Sure 7

Die Höhen

Al-Aʿrāf

Verse: 206 Offenbart in: Mekka Zeit: spätmekkanisch (kurz vor der Hidschra 622)

Worum geht's?

Die längste mekkanische Sure und thematisch die ausführlichste Propheten-Sure des Korans. Sie enthält die ausführlichste Adam-Erzählung (Verse 11–25) – mit der Iblīs-Szene, dem Fall, der Vergebung. Es folgt eine lange Kette von Propheten-Erzählungen: Noah, Hūd, Ṣāliḥ, Lot, Schuʿaib, Moses (mit der ausführlichsten Pharao-Erzählung und dem Goldenen Kalb). Die Sure trägt ihren Namen von den „Höhen" (al-aʿrāf) – einem einzigartigen koranischen Bild eines Ortes zwischen Paradies und Hölle (Verse 46–49). Sie enthält den berühmten Bund-Vers (Vers 172: „Bin ich nicht euer Herr?") und die Bilʿam-Stelle (Verse 175–177) über den abgefallenen Gelehrten.

Der Text – Vers für Vers

In moderner Sprache paraphrasiert nach Max Henning (1901).

  1. 1Alif-Lām-Mīm-Ṣād.
  2. 2Ein Buch wurde auf dich herabgesandt – so soll keine Beklemmung in deiner Brust darüber sein, damit du damit warnst, und als Ermahnung für die Gläubigen.
  3. 3Folgt dem, was zu euch von eurem Herrn herabgesandt wurde, und folgt nicht anstatt seiner anderen Schutzherren! Wie wenig lasst ihr euch ermahnen!
  4. 4Wie viele Städte haben wir vernichtet! Unsere Härte kam zu ihnen in der Nacht oder während sie ihre Mittagsruhe hielten.
  5. 5Ihr Rufen, als unsere Härte zu ihnen kam, war nur, dass sie sagten: Wahrlich, wir waren Frevler.
  6. 6Wir werden wahrlich die fragen, zu denen geschickt wurde, und wir werden wahrlich die Gesandten fragen.
  7. 7Wir werden ihnen wahrlich mit Wissen erzählen. Wir waren nicht abwesend.
  8. 8Das Wägen geschieht an jenem Tag in Wahrheit. Wer seine Waagschale schwer hat – diese sind die Erfolgreichen.
  9. 9Wer aber seine Waagschale leicht hat – diese sind die, die sich selbst verloren haben wegen dem, womit sie an unseren Zeichen ungerecht gewesen sind.
  10. 10Schon haben wir euch auf der Erde Platz gegeben und euch darin Lebensgrundlagen gemacht. Wie wenig seid ihr dankbar!
  11. 11Wahrlich, wir haben euch erschaffen, dann haben wir euch geformt, dann haben wir den Engeln gesagt: Werft euch vor Adam nieder! Da warfen sie sich nieder, außer Iblīs. Er gehörte nicht zu den sich Niederwerfenden.
  12. 12Er sagte: Was hat dich gehindert, dich niederzuwerfen, als ich es dir befohlen habe? Er sagte: Ich bin besser als er. Du hast mich aus Feuer erschaffen, ihn hast du aus Ton erschaffen.
  13. 13Er sagte: So steige aus ihm hinab! Es geziemt dir nicht, in ihm hochmütig zu sein. So geh hinaus! Du gehörst zu den Geringen.
  14. 14Er sagte: Gib mir Aufschub bis zum Tag, an dem sie auferweckt werden!
  15. 15Er sagte: Du gehörst zu den Aufgeschobenen.
  16. 16Er sagte: Weil du mich hast irren lassen, werde ich ihnen wahrlich auf deinem geraden Weg auflauern.
  17. 17Dann werde ich gewiss von vorne und von hinten und von rechts und von links über sie kommen. Du wirst die meisten von ihnen nicht dankbar finden.
  18. 18Er sagte: Geh aus ihm getadelt, vertrieben hinaus! Wer von ihnen dir folgt, mit ihnen werde ich die Hölle ganz füllen.
  19. 19Adam, bewohne du und deine Frau das Paradies und esst, wo immer ihr wollt! Aber nähert euch nicht diesem Baum, sonst gehört ihr zu den Frevlern!
  20. 20Da gab der Satan beiden Einflüsterungen, um ihnen zu offenbaren, was ihnen von ihrer Blöße verborgen war. Er sagte: Euer Herr hat euch diesen Baum nur verboten, damit ihr nicht zu Engeln werdet oder zu denen gehört, die ewig bleiben.
  21. 21Er schwor ihnen: Wahrlich, ich bin für euch ein wahrhafter Ratgeber!
  22. 22So führte er sie mit Trug hinab. Als sie vom Baum kosteten, wurde ihnen ihre Blöße offen. Sie fingen an, sich aus den Blättern des Paradieses zusammenzunähen. Ihr Herr rief ihnen zu: Habe ich euch nicht diesen Baum verboten und euch gesagt: Der Satan ist euch ein deutlicher Feind?
  23. 23Sie sagten: Unser Herr, wir haben uns selbst Unrecht getan. Wenn du uns nicht vergibst und dich unser nicht erbarmst, gehören wir zu den Verlierern.
  24. 24Er sagte: Steigt hinab! Einer ist dem anderen ein Feind. Auf der Erde habt ihr einen Wohnsitz und Genuss bis zu einer Frist.
  25. 25Er sagte: Auf ihr werdet ihr leben, auf ihr werdet ihr sterben, und aus ihr werdet ihr hervorgebracht.
  26. 26Kinder Adams! Wir haben euch eine Kleidung herabgesandt, die eure Blöße verhüllt, und Schmuck. Die Kleidung der Gottesfurcht ist aber besser. Das ist von den Zeichen Gottes, vielleicht lasst ihr euch ermahnen.
  27. 27Kinder Adams! Der Satan soll euch nicht in Versuchung führen, wie er eure Eltern aus dem Paradies hervorgebracht hat, indem er ihnen ihre Kleidung wegzog, um ihnen ihre Blöße zu zeigen. Wahrlich, er sieht euch – er und sein Geschlecht – von wo ihr sie nicht seht. Wahrlich, wir haben die Satane zu Schutzherren derer gemacht, die nicht glauben.
  28. 28Wenn sie eine Schändlichkeit tun, sagen sie: Wir haben unsere Väter dabei gefunden, und Gott hat es uns geboten. Sprich: Wahrlich, Gott gebietet nicht das Schändliche. Wollt ihr über Gott sagen, was ihr nicht wisst?
  29. 29Sprich: Mein Herr hat die Gerechtigkeit geboten. Wendet euer Gesicht bei jedem Niederwerfungsort und ruft ihn an, indem ihr die Religion für ihn rein macht! Wie er euch das erste Mal erschaffen hat, so kehrt ihr zurück.
  30. 30Eine Gruppe hat er rechtgeleitet, eine andere Gruppe hat sich Verirrung verdient. Wahrlich, sie haben die Satane zu Schutzherren anstatt Gottes genommen und meinen, sie seien rechtgeleitet.
  31. 31Kinder Adams! Nehmt euren Schmuck bei jedem Niederwerfungsort! Esst und trinkt, verschwendet aber nicht! Wahrlich, er liebt die Verschwender nicht.
  32. 32Sprich: Wer hat den Schmuck Gottes verboten, den er für seine Diener hervorgebracht hat, und die guten Dinge aus der Versorgung? Sprich: Sie sind im diesseitigen Leben für die, die geglaubt haben, ausschließlich am Tag der Auferstehung. So machen wir die Zeichen für ein Volk, das weiß, klar.
  33. 33Sprich: Mein Herr hat nur die Schändlichkeiten verboten, was an ihnen offen oder verborgen ist, die Sünde, den Übergriff ohne Recht, dass ihr Gott beigesellt, wofür er keine Vollmacht herabgesandt hat, und dass ihr über Gott sagt, was ihr nicht wisst.
  34. 34Jede Gemeinschaft hat eine Frist. Wenn ihre Frist kommt, können sie sich keine Stunde verspäten und können auch nicht früher kommen.
  35. 35Kinder Adams! Wenn Gesandte aus euch zu euch kommen und euch meine Zeichen erzählen – wer gottesfürchtig ist und sich bessert, über die ist keine Furcht, und sie sind nicht traurig.
  36. 36Die aber unsere Zeichen für Lüge erklären und ihnen gegenüber hochmütig sind – diese sind die Gefährten des Feuers. Sie sind darin ewig.
  37. 37Wer ist ungerechter als der, der eine Lüge über Gott erfindet oder seine Zeichen für Lüge erklärt? Diese – ihr Anteil aus dem Buch erreicht sie, bis unsere Gesandten zu ihnen kommen, sie abzuberufen. Sie sagen: Wo ist das, was ihr anstatt Gottes angerufen habt? Sie sagen: Sie sind von uns verschwunden! Sie zeugen gegen sich selbst, dass sie Ungläubige waren.
  38. 38Er sagt: Tretet ein in die Gemeinschaften, die vor euch vergangen sind, von den Dschinn und Menschen, in das Feuer! Sooft eine Gemeinschaft eintritt, verflucht sie ihre Schwester. Bis, wenn sie sich alle darin nacheinander erreichen, sagt die letzte zur ersten: Unser Herr, diese haben uns in die Irre geführt! Gib ihnen also doppelte Strafe vom Feuer! Er sagt: Jedem das Doppelte! Aber ihr wisst nicht.
  39. 39Die erste sagt zur letzten: Ihr hattet keinen Vorzug über uns. So kostet die Strafe für das, was ihr zu erwerben pflegtet!
  40. 40Wahrlich, die unsere Zeichen für Lüge erklären und ihnen gegenüber hochmütig sind – die Tore des Himmels werden ihnen nicht geöffnet. Sie treten nicht in das Paradies ein, bis das Kamel durch das Nadelöhr geht. So vergelten wir den Sündern.
