Sure 6
Das Vieh
Al-Anʿām
Worum geht's?
Die theologisch dichteste mekkanische Sure des Korans. Sie enthält die klassische Argumentations-Kette gegen den Polytheismus, die berühmte Suche Abrahams nach Gott (Verse 75–79: Stern, Mond, Sonne), die anti-anthropomorphistische Hauptstelle „Die Blicke erreichen ihn nicht" (V103) und am Ende die „Zehn Gebote" des Korans (V151–153). Der Name stammt von den vorislamischen heidnischen Vieh-Tabus (V136–144), die als Beispiel für menschliche Religions-Erfindungen kritisiert werden. Sure 6 ist Mohammeds umfassendste Tauhīd-Predigt vor der Hidschra.
Der Text – Vers für Vers
In moderner Sprache paraphrasiert nach Max Henning (1901).
- 1Lob sei Gott, der die Himmel und die Erde erschaffen und die Finsternisse und das Licht gemacht hat. Doch dann setzen die, die ungläubig sind, ihrem Herrn etwas gleich.
- 2Er ist es, der euch aus Ton erschaffen und dann eine Frist bestimmt hat. Eine festgesetzte Frist ist bei ihm. Doch dann zweifelt ihr.
- 3Er ist Gott in den Himmeln und auf der Erde. Er kennt euer Verborgenes und euer Offenes. Er weiß, was ihr verdient.
- 4Kein Zeichen von den Zeichen ihres Herrn kommt zu ihnen, ohne dass sie sich von ihm abwenden.
- 5Schon haben sie die Wahrheit für Lüge erklärt, als sie zu ihnen kam. Aber zu ihnen werden die Nachrichten von dem kommen, worüber sie zu spotten pflegten.
- 6Haben sie nicht gesehen, wie viele Generationen wir vor ihnen vernichtet haben? Wir hatten ihnen auf der Erde Macht gegeben, wie wir sie euch nicht gegeben haben. Wir schickten den Himmel reichlich Regen über sie und ließen Bäche unter ihnen fließen. Dann vernichteten wir sie wegen ihrer Sünden und ließen nach ihnen eine andere Generation entstehen.
- 7Hätten wir auf dich ein Buch in einer Schrift herabgesandt, sodass sie es mit ihren Händen berührt hätten, hätten die, die ungläubig sind, gesagt: Das ist nichts als deutliche Magie!
- 8Sie sagten: Warum ist nicht ein Engel auf ihn herabgesandt worden? Hätten wir aber einen Engel herabgesandt, wäre die Sache entschieden. Dann würde ihnen kein Aufschub gegeben.
- 9Hätten wir ihn zu einem Engel gemacht, hätten wir ihn als Mann gemacht und ihnen verkleidet, was sie verkleiden.
- 10Schon wurden Gesandte vor dir verspottet. Da umfing die, die über sie spotteten, das, worüber sie zu spotten pflegten.
- 11Sprich: Wandert auf der Erde umher und seht dann, wie das Ende der für Lüge Erklärenden war!
- 12Sprich: Wem gehört, was in den Himmeln und auf der Erde ist? Sprich: Gott! Er hat sich selbst die Barmherzigkeit vorgeschrieben. Er wird euch wahrlich am Tag der Auferstehung versammeln, an dem es keinen Zweifel gibt. Die, die sich selbst verloren haben, glauben nicht.
- 13Ihm gehört, was in der Nacht und am Tag ruht. Er ist der Allhörende, der Allwissende.
- 14Sprich: Soll ich anderen als Gott zum Schutzherrn nehmen – dem Schöpfer der Himmel und der Erde? Er versorgt und wird nicht versorgt. Sprich: Wahrlich, mir wurde befohlen, der erste der Ergebenen zu sein. So gehöre nicht zu den Beigesellenden!
- 15Sprich: Wahrlich, ich fürchte, wenn ich meinem Herrn ungehorsam wäre, die Strafe eines gewaltigen Tages.
- 16Wer an jenem Tag davon abgewandt wird, dem hat sich Gott erbarmt. Das ist der deutliche Erfolg.
- 17Wenn Gott dich mit einem Leid berührt, gibt es keinen, der es aufhebt außer ihm. Wenn er dich mit etwas Gutem berührt – er hat über alles Macht.
- 18Er ist der Bezwingende über seinen Dienern. Er ist der Weise, der Allwissende.
- 19Sprich: Was wiegt am meisten als Zeugnis? Sprich: Gott! Er ist Zeuge zwischen mir und euch. Mir wurde dieser Koran offenbart, damit ich euch und alle, die er erreicht, mit ihm warne. Bezeugt ihr wirklich, dass es neben Gott andere Götter gibt? Sprich: Ich bezeuge das nicht! Sprich: Wahrlich, er ist ein einziger Gott. Wahrlich, ich bin unschuldig an dem, was ihr beigesellt.
- 20Die, denen wir das Buch gegeben haben, kennen ihn, wie sie ihre Söhne kennen. Die, die sich selbst verloren haben, glauben nicht.
- 21Wer ist ungerechter als der, der eine Lüge über Gott erfindet oder seine Zeichen für Lüge erklärt? Wahrlich, die Frevler sind nicht erfolgreich.
- 22An dem Tag versammeln wir sie alle. Dann sagen wir denen, die beigesellt haben: Wo sind eure Mit-Geseller, die ihr behauptet habt?
- 23Dann werden sie keine andere Versuchung haben, als zu sagen: Bei Gott, unserem Herrn! Wir waren keine Beigesellenden!
- 24Sieh, wie sie sich gegen sich selbst belügen! Was sie zu erfinden pflegten, hat sich von ihnen abgewendet.
- 25Unter ihnen sind welche, die dir zuhören. Wir haben aber über ihre Herzen Hüllen gelegt, damit sie es nicht verstehen, und Schwerhörigkeit in ihre Ohren. Wenn sie jedes Zeichen sehen, glauben sie nicht daran. Wenn sie zu dir kommen, streiten sie mit dir. Die, die ungläubig sind, sagen: Das sind nur Märchen der Alten.
- 26Sie verbieten es, und sie selbst gehen davon. Sie vernichten nur sich selbst. Sie merken es aber nicht.
- 27Wenn du sähest, wenn sie vor das Feuer gestellt werden und sagen: O wäre es doch nur, dass wir zurückgebracht würden! Dann würden wir die Zeichen unseres Herrn nicht für Lüge erklären, sondern zu den Gläubigen gehören!
- 28Vielmehr ist ihnen klar geworden, was sie vorher zu verbergen pflegten. Würden sie zurückgebracht, kehrten sie zu dem zurück, wovon sie abgehalten wurden. Sie sind wahrlich Lügner.
- 29Sie sagten: Es gibt nur unser diesseitiges Leben. Wir werden nicht auferweckt.
- 30Wenn du sähest, wenn sie vor ihrem Herrn gestellt werden! Er sagt: Ist das nicht die Wahrheit? Sie sagen: Doch, bei unserem Herrn! Er sagt: So kostet die Strafe für das, was ihr ungläubig wart!
- 31Schon haben die verloren, die das Treffen mit Gott für Lüge erklärten – bis, wenn die Stunde plötzlich zu ihnen kommt, sie sagen: O unsere Trauer um das, was wir in ihr versäumt haben! Sie tragen ihre Lasten auf ihren Rücken. Schlimm ist, was sie tragen!
