Alle 114 Suren des Korans

Sure 51: Die Zerstreuenden (Adh-Dhāriyāt)

Sure 51 von 114, 60 Verse

Sure 51 heißt Adh-Dhariyat, bei Henning "Die Zerstreuenden", und hat in der Kairoer Zählung 60 Verse. Sie gilt als frühe mekkanische Sure. Nach Schwüren über das kommende Gericht erzählt sie von Abrahams Gästen und vom Untergang früherer Völker; Vers 56 sagt, Dschinn und Menschen seien erschaffen, um Allah zu dienen.

1 Bei den in Zerstreuung Zerstreuenden,

2 Und bei den Bürdetragenden,

3 Und den hurtig Eilenden,

4 Und bei den Geschäfte Verteilenden,

5 Siehe, was euch angedroht wird, ist gewisslich wahr,

6 Und siehe das Gericht trifft gewisslich ein!

7 Und bei dem Himmel mit seinen Pfaden,

8 Siehe ihr seid in widersprechender Rede!

9 Abgewendet ist von ihm, wer abgewendet ist.

10 Tod den Lügnern,

11 Die sorglos sind in einer Flut (von Unwissenheit).

12 Sie werden fragen: "Wann ist der Tag des Gerichts?"

13 An jenem Tag sollen sie im Feuer versucht werden:

14 "Schmeckt eure Versuchung. Das ist es, was ihr herbeiwünschtet."

15 Siehe die Gottesfürchtigen kommen in Gärten und Quellen,

16 Empfangend, was ihnen ihr Herr gegeben; siehe sie waren zuvor rechtschaffen.

17 Sie schliefen nur einen Teil der Nacht

18 Und im Morgengrauen baten sie um Verzeihung.

19 Und in ihrem Gut (war) ein Teil für den Bittenden und den verschämten Armen.

20 Und in der Erde sind Zeichen für die Festen im Glauben,

21 Und in euch selber, seht ihr denn nicht?

22 Und im Himmel ist eure Versorgung und das, was euch verheißen wurde.

23 Und bei dem Herrn des Himmels und der Erde, siehe es ist gewisslich wahr, gleich dem, was ihr redet.

24 Kam nicht die Erzählung zu dir von Abrahams geehrten Gästen?

25 Da sie bei ihm eintraten und sprachen: "Frieden!?" Er sprach: "Frieden! Unbekannte Leute."

26 Und er ging abseits zu seiner Familie und brachte ein fettes Kalb.

27 Und er setzte es ihnen vor und sprach: "Esst ihr nicht?"

28 Und es erfasste ihn Furcht vor ihnen. Sie sprachen: "Fürchte dich nicht." Und sie verkündeten ihm einen weisen Knaben.

29 Und seine Frau nahte lärmend und schlug ihr Angesicht und sprach: "Eine alte Frau, unfruchtbar!"

30 Sie sprachen: "So spricht dein Herr; siehe er ist der Weise, der Wissende."

31 Er sprach: "Und was ist euer Geschäft, ihr Entsandten?"

32 Sie sprachen: "Siehe wir sind zu einem sündigen Volk entsandt,

33 Damit wir Steine von Ton auf sie hinabsenden,

34 Gezeichnet von deinem Herrn für die Übertreter."

35 Und wir ließen die Gläubigen unter ihnen heraus,

36 Doch fanden wir darin nur ein Haus von Muslimen;

37 Und wir ließen in ihr ein Zeichen für die, welche die schmerzliche Strafe fürchten,

38 Und in Moses, da wir ihn zu Pharao mit offenkundiger Vollmacht schickten.

39 Und er wandte sich zu seiner Säule und sprach: "Ein Zauberer oder ein Besessener."

40 Und wir erfassten ihn und seine Heerscharen und stürzten sie ins Meer, denn er war tadelnswert.

41 Und in Ad (ließen wir ein Zeichen,) da wir zu ihnen den unfruchtbaren Wind sandten,

42 Der nichts von allem, zu dem er kam, anders wie als Asche zurückließ.

43 Und in Thamud, da zu ihnen gesprochen wurde: "Lasst es euch eine Weile gut sein."

44 Sie aber waren hochmütig gegen ihres Herrn Befehl. Und da erfasste sie der Donnerschlag, als sie ausschauten.

45 Und nicht vermochten sie aufrecht zu stehen und wurden nicht errettet.

46 Und das Volk Noahs vor ihnen: Siehe sie waren ein frevelndes Volk.

47 Und den Himmel, wir erbauten ihn mit Kraft, und siehe wahrlich wir machten ihn weit.

48 Und die Erde, wir breiteten sie aus, und wie schön betteten wir sie!

49 Und von allerlei Dingen erschufen wir Paare; vielleicht lasst ihr euch ermahnen.

50 Darum flieht zu Allah; siehe ich bin euch von ihm ein offenkundiger Warner.

51 Und setzt nicht neben Allah andere Götter; siehe ich bin euch von ihm ein offenkundiger Warner.

52 So kam zu denen, die vor ihnen lebten, kein Gesandter, ohne dass sie gesprochen hätten: "Ein Zauberer oder ein Verrückter!"

53 Vermachen sie es etwa einer dem anderen? Nein, sie sind ein widerspenstiges Volk.

54 So wende dich ab von ihnen, so wirst du nicht tadelnswert sein.

55 Und ermahne, denn siehe die Ermahnung nützt den Gläubigen.

56 Und die Dschinn und die Menschen habe ich nur dazu erschaffen, dass sie mir dienen.

57 Ich wünsche keine Versorgung von ihnen, und wünsche nicht, dass sie mich speisen.

58 Siehe Allah, er ist der Versorger, der Herr der Kraft, der Ausdauernde.

59 Siehe für die Ungerechten soll ein Anteil sein gleich dem Anteil ihrer Gefährten; doch sollen sie nicht wünschen, dass ich ihn beschleunige.