  41. 41Sie haben die Hölle als Lager und über sich Decken. So vergelten wir den Frevlern.
  42. 42Die aber geglaubt und gute Werke getan haben – wir belasten eine Seele nur nach ihrem Vermögen – diese sind die Gefährten des Paradieses. Sie sind darin ewig.
  43. 43Wir entfernen aus ihren Brüsten jeden Groll. Unter ihnen fließen Bäche. Sie sagen: Lob sei Gott, der uns hierhergeleitet hat! Wir wären nicht rechtgeleitet, wenn Gott uns nicht rechtgeleitet hätte. Wahrlich, schon kamen die Gesandten unseres Herrn mit der Wahrheit. Es wird ihnen zugerufen: Das ist das Paradies, das euch zum Erbe gegeben wurde für das, was ihr zu tun pflegtet.
  44. 44Die Gefährten des Paradieses rufen den Gefährten des Feuers zu: Wir haben schon als wahr gefunden, was uns unser Herr versprochen hat. Habt ihr auch als wahr gefunden, was euer Herr euch versprochen hat? Sie sagen: Ja! Da ruft ein Ausrufer unter ihnen zu: Der Fluch Gottes ist auf den Frevlern,
  45. 45die vom Weg Gottes abhalten und ihn als krumm wünschen und an das Jenseits ungläubig sind!
  46. 46Zwischen ihnen ist ein Vorhang. Auf den Höhen sind Männer, die jeden an seinem Kennzeichen kennen. Sie rufen den Gefährten des Paradieses zu: Friede sei mit euch! Sie sind in es nicht eingetreten, aber sie hoffen darauf.
  47. 47Wenn ihre Augen zu den Gefährten des Feuers gewendet werden, sagen sie: Unser Herr, lass uns nicht mit dem frevelhaften Volk sein!
  48. 48Die Gefährten der Höhen rufen Männern zu, die sie an ihren Kennzeichen kennen, und sagen: Was hat euch eure Menge und das, worauf ihr hochmütig wart, genützt?
  49. 49Sind diese die, von denen ihr geschworen habt, Gott werde sie nicht in Barmherzigkeit erfassen? Tretet in das Paradies ein! Keine Furcht ist auf euch, und ihr werdet nicht traurig sein.
  50. 50Die Gefährten des Feuers rufen den Gefährten des Paradieses zu: Gießt etwas Wasser auf uns oder etwas von dem, womit Gott euch versorgt hat! Sie sagen: Wahrlich, Gott hat es den Ungläubigen verboten,
  51. 51die ihre Religion zum Spiel und Spaß genommen haben und vom diesseitigen Leben getäuscht wurden. Heute vergessen wir sie, wie sie das Treffen an diesem ihrem Tag vergessen haben und wie sie unsere Zeichen zu verleugnen pflegten.
  52. 52Schon haben wir ihnen ein Buch gebracht, das wir mit Wissen klargemacht haben, als Rechtleitung und Barmherzigkeit für ein Volk, das glaubt.
  53. 53Warten sie etwa auf seine Auslegung? Am Tag, an dem seine Auslegung kommt, sagen die, die ihn vorher vergessen haben: Schon kamen die Gesandten unseres Herrn mit der Wahrheit. Haben wir Fürsprecher, die für uns Fürsprache einlegen? Oder werden wir zurückgebracht, sodass wir anders tun, als wir zu tun pflegten? Sie haben sich selbst verloren, und das, was sie zu erfinden pflegten, hat sich von ihnen abgewendet.
  54. 54Wahrlich, euer Herr ist Gott, der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschaffen hat. Dann hat er sich auf dem Thron erhoben. Er lässt die Nacht den Tag bedecken, der sie eilig sucht. Sonne, Mond und Sterne, dienstbar gemacht durch seinen Befehl. Hat er nicht die Schöpfung und den Befehl? Gesegnet sei Gott, der Herr der Welten!
  55. 55Ruft euren Herrn demütig und im Verborgenen an! Wahrlich, er liebt die Übergreifer nicht.
  56. 56Stiftet kein Verderben auf der Erde nach ihrer Ordnung! Ruft ihn in Furcht und Hoffnung an! Wahrlich, die Barmherzigkeit Gottes ist den Gutestuenden nahe.
  57. 57Er ist es, der die Winde sendet als frohe Botschaft vor seiner Barmherzigkeit her. Bis, wenn sie schwere Wolken tragen, treiben wir sie zu einem toten Land, lassen Wasser darauf herabsenden, und bringen damit allerlei Früchte hervor. So bringen wir die Toten hervor, vielleicht lasst ihr euch ermahnen.
  58. 58Das gute Land bringt seine Pflanzen mit der Erlaubnis seines Herrn hervor. Das aber bösartig ist, bringt nur kümmerlich hervor. So machen wir die Zeichen vielfältig für ein Volk, das dankbar ist.
  59. 59Wahrlich, wir haben Noah zu seinem Volk geschickt. Er sagte: Mein Volk, dient Gott! Ihr habt keinen Gott außer ihm. Wahrlich, ich fürchte für euch die Strafe eines gewaltigen Tages.
  60. 60Die Vornehmen seines Volkes sagten: Wir sehen dich wahrlich in deutlicher Verirrung.
  61. 61Er sagte: Mein Volk, in mir ist keine Verirrung. Vielmehr bin ich ein Gesandter vom Herrn der Welten.
  62. 62Ich übermittele euch die Botschaften meines Herrn und gebe euch wohlgemeinte Ratschläge. Ich weiß von Gott, was ihr nicht wisst.
  63. 63Verwundert ihr euch, dass eine Ermahnung von eurem Herrn zu euch durch einen Mann aus euch gekommen ist, damit er euch warnt und damit ihr gottesfürchtig seid und damit euch Barmherzigkeit erwiesen wird?
  64. 64Sie aber erklärten ihn für einen Lügner. Wir retteten ihn und die, die mit ihm in dem Schiff waren. Wir ertränkten die, die unsere Zeichen für Lüge erklärten. Wahrlich, sie waren ein blindes Volk.
  65. 65Zu ʿĀd: ihren Bruder Hūd. Er sagte: Mein Volk, dient Gott! Ihr habt keinen Gott außer ihm. Werdet ihr nicht gottesfürchtig sein?
  66. 66Die Vornehmen, die ungläubig waren, von seinem Volk sagten: Wir sehen dich wahrlich in Torheit. Wir glauben dich wahrlich von den Lügnern.
  67. 67Er sagte: Mein Volk, in mir ist keine Torheit. Vielmehr bin ich ein Gesandter vom Herrn der Welten.
  68. 68Ich übermittele euch die Botschaften meines Herrn und bin ein vertrauenswürdiger Ratgeber für euch.
  69. 69Verwundert ihr euch, dass eine Ermahnung von eurem Herrn durch einen Mann aus euch zu euch gekommen ist, damit er euch warnt? Gedenkt, dass er euch zu Nachfolgern gemacht hat nach dem Volk Noahs und euch in der Schöpfung mehr Wuchs verliehen hat! Gedenkt der Gunst Gottes, vielleicht seid ihr erfolgreich!
  70. 70Sie sagten: Bist du zu uns gekommen, damit wir nur Gott dienen und das verlassen, dem unsere Väter gedient haben? So bring uns das, was du uns versprichst, wenn du wahrhaftig bist!
  71. 71Er sagte: Schon ist auf euch von eurem Herrn Greuel und Zorn gefallen. Streitet ihr mit mir über Namen, die ihr und eure Väter gegeben habt, ohne dass Gott eine Vollmacht dafür herabgesandt hätte? So wartet! Ich gehöre mit euch zu den Wartenden.
  72. 72Da retteten wir ihn und die mit ihm waren mit Barmherzigkeit von uns. Wir schnitten den Stamm derer ab, die unsere Zeichen für Lüge erklärten und nicht zu den Gläubigen gehörten.
  73. 73Zu Thamūd: ihren Bruder Ṣāliḥ. Er sagte: Mein Volk, dient Gott! Ihr habt keinen Gott außer ihm. Schon ist zu euch ein klarer Beweis von eurem Herrn gekommen. Das ist die Kamelstute Gottes – ein Zeichen für euch. So lasst sie auf Gottes Erde essen und tut ihr nichts Böses, sonst trifft euch eine schmerzhafte Strafe!
  74. 74Gedenkt, dass er euch zu Nachfolgern nach ʿĀd gemacht und euch in der Erde Wohnstätten gegeben hat – ihr nehmt aus ihren Ebenen Schlösser und meißelt aus den Bergen Häuser. So gedenkt der Gunst Gottes und stiftet auf der Erde nicht Verderben!
  75. 75Die Vornehmen, die hochmütig waren, von seinem Volk sagten zu denen, die für schwach gehalten wurden – den Gläubigen unter ihnen: Wisst ihr, dass Ṣāliḥ von seinem Herrn gesandt ist? Sie sagten: Wahrlich, wir glauben an das, womit er gesandt wurde.
  76. 76Die hochmütig waren, sagten: Wir sind ungläubig an dem, woran ihr glaubt.
  77. 77Sie schnitten die Kamelstute ab und übertraten den Befehl ihres Herrn. Sie sagten: Ṣāliḥ, bring uns das, was du uns versprichst, wenn du von den Gesandten bist!
  78. 78Da packte sie das Beben, und sie lagen am Morgen in ihren Wohnstätten ausgestreckt.
  79. 79Da wandte er sich von ihnen ab und sagte: Mein Volk, ich habe euch die Botschaft meines Herrn übermittelt und euch wohlgemeinten Rat gegeben. Aber ihr liebt die Wohlgemeinten nicht.
