Alle 114 Suren des Korans
Sure 54: Der Mond (Al-Qamar)
Sure 54 von 114, 55 Verse
Sure 54 heißt Al-Qamar, "Der Mond", und hat in der Kairoer Zählung 55 Verse. Sie gilt als mekkanisch. Sie beginnt mit dem Satz, die Stunde sei genaht und der Mond gespalten, und erzählt dann von Noah, Ad, Thamud, Lots Volk und Pharao; ein Kehrvers sagt viermal, der Koran sei leicht gemacht zur Ermahnung.
1 Genaht ist die Stunde und gespalten der Mond,
2 Doch wenn sie ein Zeichen sehen, wenden sie sich ab und sprechen: "Fortdauernde Zauberei!"
3 Und sie bezichtigen der Lüge und folgen ihren Lüsten; doch steht jedes Ding fest.
4 Und wahrlich es kam zu ihnen abschreckende Kunde,
5 Vortreffliche Weisheit; doch nützen die Warner nichts.
6 Darum kehre ihnen den Rücken. Am Tag, da der Rufer zu einem widerwärtigen Geschäft ruft,
7 Gesenkten Blickes werden sie da aus den Grüften kommen, gleich zerstreuten Heuschrecken,
8 Entgegenhastend dem Rufer. Sprechen werden die Ungläubigen: "Dies ist ein schlimmer Tag!"
9 Der Lüge bezichtigte vor ihnen Noahs Volk; sie nannten unseren Diener einen Lügner und sprachen: "Besessen!" Und er wurde verstoßen.
10 Und er rief zu seinem Herrn: "Siehe ich bin überwältigt; so hilf mir."
11 Und wir öffneten die Tore des Himmels in strömendem Wasser,
12 Und ließen aus der Erde Quellen hervorbrechen, und so begegnete sich das Wasser nach verhängtem Beschluss.
13 Und wir trugen ihn auf dem (Schiff) aus Planken und Nieten,
14 Das unter unseren Augen segelte, ein Lohn für den, der verleugnet wurde.
15 Und wahrlich wir ließen es als Zeichen übrig. Gibt es aber einen, der sich ermahnen lässt?
16 Und wie war meine Strafe und Warnung!
17 Und wahrlich leicht machten wir nun den Koran zur Ermahnung; doch gibt es einen, der sich ermahnen lässt?
18 Der Lüge bezichtigte Ad; doch wie war meine Strafe und Warnung!
19 Siehe wir entsandten gegen sie einen eisig pfeifenden Wind an einem unseligen starken Tag,
20 Der die Menschen hinwegraffte, als wären sie entwurzelte Palmstämme.
21 Und wie war meine Strafe und Warnung!
22 Und wahrlich wir machten den Koran leicht zur Ermahnung; gibt es aber einen, der sich ermahnen lässt?
23 Und für Lüge erklärte Thamud die Warnung,
24 Und sie sprachen: "Sollen wir einem Menschen von uns, einem einzelnen, folgen? Siehe dann wären wir wahrlich in Irrtum und Tollheit.
25 Wurde die Warnung auf ihn unter uns geworfen? doch nein, er ist ein frecher Lügner."
26 "Sie werden morgen wissen, wer der freche Lügner ist.
27 Siehe wir werden die Kamelin ihnen als Versuchung schicken, darum beobachte sie und gedulde dich.
28 Und verkünde ihnen, dass das Wasser unter ihnen verteilt ist; jeder Trunk soll (abwechselnd) gereicht werden."
29 Sie aber riefen ihren Gefährten, und er packte (ein Messer) und zerschnitt ihr die Flechsen.
30 Und wie war meine Strafe und Warnung!
31 Siehe wir entsandten gegen sie einen einzigen Schall, und da waren sie wie das Reisig des Hürdenmachers.
32 Und wahrlich wir machten den Koran leicht zur Ermahnung; gibt es aber einen, der sich ermahnen lässt?
33 Für Lüge erklärte das Volk Lots die Warnung.
34 Siehe wir entsandten gegen sie einen Kiesel aufwirbelnden Wind, und nur Lots Haus erretteten wir im Morgengrauen,
35 Als eine Gnade von uns. So belohnen wir die Dankbaren.
36 Und wahrlich er hatte sie gewarnt vor unserem Angriff, sie aber bezweifelten die Warnung.
37 Und wahrlich sie verlangten von ihm seine Gäste; darum zerstörten wir ihre Augen: "So schmeckt meine Strafe und meine Warnung."
38 Und wahrlich am Morgen in der Frühe erfasste sie eine bleibende Strafe.
39 "So schmeckt meine Strafe und meine Warnung."
40 Und wahrlich wir machten den Koran leicht zur Ermahnung; gibt es aber einen, der sich ermahnen lässt?
41 Und wahrlich es kam zum Haus Pharaos die Warnung.
42 Sie aber erklärten alle unsere Zeichen für Lüge, und so erfassten wir sie mit dem Erfassen eines Mächtigen, Gewaltigen.
43 Sind eure Ungläubigen etwa besser als jene, oder gibt es für euch eine Befreiung in den Schriften?
44 Oder sprechen sie: "Wir sind eine siegende Menge?"
45 In die Flucht geschlagen wird die ganze Schar, und sie werden den Rücken kehren.
46 Aber die "Stunde" ist ihre angedrohte Zeit, und die "Stunde" ist fürchterlicher und bitterer.
47 Siehe die Sünder sind in Irrtum und Tollheit.
48 Eines Tages werden sie ins Feuer auf ihren Gesichtern geschleift: "Schmeckt die Berührung des Höllenfeuers."
49 Siehe alle Dinge erschufen wir nach einem Ratschluss,
50 Und unser Befehl ist nur ein (Wort,) gleich dem Blinzen des Auges.
51 Und wahrlich wir vertilgten ähnliche wie euch; gibt es aber einen, der sich warnen lässt?
52 Und alle Dinge, die sie tun, stehen in den Büchern,
53 Und alles Kleine und Große ist niedergeschrieben.
54 Siehe die Gottesfürchtigen kommen in Gärten mit Bächen,
55 Im Sitz der Wahrhaftigkeit bei einem mächtigen König.
Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.