- 32Das diesseitige Leben ist nur Spiel und Spaß. Die Endwohnstätte ist wahrlich besser für die, die gottesfürchtig sind. Werdet ihr nicht verständig sein?
- 33Wir wissen wahrlich, dass dich das, was sie sagen, traurig macht. Sie erklären dich aber nicht für einen Lügner – die Frevler verleugnen vielmehr die Zeichen Gottes.
- 34Schon wurden Gesandte vor dir für Lügner erklärt. Sie ertrugen geduldig, dass sie für Lügner erklärt und gepeinigt wurden, bis unsere Hilfe zu ihnen kam. Es gibt keinen, der die Worte Gottes ändern könnte. Schon ist eine Nachricht von den Gesandten zu dir gekommen.
- 35Wenn dir ihre Abwendung schwer fällt – wenn du also einen Tunnel in der Erde oder eine Leiter zum Himmel suchen kannst, um ihnen ein Zeichen zu bringen! Hätte Gott gewollt, hätte er sie alle zur Rechtleitung versammelt. So gehöre nicht zu den Unwissenden!
- 36Nur die antworten, die hören. Die Toten – Gott wird sie auferwecken. Dann werden sie zu ihm zurückgebracht.
- 37Sie sagten: Warum ist ihm nicht ein Zeichen von seinem Herrn herabgesandt worden? Sprich: Wahrlich, Gott hat die Macht, ein Zeichen herabzusenden. Aber die meisten von ihnen wissen es nicht.
- 38Es gibt kein Geschöpf auf der Erde und keinen Vogel, der mit seinen Flügeln fliegt, ohne dass sie Gemeinschaften gleich euch wären. Wir haben im Buch nichts ausgelassen. Dann werden sie zu ihrem Herrn versammelt.
- 39Die unsere Zeichen für Lüge erklären, sind taub, stumm in den Finsternissen. Wen Gott will, lässt er in die Irre gehen. Wen er aber will, stellt er auf einen geraden Weg.
- 40Sprich: Habt ihr gesehen? Wenn die Strafe Gottes zu euch kommt oder die Stunde zu euch kommt – ruft ihr dann jemand anderen außer Gott an, wenn ihr wahrhaftig seid?
- 41Vielmehr ruft ihr ihn allein an. Da hebt er, wenn er will, weg, wozu ihr ihn anruft. Und ihr vergesst, was ihr beigesellt.
- 42Schon haben wir zu Gemeinschaften vor dir geschickt. Wir packten sie mit Not und Bedrängnis, damit sie demütig würden.
- 43Wenn doch, wenn unsere Härte zu ihnen kam, sie demütig geworden wären! Aber ihre Herzen verhärteten sich, und der Satan machte ihnen schön, was sie taten.
- 44Als sie das vergaßen, woran sie ermahnt worden waren, öffneten wir ihnen die Tore aller Dinge, bis – als sie sich über das freuten, was ihnen gegeben war – wir sie plötzlich packten. Da sahen sie sich enttäuscht.
- 45Da wurde die letzte Wurzel des Volkes, das Unrecht getan hat, abgeschnitten. Lob sei Gott, dem Herrn der Welten!
- 46Sprich: Habt ihr gesehen? Wenn Gott euer Gehör und eure Augen nimmt und eure Herzen versiegelt – wer ist ein Gott außer Gott, der sie euch wiedergeben würde? Sieh, wie wir die Zeichen vielfältig erklären! Dann wenden sie sich ab.
- 47Sprich: Habt ihr gesehen? Wenn die Strafe Gottes plötzlich oder offen zu euch kommt – wird ein anderes Volk außer dem frevelnden Volk vernichtet?
- 48Wir schicken die Gesandten nur als Verkünder froher Botschaft und Warner. Wer also geglaubt und sich gebessert hat – über die wird keine Furcht sein, und sie werden nicht traurig sein.
- 49Die aber unsere Zeichen für Lüge erklären – die Strafe wird sie berühren wegen ihrer Sünden.
- 50Sprich: Ich sage euch nicht: Bei mir sind die Schatzkammern Gottes! Auch nicht: Ich weiß das Verborgene! Auch nicht sage ich euch: Ich bin ein Engel! Ich folge nur dem, was mir offenbart wird. Sprich: Ist der Blinde gleich dem Sehenden? Werdet ihr nicht nachdenken?
- 51Warne damit die, die fürchten, dass sie zu ihrem Herrn versammelt werden, ohne dass sie außer ihm einen Schutzherrn und einen Fürsprecher haben, vielleicht sind sie gottesfürchtig!
- 52Vertreibe nicht die, die ihren Herrn am Morgen und am Abend anrufen und sein Antlitz suchen! Es liegt nicht an dir, sie zur Rechenschaft zu ziehen, und es liegt nicht an ihnen, dich zur Rechenschaft zu ziehen. Würdest du sie aber vertreiben, wärst du von den Frevlern.
- 53So haben wir die einen von ihnen durch die anderen geprüft, damit sie sagen: Sind das die, denen Gott unter uns Gunst erwiesen hat? Weiß Gott nicht am besten über die Dankbaren Bescheid?
- 54Wenn die zu dir kommen, die an unsere Zeichen glauben, so sprich: Friede sei mit euch! Euer Herr hat sich selbst die Barmherzigkeit vorgeschrieben. Wer aus Unwissenheit etwas Böses tut, dann danach umkehrt und sich bessert – er ist allverzeihend, barmherzig.
- 55So machen wir die Zeichen vielfältig, damit der Weg der Sünder deutlich werde.
- 56Sprich: Mir wurde verboten, dem zu dienen, was ihr anstatt Gottes anruft. Sprich: Ich folge nicht euren Lüsten. Sonst wäre ich abgeirrt und gehörte nicht zu den Rechtgeleiteten.
- 57Sprich: Wahrlich, ich bin auf einem klaren Beweis von meinem Herrn. Ihr aber habt ihn für Lüge erklärt. Bei mir ist nicht, womit ihr ungeduldig seid. Das Urteil liegt nur bei Gott. Er erzählt die Wahrheit. Er ist der beste der Entscheidenden.
- 58Sprich: Wäre bei mir das, womit ihr ungeduldig seid, wäre die Sache zwischen mir und euch entschieden. Gott weiß am besten über die Frevler Bescheid.
- 59Bei ihm sind die Schlüssel des Verborgenen. Niemand kennt sie außer ihm. Er weiß, was im Land und im Meer ist. Kein Blatt fällt, ohne dass er es weiß. Kein Korn ist in der Finsternis der Erde, kein Frisches und kein Trockenes, ohne dass es in einem deutlichen Buch ist.
- 60Er ist es, der euch in der Nacht abberuft und weiß, was ihr am Tag erworben habt. Dann erweckt er euch in ihm wieder, damit eine bestimmte Frist erfüllt werde. Dann ist zu ihm eure Rückkehr. Dann teilt er euch mit, was ihr tatet.
- 61Er ist der Bezwingende über seinen Dienern. Er schickt euch Wächter, bis, wenn einem von euch der Tod kommt, ihn unsere Gesandten abberufen. Sie versäumen nichts.
- 62Dann werden sie zu Gott, ihrem wahren Schutzherrn, zurückgebracht. Hat nicht ihm das Urteil? Er ist der schnellste der Abrechnenden.
- 63Sprich: Wer rettet euch aus den Finsternissen des Landes und des Meeres? Ihr ruft ihn demütig und im Verborgenen an: Wenn er uns nur aus dieser rettet, gehören wir wahrlich zu den Dankbaren.
