie hielten die Einnahme Mekkas für den Sieg. Dschabir dagegen verstand den Tag von Hudaibiya als den Sieg, und al-Bara' ibn Azib nach al-Buchari den Treueid unter dem Baum. Ibn Kathir selbst bezieht den Vers auf den Vertrag, weil danach viele Menschen zum Islam übertraten und Muslime offen mit den Götzendienern sprechen konnten [7]. Andreas Görke nennt weitere Zuordnungen aus der Forschung: Rudi Paret vermute, dass sich zumindest Vers 1 auf Badr beziehe, und Uri Rubin verbinde das Wort fath mit der Eroberung von Chaibar [5].

Klassische Auslegung

Nach einem Bericht bei Imam Ahmad, den Ibn Kathir anführt, sagte der Prophet über die Sure, sie sei ihm lieber als diese Welt. Anas ibn Malik berichtet, der Vers über die Vergebung sei auf dem Rückweg von Hudaibiya offenbart worden, und die Gefährten hätten gefragt, was Allah für sie tun werde; darauf seien die Verse über die Gärten der Gläubigen gefolgt [7]. Vers 29 liest Ibn Kathir als Lob der Gefährten des Propheten: streng gegenüber den Ungläubigen, mild und freundlich untereinander [10].

Muslimische Kommentare des 20. Jahrhunderts

Der Kommentar Ibn Aschurs schreibt, die Sure sei gekommen, um die Trauer der Gefährten über die harten Bedingungen zu nehmen und den Vertrag als Sieg von Allah zu deuten, als klaren Sieg und Zeichen künftiger Eroberungen [2]. Muhammad Asad versteht den Sieg als moralischen Sieg: Der Waffenstillstand habe friedliche Begegnung ermöglicht und so den späteren Erfolg des Islams in Arabien eingeleitet. Dass Muslime, die zu den Quraisch gingen, nicht zurückgegeben wurden, bringt er mit dem Grundsatz "kein Zwang im Glauben" (2,256) in Verbindung [6]. Zu Vers 29 versteht Asad die Strenge als Festigkeit gegenüber denen, die die Wahrheit leugnen, und verweist für die Barmherzigkeit untereinander auf Sure 5,54 [11].

Islamwissenschaft

Nöldeke und Schwally setzen nur die Verse 1 bis 17 kurz nach dem Vertrag an, wahrscheinlich noch vor der Rückkehr nach Medina. Aus ihnen lesen sie, dass Muhammad schon damals Mekka einnehmen wollte, die verbündeten Beduinen ihn aber enttäuschten. Die Verse ab 18 stammen nach ihrer Ansicht aus der Zeit nach der Unterwerfung von Chaibar zu Beginn des Jahres 7. Den Frieden nennen sie ein Meisterstück seiner Politik und einen wahren Sieg, wie der Ausgang gezeigt habe [9]. Andreas Görke untersucht die frühislamische Überlieferung zu Hudaibiya und hält Teile der Berichte, etwa das Wasserwunder, für Ausschmückungen. Die Überhöhung des Propheten sei schon in den frühesten rekonstruierbaren Fassungen erkennbar, Aussagen über das tatsächliche Geschehen seien deshalb problematisch [5]. Der Weg der Kampfverse bis zu diesem Waffenstillstand ist in Sure 47 und auf Krieg und Frieden im Koran beschrieben.

  1. Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Surah Info: Al-Fath. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  4. Koran. Gabriel Oussani, The Catholic Encyclopedia, Bd. 8, New Advent. Stand 1910. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Die frühislamische Geschichtsüberlieferung zu Hudaibiya. Andreas Görke, Der Islam 74, S. 193 bis 237, Walter de Gruyter. Stand 1997. abgerufen am 29.10.2026
  6. Al-Quran, Online Quran Project: Sure 48,1 mit Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Fath Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Fath Ayah 25 (Berichte zu Hudaibiya). Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Studie Geschichte des Qorans, Erster Teil: Über den Ursprung des Qorans, S. 215 f.. Theodor Nöldeke, bearbeitet von Friedrich Schwally, Dieterich, Leipzig. Stand 1909. abgerufen am 29.10.2026
  10. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Fath Ayah 29. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  11. Al-Quran, Online Quran Project: Sure 48,29 mit Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.