Alle 114 Suren des Korans
Sure 57: Das Eisen (Al-Ḥadīd)
Sure 57 von 114, 29 Verse
Sure 57 heißt Al-Hadid, "Das Eisen", nach Vers 25, und hat in der Kairoer Zählung 29 Verse. Sie gilt als medinische Sure. Sie preist Allah als den Ersten und den Letzten, ruft zu Glauben und Spenden auf, schildert das Licht der Gläubigen am Gerichtstag und spricht am Ende über Jesus und das Mönchtum.
1 Es preist Allah, was in den Himmeln und was auf Erden ist, und er ist der Mächtige, der Weise.
2 Sein ist das Reich der Himmel und der Erde, er macht lebendig und tötet, und er hat Macht über alle Dinge.
3 Er ist der Erste und der Letzte, der außen ist und innen, und er weiß alle Dinge.
4 Er ist es, der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschuf, worauf er sich auf den Thron setzte; er weiß, was in die Erde eingeht und was aus ihr hervorgeht und was vom Himmel herabsteigt und was in ihn hinaufsteigt, und er ist, wo immer ihr seid, mit euch, und Allah schaut euer Tun.
5 Sein ist das Reich der Himmel und der Erde, und zu Allah kehren die Dinge zurück.
6 Er lässt die Nacht eintreten in den Tag und lässt den Tag eintreten in die Nacht, und er kennt das Innerste der Brüste.
7 Glaubt an Allah und seinen Gesandten und spendet von dem, worin er euch zu Nachfolgern gemacht hat. Und diejenigen von euch, welche glauben und Spenden machen, ihnen wird großer Lohn.
8 Und was ist euch, dass ihr nicht glaubt an Allah, wo euch der Gesandte einlädt an eurem Herrn zu glauben und er bereits einen Bund mit euch geschlossen hat, wenn ihr Gläubige seid?
9 Er ist es, der auf seinen Diener deutliche Zeichen hinabsendet, um euch aus den Finsternissen zum Licht zu führen. Und siehe Allah ist wahrlich gütig gegen euch und barmherzig.
10 Und was ist euch, dass ihr nicht spendet in Allahs Weg, wo Allahs das Erbe der Himmel und der Erde ist? Nicht ist unter euch gleich, wer vor dem Sieg spendet und kämpft, diese nehmen höhere Stufen ein als jene, welche danach spenden und kämpfen. Allen aber verheißt Allah das Beste; und Allah weiß, was ihr tut.
11 Wer ist es der Allah ein schönes Darlehen leihen will? Verdoppeln wird er es ihm, und ihm wird ein edler Lohn.
12 Eines Tages wirst du die Gläubigen, Männer und Frauen, sehen, ihr Licht ihnen voraneilend und zu ihren Rechten. "Frohe Botschaft euch heute! Gärten durcheilt von Bächen ewig darin zu weilen! Das ist die große Glückseligkeit."
13 An jenem Tag sprechen die Heuchler und Heuchlerinnen zu den Gläubigen: "Wartet auf uns, damit wir (unser Licht) an eurem Licht anzünden." Es wird gesprochen werden: "Kehrt zurück und sucht euch Licht." Und es wird ein Wall mit einem Tor zwischen ihnen errichtet werden. Innen ist Barmherzigkeit und außen gegenüber Strafe.