- 64Sprich: Gott rettet euch aus ihr und aus aller Bedrängnis. Doch dann gesellt ihr ihm bei.
- 65Sprich: Er hat die Macht, eine Strafe von über euch oder von unter euren Füßen über euch zu schicken oder euch in Gruppen verwirren zu lassen, sodass die einen die Gewalt der anderen kosten. Sieh, wie wir die Zeichen vielfältig erklären, vielleicht verstehen sie!
- 66Dein Volk hat es für Lüge erklärt, während es die Wahrheit ist. Sprich: Ich bin kein Sachwalter über euch.
- 67Für jede Nachricht ist eine Festsetzung, und ihr werdet es wissen.
- 68Wenn du die siehst, die in unsere Zeichen vertieft sind, so wende dich von ihnen ab, bis sie in einer anderen Rede vertieft sind! Wenn der Satan dich vergessen lässt, so setze dich nach der Erinnerung nicht mehr zu dem frevelhaften Volk!
- 69Es liegt nichts an denen, die gottesfürchtig sind, von ihrer Abrechnung – außer einer Ermahnung, vielleicht sind sie gottesfürchtig.
- 70Lass die, die ihre Religion zum Spiel und Spaß genommen haben und vom diesseitigen Leben getäuscht wurden! Erinnere damit, dass eine Seele nicht durch das, was sie verdient hat, verpfändet wird! Sie hat außer Gott keinen Schutzherrn und keinen Fürsprecher. Auch wenn sie jeden Ausgleich bietet, wird er nicht von ihr genommen. Diese sind die, die durch das verpfändet sind, was sie verdient haben. Sie haben ein Getränk aus kochendem Wasser und eine schmerzhafte Strafe wegen dessen, was sie ungläubig waren.
- 71Sprich: Sollen wir anstatt Gottes etwas anrufen, was uns weder nützt noch schadet, und auf unseren Fersen umgekehrt werden, nachdem Gott uns rechtgeleitet hat – wie der, den die Satane auf der Erde irre gemacht haben, verwirrt, während er Gefährten hat, die ihn zur Rechtleitung rufen: Komm zu uns! Sprich: Wahrlich, die Rechtleitung Gottes ist die Rechtleitung. Uns wurde befohlen, uns dem Herrn der Welten zu ergeben,
- 72und: Verrichtet das Gebet und fürchtet ihn! Er ist es, zu dem ihr versammelt werdet.
- 73Er ist es, der die Himmel und die Erde mit der Wahrheit erschaffen hat. Am Tag, an dem er sagt: Sei! Da ist es. Sein Wort ist die Wahrheit. Ihm gehört die Königsherrschaft an dem Tag, an dem in das Horn geblasen wird. Er kennt das Verborgene und das Bezeugte. Er ist der Weise, der Kundige.
- 74Als Abraham zu seinem Vater Āzar sagte: Nimmst du Götzen zu Göttern? Wahrlich, ich sehe dich und dein Volk in deutlicher Verirrung.
- 75So zeigten wir Abraham das Reich der Himmel und der Erde, damit er zu den fest Glaubenden gehöre.
- 76Als die Nacht über ihn fiel, sah er einen Stern. Er sagte: Das ist mein Herr! Als er aber unterging, sagte er: Ich liebe die Untergehenden nicht.
- 77Als er den Mond aufgehen sah, sagte er: Das ist mein Herr! Als er aber unterging, sagte er: Wenn mich mein Herr nicht rechtleitet, gehöre ich gewiss zum verirrten Volk.
- 78Als er die Sonne aufgehen sah, sagte er: Das ist mein Herr! Das ist größer! Als sie aber unterging, sagte er: Mein Volk, wahrlich, ich bin unschuldig an dem, was ihr beigesellt.
- 79Wahrlich, ich wende mein Gesicht dem zu, der die Himmel und die Erde geschaffen hat, als Hanīf. Ich gehöre nicht zu den Beigesellenden.
- 80Sein Volk stritt mit ihm. Er sagte: Streitet ihr mit mir über Gott, wo er mich doch rechtgeleitet hat? Ich fürchte nichts von dem, was ihr ihm beigesellt – außer was mein Herr will. Mein Herr umfasst alles mit Wissen. Werdet ihr nicht nachdenken?
- 81Wie sollte ich das fürchten, was ihr beigesellt habt, während ihr nicht fürchtet, Gott beigesellt zu haben, wofür er euch keine Vollmacht herabgesandt hat? Welche der beiden Gruppen hat mehr Recht auf Sicherheit, wenn ihr es wisst?
- 82Die, die geglaubt und ihren Glauben nicht mit Unrecht vermischt haben – diese haben Sicherheit und sind rechtgeleitet.
- 83Das ist unser Beweis, den wir Abraham gegen sein Volk gegeben haben. Wir erheben um Stufen, wen wir wollen. Wahrlich, dein Herr ist weise, allwissend.
- 84Wir haben ihm Isaak und Jakob geschenkt. Beide haben wir rechtgeleitet. Auch Noah haben wir vorher rechtgeleitet. Aus seinen Nachkommen: David, Salomo, Hiob, Joseph, Moses und Aaron. So belohnen wir die Gutestuenden.
- 85Auch Zacharias, Johannes, Jesus und Elias. Alle gehörten zu den Rechtschaffenen.
- 86Auch Ismael, Elischa, Jonas und Lot. Allen haben wir vor den Welten Vorzug gegeben.
- 87Auch einigen ihrer Väter, Nachkommen und Brüder. Wir haben sie erwählt und auf einen geraden Weg geleitet.
- 88Das ist die Rechtleitung Gottes. Er leitet damit, wen er will, von seinen Dienern. Hätten sie aber beigesellt, wäre wahrlich verloren gegangen, was sie zu tun pflegten.
- 89Diese sind die, denen wir das Buch, die Urteilsfähigkeit und das Prophetentum gegeben haben. Wenn diese aber ungläubig sind – wir haben damit ein Volk betraut, das nicht ungläubig ist.
- 90Diese sind die, die Gott rechtgeleitet hat. So folge ihrer Rechtleitung! Sprich: Ich verlange dafür von euch keinen Lohn. Es ist nur eine Ermahnung für die Welten.
- 91Sie haben Gott nicht in der Schätzung gerecht eingeschätzt, als sie sagten: Gott hat nichts auf einen Menschen herabgesandt. Sprich: Wer hat das Buch herabgesandt, mit dem Moses kam – ein Licht und eine Rechtleitung für die Menschen? Ihr macht es zu Schriften, die ihr offenbart und vieles verbergt. Euch wurde gelehrt, was weder ihr noch eure Väter wussten. Sprich: Gott! Dann lasst sie in ihrer Vertiefung weiterspielen!
- 92Das ist ein Buch, das wir herabgesandt haben, gesegnet, bestätigend, was vor ihm war, und damit du die Mutter der Städte und die um sie herum warnst. Die an das Jenseits glauben, glauben daran. Sie hüten ihr Gebet.
- 93Wer ist ungerechter als der, der eine Lüge über Gott erfindet oder sagt: Mir wurde offenbart! – während ihm nichts offenbart wurde – oder als der sagt: Ich werde herabsenden wie das, was Gott herabgesandt hat? Wenn du sähest, wenn die Frevler in den Todeswehen sind und die Engel ihre Hände ausgestreckt haben: Gebt eure Seelen heraus! Heute wird euch die entehrende Strafe vergolten, dafür dass ihr über Gott Falsches gesagt habt und seinen Zeichen gegenüber hochmütig wart.
