Alle 114 Suren des Korans

Sure 71: Noah (Nuh)

Sure 71 von 114, 28 Verse

Sure 71 heißt Noah, arabisch Nuh, und hat in der Kairoer Zählung 28 Verse. Sie gilt als mekkanisch und besteht fast ganz aus Noahs Predigt und seiner Klage über ein Volk, das nicht hören will. Die Flut wird nur in einem Vers erwähnt.

1 Siehe wir entsandten Noah zu seinem Volk: "Warne dein Volk, bevor zu ihnen eine schmerzliche Strafe kommt."

2 Er sprach: "O mein Volk, siehe ich bin euch ein offenkundiger Warner.

3 Dient Allah und fürchtet ihn und gehorcht mir.

4 Verzeihen wird er euch eure Sünden und warten wird er mit euch zu einem bestimmten Termin. Siehe Allahs Termin, wenn er kommt, wird nicht verschoben. O dass ihr es doch wüsstet!"

5 Er sprach: "Mein Herr, siehe ich rief zu meinem Volk bei Nacht und Tag.

6 Doch bestärkte mein Rufen sie nur in ihrer Flucht. (Flügel 5)

7 Und siehe, so oft ich sie rief, dass du ihnen verziehest, steckten sie ihre Finger in ihre Ohren und verhüllten sich in ihre Kleider und waren verstockt und voll Hochmut. (Flügel 6)

8 Dann rief ich sie öffentlich; (Flügel 7)

9 Dann sprach ich offen und im Geheimen zu ihnen. (Flügel 8)

10 Und ich sprach: 'Bittet euren Herrn um Verzeihung, siehe er ist verzeihend.' (Flügel 9)

11 Er wird den Himmel auf euch niedersenden in Strömen, (Flügel 10)

12 Und wird euch reich machen an Gut und Kindern und wird euch Gärten geben und Bäche. (Flügel 11)

13 Was fehlt euch, dass ihr nicht hofft auf Allahs Güte, (Flügel 12)

14 Wo er euch doch in Absätzen erschaffen hat? (Flügel 13)

15 Seht ihr denn nicht wie Allah sieben Himmel übereinander erschaffen hat? (Flügel 14)

16 Und er hat den Mond in sie als Licht gesetzt und die Sonne zu einer Lampe gemacht; (Flügel 15)

17 Und Allah ließ euch aus der Erde gleich Pflanzen sprießen; (Flügel 16)

18 Dann wird er euch in sie wieder zurückbringen und von neuem erstehen lassen. (Flügel 17)

19 Und Allah hat die Erde für euch zu einem Teppich gemacht, (Flügel 18)

20 Damit ihr auf breiten Pfaden zieht." (Flügel 19)

21 Es sprach Noah: "Mein Herr, siehe sie sind widerspenstig gegen mich und folgen denen, deren Gut und Kinder nur umso größeres Verderben über sie bringt." (Flügel 20)

22 Und sie schmiedeten eine große List (Flügel 21)

23 Und sprachen: "Verlasst nicht eure Götter und verlasst nicht Wadd und Sowaa und nicht Jaghuth und Jauk und Nasr." (Flügel 22 bis 23)

24 Und sie führten schon viele irre, und du wirst die Ungerechten nur im Irrtum bestärken.

25 Wegen ihrer Sünden wurden sie ersäuft und ins Feuer geführt, und sie fanden keine Helfer gegen Allah. (Flügel 25 bis 26)

26 Und es sprach Noah: "Mein Herr, lass keinen der Ungläubigen auf Erden. (Flügel 27)

27 Siehe, wenn du sie übrig lässt, so werden sie deine Diener irreführen und werden nur Sünder und Ungläubige zeugen. (Flügel 28)

28 Mein Herr, verzeihe mir und meinen Eltern und jedem Gläubigen, der mein Haus betritt, und den gläubigen Männern und Frauen. Und mehre allein der Ungerechten Verderben." (Flügel 29)

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 71 trägt den Namen Noah, arabisch Nuh. Sie ist die 71. Sure des Korans und hat nach der Kairoer Zählung 28 Verse [2]. Die Überlieferung, wie Tanzil sie wiedergibt, führt sie als mekkanisch und setzt sie an die 71. Stelle der Offenbarung [3]. Der Kommentar des Corpus Coranicum an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ordnet sie der mittleren mekkanischen Zeit zu und hält die Verse 26 bis 28 für einen möglicherweise späteren Zusatz [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Inhalt im Überblick

Bis auf die Einleitung und den Bericht über die Strafe besteht die Sure aus einer Rede Noahs [4].