  80. 80Auch Lot, als er zu seinem Volk sagte: Begeht ihr die Schändlichkeit, die niemand vor euch in den Welten begangen hat?
  81. 81Wahrlich, ihr kommt aus Lust zu den Männern – nicht zu den Frauen. Vielmehr seid ihr ein maßloses Volk.
  82. 82Die Antwort seines Volkes war nichts anderes, als dass sie sagten: Vertreibt sie aus eurer Stadt! Sie sind Leute, die sich rein erhalten wollen.
  83. 83Wir retteten ihn und seine Angehörigen, außer seiner Frau – sie gehörte zu den Zurückbleibenden.
  84. 84Wir ließen einen Regen auf sie regnen. Sieh also, wie das Ende der Frevler war!
  85. 85Zu Madyan: ihren Bruder Schuʿaib. Er sagte: Mein Volk, dient Gott! Ihr habt keinen Gott außer ihm. Schon ist zu euch ein klarer Beweis von eurem Herrn gekommen. So füllt das Maß und die Waage und verkürzt den Menschen nicht ihre Sachen! Stiftet auf der Erde nicht Verderben nach ihrer Ordnung! Das ist besser für euch, wenn ihr Gläubige seid.
  86. 86Sitzt nicht auf jedem Weg, drohend und vom Weg Gottes abhaltend, wer an ihn geglaubt hat, und ihn als krumm wünschend! Gedenkt, dass ihr wenige wart und er euch vermehrt hat! Seht, wie das Ende der Verderber war!
  87. 87Wenn eine Gruppe von euch an das geglaubt hat, womit ich gesandt wurde, und eine andere Gruppe nicht geglaubt hat, so habt Geduld, bis Gott zwischen uns entscheidet! Er ist der beste der Entscheidenden.
  88. 88Die Vornehmen, die hochmütig waren, von seinem Volk sagten: Wir werden dich, Schuʿaib, und die, die mit dir geglaubt haben, aus unserer Stadt vertreiben, oder ihr kehrt zu unserer Glaubensgemeinschaft zurück! Er sagte: Auch wenn wir es nicht wollen?
  89. 89Wir hätten Lüge über Gott erfunden, wenn wir zu eurer Glaubensgemeinschaft zurückkehrten, nachdem Gott uns von ihr errettet hat. Es ziemt sich nicht für uns, zu ihr zurückzukehren – außer Gott, unser Herr, will es. Unser Herr umfasst alles mit Wissen. Auf Gott vertrauen wir. Unser Herr, entscheide zwischen uns und unserem Volk in Wahrheit! Du bist der beste der Entscheidenden.
  90. 90Die Vornehmen, die ungläubig waren, von seinem Volk sagten: Wenn ihr Schuʿaib folgt, seid ihr die Verlierer.
  91. 91Da packte sie das Beben, und sie lagen am Morgen in ihren Wohnstätten ausgestreckt.
  92. 92Die Schuʿaib für einen Lügner erklärt hatten, waren, als hätten sie nicht in ihnen gewohnt. Die Schuʿaib für einen Lügner erklärt hatten, waren die Verlierer.
  93. 93Da wandte er sich von ihnen ab und sagte: Mein Volk, ich habe euch die Botschaften meines Herrn übermittelt und euch wohlgemeinten Rat gegeben. Wie sollte ich also über das ungläubige Volk traurig sein?
  94. 94Wir haben in keine Stadt einen Propheten geschickt, ohne dass wir ihre Leute mit Not und Bedrängnis packten, damit sie sich demütigten.
  95. 95Dann tauschten wir an Stelle der Schlechtigkeit das Gute, bis sie sich vermehrten und sagten: Schon hat Not und Wohlstand unsere Väter getroffen. Da packten wir sie plötzlich, ohne dass sie merkten.
  96. 96Hätten aber die Leute der Städte geglaubt und wären gottesfürchtig gewesen, hätten wir Segnungen vom Himmel und von der Erde über ihnen geöffnet. Sie aber erklärten für Lüge, so packten wir sie für das, was sie zu erwerben pflegten.
  97. 97Fühlten sich die Leute der Städte sicher, dass nicht unsere Härte über sie kommt nachts, während sie schlafen?
  98. 98Oder fühlten sich die Leute der Städte sicher, dass nicht unsere Härte über sie kommt am hellen Tag, während sie spielen?
  99. 99Fühlten sie sich sicher vor der List Gottes? Vor der List Gottes fühlt sich nur das verlierende Volk sicher.
  100. 100Hat es denen, die die Erde nach ihren Bewohnern erben, nicht gezeigt, dass wir, wenn wir wollten, sie für ihre Sünden treffen würden? Wir versiegeln aber ihre Herzen, sodass sie nicht hören.
  101. 101Diese Städte – wir erzählen dir einige ihrer Nachrichten. Schon kamen ihre Gesandten mit den klaren Beweisen. Sie glaubten aber nicht an das, was sie vorher für Lüge erklärt hatten. So versiegelt Gott die Herzen der Ungläubigen.
  102. 102Wir haben keinen Bund bei den meisten von ihnen gefunden. Wir haben die meisten von ihnen wahrlich als Frevler gefunden.
  103. 103Dann schickten wir nach ihnen Moses mit unseren Zeichen zu Pharao und seinen Vornehmen. Sie waren aber ungerecht dagegen. Sieh, wie das Ende der Verderber war!
  104. 104Moses sagte: Pharao, wahrlich, ich bin ein Gesandter vom Herrn der Welten,
  105. 105verpflichtet, über Gott nur die Wahrheit zu sagen. Schon bin ich zu euch mit einem klaren Beweis von eurem Herrn gekommen. So schicke die Kinder Israels mit mir!
  106. 106Er sagte: Wenn du mit einem Zeichen gekommen bist, so bring es her, wenn du wahrhaftig bist!
  107. 107Da warf er seinen Stab. Da war er eine deutliche Schlange.
  108. 108Er zog seine Hand hervor, und sie war für die Schauenden weiß.
  109. 109Die Vornehmen vom Volk Pharaos sagten: Wahrlich, das ist ein wissender Zauberer,
  110. 110der euch aus eurem Land vertreiben will. Was befehlt ihr?
  111. 111Sie sagten: Stelle ihn und seinen Bruder zurück und schicke in die Städte Sammler!
  112. 112Sie sollen dir jeden wissenden Zauberer bringen!
  113. 113Die Zauberer kamen zu Pharao und sagten: Haben wir wahrlich einen Lohn, wenn wir die Sieger sind?
  114. 114Er sagte: Ja! Ihr werdet zu den Nahestehenden gehören.
  115. 115Sie sagten: Moses, wirfst du, oder werfen wir?
  116. 116Er sagte: Werft! Als sie warfen, bezauberten sie die Augen der Menschen und erschreckten sie. Sie kamen mit großer Zauberei.
  117. 117Wir offenbarten Moses: Wirf deinen Stab! Da verschlang er, was sie heuchelten.
  118. 118Da geschah die Wahrheit, und das, was sie taten, wurde nichtig.
  119. 119Da wurden sie dort besiegt und kehrten als Erniedrigte um.
  120. 120Die Zauberer fielen niederwerfend um.
  121. 121Sie sagten: Wir glauben an den Herrn der Welten,
  122. 122den Herrn Moses' und Aarons.
  123. 123Pharao sagte: Habt ihr an ihn geglaubt, bevor ich es euch erlaubt habe? Das ist wahrlich eine List, die ihr in der Stadt geschmiedet habt, um aus ihr ihre Leute zu vertreiben. Aber ihr werdet es erkennen.
  124. 124Ich werde euch wahrlich Hände und Füße auf gegenüberliegenden Seiten abschneiden lassen. Dann werde ich euch wahrlich alle kreuzigen!
  125. 125Sie sagten: Wahrlich, zu unserem Herrn kehren wir zurück.
  126. 126Du rächst dich an uns nur deshalb, weil wir an die Zeichen unseres Herrn geglaubt haben, als sie zu uns kamen. Unser Herr, gieße über uns Geduld aus und nimm uns als Muslime zu dir!
  127. 127Die Vornehmen vom Volk Pharaos sagten: Lässt du Moses und sein Volk auf der Erde Verderben anrichten und dich und deine Götter verlassen? Er sagte: Wir werden ihre Söhne töten und ihre Frauen leben lassen. Wir sind über ihnen Bezwinger.
  128. 128Moses sagte zu seinem Volk: Sucht Hilfe bei Gott und seid geduldig! Wahrlich, die Erde gehört Gott. Er gibt sie zum Erbe, wem er will, von seinen Dienern. Die Endwohnstätte ist für die Gottesfürchtigen.
  129. 129Sie sagten: Uns wurde Leid zugefügt, bevor du zu uns kamst, und auch nachdem du zu uns gekommen bist. Er sagte: Vielleicht vernichtet euer Herr euren Feind und macht euch zu Nachfolgern auf der Erde, sodass er sieht, wie ihr handelt.
  130. 130Schon packten wir die Familie Pharaos mit den Jahren und mit Mangel an Früchten, damit sie sich ermahnen ließen.
  131. 131Wenn ihnen das Gute kam, sagten sie: Dies steht uns zu! Wenn ihnen aber Schlechtes traf, deuteten sie es als böses Omen wegen Moses und derer, die mit ihm waren. Ihr böses Omen ist aber nur bei Gott. Die meisten von ihnen wissen es aber nicht.