60 Und wehe den Ungläubigen vor ihrem Tag, der ihnen angedroht wird!

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 51 heißt arabisch Adh-Dhariyat nach dem ersten Wort. Max Henning übersetzt den Namen 1901 mit "Die Zerstreuenden" [1]. Die Sure beginnt mit "Bei den in Zerstreuung Zerstreuenden" (Sure 51,1) und hat nach der Kairoer Zählung 60 Verse [1, 2]. In der Überlieferung, wie sie Tanzil nach dem Gelehrten az-Zandschani wiedergibt, gilt sie als mekkanisch und steht in der Reihenfolge der Offenbarung an 67. Stelle [3]. Theodor Nöldeke zählte sie 1860 zu den Suren der ersten mekkanischen Periode [4]. Nicolai Sinai ordnet sie im Kommentar des Corpus Coranicum der späten frühmekkanischen Gruppe zu, am Übergang zur mittelmekkanischen Zeit [5]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Inhalt im Überblick

Die Sure hat drei Teile: Schwüre und Mahnung, Erzählungen aus früherer Zeit und einen Schluss mit Zeichen der Schöpfung und Warnung [1, 5].

VerseInhalt
1 bis 6Schwüre bei den Zerstreuenden, Bürdetragenden, Eilenden und Verteilenden: das Gericht trifft ein
7 bis 14widersprüchliche Rede der Leugner, ihre Frage nach dem Tag des Gerichts
15 bis 19die Gottesfürchtigen: kurzer Schlaf, Bitte um Verzeihung im Morgengrauen, ein Anteil für Bittende und Arme
20 bis 23Zeichen in der Erde, im Menschen selbst und im Himmel
24 bis 37Abrahams geehrte Gäste, Verkündung eines Sohnes, Steine von Ton für Lots Volk
38 bis 46Moses und Pharao, Ad und der unfruchtbare Wind, Thamud und der Donnerschlag, Noahs Volk
47 bis 60Himmel, Erde und Paare aller Dinge, "flieht zu Allah", Zweck der Schöpfung, Drohung an die Ungläubigen

Vers 56 lautet: "Und die Dschinn und die Menschen habe ich nur dazu erschaffen, dass sie mir dienen." (Sure 51,56) [1]

Wie die Sure verstanden wird

Gedeutet werden vor allem die rätselhaften Schwüre am Anfang und Vers 56.

Klassische Auslegung

Ibn Kathir überliefert in der gekürzten englischen Fassung seines Kommentars die Antworten, die Ali ibn Abi Talib einem Fragenden gab: Die Zerstreuenden seien der Wind, die Bürdetragenden die Wolken, die Eilenden die Schiffe und die Verteilenden die Engel [6]. Andere Gelehrte verstanden die Eilenden als Sterne auf ihren Bahnen; die Schwüre steigen dann vom Niederen zum Höheren auf [6]. Vers 56 bedeutet nach Ibn Kathir, dass Allah Dschinn und Menschen erschuf, damit sie ihm allein dienen, ohne dass er sie braucht [7]. Von Ibn Abbas überliefert er die Erklärung, sie sollten ihm dienen, "willig oder unwillig" [7].

Heutige muslimische Theologie

Muhammad Asad sieht in Vers 56 den tiefsten Zweck der Erschaffung aller mit Vernunft begabten Wesen: Gott zu erkennen und sich seinem Willen freiwillig anzupassen [8]. Gott brauche diesen Dienst nicht, er diene der inneren Entwicklung des Menschen [8]. Zum Wort Dschinn merkt Asad an, dass die meisten Philologen, unter ihnen ar-Razi, darunter auch die Engel verstehen, weil sie den Sinnen verborgen sind [8].

Islamwissenschaft

Nöldeke und Schwally hielten die Verse ab 24 ohne weitere Begründung für vermutlich später hinzugefügt [5]. Angelika Neuwirth spricht sich dagegen für die Einheit der Sure aus: Erster und zweiter Teil seien gleich lang und zerfielen in Abschnitte von 9 und 14 Versen, die sich spiegelbildlich entsprechen [5]. Sinai beschreibt den Aufbau als erzählenden Mittelteil zwischen zwei mahnenden Teilen, eine Form, die in der mittel- und spätmekkanischen Zeit vorherrscht [5]. Auch die Erzählungen greifen das Bild der Schwüre auf, nach dem die Strafe vom Himmel kommt: Steine fallen auf Lots Volk, ein Wind erfasst die Aditen, ein Donnerschlag die Thamud [5].

Verwandte Seiten: Die Propheten im Koran und Engel und Dschinn im Koran. Die vorige Sure ist Sure 50 (Qaf), die nächste Sure 52, Der Berg.

  1. Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Geschichte des Qorâns, Inhaltsverzeichnis (erste Periode, S. 59 bis 89). Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Sure 51 aḏ-Ḏāriyāt: Chronologisch-literaturwissenschaftlicher Kommentar zum Koran. Nicolai Sinai, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Corpus Coranicum). Stand Betaversion, ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Adh-Dhariyat Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Adh-Dhariyat Ayah 56. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Al-Quran, Online Quran Project: Sure 51,56 mit Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.