- 94Ihr seid wahrlich zu uns gekommen, einzeln, wie wir euch zuerst erschaffen haben. Ihr habt hinter euren Rücken gelassen, was wir euch gegeben haben. Wir sehen mit euch nicht eure Fürsprecher, von denen ihr behauptet habt, sie seien unter euch Teilhaber. Schon ist zwischen euch alles abgerissen, und was ihr behauptet habt, hat sich von euch verirrt.
- 95Wahrlich, Gott spaltet das Korn und den Kern. Er bringt das Lebendige aus dem Toten hervor und das Tote aus dem Lebendigen. Das ist Gott! Wie könnt ihr also abgelenkt werden?
- 96Spalter der Morgendämmerung! Er hat die Nacht zur Ruhe gemacht, die Sonne und den Mond zu einer Berechnung. Das ist die Bestimmung des Mächtigen, des Allwissenden.
- 97Er ist es, der euch die Sterne gemacht hat, damit ihr euch in den Finsternissen des Landes und des Meeres mit ihnen rechtleitet. Schon haben wir die Zeichen für ein Volk, das weiß, erklärt.
- 98Er ist es, der euch aus einer einzigen Seele hervorgebracht hat. Da gibt es einen Aufenthaltsort und einen Aufbewahrungsort. Schon haben wir die Zeichen für ein Volk, das versteht, erklärt.
- 99Er ist es, der vom Himmel Wasser herabgesandt hat. Damit haben wir das Wachstum aller Dinge hervorgebracht. Daraus haben wir Grünes hervorgebracht. Daraus bringen wir aufeinandergeschichtete Körner. Aus der Dattelpalme und ihren Knospen kommen herabhängende Trauben. Und Gärten mit Reben, Oliven und Granatäpfeln, ähnlich und nicht ähnlich. Schaut auf ihre Frucht, wenn sie Frucht trägt und reift! Wahrlich, darin sind Zeichen für ein Volk, das glaubt.
- 100Sie haben Gott die Dschinn zu Teilhabern gemacht, obwohl er sie erschaffen hat. Sie haben ihm aus Unwissenheit Söhne und Töchter erfunden. Preis sei ihm und erhaben über das, was sie ihm zuschreiben!
- 101Der hervorragende Hervorbringer der Himmel und der Erde. Wie sollte er einen Sohn haben, wo er doch keine Gefährtin hat? Er hat alles erschaffen. Er ist über alles wissend.
- 102Das ist Gott, euer Herr. Es gibt keinen Gott außer ihm. Er ist Schöpfer aller Dinge. So dient ihm! Er ist über alles Sachwalter.
- 103Die Blicke erreichen ihn nicht. Er erreicht aber die Blicke. Er ist der Sanfte, der Kundige.
- 104Schon sind zu euch klare Beweise von eurem Herrn gekommen. Wer einsichtig ist – es ist für seine eigene Seele. Wer blind ist – es ist gegen sie. Ich bin kein Wächter über euch.
- 105So machen wir die Zeichen vielfältig. Sie sollen sagen: Du hast studiert. Wir machen es für ein Volk, das weiß, klar.
- 106Folge dem, was zu dir von deinem Herrn offenbart wurde! Es gibt keinen Gott außer ihm. Wende dich von den Beigesellenden ab!
- 107Hätte Gott gewollt, hätten sie nicht beigesellt. Wir haben dich nicht zu einem Wächter über sie gemacht. Du bist auch kein Sachwalter über sie.
- 108Schmäht nicht die, die sie anstatt Gottes anrufen, dann schmähen sie Gott in Übergriff ohne Wissen! So haben wir jeder Gemeinschaft ihr Tun schön gemacht. Dann ist zu ihrem Herrn ihre Heimkehr. Er teilt ihnen mit, was sie tatsen.
- 109Sie schwörten ihre stärksten Eide bei Gott: Käme zu ihnen ein Zeichen, würden sie wahrlich daran glauben. Sprich: Die Zeichen sind nur bei Gott. Was lässt euch merken, dass sie, wenn sie kommen, nicht glauben?
- 110Wir wenden ihre Herzen und ihre Blicke ab, wie sie nicht das erste Mal an ihn geglaubt haben. Wir lassen sie in ihrer Maßlosigkeit verwirrt umherirren.
- 111Selbst wenn wir die Engel zu ihnen herabsenden ließen und die Toten zu ihnen redeten und wir alles vor ihnen in Massen versammelten, würden sie nicht glauben – außer Gott will. Aber die meisten von ihnen sind unwissend.
- 112So haben wir jedem Propheten einen Feind gemacht – Satane unter den Menschen und den Dschinn. Sie geben einander schöne Rede in Täuschung ein. Hätte dein Herr gewollt, hätten sie es nicht getan. So lass sie mit dem, was sie erfinden!
- 113Damit die Herzen derer, die nicht an das Jenseits glauben, sich ihm zuneigen, damit sie an ihm Gefallen finden und damit sie das verdienen, was sie verdienen.
- 114Soll ich also einen anderen Richter als Gott suchen, während er es ist, der das Buch zu euch klargemacht herabgesandt hat? Die, denen wir das Buch gegeben haben, wissen, dass es mit der Wahrheit von deinem Herrn herabgesandt wird. So gehöre nicht zu den Zweifelnden!
- 115Das Wort deines Herrn ist vollkommen in Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit. Es gibt keinen, der seine Worte ändern kann. Er ist der Allhörende, der Allwissende.
- 116Wenn du den meisten auf der Erde gehorchst, lassen sie dich vom Weg Gottes abirren. Sie folgen nur der Vermutung, und sie schätzen nur.
- 117Wahrlich, dein Herr weiß am besten, wer von seinem Weg abirrt. Er weiß am besten über die Rechtgeleiteten.
- 118So esst von dem, worüber der Name Gottes genannt wurde, wenn ihr an seine Zeichen Gläubige seid!
- 119Was ist mit euch, dass ihr nicht von dem esst, worüber der Name Gottes genannt wurde, während er euch klargemacht hat, was er euch verboten hat – außer was ihr in der Not seid? Wahrlich, viele verirren sich mit ihren Lüsten ohne Wissen. Wahrlich, dein Herr weiß am besten über die Übergreifenden.
- 120Lasst die Sünde offen oder verborgen! Wahrlich, die die Sünde verdienen, werden vergolten werden mit dem, was sie zu erwerben pflegten.
- 121Esst nicht von dem, worüber der Name Gottes nicht genannt wurde! Wahrlich, das ist Sünde. Wahrlich, die Satane geben ihren Schutzherren ein, dass sie mit euch streiten. Wenn ihr ihnen gehorcht, seid ihr Beigesellende.
- 122Ist denn der, der tot war und den wir wieder zum Leben erweckten und ihm ein Licht gaben, in dem er unter den Menschen wandelt, wie der, dessen Gleichnis das eines in den Finsternissen ist, aus dem er nicht hinauskommt? So wurde den Ungläubigen schön gemacht, was sie zu tun pflegten.
- 123So haben wir in jeder Stadt die Großen ihrer Sünder gemacht, damit sie in ihr List schmieden. Sie schmieden List aber nur gegen sich selbst, ohne es zu merken.
- 124Wenn ihnen ein Zeichen kommt, sagen sie: Wir werden nicht glauben, bis uns Ähnliches gegeben wird, wie es den Gesandten Gottes gegeben wurde. Gott weiß am besten, wem er seine Botschaft anvertraut. Auf die Sünder kommt Schande bei Gott und eine harte Strafe für das, was sie zu schmieden pflegten.