14 Sie werden ihnen zurufen: "Waren wir nicht mit euch?" Sie werden sprechen: "Jawohl, doch versuchtet ihr euch selbst und wartetet und zweifeltet, und es betrogen euch die Hoffnungen, bis Allahs Befehl kam; und es betrog euch in Bezug auf Allah der Betrüger." (Flügel 13)
15 An jenem Tag soll deshalb von euch kein Lösegeld angenommen werden, noch von denen, welche nicht glaubten. Eure Wohnung ist das Feuer; es ist euer Herr, und übel ist die Fahrt (dorthin). (Flügel 14)
16 Ist nicht die Zeit für die Gläubigen gekommen, ihre Herzen vor der Ermahnung Allahs und der Wahrheit, die er hinabgesandt hat, zu demütigen, und nicht zu sein gleich jenen, denen die Schrift zuvor gegeben wurde, deren Zeit verlängert wurde, doch waren ihre Herzen verhärtet, und viele von ihnen waren Frevler? (Flügel 15)
17 Wisst, dass Allah die Erde lebendig macht nach ihrem Tod. Wir haben euch die Zeichen deutlich gemacht; vielleicht habt ihr Einsicht. (Flügel 16)
18 Siehe diejenigen welche Almosen geben, Männer und Frauen, und die Allah ein schönes Darlehen leihen, verdoppeln wird er es ihnen, und ihnen wird edler Lohn. (Flügel 17)
19 Und diejenigen, welche an Allah und seinen Gesandten glauben, das sind die Wahrhaften und die Zeugen bei ihrem Herrn; ihnen wird ihr Lohn und ihr Licht. Die Ungläubigen jedoch und die, welche unsere Zeichen für Lüge erklärten, das sind die Bewohner des Höllenpfuhls. (Flügel 18)
20 Wisst, dass das irdische Leben nur ein Spiel und ein Scherz und ein Schmuck ist und Gegenstand des Rühmens unter euch. Und die Zunahme an Gut und Kindern ist gleich dem Regen, dessen Wachstum die Dörfler erfreut. Dann welkt es und du siehst es gelb werden. Dann zerbröckelt es. Und im Jenseits ist strenge Strafe, und Verzeihung von Allah und Wohlgefallen. Und das irdische Leben ist nur ein trügerischer Genuss. (Flügel 19 bis 20)
21 Wetteifert miteinander zur Verzeihung eures Herrn und zum Paradies, dessen Breite gleich der Breite des Himmels und der Erde ist, bereitet für diejenigen, welche an Allah und seinen Gesandten glauben. Das ist Allahs Huld, die er gibt, wem er will. Und Allah ist von großer Huld.
22 Kein Unheil geschieht auf Erden oder euch, das nicht in einem Buch stünde, bevor wir es geschehen ließen. Siehe solches ist Allah leicht:
23 Damit ihr euch nicht betrübt über das, was euch entgeht, und euch freut über das, was er euch gibt. Denn Allah liebt keine stolzen Prahler,
24 Die geizig sind und andere zum Geiz anhalten. Und wenn jemand seinen Rücken kehrt, siehe so ist Allah der Reiche, der Rühmenswerte.
25 Wahrlich wir entsandten unsere Gesandten mit den deutlichen Zeichen und sandten mit ihnen das Buch und die Waage herab, damit die Menschen Gerechtigkeit übten. Und wir sandten das Eisen herab, in welchem starke Kraft und Nutzen für die Menschen ist, damit Allah wüsste, wer ihm und seinen Gesandten im Verborgenen hülfe. Siehe Allah ist stark und mächtig.
26 Und wahrlich wir entsandten Noah und Abraham und gaben seiner Nachkommenschaft das Prophetentum und die Schrift; und einige von ihnen waren geleitet, viele von ihnen waren jedoch Frevler.
27 Dann ließen wir unsere Gesandten ihren Spuren folgen; und wir ließen Jesus den Sohn der Maria folgen und gaben ihm das Evangelium und legten in die Herzen derer, die ihm folgten, Güte und Barmherzigkeit. Das Mönchtum jedoch erfanden sie selber; wir schrieben ihnen nur vor nach Allahs Wohlgefallen zu trachten, und das nahmen sie nicht in Acht, wie es in Acht genommen zu werden verdiente. Den Gläubigen unter ihnen aber gaben wir ihren Lohn, obwohl viele von ihnen Frevler waren.
28 O ihr, die ihr glaubt, fürchtet Allah und glaubt an seinen Gesandten; zwei Anteile seiner Barmherzigkeit wird er euch geben und wird euch ein Licht machen, in dem ihr wandeln sollt, und er wird euch vergeben; denn Allah ist verzeihend und barmherzig;
29 Damit die Leute der Schrift erkennen, dass sie über nichts von Allahs Huld Macht haben, und dass die Huld in Allahs Hand ist, die er gibt wem er will. Denn Allah ist voll großer Huld.
Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.
Sure 57 heißt arabisch Al-Hadid. Max Henning übersetzt den Namen 1901 mit "Das Eisen" [1]. Er stammt aus Vers 25: "Und wir sandten das Eisen herab, in welchem starke Kraft und Nutzen für die Menschen ist" (Sure 57,25) [1]. Die Sure ist die 57. des Korans und hat nach der Kairoer Zählung 29 Verse [2]. In der Überlieferung, wie sie Tanzil nach dem Gelehrten az-Zandschani wiedergibt, gilt sie als medinisch und steht in der Reihenfolge der Offenbarung an 94. Stelle [3]. Theodor Nöldeke schrieb 1860, sie werde oft ganz oder in ihrem letzten Teil für mekkanisch gehalten; er selbst ordnete sie Medina zu [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).