  132. 132Sie sagten: Welches Zeichen du uns auch immer bringst, um uns damit zu bezaubern, wir glauben dir nicht.
  133. 133So schickten wir auf sie die Flut, die Heuschrecken, die Läuse, die Frösche und das Blut – als klar unterscheidbare Zeichen. Sie aber waren hochmütig und ein verbrecherisches Volk.
  134. 134Als die Strafe auf sie fiel, sagten sie: Moses, rufe für uns deinen Herrn an mit dem, was er dir versprochen hat! Wenn du die Strafe von uns hebst, werden wir dir wahrlich glauben und die Kinder Israels mit dir schicken.
  135. 135Als wir die Strafe bis zu einer Frist, die sie erreichten, von ihnen hoben – siehe, sie brachen ihr Versprechen.
  136. 136So nahmen wir Rache an ihnen und ertränkten sie im Meer. Das, weil sie unsere Zeichen für Lüge erklärten und unachtsam waren.
  137. 137Wir gaben dem Volk, das für schwach gehalten worden war, die Osten der Erde und ihre Westen zum Erbe, die wir gesegnet hatten. Das schönste Wort deines Herrn an die Kinder Israels erfüllte sich, weil sie geduldig waren. Wir zerstörten, was Pharao und sein Volk gemacht hatten, und was sie zu errichten pflegten.
  138. 138Wir brachten die Kinder Israels über das Meer. Sie kamen zu einem Volk, das sich auf Götzen verehrend bei ihnen aufhielt. Sie sagten: Moses, mache uns einen Gott, wie sie Götter haben! Er sagte: Wahrlich, ihr seid ein unwissendes Volk.
  139. 139Wahrlich, diese – was sie tun, wird zerstört, und was sie zu tun pflegen, ist nichtig.
  140. 140Er sagte: Soll ich euch einen anderen Gott als Gott suchen, während er euch vor den Welten ausgezeichnet hat?
  141. 141Als wir euch retteten von der Familie Pharaos, die euch das Schlimmste der Strafe kosten ließen, eure Söhne töteten und eure Frauen leben ließen – darin war eine gewaltige Prüfung von eurem Herrn.
  142. 142Wir verabredeten Moses mit dreißig Nächten und vollendeten sie mit zehn. So vollendete sich der Termin seines Herrn mit vierzig Nächten. Moses sagte zu seinem Bruder Aaron: Vertrete mich bei meinem Volk und sei rechtschaffen und folge nicht dem Weg der Verderber!
  143. 143Als Moses zu unserem Termin kam und sein Herr mit ihm redete, sagte er: Mein Herr, zeige dich mir, damit ich dich anschaue! Er sagte: Du wirst mich nicht sehen. Schaue aber auf den Berg! Wenn er an seiner Stelle bleibt, wirst du mich sehen. Als sein Herr aber auf den Berg erschien, ließ er ihn zerschmettern, und Moses fiel betäubt um. Als er sich erholte, sagte er: Preis sei dir! Ich kehre zu dir um, und ich bin der erste der Gläubigen.
  144. 144Er sagte: Moses, wahrlich, ich habe dich vor den Menschen erwählt mit meinen Botschaften und meiner Rede. So nimm, was ich dir gegeben habe, und sei einer der Dankbaren!
  145. 145Wir schrieben für ihn in die Tafeln Ermahnungen aller Sache und Erklärung aller Sache. So nimm sie mit Kraft und befiehl deinem Volk, das Schönste davon zu nehmen! Ich werde euch die Wohnstätte der Frevler zeigen.
  146. 146Ich werde von meinen Zeichen die abwenden, die hochmütig auf der Erde sind ohne Recht. Wenn sie jedes Zeichen sehen, glauben sie nicht daran. Wenn sie den Weg der Rechtschaffenheit sehen, nehmen sie ihn nicht als Weg. Wenn sie aber den Weg der Verirrung sehen, nehmen sie ihn als Weg. Das, weil sie unsere Zeichen für Lüge erklärten und gegen sie unachtsam waren.
  147. 147Die unsere Zeichen für Lüge erklären und das Treffen mit dem Jenseits – ihre Werke sind zerstört. Werden sie für etwas anderes vergolten, als was sie zu tun pflegten?
  148. 148Das Volk Moses' nahm sich nach ihm aus ihrem Schmuck ein Kalb – einen Körper mit blökendem Ton. Sahen sie nicht, dass es weder mit ihnen reden noch sie auf einen Weg leiten konnte? Sie nahmen es und waren Frevler.
  149. 149Als es ihnen in die Hände fiel und sie sahen, dass sie irregegangen waren, sagten sie: Wenn unser Herr sich nicht unser erbarmt und uns nicht vergibt, gehören wir zu den Verlierern.
  150. 150Als Moses zu seinem Volk zornig und betrübt zurückkehrte, sagte er: Wie schlimm ist das, was ihr nach mir an meiner Stelle getan habt! Habt ihr es eilig vor der Sache eures Herrn gehabt? Er warf die Tafeln weg und nahm den Kopf seines Bruders, indem er ihn zu sich zog. Er sagte: Sohn meiner Mutter, das Volk hat mich für schwach gehalten und mich fast getötet. So lass die Feinde nicht über mich schadenfreude empfinden und mache mich nicht zum frevelhaften Volk!
  151. 151Er sagte: Mein Herr, vergib mir und meinem Bruder und lass uns in deine Barmherzigkeit eintreten! Du bist der barmherzigste der Barmherzigen.
  152. 152Wahrlich, die das Kalb genommen haben – sie erreicht Zorn von ihrem Herrn und Erniedrigung im diesseitigen Leben. So vergelten wir den Erfindenden.
  153. 153Die aber schlechte Taten getan, dann danach umgekehrt und geglaubt haben – wahrlich, dein Herr ist danach wahrlich allverzeihend, barmherzig.
  154. 154Als der Zorn Moses' nachließ, nahm er die Tafeln. In ihrer Schrift waren Rechtleitung und Barmherzigkeit für die, die ihren Herrn fürchten.
  155. 155Moses wählte aus seinem Volk siebzig Männer für unseren Termin. Als das Beben sie packte, sagte er: Mein Herr, wenn du gewollt hättest, hättest du sie vorher und mich vernichten können. Vernichtest du uns wegen dem, was die Toren unter uns getan haben? Es ist nur deine Versuchung. Mit ihr lässt du in die Irre gehen, wen du willst, und du leitest, wen du willst. Du bist unser Schutzherr. So vergib uns und sei uns barmherzig! Du bist der beste der Vergebenden.
  156. 156Schreibe uns im diesseitigen Leben Gutes vor und im Jenseits! Wahrlich, wir sind zu dir umgekehrt. Er sagte: Mit meiner Strafe treffe ich, wen ich will. Meine Barmherzigkeit umfasst alle Dinge. Ich werde sie für die vorschreiben, die gottesfürchtig sind, das Almosen geben und die an unsere Zeichen glauben –
  157. 157die dem Gesandten folgen, dem analphabetischen Propheten, den sie bei sich in der Tora und im Evangelium niedergeschrieben finden, der ihnen das Gute befiehlt und das Verwerfliche verbietet, der ihnen die guten Dinge erlaubt und die schlechten verbietet, der ihre Last und die Fesseln, die auf ihnen waren, von ihnen abnimmt. Die geglaubt, ihn unterstützt, ihm geholfen haben und dem Licht gefolgt sind, das mit ihm herabgesandt wurde – diese sind die Erfolgreichen.
  158. 158Sprich: Ihr Menschen, wahrlich, ich bin der Gesandte Gottes zu euch alle – ihm gehört die Königsherrschaft der Himmel und der Erde. Es gibt keinen Gott außer ihm. Er macht lebendig und lässt sterben. So glaubt an Gott und seinen Gesandten, den analphabetischen Propheten, der an Gott und seine Worte glaubt, und folgt ihm, vielleicht werdet ihr rechtgeleitet!
  159. 159Im Volk Moses' war eine Gemeinschaft, die mit der Wahrheit rechtleitete und mit ihr Gerechtigkeit übte.
  160. 160Wir teilten sie in zwölf Stämme als Gemeinschaften. Wir offenbarten Moses, als sein Volk ihn um Wasser bat: Schlage mit deinem Stab auf den Felsen! Da sprangen aus ihm zwölf Quellen. Jeder Stamm wusste seine Trinkstelle. Wir machten Wolken zu ihrem Schatten und sandten ihnen das Manna und die Wachteln herab. Esst von den guten Dingen, womit wir euch versorgt haben! Sie taten uns kein Unrecht, sondern taten sich selbst Unrecht.
  161. 161Als ihnen gesagt wurde: Bewohnt diese Stadt, esst darin, wo immer ihr wollt, sagt: Vergebung! Tretet zum Tor mit Niederwerfung ein! Wir werden euch eure Übeltaten vergeben. Wir werden den Gutestuenden mehr geben.
  162. 162Aber die Frevler von ihnen tauschten eine andere Rede gegen die, die ihnen gesagt worden war. Da sandten wir auf sie eine Pestilenz vom Himmel herab für ihr Freveln.
  163. 163Frage sie nach der Stadt, die am Meer war: Als sie am Sabbat übertraten, als ihre Fische am Sabbat-Tag zu ihnen sichtbar kamen. Am Tag, an dem sie nicht den Sabbat hielten, kamen sie nicht zu ihnen. So prüften wir sie wegen dessen, was sie zu freveln pflegten.