- 125Wen Gott rechtleiten will, dem öffnet er die Brust für den Islam. Wen er aber in die Irre führen will, dessen Brust macht er eng und beklemmt, als müsse er in den Himmel emporsteigen. So legt Gott die Unreinheit auf die, die nicht glauben.
- 126Das ist der gerade Weg deines Herrn. Schon haben wir die Zeichen für ein Volk, das sich ermahnen lässt, klargemacht.
- 127Sie haben die Wohnstätte des Friedens bei ihrem Herrn. Er ist ihr Schutzherr für das, was sie zu tun pflegten.
- 128Am Tag, an dem er sie alle versammelt: Versammlung der Dschinn! Schon habt ihr viele Menschen genommen. Ihre Schutzherren unter den Menschen sagen: Unser Herr, einige von uns haben aus den anderen Nutzen gezogen. Wir haben unsere Frist erreicht, die du uns festgesetzt hast. Er sagt: Das Feuer ist eure Bleibe. Ihr seid darin ewig, außer was Gott will. Wahrlich, dein Herr ist weise, allwissend.
- 129So machen wir einige der Frevler zu Verbündeten anderer wegen dessen, was sie zu erwerben pflegten.
- 130Versammlung der Dschinn und der Menschen! Sind nicht Gesandte zu euch aus euch gekommen, die euch meine Zeichen erzählten und euch vor dem Treffen mit diesem eurem Tag warnten? Sie sagen: Wir bezeugen gegen uns selbst! Das diesseitige Leben hat sie getäuscht. Sie bezeugen gegen sich selbst, dass sie Ungläubige waren.
- 131Das ist, weil dein Herr die Städte nicht ungerechterweise vernichten würde, während ihre Bewohner unachtsam wären.
- 132Für jeden gibt es Stufen für das, was sie getan haben. Dein Herr ist nicht achtlos über das, was sie tun.
- 133Dein Herr ist der Unbedürftige, Besitzer der Barmherzigkeit. Wenn er will, hebt er euch weg und lässt nach euch entstehen, was er will, wie er euch aus den Nachkommen anderer Leute entstehen ließ.
- 134Wahrlich, was euch versprochen ist, kommt. Ihr könnt es nicht verhindern.
- 135Sprich: Mein Volk, handelt auf eure Weise! Wahrlich, ich handle auch. Ihr werdet erkennen, wessen die Endwohnstätte ist. Wahrlich, die Frevler sind nicht erfolgreich.
- 136Sie gaben Gott einen Anteil dessen, was er an Saaten und Vieh erschaffen hat. Sie sagten: Das ist für Gott! – wie sie behaupteten – und: Das ist für unsere Mit-Geseller! Was für ihre Mit-Geseller war, erreicht Gott nicht. Was für Gott war, erreicht ihre Mit-Geseller. Schlimm ist, was sie urteilen!
- 137So schmückten ihre Mit-Geseller vielen der Beigesellenden die Tötung ihrer Kinder, um sie zu verderben und ihnen ihre Religion zu verkleiden. Hätte Gott gewollt, hätten sie es nicht getan. So lass sie und das, was sie erfinden!
- 138Sie sagten: Dieses Vieh und diese Saaten sind tabu. Niemand kostet sie – außer wer wir wollen! – wie sie behaupteten. Und Vieh, dessen Rücken tabu wurden. Und Vieh, über das sie den Namen Gottes nicht aussprechen, in Verleumdung über ihn. Er wird ihnen für das vergelten, was sie zu erfinden pflegten.
- 139Sie sagten: Was in den Bäuchen dieses Viehs ist, ist ausschließlich unseren Männern erlaubt und unseren Frauen verboten. Wenn es aber als Totgeborenes ist, sind sie alle daran Teilhaber. Er wird ihnen für ihre Behauptung vergelten. Er ist weise, allwissend.
- 140Verloren haben die, die ihre Kinder aus Torheit ohne Wissen getötet haben und das, womit Gott sie versorgt hat, in Verleumdung über Gott für verboten erklärten. Sie sind abgeirrt und nicht rechtgeleitet.
- 141Er ist es, der Gärten hervorgebracht hat, gestützte und ungestützte, Dattelpalmen und Saaten, deren Speise verschieden ist, Oliven und Granatäpfel, ähnlich und nicht ähnlich. Esst von ihrer Frucht, wenn sie Frucht trägt, und gebt ihr Recht am Tag ihrer Ernte! Verschwendet nicht! Wahrlich, er liebt die Verschwender nicht.
- 142Auch vom Vieh hat er Lasten-Tiere und welche zum Schlachten gemacht. Esst von dem, womit Gott euch versorgt hat, und folgt nicht den Schritten des Satans! Wahrlich, er ist euch ein deutlicher Feind.
- 143Acht Paare: vom Schaf zwei und von der Ziege zwei. Sprich: Hat er die beiden Männlichen oder die beiden Weiblichen verboten oder das, was die Schöße der beiden Weiblichen umschlossen halten? Teilt mir es mit Wissen mit, wenn ihr wahrhaftig seid!
- 144Auch vom Kamel zwei und vom Rind zwei. Sprich: Hat er die beiden Männlichen oder die beiden Weiblichen verboten oder das, was die Schöße der beiden Weiblichen umschlossen halten? Oder wart ihr Zeugen, als Gott euch das vorschrieb? Wer ist ungerechter als der, der eine Lüge über Gott erfindet, um die Menschen ohne Wissen in die Irre zu führen? Wahrlich, Gott leitet das frevelhafte Volk nicht.
- 145Sprich: Ich finde in dem, was zu mir offenbart wurde, kein Verbot für einen Esser zu essen, außer wenn es Aas oder ausgegossenes Blut oder Schweinefleisch ist – das ist ein Greuel – oder etwas Frevelhaftes, worüber etwas anderes als Gott angerufen wurde. Wer aber gezwungen ist – ohne zu wünschen und ohne zu übertreten – wahrlich, dein Herr ist allverzeihend, barmherzig.
- 146Den Juden haben wir alle Klauen-Tiere verboten. Vom Rind und Schaf haben wir ihnen ihre Fette verboten, außer was ihre Rücken oder die Eingeweide tragen oder was mit den Knochen gemischt ist. Das haben wir ihnen für ihre Aufsässigkeit vergolten. Wahrlich, wir sind wahrhaftig.
- 147Wenn sie dich für einen Lügner halten, so sprich: Euer Herr ist Inhaber weitreichender Barmherzigkeit. Aber seine Härte wird vom frevelhaften Volk nicht abgewendet.
- 148Die Beigesellenden werden sagen: Hätte Gott gewollt, hätten wir nicht beigesellt – auch nicht unsere Väter – und nichts für verboten erklärt. So haben die vor ihnen für Lüge erklärt, bis sie unsere Härte gekostet haben. Sprich: Habt ihr irgendein Wissen, sodass ihr es uns hervorbringen könntet? Ihr folgt nur der Vermutung. Ihr schätzt nur.
- 149Sprich: Gott hat den endgültigen Beweis. Wenn er gewollt hätte, hätte er euch alle rechtgeleitet.
- 150Sprich: Bringt eure Zeugen her, die bezeugen, dass Gott das verboten hat! Wenn sie aber bezeugen, so bezeuge nicht mit ihnen! Folge nicht den Lüsten derer, die unsere Zeichen für Lüge erklärt haben, und derer, die nicht an das Jenseits glauben und ihrem Herrn Gleiches geben!
