Alle 114 Suren des Korans

Sure 83: Die das Maß Verkürzenden (Al-Muṭaffifīn)

Sure 83 von 114, 36 Verse

Sure 83 heißt in der Fassung nach Henning "Die das Maß Verkürzenden", arabisch Al-Mutaffifin, und hat 36 Verse. Sie beginnt mit einem Wehe über Betrug beim Messen und Wiegen und stellt dann das Buch der Frevler dem Buch der Gerechten gegenüber. Ob sie in Mekka oder Medina entstand, ist seit alter Zeit umstritten.

1 Wehe denen, die das Maß verkürzen,

2 Die, wenn sie sich von den Leuten zumessen lassen, volles Maß verlangen,

3 Wenn sie ihnen jedoch zumessen oder zuwägen, weniger geben.

4 Glauben jene etwa nicht erweckt zu werden

5 An einem gewaltigen Tag,

6 Dem Tag, an dem die Leute vor dem Herrn der Welten stehen?

7 Wahrlich, siehe das Buch der Frevler ist in Siddschin.

8 Und was lehrt dich wissen, was Siddschin ist?

9 Ein geschriebenes Buch!

10 Wehe an jenem Tag den Leugnern,

11 Die den Tag des Gerichts für Lüge erklären!

12 Doch leugnen ihn nur alle Übertreter und Sünder,

13 Die, wenn ihnen unsere Zeichen verlesen werden, sprechen: "Fabeln der Früheren!"

14 Keineswegs; doch über ihre Herzen herrscht, was sie geschafft haben.

15 Wahrlich; doch werden sie wahrlich an jenem Tag von ihrem Herrn ausgeschlossen sein.

16 Dann werden sie brennen im Höllenpfuhl;

17 Dann wird gesprochen: "Dies ist es, was ihr leugnetet."

18 Wahrlich; doch siehe das Buch der Gerechten ist wahrlich in Illijun.

19 Und was lehrt dich wissen, was Illijun ist?

20 Ein geschriebenes Buch!

21 Bezeugen werden es die (Allah) nahestehenden (Engel).

22 Siehe, die Gerechten werden wahrlich in Wonne sein;

23 Auf Hochzeitsthronen (sitzend) werden sie ausschauen;

24 Erkennen kannst du auf ihren Gesichtern den Glanz der Wonne;

25 Getränkt werden sie von versiegeltem Wein,

26 Dessen Siegel Moschus ist; und hiernach mögen die Begehrenden begehren;

27 Und seine Mischung ist (Wasser) von Tasnim,

28 Einer Quelle aus der die (Allah) Nahestehenden trinken.

29 Siehe die Sünder lachen über die Gläubigen,

30 Und wenn sie an ihnen vorübergehen, winken sie einander zu,

31 Und wenn sie zu ihren Angehörigen zurückkehren, kehren sie spottend zurück;

32 Und wenn sie sie sehen, sprechen sie: "Siehe dieses sind wahrlich Irrende."

33 Aber nicht sind sie als Wächter über sie gesandt.

34 Doch an jenem Tag werden die Gläubigen die Ungläubigen verlachen,

35 Wenn sie von Hochzeitsthronen ausschauen.

36 Sollten die Ungläubigen für ihr Tun nicht belohnt werden?

Text: Der Koran in der Übersetzung von Max Henning (Reclam 1901), gemeinfrei. Als Koran gilt nur das arabische Original; jede Übersetzung ist eine Deutung.

Sure 83 heißt in der Fassung nach Henning "Die das Maß Verkürzenden", arabisch Al-Mutaffifin. Nach der Kairoer Zählung hat sie 36 Verse, und nach der heute üblichen Einteilung (nach Tanzil) ist sie mekkanisch [1, 7]. Wann und wo sie entstand, ist schon in der frühen Überlieferung umstritten [4]. Grundlage der deutschen Fassung ist die Übersetzung von Max Henning (Reclam, Leipzig 1901) [6].

Inhalt im Überblick

Die Sure beginnt mit einem Vorwurf aus dem Alltag des Handels und weitet ihn zur Frage nach dem Gericht.

  • Verse 1 bis 3: Wehe denen, die beim Messen und Wiegen für sich volles Maß verlangen und anderen weniger geben.
  • Verse 4 bis 6: Die Frage, ob sie nicht glauben, an einem gewaltigen Tag erweckt zu werden, wenn die Leute vor dem Herrn der Welten stehen.
  • Verse 7 bis 17: Das Buch der Frevler ist in Siddschin. Die Leugner nennen die Zeichen "Fabeln der Früheren"; sie werden von ihrem Herrn ausgeschlossen sein und im Höllenpfuhl brennen.
  • Verse 18 bis 28: Das Buch der Gerechten ist in Illijun. Die Gerechten sitzen auf Hochzeitsthronen und trinken versiegelten Wein, gemischt mit Wasser aus der Quelle Tasnim.
  • Verse 29 bis 36: Die Sünder verspotten die Gläubigen; am Tag des Gerichts kehrt sich das Verhältnis um.