Sure 54 heißt arabisch Al-Qamar, auf Deutsch "Der Mond", nach dem ersten Vers: "Genaht ist die Stunde und gespalten der Mond" (Sure 54,1) [1]. Sie ist die 54. Sure des Korans und hat nach der Kairoer Zählung 55 Verse [2]. In der Überlieferung, wie sie Tanzil nach dem Gelehrten az-Zandschani wiedergibt, gilt sie als mekkanisch mit Ausnahme der Verse 44 bis 46, die aus Medina stammen sollen; in der Reihenfolge der Offenbarung steht sie an 37. Stelle [3]. Theodor Nöldeke zählte sie 1860 zur zweiten mekkanischen Periode [4]. Im Kommentar des Corpus Coranicum der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften steht sie als erste der mittelmekkanischen Suren, so wie schon bei Nöldeke [5]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).
Inhalt im Überblick
Den Mittelteil bilden fünf Erzählungen über frühere Völker. Viermal schließt ein Kehrvers: "Und wahrlich wir machten den Koran leicht zur Ermahnung; gibt es aber einen, der sich ermahnen lässt?" (Sure 54,22; gleichlautend 54,32 und 54,40; leicht abweichend 54,17) [1].
| Verse | Inhalt |
|---|---|
| 1 bis 8 | die Stunde naht, der Mond ist gespalten; die Gegner sprechen: "Fortdauernde Zauberei!"; der Rufer am Tag der Auferstehung |
| 9 bis 17 | Noah wird verstoßen, die Flut, das Schiff aus Planken und Nieten |
| 18 bis 22 | Ad und der eisig pfeifende Wind |
| 23 bis 32 | Thamud, die Kamelin und der eine Schall |
| 33 bis 40 | Lots Volk, Rettung von Lots Haus im Morgengrauen |
| 41 bis 42 | die Warnung an das Haus Pharaos |
| 43 bis 55 | Fragen an die Gegner, alles nach Ratschluss erschaffen und niedergeschrieben, Gärten für die Gottesfürchtigen |
Wie die Sure verstanden wird
Die meisten Deutungen drehen sich um den ersten Vers: Spricht er von einem Ereignis zur Zeit Muhammads oder vom Ende der Welt?
Klassische Auslegung
Ibn Kathir schreibt in der gekürzten englischen Fassung seines Kommentars, die Spaltung des Mondes habe sich zu Lebzeiten des Propheten ereignet [6]. Die Gelehrten seien sich darin einig, gestützt auf viele zuverlässig überlieferte Berichte [6]. Er nennt Berichte von Anas ibn Malik, Ibn Abbas, Ibn Umar, Ibn Masud und Dschubair ibn Mutim; nach al-Buchari habe man den Berg Hira zwischen den beiden Hälften gesehen [6].
Heutige muslimische Theologie
Muhammad Asad bezweifelt in seiner Anmerkung nicht, dass die Zeitgenossen, die von der Mondspaltung berichteten, ehrlich wiedergaben, was sie gesehen hatten; er hält eine ungewöhnliche teilweise Mondfinsternis für möglich [7]. Der Vers spricht nach seiner Ansicht aber mit großer Sicherheit von einem künftigen Ereignis vor der Auferstehung. Der Koran verwende oft die Vergangenheitsform für Kommendes, um dessen Gewissheit zu betonen [7]. Für diese Lesart beruft er sich auf ar-Raghib und auf az-Zamachschari, der sie bei einigen früheren Auslegern findet [7].
Islamwissenschaft
Nöldeke hielt 1860 die Erzählung von einer Mondspaltung zur Zeit Muhammads für eine "Fabel", die aus einer falschen Erklärung des Verses entstanden sei; viele Muslime verstünden den Vers richtig vom Jüngsten Tag [4]. Dirk Hartwig und Angelika Neuwirth gehen im Corpus Coranicum dagegen von einem erlebten Ereignis aus, einer Mondfinsternis oder einer verwandten Erscheinung, die die Sure als Zeichen der nahen Stunde deutet [5]. Versteht man die Sure als Abbild eines Gottesdienstes, vertreten die fünf Erzählungen nach ihrer Analyse die Schriftlesung, umrahmt von zwei polemischen Teilen [5]. Neu sei die Beharrlichkeit, mit der die Sure die leichte Zugänglichkeit der Botschaft betont; im Kehrvers ordne sich der Verkünder der Tradition der Schriftreligionen zu [5].
Verwandte Seiten: Die Propheten im Koran und Tod, Gericht und Jenseits im Koran. Ihr geht Sure 53, Der Stern voraus, auf sie folgt Sure 55, Der Erbarmer.
- Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Geschichte des Qorâns, S. 93 f. und Inhaltsverzeichnis (zweite Periode). Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Sure 54 al-Qamar: Chronologisch-literaturwissenschaftlicher Kommentar zum Koran. Dirk Hartwig, Angelika Neuwirth, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Corpus Coranicum). Stand Betaversion, ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Qamar Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Al-Quran, Online Quran Project: Sure 54,1 mit Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
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