Alle 114 Suren des Korans

Sure 66: Das Verbot (At-Taḥrīm)

Sure 66 von 114, 12 Verse

Sure 66 heißt At-Tahrim, "Das Verbot", und hat in der Kairoer Zählung 12 Verse. Sie gilt als medinisch. Sie beginnt mit der Frage, warum der Prophet sich etwas verbietet, was Allah ihm erlaubt hat, und endet mit vier Frauen als Beispiel, darunter Maria.

1 O Prophet, warum verbietest du, was Allah dir erlaubt hat, deinen Gattinnen zu Gefallen? Doch Allah ist verzeihend und barmherzig.

2 Allah hat euch die Lösung eurer Eide sanktioniert, und Allah ist euer Gebieter, und er ist der Wissende, der Weise.

3 Und da der Prophet einer seiner Gattinnen einen Vorfall insgeheim mitteilte, und sie es aussagte, und Allah ihm davon Kunde gab, da gab er ihr einen Teil davon zu wissen und verschwieg einen Teil. Und da er es ihr ansagte, sprach sie: "Wer hat dir dies angesagt?" Er sprach: "Angesagt hat es mir der Wissende, der Weise."

4 Wenn ihr beide euch zu Allah bekehrt, da eure Herzen abgewichen sind, ... (so ist es gut), wenn ihr euch jedoch gegen ihn helft, siehe so ist Allah sein Schützer und Gabriel und (jeder) rechtschaffene Gläubige, und die Engel sind außerdem seine Helfer.

5 Vielleicht gibt ihm sein Herr, wenn er sich von euch scheidet, bessere Gattinnen als euch zum Tausch, muslimische, gläubige, demütige, reuevolle, anbetende, fastende, nicht mehr jungfräuliche und Jungfrauen.

6 O ihr, die ihr glaubt, rettet euch und eure Familien vom Feuer, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind; über es sind Engel (gesetzt), starke und gestrenge, die gegen Allahs Befehl nicht widerspenstig sind und tun, was sie geheißen sind.

7 O ihr Ungläubigen, entschuldigt euch nicht an jenem Tag; ihr werdet nur für euer Tun belohnt.

8 O ihr, die ihr glaubt, kehrt euch zu Allah in aufrichtiger Bekehrung; vielleicht deckt Allah eure Missetaten zu und führt euch ein in Gärten, durcheilt von Bächen, an jenem Tag, an dem Allah den Propheten und die Gläubigen mit ihm nicht zuschanden macht. Ihr Licht wird vor ihnen eilen und zu ihren Rechten. Sie werden sprechen: "Unser Herr, mache unser Licht vollkommen und verzeihe uns; siehe du hast Macht über alle Dinge."

9 O Prophet, eifere im Streit gegen die Ungläubigen und die Heuchler und sei hart gegen sie, denn ihre Wohnung ist Dschehannam, und schlimm ist die Fahrt (dorthin).

10 Allah stellt ein Gleichnis für die Ungläubigen auf: Die Frau Noahs und die Frau Lots. Beide standen unter zwei unserer rechtschaffenen Diener, doch verrieten sie beide, und beide vermochten nichts für sie bei Allah; und gesprochen wurde: "Geht ein ins Feuer mit den Eingehenden."

11 Und es stellt Allah ein Gleichnis für die Gläubigen auf: Die Frau Pharaos, da sie sprach: "Mein Herr, baue mir bei dir ein Haus im Paradies und rette mich vor Pharao und seinem Tun, und rette mich vor dem Volk der Ungerechten."