  164. 164Als eine Gemeinschaft von ihnen sagte: Warum ermahnt ihr ein Volk, das Gott vernichten oder mit einer harten Strafe strafen wird? Sie sagten: Als Entschuldigung vor eurem Herrn und vielleicht sind sie gottesfürchtig.
  165. 165Als sie das vergaßen, woran sie ermahnt worden waren, retteten wir die, die das Üble verboten, und packten die Frevler mit schlimmer Strafe für ihr Freveln.
  166. 166Als sie sich abkehrten von dem, wovon sie abgehalten waren, sagten wir ihnen: Werdet zu vertriebenen Affen!
  167. 167Da kündigte dein Herr an, dass er bis zum Tag der Auferstehung über sie senden würde, wer sie das Schlimmste der Strafe kosten ließe. Dein Herr ist schnell in der Strafe. Wahrlich, er ist allverzeihend, barmherzig.
  168. 168Wir teilten sie auf der Erde in Gemeinschaften auf – einige sind rechtschaffene, andere sind nicht so. Wir prüften sie mit dem Guten und Schlechten, vielleicht kehren sie um.
  169. 169Nach ihnen folgten Nachkommen, die das Buch erbten, indem sie das Diesseitige nahmen. Sie sagten: Es wird uns vergeben! Wenn ihnen wieder Vergleichbares gegeben wurde, nahmen sie es. War nicht der Bund des Buches genommen worden, dass sie über Gott nur die Wahrheit sagen sollten? Sie haben aber studiert, was in ihm ist. Die Endwohnstätte ist besser für die Gottesfürchtigen. Werdet ihr nicht verständig sein?
  170. 170Die das Buch festhalten und das Gebet verrichten – wahrlich, wir lassen den Lohn der sich Bessernden nicht verloren gehen.
  171. 171Als wir den Berg über ihnen schüttelten, als wäre er ein Schirm, und sie meinten, er werde auf sie fallen: Nehmt, was wir euch gegeben haben, mit Kraft und gedenkt dessen, was darin ist, vielleicht seid ihr gottesfürchtig!
  172. 172Als dein Herr aus den Kindern Adams – aus ihren Lenden – ihre Nachkommen herausnahm und sie über sich selbst zeugen ließ: Bin ich nicht euer Herr? Sie sagten: Doch, wir bezeugen es! – damit ihr nicht am Tag der Auferstehung sagt: Wir waren davon unachtsam,
  173. 173oder sagt: Vorher haben unsere Väter beigesellt, und wir waren Nachkommen nach ihnen. Vernichtest du uns wegen dem, was die Erfinder taten?
  174. 174So machen wir die Zeichen klar, vielleicht kehren sie um.
  175. 175Verlese ihnen die Nachricht dessen, dem wir unsere Zeichen gegeben haben, der sich aber von ihnen herausgezogen hat, dem der Satan dann folgte, sodass er zu den Verirrten gehörte.
  176. 176Hätten wir gewollt, hätten wir ihn damit erhoben. Aber er hängt sich an die Erde und folgt seiner Lust. Sein Gleichnis ist wie das Gleichnis eines Hundes: Wenn du ihn jagst, hechelt er; wenn du ihn lässt, hechelt er. Das ist das Gleichnis des Volkes, das unsere Zeichen für Lüge erklärt. So erzähle die Erzählung, vielleicht denken sie nach!
  177. 177Schlimm ist das Gleichnis des Volkes, das unsere Zeichen für Lüge erklärt hat und sich selbst Unrecht zu tun pflegte!
  178. 178Wen Gott rechtleitet, der ist rechtgeleitet. Wen er aber in die Irre führt – diese sind die Verlierer.
  179. 179Schon haben wir für die Hölle viele von den Dschinn und den Menschen geschaffen. Sie haben Herzen, mit denen sie nicht verstehen, sie haben Augen, mit denen sie nicht sehen, sie haben Ohren, mit denen sie nicht hören. Diese sind wie das Vieh. Vielmehr sind sie noch mehr in die Irre gegangen. Diese sind die Unachtsamen.
  180. 180Gott gehören die schönsten Namen. So ruft ihn mit ihnen an und lasst die, die seine Namen falsch verwenden! Sie werden vergolten werden für das, was sie zu tun pflegten.
  181. 181Unter denen, die wir erschaffen haben, ist eine Gemeinschaft, die mit der Wahrheit rechtleitet und mit ihr Gerechtigkeit übt.
  182. 182Die aber unsere Zeichen für Lüge erklären – wir werden sie Schritt für Schritt hinunterführen, ohne dass sie es merken.
  183. 183Ich werde ihnen Aufschub gewähren. Wahrlich, meine List ist beständig.
  184. 184Haben sie nicht nachgedacht? Es ist in ihrem Gefährten keine Besessenheit. Er ist nur ein deutlicher Warner.
  185. 185Haben sie nicht in die Königsherrschaft der Himmel und der Erde und auf das, was Gott an Dingen erschaffen hat, geschaut? Und dass ihre Frist sich vielleicht schon genähert hat? An welche Rede nach ihm wollen sie glauben?
  186. 186Wen Gott in die Irre führt, der hat keinen Leiter. Er lässt sie in ihrer Maßlosigkeit verwirrt umherirren.
  187. 187Sie fragen dich nach der Stunde: Wann ist ihre Festsetzung? Sprich: Ihr Wissen ist nur bei meinem Herrn. Niemand offenbart sie zu ihrer Zeit außer ihm. Sie ist in den Himmeln und auf der Erde schwer. Sie kommt nur plötzlich. Sie fragen dich, als seist du um sie bemüht. Sprich: Ihr Wissen ist nur bei Gott. Aber die meisten Menschen wissen es nicht.
  188. 188Sprich: Ich habe für mich selbst weder Nutzen noch Schaden in meiner Hand – außer was Gott will. Wenn ich das Verborgene kennen würde, hätte ich mir viel Gutes verschafft, und mich hätte kein Schlechtes berührt. Ich bin nur ein Warner und ein Verkünder froher Botschaft für ein Volk, das glaubt.
  189. 189Er ist es, der euch aus einer einzigen Seele erschaffen und aus ihr seine Gattin gemacht hat, damit er bei ihr ruht. Als er bei ihr ruhte, trug sie eine leichte Bürde und ging mit ihr umher. Als sie schwer wurde, riefen beide Gott, ihren Herrn, an: Wenn du uns einen rechtschaffenen Sohn gibst, gehören wir wahrlich zu den Dankbaren.
  190. 190Als er ihnen aber einen rechtschaffenen Sohn gab, machten sie ihm Teilhaber in dem, was er ihnen gegeben hat. Aber Gott ist erhaben über das, was sie beigesellt haben.
  191. 191Stellen sie ihm Mit-Geseller, die nichts erschaffen, sondern selbst erschaffen sind?
  192. 192Sie können ihnen weder helfen, noch können sie sich selbst helfen.
  193. 193Wenn ihr sie zur Rechtleitung ruft, folgen sie euch nicht. Es ist gleich für euch, ob ihr sie ruft oder ob ihr schweigt.
  194. 194Wahrlich, die ihr anstatt Gottes anruft, sind Diener gleich euch. So ruft sie an! Sie sollen euch antworten, wenn ihr wahrhaftig seid!
  195. 195Haben sie Füße, mit denen sie gehen? Oder haben sie Hände, mit denen sie greifen? Oder haben sie Augen, mit denen sie sehen? Oder haben sie Ohren, mit denen sie hören? Sprich: Ruft eure Mit-Geseller, dann schmiedet List gegen mich und gebt mir keinen Aufschub!
  196. 196Wahrlich, mein Schutzherr ist Gott, der das Buch herabgesandt hat. Er ist der Schutzherr der Rechtschaffenen.
  197. 197Die ihr anstatt seiner anruft, können euch nicht helfen, und sie können sich selbst nicht helfen.
  198. 198Wenn ihr sie zur Rechtleitung ruft, hören sie nicht. Du siehst sie, wie sie zu dir schauen, aber sie sehen nicht.
  199. 199Nimm die Verzeihung, befehle das Übliche und wende dich von den Unwissenden ab!
  200. 200Wenn dich Einflüsterung vom Satan anstößt, so suche Zuflucht bei Gott! Er ist allhörend, allwissend.
  201. 201Wahrlich, die gottesfürchtig sind – wenn sie ein Anflug vom Satan berührt, gedenken sie. Da sehen sie wieder klar.
  202. 202Ihre Brüder ziehen sie in den Irrtum, und sie lassen darin nicht nach.
  203. 203Wenn du ihnen kein Zeichen bringst, sagen sie: Hättest du es nicht erfunden? Sprich: Ich folge nur dem, was zu mir von meinem Herrn offenbart wird. Das sind Einsichten von eurem Herrn, Rechtleitung und Barmherzigkeit für ein Volk, das glaubt.
  204. 204Wenn der Koran rezitiert wird, so hört ihm zu und seid still, vielleicht wird euch Barmherzigkeit erwiesen!
  205. 205Gedenke deines Herrn in deiner Seele in Demut und Furcht, ohne laute Rede, am Morgen und am Abend! Gehöre nicht zu den Unachtsamen!
  206. 206Wahrlich, die bei deinem Herrn sind, sind nicht zu hochmütig, um ihm zu dienen. Sie preisen ihn und werfen sich vor ihm nieder.

