Alle 114 Suren des Korans

Sure 53: Der Stern (An-Nadschm)

Sure 53 von 114, 62 Verse

Sure 53 heißt An-Nadschm, "Der Stern", und hat in der Kairoer Zählung 62 Verse. Sie gilt als frühe mekkanische Sure. Sie beschreibt zwei Visionen des Propheten, weist die Verehrung der Göttinnen Allat, Uzza und Manat zurück und fasst zusammen, was in den Schriften von Moses und Abraham steht.

1 Bei dem Stern, da er sinkt,

2 Euer Gefährte irrt nicht und ist nicht getäuscht,

3 Noch spricht er aus Gelüst.

4 Er ist nichts als eine offenbarte Offenbarung,

5 Die ihn gelehrt hat der Starke an Kraft,

6 Der Herr der Einsicht. Und aufrecht stand er da

7 Im höchsten Horizont;

8 Dann nahte er sich und näherte sich

9 Und war zwei Bögen entfernt oder näher

10 Und offenbarte seinem Diener, was er offenbarte.

11 Nicht erlog das Herz, was er sah.

12 Wollt ihr ihm denn bestreiten, was er sah?

13 Und wahrlich er sah ihn ein andermal

14 Bei dem Lotosbaum, über den kein Weg,

15 Neben dem der Garten der Wohnung.

16 Da den Lotosbaum bedeckte, was da bedeckte,

17 Nicht wich der Blick ab und ging darüber hinaus;

18 Wahrlich er sah von den Zeichen seines Herrn die größten.

19 Was meint ihr darum von Allat und El-Uzza,

20 Und Manat, der dritten daneben?

21 Sollen euch Söhne sein und ihm Töchter?

22 Dies wäre dann eine ungerechte Verteilung.

23 Siehe nur Namen sind es, die ihr ihnen gabt, ihr und eure Väter. Allah sandte keine Vollmacht für sie hinab. Sie folgen nur einem Wahn und ihrer Seelen Gelüst, und wahrlich es kam zu ihnen von ihrem Herrn die Rechtleitung.

24 Soll etwa der Mensch haben was er wünscht?

25 Aber Allahs ist das Letzte und das Erste.

26 Und wie viele der Engel in den Himmeln sind, ihre Fürbitte nützt nichts, außer nachdem Allah Erlaubnis gab, wem er will und wer ihm beliebt. (Flügel 26 bis 27)

27 Siehe diejenigen, die nicht ans Jenseits glauben, wahrlich sie benennen die Engel mit Frauennamen. (Flügel 28)

28 Doch haben sie kein Wissen hiervon; sie folgen nur einem Wahn, und siehe der Wahn nützt nichts gegen die Wahrheit. (Flügel 29)

29 Darum wende dich ab von dem, der unserer Ermahnung den Rücken kehrt und nur das irdische Leben begehrt. (Flügel 30)

30 Dies ist die Summe ihres Wissens. Siehe dein Herr weiß sehr wohl, wer von seinem Weg abirrt, und er weiß sehr wohl, wer rechtgeleitet ist. (Flügel 31)

31 Und Allahs ist, was in den Himmeln und was auf Erden, damit er diejenigen belohne, die Böses tun, nach ihrem Tun, und die, welche Gutes tun, mit dem Besten belohne. (Flügel 32)

32 Diejenigen, welche die großen Sünden und Schändlichkeiten meiden, mit Ausnahme verzeihlicher Sünden, siehe dein Herr ist von weitumfassender Verzeihung. Er kannte euch sehr wohl, als er euch aus der Erde hervorbrachte, und da ihr Embryos wart in eurer Mütter Leibern. Darum erklärt euch nicht selber für rein; er weiß sehr wohl, wer gottesfürchtig ist. (Flügel 33)

