Alle 114 Suren des Korans

Sure 52: Der Berg (Aṭ-Ṭūr)

Sure 52 von 114, 49 Verse

Sure 52 heißt At-Tur, "Der Berg", und hat in der Kairoer Zählung 49 Verse. Sie gilt als frühe mekkanische Sure. Sie beginnt mit Schwüren beim Berg und kündigt das Gericht an, beschreibt Strafe und Paradies und stellt den Gegnern des Propheten eine lange Reihe von Fragen.

1 Bei dem Berg,

2 Und einem Buch, geschrieben

3 Auf ausgebreitetem Pergament,

4 Und dem besuchten Haus,

5 Und dem erhöhten Dach

6 Und dem geschwollenen Meer,

7 Siehe deines Herrn Strafe trifft wahrlich ein.

8 Keinen gibt es sie abzuwehren.

9 Am Tag, da der Himmel ins Schwanken kommt,

10 Und die Berge sich regen,

11 Wehe an jenem Tag denen, die (die Gesandten) der Lüge bezichtigten,

12 Sie, die zum Zeitvertreib schwatzten!

13 An jenem Tag sollen sie in Dschehannams Feuer gestoßen werden.

14 "Das ist das Feuer, das ihr für Lüge erklärtet.

15 Ist dies etwa Zauberei oder seht ihr nicht?

16 Brennt in ihm und haltet aus oder haltet nicht aus, es ist gleich für euch; ihr werdet nur für euer Tun belohnt."

17 Siehe die Gottesfürchtigen kommen in Gärten und Wonne,

18 Genießend, was ihr Herr ihnen gegeben hat. Und befreit hat sie ihr Herr von der Strafe des Höllenpfuhls.

19 "Esst und trinkt und wohl bekomme es, für euer Tun!"

20 Gelehnt auf Polstern in Reihen; und wir vermählen sie mit großäugigen Huris.

21 Und diejenigen, welche glauben, und deren Sprösslinge ihnen im Glauben folgen, die wollen wir mit ihren Sprösslingen vereinigen, und um nichts von ihren Werken wollen wir sie betrügen. Jedermann ist für das, was er geschafft, verpfändet.

22 Und wir wollen sie reichlich mit Früchten und Fleisch versorgen, wie sie es nur wünschen.

23 Und reichen sollen sie einander darin einen Becher, in dem weder Geschwätz noch Versündigung ist.

24 Und die Runde sollen unter ihnen Jünglinge machen, gleich verborgenen Perlen.

25 Und einer wird sich an den anderen wenden, einander fragend.

26 Und sie werden sprechen: "Siehe wir waren zuvor inmitten unserer Familien besorgt.

27 Doch war uns Allah gnädig und befreite uns von der Strafe des Glutwinds.

28 Siehe wir riefen ihn zuvor an; siehe er ist der Gütige, der Barmherzige."

29 Darum ermahne, denn du bist, bei der Gnade deines Herrn, kein Wahrsager oder Besessener.

30 Sprechen sie etwa: "Ein Dichter! Wir wollen des Schicksals Unheil an ihm erwarten."

31 Sprich: "Wartet; ich warte mit euch."

32 Oder befehlen ihnen dies ihre Träume?

33 Oder sprechen sie: "Er hat ihn erfunden?" Doch sie wollen nur nicht glauben.

34 So mögen sie mir eine Rede wie diese bringen, wenn sie wahrhaftig sind.

35 Oder wurden sie aus nichts erschaffen? Oder sind sie gar die Schöpfer (ihrer selbst?)

36 Oder erschufen sie die Himmel und die Erde? Doch nein, sie haben keinen festen Glauben.

37 Oder haben sie die Schätze deines Herrn? Oder haben sie die Oberherrschaft?

38 Oder haben sie eine Leiter, auf der sie lauschen können? Dann mag der Lauscher unter ihnen offenkundige Vollmacht bringen.

39 Oder hat er Töchter und habt ihr Söhne?

40 Oder verlangst du einen Lohn von ihnen, wo sie von Schulden schwer beladen sind?

41 Oder besitzen sie das Verborgene, so dass sie es niederschreiben?

42 Oder beabsichtigen sie eine List? Aber gegen die Ungläubigen werden Listen geschmiedet.

43 Oder haben sie einen Gott außer Allah? Preis Allah, (der erhaben ist) über das, was sie ihm beigesellen.

44 Und sähen sie ein Stück vom Himmel einfallen, so würden sie sprechen: "Eine dicke Wolke!"

45 So lass sie, bis sie ihrem Tag begegnen, an dem sie ohnmächtig werden sollen:

46 Ein Tag, an dem ihnen ihre List nichts nützen wird, und an dem sie nicht gerettet werden.

47 Und siehe für die Ungerechten ist noch eine Strafe außer dieser; jedoch wissen es die meisten von ihnen nicht.

48 Und warte auf das Gericht deines Herrn, denn siehe du bist in unseren Augen; und lobpreise deinen Herrn zur Zeit, da du aufstehst,