Einordnung & Bedeutung

Die ausführlichste Propheten-Sure

Sure 7 ist die längste mekkanische Sure und – wie Sure 6 – spätmekkanisch. Aber wo Sure 6 vor allem theologisch argumentiert, ist Sure 7 vor allem erzählend. Sie ist die ausführlichste Propheten-Sure des Korans. Über 130 Verse (von 71 bis 171) sind eine fast durchgehende Reihe von Propheten-Erzählungen – Noah, Hūd, Ṣāliḥ, Lot, Schuʿaib, Moses.

Das ist kein Zufall. Mohammed predigte in Mekka über 12 Jahre lang fast erfolglos. Die Quraisch lehnten ihn ab. Die Sure 7 sagt ihm im Grunde: So war es immer. Jeder Prophet wurde abgelehnt. Jeder hat geduldig weitergepredigt. Am Ende kam das Strafgericht über die, die nicht hörten. Mohammed steht in einer langen Reihe.

Die ausführlichste Adam-Erzählung (Verse 11–25)

Die Verse 11–25 enthalten die ausführlichste Version der Adam-Erzählung im Koran. Andere Versionen stehen in Sure 2,30–39; 15,28–48; 17,61–65; 20,116–124; 38,71–85. Die Version in Sure 7 ist die narrativ reichste.

Mehrere Punkte sind theologisch zentral:

Vers 12 – Das Argument des Iblīs: „Ich bin besser als er. Du hast mich aus Feuer erschaffen, ihn hast du aus Ton erschaffen." Hier wird das einzige Argument des Iblīs in voller Form genannt: ein Material-Hochmut. Feuer wird höher gewertet als Ton. Klassische Auslegungen sehen darin das Modell jedes Rassismus: Wer Menschen wegen ihrer „Material-Herkunft" (Hautfarbe, Geburt, Familie, Klasse) verachtet, wiederholt den Iblīs-Fehler.