33 Was meinst du von dem, der den Rücken kehrt, (Flügel 34)

34 Und wenig gibt und kargt? (Flügel 35)

35 Hat er die Kenntnis des Verborgenen, und sieht er es? (Flügel 36)

36 Oder wurde ihm nicht erzählt, was in den Seiten Moses' steht, (Flügel 37)

37 Und Abrahams, der getreu war, (Flügel 38)

38 Dass keine beladene (Seele) die Last einer anderen tragen soll? (Flügel 39)

39 Und dass der Mensch nur empfangen soll, wonach er sich bemüht hat, (Flügel 40)

40 Und dass sein Bemühen gesehen werden soll, (Flügel 41)

41 Und er dann dafür belohnt werden soll mit entsprechendstem Lohn; (Flügel 42)

42 Und dass bei deinem Herrn das Endziel ist; (Flügel 43)

43 Und dass er lachen und weinen macht; (Flügel 44)

44 Und dass er es ist, der tötet und lebendig macht; (Flügel 45)

45 Und dass er die Paare erschuf, das Männchen und Weibchen, (Flügel 46)

46 Aus einem Samentropfen, da er ergossen wurde; (Flügel 47)

47 Und dass ihm die andere Schöpfung obliegt; (Flügel 48)

48 Und dass er reich macht und zufriedenstellt; (Flügel 49)

49 Und dass er der Herr des Sirius ist; (Flügel 50)

50 Und dass er Ad zerstörte, die alte, (Flügel 51)

51 Und Thamud und keinen übrig ließ; (Flügel 52)

52 Und Noahs Volk zuvor; siehe sie waren höchst ungerecht und sündhaft. (Flügel 53)

53 Und die umgestürzten (Städte) zerstörte er, (Flügel 54)

54 Und es bedeckte sie, was sie bedeckte. (Flügel 55)

55 Welche Wohltaten deines Herrn willst du darum bestreiten? (Flügel 56)

56 Dies ist ein Warner von den früheren Warnern. (Flügel 57)

57 Es naht der nahende (Tag); (Flügel 58)

58 Keiner außer Allah deckt ihn auf.

59 Wundert ihr euch etwa über diese Rede?

60 Und lacht ihr und weint nicht?

61 Und treibt eitles Spiel?

62 So werft euch nieder vor Allah und dient ihm.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 53 heißt arabisch An-Nadschm nach dem ersten Vers: "Bei dem Stern, da er sinkt" (Sure 53,1) [1]. Max Henning übersetzt den Namen 1901 mit "Der Stern" [1]. Die Sure ist die 53. des Korans und hat nach der Kairoer Zählung 62 Verse [2]. In der Überlieferung, wie sie Tanzil nach dem Gelehrten az-Zandschani wiedergibt, gilt sie als mekkanisch mit Ausnahme von Vers 32, der aus Medina stammen soll; in der Reihenfolge der Offenbarung steht sie an 23. Stelle [3]. Theodor Nöldeke rechnete sie 1860 zu den späteren Suren der ersten mekkanischen Periode [4]. Nicolai Sinai ordnet sie im Kommentar des Corpus Coranicum der frühmekkanischen Zeit zu und hält die Verse 23 und 26 bis 32 für spätere Zusätze [5]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Inhalt im Überblick

Der erste Teil handelt von zwei Visionen, der zweite von dem, was frühere Schriften enthalten; ein kurzer Schluss ruft zur Niederwerfung auf [1, 5].

VerseInhalt
1 bis 12Schwur beim Stern; der Gefährte irrt nicht, er empfängt Offenbarung; erste Vision "im höchsten Horizont"
13 bis 18zweite Vision beim Lotosbaum neben dem Garten der Wohnung
19 bis 25Allat, Uzza und Manat: "nur Namen", die Frage nach Söhnen und Töchtern
26 bis 32Fürbitte der Engel nur mit Allahs Erlaubnis, Lohn nach dem Tun, Verzeihung für kleinere Sünden
33 bis 56was in den Seiten von Moses und Abraham steht: keine Seele trägt die Last einer anderen, der Mensch erhält, wonach er strebt; untergegangene Völker
57 bis 62der nahende Tag, Aufruf: "So werft euch nieder vor Allah und dient ihm."

