Alle 114 Suren des Korans

Sure 49: Die Gemächer (Al-Ḥudschurāt)

Sure 49 von 114, 18 Verse

Sure 49 heißt Al-Hudschurat, "Die Gemächer", und hat in der Kairoer Zählung 18 Verse. Sie gilt als medinische Sure. Sie regelt das Verhalten gegenüber dem Propheten und unter den Gläubigen; bekannt ist Vers 13, nach dem Allah die Menschen zu Völkern und Stämmen machte, "damit ihr einander kennt".

1 O ihr, die ihr glaubt, kommt nicht Allah und seinem Gesandten zuvor und fürchtet Allah; siehe Allah ist hörend und wissend.

2 O ihr, die ihr glaubt, erhebt nicht eure Stimmen über die Stimme des Propheten, und sprecht nicht so laut zu ihm wie zueinander, damit eure Werke nicht eitel werden, ohne dass ihr es euch verseht.

3 Siehe diejenigen, welche ihre Stimmen vor dem Gesandten Allahs senken, sie sind es, deren Herzen Allah für die Gottesfurcht erprobt hat; für sie ist Verzeihung und gewaltiger Lohn.

4 Siehe diejenigen die dich rufen, während du in deinen Gemächern bist, die meisten von ihnen sind ohne Einsicht.

5 Wenn sie sich geduldeten, bis du zu ihnen herauskommst, wahrlich es wäre besser für sie; und Allah ist verzeihend und barmherzig.

6 O ihr, die ihr glaubt, wenn ein Nichtswürdiger mit einer Nachricht zu euch kommt, so stellt die Sache klar, damit ihr nicht ein Volk in Unwissenheit verletzt und euer Tun danach bereuen müsst.

7 Und wisst, dass ein Gesandter Allahs unter euch ist. Würde er euch in manch einer Sache gehorchen, wahrlich ihr würdet euch versündigen. Jedoch hat euch Allah den Glauben lieb gemacht und hat ihn in euren Herzen geziert und euch den Unglauben, Schandbarkeit und Widersetzlichkeit verabscheuenswert gemacht. Dies sind die Rechtgeleiteten:

8 Eine Huld von Allah und Gnade! Und Allah ist wissend und weise.

9 Und wenn zwei Parteien der Gläubigen miteinander streiten, so stiftet Frieden unter ihnen; und wenn sich die eine gegen die andere vergeht, so kämpft gegen die, welche sich verging, bis sie zu Allahs Befehl zurückkehrt. Und wenn sie zurückkehrt, so stiftet Frieden unter ihnen in Billigkeit und übt Gerechtigkeit. Siehe Allah liebt die Gerechtigkeit Übenden.

10 Die Gläubigen sind Brüder; so stiftet Frieden unter euren Brüdern und fürchtet Allah; vielleicht findet ihr Barmherzigkeit.

11 O ihr, die ihr glaubt, lasst nicht die einen über die anderen spotten, die vielleicht besser sind als sie. Auch mögen nicht Frauen andere Frauen verspotten, die vielleicht besser sind als sie. Verleumdet euch nicht einander und gebt einander nicht beschimpfende Namen. Ein schlimmer Name ist Nichtswürdigkeit nach dem Glauben, und wer nicht bereut, das sind die Ungerechten.

12 O ihr, die ihr glaubt, vermeidet sorgfältig Argwohn; siehe ein gewisser Argwohn ist Sünde. Und spioniert nicht, und keiner verleumde den anderen in seiner Abwesenheit. Würde etwa jemand von euch gern seines toten Bruders Fleisch essen? Ihr würdet es verabscheuen. Und fürchtet Allah; siehe Allah ist langmütig und barmherzig.

13 O ihr Menschen, siehe wir erschufen euch von einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennt. Siehe der am meisten Geehrte von euch vor Allah ist der Gottesfürchtigste unter euch; siehe Allah ist wissend und kundig.

14 Die Araber sprechen: "Wir glauben." Sprich: "Ihr glaubt nicht;" sprecht vielmehr: "Wir sind Muslime;" denn der Glauben ist noch nicht eingekehrt in eure Herzen. Wenn ihr aber Allah und seinem Gesandten gehorcht, so wird er euch um nichts von euren Werken betrügen. Siehe Allah ist verzeihend und barmherzig.

15 Gläubige sind nur die, welche an Allah und seinen Gesandten glauben und danach nicht zweifeln, und die mit Gut und Blut in Allahs Weg eifern. Das sind die Wahrhaftigen.

16 Sprich: "Wollt ihr Allah über eure Religion belehren, wo Allah weiß, was in den Himmeln und was auf Erden ist, und Allah alle Dinge kennt?"

17 Sie halten dir vor, dass sie Muslime geworden sind. Sprich: "Haltet mir nicht euren Islam vor; vielmehr wird Allah es euch vorhalten, dass er euch zum Glauben geleitet hat, wenn ihr wahrhaftig seid."