Verse 16–17 – Die vier Richtungen: Iblīs droht: „Ich werde ihnen wahrlich auf deinem geraden Weg auflauern. Dann werde ich gewiss von vorne und von hinten und von rechts und von links über sie kommen." Diese Stelle wurde in der sufischen Tradition vielfältig gelesen. Eine klassische Auslegung: Von vorne kommt der Satan durch falsche Zukunfts-Erwartungen (etwa Furcht vor Armut), von hinten durch Reue über vergangene Sünden, von rechts durch falsche Frömmigkeit (Stolz auf eigene Gerechtigkeit), von links durch direkte Versuchung zur Sünde. Bemerkenswert ist, was Iblīs nicht sagt: „von oben" oder „von unten". Klassische Auslegungen sehen darin den Aufgang zum Gebet (oben) und die Niederwerfung (unten) als geschützte Räume.

Verse 20–22 – Der Fall: Hier ist die Versuchung detailliert dargestellt. Iblīs verleitet die ersten Menschen nicht direkt – er flüstert ein (gibt ein, in ihren Verstand). Er sagt: Gott verbietet euch den Baum, damit ihr nicht zu Engeln werdet. Iblīs benutzt das Erkenntnis-Versprechen. Der Mensch fällt nicht, weil er ein Verbot bricht – er fällt, weil er mehr sein will als er ist.

Bemerkenswert ist Vers 22: Nach dem Sündenfall wird ihnen ihre Blöße offen – und sie versuchen, sich mit Blättern des Paradieses zu bedecken. Klassisch wird das tief gelesen: Vorher waren sie nackt, ohne zu wissen. Jetzt wissen sie – und schämen sich. Das Bewusstsein kam mit dem Fall. Diese Stelle hat erstaunliche Parallelen zu Genesis 3,7.

Vers 23 – Das Adams-Gebet: „Unser Herr, wir haben uns selbst Unrecht getan. Wenn du uns nicht vergibst und dich unser nicht erbarmst, gehören wir zu den Verlierern." Diese Worte sind im islamischen Reue-Gebet (istighfār) Grundlage. Adam und Eva sprechen sie zusammen. Beide tragen die Verantwortung gemeinsam – im Gegensatz zur biblischen Erzählung, wo Eva die Hauptschuld trägt.

Keine Erbsünde: Vers 24 beendet die Episode: „Steigt hinab! Einer ist dem anderen ein Feind." Aber kein Wort von einer übertragenen Sünde. Adam und Eva fallen, kehren um, werden vergeben. Im Islam gibt es keine Erbsünde. Jeder Mensch wird unschuldig geboren.

Die „Höhen" – al-aʿrāf (Verse 46–49)

Verse 46–49 enthalten eines der einzigartigen Bilder des Korans: die Höhen (al-aʿrāf). Es sind Erhebungen zwischen Paradies und Hölle, von denen aus die Bewohner beider Bereiche zu sehen sind. Auf diesen Höhen stehen Männer, die nicht im Paradies, aber auch nicht in der Hölle sind.

Wer sind diese Männer? Klassische Auslegungen geben verschiedene Antworten:

  • Die Mittelmäßigen: Menschen, deren gute und schlechte Taten gleich schwer wiegen. Sie warten auf Gottes Entscheidung.
  • Die Märtyrer für nicht-eindeutige Ursachen: Wer im Streit unter Muslimen fiel, ohne klar Recht oder Unrecht zu haben.
  • Die Auserwählten: Eine andere Lesart sieht die Männer als besonders Gelehrte, die Zeugen über das Gericht sind – sie kennen beide Gruppen und urteilen über sie.
  • Sufische Lesart: Die Höhen sind eine spirituelle Stufe der Wahrnehmung, von der aus die ganze Wahrheit sichtbar wird.

In der schiitischen Tradition werden mit den Männern auf den Höhen oft die Imame identifiziert, die ein besonderes Wissen über die Menschen besitzen.

Vers 46 sagt: „Sie kennen jeden an seinem Kennzeichen." Im Diesseits sind die wahren Kennzeichen verborgen – wer wirklich gläubig ist und wer nur scheinbar. Auf den Höhen ist das offenbar.

Die Propheten-Kette (Verse 59–137)

Eine bemerkenswerte literarische Struktur prägt die Verse 59–137: Sechs Propheten-Erzählungen folgen aufeinander, alle nach einem ähnlichen Muster:

  1. Der Prophet wird zu seinem Volk gesandt.
  2. Er ruft: „Dient Gott! Ihr habt keinen Gott außer ihm!"
  3. Die Vornehmen des Volkes lehnen ab und höhnen.
  4. Der Prophet warnt vor der Strafe.
  5. Die Strafe trifft ein – Flut bei Noah, Beben bei Hūd, Ṣāliḥ, Schuʿaib, Schwefelregen bei Lot.
  6. Der Prophet überlebt mit den Gläubigen.

Diese repetitive Struktur ist literarisch keine Schwäche, sondern eine theologische Aussage: Die Geschichte wiederholt sich. Die Ablehnung der Propheten ist ein wiederkehrendes Muster der Menschheit. Mohammed steht in dieser Reihe. Was bei den anderen Völkern geschah, kann auch in Mekka geschehen.

Die Reihenfolge ist nicht zufällig. Sie folgt einer ungefähren chronologischen Anordnung: Noah (vor der Flut) – Hūd (ʿĀd-Volk, vermutet im südarabischen Ḥaḍramaut) – Ṣāliḥ (Thamūd, in Madāʾin Ṣāliḥ im Norden des heutigen Saudi-Arabien) – Lot (Sodom) – Schuʿaib (Madyan, am nördlichen Roten Meer). Die geografische Bewegung ist nach Norden und Westen – hin zu den Räumen, die den arabischen Hörern Mohammeds bekannt waren. Die ʿĀd- und Thamūd-Ruinen waren in vorislamischen Zeiten in Arabien noch sichtbare Mahnung.

Erst nach all diesen Propheten kommt Moses (ab Vers 103) – die längste Erzählung der Sure, die den Rest des Hauptteils einnimmt.

Die Moses-Erzählung (Verse 103–162)

Die Moses-Erzählung in Sure 7 ist die ausführlichste der Pharao-Versionen im Koran. Sie umfasst:

  • Mose vor Pharao (V103–108)
  • Der Wettstreit mit den Zauberern (V109–126)
  • Die Plagen (V127–135)
  • Der Auszug und Ertränkung Pharaos (V136–137)
  • Das Goldene Kalb (V148–153)
  • Moses' Bitte um Gottesschau (V143)
  • Die 70 Älteren am Berg (V155)

Mehrere Stellen sind besonders bedeutend:

Vers 143 – Moses bittet, Gott zu sehen: „Mein Herr, zeige dich mir, damit ich dich anschaue!" Gottes Antwort: „Du wirst mich nicht sehen. Schaue aber auf den Berg! Wenn er an seiner Stelle bleibt, wirst du mich sehen." Gott erscheint dann auf dem Berg – und der Berg zerschmettert. Moses fällt betäubt um.

Diese Stelle ist theologisch fundamental. Selbst Moses – der größte Prophet im jüdischen Verständnis – darf Gott nicht direkt sehen. Was nur eine kurze, unfassbare „Erscheinung" Gottes auf einem Berg auslöst, ist die Zerschmetterung des Berges. Die direkte Begegnung mit Gott überschreitet jede Kreatur-Kapazität.

Im sufischen Verständnis ist diese Stelle das Modell der mystischen Erfahrung: Wer Gott wirklich begegnet, wird vernichtet in dieser Begegnung (das sufische fanāʾ). Erst dann kommt die Erholung in einer höheren Erkenntnis (baqāʾ). Moses sagt nach seiner Erholung: „Preis sei dir! Ich kehre zu dir um, und ich bin der erste der Gläubigen."

Vers 148–153 – Das Goldene Kalb: Während Moses am Berg ist, machen die Israeliten aus ihrem Schmuck ein Kalb. Die Sure präsentiert eine bemerkenswerte Detaillierung: „Sahen sie nicht, dass es weder mit ihnen reden noch sie auf einen Weg leiten konnte?" (V148) Das ist die klassische Götzen-Kritik: Götzen können nicht reden und nicht führen. Sie sind tote Materie.

Aarons Erklärung in Vers 150 (er wurde fast getötet bei dem Versuch, das Volk zurückzuhalten) wird im Koran ausführlicher behandelt als in der Bibel, wo Aaron ambivalenter erscheint. Im Koran ist Aaron unschuldig – das Volk war zu mächtig für ihn.

Der Bund-Vers (Vers 172)

Vers 172 ist eine der theologisch tiefsten Stellen des Korans: „Als dein Herr aus den Kindern Adams – aus ihren Lenden – ihre Nachkommen herausnahm und sie über sich selbst zeugen ließ: Bin ich nicht euer Herr? Sie sagten: Doch, wir bezeugen es!"