12 Und Maria, Imrans Tochter, die ihre Scham hütete; darum hauchten wir unseren Geist in sie, und sie glaubte an die Worte ihres Herrn und seine Schriften, und war eine der Demütigen.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 66 heißt arabisch At-Tahrim, auf Deutsch "Das Verbot". Der Name kommt aus Vers 1: "O Prophet, warum verbietest du, was Allah dir erlaubt hat, deinen Gattinnen zu Gefallen? Doch Allah ist verzeihend und barmherzig." [1] Die Sure hat nach der Kairoer Zählung 12 Verse [2]. Die Überlieferung, wie Tanzil sie wiedergibt, führt sie als medinisch an 107. Stelle der Offenbarung [3]. Theodor Nöldeke setzt die ersten fünf Verse in das Jahr 7 nach der Auswanderung [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Inhalt im Überblick

VerseInhalt
1 und 2Frage an den Propheten nach dem Verbot; Allah hat die Lösung von Eiden erlaubt
3 bis 5ein Geheimnis, das eine Gattin weitererzählt; Mahnung an zwei Gattinnen
6 bis 8Rettung vor dem Feuer, aufrichtige Umkehr, das Licht der Gläubigen
9Aufruf, gegen Ungläubige und Heuchler zu eifern
10 bis 12Gleichnisse: die Frauen Noahs und Lots, die Frau Pharaos und Maria, Imrans Tochter

Wie die Sure verstanden wird

Was der Prophet sich nach Vers 1 verboten hatte, sagt der Koran nicht. Die Überlieferung kennt dazu verschiedene Berichte, und die Ausleger gewichten sie unterschiedlich.

Klassische Auslegung

Ibn Kathir (gekürzte englische Fassung) führt Berichte von Aischa bei al-Buchari und Muslim an: Der Prophet trank bei einer seiner Frauen Honig, andere Frauen sprachen ihn daraufhin auf einen unangenehmen Geruch an, und er schwor, keinen Honig mehr zu trinken. Nach einer Fassung gab ihm Zainab bint Dschahsch den Honig, nach einer anderen Hafsa [5]. Den Aufruf in Vers 9, gegen Ungläubige und Heuchler zu eifern, deutet er als Kampf mit Waffen gegen die einen und als Anwendung des Strafrechts gegen die anderen. Den Verrat der Frauen Noahs und Lots in Vers 10 versteht er nach Ibn Abbas als Weigerung, dem Glauben ihrer Männer zu folgen [6].

Heutige muslimische Theologie

Muhammad Asad hält die Berichte für widersprüchlich und deshalb wenig verlässlich. Er versteht den Anlass als Schwur des Propheten, sich einen Monat lang von seinen Frauen fernzuhalten, ausgelöst wohl durch Eifersucht unter einigen von ihnen. Den Vers liest er als allgemeine Lehre: Niemand soll für verboten erklären, was Allah erlaubt hat, und der Prophet war ein Mensch, der irren konnte [7]. Vers 9 ist nach Asad gleichlautend mit Sure 9,73 [9]. Dort versteht er das Eifern im geistigen Sinn, als Bemühen, offene Ungläubige und Schwankende zu überzeugen [8].

Islamwissenschaft

Nöldeke bezieht die Verse 1 bis 5 auf einen Streit der Frauen des Propheten um Marija, die Koptin, die der Statthalter Ägyptens geschickt hatte. Die Honiggeschichte sieht er als zusätzliche Erklärung, die vielleicht schon von der beteiligten Aischa stamme, obwohl sie nach seiner eigenen Angabe häufiger bezeugt ist. Die Verse 10 bis 12 hängen nach ihm damit zusammen, die Verse 6 bis 9 scheinen aus späterer Zeit zu stammen [4].

Zum Weiterlesen: Maria im Koran, Frauen im Koran und auf bibel.domain-root.de Maria, die Mutter Jesu, in der Bibel. Ihre Nachbarn sind Sure 65, Die Scheidung und Sure 67, Das Reich.

  1. Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Geschichte des Qorâns, S. 162. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  5. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: At-Tahrim Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: At-Tahrim Ayah 10. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Al-Quran, Online Quran Project: Sure 66,1 mit Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  8. Al-Quran, Online Quran Project: Sure 9,73 mit Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  9. Al-Quran, Online Quran Project: Sure 66,9 mit Anmerkungen von Muhammad Asad. al-quran.info. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.