VerseInhalt
1 bis 4Allah sendet Noah zu seinem Volk; Noah ruft zu Gottesfurcht und Gehorsam auf und verspricht Verzeihung
5 bis 9Noah berichtet seinem Herrn, wie er Tag und Nacht, offen und im Geheimen gerufen hat und abgewiesen wurde
10 bis 20Aufruf zur Bitte um Verzeihung, verheißener Regen und Wohlstand, Zeichen der Schöpfung: sieben Himmel, Mond, Sonne, die Erde als Teppich
21 bis 24Noahs Klage; das Volk hält an seinen Göttern fest
25Das Volk wird ertränkt und ins Feuer geführt
26 bis 28Noah bittet um die Vernichtung der Ungläubigen und um Verzeihung für sich, seine Eltern und die Gläubigen

Wie die Leute auf die Predigt reagieren, beschreibt Vers 7: Sie steckten "ihre Finger in ihre Ohren und verhüllten sich in ihre Kleider" [1]. In Vers 23 nennt die Sure fünf Götter mit Namen: Wadd, Sowaa, Jaghuth, Jauk und Nasr [1].

Wie die Sure verstanden wird

Die Deutungen setzen an zwei Stellen an: an den Götternamen in Vers 23 und an Noahs Gebet am Schluss.

Klassische Auslegung

Ibn Kathir erklärt die fünf Götter mit einem Bericht nach Ibn Abbas, den al-Buchari überliefert. Danach waren es Namen frommer Männer aus Noahs Volk. Nach ihrem Tod stellte man an ihren Versammlungsorten Bilder von ihnen auf. Spätere Generationen, die den Ursprung nicht mehr kannten, verehrten diese Bilder [5]. Ibn Kathir nennt auch die arabischen Stämme, zu denen die Götter später gelangten, etwa Wadd zum Stamm Kalb in Dumat al-Dschandal und Sowaa zu den Hudhail [5].

Heutige muslimische Theologie

Der Kommentar Ma'arif al-Qur'an von Muhammad Shafi (1897 bis 1976) liest die "Sünden" in Vers 25 als Unglauben und Beigesellung [6, 7]. Das Feuer bezieht er auf das Barzach, den Zwischenzustand zwischen Tod und Jenseits. Den Glauben an Strafe und Lohn im Grab nennt er ein Kennzeichen der sunnitischen Lehre [6].

Islamwissenschaft

Dirk Hartwig und Angelika Neuwirth sehen in der Sure vor allem ein Abbild der Lage des Verkünders: Noahs Predigt sei eine Rückprojektion von Muhammads Predigt in die biblische Vergangenheit, und die Götternamen verweisen auf das altarabische Pantheon [4]. Der Bau der Arche fehlt ganz, die Flut wird nur angedeutet [4]. Weil Vers 26 um die Vernichtung eines Volkes bittet, das nach Vers 25 schon vernichtet ist, erwägen sie eine Versumstellung. Vers 28 unterscheidet gläubige Männer und Frauen; diese Unterscheidung trifft der Koran nach ihrer Analyse sonst erst in spätmekkanischer Zeit [4].

Zum Weiterlesen: Die Propheten im Koran und Mekkanische und medinensische Suren. Die Flut erzählt die Bibel in 1. Mose 6. Sure 71 steht im Koran zwischen Sure 70, Die Stufen und Sure 72, Die Dschinn.

  1. Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Sure 71, Nūḥ, Noah (Chronologisch-literaturwissenschaftlicher Kommentar zum Koran). Dirk Hartwig und Angelika Neuwirth, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Corpus Coranicum. Stand Betaversion, ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Nuh Ayah 23. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Ma'arif al-Qur'an Tafsir: Nuh Ayah 26. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Muhammad Shafi Deobandi. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.