Die Verse 19 und 20 lauten: "Was meint ihr darum von Allat und El-Uzza, Und Manat, der dritten daneben?" (Sure 53,19 bis 20) [1]

Wie die Sure verstanden wird

Zwei Fragen beschäftigen die Ausleger besonders: wen der Prophet in den Visionen sah und was es mit der Erzählung von den sogenannten satanischen Versen auf sich hat.

Klassische Auslegung

Ibn Kathir versteht die Bezeichnung "der Starke an Kraft" (Vers 5) in der gekürzten englischen Fassung seines Kommentars als den Engel Gabriel [6]. Der Prophet habe Gabriel zweimal in seiner ursprünglichen Gestalt gesehen, einmal beim Lotosbaum und einmal in Mekka [6]. Dazu führt er Aischa an, die auf die Frage, ob Muhammad seinen Herrn gesehen habe, antwortete: Das war Gabriel [6]. Daneben überliefert er von Ibn Abbas die Aussage, der Prophet habe Allah zweimal mit dem Herzen gesehen [6]. Zu den Versen 19 und 20 beschreibt Ibn Kathir die drei Göttinnen: Allat als weißen Stein in einem Gebäude in Taif, Uzza als Baum bei Nachla und Manat als Götzenbild bei Kudaid zwischen Mekka und Medina [7].

Heutige muslimische Theologie

Muhammad Asad deutet die Angabe "zwei Bögen entfernt oder näher" (Vers 9) als bildliche Redeweise des alten Arabien [8]. Sie solle ausdrücken, dass der Engel der Offenbarung zu einer deutlich wahrnehmbaren, fast greifbaren Gegenwart wurde [8].

Islamwissenschaft und die "satanischen Verse"

Nach einer Überlieferung, die Nöldeke 1860 wiedergibt, soll Muhammad beim Vortrag nach Vers 20 zwei weitere Verse gesprochen haben, in denen die Göttinnen als "die höchsten Schwäne" erscheinen, auf deren Fürbitte man hoffen dürfe [4]. Nach der Überlieferung erkannte Muhammad später, dass es sich um eine Einflüsterung des Satans handelte, und nahm die Verse wieder heraus [5]. Nöldeke hielt das Ereignis für wirklich und erklärte es mit dem Wunsch nach einem Ausgleich mit dem alten Glauben; die Leugnung durch einige Muslime führte er auf dogmatische Gründe zurück [4].

Sinai berichtet im Corpus Coranicum, dass westliche Forscher die Episode überwiegend für geschichtlich hielten, weil sie dem islamischen Dogma von der Sündlosigkeit der Propheten widerspreche und deshalb kaum erfunden worden sei [5]. Shahab Ahmed habe gezeigt, dass frühe Muslime die Erzählung im 8. Jahrhundert in vielen Werken überlieferten, ohne sie als unvereinbar mit ihrem Glauben zu empfinden [5]. In der Auslegungsliteratur steht die Erzählung meist bei Sure 22,52, nur selten bei 53,19 [5]. Sinai hält die Verse deshalb wohl für eine nachkoranische Konstruktion, die von 22,52 ausgeht; zudem lassen sie sich seiner Ansicht nach nicht sinnvoll in den Text der Sure einfügen [5]. Angelika Neuwirth geht nach seiner Darstellung davon aus, dass die Verse nie im Koran standen, aber schon zu Lebzeiten Muhammads außerhalb des Korans umliefen [5].

Weitere Seiten zum Thema: Wie der Koran entstand und überliefert wurde und Engel und Dschinn im Koran. Sie folgt auf Sure 52, Der Berg und steht vor Sure 54, Der Mond.

  1. Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Geschichte des Qorâns, S. 79 bis 81. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  5. Studie Sure 53 an-Naǧm: Chronologisch-literaturwissenschaftlicher Kommentar zum Koran. Nicolai Sinai, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Corpus Coranicum). Stand Betaversion, ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: An-Najm Ayah 5. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: An-Najm Ayah 19. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Al-Quran, Online Quran Project: Sure 53,9 mit Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.