- 151Sprich: Kommt, ich werde euch verlesen, was euer Herr euch verboten hat: dass ihr ihm nichts beigesellt; den Eltern Gutes tut; eure Kinder nicht aus Armut tötet – wir versorgen euch und sie; ihr euch den Schändlichkeiten nicht nähert, was an ihnen offen oder verborgen ist; die Seele, die Gott für unverletzlich erklärt hat, nicht tötet – außer mit Recht. Das hat er euch geboten, damit ihr verständig seid.
- 152Nähert euch nicht dem Vermögen der Waise, außer auf die schönste Weise, bis sie ihre Volljährigkeit erreicht! Erfüllt das Maß und die Waage mit Gerechtigkeit! Wir belasten eine Seele nur nach ihrem Vermögen. Wenn ihr Rede sprecht, seid gerecht, auch wenn es ein Verwandter ist! Erfüllt den Bund Gottes! Das hat er euch geboten, vielleicht seid ihr ermahnt.
- 153Das ist mein gerader Weg. So folgt ihm! Folgt nicht den anderen Wegen, sonst zerstreuen sie euch von seinem Weg! Das hat er euch geboten, vielleicht seid ihr gottesfürchtig.
- 154Dann gaben wir Moses das Buch als Vollendung für den, der Gutes tut, und als Erklärung aller Dinge, als Rechtleitung und Barmherzigkeit, damit sie an das Treffen mit ihrem Herrn glauben.
- 155Das ist ein gesegnetes Buch, das wir herabgesandt haben. So folgt ihm und seid gottesfürchtig, vielleicht wird euch Barmherzigkeit erwiesen –
- 156damit ihr nicht sagt: Das Buch wurde nur auf zwei Gruppen vor uns herabgesandt. Wir waren von ihrem Studieren unachtsam.
- 157Oder sagt: Wäre das Buch auf uns herabgesandt worden, wären wir rechter geleitet gewesen als sie. Schon ist zu euch ein klarer Beweis von eurem Herrn und Rechtleitung und Barmherzigkeit gekommen. Wer ist ungerechter als der, der die Zeichen Gottes für Lüge erklärt und sich von ihnen abwendet? Wir werden die, die sich von unseren Zeichen abwenden, mit der schlechtesten Strafe für ihr Abwenden vergelten.
- 158Warten sie etwa, dass die Engel zu ihnen kommen oder dein Herr kommt oder einige Zeichen deines Herrn kommen? Am Tag, an dem einige Zeichen deines Herrn kommen, nützt einer Seele ihr Glaube nichts, die vorher nicht geglaubt oder Gutes in ihrem Glauben verdient hat. Sprich: Wartet! Wir warten auch.
- 159Wahrlich, die ihre Religion gespalten und Gruppen geworden sind – mit ihnen hast du in nichts zu tun. Ihre Sache liegt nur bei Gott. Dann wird er ihnen mitteilen, was sie zu tun pflegten.
- 160Wer mit einer guten Tat kommt, dem gehört das Zehnfache davon. Wer aber mit einer schlechten Tat kommt, wird nur mit etwas Gleichem vergolten. Es wird ihnen kein Unrecht getan.
- 161Sprich: Wahrlich, mein Herr hat mich auf einen geraden Weg geleitet, eine richtige Religion, die Glaubensgemeinschaft Abrahams als Hanīf. Er gehörte nicht zu den Beigesellenden.
- 162Sprich: Wahrlich, mein Gebet, mein Opfer, mein Leben und mein Sterben gehören Gott, dem Herrn der Welten.
- 163Er hat keinen Teilhaber. Das wurde mir befohlen. Ich bin der erste der Ergebenen.
- 164Sprich: Soll ich einen anderen Herrn als Gott suchen, während er der Herr aller Dinge ist? Niemand verdient etwas, außer für sich selbst. Niemand trägt die Last eines anderen. Dann ist zu eurem Herrn eure Rückkehr. Er teilt euch dann mit, worüber ihr uneinig wart.
- 165Er ist es, der euch zu Nachfolgern auf der Erde gemacht und einige von euch um Stufen über die anderen erhoben hat, um euch in dem zu prüfen, was er euch gegeben hat. Wahrlich, dein Herr ist schnell in der Strafe. Wahrlich, er ist allverzeihend, barmherzig.
Einordnung & Bedeutung
Die theologische Schwergewichts-Sure
Sure 6 ist die theologische Hauptsure des Korans. Wo Sure 2, 3, 4 und 5 vor allem Recht regeln, ist Sure 6 fast reine Theologie: Wer ist Gott? Wie erkennt man ihn? Wie unterscheidet sich wahre von falscher Religion? Welche Stellung hat der Mensch im Universum?
Die Sure ist spätmekkanisch – wahrscheinlich kurz vor der Hidschra 622 offenbart. Mohammed hatte zu dieser Zeit etwa 12 Jahre in Mekka gepredigt. Die Auseinandersetzung mit den polytheistischen Quraisch war auf einem Höhepunkt. Mohammed brauchte eine letzte, kompakte Darstellung dessen, worum es ging. Sure 6 ist diese Darstellung.
Anders als die medinensischen Suren behandelt sie kein konkretes Ereignis. Sie ist eine durchgehende theologische Reflexion. Ein Vers folgt dem anderen wie in einer Lehrschrift – nicht wie in einer historischen Erzählung.
Die Eröffnung (Verse 1–3)
Vers 1 beginnt mit dem klassischen al-ḥamdu li-llāh – „Lob sei Gott!" Dieser Eröffnungs-Vers ist einer von fünf Suren-Beginnen mit dieser Formel (Sure 1, 6, 18, 34, 35). Die Formel ist nicht zufällig – sie öffnet die Sure mit Lobpreis, nicht mit Anklage. Auch im Folgenden bleibt der Grundton: Gott wird gelobt, beschrieben, bezeugt.
Die ersten drei Verse legen das theologische Grundthema fest: Gott ist Schöpfer von Himmel und Erde, Finsternis und Licht, Mensch aus Ton, alle Fristen sind bei ihm. „Doch dann setzen die, die ungläubig sind, ihrem Herrn etwas gleich" – das ist die Klage, an der sich die ganze Sure abarbeitet.
Verse 12 und 54 – „Er hat sich selbst die Barmherzigkeit vorgeschrieben"
Eine bemerkenswerte Formel taucht zweimal in der Sure auf: katabta ʿalā nafsihi r-raḥma – „Er hat sich selbst die Barmherzigkeit vorgeschrieben" (V12 und V54).
Das ist theologisch ungewöhnlich. Gott hat sich selbst gebunden – er hat sich verpflichtet zur Barmherzigkeit. Klassische Auslegungen verstehen das so: Während Gott absolut souverän ist und tun könnte, was er will, hat er sich aus freien Stücken zur Barmherzigkeit entschieden. Diese Selbst-Bindung ist nicht Einschränkung, sondern eine Art göttlicher Verheißung.
Diese Stellen sind in der sufischen Tradition zentral. Die raḥma – Barmherzigkeit – ist nach diesem Verständnis nicht eine Eigenschaft Gottes neben anderen, sondern eine selbst-auferlegte Verpflichtung, die das gesamte Verhältnis Gott-Mensch trägt.