Diese Stelle wird im Islam mīthāq – „Bund" – genannt. Sie schildert ein vor-zeitliches Ereignis: Vor der Schöpfung der Welt nimmt Gott aus Adams Nachkommen alle Menschen heraus – als Seelen – und fragt sie: „Bin ich nicht euer Herr?" Alle antworten: „Doch, wir bezeugen es!"

Theologische Implikationen:

  • Pränataler Monotheismus: Jeder Mensch hat schon vor seiner Geburt sich zu Gott bekannt. Der angeborene Monotheismus (fiṭra) ist kein zufälliges Phänomen, sondern Erinnerung an diesen vor-zeitlichen Bund.
  • Niemand wird ohne Ausrede gerichtet: Vers 172–173 fügt hinzu, dass dieser Bund stattfand, „damit ihr nicht am Tag der Auferstehung sagt: Wir waren davon unachtsam" oder „unsere Väter haben beigesellt, und wir waren Nachkommen". Niemand kann sich am Tag des Gerichts auf Unwissen berufen.
  • Religion als Erinnerung: Im sufischen Verständnis ist jeder spirituelle Weg eine Wiedererinnerung an diesen ursprünglichen Bund. Wenn ein Mensch sich Gott zuwendet, wendet er sich nicht zu etwas Neuem, sondern zu dem, was er schon kannte.

Diese Stelle ist im persischen Sufismus besonders wichtig. Der Dichter Ḥāfiẓ und andere haben unzählige Verse über das rūz-i alast – den „Tag des ‚Bin ich nicht?'" – geschrieben. Die menschliche Sehnsucht nach Gott ist nach diesem Verständnis eine Heimkehr-Sehnsucht: Wir suchen das, was wir vor unserer Geburt schon hatten.

Die Bilʿam-Stelle (Verse 175–177)

Verse 175–177 sind eine warnende Erzählung über einen Mann, dem Gott die Zeichen gegeben hat – der sich aber davon herausgezogen hat. Klassisch wird der Mann als Bilʿam ibn Bāʿūrā identifiziert – der biblische Bileam aus Numeri 22–24.

Der Vers ist bewegend: „Hätten wir gewollt, hätten wir ihn damit erhoben. Aber er hängt sich an die Erde und folgt seiner Lust. Sein Gleichnis ist wie das Gleichnis eines Hundes: Wenn du ihn jagst, hechelt er; wenn du ihn lässt, hechelt er."

Das Bild ist scharf: Der Hund hechelt in beiden Fällen – ob er gejagt wird oder ruht. So ist der Mensch, der das Wissen verraten hat: rastlos, immer hungrig, nie zufrieden. Das ist eine warnende Stelle für Gelehrte – wer das Wissen hat und es trotzdem verrät, fällt tiefer als wer nie wusste.

Die schönsten Namen Gottes (Vers 180)

Vers 180 erwähnt die berühmten al-asmāʾ al-ḥusnā – die „schönsten Namen" Gottes: „Gott gehören die schönsten Namen. So ruft ihn mit ihnen an und lasst die, die seine Namen falsch verwenden!"

Die islamische Tradition kennt 99 Namen Gottes – aus Hadith-Überlieferung zusammengestellt. Sie sind im täglichen Gebet und in der Frömmigkeit zentral: Ar-Raḥmān (der Allerbarmer), Ar-Raḥīm (der Barmherzige), Al-Malik (der König), Al-Quddūs (der Allheilige), As-Salām (der Frieden), Al-Muʾmin (der Bewahrer)... Mohammed soll laut Hadith gesagt haben: „Wer die 99 Namen zählt, geht ins Paradies."

Die Liste der 99 Namen ist nicht abschließend. Die Zahl symbolisiert die Fülle – Gott hat unendlich viele „schönste Namen". Die islamische Mystik kennt einen 100. Namen – den verborgenen, den nur die Eingeweihten kennen.

Schluss-Verse (Verse 204–206)

Die letzten drei Verse sind im islamischen Gebetsleben präsent:

Vers 204: „Wenn der Koran rezitiert wird, so hört ihm zu und seid still!" Diese Stelle ist Grundlage der Pflicht zur Aufmerksamkeit während des öffentlichen Koran-Vortrages. In der Moschee, beim Hören der Rezitation, wird Stille erwartet.

Vers 205: „Gedenke deines Herrn in deiner Seele in Demut und Furcht, ohne laute Rede, am Morgen und am Abend!" Das ist die Praxis des dhikr – des Gedenkens Gottes – in seiner stillsten Form. „Ohne laute Rede" – das Gedenken ist primär eine innere Angelegenheit.

Vers 206 schließt die Sure mit den Engeln: „Wahrlich, die bei deinem Herrn sind, sind nicht zu hochmütig, um ihm zu dienen. Sie preisen ihn und werfen sich vor ihm nieder." Die Engel als Modell der Niederwerfung. Dieser Vers ist eine Niederwerfungs-Vers – beim Rezitieren wird eine zusätzliche Niederwerfung empfohlen.

Wie wird die Sure verstanden?

Sure 7 ist die große narrative Sure des Korans. Sie ist nicht primär juristisch oder theologisch-argumentativ – sie erzählt. Sie ist die Sure der Heilsgeschichte:

  • Sie beginnt mit Adam – dem Beginn der Menschheit.
  • Sie geht durch Noah – die universale Flut.
  • Sie zeigt mit Hūd, Ṣāliḥ, Lot, Schuʿaib regionale Propheten – die arabische und levantinische Geschichte.
  • Sie kommt zu Moses – dem klassischen Propheten der biblischen Tradition.
  • Sie erinnert mit dem Bund-Vers an den vor-zeitlichen Ursprung allen Glaubens.

Die Sure ist im modernen Diskurs wichtig für mehrere Themen:

  • Anti-Rassismus: Das Iblīs-Argument („Ich bin besser, du hast mich aus Feuer geschaffen") wird klassisch als das Modell jedes Material-Hochmuts gelesen.
  • Geschlechter-Gleichheit: Adam und Eva tragen die Schuld gemeinsam; das Reue-Gebet ist von beiden. Keine besondere Schuld Evas.
  • Religion-Pluralismus: Der Bund-Vers macht klar, dass alle Menschen den gleichen Ursprung haben – einen Vorzeit-Bund mit Gott. Religion ist Erinnerung, nicht Importgut.
  • Gelehrten-Verantwortung: Die Bilʿam-Stelle warnt Gelehrte vor dem Verrat ihres Wissens.

Spirituell ist die Sure die Sure der inneren Reise. Wie Adam fallen und vergeben werden; wie Moses Gottes Erscheinung nicht direkt aushält und betäubt zu Boden fällt; wie die Höhen als Zwischenort zwischen den Endpunkten stehen – all diese Bilder sind im sufischen Verständnis Stationen der spirituellen Reife.

Schlüsselbegriffe kurz erklärt

  • Al-Aʿrāf – „die Höhen" – Verse 46–49: ein einzigartiger koranischer Ort zwischen Paradies und Hölle
  • Iblīs-Argument – Vers 12: „Ich bin besser als er" – Modell jedes Material-Hochmuts und Rassismus
  • Adam-Erzählung – Verse 11–25: ausführlichste Version im Koran; gemeinsame Schuld von Adam und Eva, keine Erbsünde
  • Propheten-Kette – Verse 59–137: Noah, Hūd, Ṣāliḥ, Lot, Schuʿaib, Moses – ein wiederkehrendes literarisches Muster
  • Moses und Pharao – Verse 103–162: die ausführlichste Pharao-Erzählung des Korans
  • Vers 143 – Moses bittet, Gott zu sehen – der Berg zerschmettert; sufisches Modell des fanāʾ
  • Goldenes Kalb – Verse 148–153: klassische Götzen-Kritik („kann weder reden noch leiten")
  • Mīthāq – der Bund-Vers – Vers 172: „Bin ich nicht euer Herr?" – pränataler Monotheismus; im persischen Sufismus zentral
  • Bilʿam – Verse 175–177: warnende Stelle über den abgefallenen Gelehrten („wie ein Hund, der hechelt")
  • Al-asmāʾ al-ḥusnā – Vers 180: „die schönsten Namen Gottes" – Grundlage der 99-Namen-Liste