49 Und zur Nacht preise ihn und beim Erblassen der Sterne.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 52 heißt arabisch At-Tur. Max Henning übersetzt den Namen 1901 mit "Der Berg" nach dem ersten Vers: "Bei dem Berg" (Sure 52,1) [1]. Die Sure ist die 52. des Korans und hat nach der Kairoer Zählung 49 Verse [2]. In der Überlieferung, wie sie Tanzil nach dem Gelehrten az-Zandschani wiedergibt, gilt sie als mekkanisch und steht in der Reihenfolge der Offenbarung an 76. Stelle [3]. Theodor Nöldeke zählte sie 1860 zur ersten mekkanischen Periode [4]. Nicolai Sinai ordnet sie im Kommentar des Corpus Coranicum der späten frühmekkanischen Gruppe zu, gemeinsam mit den Suren 51, 55, 56, 68 und 69 [5]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Inhalt im Überblick

Auf eine Reihe von Schwüren folgen ein Teil über Hölle und Paradies und ein Teil mit Fragen an die Gegner [5].

VerseInhalt
1 bis 8Schwüre beim Berg, einem geschriebenen Buch, dem besuchten Haus, dem erhöhten Dach und dem geschwollenen Meer: die Strafe trifft ein
9 bis 16der Tag, an dem der Himmel schwankt; das Feuer für die, die der Lüge bezichtigten
17 bis 28Gärten der Gottesfürchtigen, Vereinigung mit den Nachkommen im Glauben, Gespräch der Seligen
29 bis 44Fragenreihe an die Gegner: Wahrsager, Dichter, erfunden? Töchter für Allah? ein anderer Gott?
45 bis 49Auftrag zu warten und zu lobpreisen, bis die Sterne erblassen

Eine der Fragen lautet in Vers 43: "Oder haben sie einen Gott außer Allah? Preis Allah, (der erhaben ist) über das, was sie ihm beigesellen." (Sure 52,43) [1]

Wie die Sure verstanden wird

Ausgelegt werden vor allem die Schwüre des Anfangs und Vers 21 über die Nachkommen der Gläubigen.

Klassische Auslegung

Ibn Kathir erklärt in der gekürzten englischen Fassung seines Kommentars den Berg als den Berg mit Bäumen, an dem Allah mit Moses sprach [6]. Das geschriebene Buch könne die wohlverwahrte Tafel oder die offenbarten Schriften meinen [6]. Das besuchte Haus deutet er als ein Haus im siebten Himmel, das täglich 70.000 Engel aufsuchen, als Gegenstück zur Kaaba [6]. Er überliefert auch, Dschubair ibn Mutim habe den Propheten diese Sure im Abendgebet vortragen hören und nie eine schönere Stimme gehört; der Bericht steht nach ihm bei al-Buchari und Muslim [6].

Heutige muslimische Theologie

Muhammad Asad liest Vers 21 in zwei Anmerkungen [7]. Der erste Teil des Verses legt für ihn nahe, dass die Rechtschaffenheit der Kinder das Verdienst der Eltern mehrt. Der Schlusssatz "Jedermann ist für das, was er geschafft, verpfändet" bedeute, dass die Rechtschaffenheit der Eltern die Kinder nicht von der eigenen Verantwortung befreit [1, 7].

Islamwissenschaft

Vers 21 halten mehrere Forscher ganz oder teilweise für einen späteren Zusatz. Nöldeke und Schwally sahen den ganzen Vers als Einschub; Angelika Neuwirth wollte nur die ersten beiden Satzglieder ausscheiden [5]. Sinai hält den ganzen Vers vermutlich für einen Zusatz. Er verweist auf die auffällige Länge und, mit Neuwirth, darauf, dass die Frage nach dem Schicksal der Nachkommen sonst erst in spätmekkanischen und medinischen Texten behandelt wird [5]. Den dritten Teil der Sure prägt nach Sinai eine lange Reihe polemischer Fragen. Neben dem Gericht und der Autorität des Verkünders gehe es nun auch um die Leugnung aller anderen Gottheiten neben Allah [5]. Die Schärfe dieser Polemik zeige, dass sich der Streit zwischen der Gemeinde und ihren Gegnern zuspitzte [5].

Mehr dazu findest du auf den Seiten Mose im Koran und Tod, Gericht und Jenseits im Koran. Die Sure davor ist Sure 51, Die Zerstreuenden, danach folgt Sure 53, Der Stern.

  1. Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Geschichte des Qorâns, Inhaltsverzeichnis (erste Periode, S. 59 bis 89). Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Sure 52 aṭ-Ṭūr: Chronologisch-literaturwissenschaftlicher Kommentar zum Koran. Nicolai Sinai, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Corpus Coranicum). Stand Betaversion, ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: At-Tur Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Al-Quran, Online Quran Project: Sure 52,21 mit Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.