Inhalt im Überblick
Die Sure beginnt wie Sure 59 mit "Es preist Allah, was in den Himmeln und was auf Erden ist" (Sure 57,1) [1].
| Verse | Inhalt |
|---|---|
| 1 bis 6 | Lobpreis: Allah ist der Erste und der Letzte, Schöpfung in sechs Tagen, er ist bei euch, wo immer ihr seid |
| 7 bis 11 | Aufruf zu Glauben und Spenden, Vorrang derer, die vor dem Sieg spendeten und kämpften, "ein schönes Darlehen" |
| 12 bis 15 | das Licht der gläubigen Männer und Frauen am Gerichtstag, die Heuchler ohne Licht, ein Wall mit einem Tor |
| 16 bis 24 | Mahnung zur Demut, das irdische Leben als Spiel, Wetteifern um Verzeihung, alles steht in einem Buch |
| 25 | Gesandte mit Buch und Waage, das herabgesandte Eisen |
| 26 bis 29 | Noah und Abraham, Jesus und das Evangelium, das Mönchtum, die Leute der Schrift |
Vers 3 lautet: "Er ist der Erste und der Letzte, der außen ist und innen, und er weiß alle Dinge." (Sure 57,3) [1]
Wie die Sure verstanden wird
Ausgelegt werden vor allem Vers 25 über Waage und Eisen und Vers 27 über das Mönchtum der Nachfolger Jesu.
Klassische Auslegung
Ibn Kathir erklärt in der gekürzten englischen Fassung seines Kommentars die Waage in Vers 25 mit Mudschahid und Katada als Gerechtigkeit [5]. Das Eisen habe zwei Seiten: Waffen für den Kampf gegen die, die die Wahrheit ablehnen, und Werkzeuge für den Lebensunterhalt [5]. Vers 27 bedeutet für ihn, dass die christliche Gemeinschaft das Mönchtum selbst erfand und Allah es nicht vorschrieb [6]. Die Worte "nach Allahs Wohlgefallen zu trachten" erklärt er auf zwei Weisen: Sie hätten das Mönchtum erfunden, um Allah zu gefallen, oder Allah habe ihnen nur vorgeschrieben, sein Wohlgefallen zu suchen [6]. Er führt einen Bericht bei Ahmad an, nach dem das Mönchtum dieser Gemeinschaft der Dschihad sei [6].
Heutige muslimische Theologie
Muhammad Asad versteht das Eisen in Vers 25 als Sinnbild für die Fähigkeit des Menschen, die Schätze der Erde zu nutzen, weil es der wichtigste Stoff für Werkzeuge und Technik sei [7]. Die gewaltige Kraft des Eisens könne für Waffen dienen, aber auch für eine immer weiter wachsende Mechanisierung, die den Menschen von der Natur und vom sittlichen Bewusstsein entfernen könne; davor warne der Koran [7]. Das Mönchtum (arabisch Rahbaniyya) beschreibt Asad als Verbindung von klösterlichem Leben und strenger Askese, die er dem frühen Christentum zuschreibt und die der Islam missbillige; er stellt ihr das "Volk in der Mitte" aus Sure 2,143 gegenüber [8].
Islamwissenschaft
Nöldeke sah als Hauptinhalt der Sure eine Ermahnung zum Almosengeben und eine Anklage gegen die Heuchler, die kein Geld hergeben wollten [4]. Den "Sieg" in Vers 10 bezog er auf die Schlacht bei Badr. Andere Ausleger, die er nennt, deuten ihn als Einnahme Mekkas; dagegen spricht für Nöldeke, dass Muhammad in der ganzen Sure nicht so mächtig auftritt wie nach jenem Ereignis [4]. Aus den Versen 22 und 23 schloss er, dass Muhammad zur Zeit der Abfassung im Unglück war, und setzte die Sure in die Zeit zwischen der Schlacht am Uhud und dem Grabenkrieg [4].
Verwandte Seiten: Jesus im Koran, Juden und Christen im Koran und Mekkanische und medinensische Suren. Ihre Nachbarn sind Sure 56, Die Eintreffende und Sure 58, Die Streitende.
- Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
- Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Studie Geschichte des Qorâns, S. 144 f.. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Hadid Ayah 25. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Hadid Ayah 27. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Al-Quran, Online Quran Project: Sure 57,25 mit Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
- Al-Quran, Online Quran Project: Sure 57,27 mit Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
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