Der Anfang lautet: "Wehe denen, die das Maß verkürzen, / Die, wenn sie sich von den Leuten zumessen lassen, volles Maß verlangen, / Wenn sie ihnen jedoch zumessen oder zuwägen, weniger geben." (Sure 83,1 bis 3). Was Siddschin und Illijun sind, beantwortet der Text selbst zweimal mit denselben Worten: "Ein geschriebenes Buch!" (Sure 83,9).

Wie die Sure verstanden wird

Zwei Fragen stehen im Mittelpunkt: wann und wo die Sure entstand, und was die beiden Bücher bedeuten.

Klassische Auslegung

Ibn Kathir führt die Sure als in Medina offenbart und erklärt das arabische Wort für Maßverkürzung als Geiz beim Messen und Wiegen, sei es, dass jemand mehr nimmt, als ihm zusteht, oder weniger gibt, als er schuldet [2]. Als Anlass nennt er einen Bericht von Ibn Abbas bei an-Nasa'i und Ibn Madscha: Als der Prophet nach Medina kam, hätten die Leute dort zu den schlimmsten beim Messen gehört; nach der Offenbarung hätten sie gerecht gemessen [2]. Er verweist auf andere Koranstellen zum gerechten Maß und auf das Volk Schoeibs, das nach dem Koran wegen solchen Betrugs vernichtet wurde [2]. Zu Vers 6 sammelt er Überlieferungen über das lange Stehen am Gerichtstag, darunter einen Bericht bei al-Buchari und Muslim, die Menschen stünden dort im Schweiß bis an die Ohren [2].

Neuere muslimische Auslegung

Der tunesische Gelehrte Ibn Aschur (1879 bis 1973) schrieb den Kommentar at-Tahrir wa-t-Tanwir [5]. Nach der Zusammenfassung bei Quran.com hält er für am stärksten begründet, dass die Sure zwischen Mekka und Medina oder als erste Sure nach der Auswanderung offenbart wurde; in der überlieferten Reihenfolge der Offenbarung zählt er sie als 86. Sure [1]. Den Betrug beim Messen führt er auf das Leugnen von Gericht und Rechenschaft zurück, und er versteht die Offenbarung als Vorbereitung auf den Handel in Medina [1].

Islamwissenschaft

Theodor Nöldeke stellte 1860 zusammen, was die Überlieferung über die Sure sagt: Weil sich die ersten Verse auf Verhältnisse in Medina beziehen ließen, sollten danach die ersten 6 Verse, die ersten 28 Verse oder alle Verse in Medina entstanden sein; andere hielten sie für die letzte mekkanische oder die erste medinische Sure, wieder andere für zwischen beiden Städten offenbart [4]. Nöldeke selbst sprach von vielen falschen Angaben und rechnete die Sure zur ersten mekkanischen Periode [4]. Angelika Neuwirth ordnet sie in ihrem Kommentar, der die Suren in einer erschlossenen zeitlichen Folge bespricht, erst in die dritte Gruppe der frühmekkanischen Suren ein, zusammen mit Sure 77 [3]. Mit den Suren 78 bis 114 bildet sie das letzte Dreißigstel des Korans, aus dem bis heute oft im Gebet rezitiert wird [3]. Mehr zur Einteilung steht unter Mekkanische und medinensische Suren und zum Gericht unter Tod, Gericht und Jenseits im Koran. Im Koran steht sie zwischen Sure 82 und Sure 84.

  1. Organisation Surah Info: Al-Mutaffifin. Quran.com (nach Tafsir Ibn Ashur). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Ibn Kathir (Abridged) Tafsir: Al-Mutaffifin Ayah 1. Quran.com. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  3. Studie Der Koran. Handkommentar mit Übersetzung von Angelika Neuwirth. Bd. 1: Poetische Prophetie. Frühmekkanische Suren (Leseprobe). Verlag der Weltreligionen im Insel Verlag. Stand 2011. abgerufen am 29.10.2026
  4. Studie Geschichte des Qorâns, Inhaltsverzeichnis und S. 82. Theodor Nöldeke, Dieterich, Göttingen. Stand 1860. abgerufen am 29.10.2026
  5. Ibn Ashur. Wikipedia (englisch). Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  6. Studie Qur'an translation of the week #36: The impact of standardization: Max Henning's 1901 Qur'an translation and its editors. GloQur (Johanna Pink). Stand 22.01.2021. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Quran Metadata (ver 1.0). Tanzil. Stand 2009. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 30.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.