18 Siehe Allah kennt das Verborgene in den Himmeln und auf Erden, und Allah schaut, was ihr tut.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 49 heißt arabisch Al-Hudschurat. Max Henning übersetzt den Namen 1901 mit "Die Gemächer" [1]. Er geht auf Vers 4 zurück, der von Leuten spricht, die den Propheten rufen, "während du in deinen Gemächern bist" (Sure 49,4) [1]. Die Sure ist die 49. im Koran und hat nach der Kairoer Zählung 18 Verse [2]. In der Überlieferung, wie sie Tanzil nach dem Gelehrten az-Zandschani wiedergibt, gilt sie als medinisch und steht in der Reihenfolge der Offenbarung an 106. Stelle [3]. Theodor Nöldeke zählt sie 1860 ebenfalls zu den medinischen Suren und bezieht mehrere Teile auf Ereignisse der Jahre 9 und 10 der islamischen Zeitrechnung [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Inhalt im Überblick

Fünfmal spricht die Sure die Gläubigen mit "O ihr, die ihr glaubt" an (49,1; 49,2; 49,6; 49,11; 49,12), in Vers 13 dagegen alle Menschen [1].

VerseInhalt
1 bis 5Achtung vor dem Gesandten: ihm nicht zuvorkommen, die Stimme nicht über seine erheben, nicht von draußen nach ihm rufen
6 bis 8die Nachricht eines "Nichtswürdigen" erst prüfen, damit niemand aus Unwissenheit verletzt wird
9 bis 10Frieden stiften, wenn zwei Parteien der Gläubigen streiten; "Die Gläubigen sind Brüder"
11 bis 12Verbot von Spott, Schimpfnamen, Argwohn, Spionieren und übler Nachrede
13alle Menschen von einem Mann und einer Frau, Völker und Stämme zum gegenseitigen Kennen
14 bis 18Unterschied zwischen dem Bekenntnis "Wir sind Muslime" und dem Glauben im Herzen

Vers 13 lautet in der Lesefassung: "O ihr Menschen, siehe wir erschufen euch von einem Mann und einer Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, damit ihr einander kennt. Siehe der am meisten Geehrte von euch vor Allah ist der Gottesfürchtigste unter euch; siehe Allah ist wissend und kundig." (Sure 49,13) [1]

Wie die Sure verstanden wird

Viele Deutungen gehen von den Anlässen aus, die die Überlieferung für einzelne Verse nennt.

Klassische Auslegung

Der Kommentar des Ibn Kathir führt Vers 2 in der gekürzten englischen Fassung auf einen Bericht bei al-Buchari zurück: Abu Bakr und Umar seien beim Besuch einer Abordnung der Banu Tamim darüber in Streit geraten, wen der Prophet zu deren Anführer machen solle, und hätten dabei die Stimmen erhoben [5]. Danach habe Umar so leise gesprochen, dass der Prophet nachfragen musste [5]. Zu Vers 13 schreibt Ibn Kathir, alle Menschen stammten von Adam und Eva ab und teilten darin dieselbe Ehre. Ansehen bei Allah erwerbe man durch Gottesfurcht, nicht durch die Abstammung [6]. Einige Gelehrte haben nach seinem Bericht aus dem Vers abgeleitet, dass für einen Ehevertrag allein die Religion als Bedingung gilt und die Gleichrangigkeit der Herkunft nicht verlangt ist [6].

Heutige muslimische Theologie

Muhammad Asad liest Vers 13 in den Anmerkungen zu seiner Übersetzung als Aussage über die gleiche Würde aller Menschen, die auf ihre gemeinsame Herkunft von Vater und Mutter zurückgeht [7]. Völker und Stämme begründen für ihn keinen Vorrang. Der Koran verurteile damit stillschweigend Vorurteile nach Rasse, Volk und Stamm (arabisch Asabiyya), der Prophet habe es ausdrücklich getan [7]. Das Wort "kämpft" in Vers 9 bezieht Asad auf jede Art von Zwist in Worten oder Taten und verbindet es mit den Gerüchten aus Vers 6 [8].

Islamwissenschaft

Theodor Nöldeke beschrieb die Sure 1860 als Zusammenstellung mehrerer Teile [4]. Die Verse 1 bis 5 erklären nach ihm fast alle Ausleger mit der Gesandtschaft der Banu Tamim im Jahr 9 oder 10, die Verse 6 bis 8 mit al-Walid ibn Uqba, der den Stamm Banu Mustaliq verleumdet haben soll [4]. Über die Verse 9 bis 12 erzählten Muslime verschiedene Geschichten, sodass sich nach Nöldeke nichts sicher bestimmen lässt [4]. Vers 13 betrifft für ihn den Stolz der Araber auf ihren Stamm. Für besonders passend hielt er die Erklärung, die den Vers kurz nach der Einnahme Mekkas ansetzt und gegen den Hochmut der Koreisch gerichtet sieht [4]. Die Verse 14 bis 18 bezieht die Überlieferung nach Nöldeke auf den Stamm Banu Asad, der im Jahr 9 auf seine Bekehrung pochte und von Muhammad Nahrung forderte [4].

Mehr Hintergrund findest du auf den Seiten Mekkanische und medinensische Suren und Recht und Gerechtigkeit im Koran. Die Sure davor ist Sure 48, Der Sieg, danach folgt Sure 50 (Qaf).

  1. Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Geschichte des Qorâns, S. 164 f.. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  5. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Hujurat Ayah 2. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Hujurat Ayah 13. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Al-Quran, Online Quran Project: Sure 49,13 mit Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Al-Quran, Online Quran Project: Sure 49,9 mit Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.