Alle 114 Suren des Korans

Sure 81: Das Zusammenfalten (At-Takwir)

Sure 81 von 114, 29 Verse

Sure 81 heißt Das Zusammenfalten, arabisch At-Takwir, und hat in der Kairoer Zählung 29 Verse. Sie gilt als sehr frühe mekkanische Sure. Der erste Teil reiht Bilder vom Weltende aneinander, darunter die Frage an das lebendig begrabene Mädchen; der zweite Teil verteidigt die Herkunft der Offenbarung.

1 Wenn die Sonne zusammengefaltet wird,

2 Und wenn die Sterne herabfallen,

3 Und wenn die Berge sich rühren,

4 Und die hochschwangeren Kamelstuten vernachlässigt werden,

5 Und wenn die wilden Tiere sich versammeln,

6 Und wenn die Meere anschwellen,

7 Und wenn die Seelen gepaart werden (mit ihren Leibern),

8 Und wenn das lebendig begrabene (Mädchen) gefragt wird,

9 Um welcher Sünde willen es getötet wurde,

10 Und wenn die Seiten aufgerollt werden,

11 Und wenn der Himmel weggezogen wird,

12 Und wenn der Höllenpfuhl entflammt wird,

13 Und wenn das Paradies nahe gebracht wird,

14 Dann wird jede Seele wissen, was sie getan hat.

15 Und ich schwöre bei den rücklaufenden Sternen,

16 Den eilenden und sich verbergenden,

17 Und bei der Nacht, wenn sie dunkelt,

18 Und dem Morgen, wenn er aufatmet,

19 Siehe dies ist wahrlich das Wort eines edlen Gesandten,

20 Der begabt ist mit Macht bei dem Herrn des Thrones und in Ansehen steht,

21 Dem gehorcht wird und der getreu ist.

22 Und nicht ist euer Gefährte besessen;

23 Wahrlich er sah ihn am klaren Horizont,

24 Und er geizt nicht mit dem Verborgenen.

25 Auch ist es nicht das Wort eines gesteinigten Satans.

26 Darum, wohin geht ihr?

27 Siehe es ist nur eine Ermahnung für alle Welt,

28 Für jeden von euch, der den geraden Weg nehmen will.

29 Doch werdet ihr nicht wollen, es sei denn, dass Allah will, der Herr der Welten.

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 81 heißt Das Zusammenfalten, arabisch At-Takwir, nach dem ersten Vers: "Wenn die Sonne zusammengefaltet wird" [1]. Sie ist die 81. Sure des Korans und hat nach der Kairoer Zählung 29 Verse [2]. Die Überlieferung, wie Tanzil sie wiedergibt, führt sie als mekkanisch und setzt sie an die 7. Stelle der Offenbarung [3]. Im Kommentar des Corpus Coranicum stellt Nicolai Sinai sie in eine frühe Gruppe frühmekkanischer Suren, zusammen mit den Suren 82 und 84 [4]. Als Koran gilt nach islamischem Verständnis nur der arabische Wortlaut. Die deutsche Fassung auf dieser Seite ist eine Lesefassung nach Max Henning (1901).

Inhalt im Überblick

Ohne den letzten Vers hat die Sure zwei gleich lange Teile von je 14 Versen [4].

VerseInhalt
1 bis 6Sonne, Sterne, Berge, trächtige Kamelstuten, wilde Tiere und Meere am Weltende
7 bis 14Die Seelen werden gepaart, das begrabene Mädchen wird gefragt, die Seiten werden aufgerollt; jede Seele erfährt, was sie getan hat
15 bis 18Schwur bei den Sternen, der Nacht und dem Morgen
19 bis 25Das Wort eines edlen Gesandten, den "euer Gefährte" am klaren Horizont sah; es ist nicht das Wort eines Satans
26 bis 29Eine Ermahnung für alle Welt; kein Wollen ohne Allahs Willen

Die Verse 8 und 9 lauten: "Und wenn das lebendig begrabene (Mädchen) gefragt wird, / Um welcher Sünde willen es getötet wurde" [1].

Wie die Sure verstanden wird

Die meisten Erklärungen gelten dem begrabenen Mädchen in den Versen 8 und 9 und der Vision in den Versen 19 bis 24.

Klassische Auslegung

Ibn Kathir erklärt, in vorislamischer Zeit hätten Leute neugeborene Mädchen lebendig begraben, weil sie Mädchen hassten. Die Frage am Tag des Gerichts richte sich an das Mädchen, damit der Mörder erschrecke; nach Ibn Abbas wird das Mädchen selbst fragen [5]. Ibn Kathir überliefert auch, dass Qais ibn Asim dem Propheten bekannte, er habe Töchter begraben. Der Prophet habe ihm aufgetragen, für jede einen Sklaven freizulassen [5].

Heutige muslimische Theologie

In Ma'arif al-Qur'an schreibt Muhammad Shafi (1897 bis 1976), manche Väter hätten die Geburt einer Tochter als Schande empfunden; der Islam habe den Brauch abgeschafft [6, 7]. Das Mädchen werde hervorgehoben, weil es niemanden hatte, der für es klagte, und die Tat im Verborgenen geschah. Shafi leitet aus der Stelle auch Regeln ab: Eine Abtreibung nach dem vierten Monat gilt ihm als Kindstötung, davor als unerlaubt außer im Notfall [6].

Islamwissenschaft

Sinai liest die zwölf Bilder des ersten Teils als Gang durch den Kosmos, von den Gestirnen über Berge, Meere und Tiere bis zum Menschen, der sich vor Gericht verantworten muss. Die Erweckung des Mädchens ist darin ein Einzelfall der Vereinigung von Seelen und Körpern aus Vers 7 [4]. Der zweite Teil antwortet auf den Vorwurf, der Verkünder sei von Dämonen eingegeben wie ein Dichter [4]. Richard Bell hielt einige Verse über den Gesandten für spätere Zusätze, und van Ess wollte die Sure nach Medina setzen. Sinai lehnt beides ab, weil Stil, Länge und Aufbau der frühen Zeit entsprechen [4]. Nur den Schlussvers hält er für einen Zusatz, der wie Sure 74,56 das menschliche Wollen unter Gottes Willen stellt [4].

Zum Weiterlesen: Frauen im Koran, Ehe und Familie im Koran und Engel und Dschinn im Koran. Ihr geht Sure 80, Er runzelte die Stirn voraus, auf sie folgt Sure 82, Das Zerspalten.

  1. Der Koran. Max Henning (Übers.), Reclam jun., Leipzig. Stand ohne Datum (Ausgabe 1901). abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Revelation Order. Tanzil. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Sure 81, at-Takwīr, Die Verhüllung (Chronologisch-literaturwissenschaftlicher Kommentar zum Koran). Nicolai Sinai, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Corpus Coranicum. Stand Betaversion, ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  5. Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: At-Takwir Ayah 8. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Ma'arif al-Qur'an Tafsir: At-Takwir Ayah 8. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  7. Muhammad Shafi Deobandi. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.