Die Tauhīd-Argumentation (Verse 12–67)
Die Sure entfaltet eine ausführliche Argumentation für den strengen Monotheismus (tauhīd). Vers 19 enthält die berühmte rhetorische Frage: „Bezeugt ihr wirklich, dass es neben Gott andere Götter gibt?" Sprich: „Ich bezeuge das nicht!"
Vers 22–24 schildert das Endgericht: Wenn die Polytheisten gefragt werden, wo ihre „Mit-Geseller" sind, schwören sie plötzlich, nie welche gehabt zu haben. Eine bemerkenswerte psychologische Beobachtung: Im Moment der Wahrheit fällt die Selbsttäuschung in sich zusammen.
Vers 38 ist eine außerordentlich tiefe Naturbeobachtung: „Es gibt kein Geschöpf auf der Erde und keinen Vogel, der mit seinen Flügeln fliegt, ohne dass sie Gemeinschaften gleich euch wären." Tiere bilden Gemeinschaften, wie Menschen. Sie sind Teil derselben kosmischen Ordnung. Diese Stelle wird in der modernen islamischen Umweltethik oft zitiert.
Abrahams Suche nach Gott (Verse 75–79)
Verse 75–79 enthalten die berühmteste theologische Erzählung des Korans. Abraham – der junge Abraham, vor seiner Berufung – sucht nach Gott. Er sieht in der Nacht einen Stern: „Das ist mein Herr!" Aber der Stern geht unter. Abraham sagt: „Ich liebe die Untergehenden nicht."
Er sieht den Mond aufgehen: „Das ist mein Herr!" Aber auch der Mond geht unter. Er sieht die Sonne aufgehen: „Das ist mein Herr! Das ist größer!" Aber auch die Sonne geht unter. Da erkennt Abraham: „Mein Volk, wahrlich, ich bin unschuldig an dem, was ihr beigesellt. Wahrlich, ich wende mein Gesicht dem zu, der die Himmel und die Erde geschaffen hat, als Hanīf."
Diese Erzählung ist theologisch außerordentlich tief. Was sucht Abraham? Etwas, das nicht untergeht. Etwas, das beständig ist. Sterne, Mond, Sonne – alle sind Geschöpfe. Sie haben Anfang und Ende. Gott aber muss jenseits dieser Vergänglichkeit sein.
Die Erzählung ist die klassische islamische Argumentation für die via negativa: Wir erkennen Gott durch das, was er nicht ist. Er ist nicht Stern, nicht Mond, nicht Sonne. Alles, was wir mit den Sinnen wahrnehmen, ist nicht er. Was bleibt, ist der Schöpfer all dieser Dinge – als Bezugspunkt, der selbst nicht Geschöpf ist.
Im Sufismus ist diese Stelle das Modell der spirituellen Reise: Man muss durch viele „Götter" hindurch (Status, Reichtum, Wissen, sogar Religion als Tradition), bevor man zum wahren Gott kommt. Der Sufi al-Ḥallādsch hat diese Stelle als Modell genommen für sein berühmtes Diktum, dass alle Begrenzungen Götzen sind, die überwunden werden müssen, um den unbegrenzten Gott zu finden.
Die Propheten-Kette (Verse 83–90)
Eingebettet in die Abraham-Erzählung ist eine bemerkenswerte Aufzählung: 18 Propheten werden namentlich genannt – Noah, Abraham, Isaak, Jakob, David, Salomo, Hiob, Joseph, Moses, Aaron, Zacharias, Johannes, Jesus, Elias, Ismael, Elischa, Jonas und Lot.
Vers 84–86 enthält diese Liste. Sie ist die vollständigste Aufzählung der biblischen Propheten im Koran, an einer einzigen Stelle. Die Propheten werden nicht hierarchisch geordnet – Vers 90 sagt ausdrücklich: „Folge ihrer Rechtleitung!" Allen.
Bemerkenswert ist Vers 86: „Ismael, Elischa, Jonas und Lot. Allen haben wir vor den Welten Vorzug gegeben." Ismael steht hier zwischen biblischen Propheten – ohne hervorgehoben zu werden. Das ist im islamischen Verständnis programmatisch: Die arabische Linie ist Teil der gleichen prophetischen Familie.
Vers 103 – „Die Blicke erreichen ihn nicht"
Vers 103 ist eine theologisch grundlegende Stelle: „Die Blicke erreichen ihn nicht. Er erreicht aber die Blicke. Er ist der Sanfte, der Kundige."
Diese Stelle ist die anti-anthropomorphistische Hauptaussage des Korans. Gott kann nicht gesehen werden – weder mit den körperlichen Augen noch mit dem inneren Auge. Er entzieht sich jeder direkten Wahrnehmung.
Die Stelle hat in der islamischen Theologie eine lange Wirkungsgeschichte:
- Die Muʿtaziliten (8.–10. Jh.) haben aus dem Vers gefolgert, dass Gott auch im Paradies nicht gesehen werden kann. Wer sagt, Gläubige würden Gott im Paradies sehen, anthropomorphisiere Gott.
- Die Aschʿariten (das spätere sunnitische Mainstream) haben dagegen argumentiert: Im Diesseits gilt der Vers, im Paradies wird Gott gesehen (mit Bezug auf andere Verse wie Sure 75,23: „Gesichter werden an jenem Tag strahlend sein, auf ihren Herrn schauend"). Die Spannung wird durch die These „ohne Wie" (bi-lā kayf) aufgelöst – wir wissen nicht, wie dieses Sehen geschieht.
- Die Sufis haben Vers 103 spiritualistisch gelesen: Gott ist nicht durch die äußeren Sinne erreichbar – aber durch das Herz. Das ist die mystische Erkenntnis.
Die „Zehn Gebote" des Korans (Verse 151–153)
Verse 151–153 enthalten eine der ethisch verdichtetsten Stellen des Korans. Es handelt sich um eine kompakte Auflistung göttlicher Gebote, die im westlichen Verständnis oft als „die Zehn Gebote des Korans" bezeichnet wird. Sie sind über drei Verse verteilt:
Vers 151 nennt:
- Gott nichts beigesellen
- Den Eltern Gutes tun
- Kinder nicht aus Armut töten
- Sich Schändlichkeiten nicht nähern
- Die Seele, die Gott für unverletzlich erklärt hat, nicht töten – außer mit Recht
Vers 152 nennt:
- Das Vermögen der Waise nicht antasten
- Maß und Waage erfüllen
- Gerechte Rede sprechen, auch wenn es Verwandte betrifft
- Den Bund Gottes erfüllen
Vers 153 nennt:
- Dem geraden Weg folgen, nicht den vielen anderen
Diese Stelle hat erstaunliche Parallelen zu den biblischen Zehn Geboten (Exodus 20). Die wichtigsten Unterschiede:
- Der Sabbat fehlt – im Islam gibt es keinen verpflichtenden Ruhetag.
- Die Götzendienst-, Ehre-die-Eltern- und Mord-Verbote sind direkt parallel.
- Statt „Du sollst nicht stehlen" steht ein Spezifikum: nicht das Vermögen der Waisen antasten – also Schutz der Schwachen.
- Statt „Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen" steht: gerechte Rede, auch gegen Verwandte – also Wahrhaftigkeit in einer breiteren Form.
- Der Schluss in Vers 153 ist eine universelle Methodenregel: „Folgt nicht den anderen Wegen, sonst zerstreuen sie euch."
Diese Verse sind ein ethisches Programm – nicht ein juristisches Gesetz. Sie sind in der islamischen Erziehungsliteratur Standardstoff.
Die Vieh-Tabus (Verse 136–144) – warum die Sure so heißt
Die vorislamischen Araber hatten ein kompliziertes System von Tieren, die als heilig galten und auf bestimmte Weise behandelt werden mussten:
- Die baḥīra: eine Kamelstute, die mehrere Junge geboren hatte; ihr Ohr wurde gespalten, sie wurde nicht mehr geritten oder gemolken
- Die sāʾiba: ein Kamel, das aufgrund eines Gelübdes freigelassen wurde
- Die waṣīla: eine Mutterziege oder Schaf, deren Junge bestimmt verwendet wurden
- Der ḥām: ein Kamelhengst, der nach zehn Generationen freigelassen wurde
All diese Bezeichnungen werden in Vers 103 (mit Bezug auf Sure 5,103) als menschliche Erfindungen kritisiert. Gott hat keine solchen Kategorien geschaffen.
Vers 136–144 entfaltet die Kritik weiter: Die Araber gaben Gott einen Anteil ihrer Saaten und ihres Viehs, einen anderen ihren „Mit-Geseller" (den Götzen). Sie wechselten dabei: Was für die Götzen war, gelangte zu ihnen. Was für Gott war, gelangte zu den Götzen. Sie töteten ihre Kinder aus Armut – die Mädchentötung war in vorislamischer Zeit weit verbreitet. Manche Lebensmittel waren nur Männern erlaubt, nicht Frauen.
All das wird als menschliche Erfindung in Verleumdung gegen Gott abgelehnt. Die Sure trägt deshalb den Namen „Das Vieh" – nicht weil sie das Vieh feiert, sondern weil sie die heidnischen Vieh-Tabus widerlegt.
Vers 145 enthält dann die tatsächlichen Speiseverbote des Islam: Aas, ausgegossenes Blut, Schweinefleisch, das, worüber etwas anderes als Gott angerufen wurde. Mehr nicht. Im Islam gibt es kein elaboriertes System wie das jüdische Kaschrut – die Liste ist kurz.
Vers 164 – „Niemand trägt die Last eines anderen"
Vers 164 enthält den Grundsatz persönlicher Verantwortung im Islam: „Niemand verdient etwas, außer für sich selbst. Niemand trägt die Last eines anderen."
Diese Aussage taucht im Koran mehrfach auf (auch in Sure 17,15; 35,18; 39,7; 53,38) und ist im islamischen Verständnis grundlegend. Sie bedeutet:
- Keine Erbsünde: Man trägt nicht die Sünden seiner Vorfahren. Adam ist nicht der Stammvater der Verdammnis.
- Keine Stellvertreter-Sühne: Niemand kann für die Sünden eines anderen sühnen. (Das ist die wichtigste Differenz zur christlichen Soteriologie: Im Islam kann Jesus nicht stellvertretend für die Menschheit sterben.)
- Keine Sippenhaft: Familien werden nicht für die Verbrechen eines Mitglieds bestraft.
- Keine Kollektivschuld: Jeder ist persönlich verantwortlich für sich.
Diese individualistische Theologie ist im Islam Konsens. Sie ist im modernen islamischen Reform-Diskurs wichtig: Man kann nicht „den Islam" oder „die Muslime" pauschal verurteilen – jeder einzelne ist für sich verantwortlich.
Vers 162–163 – das Lebens-Bekenntnis
Verse 162–163 enthalten eines der schönsten Bekenntnisse des Korans: „Wahrlich, mein Gebet, mein Opfer, mein Leben und mein Sterben gehören Gott, dem Herrn der Welten. Er hat keinen Teilhaber. Das wurde mir befohlen. Ich bin der erste der Ergebenen."
Diese Worte werden im täglichen Gebet (im sogenannten Iftitāḥ-Gebet zwischen Takbīr und Fātiḥa) von vielen Muslimen rezitiert. Sie sind eine kompakte Selbstverpflichtung: Alles – Gebet, Opfer, Leben, Sterben – gehört Gott.
Das Wort nusukī – „mein Opfer" – meint ursprünglich rituelles Opfer (besonders das Tieropfer beim Ḥadschdsch). Im erweiterten Sinne meint es jede religiöse Pflicht-Tat. Mit dem Leben und Sterben ist alles inkludiert – die Selbstverpflichtung ist total.
Wie wird die Sure verstanden?
Sure 6 ist die Theologische Hauptsure des Korans. Sie ist mit ihrem dichten Argumentationsgang anders strukturiert als die meisten anderen Suren:
- Sie ist spätmekkanisch: Mohammed hatte 12 Jahre Erfahrung mit dem Polytheismus, bevor er Mekka verließ. Die Sure ist seine reifste theologische Antwort.
- Sie ist argumentativ: Vers folgt auf Vers in einer Beweis-Kette, nicht in einer Erzählung.
- Sie enthält die klassische Tauhīd-Argumentation: Abrahams Suche, die anti-anthropomorphistische Hauptstelle (V103), die Schöpfungs-Zeichen (V95–99).
- Sie enthält die ethische Quintessenz: die „Zehn Gebote" in V151–153.
- Sie enthält das Lebens-Bekenntnis in V162.
Im klassischen Verständnis ist sie die Sure für theologische Bildung. Wer den islamischen Monotheismus verstehen will, sollte mit Sure 6 anfangen. Mohammed soll laut Hadith gesagt haben: „Sure 6 wurde mir von siebzigtausend Engeln begleitet herabgesandt." Diese Hadith-Stelle (in mehreren Sammlungen) drückt die besondere Würde der Sure aus.
Die Sure ist auch politisch nicht unwichtig. Die Auseinandersetzung mit den heidnischen Vieh-Tabus (V136–144) ist eine Auseinandersetzung mit jeder Religion, die mehr verbietet, als Gott verboten hat. Diese Stelle wird im modernen Diskurs gegen Über-Strenge innerhalb des Islam zitiert: Wenn die heidnischen Araber kritisiert werden für übertriebene Speisetabus, gilt diese Kritik auch für übertriebene Verbote im heutigen Islam.
Schlüsselbegriffe kurz erklärt
- Al-Anʿām – „das Vieh" – Name nach den vorislamischen Vieh-Tabus, die als menschliche Erfindungen kritisiert werden
- Verse 75–79 – Abrahams Suche – Stern, Mond, Sonne – die klassische Theodizee-Stelle der via negativa
- Hanīf – Vers 79 – Abraham als „Ergebener" vor allen institutionalisierten Religionen
- Verse 83–90 – Propheten-Kette – die ausführlichste Aufzählung biblischer Propheten im Koran (18 Namen)
- Vers 103 – „Die Blicke erreichen ihn nicht" – die anti-anthropomorphistische Hauptstelle; in der theologischen Tradition zentral
- Verse 12, 54 – Selbst-Bindung Gottes – „Er hat sich selbst die Barmherzigkeit vorgeschrieben" – Gottes Selbst-Verpflichtung
- Verse 151–153 – „Zehn Gebote" – die kompakteste ethische Auflistung des Korans, mit deutlichen Parallelen zu Exodus 20
- Verse 136–144 – Vieh-Tabus – Kritik an vorislamischen heidnischen Praktiken; Modell der Religions-Kritik
- Vers 162 – Lebens-Bekenntnis – „Mein Gebet, mein Opfer, mein Leben und mein Sterben gehören Gott" – im täglichen Gebet rezitiert
- Vers 164 – persönliche Verantwortung – „Niemand trägt die Last eines anderen" – Grundsatz gegen Erbsünde, Stellvertreter-Sühne, Sippenhaft